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Full text of "Verhandlungen der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern"



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Verhandlungen 



der 



OrnithologischenGesellschaftinBayern 



Band XIV 



Im Auftrage der Gesellschaft 

herausgegeben 



C. E. Hellmayr und E. Stresemann 

Generalsekretär. Stellvertr. Sekretär. 




München 1919—1920. 

Im Buchhajadel zu beziehen durch die Verlagsbuchhandlung 
Gustav Fischer in Jena. 



Die einzelnen Hefte des XIV. Bandes wurden ausgegeben: 
Heft 1 (p. 1—136) am 26. Juni 1919. 

Heft 2 (p. 137—186) am 15. Dezember 1919. 

Heft 3 (p. 187—278, V— VIH) am 29. April 1920. 
Heft 4 (p. 279—298, IX— XVH) am 11. Dezember 1920. 



Gedruckt bei Junge & Sohn in Erlangen 



Inhaltsverzeichnis des XIV. Bandes. 

Originalaufsätze. Seite 

Bacmeister, W., Die Weidenmeise bei Straßburg 150 

— Eigenartiges Abwehrmittel des jungen Kuckucks 275 

Fenk, R., Außereheliche Brüten bei mongamen Vögeln und andere interessante 

Beobachtungen aus der Vogelstube 199 

Hellmayr, C. E., Miscellanea ürnithologica IV 126 

— Bibliographisches und Kritisches über E. Schombiu-gk's Vögel von 
Britisch-Guiana 270 

^ — Miscellanea Ornithologica V 281 

Hess, A., Ein schweizerischer Micropus apus apus (L.) in Bayern gefunden 290 
HofTmann, B., Vom VogeUeben im hinterpommerschen Küstengebiet nebst 

einem Vergleich mit der Vogelwelt des Algäu (Pfronten) .... 89 
Laubmann, A., Bemerkungen über einige bisher übersehene Namen Chr. L. 

Brehm's 103 

— Entgegnung auf Kleinschmidt's „Berichtigungen" 182 

— Beiträge zur bayerischen Ornithologie 206 

Lindner, E., Die Felsenschwalbe in Bayern 148 

Sachtleben, A., Zur Kenntnis der Wasserschmätzer 82 

— Eine neue Spechtform aus Lithauen 181 

— und E. Stresemann, Über die europäischen Mattkopfmeisen (Gruppe 
Parus atricapillus) 228 

Scheich er, R., Ornithologische Beobachtungen in Galizien 3 

— Die Weidenmeise in Holstein und im sächsischen Erzgebirge . . 151 

Schlegel, R., Die sächsischen Spechtmeisen und Baiunläufer 189 

Schnabel, E., Die letzten Kolkraben (Corvus c. corax) im Spessart . . . 22§ 

Stadler, H., Cettia cetti, der Seidenrohrsänger, in Friaul ....... 107 

— Die Vogelwelt Unterfrankens 221 

stresemann, E., Notiz über Centropus rectunguis Strickl. und verwandte Arten 37 

— Über die europäischen Baumläufer . 39 

— Beiträge zur Kenntnis der Gefiederwandlungen der Vögel I . . . 75 

— Sitta europaea homeyeri: eine reine Easse oder eine Mischrasse? . 139 

— NachträgezurVerbreitungder Baumläufer, Schwanzmeisen und Gimpel 214 

— Ein neuer Specht aus Sumatra 288 

— Ein neuer Name für Picus striölatus Blyth 289 

— und H. Sachtleben, Über die europäischen Mattkopfmeisen (Gruppe 
Parus atricapillus) 228 



IV Inhaltsverzeichnis des XIV. Bandes. 

Seite 
Sunkel, W., Aufruf zur Mitarbeit an einer Avifauna von Hessen .... 136 

— Erklärung 185 

Zimmer, C, Der Beginn des Vogelgesanges in der Frühdämmerung . . . 152 



Schriftenschau (Referate) 134, 276, 291 

Chapman, The Distribution of Bird-Life in Colombia 277 

Hartert, Die Vögel der palaearktischen Fauna. Heft 10 — 12 . . 292 
van Heyst, Aanteekeningen omtrent de Avifauna van Deli (Suma- 

tra's Oostkust) 276 

Hoff mann, Führer durch unsere Vogel weit 134 

El Hornero ' , . . . -. 277 

Merikallio, Über die Verbreitung von Sarelda hiemalis .... 277 
Pahngren, TUl kännedomen om sparfugglans, Glaucidium passerinum 

L., näringsekologi 277 

Palmen, Beringte Vögel aus Finnland . 276 

Schaaning, „Bjerkreim-Orren" — en harmonisk Orfugl-Varietet . . 292 

Schalow, Beiträge zur Vogelfauna der Mark Brandenburg .... 278 

Stresemann, Avifauna Macedonica 291 



Sitzungsberichte (Oktober 1918— Mai 1919) V 

„ (Oktober 1919— Juni 1920) IX 

Mitgliederverzeichnis 1920 XIII 



XIV 
1920 



' ' I E. Schnorr v. Carolsfeld: Sitzungsbericlite. 



Sitzungsberichte. 

Bearbeitet von E. Schnorr von Carolsfeld. 

Sitzung am 4. Oktober 1918. 

Anwesend: 9 Mitglieder, sowie 3 Herren vom Bayer. VogeUieb- 
haberverein. 

Vorsitz: Frhr. v. Besserer. Schriftf.: v. Schnorr. 

Als neues Mitglied wird Herr Otto Gaschott (München) auf- 
genommen. Besprechung der eingelaufenen Literatur und Bericht über 
die Ergebnisse einer Zusammenkunft der Herren Eckart, Hellmayr 
und Oertel (als Vertreter der O. G. B.) mit den Mitgliedern der staatl. 
Vogelschutzkommission . 

Sitzung am 6. Dezember 1918. 

Anwesend: 11 Mitglieder, sowie 6 Herren vom Bayer. V.-V. 

Vorsitz: Frhr. v. Besserer. Schriftf.: v. Schnorr. 

Herr Dr. W. K. Eckard t, Essen, wird als neues Mitglied auf- 
genommen. 

Vortrag des Herrn H. Sachtleben über die Stieglitze mit be- 
sonderer Berücksichtigung der Rassenbildung und der Gefiederwandlungen 
in beiden Geschlechtern. 

Sitzung am 3. Januar 1919. 

Anwesend: 13 Mitglieder, sowie 4 Herren vom Bayer. V.-V. 

Vorsitz: Frhr. v. Besserer. Schriftf.: v. Schnorr. 

Herr Reinhold Fenk, Erfurt, wird als neues Mitglied aufgenommen. 
Herr Stresemann macht Mitteilungen über das vorläufige Ergebnis der 
Bearbeitung einer großen Sammlung, welche die Herren Prof. Dr. Doflein 
und Prof. Müller in Mazedonien angelegt hatten (über 3250 Bälge). 
Im Anschluß an seine Ausführungen bespricht Vortragender den Gefieder- 
wechsel des Braunkehlchens, sowie des Grauen und des Mittelmeer-Stein- 
schmätzers. Saxicola ruhetra und Oenanthe oenanthe mausern zweimal 
im Jahr, Oenanthe hispanica dagegen nur einmal. Bei den beiden zu- 
erst erwähnten Arten ist der Geschlechtsdimorphismus im Ruhekleid kaum 
wahrnehmbar und nur im Brutkleid beträchtlich. Vor der ersten Voll- 



VI E. Schnorr v. Carolsfeld: Sitzungsberichte. fVerh. Om. 

L Ges. Bay. 

mauser, die im Alter von einem Jahr erfolgt, kann man das männliche 
Braunkehlchen vom älteren am Mangel oder der sehr schwachen Aus- 
bildung eines weißen, durch die Handdecken gebildeten Flügelspiegels 
unterscheiden. Diese Verhältnisse werden an Hand einiger Bälge erläutert. 

Generalversammlung am 7. Februar 1919. 

Anwesend: 14 Mitglieder, sowie 1 Herr vom Bayer. V.-V. 

Vorsitz: Frhr. v. Besserer. Schriftf. : v. Schnorr. 

Neu aufgenommen als Mitglied: Herr Hugo Sellmayr, cand. med., 
München. Vorsitzender erstattet den Jahresbericht. Namhafte Unter- 
stützungen bewiUigten wiederum das Ministerium des Innern (200 Mk.), 
dasjenige der Finanzen (100 Mk.), der Landrat von Oberbayern (200 Mk.) 
und die Akademie der Wissenschaften (400 Mk.). Herr v. Schnorr 
berichtet sodann über den Mitgliederstand; der Kassenwart Herr Dultz 
legt den Rechenschaftsbericht sb. Herr Lankes als Revisor stellt fest, 
daß die Rechnungsablage in Ordnung ist, worauf Herrn Dultz vom 
Vorsitzenden mit Dank für die gewissenhafte Führung Entlastung erteilt 
wird. In einer längeren Aussprache über die Fortführung der Veröffent- 
lichungen wird auf Vorschlag Herrn Hellmayr's beschlossen, nach je- 
weiligem Bedarf ein Anzeigeblatt neben den regelmäßig erscheinenden 
Verhandlungen herauszugeben. Die Neuwahl der Vorstand schaft ergibt 
Wiederwahl der bisherigen. Als neue Ausschußmitglieder (für die aus- 
scheidenden Herren Graf v. Mirbach und Lankes) wurden die Herren 
He erwägen- Nürnberg und Frhr. v. Bibra, als Revisoren (für die 
Herren Stechow und Sachtleben) die Herren Lankes und Oertel 
gewählt. Zum Schluß legen die Herren Stresemann und Sachtleben 
einige Vogelformen vor, deren Abtrennung sich bei der Bearbeitung der 
mazedonischen Ausbeute als notwendig ergab ^). 

Sitzung am 14. März 1919. 

Anwesend: 20 Mitglieder, sowie 3 Herren vom Bayer. V.-V. 

Vorsitz: Frhr, v. Besserer. Schriftf.: v. Schnorr. 

Zwei neue Mitglieder: Pfarrer Lutz und Dr. med. H. Böker 
(Freiburg i. B.) werden aufgenommen. Herr Hellmayr verliest einen 
Brief von Herrn Zu ms te in (Bad Dürkheim), der mancherlei Interessantes 
enthält. Der Gesang von Emberiza cia wurde am 1. II. zum erstenmal 
wieder gehört, Zaunammer, Girlitz, SommergoldhähncheUj Heckenbraunelle 
überwinterten. Die Angabe vom Brüten des Zitronfinken bei Bad 
Dürkheim (vgl, V. 0. G. B. XIII, p. 254 Anm.) ist auf einen Irrtum 
zurückzuführen. — Herr He er wagen schreibt, daß Oberingenieur Klotz 
das Brüten des Uhu im Walde bei Schmidtstadt festgestellt habe. — 
Hierauf hält Herr Zimmer einen Vortrag über den Frühgesang der 



^) Siehe „Anzeiger" Nr. 1, Februar 1919. 



XIV, 3,1 ß gchnorr y_ Carolsfeld: Sitzungsberichte. VII 

1920 J 

Vögel (vgl. V.O. G. B. XIV, p. 152—180), an den sich eine lebhafte 
Aussprache anschließt. Verschiedene Herren glauben einen Einfluß des 
Mondlichtes auf das Auslösen des Vogelgesanges festgestellt zu haben. 
Herr Lankes weist an einem Beispiel den Einfluß steigender Temperatur 
nach, der sich in einer Vergrößerung des „Vorsprunges" äußert. 

Sitzung am 4. April 1919. 

Anwesend: 21 Mitglieder, 10 Herren vom Bayer, V.-V., sowie 1 Gast. 

Vorsitz: Frhr v. Besserer. Schriftf.: v. Schnorr. 

Vorsitzender begrüßt unter den Anwesenden insbesondere Herrn 
Bai SS, der aus englischer Gefangenschaft zurückgekehrt ist. Als neue 
Mitglieder werden aufgenommen: Herr Staatsanwalt W. Bacmeister 
(Heilbronn) und Herr Hugo Hildebrandt (Altenburg). 

Sodann hält Herr Lutz seinen angekündigten Vortrag „Die Ent- 
wicklung der Tierphotographie und ihre Anwendung". Vortragender führt, 
nach einer Einleitung über die Geschichte der Tierphotographie, im Licht- 
bild 93 eigene Aufnahmen freilebender Vögel am Nest vor, deren tech- 
nische Vollendung den freudigen Beifall der Anwesenden hervorruft. — 
Zum Schluß beschreiben die Herren Sachtleben und Stresemann 
einige neue paläarktische Vogelformen, deren Diagnosen in der 2, Nummer 
des „Anzeigers" veröfientlicht worden sind. 

Sitzung am 30. Mai 1919. 

Anwesend: 15 Mitglieder, 3 Herren vom Bayer. V.-V. 

Vorsitz: Frhr. v. Besserer. Schriftf.: v. Schnorr. 

Herr Diplomingenieur Junk wird als neues Mitglied aufgenommen. 
Herr Stech ow hält seinen angekündigten Vortrag über Ornithologische 
Ergebnisse einer Forschungsreise nach Lithauen; die lehrreichen Aus- 
führungen werden durch 50 schöne Lichtbilder ergänzt, unter denen Natur- 
aufnahmen von Eulen, Störchen und Wölfen besonderes Interesse er- 
wecken. Die wertvollen Resultate der Reise werden in einer Publikation 
zusammengefaßt werden, welche von der bayer. Akademie der Wissen- 
schaften herausgegeben werden wird. 



XIV 

1920 



^ 4,"| 

20 J' 



Sitzungsberichte. IX 



Sitzungsberichte. 

Sitzung am 10. Oktober 1919. 

Folgende Herren werden als neue Mitglieder aufgenommen : K. Eckar t, 
Fürth b. Nürnberg; ,Dr. O, Hein rot h, Berlin; E. Heiß, München; 
Dr. A. V, Jordans, Bonn a. Rh., Prof. Oskar Neumann, Berlin; 
B. Quantz, Göttingen; Dr. Th. Schneid, Bamberg; Dr. A. Süssen- 
guth, München; Otto Graf v. Zedlitz und Trützschler, Schwent- 
nig bei Zobten, Herr Dr. W. Barlow, München, hat seinen Austritt 
angemeldet. 

Herr L. Müll er -Mainz hält hierauf seinen angekündigten Vortrag 
„Aus der Vogelwelt Mazedoniens", der von einer großen Zahl hervor- 
ragend schöner Landschaftsaufnahmen begleitet wird. 

Sitzung am 7. November 1919. 

Anwesend: 6 Mitglieder, 3 Herren vom Bayer. V.-V. 

Der Vorsitzende E[err Hellmayr gibt von dem am 6. Juli erfolgten 
Ableben des Mitgliedes Pfarrer Sylvester Lutz in Bederau Kenntnis, 

Es erfolgt sodann die Aufnahme folgender neuer Mitglieder: H. 
Jacquet, Frankfurt a. M.; Amtsgerichtsrat F. Tischler, Heilsberg; 
R. Hey der, Oederan; H. Grote, Berlin-Friedenau. 

Herr Hellmayr verliest eine Zuschrift des korr, Mitglieds Herrn 
G. V. Burg mit Erläuterungen zu den vom Vater Brehm aus dem 
Greyerzer Land beschriebenen angeblichen Lokalformen ^) und knüpft 
daran kritische Bemerkungen über das geographische Variieren einiger 
mitteleuropäischer Vogelarten. 

Sitzung am 19. Dezember 1919. 

Anwesend: 14 Mitglieder, 4 Herren vom Bayer. V.-V. 

Zwei Austritten steht diesmal die Aufnahme von 4 neuen Mitgliedern 
gegenüber: H. H. Julius Bayer, Karlsruhe, W. Faber, Königsberg, 
Prof. B, Hoffmann, Dresden, M. Voigt, Höhnstedt, sowie als korpo- 
ratives Mitglied die Gesellschaft für biologische Vogelkunde „Ornis" in 
München, 



1) Siehe diese „Verhandlungen" XIV, p. 103—106. 



X Sitzungsberichte. fY^"^- ^™- 

[_ Ges. Bay. 

Der Anregung, zum Jahresbeitrag einen Teuerangszuschlag von 100% 
zu erheben, haben nach dem jetzt vorliegenden Ergebnis einer Rund- 
frage alle Mitglieder mit Ausnahme von 6 zugestimmt, sodaß der Antrag 
zum Beschluß erhoben wird. Herr Stresemann hält seinen angekün- 
digten Vortrag über „Die Herkunft der Hochgebirgsvögel Europas" ^). 
Nach Schluß der sich anschließenden Diskussion legt Herr Hellmayr 
die zahlreich eingelaufenen Schriften vor. 

Sitzung am 9. Januar 1920. 

Anwesend: 12 Mitglieder, 7 Herren vom Bayer. V.-V. und von der 
Gesellschaft „Ornis". 

Als neue Mitglieder werden aufgenommen die Herren : Prof. Dr. 
Fritze, Hannover; A. Heß, Bern; Dr. H, Nachtsheim, München; 
Dr. A, Schwan, Darmstadt. Auf der Tagesordnung steht der Vortrag 
des Herrn A. Laubmann „Über Verbreitung und Variation des Eis- 
vogels [Älcedo atthisy^. Ihm folgt die Besprechung der eingegangenen 
Literatur. 

Generalversammlung am 6. Februar 1920. 

Anwesend: 10 Mitglieder und je 1 Vertreter der „Ornis" und des 
Bayer. V.-V. 

Aus dem von Herrn Hellmayr vorgetragenen Jahresbericht der 
Vorstandschaft ergibt sich, daß die Zahl der ordentlichen Mitglieder im 
Berichtsjahr 1919 von 98 auf 119 sich gehoben hat, 23 Eintritten stehen 
2 Abgänge gegenüber. Es wird an die in der bisherigen Höhe erfolgten 
Geldzuweisungen der Ministerien für Landwirtschaft und der Finanzen, der 
Akademie der Wissenschäften, des Landrates von Oberbayern erinnert 
und diesen Stellen der Dank der Gesellschaft ausgesprochen. 

Herr Dultz verließt den Kassenbericht, worauf dem Kassenwart 
auf Antrag der Revisoren H. H. Oertel und Lankes Entlastung er- 
teilt wird. Bei der Wahl der Vorstandschaft trat ein Wechsel nur in- 
sofern ein, als anstelle des bisherigen stellv. Sekretärs, Herrn Laub- 
mann, der mit Rücksicht auf seinen Wegzug von München sein Amt 
niedergelegt hatte, Herr Stresemann gewählt wurde. In den Ausschuß 
wurden gewählt die Herren C. Zimmer-München und Osthelder, zu 
Revisoren die Herren Lankes und Oertel, Nach Vorschlag der Vor- 
standschaft erfolgte die einstimmige Ernennung des Herrn R. Baron 
Snouckaert van Schauburg in Doorn, Holland, zum Ehrenmitglied 
der Gesellschaft. 

Nach Erledigung der Tagesordnung wurden nachstehende Herren 
als neue Mitglieder aufgenommen: Dr. O. Büsing, Eisenach; cand. 



') Veröffentlicht im Jaarbericht Nr. 10, III, 1920, des Club van Neder- 
landsche Vogelkundigen, p. 71 — 93. 



^^^' ^'1 Sitzungsberichte. XI 

zool. E. Hellweger, St. Lorenzen; Dr. E. Lindner, Stuttgart; Dr. 
E. Scheffelt, Bernau; Dr. M. Sassi, Wien. 

Der Vorsitzende beglückwünscht Herrn Lankes zur großen Me- 
daille „Bene merenti", die ihm in Anerkennung seiner Verdienste um die 
Zoologische Staatssammlung, insbesondere durch zahlreiche Zuweisungen 
an die ornith. Abteilung, von der Akademie der Wissenschaften verlieben 
wurde. Zum Schluß weist Herr Stresemann die Bälge der europäischen 
Phylloscopus-Arten vor und macht besonders auf Phylloscopus borealis 
aufmerksam, der (da Brutvogel im nördlichen Finnland) gelegentlich auf 
dem Zuge bei uns erscheinen könnte. 

Sitzung am 19. März 1920. 

Anwesend: 7 Mitglieder, 8 Herren vom Bayer. V.-V. 

Als neue Mitglieder werden aufgenommen die Herren: L. Dobbrick, 
Scharshütte; Prof. Dr. V. Haecker, Halle a. S.; 0. Obermaier, 
Schernfeld; Dr. H. Weigold, Helgoland; Dr. O. Wettstein, Wien. 

Nach Besprechung der Eingänge für die Bibliothek spricht Herr Strese- 
mann über „Das Ringeln der Spechte" nach eigenen Beobachtungen und 
den in der Literatur enthaltenen Angaben. Den Zweck dieser Betätigung 
unserer Buntspechte und offenbar auch des Dreizehenspechtes erblickt 
Vortragender in der Gewinnung des aus den Ringellöchern ausfliessenden 
Baumsaftes. Er verweist schließlich auf zwei wertvolle Schriften, die den 
Gegenstand ausführlich behandeln: Gilbert Fuchs, Über das Ringeln der 
Spechte (etc.) in : Naturwiss. Zeitschr. für Land- und Forstwirtschaft HI, 
1905, p. 317 — 341 und W. L. Mc Atee, Woodpeckers in Relation to 
Tree and Wood Products, in: U. S. Dep. of Agriculture, Biol. Survey, 
Bull. No. 39, 1911. 

Sitzung vom 9. April 1920. 

Anwesend: 9 Mitglieder, 6 Herren von der „Ornis" und dem 
Bayer. V.-V. 

Herr Merk-Buchberg, München, wird als neues Mitglied auf- 
genommen. Herr Hellmayr trägt über „Neue und seltene Vögel aus 
Südamerika" ^) vor und verbreitet sich dabei über Angehörige der Gat- 
tungen Ramphocoelus, Cyanerpes, Xenops etc. Schließlich legt er zwei 
seltene Vögel vom Galipan, Cerro del Avila bei Caracas, vor: Spodiornis 
jardinei Sei. und Catamblyrhynchus diadema (Lafr.), die bisher noch nicht 
aus Venezuela bekannt waren. Herr 0er tel erinnert an den durch die 
bayer. Vogelschutzkommission veranlassten Erlaß, der den Abschuß des als 
schädlich bezeichneten Gimpels gestattet, und regt Schritte gegen diese 
Verfügung an. Eine entsprechende Eingabe an die Behörde wird be- 
schlossen. 



1) Siehe „Anzeiger Orn. Ges. i. Bay.« Nr. 3, Oktober 1920, p. 15—20, 



XII Sitzungsberichte. rTf^^"^"*" 

|_ Ges. Bäy. 

Sitzung dm 7. Mai 1920. 

Anwesend: 11 Mitglieder, 2 Herren vom Bayer. V.-V. 
Vortrag des Herrn Sachtleben über „Die Mauser der europäischen 
Vögel" ; die Ausführungen werden an Hand zahlreicher Bälge erläutert. 

Sitzung am 4. Juni 1920. 

Anwesend: 5 Mitglieder, 3 Herren vom Bayer. V.-V. 
Herr Dultz legt der Versammlung eine größere Anzahl älterer und 
neuerer^ z. T. wenig bekannter ornithologischer Werke vor. 

Außerordentliche Sitzung am 11. Juni 1920. 

Die Anwesenheit Dr. Harterts in München war der Anlaß zur 
Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, zu der sich 
im festlich geschmückten Geschäftsraum des Herrn Dultz 22 Herren 
einfanden. In einer Begrüssungsrede hieß der Vorsitzende, Frhr. v. 
Besserer, Herrn Dr. Hartert im Kreise der 0. G.B. herzlich will- 
kommen. Dieser dankte für die warme Aufnahme und gab mit bewegten 
Worten seiner Freude darüber Ausdruck, nach den langen Kriegsjahreri 
wieder einmal mit deutschen Ornithologen Zusammensein zu können. An- 
schließend daran machte Herr Hartert Mitteilungen über das in Marokko 
kürzlich entdeckte Perlhuhn Numida sahyi Hart., das offenbar schon den 
alten Römern bekannt, seitdem aber verschollen war. Die Ausführungen 
erregten bei den Versammelten großes Interesse. Sodann sprach Herr 
Hellmayr über ornithologische Beobachtungen während eines Aufent- 
haltes in Oberaudorf. Frhr. v. Besserer gab bekannt, daß der Stein- 
adler noch immer Brutvogel in einem Alpental des Algäu sei. Schließlich 
führte Herr Lutz eine große Reihe prächtiger Freiaufnahmen bayerischer 
Vögel im Lichtbilde vor, unter denen die von ihm am Lech auf dem 
Neste photogräphierten Lachseeschwalben [Oelochelidon nüoticd) im Vor- 
dergrund des Interesses standen. Herr Dultz, der in liebenswürdigster 
Weise für Speise und Trank seiner Gäste gesorgt hatte, trug durch Auf- 
stellung einer großen Reihe wertvoller ornithologischer Werke gleichfalls 
dazu bei, den für die O. G. B. bedeutsamen Abend genußreich zu ge- 
stalten. — Als neues Mitglied wurde Herr Landgerichtsrat Kayser in 
Olbersdorf aufgenommen. 



^^^' 'I Mitgliederverzeichnis. XIII 

1920 J ^ 

Mitgliederverzeichnis 1920. 

VorstandSChafl. (München.) 

Vorsitzender: L. Freiherr v. Besserer-Thalf ingen. 
Stellvertr. Vorsitzender: L. Müller. 
Generalsekretär: C. E. Hellmayr. 
Stellvertr. Sekretär: E. Stresemann. 
Schriftführer: E. Schnorr von Carolsfeld. 
Kassenwart: A. Dultz. 

Ausschuß. 

J. Gengier (ex officio). 

Frhr. F. von Bibra (1919—20). 

H. Heerwagen (1919—20). 

K. Osthelder (1920—21). 

C. Zimmer (1920—21). 

Ehrenmitglieder. 

Hartert, Ernst, Dr., Zoological Museum, Trin'g, England. 1908. 

Reichenow, Anton, Prof., Berlin N,, Invaliden straße 43. 1901. 

Reiser, Othmar, Wien IV, Schlüsselgasse 2. 1907. 

Salvador i, Conte Tommaso, Turin, Museo di Zoologia, Italien. 1914. 
Schalow, Herman, Prof., Berlin -Grunewald, HohenzollerndammöO. 1900. 
Snouckaert von Schauburg, Baron C. R,, Doorn, Niederlande. 1920. 
Tschüs i-Schmidhoffen, Viktor, Villa Tännenhof,Hallein,Salzburg. 1899. 
Witteisbach, Prinzessin Therese von,' Villa Amsee, Lindau. 1906. 

Korrespondierende Mitglieder. 

Burg, Gustav von, Prof., Ölten, Schweiz. 1911. 

Chernel von Chernelhäza, Stephan, Güns, Ungarn. 1909. 

PoU, Ildefons, Prof., 0. S.B., Kloster Metten, Bayern. 1914, 

Ordentliche Mitglieder. 

Jagdschutzverein München, Auenstr. 110. 1901. 

Bayerischer Vogelliebhaberverein, München (Herr S. Engel, München, 

Baaderstr. 3/III, 1. Aufg.). 1910. 

„Ornis" Gesellschaft für biolog. Vogelkunde (E. V.), München (Herr M. 

Hettiger, Winzererstr. 48/o.) 1920. 

„Pollichia", Naturwissensch. Verein der ßheinpfalz, Dürkheim. 1907. 
Zool. Institut der Landwirtsch. Hochschule, Hohenheim,Württemb. 1905. 
Herr Bachmann ^ Alfred, Kunstmaler, München, Mandlstr. Ic/III. 1902. 



XIV Mitgliederverzeichnis. fVerh. Oro. 

L Ges. Bay. 

Herr Bacm-eister, Walter, Staatsanwalt, Heilbronn a. N.,|Württemberg. 

1919. 
„ Balß, Heinrieb, Dr., München, Wittelsbacherstr. 2/ni. 1910. 
,, Baer, William, Tharaudt, Forstakademie. IQIS- 

„ Ballabene, L, H., Walchstadt am Wörthsee. 19 18. 

„ Bamberg er, Guido, München, Boschetsriederstr. 16/1. 1910. 

„ Barlow, Richard, Dr. med., Prof., München, Karlstr. 20/11. 1899. 
„ Bayer, Jnlius, Karlsruhe i, B.^ Boeckhstr. 23, 1919- 

„ Besserer-Thalf ingen, Ludwig Freiherr von, Oberstleutnant, 

München, Von der Tannstr. 7. 1897. 

,, Bibra, Friedrich Freiherr von, Dr. phil», Adelsdorf b. Forchheim, 

Oberfranken. 1902. 

„ Böker, Hans, Dr. med., Freiburg i. B., Jacobistr. 58. 1919. 

„ Braun, Hans, Notar, Krumbach, Schwaben. 1904. 

„ Büsing, 0., Dr. med., Eisenach, Neue Straße 4. 1920. 

„ Clevisch, Anton, Dr. med. vet., Köln-Ehrenfeld, Eichendorff- 

straße 16/1. 1898. 

„ Darm Städter, Ernst, Dr., München, Arcisstr. 28. 1918. 

„ Dobbrick, L., Lehrer, Scharshütte b. Mariensee, Freistaat Danzig. 

1920. 
„ Dultz, Alfred, München, Landwehrstr. 6. 1911. 

„ Eckardt, Wilh. Kich., Dr., Essen, Hansahaus 88/90. 1918. 

,, Eckart, Karl, Oberpostverwalter, Aschaffenburg. 1919- 

„ Eckel, Wilhelm, Roggenburg, Post Weißenhorn, Bayern. 1899. 
„ E seh er ich, Karl, Prof. Dr.^ München, Forstl. Versuchsanstalt, 

Amalienstr. 1897. 

„ Faber, W., Königsberg i. Pr., Nachtigallen steig 28. 1919- 

y, Fehringer, Otto, Dr., Weinheira a. d. Bergstraße, Haus Sonneck, 

Baden. 1920. 

„ Fenk, Reinhold, Erfurt, Luisenstr. 8. I9I9' 

„ Fischer, Anton, Augsburg, Vogelmauer G. 141/c. 1900. 

„ Flessa, Wilhelm, Hofrat, Kulmbach. 1904. 

„ Frieß, Lehrer, Dresden, Wittenbergerstr. 87/n. 1920. 

„ Fritze, Dr. Prof., Naturhist. Abt. des Provinzial-Museums, Han- 
nover, R. V. Bennigsenstr. 1. 1920. 
„ Gaschott, Otto, stud. phil., Würzburg, Theaterstr. 23/n. 1918. 
„ Gebhardt, Erwin, Nürnberg, Sulzbacherstr, 54 I9I4- 
„ Gebsattel, Hermann Freiherr von, General, Bamberg, Obere 

Karolinenstr. 7. 1913. 

„ Gelder n-Egmont, Rainer Graf von,. Schloß Thurn stein bei 

Pfarrkirchen (Niederbayern). 1903. 

„ Gengier, J., Dr. med.. Erlangen, Nürnbergerstr. 16/1. 1897. 
„ Geyr von Schweppenburg, Hans Freiherr von, Müddersheim 

bei Düren, Rheinprovinz. 1905- 



' ' I Mitgliederverzeichnis. 



■^^' *' I Miteliederverzeichnis. XV 

1920 



Herr Göruitz, Karl, Thondorf b. Siersleben, Bez. Merseburg. 1918. 

„ Götz, Wilhelm, Kehl a. Kheiu, Bahnhofstr. 3. 1920. 

„ Gottschalk, Paul, Cötheu, Anhalt, Marktstr. 4. 1913. 

Bez. Breslau, Schlesien. IQ^Q« 

„ Greppin, L., Ur. med., Heilanstalt Rosegg bei Solothurn, Schweiz. 

1902. 

„ Gröbbels, F., Dr. med., Hamburg-Eppendorf, Physiol. Inst. 1908. 

„ Grote, Hermann, Berliu-Friedeuau, Wiesbadenerstr. 4. 1919- 

„ Gut manu, Max, München, Bayerstr. 5/1. • 1916. 

„ Gutmann, Sigmund, Kommerzienrat, München, Franz Joseph- 
straße 26/1. 1913- 

„ Hacker, Valentin, Prof. Dr., Halle a. S., Domplatz 4. 1920. 

„ Haenel, C, Forstmeister, Bamberg, Markusplatz 6. 1912. 

„ Haindl, Klemeus, Fabrikbesitzer, Augsburg. 1899. 

„ Heck, L., Prof., Berlin W. 62, Kurfürstendamm, Zool. Garten. 1909. 

., Heerwagen, Heinrich, Dr., Nürnberg, Friedrichstr. 12/III. 1906. 

„ Heinroth, Oskar, Dr. med., Berlin, Zool. Garten, Kurfürstendamm. 

1919. 

„ Heiß, Eduard, München, Pettenkoferstr. 26/1. 1919. 

„ Hellmayr, C. E., Prof., München, Witteisbacherstraße 2/in. 1903. 

„ Hellweger, Emil, St. Lorenzen bei Bruneck (Südtirol), Italien. 1920. 

„ Hertwig, Eichard von, Prof., Geheimrat, München, Schackstr. 2. 

1898. 

„ Heß, Albert, F., Bern, Spitalgasse 28. 1920. 

„ Heubach, Walter, Kunstmaler, München, Franz Josephstr, 44/11 r. 

1913- 

„ Heyder, Richard, Öderan, Sachsen. I9I9' 

„ Hildebrandt, Hugo, Altenburg, S.-A., Kreuzstr. 39. 1919- 

„ Hoff mann, Bernhard, Dr. Prof., Dresden, Uhlandstr. 16. 1920. 
„ Hoffmann, Richard, Dr., Würzburg, Friedenstr, 21. 1904. 

„ Jacquet, Hermann, Frankfurt a. M., Bockenheimer-Landstr. 118. 

1919. 
„ Jordans, Adolf von Dr., Bonn a. Rh., Marienstr. 13. 19x9. 
„ Junge, Hermann, Erlangen, Bruckerstr. 8/10. 1909. 

„ Junk, Hugo, München, Ainmillerstr. 22/11 1. Gartengeb. 1919. 
„ Kayser, Carl, Landgerichtsrat a. D., Olbersdorf bei Laudeck, 
Schlesien. 1920. 

„ Ki 11 er mann, Sebastian, Dr., Prof., Regensburg A. 162/III. 1904. 
„ Kleinschmidt , Otto, Dederstedt, Prov. Sachsen. 1917- 

„ Kracht, W., Duisburg, Mülheimerstr. 75, 1920. 

„ Lankes, Karl, München, Auenstr. 10/11. 1900. 

„ Laubmann, Alfred, Dr., Kaufbeuren, Gutenbergstr. 4. 1907. 
„ Lau terbofu, Robert, Dr., Prof., Freiburg i.B.,Zoolog.,Institut. 1900. 
„ Leisewitz, Wilhelm, Dr., Prof., München, Irschenhauserstr. 4/1. 

1904. 



XVI Mitgliederverzeichnis. FVerh. Ol». 

Herr Lindner, Erwin, Dr., Stuttgart, Rosenbergstr. 111/IIr, Z920. 

„ Lucanus, F. v., Berlin N.-W. 23, Lessingstr. 32. 192 1. 

„ Lutz, Eugen, München, Lipowskystr. 14/1. rgiö. 

„ Martini, Adolf, Fabrikbesitzer, München, Innstr. 2. IQOS- 

„ Martini, Klemens, Kommerzienrat, Augsburg. 1899. 

„ Martini, Ludwig, Fabrikbesitzer, Haunstetten. 1902. 

„ Merk-Buchberg, M., München, Ferdinand-Mariastr. 21/0. 1920. 

„ Merzbacher, Gottfried, Dr., Prof., München, Möhlstr. 25. 1906. 

„ Mir bach - Geldern-Egmont, Alfons Graf von, München, Habs- 
burgerstr. 7. 1897. 

„ Moy, Max Graf von, München, Gabelsb erger str. 13. IQOS- 

„ Müller-Mainz, Lorenz, Prof., München, Kratzerstr. 16. 1902. 

„ Nachts heim, Hans, Dr., München, Mauerkircherstr. 2/III. 1920. 

„ Neuhaus, Fritz, Kunstmaler, München, Haimhauserstr.l5/IV. 1920. 

„ Neumaan,0., Prof., Berlin-Charlottenburg, Wilmersdorferstr. 74/III. 

1919. 

„ Niederreutber, Gg., Forstmeister, Blieskastel, Saarstaat. 1901. 

„ Oberholser, H. C, Washington, D. C, Biological Survey, U. S. 
Department of Agriculture, U. S. A. IQIS- 

,, Obermaier, Odowiu, Forstamtsassessor, Schernfeld b. Eichstätt, 
M.-Franken. 1920. 

„ Obermaier, Oskar, Forstamtsassessor, Berchtesgaden, Nonntal 153. 

1920. 

„ Oertel, Ernst, München, Frühlingstr. 30. 1899. 

„ Osthelder, Karl, München, Kaulbachstr. 31/11. 1916. 

„ Otting, Friedr, Graf von, München, Von der Tannstr. 7. 1910. 

„ Quantz, B., Göttingen, Am Weißen Stein 7. IQIQ« 

„ Parrot, Otto, München, Pestalozzistr. 50/IIL 1897. 

„ Pischinger, Arnold, Prof. Dr., Passau, Gymnasium. IQOS- 

,, Pocci, Franz Graf von. Schloß Ammerland, Oberbayern. 1899. 

„ Ponebsek, Dr. Janko, Finanzrat, Laibach, Südslawien 1916. 

„ Rathjens, Karl, Dr., Seminar für Geographie, Hamburg, Univer- 
sität. 19 10. 
Frau Reichenberger, Else, New York, Hotel Essex, Madison Avenue 36. 

1915- 
Herr Ried er er, Eduard, Freiherr von Paar zu Schönau, Schönau, 

Niederbayeru. 1908. 

„ Ries, Alois, Dr., Prof., Bamberg, Kunigundendamm 9. 1902. 

„ Rosen, Kurt Freiherr von, Dr., München, Neuhauserstr. 51. 1912. 
„ Rüdiger, Wilhelm, Forsthaus Eisenhammer bei Steinbusch, Kreiis 

Arnswalde, Neumark. IQI?. 

„ Sachtleben, Hans, Dr., Berlin-Dahlem, Königin Luisestr. 14. 1916. 
„ Sassi, Moriz, Dr., Wien III, Schwindgasse 11. - 1920. 

„ Scheffelt, Ernst, Dr., Bernau, Oberbayern. 1920. 



^^Q9n^' I Mitgliederverzeichnia. XVII 

Herr Scheidter, Franz, Forstassessor, München, Amalienstr. 67 /III. igii. 

„ Scheicher, Raimund, Dr. med,, Dresden, Residenzstr. 17. 1913. 

„ Scherzer, Konrad, Nürnberg, Am Maxfeld 77/1. 1916. 

„ Schiebel, Guido, Dr., Freistadt, Ober-Oesterreich, Gymnasium. 

1906. 

„ Schilcher, Hubert von, Dietramszell bei Holzkirchen. 1897. 

„ Schlegel, Richard, Oberlehrer, Leipzig, Oststraße 56. 1917. 

„ Schloesser, Karl, Dr., Prof., Allgäuhaus b. Schaftlach, Obb. igoo. 

„ Schnabel, Emil,Lehrer,Stadelhofenb. Karlstadt, U. -Franken. 1920. 

„ Schneid, Theodor, Dr., Bamberg, Naturalien-Kabinett. 1919. 

„ Schnorr von Carolsfeld, Ernst, Dr. med., München, Wolf- 
ratshauserstr. 88. 1904. 

„ Schuler, F. W., Bayreuth, Bürgerreutherstr. 39. 1897. 

Frau Schusser, Marie, Aura-Sinngrund, U.-Franken. 1909. 

Herr Schwan, Albrecht, Dr., Darmstadt, Gervinnsstr. 93. 1920. 

„ Schwangart, Fritz, Dr., Prof., Tharandt, Forstakademie. 1905. 

„ Schwarz, Ernst, Dr., Frankfurt, Merianstr. 39. 1912. 

„ Seilern, Josef Graf von, Groß-Luckow, Bez. Holleschau, Mähren. 

1911. 

„ Sellmayr, Hugo, München, Langerstr. 6. 1919« 

„ Stadler, Hans, Dr. med., Lohr a. M. 1907. 

„ Stechow, Eberhard, Dr. Prof., München, Adalbertstr. 94/1. 1911. 

„ Stresemann, Erwin, Dr., München, Rückertstr. 7/1. 1909. 

„ Süssenguth, Armin Dr., München, Friedrichstr. 30/n. 1919. 

„ Sunkel, Werner, Marburg i. H,, Frankfurterstx-. 55. 19 14« 

„ Tischer, Benedict, Augsburg, Ludwigstr. D. 71. 1914- 

„ Tischler, Fritz, Amtsgerichtsrat, Heilsberg, Ostpreußen. 19 19. 

Frau Törring, Sophie Gräfin von, München, Karolinenplatz 4. 1908. 

Herr Vietinghoff, Arnold Freiherr von. Schloß Neschwitz bei Bautzen 

(Sachsen). 1920. 

„ Voigt, Alwin, Prof. Dr., Leipzig, Pölitzstr. 15/L 19 10. 

„ Voigt, Martin, Lehrer, Höhnstedt, Bez. Halle a. S., Post Teutschen- 
thal. igig. 

„ Veit, Richard, , Forstmeister, Sauerlach. 1913. 

„ Weigold, Hugo Dr., Helgoland, Staatl. Biol. Anstalt. 1920. 

„ Wettstein, Otto Dr., Wien 111/3, Rennweg 14. 1920. 

„ Wuth, Ernst August, Dr. med,, München, Prinzregentenstr. IIa. 

1906. 

„ Zedlitz undTrützschler, Graf Otto von, Schwentnigb. Zobten, 
Schlesien. I9I9. 

„ Zimmer, Karl, Dr., Prof., München, Neuhauserstr. 51. 1912. 

„ Zugmayer, Erich, Dr., Prof., München, Germaniastr. 7. 1908. 

„ Zumstein, Fritz, Lehrer, Bad Dürckheim, Rheinpfalz, 1920. 

„ Zwiesele, Heinrich, Dr., Prof., Stuttgart, Albertstr. IB. 1921. 



Verhandlungen 



der 



OrnithologischenGesellschaftinBayern 



Band XIV 

Heft I 



Im Auftrage der Gesellschaft 

berauBgegeben 



C. E. Hellmayr 

Generalsekretär der Gesellschaft, 




München 1919 

Im Buchhandel zu beziehen durch die Verlagsbuchhandlunjc 
Gustav Fischer in Jena. 



i>V, 



A^' 













Verhandlungea 



der 



Ornithologischen Gesellschaft in Bayern 



Band XIV 
Heft I 



Inhalt: 

Seite 

R. Scheicher, Ornithologische Beobachtungen in Galizien 3 

Erwin Stresemann, Notiz über üentroptis rectunguis Strickl. und verwandte 

Arten 37 

Erwin Stresemann, Über die europäischen Baumläufer 39 

Erwin Stresemann, Beiträge zur Kenntnis der Gefiederwandlungen der Vögel I. 75 

H. Sachtleben, Zur Kenntnis der Wasserschmätzer 82 

B. Hoffmann, Vom Vogelleben im hinterpommerschen Küstengebiet nebst 

einem Vergleich mit der Vogelwelt des Algäu (Pfronten) .... 89 
A. Laubmann, Bemerkungen über einige bisher übersehene Namen Chr. L. 

Brehm's 103 

H. Stadler, Cettia cetti, der Seidenrohrsänger, in Friaul 107 

C. E. Hellmayr, Miscellanea Ornithologica IV 126 

Schriftenschau 134 

Aufruf zur Mitarbeit an einer Avifauna von Hessen 136 



Ausgegeben am 26. Juni 1919. 






Münclien 1919 ! MAY 1? 1920 

Im Buchhandel zu beziehen durch die Verlagsbuchlvpdluug 
Gustav Fischer in Jena 






Univ.-Buchdruckerei von .lune;o & Sohn in Erlangeu. 



•^^ » ' i Scheicher: Ornitholoeiaches aus Galizien. 

1919 J 



Ornithologische Beobachtungen in Galizien. 

Von 

Raimund Scheicher (Dresden). 

Wenn ich im folgenden meine ornithologischen Tagebuch- 
notizen aus Galizien zusammengestellt habe, so bin ich mir selir 
wohl bewußt, nur ein sehr lückenhaftes Bild der dortigen Vogel- 
welt geben zu können. Waren mir auch die Umstände insofern 
günstig, als ich innerhalb eines Jahres nur einmal den Aufeothalts- 
ort wechseln mußte, also im gleichen Gebiet zu verschiedener 
Jahreszeit beobachten konnte, so waren natürlich die Beobachtungs- 
möglichkeiten zu sehr vom militärischen Dienst abhängig, wenn 
mich auch andererseits gerade der ärztliche Dienst bei den Landes- 
einwohnern infolge der zerstreuten Bauweise der Dörfer öfters 
kleinere oder größere Strecken über Land führte. 

Als Beobachtungsgebiet kommt erstens von Ende November 
1916 bis Ende Juli 1917 die Gegend zwischen der Gnita Lipa 
und Narajowka in Betracht, begrenzt etwa von den Orten 
Bursztyn im Westen, Daniicze im Norden, Swistelniki im 
Osten und Zelibory im Süden, mit dem Dörfchen Sarnki gorne 
in der Mitte als Wohnort. Das Land ist hügelig gewellt, oft auf 
weite Strecken hin ohne Baum und Strauch. Felsiges Gestein 
(Gips) tritt nur an einer Stelle in nennenswerter Ausdehnung zu- 
tage, nämlich am Südende des Teiches von Sarnki dolne, wo 
die Höhe in steilen Klippen zutage fällt. Feuchte und zum Teil 
moorige Wiesentäler dehnen sich zwischen den Hügelketten aus, 
und sind vielfach für den menschlichen B'uß nicht zu begehen. 

Größere Waldungen ziehen sich zwischen den Orten Jezier- 
zany und Junazkow östlich des Gnita Lipatales sowie auf dem 
Höhenrücken westlich der Narajowka hin, der sogenannte Pod- 
komarowa-Wald bei Lipica dolne^). Es sind unterholzreiche 
gemischte Laubwaldungen aus Eichen, Hain- und Weißbuchen, 
Eschen, Erlen, Birken und Haselnußsträuchern bestehend. 

Das zweite Beobachtungsgebiet — nach dem Vormarsch, von An- 
fang August bis Ende November 1917 — ist die Gegend um die Ort- 
schaft Krzywcze, im Westen etwa begrenzt durch den Sereth, im 



') Im folgenden als „Potlk.-Wald'- bezeichnet. 



1 Sciielclier: Ornithologisches aus Galizien. j ver . um. 

^ L ^es. Bay. 

Süden durch denDnjestr, im Osten durch das russisch-galizische 
Grenzflüßchen Zbrucz. Das Land ist hier nicht so stark gewellt, 
aber von tief eingeschnittenen Flußtälern mit oft steilen und felsigen 
Wänden durchzogen, wie vom Sereth, Niezlawa, Cyganski (an ihm 
der Ort Krzywcze), Zbrucz und schließlich auch dem Djnestr 
selbst. Waldungen sind von gleichem Charakter wie an der Nara- 
jowka, aber in weit reicherer Ausdehnung vorhanden als dort. 

Die ganze Landstrecke, die zwischen den beiden eben näher 
beschriebenen Gegenden liegt, etwa 100 km in der Luftlinie, wurde 
nur flüchtig auf dem Durchmarsche berührt, spielt also als Be- 
obachtungsgebiet nur eine untergeordnete Rolle. Im Ganzen ist auch 
da der Landschaftscharakter, wenn auch nicht gerade der gleiche, 
so doch ziemlich ähnlich. — Sind bei einigen Arten, wie z. B. 
Sumpf- und Wasservögeln, die Angaben recht spärlich bezw. fehlen 
sie ganz, so liegt der Hauptgrund darin, daß in den Beobachtungs- 
gebieten die dafür günstigen Örtlichkeiten nicht vorhanden waren. 
So habe ich zu meinem Bedauern z. B. die reizende Bartmeise 
nicht beobachten können, obwohl sie sonst wohl in Galizien gar 
nicht allzu selten ist. 

Die bei einer Anzahl von Vögeln vermerkten Bälge wurden 
für die Zoologische Staatssammlung in München gesammelt^). 

1. Corvus corax corax L. — Kolkrabe. 

24. 1. flog im Podk.-Wald eine große Krähe mit tiefen „grop- 
grop"-Rufen am Waldrande hin. Leider konnte ich die für den 
Kolkraben typische keilförmige Schwanzform nicht erkennen, und 
nach dem Ruf allein, der mir zwar aus den bayerischen Alpen her 
gut bekannt ist, möchte ich hier keine sichere Diagnose stellen. 

2. Corvus cornix cornix L. — Nebelkrähe. 

Balg: cT 1- XI. 17. Krzywcze. 

Brütet in den Laubwaldungen nicht selten. 

17. VIII. verzeichnete ich: bei Krzywcze C. cornix in Gesell- 
schaft von C friigilegus (?). Die zahlreichen Nebelkrähen, die 
man von Oktober an den ganzen Winter hindurch bis in den März 
hinein hier antrifft, einzeln,in kleineren Gesellschaften mitSaatkrähen, 
oder auch zu großen Flügen von 100 — 200 Stück und mehr, sind 
sicher Zuzügler aus anderen Gegenden. Mitte Nov. 17 trieb sich 



') Diese bilden einen äußerst erwünschten Zuwachs für das Museum, und 
es sei hier Herrn R, Bchelcher für die wertvolle Gabe der verbindlichste Dank 
ausgesprochen. Herr Dr. A. Laubmanu, der die Exemplare einer vorläufigen 
Prüfung unterzog, hat eine Reihe systematischer Anmerkungen beigefügt, die 
den Freunden der paläarktischen Vogelkunde nicht unwillkommen sein dürften. 
— Red. 



XIV, 
1919 



' I 8chelcher: Ornithologisches aus Galizien. 



unter einem Schwärm längere Zeit in Iwanie Puste ein Stück mit 
einer weißen Handschwiuge herum. 

Ende März waren die Wintergäste zum größten Teil ver- 
schwunden. 

[Ein Vergleich des vorliegenden Wintervogels mit dem Nebel- 
krähenmateriale unseres Museums ergab die Zugehörigkeit zu 
Corvus cornix cornix L. — A. L.] 

3. Corvus frugilegus frugüegus L. — Saatkrähe. 

Von Oktober bis März häufiger Wintergast, oft in großen 
Schwärmen zu mehreren 100 Stück und mit Nebelkrähen vereint. 
Bei Schnee und strenger Kälte verlieren sie ihre sonstige Scheu 
und wagen sich in unmittelbare Nähe der Häuser. — Zur Brut- 
zeit nicht beobachtet. 

4. Cohens monedula (L.) snbsp. — Dohle ^). 

29. V. flogen bei Sarnki gorne drei Stück rufend in mäßiger 
Höhe über mich weg. Ich glaube nicht, daß die Vögel in der Nähe 
gebrütet haben, obwohl im nahen Walde kein Mangel an hohlen 
Bäumen war. Doch ich habe nie wieder Dohlen hier gesehen. — 
Im November 17 traf ich mehrfach auf der Hochfläche bei Iwanie 
Puste Schwärme von Dohlen, Saat- und Nebelkrähen, von denen 
Dohlen oft den Hauptbestand ausmachten. 

4. XII. 17 auf dem Durchmarsch an der Ruine in Jaslowiec 
100 — 200 gesehen; sicher ist hier die Dohle auch Brutvogel. 

5. Pica pica 'pica (L.). — Elster. 

Bälge: 2 cTcf 16. II., Sarnki gorne. 

Überall häufig. Recht vertraut zeigen sich die Elstern in den 
Dörfern, wo sie die Gärten durchstöbern und dann oft auf den 
Strohdächern im Sonnenschein eine Verdauungspause halten. Vom 
September-Oktober an sieht man einzelne Elstern selten, meist 
streifen sie zu dritt und viert, ja auch in lockeren Flügen von 
10 — 20 Stück umher. Acht Elstern trat ich mit 30 — 40 Staren am 
2. I. auf den Feldern bei Krzywcze. Je strenger die Kälte und 
je unwirtlicher das Wetter, um so mehr scheinen die Elstern (gleich 
vielen anderen Vögel, wie Krähen, Ammern) das Bedürfnis zu 
haben, sich aneinander anzuschließen. So traf ich am 5. Xu. 
bei naßkaltem, trübem Wetter in einem Obstgarten in Sarnki 
srednie 15 — 20 Elstern sichtlich mißgestimmt beieinander hocken. 



^) Ohne Belegstücke ist nicht festzustellen, ob die galizisshen Dohlen C. m . 
spermologus (Vieill.) oder dem schon im westlichen Rußland heimischen C. m, 
soemmeringii (Fisch.) zuzurechnen sind. — A. L. 



6 ychelcher: Ornithologisches aus Galizieu. 1 ®^ " '^* 

|_ Ges. Bay. 

6. Oarrulus glandariiis glandarius (L.)- — Eichelhäher. 

Bälge: d" 20. XL, $ 8. XI., Krzywcze. 
In den Laubwaldungen eine gewöhnliche Elrscheinung. — 
6. V. traf ich bei einem Morgenspaziergang im Podk.-Wald 
5—6 zusammen im Gebüsch, und am selben Tage flogen aus den 
dürftigen Obstgärten von Sarnki gorne 12 — 15 Stück dem Walde 
zu. Am 18, V. kamen auf freiem Felde aus dem Walde bei Ju- 
naszkow in kurzen Abständen an die 30 Eichelhäher über mich 
weggeflogen. Offenbar handelte es sich in diesen drei Fällen um 
Vögel, die nicht zur Brut geschritten waren und nun zu kleineren 
Flügen vereint die Gegend durchstreiften. 

7. Sturnus vulgaris vulgaris L. — Star. 

Da die Einwohner nicht die Gewohnheit kennen, dem Star 
ein gastliches Heim anzubieten, wie es hierzulande in Gestalt der 
Nistkästen üblich ist — ich habe wenigstens nirgends in Galizien 
etwas derartiges angetroffen — , so ist der Vogel weniger ein Be- 
wohner der Ortschaften als der Wälder, hier aber auch nicht 
selten. Nistgelegenheiten findet er ja noch genügend. — Von Mitte 
Juni an sah ich schon kleinere Flüge von 10 — 30 Stück, die sich 
besonders abends bemerkbar machten, wenn sie ihren Schlafplätzen 
zueilten. Ein beliebter Aufenthalt schien der See von Sarnki dolne 
zu sein, in dessen Eöhricht ich von Anfang Juli an fast regel- 
mäßig Flüge von 100 und mehr antraf. Im F'rühjahr sieht man 
Stare öfters mit Drosseln zusammen auf Feldern und Wiesen, so 
am 28. III. bei Sarnki gorne ein Schwärm von etwa 100 Staren, 
Wachholder- und Misteldrosseln. 

8. Oriolus oriolus oriolus (L.). — Pirol. 

In den Waldungen und größeren Parkanlagen ist der Pii'ol 
häufig zu finden. Den ersten Ruf vernahm ich am 7. V. im 
Podk.-Wald. Von Mitte Juli bis Anfang August traf ich häufig 
uniherstreifende Familien, die sich durch ihr spechtartiges, fast 
kläglich klingendes „Gjü-Gjü"-Rufen verrieten. 

4. VIII. beobachtete ich bei Germakowka einen Pirol, dei* 
wiederholt in der Luft Insekten zu fangen suchte; er machte da- 
bei einen ziemlich ungeschickten Eindruck. 

9. Coccothraustes c. coccothraustes (L.). — Kirschkernbeilnr. 

Bälge: 2 cTd" 24. L, cf 26. I., Lipica dolne. 

In den gemischten Laub Waldungen und zum Teil in den Obst- 
pflanzungen der Dörfer nicht seltener Brutvogel. Im Winter 
streifen sie zu Flügen vereint umher; so traf ich sie besonders 
im Podk.-Wald; 23. L fand ich dort mindestens 50—75 Stück, 



' ' I Scheicher: Ornithologisches aus Galizien. 7 

wie sie die Früchtchen der Hainbuchen knackten; ein großer Bunt- 
specht hatte sich ihrem Schwärme angeschlossen. Bis Anfang 
April halten sie in kleinen Gesellschaften von 5—8 Stück oder 
mehr zusammen, um sich dann erst zu Paaren aufzulösen. 

14. VI. im Walde bei Junazkow in einer Astgabel 4 m hoch 
ein oifenbar verlassenes Nest mit einem unverletzten Ei und mehreren 
Schalentrümmern. Anfang Juli plünderten ein oder mehrere Familien 
die Kirschbäume auf dem Friedhof in Sarnki gorne. Das Knacken 
der Kerne hörte man weithin, und der Boden war besät mit den 
Schalen der Kerne und abgeschältem E'ruchtfleisch. 

10. Chloris chloris chloris (L.). — Grünling. 

Wenn auch fast überall an passenden Örtlichkeiten zu finden, 
so doch nicht sehr häufig. Von August an sieht man sie nicht 
selten mit Hänflingen und Stieglitzen zusammen an Wegrändern 
und Brachäckern, wo sie den ünkrautsämereien nachgehen, und 
im Winter schließen sie sich den Ammerschwärmen an. 

10. VI. in Sarnki gorne auf einem Balkenkopf unter einem 
vorspringenden Strohdach ein Nest, aus dem die Jungen wenige 
Tage später ausflogen. Am 23. VI. im Podk.-Wald ebenfalls 
Nest mit fast flüggen Jungen. 

11. Carduelis carduelis carduelis (L.), — Stieglitz. 

Bälge: 2 $5 23. IV., Lipica dolne; cT? 26. IV. Sarnki gorne. 

An den Landstraßen und in den Ortschaften häufiger Brut- 
vogel. Im August streichen sie familienweise umher, schlagen 
sich von Mitte September an zu Flügen von 20 — 50 Stück zu- 
sammen, denen man dann auf Brachäckern, aber auch im lockeren 
Weidicht an den Waldrändern nicht selten begegnet. Später, be- 
sonders wenn Schnee den Boden bedeckt, mischen sich diese Flüge 
mit anderen Körnerfressern unter die großen Ammersch wärme. 
Doch machte es mir immer den Eindruck, als hielten sich die 
Stieglitze stets dabei noch etwas gesondert. 

Erst Ende April lösen sich die kleineren Stieglitzflüge gänz- 
lich auf. 22. IV.— 26. IV. trieben sich bei Schneewetter 8—10 
Stück auf den ausschlagenden Kopfweiden in Sarnki gorne den 
ganzen Tag herum. 

12. Äcanthis cannabina cannahina (L.). — Bluthänfling. 

Bälge: cT? H. IV., $ 27. V., Lipica dolne. 

Überall in Dörfern und an den Landstraßen gemein. Im 
Herbst vereinigen sie sich zu kleineren Flügen, mischen sich auch 
wohl unter die großen Schwärme von Körnerfressern, doch scheint 
dieser Verband stets etwas locker zu sein. 5. IV. 17 sah ich noch 
in Sarnki gorne Hänflinge vergesellschaftet mit Grünlingen und 



8 Scheicher: ürnithologisches aus Galizien. 1 *^®''"' ^^°' 

|_ Ges. Bay. 

Stieglitzen. 11. VI. in Sarnki gorne Nest in Hollunderbusch, 
dicht an stark begangenem Wege, ca. 60 cm über dem Boden. 
Das brütende $ sitzt so fest, daß es sich überhaupt nicht vom 
Nest vertreiben läßt; als ich behutsam den Elnger zwischen Vogel- 
körper und Nestrand zu schieben versuche, beißt der Vogel nur 
in den Finger, ohne sich verdrängen zu lassen. 

13. AcüTithis linaria linaria (L.). — Leinhänfling. 

Von Ende November 16 bis Anfang Februar 17 viermal bei 
Sarnki gorne beobachtet in Flügen von 5—30 Stück. Gern suchten 
die Vögel in den Unkräutern, die an den Straßenrändern über 
den Schnee ragten, nach Futter. — Im Herbst und Winter 17 nur 
einmal ein cf beobachtet und zwar am 4. III. 17 im Ufergestrüpp 
des Sees von Podhajce. Allerdings verließ ich zwei Tage später das 
Land, so daß ich nicht sagen kann, ob der Leinhänfling im Winter 
1917/18 vielleicht häufiger war. 

14. Spinits spimts (L.). — Erlenzeisig. 

Zur Brutzeit nicht beobachtet. 8. IV. ein cT unter Stieglitzen, 
Hänflingen und Grünlingen bei" Sarnki gorne. Einen Schwärm 
von Erlenzeisigen und Stieglitzen von zusammen 30—40 Köpfen 
traf ich im Weidicht am Waldrande bei Krzywcze am 2. XL 17. 

15. Seriniis canaria serinus (L.). — Girlitz^). 

Nur ein einziges Mal, am 8. V. in Swistelniki, ein singendes 
d" gesehen. 

16. Pyrrhula pyrrhula pyrrhula (L.). — Gimpel. 

Bälge: g 19. XIL 16, Rohatyn; cT H. IL 17, Sarnki gorne; 
cT? 18. IL, Lipica dolne. 

Von Ende Oktober bis Februar traf ich Gimpel einzeln oder 
zu kleineren Flügen nicht selten in den Wäldern, bisweilen auch 
in den Gärten der Ortschaften. Am 24. XL beobachtete ich bei 
Krzywcze 10 — 15 Gimpel, die sich einem Flug Gold- und Grau- 
ammern angeschlossen hatten, und mit diesen auf einem Acker 
am Waldesrande nach Nahrung suchten. 

Ob der Gimpel für das Gebiet auch als Brutvogel in Betracht 
kommt, ist mir sehr zweifelhaft. Ich habe ihn zur Brutzeit nicht 
beobachtet. 



*) Die Eassenzugehörigkeit des galizischen Girlitzes ist ungewiß Domaui- 
cvyski hat neuerdings die Bewohner Kongreß-Polens als S. c. polonicus abgetrennt. 
Eine Serie aus dem nordungarischeu Komitat Nogräd vermag ich nicht von 
Südeuropäern zu unterscheiden. — C. E. H. 



^^^' ^' I Scheicher: OniitholoKiHches aus Galizicn. 9 

ini!) J 

[Die FärbuDg- der Unterseite sowie die großen Flü^elausmaße 
der gesammelten Exemplare — cTcT 95, 97; $5 90, 92 mm — 
lassen die Zugehörigkeit zu der Form Pyrrhula pyrrhula pyrrhula 
(L.) völlig einwandfrei erscheinen. — A. L.] 

17. FringUla coelehs coelehs L. — Buchfink. 

überall in Ortschaften und Waldungen gemein. Mitte Mai 
war eine merkliche Abnahme des Gesangeseifers festzustellen. In 
den Wintermonaten bei Schnee und Kälte wurden keine Buchfinken 
gesehen. 

18. Vringilla montifrinyüla L. — Bergfink. 

81. in. und 1. IV. trieb sich im Podk.-Wald ein Schwärm von 
50—100 Buch- und Bergfinken umher. Im nächsten Winter ver- 
nahm ich nur einmal, am 2. XI. 17, am Waldrande bei Krzywcze 
deutliche Bergfinkeurufe, ohne ein Stück zu sehen. 

19. Passer domesticus domesticus (L.). — Haussperliug. 

Gemein in den Ortschaften. Aber anch an ganz einsam ge- 
legenen kleineu Gehöften, ja selbst einzelnen Häusern sind Haus- 
sperlinge zu finden. Im Winter bilden sie einen Teil der großen 
x^mmerschwärme, die sich in der Nähe der Dörfer aufhalten. 
Ganz überraschend häufig sind in manchen Orten die Baumnester 
der Sperlinge: so fand ich in der Gegend Podhajec-Telasce im 
D ezember 1917 Bäume mit 10 — 15 Sperlingsnestern gar nicht selten. 

20. Passer montanus montanus (L.). — Feldsperling. 

In den Ortschaften und in der Nähe derselben häufig, aber 
in der Regel dem Haussperling bei weitem an Zahl nachstehend. 
Auch sie schließen sich natürlich den winterlichen Ammer- 
schwärmen an. 

21. Emberha calandra calandra L. — Grauammer. 

Balg: 15. XII. 16, Rohatyn. 

Ebenso häufig wie Goldammer. Ende September schlagen sie 
sich schon zu kleineren Flügen und Gesellschaften zusammen, die 
mit zunehmendem Herbste immer stärker werden und im Winter 
zu großen Schwärmen anwachsen. Diese in der Nähe der Ort- 
schaften auf Stoppeln und Brachäckern herumstreifenden Schwärme 
von mehreren 100 Stück, die sich in erster Linie aus Grau- und 
Goldammern, dann aber auch Haus- und Feldsperlingen, Hänflingen, 
Stieglitzen und Grünlingen zusammensetzen, bieten für die öden 
Landstriche^ in denen oft auf Kilometer kein Baum zu sehen ist, 



10 Scheicher: Ornithologisches aus Galizien. fVerh. Orn. 

L Ges. Bay. 

geradezu etwas Charakteristisches. Den Hauptbestandteil dieser 
Schwärme machen meist Grauammern aus, deren hartes „zick-zick" 
beim Auffliegen stets durchzuhören ist; ob dies alles in der Gegend 
erbrütete Vögel sind, bleibe dahingestellt. 

Bis Ende März halten die Grauammern in kleineren Gesell- 
schaften zusammen, und trotz Kälte und Schnee hört man sie dann 
singen, sobald nur die Sonne ein wenig die dicken Wolken durch- 
bricht. Dieser von vielen Vögeln gleichzeitig vorgetragene Gesang 
hat oft einen ganz eigenen Charakter und hört sich wie ein trillerndes 
Gezwitscher an, aus dem man die gewöhnliche Grauammerstrophe 
zunächst kaum heraushört. 

23. IX. bei Krzywcze hörte ich ein einzelnes Stück als eines 
der letzten im Jahre singen. 

22. Emherixa citrinella citrinella L. — Goldammer. 

Bälge: cT 9. I., Rohatyn; d 18. IV., 2 c^d 6. V., d 18. V., 
Lipica dolne. 

Gemein, aber in der Gegend Dnjestr-Zbrucz nicht so häufig 
wie zwischen Gnita Lipa und Narajowka. — Im Winter bilden sie 
einen großen Teil der Schwärme von Körnerfressern, die in den 
Ortschaften oder in deren Nähe gemeinsam der kärglichen Nahrung 
nachgehen. 17. V. im Podk.-Wald zwischen Grasbüscheln zwei 
Nester gefunden mit einem und zwei Eiern. 

23. Emberixa schoenicliis schoeuiclus L. — Rohrammer. 

Am See von Sai-nki dolne zur Brutzeit einige Male beobachtet; 
doch ist der Vogel dort weniger häufig, als ich erwartet hatte. 

7. XII. 17 hörte ich aus dem Röhricht des Sees von Podhajce 
im Vorbeimarsch Rohrammeriufe. 

24. Oalerida cristata cristaia (L.). — Haubenlerche. 

Bälge: cT? 5. IL, Rohatyn; $ 13. IV., Lipica dolne; 26. IX. 17, 
Krzywcze. 

Im Januar und Februar trieben sich in Swistelniki und Sarnki 
gorne einige Haubenlerchen herum. Sommers über waren auf den 
trockeneren Hügelrücken hier und da ein Pärchen zu finden. Ent- 
schieden häufiger war der Vogel in dem östl. Beobachtnngsgebiet 
an der Landesgrenze; die mit spärlichem Pflanzenwuchs bedeckten 
Steilhänge der Flußläufe waren ein Lieblingsaufenthalt von ihm. 

26. IX. hörte ich bei Krzywcze an einer solchen Stelle ein 
Stück singen. 

[Die vier vorliegenden Exemplare lassen sich in keiner Weise 
von typischen Stücken von Oalerida cristata cristata (L.) unter- 
scheiden. — A. L.] 



XIV, 1,1 
1919 J 



Schek'her: Oiuithologisches aus Galizien. 11 

25. Älauda arvensis L. subsp.^). — Feldlerche. 

Überall auf Feldern und Wiesen häufig. Den ersten Gesang 
vernahm ich am 20. III., wobei allerdings zu berücksichtigen ist, 
daß während eines Heimaturlaubes vom 2. — 14. III. keine Be- 
obachtungen gemacht wurden. 

22. IX. bei Krzywcze mehrere Flüge von 20—40 Stück; am 
2. X. ebendort sich in lockereren Verbänden auf den Feldern 
herumtreibend. 

26. Anthus pratensis (L). — Wiesenpieper. 

Nicht seltener Brutvogel. Auf den kurznarbigen Grashängen 
wie in den feuchten Wiesentälern vermißte ich von Mitte März 
an kaum einmal den im charakteristischen Balzfluge aufsteigenden 
und wieder herabschwebenden Sänger. 

Größere durchziehende Wanderscharen auf dem Frühjahre oder 
Herbstzuge kamen mir nicht zu Gesicht; im Winter waren die 
Vögel ganz verschwunden. 

27. Anthus triviaUs trivialis (L.), — Baumpieper. 

Balg: cT 6. V., Lipica dolne. 

Ebenso häufig oder noch häufiger als der Wieseupieper und 
oft dessen Wohngebiet teilend, aber im allgemeinen doch wenigstens 
in der Nähe von Waldrändern oder Feldgehölzen. — 23. VI, am 
Podk.-Wald alte Vögel mit Futter im Schnabel beobachtet. — 
29. IX. rasteten lockere Scharen von Herbstdurchzüglern auf den 
Feldern in der Nähe von Krzywcze. 

28. Motacilla flava flava L. — Schafstelze. 

Bälge: 2 cTcf' 12. IV., Lipica dolne. 

12. IV. 17 sah ich die ersten c/^cT bei Sarnki gorne, die erst 
vor wenigen Tagen angekommen sein konnten. Nach 6 — 8 Tagen 
zeigten sich auch weibliche Vögel, und von da an waren die zu- 
traulichen, zierlichen Stelzen überall in den Wiesenmnlden oder 
in der Nähe von Wasser so häufig, daß sie als Charaktervögel 
zu bezeichnen sind. — Ein Schwärm von 20—30 alten und 
jungen Schafstelzen am 1. IX. im Tale bei Krzywcze waren die 
letzten, die ich sah. Die Vögel begleiteten eine Schafherde und 
flatterten oft nur 5—10 cm vor den Nasen der weidenden Tiere umher. 



*) Ohne Belegstücke ist es nicht möglich, die Fonnenzugehörigkeit der 
galizischen Feldlerche festzustellen. Es muß dahingestellt bleiben, ob es sich 
um A. a. arvensis oder die schon in Ungarn wohnende A. a. cantarella Bouap. 
handelt. — A. L. 



12 Schelcher: Ornithologisches aus Galizien. 1 ^^ ' ™* 

|_ Ges. Bay. 

29. Motacilla alba alba L. — Weiße Bachstelze. 

Bälge: $ 28. IIL, ^ 29. III., Sarnki gorue. 

In allen Ortschaften und Einzelgehötten, die in der Nähe eines 
Wasserlaufes liegen, fast mit Sicherheit anzutreffen. Mitte März 
bis Anfang xApril bevölkerten sie auf dem Durchzuge die einsamen 
Wiesentäler. Ebenso streifen sie, wenn die Jungen ausgeflogen 
sind, weiter umher. Flügge Junge wurden am 23. VI. in Swistel- 
niki gefüttert. 

30. Certhia familiaris familiaris L. — Waldbaumläufer. 

Bälge: 2 dd 16, 29. XH. 16, Rohatyn; d 16. I. cf 3. IL, 
cT 9. IL 17, Lipica dolue: cT 11. XI., Krzj^wcze. 

In den von mir beobachteten Gebieten kommt offenbar nur 
diese eine Form des Baumläufers vor. In den gemischten Laub- 
waldungen ^) wird man den Vogel dort, wo es Eichen gibt, nur 
selten vergeblich suchen, denn diesen Baum scheint er sehr zu 
bevorzugen, wenn er auch wohl keineswegs an ihn gebunden ist. 

Schon im August (7. VIII. bei Germakowka) streichen die 
Baumläufer mit Meisen zusammen durch die Waldungen, und vom 
Herbst bis Frühjahr traf ich Baumläufer überhaupt nicht anders 
als in Schwärmen mit Meisen und Kleibern, manchmal unter An- 
führung eines Gr. Buntspechtes. Erst im April lösen sich diese 
Schwärme zu Paaren auf. 

[Durch die hellbräunliche Tönung der Oberseite kennzeichnen 
sich die sechs mir vorliegenden Exemplare des Waldbaumläufers 
aus Galizien als Angehörige der typischen Form Certhia familiaris 
familiaris L. — A. L.] 

31. Sitta europaea caesia Wolf. — Kleiber. 

Bälge: d^$ 16. L, d 9. IL, 2 cfcf 1 9 18. IL, 2 $$ 22. IL, 
cT? 1. IV., d 17. V. 17, Lipica dolne: 2 dd 5. XL, 2 99 8. XL, 
d 12. XL 17, Krzywcze; cT 27. XII. 16, Rohatyn. 

In den Laubwäldern nicht selten, besonders an Stellen, wo 
sich ältere Eichen finden. Im Herbst und Winter streichen die 
Kleiber mit den Meisenschwärmen umher, aber schon im Februar 
beginnen die Paare sich abzusondern. Den Paaruugsruf vernahm 
ich zum erstenmal am 16. I. im Podk.-Wald. Am 18. IL beob- 
achtete ich dort ein Paar, das in einem Astloch ein- und aus- 
schlüpfte, und am 31. III. fand ich das Paar an dei- gleichen 
Stelle, wie es Erde herantrug, um damit die große Eingaugsöffnung 
/AX .jVerkleiben". Noch ein zweites Paar traf ich an diesem Tage 
mit derselben Arbeit beschäftiixt, zu der als Baumaterial der 



*) Nadelwald gibt es nicht oder nur sehr wenig. 



' 'I Scheicher: Ornitholoeisches aus Galizien. {-^ 

1919 J ^ 

Straßenschlamm verwendet wurde. Am 12. V. fand ich noch zwei 
weitere Nisthöhlen des Kleibers, eine in dem vermauerten Astloch 
einer Eiche, die andere in einem Spechtloch in einer Pappel. 
29. V. die ersten ausgeflogenen Jungen. 

[Die schöne Serie von 17 Kleibern ermöglicht es, ein Urteil 
über die Variationsbreite galizischer Exemplare zu gewinnen. Dabei 
stellt es sich nach eingehender Vergleich ung heraus, daß die von 
Scheicher gesammelten Stücke unbedingt zu Sitta europaea caesia 
Wolf gestellt werden müssen, wenn auch nicht zu verkennen ist, 
daß bei den galizischen Kleibern hellbäuchige Exemplare vielleicht 
etwas häufiger auftreten mögen als bei unserer einheimischen Form. 
Es liegen aber auch aus Bayern genau so dunkle und ebenso hell- 
gefärbte Stücke vor. Bei der BearbeituDg der Ausbeute von 
Dr. Stechow (München) aus Litauen werde ich Gelegenheit finden, 
auf die Verbreitung der verschiedenen Kleiberformen näher einzu- 
gehen. — A. L.] 

32. Parus major major L. — Kohlmeise. 

In Ortschaften und Wäldern gemein, ist sie die häufigste 
Meisenart. 

Am 14. I., einem sonnigen Wintertage hörte ich von einer 
Kohlmeise, die still in einer Birke saß, ein leises, feines Gezwitscher, 
das Ähnlichkeit mit Goldhähnchengesang hatte. 

15. und 16. I. Paarungsrufe im Podk.-Wald. 

33. Parus caeruleus caeruleus L. — Blaumeise. 

Bälge: d" 5. XL, $ 23. XL 17, Krzywcze. 

In den Wäldern häufig, weniger in den Ortschaften. — An 
schönen Tagen im Januar war im Podk.-Wald schon der Paarungs- 
ruf zu hören. Mitte Februar begannen die Meisenschwärme sich 
aufzulösen. 

34. Parus palustris palustris L. — Sumpfmeise. 

Bälge: cf 18 L, $ 24. L, 2 dc^ 3. IL, cf? 4. IL, Lipica dolne; 
c^ 17. XL, $ 23. XL, Krzywcze. 

Ebenso häufig wie die Blaumeise, aber noch mehr auf die 
Waldungen beschränkt. Ein Nest mit wenige Tage alten Jungen 
fand ich am 8. VI. im Podk.-Wald in einer Höhlung eines Wurzel- 
stockes. Die Lautäußerungen dieser Meise schienen mir nicht ver- 
schieden von denen der deutschen Nonnenmeise {Parus palustris 
communis Baldenst.). 

[Durch die vorliegende Serie von Glanzkopf-Sumpfmeisen war 
es zum ersten Male möglich geworden, an topotypischem Material 
die Berechtigung der Brehm'schen Form stagnatilis nachzuprüfen. 
Wie es sich nunmehr bei einem eingehenden Vergleich mit Exem- 



14. Scheicher: Ornitholoffisches aus Galizien. I ^ '^ * 

^^ |_ Ges. Bay. 

plaren aus den Ostseeprovinzeu, aus West- und Ostpreußen, sowie 
aus Polen ergeben hat, haben die für die Form stagnatilis ange- 
gebenen Unterscheidungsmerkmale, bräunlichere Färbung des 
Rückens und der Schwingensäume, sowie Unterschiede in der 
Schnabelplastik, keineswegs irgendwelchen Wert für die Spaltung 
in geographische Formen, sondern es handelt sich hier lediglich 
um Merkmale individueller Variation. Ein Vogel aus Glitt in der 
Bukowina stimmt mit den Galiziern recht wohl zusammen und 
unterscheidet sich in der Serie auch nicht von Stücken der typischen 
Form palustris. Somit verliert die Brehm'sche Form stagnatilis 
jegliche Bedeutung und ergibt sich die Notwendigkeit, stagnatilis 
ßrehm als Synonym von Parus p. palustris L. zu führen. 

Die bei den Galizischen Stücken gefundenen Flügel- und 
Schnabelmaße schwanken zwischen folgenden Werten: 
Flügel: 5 cTcT 66— 68 mm, 

3 22 62, 64^'^, 66 mm; 
Schnabel: 5 c^c^ 9— 10 mm, 
3 2? 9— 10 mm. 

~ A. L.] 

35. Aegithalos caudatus caudatus (L.). — Schwanzmeise. 

Bälge: 1 ad. 18. XII. 16, g 9. I, Sarnki gorne; 3 M 3. IL, 
Lipica dolne. 

Im Sommer weniger, in den Wintermonaten aber häufig be- 
obachtet, wenn sie zu kleinen Flügen vereint oder auch in Misch- 
schwärmen mit Kleibern, Baumläufern und anderen Meisen die 
Laubwaldungen durchstreiften. Im Winter suchten Schwanzmeisen 
auch gern die dürftigen Obstpflanzungen der Ortschaften auf. 

[Die fünf vorliegenden Exemplare der Schwanzmeise sind 
Repräsentanten der typischen Form Aegithalos caudatus caudatus (L.). 
Kopf und Nacken sind bei allen fünf Stücken reinweiß, ohne die 
geringste Spur eines braunen Streifens erkennen zu lassen. Es 
dürfte anzunehmen sein, daß hier die Karpathen gegen Süden hin 
die Grenze zwischen der nordischen Form caudatus und dem streifen- 
köpfigen europaeus bilden, nachdem Exemplare aus Ungarn bereits 
zu der letztgenannten Form gerechnet werden müssen. — A. L.] 

36. Lmiius minor Gm. — Schwarzstirnwürger. 

Bälge: g juv. 1. VIL, g juv. 16. VII., Sarnki gorne. 

Fast schien es mir, daß das Würgerpaar, das am 13. V. bei 
Sarnki dolne von einem Steinrötel (vgl. Nr. 62) verfolgt wurde, 
dieser Art angehörte. Doch beachtete ich die Würger zunächst 
nicht weiter, und später war von ihnen nichts mehr zu sehen. 

25. VI. glaubte ich bei .Tezierzany ein Stück gesehen zu haben. 



■irT-TT -1*1 

' 'I Öchelcher: Ornitholoßisches aus Galizieu. l5 

1919 J 

Doch war der Vogel so flüchtig, daß ich meiner Sache nicht ganz 
sicher war. 

37. Lantus excubiior L. (subsp.?). — Großer Raubwürger. 

An Waldrändern, einzelstehenden Hecken, Landstraßen oder 
auch anf freiem Felde auf Fernsprechleitungen begegnete ich diesem 
schönen Vogel nicht selten. Meist zeigte er sich ziemlich scheu 
und besonders auf freiem Felde ließ er den Menschen kaum auf 
Schußweite herankommen. Während des Winters sind Raubwürger 
bedeutend seltener zu finden als im Sommer; ob diese aus andern 
Gegenden zugewandert sind, oder einzelne, zurückgebliebene Brut- 
vögel, kann ich nicht entscheiden. — Flügge Junge traf ich am 
26. VI., [1. VII.], 11. VII., [16. VII.]. Das Betteln der Jungen 
klingt ganz ähnlich wie bei den jungen Rotrückenwürgern. 

9. VI. war ich zwischen Burztyn und Rohatyn Zeuge, wie 
auf einer Viehweide eine Nebelkrähe längere Zeit hartnäckig von 
einem Paar Raubwürger verfolgt wurde. 

Die Reste eines in einem Dornbusch aufgespießten Stieglitzes, 
die ich am 9. VI. bei Iwanie Puste fand, glaube ich sicher auf 
das Konto des Raubwürgers schreiben zu müssen^). 

38. Laniiis collurio collurio L. — Rotrückenwürger. 

An Waldrändern, Lichtungen und Feldgehölzen nicht allzu 
häufig. Flügge Junge traf ich am 23. VI. in Swistelniki, am 
21. VIL im Podk.-Wald. 

39. Mumicapa striata striata (Pall.). — Grauer Fliegenfänger. 

In den Dörfern eine gewöhnliche Erscheinung. Gern be- 
nutzten sie die über die Firsten der Strohdächer kreuzweise 
gelegten Hölzer als Sitzplätze, um von hier aus der Insektenjagd 
obzuliegen. — Im Walde bei Germako wka traf ich am 7. VIÜ. 
zweimal Gr. Fliegenfänger im Mischschwarm mit Kohl-, Blau-, 
Sumpfmeisen, Baumläufern und Waldlaubsängern, 

40. Ficedula hypoleuca hypoleuca (Pall.). — Trauerfliegenfänger. 

Nur vereinzelt beobachtet: 29. III. ein graues Exemplar in 
Sarnki gorne. 6. V. ein Paar im Podk.-Wald, dessen cT schön 
tiefschwarz ausgefärbt ist. 

12. V. ein schwarzes cT auf dem Friedhof in Sarnki gorne. 



^) Vorstehende Angaben über den Eaubwürger dürften sich teilweise auf 
den Schwarzstirnwürger beziehen; denn die jungen Vögel, die an den oben in 
eckige Klammern gesetzten Daten erlegt wurden, erwiesen sich als junge Z, minor, 
wie aus der kurzen, kaum die Länge der Handdecken erreichenden (rudimentären) 
ersten Schwinge hervorgeht. — A. L. 



■ 
Ges. Bay. 

41. Ficedula albicollis (Temm.). — HalsbandfliegenfäDger. 

Balg: 1 d 28. V., Lipica Dolne. 

16. V. im Poelk.-Wald ein altes ausgefärbtes cT, das sich in 
Wipfeln einiger Eichen aufhielt und dort stumm der Insektenjagd 
oblag. 

28. V. fand ich den Vogel an gleicher Stelle. 

29. VII. sah ich im Park von Trybuchowce einen Fliegen- 
fänger im fleckigen Jugendkleid, den ich zunächst für ein junges 
Exemplar von F. h. hypoleuca hielt. Doch schien mir der Ge- 
samtton im Gefieder etwas heller, vor allem auf den Flügeln mehr 
weiß zu sein, so daß ich ihn für einen jungen Halsbandfliegen- 
fänger ansprechen zu müssen glaubte. 

42. Erythrosterna parva parva (Bechst.). — Zwergfliegenfänger. 

Bälge: d 20. V., 2 cfcT 31. V., Lipica dolne. 

In unterholzlosen Buchenbeständen des Podk.-Waldes fand 
ich den Zwergfliegenfänger im Mai und Juni nicht selten; in anderen 
Teilen des Waldes, wo mehr oder weniger dichtes Unterholz stand, 
habe ich den Vogel nie gesehen. Leider bin ich von Juni nicht 
mehr an die AVohnplätze dieses unseres kleinsten Fliegenfängers 
gekommen. 

Sehr auffällig war der Unterschied in der Güte des Gesanges 
zweier cTcT, die ich am 29. V. nicht weit voneinander verhörte. 
Die Strophe des ersten^ eines rotbrüstigen c/*, klang sehr voll und 
schön flötend etwa: „zwinkzwiuk zwink zwink zizwü zizwü zizwü 
zizAVü züa züa züa züa", während die Strophe des anderen, eines 
jungen cT mit rostbräunlichen Anflug an der Kehle, nur sehr un- 
reine, wenig klangvolle Töne hatte : „zrie zrie zrie zrie zwie zwie 
zwie zwie". Beide Gesänge wurden eingeleitet durch das bekannte 
tonlose „zt". 

43. Phylloscopus collyhita collyhita (Vieill.), — Weidenlaub vogel. 

Bälge: 2 d(d 10. IV., cf$ 14. IV., d 19. IV., Lipica dolne. 

Häufiger Bewohner der Wälder und Parkanlagen und einer 
der ausdauernsten Sänger. Den ersten Gesang hörte ich am 
30. III. in Sarnki gorne. Mitte Juni war eine merkliche Abnahme 
des Sangeseifers zu spüren. Am 23. IX. traf ich im Walde bei 
Krzywcze einen Schwärm bestehend aus 10—15 Kohl- und Sumpf- 
meisen und einigen Laubsängern, die wahrscheinlich dieser Art 
angehörten. 

[Die galizischen Weidenlaubsänger gehören ausgesprochen der 
typischen Form an. Die Flügellänge schwankt zwischen 59^/2 
und 61 mm. — A. L.j 



/^' ' I Scheicher: Ornithologisches aus Galizien. 17 

44. Phylloscopiis trochilus trochüus (L.). — Fitislaubsänger. 

Ebenso häufig wie der Weidenlaubsänger und die gleichen 
Örtlichkeiten bewohnend. Erster Gesang am 12. IV. in Sarnki 
gorne. 

45. Phylloscopus sihüatrix sibilairix (Bechst.). ■ — Waldlaubsänger. 

Balg: cT 5. V„ Lipica dolne. 

Häufig in den Wäldern, wo er durchaus nicht nur die unter- 
holzarmen Waldstriche bewohnt. Auch die sonstigen, mit dichtem 
Gebüsch bestandenen Waldstrecken, die ja den Hauptbestand der 
dortigen Waldungen ausmachen, beherbergen den Vogel recht 
häufig. Erster Gesang am 10. IV. in einem Garten in Sarnki 
gorne. 

Am 7. VIII. traf ich im Walde bei Germakowka einen Wald- 
laubsänger in einem Meisenschwarm (Kohl-, Sumpfmeisen und 
Baumläufer) und weiterhin einen stärkeren Schwärm von etwa 
10 — 15 Waldlaubsängern, einigen Kohl- und Blaumeisen und 
2 — 4 Grauen Fliegenfängern. Die Laubsänger jagten eifrig im 
Fluge, und das Zusammenklappen der zarten Schnäbelchen war oft 
zu hören. 

46. Locustella naevia naevia (Bodd.). — Feldschwirl. 

Balg: cT 26. V., Lipica dolne. 

Auf den mit einzelnen Weidenbüschen bestandenen Wiesen 
in den Niederungen um Sarnki gorne herum hörte ich den Vogel 
von Mai bis Juli ziemlich regelmäßig. Die an den kleinen Wasser- 
läufen entlang dichter stehenden Weidenhecken liebte er oifenbar 
weniger, jedenfalls traf ich die singenden cTcT mehr in einzelnen 
niederen Büschen, oder auch ganz auf der freien Wiese, wo sie 
indes dem Auge meist ebenfalls verborgen blieben. 

Am Abend des 20. V. — es war schon ziemlich dunkel — 
beobachtete ich aus 4 — 5 m Entfernung einen Heuschreckensänger, 
der dicht über dem Boden in einem niedrigen Busche herum- 
kletterte nnd lebhaft schwirrte. Mit nachtfalterartigem Flattern 
fliegt dann der Vogel einige Meter in die Wiese, steigt dort an 
einem Stengel empor, um bald wieder weiterzuflattern, wieder 
empor zu klettern u.s.f., alles unter anhaltendem Schwirren. Dabei 
ist mehrmals während des Schwirrens, so daß dieses kaum unter- 
brochen scheint, ein hastiges, feines Gezwitscher zu hören, das ich 
zunächst einer Spitzmaus zuschreiben möchte. „Sirrrrr-zizizizrizizrizi- 
sirrrrr" so tönt's immer wieder. Bei öfterem Platzwechsel des 
Vogels muß ich mich aber doch überzeugen, daß das Gezwitscher 

2 



48 Scheicher: Oinitholoeisches aus Galizieii. | vei . um. 

■^° L Ges. Bay. 

von ihm selbst ausgeht. — Ein zweites Mal dies wieder zu be- 
obachten ist mir nicht geglückt. 

Das Schwirren von Loc. naevia ist von den drei Schwirlarten, 
die ich hier fand, am wenigsten klangreich; 'eine Einleitung des 
Schwirrens, wie etwa bei Loc. luscinioides, habe ich hier nie ge- 
hört, obwohl ich oft dem singenden Vogel sehr nabe stand, einmal 
längere Zeit kaum 3 m entfernt. 

47. Locustella fluviatiUs (Wolf). — Flußschwirl. 

Bälge: cT 17. V., Lipica dolne. 
$21. VI., Sarnki gerne. 

Am 17. V. hörte ich auf einer Lichtung im Podk.-Wald, die 
mit übermannshohem Erlengebüsch, Himbeergestrüpp u. a. dicht 
bewachsen war, zum erstenmal das mir bis dahin noch unbekannte 
Schwirren. Sofort fiel mir im Vergleich zu dem Schwirren von 
Loc. naevia der metallene Klang auf. Das Schwirren ist nicht so 
rein und hat noch Nebengeräusche; es klingen, wie A. Voigt ^) 
sehr treffend sagt, stark die „Obertöne'' mit. 21. V. traf ich 
nachm. 4^" (Sommerzeit) an einer anderen Stelle des Waldes 1 <^, 
das etwa 10 m hoch im Wipfel einer dürren Eiche sang. Die 
gefleckte Kehle konnte ich deutlich erkennen. Durchschnittlich 
betrug die Schwirrdauer eine Minute. Noch öfters verhörte ich 
hier und im Walde von Junaszkow singende cTcT, und stets fiel 
mir der unreine, metallene Klang des Schwirreus auf. Die Vögel 
hielten sich meist im dichtesten Unterholz auf, das durch Brenn- 
nesseln, Weidenröschen, Himbeer-, Brombeergestrüpp u. ä. fast un- 
durchdringlich wurde. Zwei Flußschwirle sangen an solcher Stelle 
am Spätnachmittage des 21. VI. bei Obelnica, ein dritter Vogel 
(g?) warnte mit ziemlich lautem, unreinem „bjit", dem „sirb" der 
Amsel etwas ähnelnd. Am 26. VI, hörte ich ein c^ mehrmals 
zum Schwirren ansetzen, was mir zunächst den Anfang einer 
Goldammerstrophe vortäuschte, eine Ähnlichkeit, die mir bis dahin 
noch gar nicht aufgefallen war. Erst nachdem das Schwirren 
eine Zeitlang anhielt, konnte ich mit Sicherheit Goldammer aus- 
schließen. 

Der Flußschwirl scheint meinen Beobachtungen nach schon 
früher am Tage sich hören zu lassen als seine beiden Verwandten. 
Wenn Feld- und Flußschwirl in ihren Wohngebieten auch oft eng 
aneinander grenzten, so fand ich sie doch niemals zusammen an 
der gleichen Örtlichkeit. 

48. Locustella liiscinioides luscinioicles (Savi). — Nachtigallenschwirl. 
Bälge: cT 1. VII, cf 18. VII: Sarnki gerne. 
Nur zwei Stellen im Beobachtungsgebiet kamen für den Vogel 

*) Exkursionsbuch, 6. Aufl., p. 74. 



XIV, 
1919 



1 1 

' ' I Scheicher: Ornithologisches aus Galizien. :1.9 



als Wohnort in Betracht: der Schilfgürtel des Sees von Sarnki 
dolne und das versumpfte Narajowkatal bei Swistelniki. An beiden 
Orten konnte ich auch den unauffälligen Sänger finden. Erstmalig 
am 27. VI. hörte ich abends am See von Sarnki dolne einen 
Nachtigallenschwirl singen und bis gegen Ende Juli, als wir die 
Gegend verlassen mußten, vermisste ich hier kaum einmal sein 
Schwirren. Mehrmals hörte ich 2—3 singende cTcT nicht weit 
voneinander, doch scheint jedes Paar seinen Bezirk streng einzu- 
halten. Die Vögel hielten sich nicht im reinen Schilfwald auf, 
sondern dort, wo Rohrkolben und Schilfrohr schon stark mit Gräsern, 
Nachtschatten und anderen Gew^ächsen durchsetzt war, auch hier 
und da einmal ein Erlen- oder Weidenbusch Wurzel gefaßt hatte. 
Mit ihrem Gesang schienen sie mir noch etwas später am Tage 
zu beginnen als Feld- und Flußschwirl; das Schwirren ist auch 
anhaltender. Am 8. VlI. beobachtete ich Strophen von 2 — 3 Mi- 
nuten Dauer mit nur kurzen Unterbrechungen ; auch sonst waren 
Strophen mit 2 Minuten Dauer nichts Seltenes. Das Schwirren 
von Loc. liiscinioides schien mir bedeutend klangvoller als das 
von Loc. naevia und L. fluviatilis, es hatte für mich mehr den 
Ton einer Trillerpfeife und ähnelte aus der Ferne dem zarten 
Roller eines Kanarienvogels. Überhaupt ist es weniger ein 
Schwirren als ein Triller, d. h. die einzelnen Töne folgen sich 
nicht so schnell aufeinander. 

Am 8. VII. konnte ich ein singendes ^, das auf der Spitze 
eines Rohrkolbens saß, aus 6 — 8 m Entfernung längere Zeit be- 
obachten, ja, am 18. Vif. ein solches aus 2 — 3 m Entfernung. 
Beide Male hörte ich das Schwirren nach jeder Pause eingeleitet 
durch ein leises tonloses „tet-tet-tet" oder „tüt-tüt-tüt", das, anfangs 
in größeren Abständen, immer schneller aufeinander folgt, bis es 
fast schnurrend klingt, um dann ohne Pause in den klangvollen 
Triller überzugehen. Diese Einleitung des Gesanges ist so leise, 
daß sie nur in größerer Nähe zu hören ist. Der Vogel sitzt selten 
auf den Spitzen der höchsten Stengel, sondern meist so, daß er 
noch von höheren Pflanzen in der Nähe gedeckt bleibt. Während 
des Schwirrens, oder sagen wir also besser, während des Trillers, 
wendet er beständig das Köpfchen von einer Seite auf die andere, 
und dadurch wohl wird ein An- und Abschwellen der Tonstärke 
vorgetäuscht, das oft ganz rhythmisch klingt und besonders aus 
mittlerer Entfernung (20 — 30 m) und entsprechend günstigem Winde 
deutlich hörbar wird. 

Am See von Sarnki dolne schätzte ich die Zahl der Brut- 
paare auf mindestens 5—6; es können aber auch leicht 2 — 3 mal 
so viel gewesen sein. — Daß auch die Tonhöhe der einzelnen 
Sänger oft beträchtlich verschieden ist, konnte ich an 2 cfcf fest- 
stellen, die am Morgen des 21. Vll. im Narajowkatal bei Swistel- 

2* 



20 Scheicher: Ornithologisches aus Galizien. 1 ®^ \r,^^' 

|_ Ges. Bay. 

niki nebeneinander sangen. Der eine Vogel verstummte erst 
gegen 9 Uhr vorm. Auch hier waren sicher 2 — 5 Brutpaare an- 
zunehmen. 

49. Acrocephahis a. arundinaceus (L.). — Drosselrohrsänger. 

Nur am See von Sarnki -dolne beobachtet. Von Mitte April 
bis Ende Juli 17 konnte ich fast immer seinen Gesang dort hören. 
Der Bestand an Brutvögeln mochte mindestens 6 — '^ Paare be- 
tragen. 

50. Acrocephalus scirpaceus scirpaceus (Herrn.). — Teichrohrsänger. 

Im Schilfgürtel des Teiches von Sarnki dolne der häufigste 
Rohrsänger. Wenn ich im Juni in das Schilf eindrang, so hörte 
ich sie oft aus geringer Entfernung mit einem sanften „drrr" oder 
„dschrrr" warnen (nach Naumann gedämpftes, schnarchendes 
„scherr"), das deutlich an- und abschwoll. Höchstwahrscheinlich 
waren Nest oder Junge in der Nähe. — Mitte Juli hatte der 
Sangeseifer merklich nachgelassen. — 7. V. vernahm ich auch in 
dem verschilften Narajowkatal bei Swistelniki den Gesang des 
Teichrohrsängers. 

51. Acrocephalus palustris (Bechst.). — Sumpfrohrsänger. 

Am See von Sarnki dolne fast regelmäßig zu hören, besonders 
in dem stark versumpften Vorgelände, wo Weidenröschen, Brenn- 
nesseln, Erlen- und Weidengebüsch wucherten. 13. V. brachte ein 
singendes cT sehr täuschend Nachahmungen des „füid" des Rot- 
schwanzes sowie Bruchstücke aus Hänflings- und Schwalbengesang. 
Häufig war der Vogel auch an den weidenumbuschten Gräben, 
die sich stellenweise durch die Wiesen zogen. So hörte ich am 
26. V. sicher 10—15 Stück zwischen Ujazd und Sarnki gorne oft 
in geringer Entfernung voneinander, und die Vögel sangen sich 
förmlich in einen hitzigen Wettstreit hinein. 

52. Acrocephalus aqiiaticus (Gm.). — Binsenrohrsänger. 

31. VIII. und 1. IX. beobachtete ich ein Stück — offenbar 
dasselbe — mitten in der Ortschaft Krzywcze und zwar in dichtem 
Weidengebüsch, das den Bachlauf einsäumte. Der Vogel kletterte 
laufend an den fast senkrechten Zweigen empor und begrüßte 
mich mit lautem zaunkönigähnlichem „errr". Der helle Scheitel- 
strich und die Augenbraunenstreifen waren trotz der Unruhe des 
Vogels gut zu sehen; gern suchte er auch die benachbarten Mais- 
und Hanffelder auf. 



XIV 

1919 



' ' I Scheleher: Ornithologischea aus Galizien. 21 



53. Hypolais iderina (Vieill). — Gelbspötter. 

Vereinzelter Bewohner der Parkanlagen und unterholzreichen 
Laub Waldungen. Den ersten Gesang des Jahres vernahm ich am 
11. V. in Sarnki gorne. 

54. Sylvia a. atricapilla (L.). — Schwarzplättchen. 

Gemein in den Wäldern, wo sie die häufigste Grasmücke ist 
und auch noch am spätesten im Jahre ihren Gesang hören läßt. 

55. Sylvia h. hippolais (L.). — Gartengrasmücke. 

An gleichen Örtlichkeiten wie das Schwarzplättchen, aber bei 
weitem nicht so häufig. 

56. Sylvia c. communis Lath. — Dorngrasmücke. 

An Walddichtungen, flecken und Feldgehölzen nicht selten. 
Kegelmäßig traf ich sie am See von Sarnki dolne, wo sie in dem 
Gewirr von Öchilfgras etc. mit dem Sumpf rohrsänger das Wohn- 
gebiet teilte. 

57. Sylvia curruca curruca (L.). — Zaungrasmücke. 

In Gärten und an lichten Waldstellen, Blößen etc. nicht sehr 
häufig. Die erste des Jahres sah ich am 15. IV. in Sarnki gorne. 

58. Turdiis pilaris L. — Wachholderdrossel. 

Auf dem Herbst- und Frühjahrszuge nicht eben häufig in 
kleineren Verbänden gesehen, am 29. III. mit Staren und Mistel- 
drosseln, zusammen etwa 100 Stück. Ob die etwa 20 AVachholder- 
drosseln, die ich am 5. V. in schütterem Eichenwald bei Junaszkow 
traf, noch verspätete Durchzügler waren, oder etwa Brutvögel 
aus der Gegend, ist fraglich. Schon am 3. IV. hatte ich in der 
Nähe sechs Stück gesehen. 

59. Turdus viscivorus viscivorus L. — Misteldrossel. 

Im Herbst und Frühjahr öfters zu mehreren gesehen. Ihren 
Gesang vernahm ich zur Brutzeit nicht, doch ist es wahrschein- 
lich, daß der Vogel auch in den Laubwäldern brütet. 

60. Turdus ph. philomelos Brehm. — Singdrossel. 

Nicht selten in Wäldern, Parkanlagen etc. Auf dem Früh- 
jahrszug sah ich sie häufig in den Wiesenniederungen um Sarnki 
gorne, erstmalig am 27. III. Auf dem Herbstzuge scheinen sie 
mehr Gebüsche, Waldränder u. s.w. aufzusuchen, wahrscheinlich 
wegen der Beerennahrnng. 



22 Scheicher: Ornithologisches aus Galizien. fVerh. Orn. 

L Ges. Bay. 

61. Planesticus m. merula (L.) — Amsel. 

In den Wäldern und Feldgehölzen nicht sehr häufig und stets 
sehr scheu. In den Dörfern sah ich sie nie. 

Am 2. VI. im Buchenwald bei Junaszkow an einem Baum- 
stumpf, 20 cm über dem Erdboden, ein Nest mit sechs Eiern. 

62. Monticola saxatüis (L.). — Steinrötel. 

13. V. traf ich in den Klippen am See von Sarnki dolne ein 
Paar dieses seltenen Vogels. Das cT verjagte ein Paar Raub- 
würger, das auch ohne weiteres den Platz räumte. Leider hörte 
ich von den Steinröteln keine Rufe. Ihr ganzes Gebaren ist durch- 
aus steiuschmätzerartig, obwohl die Gestalt bei weitem gedrungener 
ist. Das hastige Schwanzwippen wird noch häufiger geübt als bei 
diesen. Der Flug erinnert mich sehr an Alpenbrauuelle. Das cT 
mit seiner herrlichen, kontrastreichen Zeichnung fällt besonders 
im Fluge schon weithin durch den schneeweiß leuchtenden Unter- 
rücken auf. 

Die Hoffnung, daß die Vögel hier brüten würden, bestätigte 
sich leider nicht; trotz mehrfachen Suchens fand ich sie nie 
wieder. — An den Steilhängen des Dnjestr oberhalb Uscie Bi- 
kuspie traf ich am 6. IX. 3—4 Steinrötel, vermutlich diesjährige 
Junge. Mit Vorliebe saßen sie auf den niedrigen Stangen der 
Fernsprechleitungen; ein Vogel ließ mich bis auf etwa 6 m heran- 
kommen, ehe er abflog. l3ie hurtigen Bewegungen erinnerten 
mich wiederum sehr an Steinschmätzer. Der ganze Ton im Ge- 
fieder war nicht so braun, wie bei dem am 13. V. beobachteten g, 
sondern mehr grau. Leider hörte ich auch hier wieder keine Rufe. 

63, Oenanthe oenanthe grisea (Brehm). — Grauer Steinschmätzer. 

Balg: cT 30. III. 17, Sarnki gorne. 

Nicht häufig. In den sanften Talmulden des Gnita-Lipa-Ge- 
bietes traf ich im März öfters durchziehende Exemplare, doch war 
der Vogel regelmäßig nur an felsigen Stellen zu treffen, Avie an 
den Klippen von Sarnki dolne, oder wo einmal an steilem Wiesen- 
hange sich ein kleiner Steinbruch fand. Hier haben auch ver- 
einzelte Paare gebrütet. 

[Das eingesandte Stück (mit 96 mm Flügellänge) dürfte zur 
mitteleuropäischen Form, wie sie von Kleinschmidt definiert wurde, 
zu stellen sein. — A. L.] 

64. Oenanthe oenanthe leucorhoa (Gm.). 

Balg: cT 21. XIL 16, Sarnki gorne. 

An einem kleinen, nicht zugeschneiten Wasserlauf erlegt. 

[In einem am 21. XII. 16 erbeuteten Exemplar ist es Herrn 



' ' I Schelchor: Ornithologisches aus Galizien. 2B 

Schelcher geluugen, ein auf der Wanderung begriffenes Stück der 
dunkler gefärbten, grönländischen Form Oenanthc oenanthe leu- 
corhoa (Gm.) zu erlegen. Das vorliegende Stück übertrifft mit 
seinem 103 mm langen Flügel an Größe alle mir seinerzeit von 
den Färöer vorgelegenen Vögel, welche in ihren höchsten Maßen 
100 mm nur selten knapp überstiegen. Während hierdurch die 
Zugehörigkeit der Färöer- Vögel zu der Form leucorhoa noch 
schwankend erscheint, dürfte das vorliegende Exemplar aus Galizien 
wohl mit Recht zu obiger Form gestellt werden. In der Färbung 
stimmt dasselbe mit einem am 18. X. auf den Färöer gesammelten 
Vogel (g) sehr wohl überein, während die übrigen Exemplare 
durch noch lebhafter rostbraunes Kolorit der Unterseite auf- 
fallen. - A. L.] 

65. Saxicola ruhetra rubetra (L.), — Braunkehl. Wiesenschraätzer. 

Bälge: 2 cTcT juv. 5. IX., Krzywcze. 

In den Wiesenniederungen des Gnita Lipa-Gebietes war das 
Braunkehlchen eine alltägliche Erscheinung. Den ersten Gesang 
hörte ich hier im Narajowkatal am 16. IV. Am Abend des 18. V. 
sang ein Braunkehlchen bei Sarnki gorne, das in seine Strophen 
dauernd laute, brachvogelähnliche Pfiffe einflocht. 14. und 26. VI. 
traf ich Alte mit Futter im Schnabel. 

66. Saxicola torquata ruhicola (L.). — Schwarzkehliger 

Wiesenschmätzer. 

Balg: 1 cT ad. 5. IX., Krzywcze. 

Im Sereth-Zbruczgebief nicht selten au den trockenen Steil- 
hängen der tief eingeschnittenen Flußtäler. In der Ortschaft 
Krzywcze fand ich am 18. VIII. ein Paar, das sich sehr besorgt 
um die Brut zeigte. Am 20. VIII. traf ich in der Nähe ein dies- 
jähriges Junges mit gelbem Schnabelwinkel und am 31. VIII. auf 
einer Wiese am Hange das alte Paar mit 3 — 4 flüggen Jungen. 
Durch das warnende „tzr" der Alten ließen sich diese gar nicht 
beirren, sondern bettelten dauernd mit einem höher klingendem 
„sirrr", obwohl sie selbst schon sehr geschickt Insekten im Fluge 
fangen konnten. 

67. Phoeniciirus ph. phoenicurus (L.). — Gartenrötel. 

Ziemlich häufig in den Ortschaften und Parkanlagen, etwas 
weniger in den Laubwaldungen. Die ersten des Jahres traf ich 
am 2. V. in Sarnki gorne. 

9. V. ebendort ein fleißig singendes cT? dessen Gesang stets 
mit der typischen Strophe begann, dann aber mit den verschie- 
densten Nachahmungen endete. So wurde täuschend das „zilp- 



24 Scheicher: Ornithologisches aus Galizien. 1 *'ß'^"- ^'*"- 

L Ges. Bay. 

zalp" des Weidenlaub vogels vorgebracht, dann Teile der Fitis- 
strophe und der Rnlschton des Buchfinken; weniger deutlich waren 
Anklänge an Hänflings-, Grünlings- und Grasmückengesang. 

68. Phoenicurus ochruros gibraltariensis (Gm.). — Hausrötel. 

Regelmäßiger, wenn auch nicht sehr häufiger Bewohner der 
Ortschaften. 

22. IV. beobachtete ich in den Felsen am See von Sarnki 
dolne 2 cfcT; hier mag wohl der Vogel auch gebrütet haben. 

69. Luscinia luscinia (L.). — Sprosser. 

Bälge: d" 5. V., d"? 29. V., Lipica dolne; d" 16. V. 17, Sarnki 
gorne. 

In allen Waldungen mit Unterholz, Feldgehölzeu und Park- 
anlagen gemein. Während der Hauptsangeszeit Mai bis Juni ist 
der Sprosser dort vielleicht der am häufigsten zu hörende Vogel. 
In seinem Gesänge vermißte ich vor allem die schönen weichen 
Flötentöne der Nachtigall, das Tempo ist schneller, aber regel- 
mäßiger als bei dieser. Einige Sänger fand ich von geradezu un- 
ermüdlichem Eifer; so bewohnte den kleinen Friedhof in Sarnki 
gorne ein Sprosser, der mit Ausnahme weniger Mittagsstunden 
eigentlich den ganzen Tag sang. Abends hörte ich den Vogel bis 
nach Mitternacht und am nächsten Morgen ^1^4: Uhr schmetterte 
er auch schon wieder seine Strophen in den dunklen Morgen. Es 
war wirklich verwunderlich, daß der Vogel noch genug Zeit zum 
Fressen und Schlafen übrig behielt. 

Den ersten Sprosser des Jahres vernahm ich am 5. V. im 
Walde bei Junaszkow. km nächsten Morgen auf ein- bis andert- 
halbstündigem Gang durch den Podk.-Wald verhörte ich 10 — 15 
singende c/^cT. Mitte Juni hatte der Sangeseifer schon merklich 
nachgelassen, um bald ganz aufzuhören. Aber noch am 22. VIII. 
hörte ich von einem Sprosser im Pfarrgarten zu Krzywcze ein- 
zelne Gesangsbruchstücke. — Das von der Nachtigall her bekannte 
Knarren hörte ich ebenso auch von Sprossern. — Wenn man sich 
dem Nest oder den Jungen nähert, warnen die Alten mit erregtem 
„hid", dem Quietschen eines Rades oder Pumpenschwengels sehr 
ähnlich und deutlich unterschieden von dem gartenrötelähnlichen 
„huid". Wenn ich dieses „hid" aus geringerer Entfernung hörte, 
hatte ich immer wieder deutlich die Empfindung, als ob der Vogel 
die Luft dabei einsaugte. Bei längerem Verweilen oder gar 
Nähertreten wurde das „hid" höher, hastiger und oftmals von dem 
hölzernem Knarren unterbrochen. — 29. V. fing ich im Podk.- 
Wald zwei flugunfähige Stücke, die sich vielleicht an einem der 
vielen Drahthindernisse bei der Jagd mit einem Nebenbuhler ver- 
letzt haben mochten. Der eine Vogel wies an Kopf, Flügeln und 



' ' j Scheicher: Ornithologisches aus Galizien, 25 

Unterrückeii partiellen Albinismus auf, seine Flugmuskulatur war 
stark atrophisch, während sich die Hoden gut entwickelt zeigten. 

70. Erithacus ruhecula rubecula (L.). — Rotkehlchen. 

Häufiger Bewohner der Wälder und Parkanlagen. Den ersten 
Gesang des Jahres vernahm ich am 1. IV. im Podk.-Wald; in 
der ersten Aprilwoche nahm hier die Zahl der Rotkehlchen merk- 
lich zu. — Ein Nest mit sechs Eiern fand ich daselbst am 17. Mai. 
Am 28. V. waren die Jungen fast völlig befiedert. 21. VII. sah 
ich die ersten selbständigen Jungen dieses JahreSw 

71. Troglodytes t. troglodytes (L.). — Zaunkönig. 

An passenden Örtlichkeiten nicht selten. 

72. Cinclus cinclus orientalis Stres, — Wasseramsel. 

29. I. an der Narajowka bei Lipica dolne ein Exemplar ge- 
sehen, das meinem Blick leider zu schnell unter einer Brücke hin- 
weg verschwand. 

Auch am 5. 1. war ein Stück flußabwärts ein Vogel beobachtet 
worden, der der Beschreibung nach nur eine Wasseramsel gewesen 
sein kann. 

[Nachdem Stücke der Wasseramsel aus der Bukowina (Stulpi- 
kany. Bez. Kimpolung) mit der von E. Stresemann aus Mazedonien 
beschriebenen E'orm Cinclus cinehis orientalis identisch sind, ist 
wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß die von Scheicher in Galizien 
beobachteten Vögel auch zu dieser neuen Form gerechnet werden 
müssen. — A. L.] 

73. Hirundo rustica rustica L. — Rauchschwalbe. 

In allen Ortschaften häufiger Brutvogel. 11. IV. 17 die erste 
des Jahres in Sarnki gorne. 5. VIT. ein Stück beim Nestbau be- 
obachtet, 18. VII. am See von Sarnki dolne in Flügen von 100 bis 
200 Stück. 

13. VIII. fand ich in Krzywcze noch Nestjunge. Anfang bis 
Mitte September nahm dort die Zahl der Rauch.- und Mehlschwalben 
merklich ab. 

74. Delichon urbica urhica (L.). — Mehlschwalbe. 

In den Dörfern fast überall Brutvogel, aber meist bedeutend 
weniger als die Rauchschwalbe. 12. V. 17 in Sarnki gorne beim 
Nestbau beobachtet, 5. VII. 17 wurden ebendort Junge im Nest 
gefüttert. 14. VIII. 17 jagten etwa 100 Stück in geschlossenem 
Verbände über den Dorfgrund in Krzywcze, während die Rauch- 



26 Scheicher: Oroithologisches aus Galizien. 1 '^^^^' ^^°- 

L Ges. Bay. 

scliwalben einzeln jagten. Ebenso sonnten sich an die 50 Mehl- 
schwalben am 19. VIII. zusammen auf einem Schindeldach, denen 
sich nur einzelne Rauchschwalben zuzugesellen wagten. 

75. Micropiis apus apus (L.). — Mauersegler. 

22. VI. 17 jagten rufend mehrere Segler über Sarnki gorne; 
am folgenden Tage bemerkte ich wiederum zwei Stück. Ob es 
sich um verspätete Durchzügler oder Brutvögel aus der Umgegend 
handelte, wage ich nicht zu entscheiden. Die schindelgedeckten 
ruthenisclien Holzkirchen könnten vielleicht den Vögeln passende 
Nistgelegenheiten bieten, doch ist mir nichts derartiges bekannt; 
auch sind mir nicht wieder Segler zu Gesicht gekommen. In den 
Städten wie Lemherg u.s.w. ist der Mauersegler natürlich eine 
gewöhnliche Erscheinung. 

76. Caprimulgus europaeus europaeus L. — Nachtschwalbe. 

In der Abenddämmerung des 16. IX. flog auf einem Feldwege 
in der Nähe des Waldes bei Ki-zywcze nur wenige Meter vor den 
Pferden eine Nachtschwalbe auf und strich in gaukelndem, ge- 
wandtem Fluge dicht über dem Boden hin; nach je 50 — 100 m 
ließ sie sich noch mehrmals so auftreiben. 

Ich vermute, daß dieser Vogel, durchaus nicht selten, nur 
meiner Beobachtung entgangen ist. 

77. Upupa epops epops L. — Wiedehopf. 

Brütet nicht allzu selten in den Laub Waldungen. Wenn der 
Vogel den Menschen und seine Ansiedlungen auch nicht gerade 
zu meiden scheint, so schließt er sich ihm aber auch nicht an. 

Den ersten Wiedehopf des Jahres sah ich am 31. III. auf 
einer Wiese unweit Sarnki gorne, wo er im weichen Grasboden 
herumstocherte. Aber erst am 6. V. vernahm ich seinen Ruf im 
Podk.-Wald, und den ganzen Mai hindurch vermißte ich hier und 
an anderen passenden Örtlichkeiten, so namentlicli an Waldrändern, 
nur selten das klangvolle „up-up-up", das so traulich durch den 
Wald schallte. Als ich das erste Mal den mir bis dahin noch 
unbekannten Ruf hörte, der sich in immer gleichen Zwischenräumen 
wiederholte, hielt ich ihn für ein Hupensignal und befürchtete 
schon — es war nur 3 — 4 km hinter unserer Front — einen feind- 
lichen Gasangriff. Bald aber erblickte ich den Rufer, der sich 
mir bei einem Platzwechsel genähert hatte, wie er in einer Eichen- 
krone saß und mit großem Eifer sein „up-up-up" zum Besten gab. 
Bei jedem „up" machte der Vogel eine kleine Verbeugung. Noch 
zeigte er sich — wie auch der erste am 31. III. — außerordent- 
lich scheu, aber von Mitte Mai an fand ich den Wiedehopf hier 
sichtlich vertrauter; wahrscheinlich war ich am Brutplatz. 



10 Q I Schelcher: Ornithologisches aus Galieien. 27 

Vom fliegenden Vogel hörte ich öfters ein etwas gedämpftes 
„gi'äg" (Voigt fide Hanimliug vjärp" oder „schräp '), einmal auch 
ein fast pieperähnliches „bibjt". Nach der Brutzeit scheinen die 
Wiedehopfe familienweise umherzustreichen ; 1. VII. drei Stück 
auf Wiesen bei Sarnki gorne; 19. VIII. sieben Stück, die mitten 
in der Ortschaft Krzywcze rasteten und dicht an der Straße am 
Wiesenhange nach Futter suchten. 

78. Coracias yarrukis garrulus L. — Blaurake. 

Balg: cT 2. V., Jezierzany. 

An den Waldrändern nicht allzu seltener Brutvogel; besonders 
alte Eichen scheint der Vogel sehr zu lieben, da er vornehmlich 
hier günstige Brutstätten findet. 2. V. 17 am Podk.-Wald die 
ersten des Jahres gesehen. Den ganzen Monat und einen Teil 
des folgenden fand ich stets ein Paar an dieser Stelle. Während 
die Raken sich hier zuerst recht wenig scheu zeigten, wurden sie 
bald sehr heimlich. Am 17. VII. traf ich in der Nähe an einem 
Drahthindernis nicht weit vom Waldrande drei ausgewachsene 
Junge, wahrscheinlich von diesem Paare stammend. — Wie auf- 
fallend auch das leuchtende Gefieder der alten Vögel ist, wenn 
sie in dohlenartigem, gaukelndem Fluge zwischen den Stämmen 
dahinschießen, so leicht übersieht man den sitzenden Vogel. Die 
lichte, blaugraue Unterseite verschwimmt gegen den blauen Himmel 
außerordentlich, und im grünen Blätterwerk übersieht man den 
Vogel auch gar leicht. Als Stimme vernahm ich ein dohlenähn- 
liches, schnarrendes „karrrr krr krr", das im Fluge ausgestoßen 
wurde, im Sitzen ein tieferes, krächzendes „korr". 

3. V. wurde bei Jezierzany ein $ ad. geschossen, dessen Magen 
prall gefüllt war mit zum Teil nur wenig zerkleinerten Käferresten, 
hauptsächlich Carabiden und Silphiden (NecrophorusJ. Bei Iwanie 
Puste traf ich am 8. VIII. ein Stück auf einer Getreidepuppe 
sitzend, das schon von weitem an der typischen Silhouette zu er- 
kennen war (dicker Kopf bei zusammengesunkener Körperhaltung). 
Den ganzen August bis Mitte September waren Blauraken in der 
näheren und weiteren Umgebung von Krzywcze öfters zu finden, 
manchmal weit weg vom Walde an einzelnen Fernsprechleituugen, 
die übers freie Feld führten. Ein Bekannter sah Ende August 
bei einer mehrtägigen Reise durchs Land auf Drahthindernissen, 
Fernsprechleitungen u. ä. ebenfalls mehrere dieser schönen Vögel. 
Da diese recht wenig scheu waren, wird es sich wohl um dies- 
jährige Junge gehandelt haben. 

79. Cueulus canorus canorus L. — Kuckuck. 
In den Waldungen nicht selten. Erster Ruf am 1. V. bei 
Jezierzany gehört; von anderer Seite wurde schon zwei Tage vor- 
her Kuckucksruf gemeldet. 



28 Schelcher: Oraithologisches aus Galizien. fVerh. Orn. 

L Ges. Bay. 

Als am 10. VI. ein Kuckuck über die Häuser von Sarnki 
gorne wegflog, wurde er von weißen Bachstelzen schreiend verfolgt. 

80. Picus viridis L. subsp. — Grünspecht. 

In den Waldungen nicht sehr häufig. Die Obstgärten der 
Ortschaften scheint der Grünspecht wenig zu besuchen. 

[Ohne Belegexemplar erscheint es kaum möglich, die Form- 
zugehörigkeit der von R. Schelcher in Galizien beobachteten Grün- 
spechte einwandfrei festzustellen. — A. L.] 

81. Dryobates major pinetormyi (Brehm). — Großer Buntspecht. 

Nicht allzu häufig in den Laubwäldern. Ab und zu besucht 
ein Vogel auch einmal die Obstgärten der Dorfschaften. Im Winter 
traf ich den Großen Buntspecht öfters in Gesellschaft von Meisen, 
Kleibern oder Baumläufern, einmal am 24. 1. auch ein Stück unter 
einem Schwärm von etwa 50 Kirschkernbeißern. 

28. V. wurden im Podk.-Wald Nestjunge 6— 8 m hoch in 
einer Pappel gefüttert. 

82. Dryobates medius medins (L.). — Mittelspecht. 

Nur einmal beobachtet, am 8. XII. 17 in Telasce ein Stück 
unter einem Schwärm von Kohl- und Sumpfmeisen, Kleibern und 
Baumläufern, der sich in den uralten Bäumen des Schloßparkes 
herumtrieb. Aus 6 m Entfernung konnte ich mir hier den Specht 
in aller Gemächlichkeit betrachten. 

83. lynx torquilla torquilla L. — Wendehals. 

In den Feldgehölzeu und in der Nähe der Ortschaften nicht 
sehr häufiger Brutvogel. 

84. Asio otus otus (L.). — Waldohreule. 

Balg: cf ad. 18. IL, Lipica dolne. 

18. IL 17 saß auf einer hohen Buche im Podk.-Wald ein Stück 
und ließ sich von der warmen Nachmittagssonne bescheinen. Wahr- 
scheinlich ist auch der Vogel, ebenso wie die Nachtschwalbe, durch- 
aus nicht selten, und mir nur entgangen. 

85. Carine noctua noctua (Scop.). — Steinkauz. 

Nicht nur in den Dörfern eine gewohnte Erscheinung, sondern 
auch oft an einzeln liegenden Gehöften und Häusern zu finden, 
die mit den zum Teil halboffenen Scheunen dem Vogel einen will- 
kommenen Unterschlupf bieten. 



' 'I Scheicher: Ornithologisches aus Galizien. ' 29 



1919 



86. Strix aluco aluco L. — Waldkauz, 



In den Ortschaften und Waldungen wohl nicht selten, aber 
wahrscheinlich vielfach der Beobachtung entgangen. 15. I. rief 
bei Sternenhimmel ein Stück in den hohen Bäumen des Friedhofes 
in Sarnki gorne. Auf mein Pfeifen kam der Kauz immer näher 
und fußte schließlich in einer hohen Kiefer, kaum 15 m von meinem 
Standort. Bis Ende März hörte ich mehrfach seinen klangvollen 
ßalzruf wieder, unbekümmert, ob auch das Thermometer auf 
— 20° C. und noch tiefer stand. 

87. Tyto alba guttata (Brehm). — Schleiereule. 

In den Ortschaften offenbar nicht selten. Im April hörte ich 
in Sarnki gorne oftmals das Fauchen der Schleiereule, bekam auch 
hin und wieder mal ein Stück zu Gesicht. In der Abenddämmerung 
des 11. VI. traf ich im Garten des Gutshofs zwei recht wenig 
scheue Schleiereulen, offenbar Junge dieses Jahres; sie ließen ein 
zischendes Fauchen mit deutlich durchklingendem i hören, etwa 
„chichch". 

88. Falco peregrinus peregrinus Tunst. — Wanderfalk. 

Bei Iwanie Puste jagte am 8. VIII. dicht über dem Boden 
ein größerer Raubvogel hin, den ich für einen Wanderfalken hielt. 
Leider verschwand er zu schnell über eine Bodenwelle, noch ehe 
ich ihn richtig erkennen konnte. 

89. Falco siibhuteo suhhuteo L. — Baumfalk. 

Dieser schöne kleine Falke ist ziemlich häufig, vielleicht 
häufiger als der Turmfalke. 8. VII. jagte ein Stück über dem 
See von Sarnki dolne. Auch sonst traf ich öfters einen Baum- 
falken, der in reißendem Fluge über den Baumwipfeln oder den 
Wiesensenkungen dahinschoß^ aber nur allzu bald dem beobachten- 
den Auge entschwand. 

Im Mai oder Juni (das genaue Datum ging mir verloren) traf 
ich einen offenbar vollgekröpften Baumfalken, der am Waldesrande 
bei Obelnica in der Nachmittagssonne auf einer Eiche saß und 
mich in 5 — 6 m Entfernung von sich vorbeireiten ließ. Ein Paar 
beobachtete ich am 17. V. im Podk.-Wald; unter gellendem „gigigig" 
schössen die Falken mit fabelhafter Gewandtheit durch die Wipfel 
und stießen auf ein paar Nebelkrähen und zwar so hitzig, daß 
man die Körper aufeinander prallen hörte. Nach Vertreibung der 
Krähen, die gar nicht sogleich das Feld räumen wollten, ließen 
sich die Sieger über mir auf den Ästen nieder, und ich konnte 
mit Muße die schön gezeichneten Fälkchen betrachten. Offenbar 
befand ich mich in der Nähe des Nestes. 



30 Schelcher : Ornithologisches aus Galizien. fVerh. Orn. 

[_ Ges. Bay. 

90. Falco tinnunculus tinnunculus L. — Turmfalk. 

Balg: cT 27. III., Burstyn. 

Im Winter nicht beobachtet, ist der Vogel im Sommer eine 
gewöhnliche Erscheinung, 

28. IV. 17 wurde bei Jezierzany ein d" geschossen, dessen 
Balg ich noch retten konnte, und der an Bürzel und Oberkopf die 
ersten blaugrauen Federn zeigte. — Bei einem Besuch der Klippen 
am See von Sarnki dolne am IB. V. rüttelte leise gierend ein cf 
in einer Felsschlucht über mir; gleich darauf strich auch das g 
aus einer nahen Felsspalte ab, zweifellos dem Brutplatz. 

4. IX. 17 an felsiger Talwand bei Krzywcze drei Stück be- 
obachtet, dem vertrauten Wesen nach Jungvögel dieses Jahres. 
Am folgenden Tage begegnete ich drei sehr wenig scheuen Exem- 
plaren auf Telegraphenstaugen an der Straße, die oberhalb der 
steilen Felswände bei Uscie Biskupie am Djnestr entlang führt. 

91. Aquila clanga Fall. — Schelladler (?). 

Auf einem einzelnen Baume in einem Wiesengrunde 5 km 
westlich Sarnki gorne aufgebäumt traf ich am 1. V. einen dunkel- 
braun gefärbten Raubvogel, der sichtlich stärker als ein Mäuse- 
bussard war. Kopf und Flügel waren etwas heller, die Ober- 
schwanzdecken weiß oder sehr hell, so daß der Stoß durch ein 
helles Band deutlich abgesetzt erschien. Der Vogel strich ab, als 
ich in etwa 40 m vorbeiritt. Ein gleiches (vielleicht dasselbe) 
Exemplar sah ich am nächsten Tage etwa 4 km nördlich Sarnki 
gorne auf einem kahlen Wiesenhange am Boden sitzen. Bald 
kommt ein zweites Exemplar angeflogen, läßt sich daneben nieder, 
und unter lauten „gä-gä"-Eufen findet die Paarung statt. Die 
Vögel lassen mich heute nur bis auf etwa 200 m nahe kommen 
und streichen dann mit langsamen, schweren Flügelschlägen ab. 
Dabei zeigen sich deutlich die dunklen Unterseiten der Flügel; 
überhaupt ist die ganze Unterseite des Vogels ziemlich dunkel. 
— Vermutlich handelte es sich in diesen beiden Fällen um Aquila 
clanga Fall. 

92. Archibuteo lagopus lagopus (Brunn.). — Rauhfußbussard. 

In den Wintermonaten Dezember bis Anfang März ist er 
sicher der häufigste Raubvogel; man sieht ihn dann meist in 
mäßiger Höhe fliegend, oft zu mehreren, die Felder absuchen. 
Ein dunkles, viereckiges Feld auf der hellen Flügelunterseite und 
der weiße, nur am Ende dunkle Schwanz kennzeichnen die Art 
hinreichend. Sehr oft sah ich Rauhfußbussarde nach Art des 
Turmfalken rütteln, was ich beim Mäusebussard nie beobachten 
konnte. 



' ' I 8cholcher: Ornithologische« an» Galizien. 31 

25. XII. 16 zählte ich bei Sarnki gorne auf einem Wege von 
2 — 3 Stunden acht Raiihfüße. Der letzte des Jahres kam mir 
am 2. IV. bei Junaszkow zu Gesicht. 

93. Buteo buteo (L.) subsp. — Mäusebussard. 

Im Winter wird er zum größten Teil durch seinen rauh- 
füßigen Vetter aus dem Norden vertreten. Ich sah vom Dezember 
bis März nur wenige Mäusebussarde. Im Sommer dagegen ist er 
natürlich häufig vertreten, wenn nach meinen Beobachtungen auch 
wohl nicht so häufig wie der Rauhfußbussard im Winter. 4. IV. 
ein Stück im Podk.-Wald am Horst beobachtet, der 6—8 m hoch 
in der Gabelung einer Eiche stand. 

94. Gircus ae. aeruginosus (L.). — Rohrweihe. 

Bälge: 2 dd 9. V. 17, Jezierzany. 

Am See von Sarnki dolne am 13. V. ein Stück gesehen. Am 
9. V._ waren dort 2 cfcf geschossen worden. 

Über dem Narajowkatal bei Swistelniki beobachtete ich am 
7. V. etwa 160 m hinter unserem Drahthindernis ein Pärchen 
dieser schönen Raubvögel,, wie sie dicht über dem Röhricht hin 
und her flogen und Niststoffe au eine bestimmte Stelle schleppten. 
Also auch diese Vögel ließen sich durch starkes Ärtilleriefeuer 
nicht in ihrem Brutgeschäft stören. Ais sich die eine der Weihen 
weiter oben im Tale ins Röhricht niederlassen wollte, wurde sie 
sofort von fünf Schafstelzen unter Geschrei umflogen und so lange 
bedrängt, bis sie sich zu größeren Höhen emporschraubte. Die 
unterseits weißen, an der Spitze schwarzen Elügel waren auch 
dann noch für den Vogel ein gutes Kennzeichen zum Unterschied 
gegen einen zufällig anwesenden Bussard, ganz abgesehen von 
dem gesamten Flugbild. 

95. Astur gentilis gentilis (L.). — Hühnerhabicht. 

Lebend nicht beobachtet. Ein Stück wurde im halbverwesten 
Zustande am 26. III. auf freiem Felde bei Sarnki gerne gefunden. 

96. Äccipites 7iisus nisus (L.). — Sperber. 

Nächst dem Turmfalken wohl der häufigste Raubvogel, wenn 
nicht der häufigste überhaupt; jagt gern in den Ortschaften oder 
in deren unmittelbarer Nähe. Mehrmals konnte ich gut beobachten 
— so 18. VI., 10. VII. in Sarnki gorne — , daß Sperlinge, Finken etc. 
vor einem Sperber laut zeternd Deckung im Gebüsch oder dichten 
Baumkronen suchten, während Rauchschwalben den Feind schreiend 
belästigten. Hin und wieder mag es dabei auch vorkommen, daß 
der Sperber eine Schwalbe j^reift. 



32 Scheicher: Ornithologisches aus Galizien. fVerh. Orn. 

L Ges. ßay. 

97. Milvus migrans migrans (Bodd.). — Schwarzer Milan. 

Balg: 5 5. IV., Lipica dolne. 

Scheint nicht selten zu sein. 

9. IV. fällt in Sarnki gorne abends ein $ Vogel aus einer 
dichten Kiefer herab und kann sich nicht wieder erheben. Da 
der Vogel am nächsten Tage einen sichtlich schwerkranken Ein- 
druck machte, wurde er getötet. Im Rücken fanden sich zwei 
Schrotschußwunden. — Im nahen Podk.-Wald konnte ich im April 
und Mai öfters ein Paar beobachten, das vermutlich auch dort 
gebrütet hat. Als am 16. IV. das Paar über den Wipfeln kreiste, 
wurde es von einer Nebelkrähe lange und hartnäckig belästigt; 
obwohl die Milane auch ihrerseits mehrfach zum Angriff über- 
gingen, ließ sich die Krähe lange Zeit nicht vertreiben. Der 
Gabelschwanz der Milane kommt im Fluge recht wenig zur Geltung 
und ist nur bei Wendungen deutlich zu erkennen. 

98. Ciconia cicojiia ciconia (L.). — Weißer Storch. 

Zwischen Gnita Lipa und Narajowka ist der Storch ein sehr 
häufiger Brutvogel ; dagegen fehlt er im Gebiet vom Sereth östlich 
bis zur Landesgrenze, dem Zbrucz, völlig^). Es liegt dies in der 
geographischen Beschaffenheit des Landes begründet, da zwischen 
Sereth und Zbrucz die breiten, feuchten Wiesentäler fehlen, die 
im erstgenannten Gebiet unserm Vogel so günstige Lebensbedingungen 
bieten. Natürlich genießen die Störche völlig den Schutz der Be- 
völkerung, aber mit der allmählichen Verdrängung der schönen, 
malerischen Strohhäuser durch moderne Blechdächer droht auch 
ihrem Bestände ein Rückgang, der jetzt schon einzusetzen scheint. 
Dem Kriege ist nicht nur manche Brutstätte, sondern auch mancher 
Vogel selbst zum Opfer gefallen, der von schießwütigen Aasjägern 
oder auch, trotz strenger Verbote, von Soldaten aus langer Weile 
abgeschossen wurde. Ja, mancher Jungstorch fiel auch — horribile 
est dictu! — in die Kochgeschirre unserer Feldgrauen! 

Die ersten Störche des Jahres sah ich am 28. III. in Sarnki 
gorne. Der Anblick kreisender Störche, die oft längere Zeit ohne 
Flügelschlag und bisweilen im Fluge klappernd über dem Dorfe 
dahinschwebten, war ein Bild, dessen Schönheit sich auch unsere 
Soldaten meist nicht verschließen konnten, ebenso wie auch das 
Familienleben der Störche, die Aufzucht der Jungen u. s. w., was 
sich ja täglich vor unseren Augen abspielte, bei manchem vielleicht 
wieder Freude und Liebe zu unserer Vogelwelt geweckt hat. 

Da die Nester sämtlich auf Strohdächern standen (Baumnester 
fand ich gar nicht), war das Markieren der Vögel meist nicht mit großen 

*) Nur einmal, am 8. VIII. sah ich ein einzelnes Stück bei Iwanie Puste 
auf dem Durchzuge. 



XlV 1 1 

' 'I Schelchcr: Ornithologisches auß Qalizien. 33 

1919 J 

Schwierigkeiten verknüpft, und vom 21, VI. bis 17. VII. wurden 
96 Jungstörclie mit Ringen der Vogelwarte Rossitten versehen. 
Am 12. VII. flogen mir beim Markieren schon eine ganze Anzahl 
Nestjunger davon. 

Bei dieser (relegenheit untersuchte ich auch eine Anzahl 
Storchgewölle. Neben pflanzlichen Teilen fand ich in ihnen nur 
Käferreste und auffallend viel Maulwurfsgrillen, deren Überbleibsel 
ja an den charakteristischen Füßen nicht zu verkennen sind. 

18. V. traf ich 22 Störche auf einem Acker, der gepflügt 
wurde, wo sie sich vermutlich au den Engerlingen gütlich taten, 
die der Pflug in überraschender Menge ans Tageslicht förderte. 

Die ersten Jungen wurden am 28. V. in Sarnki gorne beob- 
achtet; nach Angabe der Hausbewohner waren sie schon vor 
8 — 10 Tagen geschlüpft. 

Zur Zeit des Herbstabzuges war ich nicht mehr in der storch- 
reichen Gegend; doch teilte mir ein Bekannter mit, daß er bei 
einem Besuch am 18. VIII. dort nur noch wenige gesehen habe; 
die Hauptmasse der Störche sei gegen den 11. August verschwunden. 

99. Botaurus stellaris stellaris (L.). — Rohrdommel. 

Balg: cf 16. XI. 17, Kudrynce am Zbrucz. 
Lebend nicht beobachtet; am 16. XI. 17 wurde bei Kudrynce 
am Zbrucz ein d" Stück erlegt. 

100. Anser sp. ~ Wildgaus. 

Vom 80. März bis 2. April 1917 sah und hörte ich mehrfach 
die keilförmigen Flüge wandernder Gänse den Ort Sarnki gorne 
in östlicher bis nordöstlicher Richtung überfliegen, besonders gern 
in den Morgenstunden. Aber auch nach Einbruch der Dunkelheit 
hörte man noch die Stimmen vorbeieilender Wanderer. Ebenso 
fand am 2. X. 17 über Krzywcze hin offenbar stärkerer Gänsezug 
statt; wie aus den Stimmen bei der Dunkelheit zu entnehmen war, 
flogen die Vögel in südwestlicher Richtung dem Djnestr zu. 

7. XII. 17 beobachtete ich bei strenger Kälte — die letzten 
8 — 10 Tage schwankte das Thermometer zwischen — 10** C und 
— 25" C — an einer eisfreien Stelle auf dem großen See bei 
Podhajce sechs Gänse, neben etwa 100—200 Stockenten; bei 
Niedersetzen werden die Schwingen nach Totanidenart hoch über 
den Rücken emporgehaiten. 

101. Anas p. platyrhynchos L. — Stockente. 

Am See von Sarnki dolne sowie in dem versumpften Nai'a- 
jowkatal bei Swistelniki mögen einige wenige Paare gebrütet 
haben. Auch an den kleinen Wasserläufen zwischen den Wiesen 
trieb ich öfters ein oder auch mehrere Stücke auf, die hier auf 

3 



'AÄ. Schelcher: Ornithologisches aus Galizieo. I ver . in. 

^^ ^ L Ges. Bay. 

Nahrungssuche ausgingen. Jedenfalls war der Bestand an Stock- 
enten auffallend gering, zumal doch auch die weitere Umgebung, 
wie das breite Tal der Gnita Lipa, für Enten günstige Lebens- 
bedingungen bot. — 7. XII. an einer eisfreien Stelle des großen 
Sees bei Podhajce 100—200 Stück. 

102. Nettion crecca crecca (L.). — Krickente. 

In einem versumpften und mit Schilf bestandenen Wiesengrunde 
nordwestlich Sarnki gorne am 26. VI. ein Stück gesehen, am See 
von Sarnki dolne im Juni und Juli wenige Male ein oder zwei 
fliegende Vögel beobachtet. Die Krickente dürfte nicht zu den 
häufigen Brutvögeln der Gegend zählen. 

103. Querquedula querquedula (L.). — Knäckente. 

Nur einmal am 13. V. 17, am See von Sarnki dolne ein cT 
im Fluge festgestellt. Immerhin halte ich ihr dortiges Brüten für 
sehr wahrscheinlich. 

104. Vanelliis vanellus (L.). — Kiebitz. 

Auf dem Frühjahrszuge traf ich am 27. III. und 3. IV. zwei, 
bezw. mehrere Kiebitze an feuchten Niederungen zwischen Junaszkow 
und Sarnki gorne. Auch am 2. III. jagten sich drei Stück laut 
rufend an dem oberen eisfreien Teile des Sees von Sarnki dolne. 
Gebrütet haben sie aber wohl weder hier noch in dem versumpften 
Narajowkatal bei Swistelniki, da mir in diesem Falle die Vögel 
sicher nicht entgangen wären. 

105. Actitis hypoleticos (L.). — Flußuferläufer. 

28. Vin. ein Stück an der Niezlawa bei Korolowka gesehen, 
am 1. IX. wieder ein Stück am gleichen Flusse etwas weiter 
unterhalb, zweifellos wohl Herbstwanderer. Daß der Flußuferläufer 
auch au geeigneten Stellen hier zur Brut schreitet, ist anzunehmen. 

106. Totanus totanus totanus (L.). — Eotschenkel. 

Nur einmal, am 26. VI., drei recht zutrauliche Stücke an einer 
versumpften und mit Schilf bestandenen Erweiterung des Tales bei 
Sarnki gorne gesehen, wo die Vögel am Rande einer Wasserlache 
Nahrung suchten. Das leuchtende Rot der Beine war auch mit 
bloßem Auge deutlich zu erkennen. Ich bezweifle, daß die Vögel 
hier brüteten, da ich sie wohl sonst öfters getroffen hätte. 

107. Totanus nehularius nehularius (Gunn.). — Heller Wasserläufer. 

Ein einzelnes Stück am 18. VIII. auf dem Durchzuge gesehen, 
das sich an flachem Wasserlauf mitten in Krzj^wcze herumtrieb, 



' ' j Schelclier: Oruithologisches aus Galizien. 35 

1 y u j 

und sich durcli den lebhaften Verkehr rund herum gar nicht 
stören ließ. 

108. Gcdlinayo g. gaUinago (L.). — Bekassine. 

April bis Juli einige Male im Narajowkatal und am See von 
Sarnki dolne beobachtet. Hier mag der Vogel in wenigen Paaren 
gebrütet haben. 

109. Crex crex (L.) — Wiesenralle. 

Häufiger Brutvogel in den feuchten Wiesenuiederungen. Mitte 
Mai bis Mitte Juni war ihr knarrender Ruf fast den ganzen Tag 
über zu hören, ganz besonders häufig gegen Abend. Bei einem 
Gang durch die Wiesen bekam man dann ihr Rufen überhaupt 
nicht aus dem Ohr. Am Nachmittag des 17. V. riefen auch zwei 
Stück auf einem trockenen Kahlschlage im Podk.-Wald. 

Von August an hörte ich keine Rufe mehr. 

110. Rallus a. aquaticus L. — Wasserralle. 

Nur einmal, am 8. VII. am See von Sarnki dolne ein Stück 
gesehen, das ich von einem kleinen Graben inmitten des Schilf- 
dickichtes auttrieb. 

111. Oallinula eh. chloropus (L.). — Grünfüßiges Teichhuhn. 

Am See von Sarnki dolne mehrmals zur Brutzeit beobachtet, 
aber nicht häufig. 

112. Columha p. palumbus L. — Ringeltaube. 

Nicht eben häufiger Brutvogel der Waldungen. 
28. VIII. wurden bei Krzywcze ein altes und ein junges Stück 
geschossen. 

113. Columha oe. oenas L. — Hohltaube. 

Brütet in den Waldungen, aber seltener als vorige Art. 
Im August traf ich sie mehrfach im Bilkigrunde bei Krzywcze; 
28. Vm. dort zwei Stück erlegt. 

114. Streptopelia turtur turtur (L.). — Turteltaube, 

Bei weitem die häufigste Taubenart. Von Ende April bis in 
den August hört man überall in den Waldungen ihr trauliches 
Gurren. Auch in den Dörfern fand ich sie öfters recht vertraut 
auf Äckerstücken und Wiesen äsend. 

Die erste des Jahres am 19. IV. bei Sarnki gorne gesehen. 
28. V. beobachtete ich Turteltauben, die sich ganz wie Ringeltauben 

3« 



36 Scheicher: Ornithologisches aus Galizien. TVerh. Orn. 

|_ Ges. Bay. 

in Flugspielen ergingen, d. h. also unter raschen Flügelschlägen 
ein Stück steil aufwärts stiegen, um sich dann im Gleitfluge wieder 
herabfallen zu lassen. 

115. Perdix perdix perdix (L.). — Rephuhn. 

Nicht sehr häufig; besonders nicht in dem Gebiet zwischen 
Gnita Lipa und Narajowka, wo die vielen feuchten Wiesen dem 
Vogel weniger zusagen mögen. 

116. Coturnix c. coturnix (L.). — Wachtel. 

Am 2. VI. sah ich bei Sarnki gorne ein rufendes cf im kurzen 
Grase stehen. Beim Rufen wurde der kurze Körper aufwärts ge- 
streckt, als ob der Ruf für den Vogel eine große Kraftanstrengung 
sei, und die Flügel schlugen in kurzer zuckender Bewegung. Es 
war dies das einzige Mal, daß ich eine Wachtel zu Gesicht be- 
kam. Um so häufiger dagegen war ihr klangvoller Ruf zu hören, 
und für die breiten Wiesentäler des Gnita Lipagebietes kann die 
Wachtel als Charaktervogel gelten. Ob freilich auch hier der 
Vogel in diesem Jahr besonders häufig war, wie aus verschiedenen 
Stellen Deutschlands berichtet wird, entzieht sich meiner Beur- 
teilung. Bemerkenswert scheint mir, daß die Wachtel hier auch 
recht feuchte Wiesen bewohnt. Über den rauhen Ruf der Wachtel, 
den Naumann als „Vorspiel" bezeichnet, habe ich schon kurz an 
anderer Stelle berichtet (Ornithologische Monatschrift 1917, p. 316). 



XIV 1 1 

' ' I Stresemann: Centropus rectunguis und Verwandte. 37 



1919 



Notiz über Centropus rectunguis Strickl. und 
verwandte Arten. 

Von 

Erwin Stresemann. 

Bei einer tVübereD (ielegenlieit ^) habe ich Centropus rectunguis 
Strickland zu den Synonymen von Centropus hengalensis javanensis 
(Dumont) g-estellt und die Vermutung' geäußert, daß es sich bei jenem 
Vogel um eine nicht allzu seltene individuelle Variation von Cen- 
tropus hengalensis javanensis handle. Seither vermochte ich jedoch 
Exemplare dieser anscheinend recht seltenen Art im Britischen 
Museum zu untersuchen und überzeugte mich dabei, daß meine 
damalige Auffassung falsch war. Centropits rectunguis ist „a per- 
fectly distinct species-, wie Lord Waiden 1872 ganz richtig er- 
kannte (Trans. Zool. Soc. VIH p. 57). 

Beschreibung: Blügel und Mantel dunkel rotbraun, wie bei 
Centropus sinensis; Unterflügeldecken, Unterrücken und übriges 
Kleingefieder schwarz^). Säume der Federn von Oberkopf, Kopf- 
seiten, Kinn und Kehle mit grünlichem, derjenigen von Nacken, 
Kropf und Brust mit lebhaft blauem oder violettblauem 
Metallglanz. Schwanz relativ kurz: 187, 187, 213mm. 

Flügellänge wesentlich geringer als bei dem daneben vor- 
kommenden Centropus sinensis huhutus Horsf. : 

Penangl58 mm, Malakka 151, 158, 168,170mm, Sarawakl59mm. 

Verbreitung: Penang, Malakka, NW.-Borneo ^). 

Ich habe mich bisher des Urteils über Centrojjus nigrorufus 
(Cuv.) enthalten, über den die Ansichten der Autoren wie bei der 
vorigen Art weit auseinauderstreben, weil das Tring-Museum kein 
Stück besitzt und die Herkunft der beiden im Britischen Museum 
befindlichen Exemplare unsicher ist. Nach der Untersuchung zweier 
im Münchner Museum aufbewahrter Vögel aus Mittel-Java (Trinil, 

^) Ornithologische Miszellen aus dem Indo-Australischen Gebiet Nr. XI; 
Xov. Zool. XIX, 1912, p. 337. 

-) Gelegentlich findet man Stücke von Centropus hengalensis javanensis 
mit größtenteils schwarzen (statt braunen) Unterflügeldecken. Ein solches (aus 
Natuna) hatte mich zu meiner verkehrten Ansicht (mit der ich jedoch nicht 
allein stand) verführt. 

^) Shelley (Cat. Birds Br. Mus. XIX, p. 343) führt Gentropus rectunguis 
auch für Sumatra auf, sich dabei auf Snelleman, in Veths Midden Sumatra, 
Zoogdieren en Vogels p. 34 und Büttikofer, Not. Leyd. Mus. IX, 1887, p. 32 
stützend. Der dort ü. rectunguis genannte Vogel ist jedoch C. hengalensis 
javanensis. 



H8 Stresemann: Centropus rectunguis und Verwandte. 1 J'^ ' "^' 

L Cres. Bay. 

coli. J. Elbert) kann ich jedoch meine Ansicht sehr bestimmt 
dahin abgeben, daß diese Art ebenso wenig eine j,individuelle 
Aberration" von Centropus sinensis darstellt (wie Parrot annahm), 
als etwa Centropus rectunguis eine Aberration von Centropus 
hengalensis javanensis ist (wie Schlegel, A. B. Mej'^er und ich 
meinten). Shelleys Abbildung in Cat. Birds Br. Mus. Vol. XIX 
Tafel XIII gibt den Vogel (unter dem Namen Centropus purpureus) 
sehr gut wieder; seine Beschreibung wird durch Finsch in Not. 
Ley d. Mus. XXIII p. 159 ergänzt. Die Flügel der beiden Münchner 
Exemplare messen 200 und 203 mm; sie sind wohl cT'cf, da die 
Variationsbreite der Art nach den bisherigen Messungen zwischen 
190 und 233 mm schwankt und die dd bei allen Centropus- Arten 
im Durchschnitt beträchtlich kleiner sind als die gg. 

Verbreitung: Vermutlich nur Java, wo der Vogel bei Soerabaja 
und in Kediri nicht selten ist*). Die Angabe über das Vorkommen 
der Art auf Sumatra stützt sich lediglich auf ein durch Sir Raffles 
angeblich von dort erhaltenes Stück des Britischen Museums 2). 

Wir haben also auf Java, Borneo und der Malayischen Halb- 
insel drei einander recht ähnlich gefärbte Centrojms- Arten: 
Centropus hengalensis javcmensis (Dum.) 1 
Centropus sinensis bubutus Horsf. > Java. 

Centropus nigrorufus (Cuv.) j 

Centropus hengalensis javanensis (Dum.) ] 
Centropus sinensis bubutus Horsf. > Malakka, Borneo. 

Centropus rectunguis Strickl. J ' 

Ich habe 1. c. die Frage offen lassen müssen, welche Form 
von Centropus hengalensis Indo-China und Slam bewohne. Seither 
maß ich im Pariser Museum folgende Flügellängen : Tonkin 178 mm ; 
Cochinchina 153, 153, 158, 163, 164, 165 mm. 

Graf Gyldenstolpe^} teilte Maße eines $ aus Zentral-Siam mit: 
Flügel 159 mm. 

Hieraus scheint sich zu ergeben, daß Tonkin vom größereu 
C. hengalensis lignator Swinh. („Formosa und Südchina", Flügel 
beim g 165 — 180 mm), Cochinchina und Slam dagegen vom kleineren 
C. hengalensis hengalensis (Gm.) („Südindien, Osthimalaya, Ost- 
bengalen, Assam, Burma, Tenasserim, Slam?, Annam?, Hainan", 
Flügel beim g 154 — 168 mm) bewohnt wird. 

*) Max Bartels, Übersicht meiner Java- Vögel, J. f. O. 1906, p. 511. 

-) Centropus piupureus Shelley ist ein Synonym von (kicidus ni(;roriifui< 
Cuvier; vgl. O. Neumann, Bull. B. O. C. XII Nr. 90, .Juni 1902, p. 75 und 
O. Finsch, Not. Leyd. Mus. XXIII, Note XXII, Juli 1902, p. 157. 

*) Birds coUected by the Swedish Zoological Expedition to Siam 1911—1912. 
K. Svenska Vetensk. Akad. Handl. Bd. 50, p. 59. 



' ' I Streßemann : Die europ. Baumläufer. 39 



1919 



Über die europäischen Baumläufer. 

Von 

Erwin Stresemann. 

(Tafel I.) 

1. Geschichtlicher Überblick üher die Entwicklung der 
Baumläuferfrage. 

Bei der großen Ähnlichkeit der beiden in Europa lebenden 
Certhia-kYi&\\ kann es nicht Wnnder nehmen, daß die älteren 
Systematiker, wie Temminck, Bechstein, Vieillot u. a., die vor- 
handenen Unterschiede nicht beachteten. Dem Scharfblick des 
alten Chr. L. Brehm, der nicht nur sorgfältiger Balgforscher, 
sondern daneben auch aufmerksamer Beobachter war, blieb die 
Entdeckung vorbehalten, daß in einem Teile Mitteleuropas zwei 
Baumläuferarten vorkommen. Im Jahre 1820 überraschte er die 
Fachgenossen durch die Bekanntgabe einer neuen deutschen Vogel- 
art, die er im Eodatal gefunden hatte und im Gegensatz zu Linne's 
Certhia famiUaris kurzzehiger Baumläufer, Gerthia hrachydactyla, 
benannte ^). 

„Ich freue mich,- so schrieb er damals, „diesen Vogel, den ich 
schon vor vier Jahren entdeckte, jetzt so vollständig beschreiben 
zu können, da ich meine Beobachtungen über ihn mit der größten 
Sorgfalt seit jener Zeit fortgesetzt habe, daß auch der Ungläubigste 
überzeugt werden wird, er mache eine eigene Art aus." 

Diese Erwartung erfüllte sich freilich nicht. Denn J. F. Nau- 
mann, Brehm's großer Rivale, verhielt sich der neuen Art gegen- 
über sofort ablehnend. Schon 1826 erklärte er, Übergänge von 
einem Typus zum anderen in allen Abstufungen gefunden zu haben ; 
Brehm's lang- und kurzschnäbliger Baumläufer seien daher nur 
zufällige Abweichungen der Certhia familiaris^). 

Wie zu erwarten, spalteten sich die deutschen Ornithologeu 
nunmehr in zAvei Lager. Die einen, Avie Schilling, Landbeck 



^) Chr. L. Brehm, Beiträge zur Vogelkunde I, 1820, p. 570. „Artkenn- 
zeichen: Ein schwarzgrauer, schwach ins Lohgraiie ziehender Oberkörper, grau- 
weißer Unterkörper und kurze, stark gebogene >ägel; der Schnabel ist beim 
Männchen wenigstens acht Linien laug." 

^) J. F. Naumann, Naturgeschichte der Vögel Deutschlands, 5. Theil, 1826, 
p. 416-418. 



40 ötresemauu : Die europ. Baumläufer. 1 ^^*'"* ^^^• 

L Ges. Bay. 

(1834)^), später (in den 40er und 50er Jahren) auch Eugen 
vonHomeyer, Baldamus, R. Tobias, Päßler, finden Brehm's 
Angaben bestätigt, die anderen und zahlreicheren schließen sich 
Naumann an, bis endlich 1856 J. H. Blasius die Streitfrage noch 
einmal aufs genaueste prüft und feststellt, daß bei den Baumläufern 
in der Tat eine Korrelation zwischen Schnabellänge und Färbung 
des Rückens nicht zu bestreiten sei, daß aber dieses „Naturgesetz" 
sich wegen seiner zweifelhaften unentschiedenen Mittelbildungen 
nicht in der Schulformel von zwei scharf getrennten Spezies aus- 
sprechen lasse. Man könne die beiden Extreme vielleicht Rasse, 
oder Subspezies^), oder Varietät nennen, aber nicht Lokalvarietät, 
da sie nebeneinander an der gleichen Lokalität gefunden würden. 
Seiue langatmigen Ausführungen gipfeln schließlich iu den Worten: 
„Indem ich einstweilen von Certhia familiaris, L., x\bschied nehme, 
nicht ohne ein gewisses Mitgefühl für Certhia hrachydactyla^ Brehm, 
wie man es gern einem jeden Verunglückten zuwendet, will es 
mir scheinen, als ob es viel mehr Anstrengung koste, eine schlechte 
Spezies aus Büchern wieder heraus zu bringen, als in dieselben 
einzuführen^)." 

Damit war die Frage für die deutsche Ornithologie auf 
lauge Zeit erledigt. 

Inzwischen war jedoch die Entdeckung zum zweiten Male ge- 
macht worden. Bailly war der biologische und morphologische 
Unterschied zwischen den Baumläufern aufgefallen, welche die 
Laubwälder, Gärten und Parks am Fuße der Savoyer Alpen be- 
wohnen, und jenen, die er iu den großen Tannen- und Fichten- 
wäldern der benachbarten Berge fand. Da er — wie alle seine 
Zeitgenossen — annahm, erstere gehörten der von Linne be- 
schriebenen Art, C. familiaris^ an, benannte er die Bergvögel und 
gab ihnen den Namen Certhia Costa. Seine Mitteilungen erschienen 
im Jahre 1847*) und wurden 5 Jahre danach durch Gerbe einer 
eingehenden Prüfung unterzogen, da unterdessen auch der Abbe 
Caire in den Bergen bei Barcellonette (Dep. Basses-Aipes) einen 
Baumläufer entdeckt hatte, der sich vom gewöhnlichen französischen 
Baumläufer unterschied. Gerbe kam zu dem Ergebnis, daß es 
sich hier tatsächlich um zwei verschiedene Arten handle, die so- 
wohl am Balg, wie im Leben zu unterscheiden seien. Zu ihrer 



M Später ist Landbeck offeubar anderer Ansicht geworden; wenigstens er- 
wähnt er 1848 nur noch C. familiaris. Vgl. v. Homeyer, Orn. Briefe p. 112. 

^) d. h. Subspezies im Brehraschen, nicht im moderneu Sinne. 

^) J.H. Blasius, Certhia familiaris u. s. w. Naumannia VI, 185G, p. 440 
bis 459. 

*) J. B. Bailly, Description d'une nouvelle espfece de grimpereaux. Anhang 
üu Bailly, Observations sur les moeurs et les habitudes des oiseaux de la Savoie. 
Möm. de la See. Roy. Academique de Savoie XIII, Charab^ry 1847. 



' 'I ötresemaun : Die eiirop. Baumläufer. 41 

1919 J ^ 

Benennung nahm er die von Bailly vorgeschlagenen Bezeich- 
nungen an*). 

Dieser nomenklatorische Irrtum wurde jedoch bald berichtigt. 
Drei Jahre später hatte Snndevall Gelegenheit, die Baumläufer- 
arten der Franzosen mit denen Brehm's zu vergleichen. Das 
Resultat dieser Untersuchung faßte er dahin zusammen: „Certhia 
Costae ist nichts anderes als eine „Nominalart". Sie ist die echte 
C. familiär is. Der Vogel welchen Gerbe als C. famüiaris gibt, 
ist C. brarhi/dacti/la Brehm's, welche im südlichen Europa wohl 
häufiger vorkommen mag, und vielleicht als eigene Art aufgefaßt 
Averden muß^)." 

Damit hatte »sundevall ein durchaus zutreö'endes, von großem 
systematischem Scharfblick zeugendes Urteil abgegeben. Gerbe 
schloß sich seiner Auffassung an und führte daher in der 1867 
erfolgten Neuausgabe von Degland's ,, Ornithologie europeenne" die 
Baumläuferart der Alpen als Certhia famüiaris L., den gewöhn- 
lichen französischen Baumläufer dagegen als Certhia hrachydactyla 
Brehm auf, beiden Spezies eine gute Diagnose beigebend^). In 
Frankreich blieb diese Ansicht unwidersprochen; bis auf den 
heutigen Tag haben sich alle fran zösi sehen*) und italienischen ^) 
Ornithologen in der Nomenklatur der Baumläufer nach „Degland 
& Gerbe'' g-erichtet und daher beide Arten säuberlich unterschieden. 
Freilich liegen die Verhältnisse iu jenen I^ändern auch wesentlich 
klarer als in Deutschland, denn die Baumläufer schließen sich dort 
geographisch aus, indem Certhia familiaris nur in den Nadel- 
wäldern der Pyrenäen, Alpen und Vogesen lebt, welche von C. 
hrachydactyla gemieden werden. 

In Deutschland dagegen stellte sich der Erkenntnis die 
Tatsache in den Weg, daß dort sowohl lang- wäe kurzkrallige 
Baumläufer häufig am gleichen Ort vorkommen. Nach des alten 
Blasius vernichtender Kritik hielten, wie erwähnt, die deutschen 
Balgornithologen eine erneute Untersuchung der Frage nicht mehr 
für nötig; der Streit um Certhia hrachydactyla wurde mit dem 
alten Brehm begraben (1864). Als Gadow den VIII. Band des 
„Catalogue of Birds" abfaßte (1883), stellte er C. hrachydactyla 
ohne weitere Begründung zu den Synonymen von C. familiaris^). 



^) Z. Gerbe, Notices et observations sur quelques vertebres nouveaux pour 
la Faune de la Provence. Kevue et Magas. de Zoologie i2) IV, 1852, p. 
161—172. 

'^) Sunde vall, Notiz über Certhia Costae. J. f. 0. 1855, p. 60—61. 

') Degland & Gerbe, Ornithologie europeenne, 2. ed., Paris 1867, tome J. 
p. 186—189. 

*) Vgl. u. a. L. OIphe-Galliard, Contributions ä la Faune oruithologique 
de l'Europe occidentale XXIII. 1888, p. 46. 

'') Vgl. u. a. Giglioli in Ibis 1881, p. 195. 

«) Catalogue of the Birds in the British Museum VIII, 1883, p. 324. 



Ges. Bay. 

Reichenow erwähnte 1889 in seinem „Verzeichnis der Vögel 
Deutschlands" den Namen C. h^achydactyla nicht mehr^) und 
führte nur „Certhia familiaris L., Baumläufer", an, ja noch 1892 
meinte A. B. Meyer, daß „die Varietät hrachydactyla Chr. L. 
Brehm kaum mehr als solche anerkannt" werde ^). 

Was englische und amerikanische Ornithologen in den 
80er Jahren zur Baumläuferfrage schrieben, gründete sich nur 
auf oberflächliches Studium der verwirrenden Literatur und förderte 
die Sache in keiner Weise. 1882 äußerte Ridgway die Ansicht, 
daß es in Europa zwei Rassen oder Spezies von Baumläufern gebe, 
eine im Norden, C. familiaris L., und eine mehr südliche, C. costae 
Bailly oder C. hrachydactyla Brehm ^). 1883 erklärte Seebohm, 
daß er die sogenannte C. hrachydactyla für junge Stücke von 
C. familiaris halte *). 

So befanden sich denn die bedeutendsten Systematiker jener 
Zeit auf falscher Fährte, soweit sie sich nicht an Degland & Gerbe 
hielten. Den Biologen blieb es vorbehalten^ der Wissenschaft 
die rechte Bahn zu weisen. 

Aus der Zahl der Ornithologen, welche von Christian Ludwig 
Brehm durch persönlichen Verkehr und regen Briefwechsel manch 
wertvolle Anregung empfangen hatten, war noch Eugen von 
Homeyer übrig geblieben. Brehm hatte ihn auf die unterschiede 
der beiden Baumläufer aufmerksam gemacht, und schon in den 
40 er Jahren hatte sich Homeyer davon überzeugen können, 
daß die Ansicht des alten Meisters riclitig sei, Allen_ Spötteleien 
der jüngeren Generation zum Trotz blieb ^ er seiner Überzeugung 
treu, wenn er auch selten damit au die Öffentlichkeit trat. 1881 
aber geht er noch einmal auf das Thema ein. „Bis auf den 
heutigen Tag habe ich Brehm's Beobachtungen wesentlich bestätigt 
gefunden. Aus Skandinavien und dem Nordosten Europas habe 
ich Certhia hrachydactyla nie gesehen; auch in hiesiger Gegend 
(Stolp in Pommern) ist mir dieselbe in einem Zeitraum von vierzig 
Jahren nicht vorgekommen, während sie in Vorpommern und 
Mitteldeutschland nicht selten ist. In Südfrankreich und Italien 
ist sie der gewöhnliche Baumläufer der Ebene, während Certhia 
familiaris (unter verschiedenen Namen) nur im Gebirge vorkommt^)". 
1883 weist er abermals auf die Unterschiede zwischen beiden 
Baumläufern hin. „Beide haben vielleicht dasselbe Artrecht, als 



^) A. Reichenow, Verzeichnis der Vögel Deutschlands, 1889, p. 11. 
'■) Meyer & Helm, Verzeichnis der bis jetzt im Königr. Sachsen beobach- 
teten Vögel, Berlin 1892, p. 25 Anm. 4. 

^'j E. Kidgwuy, Proc. Uu. Stat. Nat. Mus. V, 1882, p. 111. 

*) Scebohm, A History of British Birds Vol. I, London 1883, p. 513. 

'') E. F. von Homeyer, Ornithologische Briefe. Beilin 1881, p. 59 Anm. 



XIV 1 T 

^^ ' 'I Stresemanii: Die europ. Baumläufer. J,S 

1919 J f to 

die Nebel- und die Rabenkrähe" ^), und 1885 führt er in seinem 
Verzeichnis der Vögel Deutschlands neben Cerfhia familiaris L. 
auch die „var, brachi/dactyla Chr. L. Br." an^). 

Häufi{?er und erfolgreicher als in seinen Publikationen scheint 
Homeyer damals in Briefen an ornithologische Freunde seine Auf- 
fassung dargelegt und begründet zu haben. So sehen wir denn 
einige derselben in den 80er Jahi-en plötzlich auf Homeyers 
Seite. Radde schreibt 1884: „Die in Westeuropa dominierende 
Certhia brachijdactijla Brehm ist mir niemals im Kaukasus vorge- 
kommen und scheint es, daß sie mehr als eine Form, jedenfalls 
eine jener Spezies ist, welche x\nspruch auf wirkliche art- 
liche Selbständigkeit hat. Das konstante, dunkle Bauchgefieder, 
sowie die Plastik der Zehen und die Maße des Schnabels haben 
in mir die Überzeugung befestigt, daß bei diesem Vogel nicht mehr 
die Rede von Varietät oder Rage sein kann^)". Im gleichen Jahre 
bemerkt Rudolf Blasius: „v. Homeyer unterscheidet hrachydactyla 
und familiaris. Die bei Braunschweig gesammelten Exemplare 
sind bis auf drei, die man hrachydactyla zuzählen muß, im übrigen 
15 Stück familiaris %^^ v. Tschusi, der sich in Hallein lange 
vergeblich nach ..Certhia familiaris var. hrachydactyla'-'' umgesehen 
hatte, schoß in seinem Garten am 13. Nov. 1887 zum erstenmal 
einen solchen Baumläufer, der „im Freien leicht durch seinen Ruf, 
in der Hand an der grauen — statt lohfarbenen — Rücken- und 
schmutzigweißen statt atlasweiß glänzenden Unterleibsfärbung zu 
unterscheiden" sei^). 

Vor allem sind es aber wohl die Bemerkungen des jungen 
Ernst H arter t im Journal für Ornithologie 1887 gewesen, welche 
die Aufmerksamkeit der Beobachter von neuem auf die Baum- 
läuferfrage lenkten. Auch Hartert ist ohne Zweifel erst durch 
Eugen von Homeyer, seinen Lehrer in der Oruithologie, auf die 
Verschiedenheit der Certhien hingewiesen worden. Zufällig hatte 
ihn das Leben nacheinander in zwei Gebiete Deutschlands ge- 
führt, die nur von einer Baumläuferart bewohnt sind: Die Gegend 
von Wesel, wo nur C. hrachydactyla., und Ostpreußen, wo fast 



') V. Homever & Taiicre, Beiträge zur Keüutnis der Ornithologie West- 
sibirieus. Mitt."d. Ornith. Vereines Wien 1883 (p. 10 des S.A.) 

-) E. F. von Homeyer, Verzeichnis der Vögel Deutschlands. Ornis I, 
1885, p. 71. 

'j G. Eadde, Ornis caucasica. Kassel 1884, p. 302—303. 

*) E. Blasius, Naturhistorische Studien und Keiseskizzen aus der Mark und 
Pommern I. Monatsschr. d. Deutschen Vereins z. Schutze d. Vogel- 
welt 1884 (p. 14 des S.A.). 

^) V. Ritter von Tschusi zu Schmidhoffen, Ornithologische Notizen aus 
Salzburg (1887). Mitt. d. Ornith. Vereines in Wien 1888 (p. 2 des S.A.). 
— Der Ungar Johann Csatö unterscheidet schon 1885 beide Bauraläuferarten 
(Zeitschr. f. ges. Ornithologie 11, 1885, p. 442—448). 



44 Streseiuann : Die europ. Baumläufer. | Vß^^^-^^'^^- 

L Ges. Bay. 

allein C. familiaris vorkommt. So hielt er denn, wie sich das 
aus diesen Umständen ergab, C. familiaris für die östliche, C. hrachy- 
dactyla für die westliche Form des Baumlänfers^). 

Schon 1891 tritt ein weiterer junger Beobachter, Floericke, 
der herrschenden Schulansicht mit der Behauptung entgegen, daß 
es wirklich zwei Baumläuferformen in Deutschland gebe^) und 
daß sie sogar in Mittelschlesien nebeneinander brüteten, „und zwar 
gehört C. familiaris dem Nadelwalde an, während C. hrachydadylct 
Laubgehölze, Parks, Alleen, Gärten u. dgl. bewohnt"^). 

Bald darauf (1894) findet Otto Kleinschmidt die Angaben 
Floericke's für das Großherzogtum Hessen bestätigt; nach ihm 
liebt Certhia familiaris die Kiefer, Certhia (familiaris) brachy- 
dactyla dagegen die Kopfweide*), und Deich 1er bemerkt 1896 
im Anschluß an die Hervorhebung der biologischen Eigentümlich- 
keiten: „Fehlt einer Gegend die eine oder andere Holzart (Laub- 
wald bezw. Nadelwald) gänzlich, so ist auch nur die eine Form 
des Baumläufers vertreten ^^)." 

Von nun ab nahmen auch die Systematiker den kurz- 
zehigen Baumläufer wieder in ihre Listen auf und wandten dem 
Problem das größte Interesse zu. Kein deutscher Museumsornitho- 
loge zweifelte bald mehr an der morphologischen Unterscheidbar- 
keit der beiden Certhien. In England dagegen ließ man sich 
nicht so leicht überzeugen, ja noch 1904 stellte der Referent über 
Hellmayr's im „Tierreich" erschienene „Monographie der Certhiiden", 
vermutlich P. L. Sclater, die spöttische Frage „Now we will 
ask, how many Members of the B. 0. U. could distinguish C. 
hrachydadyla from C. familiaris or C. brittanica from either of 
them?'ö) 

2. Varietät, Subspezies oder Spezies? 

Die Literatur über die beiden Certhia-Avtew ist ein lehrreiches 
Beispiel für die Entwickelung der Anschauungen über den Art- 
begriff. 

Wenn zwei sehi' ähnliche Typen nebeneinander vorkommen, 
so liegt die Ansicht am nächsten, sie für individuelle Variationen 
derselben Art zu halten, da eine oberflächliche Kenntnis der Tier- 



^) E. Hartert, Über die Vögel der Gegend von Wesel am Niederrhein. 
.T. f. 0. 1887, p. 256. 

^) C. Floericke, J. f. O. 1891, p. Iü6 u. 280. 

=>) C. Floericke, Ornitli. Jahrb. III, 1892, p. 184. 

*) O. Kleinschiuidt, Ein weiterer Beitrag zur Ornis des Großlierzogtuuis 
Hessen. J. f. 0. 1894, p. 122-123. 

*) Deichler & Klehischmidt, Beiträge zur Ornis des Großherzogtums Hessen. 
J. f. O. 1896, p. 449—452. 

«) Ibis 1904, p. 154. 



XIV, ],'] 
1919 J 



Streeemann : Die europ. Baumläufer. 45 



weit ZU der Aniiahrae führt, daß nahe verwandte Formen nicht 
nebeneinander bestehen können, ohne sich zu vermischen. 

An dieser AnschauuDg kranken viele Beurteiler der Baum- 
läuferfrage. Der erste unter ihnen ist J. F. Naumann, der „Brehm's 
lang- und kurzschnäbligen Baumläufer" kurzweg als zufällige 
Abweichungen der Certhia faviilianV^ bezeichnet. Etwas vor- 
sichtiger drückt sich, wie wir sahen, J. H. Blasins im Jahre 1856 
aus, wenn er vorschlägt, die beiden „Variationsextreme" vielleicht 
Kasse oder Subspezies oder Varietät zu nennen, und vier Jahre 
später ausführt: Verschiedenheiten bestehen, sind aber als Rassen 
oder Varietäten aufzufassen. „Will man hier Arten trennen, 
so ist man für einen großen Teil der Individuen der Willkür 
unterworfen. Die Willkür aber gibt weder wissenschaftliche Ein- 
sicht noch praktische Sicherheit" ^). Schärfer wird diese voll- 
kommen verkehrte Ansicht durch Prazak präzisiert, der 1896 
C. brachydaciyla nicht für eine Subspezies, sondern für eine „co- 
existier ende Varietät der familiaris-Qvw^'^Q " erklärt ^) . Rudolf 
ßlasius schließt sich ihm 1898 an. „Zurzeit", so behauptet er, 
„ist die Frage, ob der Dimorphismus mit den kurz- und lang- 
zehigen Vögeln bei allen in Europa vorkommenden Subspezies vor- 
kommt oder nicht, noch nicht gelöst"^). 

Wenn solche Anschauungen noch um die Wende des XX. Jahr- 
hunderts ihre Vertreter finden konnten, dann ist der Scharfblick 
des alten Brehm um so höher einzuschätzen, der schon 1820 be- 
tonte, daß es sich bei den Baumläufern um gute Arten handle, 
mögen sie auch nebeneinander leben. Daß er sie binär benannte, 
war für diese Ansicht ursprünglich nicht bezeichnend; denn erst 
1856 fand er, Schlegels Vorbild nachahmend, in der ternären 
Nomenklatur ein Mittel, seine „Subspezies" (individuelle oder geo- 
graphische Variationen) als solche gegenüber den Spezies zu kenn- 
zeichnen*). Aber auch nach 1856 behielt er für Certhia famüiaris 
und C. hrachydactyla die binäre Benennung bei. An Eugen von 
Homeyer schrieb er darüber unterm 20. Dez. 1842 ,^Certhia hrachy- 
dactyla ist keine Abart, sondern eine reine Art, so gut wie 
der Sprosser" ^) — ein trefflich gewähltes Beispiel. Ebenso ent- 
schieden traten, wie bereits erwähnt, Homeyer und Radde für die 
artliche Trennung beider Baumläufer ein, ersterer, indem er an 
Nebel- und Rabenkrähe erinnerte. 

Andere Autoren vermieden es, zu der schwierigen Frage 



^) J. F. Naumann, Naturgeschichte der Vögel Deutschlands. Bd. XIII, 
1860, p. 205, 

2) J. Prazak, Zur Ornis Galiziens. J. f. 0. 1897, p. 306 ff. 
*) E. Blaslus im „Neuen Naumann", Bd. II, 1898, p. 325. 
*) Naumann ia VI, 1856, p. 276—277. 
') E. F. von Homeyer, Ornithologische Briefe, p. 59. 



!{] Stresemann: Die europ. Baumläufer. 1 ^ß^""- '-'™- 

^ LGes. Bay. 

Stellung zu nehmen. Erst Ernst Hartert packt 1887 das Problem 
wieder entschlossen an. Er hält C. famüiaris und C. hrachy- 
dactyla für geographische Variationen derselben Art und 
schreibt: „Wenn irgendwo in der Vogelwelt, so halte ich es hier 
für angemessen, von der trinären Nomenklatur Gebrauch zu 
machen. Bei näherer Betrachtung der Baumläufer kann nur in 
Frage kommen, ob unsere Formen als Arten, oder als klimatische 
Formen betrachtet werden sollen. Da nun beide Formen nicht 
selten Abänderungen zeigen, und in den Gebirgen Deutschlands 
eine dritte Form zu leben scheint^), so trete ich mit meiner An- 
sicht für artliche Trennung zurück und wiederhole d'en in meinem 
„Versuch einer Ornis Ost-Preußens" gemachten Vorschlag, die öst- 
liche Form Certhia famiUatis Candida mihi, die westliche Certhia 
famüiaris bracky dactyla Brehm zu nennen" ^}. Die durch Floericke, 
Kleinschmidt und Deichier bezeugte Tatsache, daß beide Baum- 
läufer in vielen Teilen Deutschlands nebeneinander leben ^), mußte 
diese Ansicht entkräften. Dennoch fuhr man zunächst fort, hrachy- 
dactyla als Subspezies von familiaris zu führen (Floericke 1891 
und 1892, Kleinschmidt 1892*) und 1894, Deichler 1896, Hartert 
1897^), Reichenow 1902'^) und nicht mehr als „Varietät" der- 
selben, wie man es wohl früher in Befolgung des Homeyer'schen 
Beispiels (Ornis 1885, p. 71) getan hatte (v. Tschusi 1888) und 
gelegentlich aus Konservativismus noch tat (Reiser 1894 und 1896, 
R. Blasius 1898). 

Als Subspezies einer Art ordnete man damals noch alles ein, 
was sich ähnlich sah oder durch individuelle Übergänge mitein- 
ander verbunden zu sein schien, ohne auf die Frage der geo- 
graphischen Trennung oder Vereinigung Rücksicht zu nehmen. 
Man glaubte damit den Verwandtschaftsgrad im Namen klarer als 
zuvor (durch die binäre Benennung) ausgedrückt zu haben. 

Erst Kleinschmidt wies darauf hin, daß dieses Verfahren, 
kritiklos angewandt, in manchen Fällen das Bild der Verwandt- 



^) Bei dieser Bemerkimg stützt sich Hartert auf L. Stejneger, Review of 
Japanese Birds VII, Proc. Un. St. Nat. Mus. X, 1887, p. 607. Stejneger meint, 
daß in Mitteleuropa drei Baumläuferformen leben: 1. eine mit der skandinavischen 
C. familiaris übereinstimmende Gebirgsform, die er von Hallein erhielt, 2. eine 
Flachlandform =: C. fam. macrodactyla Br., 3. Certhia hrachy dactyla. — Noch 
1897 läßt Hartert — wenn auch mit einem Fragezeichen — in Mittel- und Süd- 
europa C. fam. familiaris und C. fam. costae nebeneinander vorkommen, 

*) E. Hartert, J. f. O. 1887, p. 256. 

^) Es handelte sich dabei um keine neue Entdeckung, sondern lediglich 
um eine Bestätigung der Feststellung, welche schon viele Jahrzehnte zuvor durch 
Chr. L. Brehm und E. Tobias (Naumannia I, 1851, Viertes Heft, p. 66) gemacht 
worden war. 

*) J. f. O. 1892, p. 202. 

0) E. Hartert, The Genus Certhia. Novit. Zoologicae 1897, p. 136—139. 

*) A. Reichenow, Die Kennzeichen der Vögel Deutschlands. 1902, p. 112. 



' ' I .Stieseraauu : Die europ. Baumläufer. 4? 

1919 J ^ *' 

Schaft verwirren muß. Am Beispiel der Graumeiseii führte er 
1897 in überzeugender Weise den Nachweis, daß einander sehr 
ähnliche Formen im gleichen Gebiet wohnen können, ohne sich 
doch darum zu vermischen, und daß wir bei den Graumeisen zwei 
Pormengruppen auseinander halten müssen, die nebeneiuander über 
einen großen Teil Eui'opas verbreitet sind. Die Formen dieser 
Gruppen ordnete er unter zwei Speziesnamen, trotz der großen 
Färbungs- und Strukturähnlichkeit aller dieser Meisen^), üer 
fruchtbare Gedanke wurde von Carlo v. Erlanger aufgegriffen, der 
ihn 1899 bei der Behandlung der Haubenlerchen weiter ent- 
wickelte und dabei zum erstenmal den Begriff „Formenkreis" 
in die oruithologische Literatur einführte 2), 

Damit war für die Klärung systematischer Fragen ein großer 
Schritt vorwärts getan. Die Anwendung dieser neuen Betrachtungs- 
weise auf das Baumläuferproblem konnte nun nicht lange aus- 
bleiben. Kleinschmidt, Hartert und Hellmayr kamen unabhängig 
voneinander zu der Anschauung, daß man auch die beiden deutschen 
Certhien artlich sondern müsse. Kleinschmidt bemerkt 1900 
„Wie bei den Sumpfmeisen, sind bei den Baumläufern zwei Formen- 
kreise scharf zu trennen. C. hi^achydactyla ist nicht eine Sub- 
spezies von familiaris^ sondern jeder hat eine Reihe oder einen 
Kreis von geographischen F'ormen und jede Form umfaßt infolge 
individueller Variation lichtere und dunklere Färbungsextreme" •''). 
Hartert wies einen Monat später erneut darauf hin, daß beide 
Baumläufer eng beisammen wohnen können und sich doch nicht 
vermischen, wie er sich bei Marburg und Schloß Berlepsch über- 
zeugt hatte, betonte die morphologischen und biologischen Ver- 
schiedenheiten und schloß „under these circumstances I think it 
is necessary to treat C. famüiaris and C. hrachydadyla as two 
distinct species"*). Für Hellmayr waren 1901 nur die morpho- 
logischen und biologischen Unterschiede für die Begründung seiner 
neuen Anschauung maßgebend. ^^Cerihia hrachydadyla unterscheidet 
sich, abgesehen von Färbung^ Schnabel, Hinterkralle etc. besonders 
durch Lebensweise, Lockruf, Aufenthalt etc. so fundamental von 
C. famüiaris, d a ß man hier besser von zwei b e s o n d e r e n A r t e n 
sprechen wird" ^). 

^) 0. Klein Schmidt, Die paläarktischen Sumpfmeisen. Orn. Jahrbuch 
VIII, 1897, p. 58. 

^) C. V. Erlauger, J. f. O. 1899, p. 324 — Ein Jahr darauf hat Klein- 
schmidt seine Ansichten in Verbindung mit diesem neuen Terminus entwickelt 
(Arten oder Formenkreise? J. f. 0. 1900, p. 134—139). 

^) O. Kleinschmidt, Kurze Bemerkungen über das individuelle und geo- 
graphische Variieren der Meisen und Baumläufer. Orn. Mber. VIII, 1900, No- 
vemberheft, p. 169. 

*) E. Hartert, Nov. Zool. VII, Dezember 1900, p. 525. 

^) C. E. Hellmayr, Kritische Bemerkungen über die Faridae, Sittidae und 
Certhüdae. J. f. O. 1901, p. 187. 



Ix Btreseraann; Die europ. Baumläufer. 1 *^ß™' ^^'^• 

*^ - L Ges. Bay. 

Diesem Vorgehen der drei berufensten Autoren schlössen sich 
die übrigen Systematiker nach und nach an. 1905 konnte Hartert 
schreiben: „Heute zweifelt kein kompetenter Ornithologe mehr 
daran, daß es in Mittel-Europa zwei Arten von Baumläufern gibt" ^). 

So war man auf langen Irrwegen zur Auffassung des alten 
Brehm zurückgekehrt, 

3. Cribt es Übergänge zwiselien beiden Baumläufern? 

Die. heftige Gegnerschaft, welche Brehm's Anschauung jahr- 
zehntelang gefunden hatte, wurde, wie wir mehrfach sahen, durch den 
Umstand hervorgerufen, daß viele ältere Autoren meinten, zwischen 
beiden Typen Übergänge gefunden zu haben (J. F. Naumann, 
J. H. Blasius, v. Prehn). Sie behaupteten, daß weder Aufenthalt, 
noch Stimme, noch Färbung, noch auch die Größe von Schnabel 
und Hinterkralle ein sicheres UnterseheiduDgsmerkmal bilde. Aber 
auch manche späteren Ornithologen wiesen auf die große Unsicher- 
heit der taxononomischen und biologischen Kriterien hin. So be- 
tont Floericke ,, Übergangsformen sind häufig und kommen 
überall vor" 2). Dasselbe gibt Bonomi für das Trentino an. Auch 
Deichler konnte 1896 nicht leugnen, daß die Einordnung einzelner 
Stücke mitunter schwierig sei, nahm aber hierbei zu der Hypothese 
seine Zuflucht, daß es sich um Bastarde handle. „In Mittel- 
deutschland greift das Verbreitungsgebiet der beiden Formen über- 
einander. Dabei sind sie aber doch noch zu nahe miteinander 
verwandt, als daß sie sich nicht auch da miteinander gelegentlich 
verbastardierten, wo das gelegentliche Auftreten ihrer beider- 
seitigen Gehölzarten sie nebeneinander vorkommen läßt, wie dies 
ja in Deutschland vielfach der Fall ist. Daher resultieren dann 
Zwischenformen, die sich der Systematik nicht gerne fügen 
wollen, und die man als Gegengrund gegen die Trennung der 
beiden Formen angeführt hat"^). 1907 sucht E. Hesse den von 
einem Beobachter angeblich wahrgenommenen Mischgesang eines 
Baumläufers durch die gleiche Annahme zu erklären. „Es wäre 
nicht ausgeschlossen, daß die beiden Formen, die ja bekanntlich 
auch nebeneinander vorkommen, durch Bastardierung z. T. mit- 
einander verschmelzen können" *). Wenn auch Hagen (1917) meint, 
einmal ein Baumläuferpaar bei Lübeck gesehen zu haben, bei 
dem ihm das eine Exemplar zur langkralligen, das andere zur 
kurzkralligen Art zu gehören schien, so ist doch ein Fall von 
Bastardierung — wenn die Möglichkeit einer solchen auch nichts 



') E. Hartert, Die Vögel der paläarktischeu Fauna, p. 323 Aura. 

2) C. Floericke, Oru. Jahrb. III, 1892, p. 184. 

') Deichler & Kleinschmidt, J. f. O. 1896, p. 449-452. 

•) E. Hesse, Orn. Mbcr. XV, 1907. p. 41. 



XIV 1 ~\ 

' 'I Streaemann: Die europ. Baumläufer. 49 

1919 J ^ 

gänzlich von der PTand zu weisen ist — bisher noch nicht er- 
wiesen worden, und wir tun gut, diese Theorie aus unseren Be- 
trachtungen völlig auszuschalten. 

Es ist nämlich bemerkenswert, daß gerade Stücke, die am 
ausgesprochensten die Färbung von Mischlingen zu tragen 
scheinen, in Gebieten vorkommen, die nur von einer Baumläufer- 
art bewohnt werden. Im Schloßpark von Avricourt (Dep. Oise) 
schoß ich im August mehrere Stücke von C. hrachydactyla, deren 
Rückenfärbung so lebhaft ist und so sehr von der aller mittel- 
deutscheu abweicht, daß man sie unbedenklich unter C. familiaris 
einreihen würde, wenn nicht die Lokalität und der stark röstliche 
Anflug der Weichen dagegen spräche und ich sie nicht mit eigenen 
Ohren das charakteristische Gartenbaumläuferlied hätte vortragen 
hören. Solche Stücke sind auch in Holland und am Rhein häufig. 
Selbst Kleinschmidt hat sich — wie die Etikette eines im Münchner 
Museum (Nr, 07. 659) befindlichen Exemplares beweist — verführen 
lassen, eine derartig gefärbte brachydactyla (von Nieder-Ingel- 
heim) als C. familiaris iuv. zu bezeichnen! Wir haben es hier 
mit einer rheinischen Form von hrachydactyla zu tun, die zu leb- 
haft röstlichen Tönen der Oberseite neigt (wenn auch graue 
Exemplare darunter nicht minder häufig sind), über das Rhein- 
gebiet (vom Mainzer Becken abwärts?), Westfalen, Holland und 
die nördlichen Departements Frankreichs (wahrscheinlich auch den 
übrigen Teil Frankreichs und Italien) verbreitet ist und offenbar 
den auf ein sehr fuchsiges Stück aus Witten (Westfalen) gegrün- 
deten Namen Certhia hrachydactyla rufidorsalis Brehm tragen 
mußi). 

Die Färbung der Oberseite ist also nicht in jedem Fall für 
die Artbestimmung ausreichend. Ebensowenig kann als sicheres 
Artkennzeichen die Zeichnung der Stirnfedern und die Aus- 
bildung oder das E'ehlen eines dunklen Iflecks an der Innen- 
seite der Hand vor der 1. Handschwinge gelten. Ich habe 
zwar keine C. brachydactyla gesehen, der dieser Fleck fehlte, 
wohl aber eine Anzahl ü. familiaris, die ihn gleichfalls (wenn 
auch meist in schwächerer Ausbildung) zeigten. Nach Hartert 
soll er sich besonders häufig bei Sibirien finden; ich sah ihn bei 
2 Brutvögeln der Vogesen, 5 Stücken aus Bayern, 2 aus Sachsen, 
1 aus Ungarn, 1 aus Dalmatien, 2 aus Ostgalizien. 

Was die Maße des Schnabels und der Hinterkralle 
anlangt, so suchten schon J. H. Blasius und sein Sohn Rudolf zu 
beweisen, daß sie kein untrügliches Kennzeichen bilden, indem sie 
zeigten, daß innerhalb der Grenzen individueller Variation das 
Minimum der Schnabellänge von C. hrachydactyla unter das 



^) Certhia rufidorsalis Chr. L. Brehm, Naumannia VI, 1856, p. 359. 

4 



Ges. Bay. 

Maximum der Schnabellänge von familim-is, das Minimum der 
Krallenlänge von familiaris unter das Maximum der Krallenlänge 
von hrachydactyla sinkt. Neuerdings haben Hagen ^) und Kayser^) 
das gleiche dargetan. Diese Autoren verabsäumten, das Geschlecht 
zu berücksichtigen. Hätten sie ein mit zuverlässigen Geschlechts- 
angaben versehenes Balgmaterial untersucht, und — wie dies stets 
geschehen sollte — cTd" niit cTcT und $$ mit $$ verglichen, so 
hätten sie sich überzeugen können, daß im gleichen Geschlecht 
der Schnabel von C. familiaris fast stets erheblich kürzer als der 
von C. hrachydactyla, die Hinterkralle der ersteren dagegen fast 
stets erheblich länger als die von hrachydactyla ist. Denn die 
cTcT pflegen bei beiden Arten längere Schnäbel und Krallen^) als 
die $$ zu haben und im ganzen größer zu sein. Es muß daher 
zu verkehrten Schlußfolgerungen führen, wenn man ein $ von 
hrachydactyla mit einem cT von familiaris vergleicht. 

Ich habe mit gutem Grund die bedeutendere Größe der cfcT 
nicht als feste Regel hingestellt. Unter den von mir selbst 
sezierten und mit genauer Abzeichnung der Geschlechtsdrüsen ver- 
sehenen Bälgen vom Climont (Vogesen) ist zwar bei einem ge- 
paarten Paar (17. V. 1917) das <^ größer als das 5 (cT Flügel 
63.8, Schnabel 13.5, Hinterkralle 8.8 mm, $ Flügel 60 0, Schnabel 
12.2, Hinterkralle 8.3 mm) *), ein anderes $ (21. V. 1917) dagegen 
mißt: Flügel 64.0, Schnabel 13.2, Hinterkralle 9.0 mm, ist also 
größer als obiges cT und übertrifft noch 2 weitere cTcT vom gleichen 
Fundort (22. V. und 28. V. 1917), deren Flügel 63 und 63.5, 
Schnabel 13 und ?, Hinterkralle 8.8 und 8.5 mm mißt. 

Immerhin kann es nach der stattlichen Serie, die ich maß 
(70 Exemplare), als Ausnahme betrachtet werden, wenn ein $ die 
Dimensionen der kleinsten cTcf in Flügel, Schwanz und Hinter- 
kralle überragt. Das Minimum der weiblichen Maße liegt 
tief unter dem Minimum der männlichen Maße. 

Das Alter der Individuen spielt für den Vergleich 



^) W. Hagen, Zur Biologie und Faunistik unserer CertMa-Ax\mi. J. f. 0. 
1917, II, p. 73 ff. 

^) C. Kayser. Über die Formen des Baumläufers Certhia familiaris L. 
Orn. Mber. 26, 1918, p. 81. 

^) Die Krallen unterliegen in hohem Grade der Abnutzung und sind 
daher als Artkennzeichen noch schlechter verwendbar als die Schnäbel. Nicht 
selten findet man sehr großwüchsige Exemplare von C familiaris mit relativ 
kleiner Hinterkralle, die offenbar durch starken Gebrauch viel von ihrer ur- 
sprünglichen Länge eingebüßt hat. 

*) Ebenso verhält sich ein gepaartes Paar des Münchner» Museums, ge- 
sammelt bei Bisthum (Sachsen) durch R, Schlegel am 26. IV. 1896: (j' Flügel 
63, Schnabel 15, Hinterkralle 8 mm, $ Flügel 61, Schnabel 12.2, Hinterkralle 
8 miu. 



' ' I Stresemann: Die europ. Baumläufer. 5i 

1919 J ^ 

der Flügellänge keine Rolle^). Ein einige Monate altes d" 
vom Climont, das noch seine erste Großgefiedergarnitur trägt 
(28. VIII. 1917) übertrifft sogar in seinen Dimensiouen alle 
alten dd vom gleichen Bergwald. (Flügel 66,5, Steuerfedern 68, 
Schnabel 14, Hinterkralle 9,5 mm). 

Schließlich ist als morphologisches Unterscheidungsmerkmal 
beider Arten noch die Färbung der Unterseite angeführt 
worden, die bei frisch vermauserten Stücken von C. familiaris 
einen ausgesprochen seidigen Glanz haben soll, während die röst- 
liche Weichenfärbuug mehr zurücktritt. Dies ist ein gutes, aber 
nur in der Serie auffallendes Kennzeichen. 

Zusammenfassend wäre also zu sagen, daß ein einzelnes un- 
trügliches Artkennzeichen am Balge nicht gefunden werden 
kann. Es kommen Exemplare von C. hrachydadyla vor, welche 
die mit viel Braun untermischte Rückenfarbe von familiaris^ und 
Exemplare von familiaris, welche den schwarzen Achselfleck von 
hrachydadyla aufweisen. Kleinschnäblige brachydactyla, klein- 
krallige familiaris sinken unter die Maße großschnäbliger familiaris, 
großkralliger hrachydadyla (in seltenen Ausnahmefällen). Danach 
ist der Fall denkbar, daß der Systematiker die Artzugehörigkeit 
eines einzelnen Exemplares von unbekanntem Fundort nicht mit 
Sicherheit ermitteln könnte. Mir ist freilich ein solcher Fall noch 
nicht vorgekommen, denn bisher kamen stets, wo ein Kennzeichen 
versagte, die anderen Merkmale der Bestimmung zu Hilfe. 

Es ist geltend gemacht worden, daß sich die beiden Baum- 
läuferarten auch durch Stimme, Aufenthalt und Lebensweise unter- 
scheiden. 

In der Tat bietet die Stimme, wie ich selbst bezeugen kann, 
ein vorzügliches Kennzeichen, insbesondere der Gesang. Das Lied 
von C. familiaris hat einen ganz anderen Charakter als das von 
C. hrachydadyla und läßt den Kundigen nicht einen Augenblick 
im Zweifel, welche Art er vor sich hat. Auch gewisse Locktöne 
sind nur C. familiaris bezw. C. hrachydadyla eigen. Daneben 
gibt es Rufe, die man von beiden Arten vernehmen kann^). 



') Wie bei fast aller» Singvögeln, welche ihre Schwingen nicht gleichzeitig 
mit dem Nestkleid vermausern. 

") Vgl. hierüber: Hagen, J f. O. 1917, II, p. 73f. (mit Literaturangaben); 
Stresemann, V. 0. G. B. XIII, Heft 3, 1918, p. 265—266. 

Der Gesang ist bekanntlich bei manchen Arten ein Charakter, der in gleicher 
Weise der geographischen Variation unterliegt wie Bau und Färbung des Vogels. 
Wir sehen in solchen Fällen, daß vikariierende Formen sich auch durch die 
Stimme mehr oder minder unterscheiden (Meyapodius duperreyii fornteni und 
buruensis, Phylloscopus coUyh'ta coHybüa und tristin, Parus atricapülus rhenanus 
und f üb montan ua). Zuweilen geht sogar die Ausbildung eines neuen 
„Dialekts" dem Auftreten morphologischer Abänderungen voraus. 
Dies ist auch bei Certhia familiaris der Fall: die Vogesenvögel singen andere 

4* 



59 Stresemann: Die eiirop. Baumläufer. I ^^ "^ 

^■^ L Ges. Bay. 

In Aufenthalt nnd Lebensweise unterscheiden sich die 
Baumläufer nur in Südeuropa scharf. Dort hat sich C. familiaris 
auf die Koniferenbestände der höheren Gebirge (Alpen, Pyrenäen, 
französischer Jura, Vogesen) zurückgezogen, während C. brachy- 
dactyla in den Laubwaldungen, Parks und Gärten der Ebene lebt. 
In Mitteleuropa (das südliche und mittlere Deutschland) beginnt 
der Unterschied zu verschwimmen; zwar bleibt C. hrackydactyla 
auch hier ihrer Vorliebe für das Laubholz, C. familiaris derjenigen 
für den Nadelwald in der Regel treu, aber da beide Gehölzformen 
sich in den Ebenen vielfach mischen oder dicht nebeneinander 
vorkommen, leben beide Arten zuweilen im gleichen Wald. In 
Nord- undOsteuropa (England, Skandinavien, Galizien, Rumänien etc.) 
vollends spielt C. familiaris als Bewohnerin von Laubwäldern und 
Gärten die Rolle, die in Deutschland C. brachydactyla übernommen 
hat. Von England heißt es, daß dort G. familiaris briitanica 
Wälder, Parks und größere alte Gärten bewohnt. „Nester meist 
hinter Rinde, aber auch in Holzstößen, an Holzschuppen, Sommer- 
lauben, in Ritzen und unter Dächern, ausnahmsweise in Stein- 
mauern^)." Auch in Skandinavien scheint es so zu sein. 
Gadamer berichtet von einem Fall, wo ein Baumläufer (natürlich 
C. familiaris) im südlichen Schweden (nordöstlichen Schonen) hinter 
dem Fensterladen eines Hauses nistete 2). Prof. Lönnberg teilte 
mir brieflich mit, daß der schwedische Baumläufer (C. familiaris) 
sowohl in Laub- wie Nadelholz, in gemischten Wäldern und in 
Parks lebe. Auch er hat einmal in der Provinz Söderraanland 
ein Nest in einer Spalte der Holzwand eines Hauses gesehen. Die 
dänischen Ornithologen sprechen vielfach davon, daß der Baumläufer 
in Obstgärten angetroffen werde; auch hierbei handelt es sich 
wohl um G. familiaris, da G. brachydactyla aus Dänemark noch 
nicht bekannt ist. In AVestpreußen fand Dobbrick C. familiaris 
nicht nur in Nadelwäldern, sondern auch in Laubwäldern und 
Parks, ja zur Brutzeit selbst in alten Alleen^). In Ostgalizien, 
wo Nadelwälder fehlen, ist G. familiaris in den ausgedehnten 
Laubwaldungen ein häufiger Brutvogel (nach briefl. Mitteilung 
meines Freundes R. Scheicher). In den Komitaten Alsö-Feher und 



als die Vögel Oberbayerns (Stresemann, V. 0. G. B. XIII, Heft 4, 1918, p. 343). 
Das Lied ist dadurch bei den Baumläufern als ein Erbgut gekennzeichnet, welches 
weniger streng gewahrt bleibt als Form und Farbe. Kein Wunder also, daß die 
durch lange räumliche Trennung entstandenen Baumläuferarten am schärfsten 
durch die Stimme voneinander abweichen. Das gleiche beobachten wir bei den 
beiden Graumeisengruppen Purus atncapülus und Fartis palustris; hier sind 
bei aller morphologischer Ähnlichkeit Lockruf und Gesang grundverschieden. 

1) E. Hartert, Die Vögel der paläarktischen Fauna p. 320. 

') H. Gadamer, Naumannia II, 1852, 3. Heft, p. 6, ad 17. 

*) L. Dobbrick, 4. .Jahrb. Westpreuß. Lehrer- Vereins für Natur- 
kunde 1913, p. 55 ff. 



' ' I Stresemann: Die europ. Baumläufer. 53 

1919 J ^ ^«^ 

Hunyad (Siebeubüi-f^eD) stellte Csatö C. fmnüiaris in Eichenwäldern 
fest^). In den ramänischen Karpathen geht C. famüiaris selten 
über die Eichenregion hinaus^). Im Kaukasus lebt sie in Buchen- 
wäldern^), desgleichen in Mazedonien. 

Diese kleine Abschweifung sollte dartun, daß die Lebensweise 
nicht znr Kennzeichnung der Art angeführt werden kann. 

Alles spricht also für eine äußerst nahe Verwandtschaft der 
beiden Baumläuferarten und läßt vermuten, daß ihre Abzweigung 
von einer gemeinsamen Stammform von jungem Alter ist. Wir 
werden im 5. Abschnitt sehen, daß Tatsachen der Paläogeographie 
diese Annahme stützen. 

4. Die Verbreitungsgrenzen von Certhia hrachydactyla und 
Certliia faTniliaris, 

In den folgenden Zeilen soll zum erstenmal der Versuch ge- 
wagt werden, ein möglichst genaues Bild der Verbreitung beider 
Baumläuferarten zu zeichnen. Der Stand der Forschungen ist 
noch weit davon entfernt, eine korrekte kartenmäßige Festlegung 
der Grenzen zu ermöglichen; hier haben die Lokalfaunisten noch 
viel wichtige Arbeit zu leisten. Der Zweck dieser Skizze wäre 
erfüllt, wenn sie die in den Grenzgebieten tätigen Ornithologen 
auf die interessante Aufgabe aufmerksam machte, die ihrer Tätig- 
keit hier gestellt ist, und in Zukunft die Bausteine zu einer ge- 
nauen Verbreitungskarte reichlicher als bisher herbeigetragen 
würden*). 

Trotz der fühlbaren Lücken unserer Kenntnis habe ich es 
unternommen, dieser Arbeit eine Karte beizufügen, um dem Leser 
den Überblick zu erleichtern. Ich bin mir dabei wohl bewußt, 
daß sie dereinst einmal als Kuriosum betrachtet werden dürfte. 

a) Certhia hrachydactyla. 

Ein Blick auf die Tafel lehrt, daß die Formengruppe der 
kurzkralligen Baumläufer den größten Teil des mediterranen Ge- 
bietes besiedelt hat. 

In Nordafrika bewohnt die Art die Korkeichenwälder, 
Kiefern- und Cedernbestände von Tunis und Algier und des marok- 
kanischen x\tlas [C. hrachydactyla mauritanica Witherby). Sie ist 



^) Johann Csatö, Über die Vögel von Alsö-F^her und Hunyad. Zeitschr. 
f. ges. Ornith. II, 1885, p. 442—443. 

"-) E. V. Dombrowski, Ornis Komaniae. Bukarest 1912, p. 300. 

») G. Eadde, Ornis VI, 1890, p. 417. 

*) Die ornithologisclie Abteilung der Münchner Staatssamm- 
lung ist jederzeit bereit, die Bestimmung eingeschickter Bälge 
oder frischer Stücke für den Einsender vorzunehmen. 



ferner Über die ganze iberische Halbinsel, Italien, Sizilien^), 
Griechenland mit Korfu und Euböa verbreitet. Aus Klein- 
asien ist sie von Srnj^rna und Alumdagh bekannt und neuerdings 
durch Rocking-er auch bei Angora gesammelt worden 2), so daß sie 
dort wahrscheinlich ein sehr ausgedehntes Areal besiedelt {C. bracky- 
dactyla harterti Hellm.). Auf Cypern kommt sie in einer eigenen 
Form, C. hrachydactyla dorotheae Hart., vor. Die Art verbreitete 
sich terner über ganz Frankreich mit Ausnahme der Alpen, 
Pyrenäen, des Jura und der Vogesen, wo sie in den höheren 
Regionen fehlt, ferner über die tieferliegenden Gebiete der Schweiz, 
über.ganz Belgien, Holland, den größten Teil Deutschlands 
undÖsterreichs, Ungarn rechts der Donau, Dalmatien, Bos- 
nien, die Herzegowina und die Balkanstaaten, endlich auch 
die Dobrudscha. 

Der Verlauf der Verbreitungsgrenze im Norden und Osten ist 
noch auf größere Strecken unbekannt. 

Folgen wir zunächst dem Westrand des europäischen Fest- 
landes nordwärts längs der Nordseeküste, so vermögen wir das 
Areal von C. hrachydactyla vorerst nur bis in die Gegend von 
Hamburg mit Sicherheit zu verfolgen; das Zoologische Museum 
in Hamburg bewahrt zwei Stücke (cT ad. 24. 1. 1883; $ juv. [Nestkleid] 
4. VIII. 1882) auf, die bei Langenhorn gesammelt wurden^). Die 
Ungewißheit beginnt auf der Halbinsel Jütland. Wir wissen 
zwar, daß dort Baumläufer vorkommen, nicht aber, welcher Art 
sie angehören. Durch Schleswig-Holstein könnte sich sowohl die 
Nordgrenze für C. hrachydactyla, wie die Westgrenze für C. familiaris 
hinziehen. Wahrscheinlich ist es, daß in dieser Provinz beide 
Arten nebeneinander leben. Die Lokalfaunisten lassen uns aber 
hier gänzlich im Stich, da sie nur „den Baumläufer, Certhia 
familiaris'' kennen (Rohweder*), Dietrich). Aus dem gleichen 
Grunde sind die Angaben der dänischen Ornithologen über die 
Certhien ihrer Heimat vollkommen wertlos 5). Von Norwegen und 



1) Malherbe, Faune ornithologique de la Sicilie p. 139. 

Aus Bardinien ist das Vorkommen von Baumläufern nur durch zwei Stücke 
erwiesen, welche im Winter 1887 88 bei Cagliari geschossen, aber nicht konserviert 
wurden (Giglioli, Avifauna itahca II, p. 618). Welcher Art sie angehörten, ist 
fraglich. 

') Balg im Münchner Museum. 

^) Herr Prof. Dr. Lohmann hatte die Liebenswürdigkeit, die Untersuchung 
dieser Exemplare im Münchner Museum zu ermöglichen. 

♦) Rohweder, Die Vögel Schleswig- Holsteins, Husum 1875, p. 11: „Certhia 
fnmil arit,: Im Sommer nur in baumreichen Gegenden einigermaßen häufig, im 
Winter gern in Städten und Dörfern an Gebäuden umherkletternd". Dies Be- 
tragen läßt zunächst auf ('. hrachydactyla schließen, wir sahen jedoch, dal3 sich 
C. familiaris im nördlichen Teil seines europäischen Verbreitungsgebietes in der 
gleichen Weise dem Leben in Gärten und Ortschaften angepaßt hat. 

*) Es wird öfters betont, daß sie in Obstpflanzungen erscheinen. 



' ' I Stresemann: Die europ. Baumläufer. 55 

1919 J ^ ^ 

Schweden ist nur C. famüiaris bekannt, was vermuten läßt, daß 
auch die dänischen Inseln allein diese Art beherbergen. Die 
hypothetische Nordgrenze von C. hrachydactyla ist daher 
längs der Grenze von Jütland und Schleswig- Holstein gezogen worden. 

Gehen wir von da nach Osten, so sehen wir, daß G. brachy- 
dactißa bei Lübeck als Brutvogel zahlreicher, als AVintervogel 
spärlicher ist als C. familiaris'^). In Vorpommern fand Schilling 
bereits vor 1837 die Art bei Greifs wald, wenn auch selten^). 
1881 bezeichnet sie Eugen von Homeyer für Vorpommern als 
„durchaus nicht selten", betont jedoch, daß er sie während eines 
Zeitraumes von 40 Jahren bei Stolp in Hinterpommern vergeb- 
lich gesucht hat^)- Daß sie auch heute noch in ganz Hinter- 
pommern fehlt, ist schwer glaublich, da ihr Dobbrick im benach- 
barten Westpreußen an vielen Orten begegnete. Schon 1913 
hat (fieser fleißige Beobachter seine Feststellungen über die Ver- 
breitung und Lebensweise der Baumläufer in Westpreußen in einer 
sehr lesenswerten Abhandlung zusammengefaßt*); unterm 23. Juni 
1918 teilte er mir brieflich mit: „Das Besiedelungsgebiet von 
C. hrachydactyla erreicht im Osten die Danziger Bucht. (Ich fand 
die Art bei Putzig [1914] und seit 1911 bei Zoppot, Oliva und 
Danzig, sowie bei Steegen auf der Frischen Nehrung.) Es stößt 
an das Frische Haff (1913: Mündungsgebiet des Nogat), umgeht 
die Elbinger Höhen und erreicht südlich davon überall die ost- 
preußische Grenze (1914 Finckensteiner Forst, Deutsch-Eylau, 
1914 Forst Kosten, 1910 Forst Lautenburg). In Ostpreußen 
fand ich die Art als Brutvogel 1914 in einem Paar am Urowiecz-See 
in der Nähe des Geserichsees bei Schwaigendorf" (dicht an der 
westpreußischen Grenze nördl. Deutsch-Eylau). 

Den nördlichen Teil Ostpreußens scheint C. hrachydactyla 
noch nicht erreicht zu haben; ja es ist bisher außer dem von 
Dobbrick beobachteten Paar aus der ganzen Provinz erst ein 
Exemplar bekannt geworden, das Hartert 1884 in der Nähe des 
Muckersees (Kreis Sensburg) erlegte^). Trotzdem kann kaum be- 
zweifelt werden, daß der Vogel in Masuren nicht allzu selten 
brütet. Denn im Laufe des Krieges sind Exemplare im benach- 
barten Gouvernement Suwalki und sogar im Ostteil des 
Gouvernements Grodno gesammelt worden. J. W. Stolz be- 
obachtete 1916 eine Familie in einem Kiefernhochwald bei Augustowo 



1) W. Hagen, J. f. O. 1917, II, p. 79. 

*) Hornschuch & Schilling, Verzeichnis der in Pommern vorkommenden 
Vögel, Greifs wald 1837, p. 11. 

') E. F. von Homeyer, Ornithologisclie Briefe, 1881, p. 59 Anm. 

*) L. Dobbrick, Unsere Baumläufer. 4. Jahrbuch des Westpreuß. 
Lehrervereins für Naturkunde 1913, p. 45 — 58. 

») F. Tischler, Die Vögel der Provinz Ostpreußen. Berlin 1914, p. 277 



56 Stresemann: Die europ. Baumläufer. 1 ^^ ' ^°' 

L Ges. Bay. 

uud schoß zwei der VögeP). Dr. Stechow traf die Art von Mai 
bis Oktober 1918 im Nordostzipfel des Gouvernements Grodno bei 
Skidel, Gluschnjewo, 40 km nordöstlich Grodno, und sogar bei 
Zubrowo, 55 km nordöstlich Grodno (auf etwa 53'' 55' n, Br. und 
24° 20' L.), wo sie nicht selten, wenn auch weit spärlicher als 
C. familiaris vorkommt^). Dieser Fundort nötigt uns, die Ver- 
breitungsgrenze hier weit nach Osten auszubuchten, so daß ihr 
Verlauf eine Gestalt annimmt, die der Wirklichkeit schwerlich 
entsprechen dürfte. Eine gründlichere Durchforschung Polens, als 
sie bisher erfolgte, wird diese Linie wohl erheblich abändern. 
Bisher sind jedoch nur noch zwei weitere polnische Fundstellen be- 
kannt geworden. Die eine davon istLomza, wo ein Stück durch 
Prof. 0. Neumann gesammelt wurde ^). In größerer Zahl scheint 
C. hrachydactyla ferner in der Umgebung Warschaus vorzu- 
kommen, denn die Sammlung Domaniewski bewahrt nicht weniger 
als 14 Stück von der Weichselinsel Bjelany aus allen Jahreszeiten, 
darunter ein (^ iuv. vom 14. VII. 1917 * ). Entgegen der bisherigen 
Annahme muß also die Verbreitungsgrenze weit vor der Südost- 
grenze Westpreußens und der Ostgrenze Posens gezogen werden, 
und die Fundstellen in diesen Grenzgebieten des Deutschen Reiches 
stellen keine Vorposten dar. Es sind dies der Lautenburger Forst 
(der S.O.- Winkel Westpreußeus) und die Umgebung von Thorn 
(Dobbrick), der Umkreis der Stadt Posen (Hammling)^) und Czeszowo 
an der Warthe (Kreis Wreschen, etwa 10 km westlich der russischen 
Grenze)^), sowie Lissa^). 

Weiter südlich scheint, wenn man den bisherigen Angaben 
trauen darf, die Grenzlinie durch die Provinz Schlesien zu ver- 
laufen. Bei Pitschen, an der deutsch-polnischen Grenze nördlich 
Kreuzburg, fand Natorp nur C. familiaris'^). Herr Prof. Zimmer 
teilte mir dagegen mit, daß C. hrachydactyla in den Anlagen von 
Breslau häufig sei. Ich vermute daher ihre Grenze weit vor der 
Ostgrenze Schlesiens. 

Noch spärlicher sind die Angaben aus Österreich-Ungarn. Bei 
Krakau soll nach Domaniewski und anderen Gewährsmännern nur 



*) J. W. Stolz, J. f. O. 1917, p. 382. — Die Bestimmung dieser Exemplare 
wurde von Herrn C E. Hellmayr nachgeprüft. 

*) Die gesammelten Exemplare befinden sich in der Münchner Staats- 
sammlung. 

") A. Eeichenow, Orn. Mber. XXV, 1917, p. 62. 

*) Mehrere dieser Belegexemplare konnten durch freundliche Vermittelung 
des Herrn J. von Domaniewski im Münchner Museum untersucht werden. 

») Hammling, J. f. 0. 1918, p. 192—193. 

') C. Kayser, Zeitschr. der naturw. Abt. d. Deutschen Gesell seh. 
für Kunst u. Wissensch. in Posen. 23. Jahrg., Heft 18, 1917. 

') Natorp, Orn. Mschr. XXXIV, 1909, p. 155. 



•^T-rr 1 ~1 

' ' I Stresemann: Die euiop. Baumläufer. 57 

1919 J ^ ^* 

C. famiUaris vorkommen^). Mährische Stücke von brachydactyla, 
die ich untersuchen konnte, befinden sich im Wiener Museum aus 
Eibenschütz und Oslawan (südwestl. von Brunn); ferner enthält 
die Sammlung" des Grafen Seilern ein Exemplar aus Lesna bei 
Zlin. Bei Wien ist die Art häufig. Weiter östlich wurde sie in 
den ungarischen Komitaten Preßburg, Komorn und bei Budapest^), 
sowie bei Dios Jenö im Komitat Nogräd'*) gefunden. Im ungari- 
schen Flachland links der Donau scheint sie im übrigen zu fehlen, 
so daß ihre Ostgrenze hier auf eine beträchtliche Strecke etwa 
mit dem 19. Längengrad zusammenfallen dürfte. Sie scheint dann 
das rechte Ufer der nach 0. abbiegenden Donau zu begleiten. 
In Syrmien beobachtete und erlegte v. Geyr nur Certhia brachy- 
dactyla^). In Serbien sammelte 0. Eeiser 12 Baumläufer, von 
denen 6 dieser Art angehörten^). Am Serbien gegenüberliegenden 
Donauufer schoß sie Weigold bei Üj-Moldova im Komitat Krasso 
Szöreny®). Sie dürfte jedoch in den siebenbürgischen Komitaten 
nicht weiter verbreitet sein, denn Johann Csato erwähnt in seiner 
schon mehrfach zitierten Schrift ausdrücklich das Fehlen von 
C. brachydactyla für Alsö-Feher und Hunyad. 

Abwärts des Eisernen Tores scheint C. brachydactyla die 
Donau nicht überschritten zu haben. In der Walachei ist sie nicht 
gefunden worden. Aus Bulgarien konnte Reiser nur ein Stück 
untersuchen, das aus der Gegend östlich von Kalofer (südlich des 
Kodza-Balkan) stammte"^). Die Art ist schließlich noch über die 
ganze Dobrudscha verbreitet: im Wiener Museum befindet sich 
ein Exemplar aus Cernavoda, und Almasy sammelte zwei Stück bei 
Hancearca (südöstl. Maßin) ^). 

Westlich und südlich dieser Grenzlinie scheint sich C. brachy- 
dactyla auch in S.O.-Europa bis ans Meer ausgebreitet zu haben. 
Man kennt sie aus Bosnien (Umgebung von Sarajevo, Mus. Wien), 
der Herzegowina (Bilek und Jablanica, Mus. München), aus 
Dalmatien (Castelnuovo, ^ Mus. Wien), Montenegro^), Maze- 
donien (Umgebung von Üsküb^"), Veles^*') und Monastir)"). Sie 



^) J. von Domaniewski, Krytyczany Przcglad Avifaunv Galicyi. Warschau 
1915, p. 49. 

*) J. von Madaräsz, Die Vögel Ungarns, 1903, p. 520 — 521. 

') V. Almasy coli., im Münchner Museum. 

*) H. Frhr. Geyr von Schweppenburg, J. f. O. 1915, p. 104. 

«) D. Lintia, Aquila 1917, p. 78. 

») H. Weigold, Aquila 1913, p. 210. 

'') O. Eeiser, Materialien zu einer Ornis Balcanica II, Bulgarien, Wien 
1894, p. 63. 

«) Almasy, Aquila 1898, p. 106. 

") O. Eeiser, Materialien zu einer Ornis Balcanica IV, Wien 1896, ]3. 64. 

") coli. L. Müller, im Münchner Museum. 

") Mc. Gregor, Ibis 1906, p. 293, 



[Vcrli Orn 
Ges. Bay. 

bewohnt ferner ganz Griechenland und wahrscheinlich auch die 
europäische Türkei*). 

" b) Certhia familiaris. 

Während, wie wir sahen, der Schwerpunkt der Verbreitung 
von C. hrachydactyla im Mittelmeergebiet ruht, ist C familiaris 
eine vornehmlich ostasiatische Art. 

Ihre Ostgrenze bilden die dem asiatischen Festland östlich 
vorgelagerten japanischen Inseln. Auf Hondo lebt eine schwach 
ausgeprägte endemische Form, G. familiaris japonica Hart. Die 
Vögel dagegen, welche die Nordinsel Yeso bewohnen, lassen sich 
nicht recht von kontinentalen unterscheiden. Weiter nördlich will 
Snow ein Stück von den Kurilen erhalten haben 2). Von Sachalin 
ist die Art noch nicht bekannt geworden^). 

Am Ostrand des Kontinentes wurde sie vom Ochotskischen 
Meer bis hinab zum Gelben Meer gefunden. Middendorff erbeutete 
ein Stück auf der Insel „Achae" am Südufer des Ochotskischen 
Meeres. C. familiaris wurde ferner im Amur- und Ussuriland 
(Taczanowski), auf Korea und bei Peking gesammelt*). 

1) Ich sah kern Stück von dort, aber Elwes & Buckley (Ibis 1870, p. 198) 
bemerken, daß die Baumläufer von den Ufern des Bosporus einen leichten röst- 
lichen Anflug an Unterkörper und Weichen zeigen, was nur für Certhia hrachy- 
dactyla zutrifft. 

-) Seebohm, The Birds of the Japanese Empire, London 1890, p. 91. 

') Hartert führt sie zwar von dieser Insel an (Vögel der paläarktischen 
Fauna, p. 318), scheint aber keine sicheren Unterlagen dafür zu besitzen. Die 
Art fehlt in den Listen Hesse's, Lönnberg's und Nikolski's. 

*) Auf Korea und bei Peking erscheint sie nur als Wintergast. Von 
Korea bezeugen dies neben den Wahrnehmungen Kahnowski's die Beobachtungen 
C W. Carapbell's, der den Baumläufer bei Söul nur im Winter, dann aber ziem- 
lich häufig fand (Ibis 1892, p. 236). David erfuhr von den Chinesen, daß der 
Baumläufer nördlich von Peking erst zu Beginn des Winters erscheine (David & 
Oustalet, Les Oiseaux de la Chine, Paris 1877, p. 87—88); H. A. Walton schoß 
ihn bei Peking nur während sehr starken Frostes im Januar (Ibis 1903, p. 22). 
Wohl mit Eecht vermutet David, daß die Brutbezirke dieser Zugvögel in der 
Mantschurei und in Sibirien zu suchen seien. 

Auch im Norden Europas ist ierthia familiaris bedingter Zugvogel. 
Wenigstens erscheint die Art fast in jedem Herbst und Frühjahr vereinzelt auf 
Helgoland; im Herbst 1898 trat sie dort sogar sehr zahlreich auf (Gätke, Die 
Vogelwarte Helgoland, 2. Aufl.. p. 449; Krüss, J. f. O. 1917, Sonderheft, p. 120). 
Hagen erwähnt, daß C familiaris bei Lübeck im Winter besonders häufig sei. 
Weit nach Süden scheinen diese Vögel indessen nicht zu wandern, sonst müßten 
sie gelegentlich in Holland auftreten, was noch niemals beobachtet wurde (Snou- 
kaert van Schauburg, Jaarbericht Club v. Nederl. Vogelk. 1915, p. 15). Auch 
in Mitteldeutschland will man Baumläuferzug wahrgenommen haben (Eies, 
V. O. G. B. XI, 1913, p. 285), aber hier handelt es sich wohl nur um ein plan- 
loses Umherstreichen, das nicht weit vom Brutbezirk führt. 

Auch die Brutvögel der südlichen Gebirge (Alpen, Vogesen) dehnen ihre 
winterhchen Streifen, auf denen sie zuweilen in die Ebenen hinabsteigen, nicht 
weit aus (Bailly 1. c; d'Haraonville, M6m. Soc. Zool. France 1895, p. 266; 



• ' I Stresemann: Die europ. Baumläufer. 59 

1919 J 

Die Nordgrenze ihrer Verbreitung soll nach Hartert etwa 
der Waldgrenze folgen, genauere Feststellungen stehen aber bisher 
aus. Die Südgrenze des Areals der Form C. familiaris familiaris 
scheint von der Gegend von Peking aus durch den Lauf des 
Chingaugebirges bestimmt zu werden, welches die Mandschurei 
von der mongolischen Wüste trennt, und weiterhin nach Westen 
etwa der mongolisch-sibirischen Grenze zu folgen. Taczanowski 
erwähnt den Baumläufer von Daurien und von Irkutsk am 
Baikalsee, Hartert von Kultuk am Südzipfel dieses Sees. Von 
Minussinsk südl. Krasnojarsk erhielt sie Suschkiu^), während 
y. Homeyer & Tancre und Hesse sie vom Altai aufführen^), 
über die Verbreitung in Westsibirien ^) und den südöstlichen Gou- 
vernements des europäischen Rußland habe ich keine Angaben 
finden können; man clarf aber wohl annehmen, daß auch hier die 
Grenze durch die Grenze des Waldwuchses bestimmt wird und 
daher die Kirgisensteppe und die Kaspische Steppe nördlich um- 
faßt, um dann dem Westufer des Kaspischen Meeres zu folgen. 

Hier streckt sich das Areal von C. familiaris familiaris mit 
breiter Zunsre gegen Süden vor. Die Form besiedelt den Kau- 
kasus und ist auch in Transkaukasien weit verbreitet, wo sie 
u. a. im Akhalzikh-Distrikt*) und bei Mzchet (Prov. Tiflis)^), ja 
sogar bei Lenkoran®) gesammelt wurde''). Ob sie ihr Gebiet dar- 
über hinaus nach Süden bis ins Gebiet der türkischen Provinz 
Armenien vorgeschoben hat, ist unbekannt. 

Es steht jedoch fest, daß ihre Südgrenze weiterhin das Nord- 
ufer des Schwarzen Meeres begleitet. In der Krim hat sich 
angeblich eine endemische Form ausgebildet, welche Banjkovski 
C. familiaris öw^wrZzm benannte*). C. familiaris familiaris dürfte 
sich dann längs des Gestades des Schwarzen Meeres bis zur 
Donaumündung ausgebreitet haben; sie hat diesen Fluß in seinem 

Stresemann V. O. G. B. XIII, p. 264). Ob es auf dem Balkan anders ist, muß 
noch die Zukunft lehren (vgl. hierzu Knud Andersen, Aquila XII, 1905, p. 246). 

Erwähnt sei im Anschluß hieran, daß Dobbrick's Vermutung, C. brachydactyla 
verlasse ihre vorgeschobenen Posten im Winter, durch die Erlegungsdaten einiger 
Vögel aus Warschaus Umgebung (2. u. S.Dez.) widerlegt wird. Diese Art ist also 
auch in dem jüngst eroberten Gebiet von vornherein Standvogel. 

1) P. P, Suschkin, Bull. Soc. Imp. Natur, de Moscou 1912, p. 370. 

*) Letzterer gibt eine genaue Lokalität an: Der Fluß Tschulyschman r= 
Tscholesman, südlich des Telezker Sees (Mitt. Zool. Mus. Berlin, 6. Bd., 1913, p. 436). 

') Finsch erwähnt nur ein Exemplar, das aus der Umgebung von Omsk 
stammte (Verh. Zool.-Bot. Gesellsch. Wien XXIX, 1879, p. 154). 

*) Buturhn, Ibis 1906, p. 420. 

^) Banjkovski, Mitt. des Kaukasischen Museums Bd. VII, Tlflis 

1913 D 237 239 

'«) G. Eadde, Ornis Caucasica, Kassel 1884, p. 302—303. 

') Die Abtrennung dieser Vögel als besondere Form, 0, familiaris cau- 
casica Buturlin, scheint, wie Laubmann dargetan hat, der Begründung zu ent- 
behren (Orn. Jahrbuch XXVI, 1915, p. 30—81). 



60 Strememann: Die europ. Baumläsifer. j ^^ • ^ri> 

L Ges. Bay. 

Unterlauf ofienbar Dicht überschritten, denn sie ist zwar aus der 
Walachei (Perbinti, Gouv. Ilfov, Barca südl. Craiova etc. im 
Mus. München), nicht aber aus der Dobrudscha bekannt geworden, 
so daß es den Anschein gewinnt, als bilde hier die Donau die 
Grenze zwischen beiden Baumläuferarten — eine Vermutung, die 
freilich noch auf schwachen Füßen steht. 

Daß in Bulgarien C. familiaris nehen C. brachydactylahriitet, 
ist wahrscheinlich, aber noch ungewiß. Nach Knud Andersen er- 
schienen auf dem Herbstzug 1902 im Nov. und Dez. einzelne Baum- 
läufer bei Sofia. Ein erlegter erwies sich als familiaris, nicht 
brachydactyla^). In Serbien kommt C. familiaris neben C. brachy- 
dactyla vor 2); sie tritt sogar in dessen südlichstem Teil, in Maze- 
donien, auf, wo sie Prof. L. Müller zur Brutzeit (Juni 1918) 
nicht selten in den Wäldern der Golesnica Planina westlich Veles 
und im März im Babunatal nahe Izvor traf (Mus. München). Ferner 
wurde sie bei Castelnuovo, an der S.O.-Spitze Dalmatiens, ge- 
sammelt (Januar-Februar, Mus. München), so daß sie vermutlich 
in den Waldungen der zwischen diesen Fundpunkten gelegenen 
Gebirge weit verbreitet ist. Wir dürfen wohl weiterhin annehmen 
— wenn auch Beweise dafür noch ausstehen — , daß ihre Südgrenze 
von Castelnuovo ab nach Norden zu der dalmatinisch-istrischen 
Küste folgt. In Krain beobachtete und erlegte ich sie im Sept. 1917 
bei Podnart-Kropp, an der Save oberhalb Krainburg (in Fichtenwald). 

Die südliche Verbreitungsgrenze folgt dann dem Südfuß der 
Alpen bis zum Südabfall der Ligurischen Alpen und der Seealpen '). 

Hier biegt sie in die Westgrenze des Verbreitungsgebietes 
um, die zunächst dem Westfuß der Alpen bis zum Austritt 
der Rhone zu folgen scheint*), dann den französischen Jura 
begleitet^) und am Westfuß der Vogesen entlangführt^), um 
sich weiter am Süd Westrand von Hardf), Pfälzer Bergland, 
Hunsrück^) und EifeP) hinzuziehen^^). 



M Knud Andersen, Beobachtungen über den Zug der Vögel in Sophia, 
Bulgarien, Aquila XII, 1905, p. 246. 

^) D. Lintia, Aquila 1917, p. 78. 

^) Seealpen: Ingram, Ibis 1913, p. 546. 

*) Umgebung von Grenoble und Chamb^ry: Bailly 1. c. p. 4. 

*) V. Fatio, Faune Vertebr. de la Suisse, II, Oiseaux. 

«) Vogesen: Stresemann, V. O. G. B. Bd. XIII, Heft 3, 1918, p. 262—263; 
A. Menegaux, Catalogue des Oiseaux de la coUection Marmottan, 1912, p. 34. 

') Weißenburg: coli. Clevisch, im Mus. Senckenberg. 

*) le Eoi, Vogelfauna der Rheinprovinz 1906, p. 249; le Roi & Frhr. 
Geyr v. Schweppenburg, Beiträge zur Ornis der Eheinprovinz 1912, p. 114. 

») Ammeidingen a. Our 7. VII. 1912 und Iwel a. Prüm, 11. VII. 1912, 
fide le Eoi (Frhr. Geyr v. Schweppenburg in litt.). 

'«) Clevisch (II. Jahrcsber. Oru. Vereins München 1901, p. 83) wUl 
die Art auch bei Saarlouis und Metz gefunden haben, aber diese Angaben schienen 
mir r,u unsicher, um sie auf der Verbreitungskarte zu berücksichtigen. 



' ' I Stresemann: Die europ. Baumläufer. 61 

1919 J 

Nördlich der Eifel kann Certhia familiaris mit Gewißheit erst 
wieder vom Fürstentum Waldeck namhaft gemacht werden 
(ein Ex. von Malborg im Mus. München), sodann vom Teutoburger 
Wald (Böckel nahe Bünde, Heimarshausen, im Mus. König)'-). 
Nach R. Blasius nistet sie weiterhin nicht nur bei Braunschweig, 
sondern kommt auch in der zu Braunschweig gehörigen hannover- 
schen Enklave The dinghausen vor, also an der Weser 30 km 
oberhalb Bremen^), so daß das Verbreitungsgebiet von C. familiaris 
vermutlich schon im Oldenburgischen an die Nordsee stößt. Bei 
Lübeck nistet die Art nicht selten^); nach Brehm kommt sie 
(fide Boie?) wenigstens im Winter bei Kiel vor*). Vermutlich 
brütet sie dort ebenso, wie es für das Hamburger Gebiet, ganz 
Schleswig-Holstein, Jütland und die dänischen Inseln wahrschein- 
lich ist. 

Sichere Nachrichten liegen erst wieder von der skandinavischen 
Halbinsel vor. In Norwegenund Schweden, ebenso aufGoth- 
land^) lebt nur diese Art. Über ihr dortiges Vorkommen ver- 
danke ich Herrn Prof. Lönnberg die folgenden Mitteilungen: „Der 
Baumläufer ist sehr häufig in Süd Schweden bis zum Dal-Elfven. 
Etwa von da ab nach Norden wird er allmählich sparsamer. In 
den niedriger gelegenen Teilen der Küste entlang ist er jedoch bis 
zum Unterlauf des Lule-Flusses zu finden, wo er noch als Brut- 
vogel auftritt. Im Inneren des Landes ist er an die Wälder ge- 
bunden und kommt nicht im Hochgebirge vor. Noch in den nörd- 
lichsten Teilen der Provinz Jemtland nistet er. Er ist auch dann 
und wann als Brutvogel in Lappland angetroffen worden, z. B. bei 
Lycksele [etwa 64° 40' n. Br.]. Wie die Meisen streift er ja um- 
her und kommt bisweilen nördlicher als gewöhnlich. Wenn mehrere 
gute Jahre mit verhältnismäßig mildem Winter einander folgen, 
kommt es manchmal vor, daß diese Tiere ihre normale Nordgrenze 
überschreiten und eine Zeitlang ausdauern können. Wenn dann 
aber wieder harte Winter kommen, verschwinden diese nördlichen 
Vortrupp en. 

In Norwegen, wo das Klima der Küste entlaug milder ist, 
kommt er bei Tromsö vor, überschreitet aber auch hier nicht die 
Nadelwaldgrenze. -' 

Nach Walleugren wurde ein Stück am 16. Dez. 1846 bei 
Quickjock nördlich des Polarkreises festgestellt, „so daß er viel- 



') le Eoi & Frlir. Geyr v. Schweppenburg 1. c. p. 114. 

-) R. Blasius, Die Vögel des Herzogtums Braunschweig. Ornis VIII, 
1896, p. 644. 

") Hagen, J. f. 0. 1917, II, p. 79. 

*) Chr. L. Brehm, Handbuch d. Naturgesch. aller VÖgel Deutschlands 
1831, p. 210. 

*) WaUengren, Naumannia III, 1853, p. 85. 



32 Stresemann: Die europ. Baumläufer. i ^^ ^^^^^ 

|_ Ges. Bay. 

leicht, obwohl sehr sparsam, auch in den Lappmarken hecken, und 
den Blicken der Reisenden daselbst bis jetzt entgangen sein mag" ^). 

In Finnland'^) geht Certhia familiaris ebenso weit nach 
Norden wie in Schweden. Am bottnischen Meerbusen ist sie noch 
in der Umgebung von Gamla Karleby und Larsmo Standvogel^). 
Im Inneren soll sie bei Kuopio gefunden worden sein^), ja E. Lagus 
führt sie 1772 sogar für das Gebiet von Kusamo (Lappmai-keu) 
auf ^), und in der Sammlung der Helsingforser Universität befindet 
sich ein Ei aus Lappland °). 

Auch weiter nach Osten zu dürfte die gegen die Tundra vor- 
geschobene Waldgrenze die Nordgrenze dieser Baumläuferart bilden. 

Soweit das zusammenhängende Areal von Certhia familiaris. 
Außerhalb desselben finden sich noch einige Verbreitungsinseln, 
die in besonderem Maße unsere ^Aufmerksamkeit verdienen, da ihr Vor- 
kommen paläogeographische Verhältnisse voraussetzt, die vom heu- 
tigen Erdbild abweichen. 

Über Asien sind sieben solcher Insel verteilt: Das Gebirgs- 
land Kham (S.O. -Tibet) (C familiaris khamensis Bianchi), die 
Berge von Kansu undNord-Szetschwan (C. familiaris bianchii 
Hart); ferner die Bergwälder von Nepal, Sikkim, Bhutan 
[C. familiaris nijmlensis Blyth) und von Kaschmir (C. familiaris 
hodgsoni Brooks). Eine weitere Form, C. familiaris tianschanica 
Hart., bewohnt das Gebirgsystem des Tian-Schan, „von Semire, 
Dscharkent bis zum östlichen Tian-Schan"'^). Severtzoff fand sie 
am Oberen Naryn, Issyk-Kul, auf dem Aksai-Plateau, bei Kopal 
und im Semirjetschensk; sie brütet nach diesem Reisenden in Höhen 
zwischen 8500 und 10500 Fuß«). 

Eine ausgeprägte Form mit sehr lebhafter röstlicher Tönung 
des Unterkörpers bewohnt schließlich das Elburs-Gebirge in 
den persischen Provinzen Ghilan, Masanderan und Asterabad, von 
Sarudny und London als C. familiaris persica beschrieben^). Daß 
sie so selbständige Charaktere entwickelte, ist um so auffälliger, 

1) Wallengren, Naumannia IV, 1854, p. 137—138. 

*) Herr Prof. Schalow hatte die Güte, die finnische Literatur über Certhia 
familiaris für diese Übersicht zusammenzustellen. 

') Hugo Krank, Fagelfaunan uti Gamla Karleby, Larsmo och en del af 
Kronoby Socknar; Act. Soc. pro Fauna et Flora Fennica XV, Nr. 4, 
1898, p. 28. 

*) C. J. SundevaU, Svenska Foglarna. Stockholm 1856, p. 95. 

^) E. Lagus, Beskr. öfver Kusamo Soeken i Kimi Lappmark. Tredji Stycket. 
Kongl. Vetensk. Akad. Handl. XXXIU, 1772, p. 356. 

") J. A. Palmdn, TJniversitets i Helsingfors finska Fogelsamling. Helsing- 
fors 1871, p. 3. 

') Hartert, Die Vögel der paläarktischen Fauna p. 321 

«) Dresser, Ibis 1876, p. 176. 

•) Sarudny & London, Vorläufige Bemerkungen über drei ornithologische 
Neuheiten aus Persien. Orn. Mb er. XIII, 1905, p. 106—107. 



' 'I Streseraann: Die europ. Baumläufer. 63 

1919 J ^ 

als ihr Verbreitungsgebiet unmittelbar in das von C. famiUaris 
/«??«27/am überzugehen scheint, welche Radde bei Lenkoran sammelte. 

Auf dem europäischen Kontinent kehrt die Art ohne unmittel- 
baren Zusammenhang mit ihrem Hauptareal auf den Pyrenäen 
wieder, wo sie bisher nur bei Cauterets in 1400 ra Höhe gesammelt 
wurde. Ingram trennte die Pyreuäenvögel auf Grund eines dürftigen 
Vergleichsmaterials unter dem Namen Ö. familiaris pyrenaica ab^); 
diese Form bedarf dringend erneuter Untersuchung. Schließlich 
soll der Waldbaumläufer noch auf den Apenninen leben, aber dies 
ist bisher Hypothese geblieben*), und Hartert stellt ihr dortiges 
Vorkommen offenbar ohne sichere Grundlagen als Tatsache hin'). 

Certhia familiaris wird endlich in endemischen Formen auf 
Korsika und den britischen Inseln gefunden. Die korsische 
Form, C. familiaris corsa Hart., lebt spärlich in den Tannenwäldern 
der meisten Berge, fehlt dagegen anscheinend im Niederland*). 
Die britische Form ist über ganz England, Irland und die Insel 
Man verbreitet und wird als C. familiaris brittanica Ridgw. 
unterschieden. 

5. Verlbreitung und PaläogeograpMe. 

Wir kommen zum letzten und anziehendsten Teil unserer Be- 
trachtungen : Wie ist die Tatsache zu erklären, daß zwei so über- 
aus ähnliche Arten in einem Teil ihres Areals nebeneinander 
vorkommen? 

Bekanntlich begegnen wir dieser Erscheinung nicht nur bei 
den Baumläufern. Im paläarktischen Gebiet bieten die Grau- 
meisenarten Parus atricapillus und Parus palustris, ferner die 
Haubenlerchenarten Oalerida cristata und Oalerida theklae ein 
ganz analoges Beispiel. Aus dem indo-australischen Gebiet sei 
an die zum Verwechseln ähnlichen und bis auf die neueste Zeit 
meist verwechselten kleinen Kuckucke Gacomantis sepulcralis und 
Cacomantis meruliyius^) erinnert oder an die grauen Salangane 
der Gruppen Collocalia fuciphaga und Collocalia vestita^), schließ- 
lich auch an gewisse papuanische Ptilofis-Arten'^), die den Syste- 
matikern viel Kopfzerbrechen verursacht haben. In vielen dieser 



^) CoUingwood Ingram, A few Eemarks on the European CertMidae. 
Ibis 1913 p. 545 550. 

») cf.' Giglioli, Avifauua ItaHca II, p. 618; Ibis 1881, p. 185. 

') Hartert, Die Vögel der paläarktischen Fauna, p. 320. 

*) Jourdain, Notes on the Ornithology of Corsica. Ibis 1911, p. 440. 

^) cf. Stresemann, Novit. Zoologicae XIX, 1912, p. 332ff. 

") cf. Stresemann, V. O G. B. XII, 1914, p. Iff. 

') cf. Kothschild & Hartert, Novit. Zoologicae XX, 1913, p. 517; 
O. Grant, Ibis 1915, Suppl. II, p. 68. 



64 Stresemann : Die enrop. Baumläufer. I ^®^^' ^^'^• 

|_ Ges. Bay. 

Fälle sind die Artmerkmale nicht konstanter als bei den Baum- 
läufern, fließen die Variationsgrenzen der meisten Merkmale ebenso 
wie bei ihnen ineinander; trotzdem vermischen sich die Formen- 
gruppen nicht, wo sie im gleichen Gebiet beisammen wohnen. 

Es liegt bei allen genannten Beispielen auf der Hand, daß 
wir es nicht mit Konvergenzerscheinungen zu tun haben, 
daß vielmehr die täuschende Ähnlichkeit auch einer äußerst nahen 
Verwandtschaft entspricht. Wenn diese Arten nicht in einem Teil 
ihres Areals zusammen vorkämen, würde sie die Systematik un- 
bedingt als Subspezies einer Art ansehen. Mit gutem Grund aber 
hat der nomenklatorische Leitsatz allgemeine Anerkennung gefunden, 
den Hartert einmal dahin formuliert hat, daß als Subspezies 
einer gemeinsamen Art nur geographisch getrennte Formen 
betrachtet werden sollen. „Es ist also nicht ein geringes Maß 
von Unterschieden, das uns bestimmen darf, eine Form als Sub- 
spezies aufzufassen^)." Es ist falsch, dies nomenklatorische Prinzip 
so auszulegen, als sollte damit die beträchtlich nahe Verwandt- 
schaft der ähnlichen Arten geleugnet werden. Es will nur die 
Tatsache im Namen zum Ausdruck bringen, daß sich die zum 
Rang von Spezies erhobenen Formen physiologisch so 
weit voneinander entfernt haben, daß sie, w^ie die 
Natur beweist, wieder zusammenkommen können, ohne 
eine Vermischung einzugehen. 

Diese physiologische Entfremdung braucht durchaus 
nicht von einer beträchtlichen morphologischen Divergenz begleitet 
zu sein, wie wir an den obigen Beispielen sahen. Umgekehrt sind 
Fälle zu verzeichnen, in denen eine sehr sinnenfällige morphologische 
Veränderung dennoch nicht zur Folge gehabt hat, daß sich bei 
Umkehr der Ausbreitungsrichtung die entstandenen geographischen 
Formen so ineinander schieben konnten, daß sie nebeneinander be- 
stehen. Sie sind also, dem äußeren Schein zum Trotz, physiologisch 
nicht oder nur unbedeutend verändert worden. Erwähnt sei das 
Beispiel der brauenstreifigen und der weißköpflgen Schwanz- 
meisen, die sich vermutlich von einer brauenstreifigen Stammform 
abzweigten. Diese wurde offenbar durch das Vorrücken des 
Eises im Quartär in zwei räumlich getrennte Stämme, einen west- 
lich-südlichen und einen östlichen, zerlegt. Der westliche behielt 
seinen Brauenstreif, der östliche verlor ihn und erhielt dadurch 
nach der Jugendmauser einen völlig weißen Kopf. Nach dem Rück- 
zug des Eises fluteten beide Stämme von entgegengesetzten Rich- 
tungen in das frei werdende Gebiet Mitteleuropas zurück und 
durchdrangen sich dort, vermochten sich aber nicht rein zu er- 



•) E. Hartert, Die Vögel der paläarkti sehen I'auna p. VI, 1910. 



' ' I Stresemann : Die europ. BaumJäuler. 6^ 

1919 J ^ "^ 

halten. Vielmelir fand eine völlige Vermischung statt, aus der die 
Form Aegähalos caiidatus europaeus resultierte. Bei ihr gleicht 
kaum ein Stück dem anderen, so groß ist (da spaltende Bastarde 
das Kreuzungsprodukt sind) die individuelle Variation geworden, 
die alle Übergänge zwischen rein weißköpfigen und stark brauen- 
streifigen Exemplaren umspannt. Das Verraischungsgebiet ist sehr 
ausgedehnt; es reicht von der deutschen Ostseeküste im Norden 
bis ins nördliche Frankreich und über Österreich-Ungarn bis nach 
den Balkanländern (Serbien, Bulgarien, Mazedonien^)). — Noch 
sinnenfälliger ist die morphologische Verzweigung des 
Rabenkrähen-Nebelkrähen -Stammes. Wir sehen aber auch 
bei ihm, daß die — wohl durch vorübergehende räumliche Trennung 
entstandenen — markanten Färbungsunterschiede nicht verhindern 
können, daß die Nebel- und die Rabenkrähen sich vermischen, wo 
ihre Areale wieder aneinander stießen. Es gibt kein Gebiet, in 
dem sich beide Formen nebeneinander rein erhalten können. Darum 
ist es inkonsequent, in diesem Falle der Färbung eine Konzession 
zu machen und beide als Arten zu führen. Sie sind geographische 
Vertreter derselben Formengruppe und mithin nach Hartert's 
Definition Subspezies einer Art. — Um noch ein weiteres Beispiel 
aus dem paläarktischen Faunengebiet anzuführen, sei an die so 
sehr verschieden gefärbten asiatischen Drosseln Turdus atrogularis 
und Turdus ruficoUis erinnert, welche sich gleichfalls dort, wo sie 
zusammentreffen, verbastardieren^). — In der Inselwelt des indo- 
australischen Archipels hat die räumliche Sonderung durch trennende 
Meeresarme die Bildung ausgeprägte Subspezies in hohem Maße 
begünstigt, und da durch vielfach einander folgende Senkungen und 
Hebungen des Landes (besonders in der vulkanischen Sundakette) 
die Angehörigen einer Art bald voneinander geschieden wurden, 
bald wieder durch neu auftauchende Landverbindungen Gelegenheit 
landen, erneut zusammenzukommen, so sind dort die Verhältnisse 
für eine Vermischung solcher Subspezies besonders günstig. In- 
wieweit sie wirklich stattgefunden hat und die individuelle Varia- 
tion auf ihre Rechnung gesetzt werden muß, ist meist nicht mehr 
festzustellen. Von den wenigen einleuchtenden Beispielen mache 
ich den Fall des mitteljavanischen Copsychus namhaft. In Ostjava 
und auf Bali ist diese Gattung durch eine Form mit völlig schwarzer 
Unterseite, Copsychus saularis amoenus, vertreten, in Westjava, 
auf Sumatra, der malayischen Halbinsel etc. dagegen durch eine, 
bei der nur Kehle, Kropf und Brust schwarz, der Bauch dagegen 
rein weiß ist {Copsychus saularis musicus). Beide Hälften Javas 



*) Eine genauere Darstellung der Verhältnisse soU bei einer späteren Ge- 
legenheit gegeben werden. 

*) E. Hartert, Die Vögel der paläarktischen Fauna p. 660. 

5 



6(3 Stresemann: Die europ. Baumläufer. i ei . 

L Ges. Bay. 

sind, wie Geologie und Zoologie einwandfrei beweisen, während 
des Jungtertiärs und vielleicht auch noch zu Beginn des Quartärs 
durch einen breiten Meeresarm geschieden gewesen. Als dieser 
bei einer Hebung des Landes verschwand, ergriffen sowohl die 
weißbäuchige wie die während der Trennung entstandene schwarz- 
bäuchige Form von dem neuen Landstrich Besitz, und beide er- 
zeugten dort eine Bastardform mit großer Breite der individuellen 
Variation — eine Parallele zu den mitteleuropäischen Schwanz- 
meisen. 

Morphologische Divergenz ist also — um dieses wich- 
tige Gesetz noch einmal auszusprechen — unabhängig von 
physiologischer Divergenz. Es läßt sich ohne das Experi- 
ment, welches die Natur selbst anstellt, nicht entscheiden, ob 
letztere nach räumlicher Trennung von gewisser Dauer einen Grad 
erreicht hat, der die Vermischung ausschließt. Wo aber die 
Natur diesen Beweis erbracht hat (wie bei den Baumläufern, 
oder, um weitere Beispiele zu nennen, bei Sprosser und Nachtigall, 
oder den weißen indo-australischen Fruchttauben Myristicivora 
7nelanura und bicolor), da reden wir nicht mehr von Sub- 
spezies einer Art, sondern von Spezies, während es auf 
der anderen Seite praktisch ist, geographische Vertreter, 
die sich bei erneuter Berührung oder Durchdringung 
verbastardieren, als Subspezies einer Art zu führen, 
auch wenn sie verschieden gefärbt sind (also: Corvus 
corone corone und Corvus corone cornix, Turdus ruficoUis atrogu- 
laris und Turdus ruficoUis ruficoUis, Budytes flavus flavus und 
Budytes flavus feldegg etc.). 

Wenden wir das Gesagte auf die Baumläufer an, so ergibt 
sich zunächst die Forderung, eine gemeinsame Certhia-Art anzu- 
nehmen, welche sich vor Beginn der Diluvialzeit, vermutlich im 
späteren Tertiär, von Asien — dem Verbreitungszentrum und 
Entwicklungsherd der Art — nach Osten und Westen ausbreitete. 
Im Osten überschritt sie die Landbrücke, auf welcher eine große 
Anzahl höherer Wirbeltiere während des Pliozäns von Asien 
nach Nordamerika (bezw. in umgekehrter Richtung) wanderte — sie 
führte vermutlich von Kamtschatka durch die Behringsee nach 
Alaska und bestand bis ins ältere Diluvium — und breitete sich 
über Nordamerika bis an die Grenze des neotropischen Gebietes 
aus. Westwärts vorrückend, überflutete sie ganz Europa, erreichte 
das Mittelraeerbecken und schob sich längs seiner Ränder bis nach 
Kleinasien und Nordafrika vor. Je weiter sie in Europa und 
Nordamerika in südlicher Richtung vorrückte, um so verschiedener 
wurden die klimatischen und die daraus resultierenden ökologischen 
Bedingungen, denen sie sich anpassen mußte, und so entstanden 
an den entgegengesetzten Grenzen der Ausbreitung morphologisch 



'I Stresemann: Die europ. Baumläufer. 67 

1910 J ^ 

und physiologisch allmählich abändernde Formen, die zunächst 
noch ganz den Charakter von Subspezies hatten^). 

Zu Beginn des Quartärs bahnte sich jene katastrophale Ver- 
änderung der Lebensbedingungen an, die für die heutige Ver- 
teilung der Organismen im holarktischen Gebiet von entscheidender 
Bedeutung wurde: die Epoche der Vereisungen setzte ein. Die 
Wärmetiere, die sich im Verlauf des Pliozäns einen großen Teil 
Europas erobert hatten, mußten sich aus England und Deutschland 
auf die Laubwälder und Grasfluren Südfrankreichs, der iberischen 
Halbinsel und Italiens zurückziehen. Das südwärts vorrückende 
arktische Klima hatte schließlich die Vergletscherung ganz Skandi- 
naviens, Englands, Nordhollands, Norddeutschlands, der deutschen 
Mittelgebirge, der Alpen und Pyrenäen, der Karpathen und des 
Balkan zur Folge. In der Nähe der Gletscher breitete sich die 
Tundra aus ; auf sie folgte der Nadelwald. 

Dies war die Periode, welche die in Europa entstandene 
Baumläuferform Gerthia familiaris hrachydactyla räumlich von der 
asiatischen Gerthia familiaris trennte. Während sich die Baum- 
läufer in einem großen Teil Asiens und in Südeuropa halten 
konnten, hat es wohl eine sehr lange Zeit gegeben, während der 



*) Es ist sehr bemerkenswert, daß die an den beiden entgegengesetzten 
Ausbreitungsgrenzen entstandenen Formen einander durch parallele Entwicklungs- 
richtung äußerst ähnlich blieben, so ähnlich, daß nicht nur der alte Brehm, 
sondern auch Forscher der Jetztzeit wie HeUmayr und Hartert die neuweltlichen 
Formen geradezu als Subspezies von Gerthia hrachydactyla auffaßten — ein 
Vorgehen, dem sich der nicht wird anschließen können, der das geographische 
Moment berücksichtigt. 

Der Fall steht durchaus nicht vereinzelt da. Das Areal der grauen Nebel- 
krähen grenzt bekanntlich im Westen und Osten an das Areal schwarzer Eaben- 
krähen {Gorvus corone corone und Corvus corone orientalis). Im Verbreitungs- 
zentrum der indoaustralischen weißköpfigen Seehabichte Haliastur indus lebt 
eine rein weißköpfige Form, H. i. girrenera ; verfolgen wir die Art nach Westen, 
so gewahren wir das Auftreten schwarzer Schaftstriche am Kopfgefieder, die 
immer breiter werden, je mehr wir uns dem Kontinent nähern; gehen wir nach 
Osten, so treffen wir dort an der äußersten Ostgrenze der Art, dem Salomon- 
archipel, gleichfalls Exemplare mit schwarzen Schaftstrichen, die von celebesischen 
nicht zu unterscheiden sind. Man wird sie darum doch nicht mit demselben 
Namen belegen wollen. 

Es geht aus diesem Grunde auch nicht an, die amerikanischen Baumläufer 
als Subspezies von G. hrachydactyla zu bezeichnen. Man faßt sie am zweck- 
mäßigsten, wenn man sie nicht G. familiaris unterordnen will (wie es Eidgway 
und Andere getan haben), alle als Formen der amerikanischen Art Gerthia 
americana Bp. zusammen, so daß wir drei Arten erhalten: Gerthia familiaris 
und ihre beiden Abzweiger Gerthia hrachydactyla und Gerthia americana, jede 
mit einer größeren Anzahl Subspezies. 

Paralleler Entwicklungsgang darf nicht als Beweis naher 
Verwandtschaft betrachtet werden; er ist eine Folge gleicher Reaktion 
auf gleiche äußere Einflüsse, der die einander ähnlichen Formen unterworfen 
waren, oder eine Äußerung gleicher Entwicklungstendenz. 

5* 



68 



Stresemann: Die eiirop. Baumläufer. 



[Verh. Orn. 
Ges. Bay. 



die klimatischen Verhältnisse im größten Teil Deutschlands (und 
dem damals mit dem Kontinent zusammenhängenden England), so- 
wie in Nordwest-Rußland dem Waldwuchs derart ungünstig waren, 
daß Certhia die ihr zusagenden Verhältnisse nicht vorfand. 



20 10 




Die Vereisung Europas in der größten Eisverbreitung. 

Nach de Geer. 

Während die in Europa nach Süden abgedrängte Form sich 
dem dort vorherrschenden Laubwald angepaßt hatte ^), konnte die 



^) Die Beispiele sind zahlreich, in denen eine Art bei Ausdehnung ihres 
Areals ihre Lebensweise geändert hat. In Europa fällt dies besonders bei Arten 
ins AugC; die ursprünglich charakteristische Begleiter des Nadelholzes waren. 
Hierzu gehören, wie bekannt, die Begulus-KxiQw, die Tannen- und Hauben- 
meisen, sowie der Schwarzspecht. Nicht allein in Österreich und Deutschland 
(Kaiserstuhl, Franken, Niederösterreich [v. Tschusi, J. f. O. 1869, p. 234] etc.) 
ist der Schwarzspecht hier und da in den Laubwald übergesiedelt, auch aus 
Westrußland wird dies berichtet (v. Zedlitz, J. f. O. 1917, II, p. 290). Die 
Tanneumeise ist in England, nachdem dort die Nadelwälder dem seit der Eiszeit 
veränderten Klima erlagen und sich nur in einigen Tälern Schottlands erhielten, 



Tafel / 




l/'erhandlungen der Orn/^hologrischen Oeöel/öchaFt in Bayern ßd. JET 



Tafd 1 




' ' I Stresemann: Die europ. Baumläufer. G9 

1919 J * 

asiatische Form der Waldformation ihrer Urheimat treu bleiben, 
die gewiß schon seit langen Zeiten das heutige Gepräge trägt, 
wenn sich auch ihre Nordgrenze im Diluvium häufig verschoben 
haben mag. Im sibirischen Wald sind nach Schimper vorherrschend 
„Lärchen, mit ihnen wachsen die Zirbelkiefer, Fichten, Birken, 
und, im Süden, Tannen"^); die Nadelhölzer stellen also bei weitem 
den Hauptanteil. Als sich daher das Klima gegen Ende der letzten 
Vereisung endgültig milderte und der Nadelwald von einem großen, 
bis dahin vereisten oder zur Tundra umgewandelten Gebiet Mittel- 
europas Besitz ergriff, begleitete ihn C. familiaris westwärts, er- 
reichte England, das damals noch mit dem Festland verbunden 
war, und wanderte bis in die Alpen, ja sogar bis nach Corsica, 
dessen Zusammenhang mit dem Kontinent zu jener Zeit noch nicht 
gestört war (wenn unsere Hypothese richtig ist), und über Frank- 
reich bis in die Pyrenäen. 

Das Klima nahm immer gemäßigteren Charakter an und näherte 
sich dem heutigen; damit wurde in Frankreich und dem südlichen 
Deutschland der Nadelwald durch den Laubwald aus den tieferen 
Lagen verdrängt und zog sich auf die Gebirge zurück. Gleich- 
zeitig bildete sich der Ärmelkanal und schnitt England vom Fest- 
land ab. 

Certhia familiaris vermochte sich in Süd- und Mitteleuropa 
den neuen ökologischen Bedingungen nicht zu fügen; sie blieb 
dem Nadelwald treu und folgte ihm in Südeuropa auf seinem Rück- 
zug ins Gebirge. So konnte sie sich bis zum heutigen Tag dort nur 
auf den Pyrenäen, in den Alpen, auf dem Jura und in den Vogesen 
erhalten; das Flachland wurde von ihr vollkommen geräumt. Die 
Beobachtungen Bailly's und Caire's bei Grenoble und im Dep. 
Basses-Alpes faßt Gerbe dahin zusammen „Le Grimpereau Costa 
habite essentiellement les bois et les forets de raelezes, de pins 
et de sapins, mais plus particulierement ces derniers, ceux surtout 
qui sont situes au nord et dans les regions moyennes des mon- 
tagnes, regions dans lesquelles on rencontre en meme temps le 
Casse-Noix et la Chouette Tengmalm"^). In den Vogesen konnte 
ich durch zweijährige Beobachtung feststellen, daß sich C. familiaris 
dort streng an den Nadelwald bindet und ihr Areal am Gebirgs- 
fuß nur so weit vorschiebt, als die Koniferenbestände reichen. Sie 



zum Bewohner von Laubwald und Parks geworden, hat sich also in vollkom- 
mener Weise den neuen Verhältnissen gefügt, während die Haubenmeise, weniger 
anpassungsfähig, sich mit dem Nadelwald in die schottischen Täler zurück- 
gezogen hat. 

•) Schimper, Pflanzengeographie p. 611. — Ähnlich setzt sich nach den 
Schilderungen A. E. Brehm's der Wald in Westsibirien zwischen Tundra und 
Steppe zusammen (Vom Nordpol zum Äquator p. 77 ff.). 

*) Z. Gerbe, Eevue et Mag. de Zool. (2) IV, 1852, p. 162. 



YO Stresemann: Die europ. Baumläufer. I r "r ' 

bewohnt zwar in deren nächster Peripherie auch den Laubwald, 
entfernt sich jedoch zur Brutzeit niemals weit vom Nadelwald^). 
Die Höhenlage und klimatische Bedingungen spielen dabei keine 
Rolle; die Vegetationsform allein ist für das Vorkommen oder 
Fehlen von C. familiaris ausschlaggebend 2). Das zeigt sich deut- 
lich in Oberbayern, wo die Art nicht nur in den Alpen, sondern 
auch in der Ebene verbreitet ist, aber nur soweit als die Nadel- 
waldungen reichen. Ebenso ist es in Baden, Württemberg, der 
Pfalz, der Rheinprovinz, in Hessen und Thüringen. Hier verblieb 
die Art überall auch in tiefen Lagen, da Klima und Forstkultur 
die Koniferenbestände erhielten. 

Während so das Verbreitungsgebiet von C. familiaris durch 
die Folgen der Klimamilderung im Postglazial nach anfänglicher 
gewaltiger Erweiterung wieder wesentlich eingeschränkt wurde, 
waren die gleichen Veränderungen der Ausbreitung von C. hrachy- 
dactyla dauernd günstig. Diese Form hatte sich, wie wir bereits 
bemerkten, während der Glazialzeit in den warmen Mittel meer- 
ländern dem Laubwald angepaßt und war gleichzeitig infolge 
der langen räumlichen Trennung von ihrer Stammart so durch- 
greifenden physiologischen Veränderungen unterworfen worden, daß 
eine Verbastardierung mit dieser nicht mehr erfolgen konnte. Mit 
dem nordwärts vorrückenden Laubwald siedelte sie sich in den 
vom Nadelwald und C. fafuiliaris geräumten Niederungen Frank- 
reichs, Belgiens und der niederrheinischen Tiefebene an, vermochte 
aber England nicht mehr zu erreichen, da inzwischen die Land- 
brücke unter den Meeresspiegel gesunken und der Kanal ent- 
standen war^). Auch die süd- und mitteleuropäischen Gebirge 



') Stresemann, V. O. G. B. XIII, Heft 3, 1918, p. 263. 

*) Ingram ist daher im Irrtum, wenn er meint, daß G. familiaris von 
Haus aus ein Gebirgsvogel sei und dazu bemerkt „The long-clawed Tree-Creepers 
of the Continent are said to have a predilection for coniferous trees, while 
the various forms of C. brachydactyla are supposed to prefer other kinds of 
timber. In my experience this certainly seems to be true, but in connection 
with this alleged preference we must not forget that conifers usuaUy predominate 
at the high elevations frequented by the former species, in which, of course, 
they would have no choice but to affect these trees" (Ibis 1913, p. 546). 

') Nach Annahme der Geologen und Paläontologen erfolgte dies zu einer 
Zeit, die der paläolithischen Stufe des Magdalenien und der faunistischen Phase 
der Tundren in Deutschland entspricht oder ihr unmittelbar folgte. (A. Nehring, 
Tundren und Steppen der Jetzt- und Vorzeit. BerUn 1890, p. 227). Man hat 
berechnet, daß diese Zeit 24000—29000 Jahre zurückliegt (J. Nüesch, Das 
SchweizersbUd. Neue Denkschr. Schweiz. Gesellsch. gesamt. Naturw. 35, 
1896, p. 298). Der Prähistoriker Moritz Hoernes fordert einen ebenso langen 
Zusammenhang Englands mit Frankreich wie die Paläonthologen, „sonst könnte 
das Magdalenien nicht — schwächer, aber in denselben wesentUchen Zügen — 
wie in Frankreich ausgeprägt sein" (M. Hoernes, Der diluviale Mensch in Europa. 
Braunschweig 1903, p. 185). 

England ist also seit rund 25000—80000 Jahren eine Insel; in wie ver- 



' ' j Stresemann: Die ciirop. Baumläufer. 71 

konnte sie sich nicht erobern, da sie dem Leben in reinen Nadel- 
wäldern entfremdet war. Diese blieben in ihrem wesentlichsten 
Teil das Dominium von C. familiaris. Aus Savoieu berichtet 
schon Bailly „Le Grimpereau Familier (gemeint ist C. brachij- 
dactijla) habite les pays de la plaine boises, les parcs, les vergers 
et meme les jardius. Le Grimpereau Costa, au coutraire, . . . ne 
se plait que dans les grands bois de pins ou de sapins de nos 
montagnes" ^). Von den Seealpen und Pyrenäen schreibt C, Ingram 
„As a breeding species . . . the southern race of C. hrachijdactyla 
is found alone on the plains below, just as C. familiaris reigns 
supreme in the still more elevated pine-forests"^). Am Westfuß 
der Vogesen konnte ich eine scharfe Grenze auf etwa 25 km ver- 
folgen, an deren Ostseite nur C. familiaris brütet, während west- 
lich von ihr das Gebiet des Laubwaldes und damit das von 
C. hrachydactyla beginnt^). In den bayerischen, österreichischen 
und schweizerischen x\lpen hat C\ hrachydactyla nur in den breiten, 
mit Laubwald bestandenen Flußtälern Fuß fassen können. 

Die scharfe Scheidung der Vegetationsformen hat also hier 
eine mehr oder weniger säuberliche Trennung der Brutgebiete 
beider Arten zur Folge gehabt. Sie vertreten sich noch 
immer, wie vor der Eiszeit und während derselben, geo- 
graphisch. 

Anders im mitteldeutschen Hügelland und in der norddeutschen 
Tiefebene, wo die Nadelwälder auf weite Erstreckungen als Inseln 
und Inselchen im vordringenden Laubwald erhalten blieben. Hier 

schiedenem Grade haben sich nun die Folgen räunolieher Sonderung in der Tier- 
welt bemerkbar gemacht I Unter den Vögeln sind viele gänzlich unverändert ge- 
blieben bezw. diese haben sich genau so weiter entwickelt wie ihre Brüder auf 
dem Festland; bei anderen Arten hat die seitdem verstrichene Zeit genügt, um 
+ feine Färbungs- und Größenuutersehiede aufkommen zu lassen. Dies be- 
leuchtet recht hell die Tatsache, daß die morphologische Eeaktion auf Abson- 
derung und veränderte klimatische Bedingungen bei den einzelnen Arten in ganz 
verschiedenem Tempo erfolgt. Wir sind durchaus nicht immer berechtigt, 
aus der Tatsache, daß auf einer Insel endemische und weitver- 
breitete Formen leben, den Schluß zu ziehen, daß sie Invasionen 
verschiedenen Alters bezeugen. 

Zur Zeit der letzten Vereisung hat nämlich nach Annahme englischer Geologen 
(Geickie) in England ein Klima geherrscht, das die Existenz warmblütiger Tiere 
ausschloß. Die Neubesiedelung der Insel erfolgte daher diu'ch alle Vogelarten 
frühestens zu Beginn des Postglazials und fand mit dessen Ende durch den Ein- 
bruch des Kanals ihren Abschluß. Welch unüberwindliches Hindernis dieser 
Meeresarm für die Ausbreitung bildet, sehen wir am Beispiel von C. hrachy- 
dactyla, Picus canus, Phoenicurus ochrnros gihraltariensis, Galerida cristata, 
die, weil sie die Landbrücke nicht mehr vorfanden, am England gegenüber- 
liegenden Gestade Halt machen mußten, obwohl ihnen auf der nahen Insel die 
günstigsten Lebensbedingungen winkten. 

1) J.-B. Baüly, 1. c. Anhang, p. 2. 

^) Collingwood Ingram, Ibis 1913, p. 546. 

«) E. Stresemann, V. 0. G. B. XIII, Heft 3, 1918, p. 262—266. • 



72 Stresemann: Die europ. Baumläufer. 1 ^^ ' ^^' 

L Ges. Bay. 

mischten sich die Brutbezirke, und vielerorts kann man nun im 
selben Forst beide Arten nebeneinander ünden. „Fehlt dagegen 
einer Gegend" — so hat Deichler schon 1896 ganz richtig be- 
merkt — „die eine oder andere Holzart gänzlich, so ist auch nur 
die eine Form des Baumläufers vertreten"^). Für das Großherzog- 
tum Hessen bezeichnet Kleinschmidt die Kopfweide als Lieblings- 
baum von C. brachydaetyla, die Kiefer als den von C. famiUaris^). 
„In Mittelschlesien brüten beide Subspezies nebeneinander, und 
zwar gehört C. familiaris dem Nadelwald an, während C. brachy- 
daetyla Laubgehölze, Parks, Alleen, Gärten u. dgl. bewohnt" ^). 
In der Oberlausitz bewohnt C. familiaris „mehr die Nadelwälder, 
doch nicht ausschließlich", während C. brachydaetyla „mehr Laub- 
hölzer und Obstgärten, besonders letztere" liebt*). 

In breiter Front rückte G. brachydaetyla nordwärts 
vor und erreichte die Ostseeküste bei Lübeck, in Vorpommern 
und Westpreußen. Ihrem weiteren Vordringen gebot das Meer 
Halt. Da sie die zur Äncylus-Zeit noch bestehende Landverbindung 
zwischen Jütland, den dänischen Inseln und Südschweden nicht 
mehr vorfand, vermochte sie nicht nach Skandinavien zu gelangen ; 
ja ihre Ausbreitung ist eine so langsame, daß sie auch heute 
noch nicht die Nordspitze Jütlands erreicht zu haben scheint und 
in Hinterpommern ganz fehlt oder zum wenigsten sehr selten ist. 

Zur nördlichen Vorstoßrichtung gesellte sich eine 
östliche. Diese Bewegung ist zweifellos noch im vollen Fluß, 
denn C. brachydaetyla hat einen weiten Vorsprung einzuholen, den 
der Laubwald vor ihr gewonnen hat, und natürliche Hindernisse 
stellen sich hier ihrem Vorrücken auf weite Strecken nicht in den 
Weg. Die bisher gewonnene Linie ist noch sehr ungenügend be- 
kannt. Es scheint, wie wir im Abschnitt 4 sahen, sicher zu sein, 
daß sie den nördlichen Teil Ostpreußens noch nicht besiedelt hat, 
dagegen sehr vereinzelt über Masuren bis zu 24" 20' L. im Gouv. 
Grodno vorgedrungen ist. Weiter im Süden hat sie die Gegend 
von Warschau erreicht und vermutlich diese Linie schon über- 
schritten. Ob sie auch über die Ostgrenze Schlesiens hinweg in 
Polen eingerückt ist, wissen wir noch nicht. 



») Deichler & Kleinschmidt, J. f. O. 1896, p. 449 ff. 

Es sei bei dieser Gelegenheit bemerkt, daß im mittleren und nördlichen 
Deutschland ('. brachydaetyla mitunter ihrer Abneigung gegen den Nadelwald 
untreu geworden ist und sich auch in Kiefern- oder Fichtenbeständen angesiedelt 
hat (Westpreußen: Dobbrick; Ostsachsen: Hoffmann, J. f. 0. 1918, p. 328). 
Solche Fälle gehören jedoch zu den Ausnahmen und können nicht gegen die 
Gültigkeit des Satzes ins Feld geführt werden, daß C. brachydaetyla eine aus- 
gesprochene Laubholzform ist. 

^) Kleinschmidt, J. f. O. 1894, p. 122. 

«) Floericke, Orn. Jahrbuch III, 1892, p. 184. 

*) R. Tobias, Naumannia I, 1851, Viertes Heft, p. 66. 



"' ' ' I iStrcsemanu : Die curop. Baumläufer. 73 

1919 J ^ 

Wie nicht anders zu erwarten, ist die Art in den Gebieten, 
die sie sich zuletzt erobert hat, noch selten. Aus Ostpreußen sind 
erst drei Exemplare bekannt geworden gegen zahllose G. famüiaris. 
Nach Dobbrick ist selbst in Westpreußen C. brachydactyla noch 
spärlich vertreten. „Auf zehn Brutpaare von familiaris kommt 
etwa eins von hraehydactyla. Östlich der Weichsel und nach der 
Ostsee zu nimmt die Zahl der Brutpaare ab'-'^). Wo wir, wie von 
Thoru, Posen, Breslau und Warschau, erfahren, daß C. hraehy- 
dactyla häufig ist, da können wir (falls nicht das Vorhandensein 
natürlicher Hindernisse — Meer, Gebirge, baumlose Kultur- 
steppe — eine Stauung nahelegt) ohne weiteres annehmen, daß 
die Verbreitungsgrenze noch fern ist. 

Wir beschränkten uns bisher auf die Betrachtung der Ver- 
breitung in Frankreich, Deutschland und den an Deutschlands 
Ostmark grenzenden Landstrichen. Indessen verlangt auch die 
Verbreitung von C. hraehydactyla in Österreich-Ungarn, 
und auf dem Balkan Berücksichtigung. Wir müssen uns hier 
kürzer fassen, da sowohl die nahe geologische Vergangenheit des 
Landes, wie die geographische Begrenzung der Baumläuferarten 
und ihre Lebensweise hier weniger gut bekannt ist. 

Wäre das nordwärts gerichtete Vordringen von C. hraehy- 
dactyla rascher erfolgt, als es tatsächlich der Fall gewesen ist, 
so hätte die Art vermutlich überall den Südfuß der Karpathen 
erreicht und sich in der ganzen ungarischen Tiefebene angesiedelt, 
erst in der Gehölzformation des Karpathenbogens und der trans- 
sylvanischen Alpen auf unüberwindliche Verbreitungshindernisse 
stoßend. Wir sehen jedoch, daß sie nur nördlich von Budapest 
(im Komitat Nogräd und westlich davon) bis zum Gebirgsfuß ge- 
langt, weiter östlich dagegen dicht an der Donau stehen geblieben 
ist. Die Vermutung, dieser Flusslauf habe sie aufgehalten, 
ist nicht ganz von der Hand zu weisen, so absurd sie auch klingen 
mag. Denn nach dem bisherigen Stand unserer Kenntnisse ge- 
winnt es den Anschein, daß der Unterlauf der Donau zwischen 
der Dobrudscha und der Walachei sogar die Art C. fa- 
miliaris von C. hraehydactyla scheidet, also von ersterer 
nicht nord- (bezw. nordwest-)wärts, von letzterer nicht süd- (bezw. 
südost-)wärts überschritten werden konnte. Indessen müssen erst 
künftige Forschungen bestätigen, daß C. hraehydactyla tatsächlich in 
der ungarischen Tiefebene links der Donau und in der Walachei fehlt, 
ehe diese Theorie mit Bestimmtheit ausgesprochen werden kann^). 



1) 4. Jahrbuch des Westpreuß. Lehrervereins für Naturkunde, Danzig 
1913, p. 55. 

'^) Erinnert sei an die Bedeutung, welche offensichtlich der Lauf der Elbe 
im Kgr. Sachsen für die Begrenzung des Areals der Nebel- und der Rabenkrähe 
gewonnen hat. 



74- Stresemann : Die europ. Baumläufer. | ® ' ^"' 

'^ ^ LGes. Bay. 

Wir lernten C. familiaris in Süd- und Mitteleuropa als einen 
Vogel kennen, der sich streng an den Nadelwald bindet. Doch 
hat die Art schon im Tertiär oder zu Beginn des Quartärs den 
Beweis geliefert, daß sie sich auch dem Laubwald anzupassen ver- 
mag, indem sie ihr Areal bis zum Mittelmeergebiet vorschob und 
dort zur Form hrachydactyla umgestaltet wurde. In den trans- 
sylvanischen Alpen, in Galizien und im Kaukasus bezeugt die 
weite Verbreitung und Häufigkeit von C. familiaris in Eichen- 
und Buchenwälder noch heute diese Anpassungsfähigkeit, ohne die 
sie auch dort — wie aus Frankreich, Belgien und Holland — • 
hätte weichen müssen. So aber ist es wahrscheinlich, daß sie, 
statt wie in Mitteleuropa sich zurückzuziehen, ihr Areal immer 
weiter gegen Süden vortreibt, vom Balkan gegen das Schwarze 
Meer und vom mazedonischen Gebirge gegen Griechenland vor- 
stoßend. In England blieb ihr, nachdem diese Insel einmal vom 
Festland abgeschnitten war, keine andere Wahl, als sich dem 
Wechsel der Gehölzformation anzupassen oder sich — wie die 
Haubenmeise — mit dem Nadelwald ins Gebirge Schottlands 
zurückzuziehen. So wurde sie hier zum Charaktervogel der Laub- 
wälder, Parks und Gärten. 



' ' I Streseniann : Gefiederwandlungen der Vögel. 75 



1915 



Beiträge zur Kenntnis der Gefiederwandlungen der 

Vögel. I. 

Von 

Erwin Stresemann. 

1. Die Terminologie der Gfefiederwandluiigeii. 

Wenn auch, besonders infolge der exakten Untersncliimgen 
0. Heinroth's^), die Kenntnis der Maiiserverhältnisse unserer 
europäischen Vögel sich in Deutschland auszubreiten und zu ver- 
vollkommnen beginnt, so fehlt es doch noch ganz an einer ein- 
heitlichen und bezeichnenden Terminologie. 

Die zweideutigen, oft sogar nichtssagenden Ausdrücke wie 
iuv., immat., ad. werden zwar in der Literatur bereits allmählich 
durch präzisere, wie Frühjahrskleid, Herbstkleid, 1. und 2. Jugend- 
kleid, ersetzt, aber auch damit können wir nur einen Teil der uns 
entgegentretenden Grefiederstadien belegen. 

Die Ornithologen in den Vereinigten Staaten haben einen 
großen Vorsprung vor uns gewonnen, seitdem die bahnbrechenden 
Mauserstudien Jonathan Dwight's bei ihnen allgemeine Be- 
achtung gefunden haben und seine Vorschläge zur Terminologie 
von den führenden Systematikern angenommen wurden. 

Einer großen Arbeit, die der Mauser der Passeres des Staates 
New York gewidmet ist^), ließ Dwight bald darauf eine kurze 
Abhandlung folgen, in der er sich vornehmlich mit der Termino- 
logie der Geflederstadien und der Mausern befaßt^). Seine früheren 
Vorschläge werden darin einer Revision unterzogen und wesent- 
lich verbessert. 



^) Vgl. die zusammenfassendeu Schriften dieses Autors: „Über den Verlauf 
der Schwingen- und Schwanzmauser der Vögel." Sitz. -Ber. Gesellsch. 
Naturf. Freunde Berlin 1898 p. 95 — 118; „Beziehungen von Jahreszeit, Alter 
und Geschlecht zum Federwechsel." J. f. O. 1917, II, p. 81—95. 

^) J. Dwight, The sequence of plumages and moults of the passerine 
birds of New York. Ann. New York Ac. Sei. XIII, 1900, p. 73—360. 

') J. Dwight, Plumage-cyclea and the relation between plumages and 
moults. Auk XI, 1902, p. 248 — 255; ders. , Sequence in moults and plumages, 
with an explanation of plumage-cycles. Proc. Fourth Intern. Ornith. 
Congress (Ornis XIV) 1907, p. 513-518. 



76 



Stresemann: Gefiederwandlungen der "Vögel. 



[Verh. Orn. 
Ges. Bay. 



Noch bevor ich diese beiden Arbeiten kannte, bin ich zu ganz 
übereinstimmenden Ansichten über die Wege zur Eeform unserer 
Ausdrucksweise gekommen. Ein wesentlicher Grundsatz ist da- 
bei der, daß wir uns ganz davon frei machen müssen, Mauser und 
Kleid nach den Jahreszeiten zu benennen, weil Namen wie Früh- 
jahrskleid, Herbstkleid, Sommermauser, Wintermauser nur auf 
die Verhältnisse in der gemäßigten und kalten Zone und selbst 
auf diese nicht immer anwendbar sind. Ausschlaggebend für die 
Bezeichnung darf allein das Verhältnis des Kleides und der Mauser 
zum Alter des Vogels und zu seiner Brutzeit, d. h. zum Zustand 
der Keimdrüsen, sein. 

Diesen Grundsätzen werden die folgenden Ausdrücke gerecht: 



Deutsch 


Englisch (nach Dwight) 


Dunenkleid 


natal 


Dunenmauser 


Postnatal moult 


Jugendkleid^) 


juvenal 


Jugendmauser 


Postjuvenal moult 


a) wenn diese eine völlige ist 


a) if complete 


(=; Vollmauser) 




I. (einheitliches) Jahr es - 


Ist Annual or simple ju- 


kleid^) 


veno-annual 


I. (einh.) Ruhekleid») 


Ist Non-nuptial or sim- 




ple juveno-non-nup- 




tial 


b) wenn diese eine teilweise ist 


b) if partial 


(= Teilmauser) 




I. (kombiniertes) Jahres - 


Ist Annual or Compound 


kleid 


juveno-annual 


I. (komb.) Ruhekleid 


Ist Non-nuptial or Com- 




pound juveno-non- 




nuptial 



') Obwohl dieser Ausdruck viel mißbraucht und oft auch auf das I. Ruhe- 
kleid, I. Brutkleid oder I. Jahreskleid angewendet worden ist, verdient er doch 
den Vorzug vor der von mir bisher gebrauchten Bezeichnung Nestkleid, da 
manche Vögel bereits im Dunenkleid das Nest verlassen. 

^) Jahreskleid ist das Kleid, welches ein volles Jahr oder doch an- 
nähernd so lange getragen wird, also sowohl während der Ruhe- wie der aktiven 
Zeit der Keimdrüsen. Nach seinem Abniitzungszustand wird man von frischem 
und abgeriebenem Jahreskleid sprechen. 

') Ruhekleid ist das Kleid, das angelegt wird, wenn die Keimdrüsen 
sich im Zustand der Ruhe befinden, und nur so lange getragen wird, als dieser 
Zustand andaueit, also etwa ein halbes Jahr. 



XIV 

1919 



.1.-1 

9 J 



St.resemann: Gefiederwandlungen der Vögel. 77 

Deutsch I Englisch (nach Dwight) 



[c) bei Lagopus folgt auf das 
Jugendkleid durchVollmauser 
ein Jugend-Schutz- 
kleid und auf dieses durch 
eine Schutxmauser ein kom- 
biniertes Ruhekleid] 

I. Brutmauser 

a) wenn diese eine Vollmauser 
ist 

I. (einh.) Brutkleid i) 

b) wenn diese eine Teilmauser 
ist 

I. (komb.) Brutkleid. 

I. Jahresmauser bezw. I. Ruhe- 
mauser ^) 
IL Jahreskleid oder 
Jahreskleid des ad. 
[Einige Anatiden legen 
ein besonderes (Alters-) 
Schutzkleid an und 
erhalten durch Schutz- 
mauser ein kombin. 
Jahreskleid] 
II. Ruhekleid oderRuhe- 
kleid des ad. 
II. Brutmauser 

a) wenn diese eine Vollmauser 
ist 



Ist Protective or juveno- 
tutelar 
Posttutelar moiilt 

Preiiuptial moult 

a) if complete 

Ist Nuptial or simple ju- 
veno-nuptial 

b) if partial 

1 st Nuptial or Compound 
juveno-nuptial 
Postmqjtial moult 

2d or adult Annual or 
simple annuo-nup- 
tial 
2d or adult protective or 
tutelar^) 
Posttutelar moult 



2d or adult Non-nuptial 

Prenuptial moult 
a) if complete 



^) Brutkleid ist das Kleid, das nur während der aktiven Periode der 
Keimdrüsen getragen wird. Wird im Verlauf der Phylogenese die Brutmauser 
unterdrückt, so ergibt Ruhekleid -f- Brutkleid das Jahreskleid. Dem ßrutkleid 
geht in der Kegel ein Euhekleid voraus; nur Coracias garrulus und Merops 
apiaster machen eine Ausnahme, indem hier das Jugendkleid unmittelbar vom 
I. (einh.) Brutkleid gefolgt wird, also keine Brutmauser eingeschaltet ist. 

*) Diese Mauser wird als Euhemauser bezeichnet, wenn sie zur Anlage 
des Buhekleides, als Jahresmauser dagegen, wenn sie zur Anlage des Jahrea- 
kleides führt. Die Euhemauser ist fast stets eine völlige, bei Merops apiaster 
jedoch eine Teilmauser; die Jahresmauser ist stets eine Vollmauser. 

') Dies ist das Kleid, das von britischen Autoren als „Eclipse"-Kleid be- 
zeichnet wird. 



78 



Stresemann: Gefiederwandlungen der Vögel. I ^ ',^ ' 

L Ges. Bay. 



Deutsch 



Englisch (nach Dwight) 



II. (einh.) Brutkleid oder 
(einh.) Brutkleid des 
ad. 
b) wenn diese eine Teilmauser 
ist 
II. (komb.) Brutkleid oder 
(komb.) Brutkleid des 
ad. 



2d or simple adultNup- 
tial 

b) if partial 

2d or Compound adult 
Nuptial 



Beispiele der Gefiederfolge: 

Emberixa calandra: Dunenkleid, Jugendkleid, I. und IL einh. 
Jahreskleid. 

Oenanthe hispanica: Dunenkleid, Jugendkleid, I. komb. Jahres- 
kleid, IL einh. Jahreskleid. 

Lanius collurio: Dunenkleid, Jugendkleid, I. komb. Ruhekleid, 
I. einh. Brutkleid, IL einh. Jahreskleid. 

Ficedula alhicollis: Dunenkleid, Jugendkleid, I. komb. Ruhekleid, 
L komb. Brutkleid, IL einh. Ruhekleid, IL komb. Brutkleid. 

Merops apiaster: Dunenkleid, Jugendkleid, I. einh. Brutkleid, 
I. komb. Ruhekleid, IL einh. Brutkleid, IL komb. Ruhekleid. 

Coracias garrulus: Dunenkleid, Jugendkleid, I. einh. Brutkleid, 
L einh. Ruhekleid, IL einh. Brutkleid, 11. einh. Ruhekleid. 

Calidris alba: Dunenkleid, Jugendkleid, I. komb. Ruhekleid, I. einh. 
Brutkleid, IL einh. Ruhekleid, IL komb. Brutkleid. 

Lagopus lagopus: Dunenkleid, Jugendkleid, einh. Jugend-Schutz- 
kleid, I. komb. Ruhekleid, I. komb. Brutkleid, einh. Alters- 
Schutzkleid, IL komb. Ruhekleid, IL komb. Brutkleid. 

Anas platyrhynchos cT; Dunenkleid, Jugendkleid, I. komb. Jahres- 
kleid, einh. Alters-Schutzkleid, IL komb. Jahreskleid. 





Abkürzungen. 




Dunenkleid 


D.K. 


Dunenmauser 


D.M. 


Jugend kleid 


Ju.K. 


Jugendmauser 


Ju.M. 


(L) Jahreskleid 


(I.)Ja.K. 


Jahresmauser 


Ja.M. 


(I.) Ruhekleid 


(I.)R.K. 


Ruhemauser 


R.M. 


(I.) Brutkleid 


(I.)B.K. 


Brutmauser 


B.M. 


Schutzkleid 


Sch.K. 


Schutzmauser 


Sch.M 



2. Die doppelte Mauser von JEmheriza nielanocephala Scop. 

In der Literatur wird allgemein angegeben, daß der Kappen- 
ammer jährlich nur einmal mausere. Selbst With erb y, dem wir 
so viele überraschende Entdeckungen auf dem Gebiet des Gefieder- 



' 'I Stresemnnn : Gefiederwaiidlungen der Vögel. 79 

1919 J 6 »5 

wechseis verdanken, gibt an „No nioult in spring-. Abrasion in 
tlie male makes tlie liead entirely black" ^), und Hartert erklärt 
mit großer Bestimmtheit: „Der Verfall des Gefieders ist bei dieser 
Art sehr auffallend, von Doppelmauser keine Rede"^). 

Fünf mir vorliegende Mauserbälge, von Prof. Müller im Juli 
in Mazedonien gesammelt, widerlegen jedoch diese Ansicht. Es 
sind <Sd, welche beginnen, das Brutkleid gegen das Ruhekleid zu 
vertauschen. Sie erhalten ein Aussehen, das sie den $$ sehr 
ähnlich macht. Die Federn der im Brutkleid schwarzen Kappe 
werden durch bräunlich sandfarbene mit schmalem schwarzem 
Schaftstreif, die Federn des im Brutkleid kastanienbraunen Rückens 
durch düster bräunliche mit schwarzem Schaftstreif, die Federn 
der im Brutkleid schwarzen Ohrdecken durch einfarbig braune 
ersetzt; die frische Befiederung des Kinnes und der Kehle ist 
nicht hochgelb, sondern weißlich mit gelber Basis. 

Es liegt mir kein cf vor, das diesen Gefiederwechsel auch 
nur zur Hälfte vollendet hätte. Die Art scheint ihre Brutgebiete 
zu verlassen, sobald die Ruhemauser beginnt, am dieselbe erst im 
Winterquartier zu beenden (nach Analogie von Lanius collurio). 
Vermutlich werden dort die cfcf im Ruhekleid (wie bei Saxicola 
ruhetra und Äiithoscopus pendulinus) für $5 oder „Junge" ge- 
halten, sind aber von ersteren an der bedeutenderen Größe (Flügel 
beim cf über 90 mm, beim $ unter 90 mm) mit Gewißheit zu 
unterscheiden, 

Die Brutmauser — im Gegensatz zur Ruhemauser keine Voll- 
mauser, sondern eine Teilmauser, in diesem Falle ein Gefleder- 
wechsel, der sich nicht auf die Steuerfedern und Hand- sowie 
äußeren Armschwingen mit ihren Deckfedern erstreckt — dürfte 
im Februar und März stattfinden. Aprilvögel aus Balutschistan 
tragen bereits das Brutkleid. Die in Europa Anfang Mai ein- 
treffenden Stücke zeichnen sich oft durch tadellos frischen Gefieder- 
zustand aus. Alle Federn der schwarzen Kappe, alle rostfarbenen 
Federn des Rückens haben unverletzte blaß grauliche oder bräun- 
liche Säume. Diese hellen Säume werden im Laufe der Brutzeit 
völlig abgerieben. 

Nicht selten sind Hemmungskleider. cfcT, welche ein 
solches Hemmungskleid tragen, erhielten bei der Brutmauser nicht 
einfarbig rostbraune, grau gesäumte Rückenfedern, sondern jede 
derselben ist mit einem schmalen schwärzlichen Schaftstrich ge- 
zeichnet. Ihr Kleid ist also auf einer tieferen Stufe der Skala 
phyletischer Entwicklung stehen geblieben als das der normal ge- 



1) H, F. Witherby, The moults of the British Passeres, Part III; British 
Bilds IX, p. 241 (1916). 

*) E. Hartert, Die Vögel der paläarktischen Fauna p. 171 (1904). 



80 Stresemann : Gefiederwandluneen der Vögel. 1 • i • 

^^' L Ges. Bay. 

färbten cfcT und dem weiblichen Kleid bezw. dem männlichen 
Ruhekleid ähnlicher geblieben. Derartige Hemmungskleider kommen 
bei sehr vielen Vogelarten vor; sie werden gewöhnlich als Charakte- 
ristikum jüngerer Vögel angesehen, doch ist ihr Auftreten vom 
Alter des Vogels ganz unabhängig und dürfte nur mit mangelhafter 
innerer Sekretion der Keimdrüsen in Zusammenhang stehen. 

Der Kappenammer ist der einzige mir bekannte europäische 
Ammer, der eine doppelte Mauser (Ruhe- und Brutmauser) durch- 
macht^). Bekanntlich verhalten sich nahe verwandte Arten hin- 
sichtlich der Mauser oft verschieden. So mausern der Mittelmeer- 
steinschmätzer, Oena?ithe hispanica, und der Schwarzkehlige 
Wiesenschmätzer, Saxicola torquata rubicola, nur einmal, dagegen 
der Graue Steinschmätzer, Oenantke oenanthe, und der Braun- 
kehlige Wiesenschmätzer, Saxicola rubetra, zweimal im Jahre, und 
von allen europäischen Meisen ist die Beutelmeise, Anthoscopus 
pendulinus, die einzige, welche eine doppelte Mauser durchmacht. 

3. Die Jugendmauser von Orioltis oriolus, 

Witherby schreibt dem Pirol eine teilweise Jugendmauser 
zu: „The juvenile body-plumage is moulted in the first autumn, 
but not the tail, wings or wing-coverts"^). Übereinstimmend 
stellt Heinroth den Pirol zu denjenigen Arten, die in der Jugend 
eine Teilmauser, keine Vollmauser durchmachen^). 

Legt man die im Frühjahr aus der afrikanischen Winter- 
herberge zurückkehrenden d'cT und $$ neben die im Jugendkleid 
befindlichen Sommervögel, so gewahrt man jedoch einen auffälligen 
Unterschied in der Färbung und Zeichnung der Handschwingen, 
Handdecken und Steuerfedern, der nicht durch Abnützung erklärt 
werden kann. 

Handschwingen, Handdecken und Steuerfedern besitzen beim 
5 im Jahreskleid große Ähnlichkeit mit denen im Jugendkleid; 
doch ist die Variation in der Ausdehnung des (gelblichen oder 
weißlichen) Spitzenfleckes der Hand decken eine andere. Dieser 
neigt im weiblichen Jahreskleid zu größerer Breite. Es läßt sich 
indessen nichts gegen die Annahme ins Feld führen, daß die das 
Jahreskleid tragenden 5$ mit schmalen Spitzensäumen eben die 
einjährigen im kombinierten Kleid sind und die größere Breite 
dieser Zeichnung ein Kennzeichen der älteren Vögel ist. 



') Anscheinend wechselt auch der Weidenammer, E. aureola, und vielleicht 
noch der Rostkopfammer, E. icterica (= luteola auct.), sein Kleingefieder zweimal 
im Jahr und sieht im Ruhekleid ganz anders aus als im Brutkleid. 

«) H. F. Witherby, British Birds IX, p. 151 (1915). 

») 0. Heinroth, J. f. O. 1917, II, p. 94. 



' ' I Stresemann: Gefiederwandlungen der Vogel. 8i 

Anders steht es bei den cTcT im Jalireskleid. Diese besitzen 
stets mehr oder weniger schwarze (nicht matt braunschwarze) 
Handschwing-en, die gelblichen Spitzen der Handdecken 
sind stets viel breiter als im Jugendkleid, alle Steuer- 
federn sind tiefschwarz gezeichnet (wobei die Ausdehnung des 
Schwarz gegenüber dem Gelb vom innersten Paar nach dem 
äußersten zu abnimmt), während diese Zeichnung im Jugendkleid 
als ein dunkles Olivgelb oder schwärzliches Oliv auftritt. 

Man findet kein cT im Jahreskleid, das die Flügel und 
Steuerfedern des Jugendkleides trüge. 

Die notwendige Folgerung aus dieser Tatsache ist die, daß 
die Jugendmauser bei 0?'iolus oriolus eine völlige ist und 
dieser Vogel sich hinsichtlich der Mauser ebenso verhält wie 
St'urnus vulgaris und Pastor roseus. 

Die Gefiederfolge beim Pirol ist also: Dunenkleid, Jugend- 
kleid, I. einh. Jahreskleid, II. einh. Jahreskleid etc. 

Die Jahresmauser beginnt Ende Juli, vollzieht sich jedoch 
wie die Jugendmauser größtenteils erst in den Winterquartieren. 

Die individuelle Variation dürfte sich in allen Jahreskleidern 
innerhalb der gleichen Grenzen halten, so daß es nicht möglich 
ist, nach der Jugendmauser ältere Vögel von jüngeren zu unter- 
scheiden. Mangelhafte Produktion von Hormonen der Keimdrüsen 
zur Zeit der Jahresmauser scheint die Ursache der bei dieser Art 
nicht seltenen Hemmungskleider zu sein, in welchen dann die 
cTcf den $$, die $$ den c^cf ähnlicher sind als normal gefärbte 
Stücke. 



82 Sachtleben: Wasserschmätzer. I ^^ • um. 

L Gres. Bay. 



Zur Kenntnis der Wasserschmätzer. 

Von 

H. Sachtleben (München). 

I. Die l)ayerischen Wasserschmätzer. 

Anläßlich der Bearbeitung der großen mazedonischen Vogel- 
sammluDg durch E. Stresemann^) waren in der Mtinchener Zoolo- 
gischen Sammlung aus eigenem Material und durch Leihgaben 
auswärtiger Museen eine sehr große Anzahl Wasserschmätzer ver- 
sammelt, so daß der Zeitpunkt günstig erschien, die Formzugehörig- 
keit der bayerischen Wasseramseln zu prüfen. Bei dieser Unter- 
suchung ergab sich, daß, wie schon im „Nomenciator der Vögel 
Bayerns" ^) angegeben wurde, in der Tat im rechtsrheinischen 
Bayern zwei Formen des Wasserschmätzers vorkommen, nämlich: 

1. Cinclus cinclus medius Brehm. 

Cinclus w?ec?ms Brehm, Handb. Naturg. Vögel Deutschi. 1831, 
p. 395 (Thüringer Wald). 

Diese Form unterscheidet sich von dem nordischen Cinclus 
cinclus cinclus (L.), der innerhalb Deutschlands nur in Ostpreußen 
brütet^), durch rötlicher schokoladebraunen Oberkopf und Nacken, 
durch das Auftreten der rötlich-zimtbraunen Färbung auf dem 
an das weiße Brustfeld angrenzenden Teil der Unterseite, sowie 
durch etwas helleren Rücken, da bei ihr die Säume der schiefer- 
grauen Federn bräunlich-schwarz und nicht so tiefschwarz wie 
bei Cinclus c. cinclus sind, G. c. medius steht nicht nur geogra- 
phisch, sondern auch in seiner Färbung zwischen Cinclus c. cinclus 
und meridionalis, der weiter unten charakterisiert werden soll, 
in der Mitte. Von den untersuchten Exemplaren gehörten zu 
C. c. ?nedius: 



') Vgl. Cinclus cinclus orientalis Stresemann, Anz. Orn. Ges. Bay. Nr. 1, 
1919, p. 4. 

^) C. E. Hellraayr und A. Laubmann, Nomenciator der Vögel Bayerns. 
München 1916, p. 14 

^) Die hier in Frage kommenden Formen von Cinclus cinclus unterscheiden 
Bich nicht in den Maßen, wie aus den folgenden Tabellen ersichtlich ist. Auch 
C. c. cinclus (L.) scheint hierin keine Ausnahme zu machen: 8 Vögel aus 
Njuonjes bei Nockmock, Lappland, messen: 4 (^(^ a. 86, 95.5, 95.5, 97; r. 21, 
21, 21, 21. 4 $5: a. 85, 86, 86, 87,5; r. 19, 19.8, 20, 20. 2 $$ aus Göteborg, 
Schweden: a. 87, 93; r. 21.5, 22 mm. 



XIV, 1, 
1919 




Sachtleben : Wasserschmätzer. 




83 


Museum und 

Nr. 


.'S 

Ol <o 

ü 

CD 


Fundort 


Datum 


Sammler 




w 


Mus. Frank- 
furt 


? 


Wilhelmshausen 
a. d. Fulda 


8. X. 1890 


Graf Berlepsch 


87 


19.9 


Mus. Frank- J 
fürt 


Fahren bach bei 

Witzenhausen, 

Kurhessen 


25. III. 1878 


Graf Berlepsch 


96 


20 


Mus. Mün- 
chen 04. 1792 


9 


An der Werra bei 
Münden, Han- 
nover 


14. II. 1883 


Graf Berlepsch 


85.5 


20 


Mus. Frank- 
furt 


? 


Hann. -Münden, 
Hannover 


22. II. 1883 


Graf Berlepsch 


85.5" 


20 


Mus, Frank- 
furt 

Mus. Frank- 
furt 

Mus. Mün- 
chen 17.2969 


d 
? 


SoUiug. Braun- 
schweig 
Kaierde bei 
Kreiensen, 
Braunschweig 
Haxz 


26. IV. 1889 
3. IL 1891 


de NeufviUe 


93.8 
92 

94 


20.8 
21 

21.8 


Mus. Frank- 
furt 102 


ö 


Niederwerbe, 
Waldeck 


4. IX. 1913 


Haas & 
Schwarz 


95.5 


19.9 


Mus. Dresden 
16 330 




Spechtritz, 
Sachsen 


25. X. 1898 


Geisler 


92 


19.8 


Mus. Dresden 
16331 




Spechtritz 


25. X. 1898 


Geisler 


84.2 


20.8 


Mus, Dresden 
16332 




Spechtritz 


25. X. 1898 


Geisler 


91.2 


22 


Mus. Dresden 
16 333 




Spechtritz 


25. X. 1898 


Geisler 


91.5 


22 


Mus. Dresden 
18426 


6 


Niederbobritzsch 
bei Freiberg, 


8. V. 1900 


Forstak. 
Tharandt 


89 


21.8 


Mus. Dresden 
18425 


? 


Sachsen 
Niederbobritzsch 


8. V. 1900 


Forstak. 
Tharandt 


87 


20.8 


Mus. Dresden 
20075 


d 


Hohnstein, 
Sachs. Schweiz 


14. XI. 1903 


Hantzsch 


86 


22 


Mus. Dresden 
20073 


d 


Hohnstein 


14. XI. 1903 


Hantzsch 


96 


22 


Mus. Dresden 
20074 


? 


Zöblitz, Sachsen 


21. I. 1907 


Hantzsch 


86 


21.6 


Mus Dresden 

20078 


? 


Thalmühlenbach 

bei Tharandt, 

Sachsen 


31. X. 1903 


Hantzsch 


92.5 


20.2 


Mus. Frank- 
furt 




Görbersdorf, 
Eiesengebirge 


4. I. 1890 


Floericke 


82.5 


20.8 


') Alle ^ 


laße 


sind in Millimetern angegeben. 





84 



Sachtleben : Wasserschmätzer. 



tVerh. Orn. 
Ges. Bay. 



Beim Vergleich dieser Exemplare mit den bayerischen Wasser- 
amseln ergab sich sofort, daß die Vögel aus dem Maingebiet, 
Unterfranken, zu C. c. medius gehören; und zwar gleichen sie 
außerordentlich den sächsischen Stücken, die mit dem sehr wenig 
ausgedehnten Rotbrauu auf dem sehr dunklen Bauch das dunkelste 
Extrem von C. c. medius darstellten. Es waren dies folgende 
Vögel aus Unterfranken, alle im Besitz von Herrn Dr. Stadler. 
Lohr am Main, und von ihm selbst gesammelt: 



Ge- 
schlecht 


Fundort 


Datum 


Flügel- 
länge 


Schnabel- 
länge 


6 


Erlach bei Lohr a. Main 


21. X. 1908 


93 


21.8 


6 


Erlach 


4. VI. 1910 


87 


21.2 




Erlach 


Mitte XL 1910 


90 


20.2 




Lohr am Main 


10. IX. 1910 


84 


20.5 




Lohr 


1908 


82 


20.5 




Lichtenau bei Lohr 


1908 


90 


22.2 




Partenstein bei Lohr 


10. IV. 1910 


86 


20 



2. Cinclus cinclus meridionalis Brehm. 

Cinclus meridionalis Brehm, Naumannia, VI. 1856, p. 186. 
(Kärnten.) 

Diese Form kennzeichnet sich gegenüber der vorigen (und damit 
auch natürlich gegenüber C. c. cinclus) durch viel fahleren, mehr 
graulichen Oberkopf und Nacken und ausgedehnteres und leb- 
hafteres Rostbraun des Bauches. Nach Fundort (Brehm be- 
schrieb ja seinen C. c. meridionalis aus Kärnten) und Färbung ge- 
hören hierher: 



Museum und 

Nr. 


■ u 

^1 


Fundort 


Datum 


Sammler 




Schnabel- 
länge 


Mus. Mün- 


rC 


Hallein bei Salz- 


30. X. 1896 


Tschusi 


84.5 


21.2 


chen 17. 2985 




burg 










Mus. Mün- 


rf 


Hallein 


11. XL 1906 


Tschusi 


88 


21.8 


chen 17.2984 














Mus. Mün- 


r{ 


Hallein 


8. XII. 1896 


Tschusi 


98.5 


22.1 


chen 17. 2983 














Mus. Mün- 


9 


Hallein 


18. XII. 1896 


Tschusi 


87 


21.8 


chen 17. 2986 














Mus. Mün- 




Hallein 


18. XI. 1906 


Tschusi 


85.2 


21.2 


chen 17. 2987 















XIV, 1, 
1919 



Sachtleben : Wasserschmätzer. 



85 



Museum und 

Nr. 


■ 'S 


Fundort 


Datum 


Sammler 




a q 

02 


Mus. Mün- 
chen 17.2981 


? 


Matrei am Bren- 
ner 


31. I. 1909 


Tratz 


84 


19.8 


Mus. Müu- 
chen 17.2982 


9 


Matrei 


25. XII. 1908 


Tratz 


84 


19.2 


Mus. Mün- 
chen 17. 2979 


6 


Wels, Ober- | 2. III. 1911 
Österreich 


Watzinger 


91.5 


20.8 


Mus. Mün- 
chen 17. 2980 


? 


Almtal, Ober- 
Österreich 


18. IV. 1911 


Tratz 


84.5 


20.9 


Mus. Mün- 
chen 15. 74 




Schweiz 




ex Schlüter 


92 


19.8 


Mus. Mün- 
chen 17.2990 




Italien 


1. IL 1891 




83 


22 



Wie nicht anders zu erwarten, zeigte sich beim Vergleich der 
oberbayerischen Wasseramseln mit obigen Stücken, daß auch sie 
Angehörige der südlichen Form sind: 



Museum und 

Nr. 


:3 

ii 


Fundort j Datum 


Sammler 


'öS « 
Sil 


13 
a 2 


Mus. Mün- 
chen 17. 2388 


6 


Hohenbrunn bei 
München 


5. XL 1917 


Baumgaxtner 


87 


20 


Mus. Mün- 
chen 13. 532 


d 


Aacholding, Ob.- 
Bayern 


9. IX. 1913 


Poland 


92.5 


20.8 


Mus. Mün- 
chen 17. 2335 


6 


Ascholding 


14. X. 1917 


Lankes 


96 


19.2 


Mus. Mün- 
chen 17.2336 


6 


Ascholding 


25. X. 1917 


Lankes 


91.8 


20.9 


Mus. Mün- 
chen 11. 1387 

Mus. Mün- 
chen 11. 1388 


6 
? 


Grafenaschau bei 
Murnau, Ob.- 

Bayern 
Grafenaschau 


26. VI. 1911 

28. Vi. 1911 


Hartmann 
Hartmann 


99 

84 


21 
20.8 


Mus. Mün- 
chen 10. 1059 


6 


Grafenaschau 


27.VIIL1910 


Hartmann 


JabreB- 
mauser 


20.9 


Mus. Mün- 
chen 11. 2 

Mus. Mün- 
chen 10. 48 


6 
? 


Schleching bei 

Traunstein, Ob.- 

Bayern 

Salzberg bei 

Berchtesgaden, 

Ob. -Bayern 


19. I. 1911 
23. II. 1910 


Kolbinger 
Richstein 


84 
82 


20.2 
20.8 



86 



Sachtleben : Wasserschmätzer. 



[Verh. Om. 
Ges. Bay. 



Nun erbob sich aber die Frage, zu welcher Form gehören 
die Vögel des Bayerischen Waldes, zum mitteldeutschen medins 
oder Zur südlichen Alpenform meridionalis? Auch diese Frage 
konnte an Hand dreier Exemplare: 



Museum und 

Nr. 


.'S 


Fundort 


Datum 


Sammler 


"S 05 


= .2 


Mus. Frank- 


$ 


Riedlhütte Bez.- 


6. X. 1905 


Parrot 


82.5 


20.8 


furt 




A Grafen au, 
Bayr Wald 










Mus. Mün- 


? 


Gebrechtsmühle, 


29. III. 1916 


Heibig 


87 


20.5 


chen 16368 




Post Untergries- 

bach bei Passau, 

Bayr. Wald 










Mus. Mün- 


? 


Rachelstock im 


24. T. 1903 


Schlegel 


85 


21 


chen 17. 2973 




Böhmerwald, 
Nieder-Bayern 











beantwortet werden : zu C. c. meridionalis. Diese vielleicht auf 
den ersten Blick überraschende Tatsache wird aber durch die 
Verwandtschaft erklärt, die zwischen der Avifauna des Bayerischen 
Waldes und der der Alpen besteht, und die schon aus dem Vor- 
kommen des Tannenhähers, der Ringdrossel und des Dreizehen- 
spechtes in beiden Gebieten erhellt. 

Wir haben somit im rechtsrheinischen Bayern zwei Formen 
des Wasserschmätzers: 

Oinclus cinclus medius Brehm im Maingebiet: Unterfranken 

und 

Cinclus cinclus meridionalis Brehm in Oberbayern und Nieder- 
bayern: Bayerischer Wald. 

Welche Form jedoch die übrigen rechtsrheinischen Regierungs- 
bezirke bewohnt, muß leider aus Mangel an Material noch unsicher 
bleiben. Ohne Zweifel dürfte sich wohl im Reg.-Bez. Schwaben 
sowie im westlichen Teil der Oberpfalz C. c. meridionalis finden. 
Interessant wäre es jedoch zu untersuchen, welche Cinclus-Form 
in Mittel- und Oberfranken vorkommt. Besonders erwünscht wären 
Vögel aus dem Fichtelgebirge, das ja eine Verbindung zwischen 
dem Böhmisch-Bayerischen Wald (mit C. c. meridionalis) und dem 
Thüringer Wald (mit C. c. medius) bildet. 

Was nun die linksrheinische Pfalz anlangt, konnten leider 
von dort keine Wasserschmätzer untersucht werden. Doch scheint 
mir auch ihre Zugehörigkeit durch die Vögel von Lohr bestimmt 
zu sein. Denn nach allem was wir bisher über die Avifauna 
Bayerns wissen, gehört das unterfränkische Maingebiet avifau- 



' ' I Sachtleben: WasBerschmätzer. 87 

1919 J °* 

nistiscb mit dem Rheingebiet und damit aucli der Rbeinpfalz zu- 
sammen, so daß wohl auch dort C. c. medius vorkommen dürfte. 
Der aus dem Rheing-ebiet von Kleinschniidt & Hilpert beschrie- 
bene Cinclus cinclus tsckusii^) wird sich wohl kaum aufrechterhalten 
lassen. Wie aus der Beschreibung hervorgeht, lagen den Autoren 
dieser F'orm (keine, bezw. nur wenige mitteldeutsche Vögel, son- 
dern hauptsächlich Angehörige von C. c. meridionalis wurden zum 
Vergleich herangezogen) besonders dunkle Exemplare von C. c. 
medius vor. Auch unter den von mir untersuchten Stücken waren 
gerade die aus dem Maingebiet sehr dunkel, glichen aber voll- 
ständig den Vögeln aus Sachsen, und daß dort 0. c. tschusii vor- 
kommen sollte, dürfte wohl niemand behaupten. 

II. Das erste Jahreskleid des TTasserschmätzers. 

Im Anschluß an die vorigen Ausführungen seien noch einige 
Worte der Gefiederfolge des Wasserschmätzers gewidmet; scheint 
mir doch das 1. kombinierte Jahreskleid desselben bisher nicht 
beschrieben gewesen zu sein. 

Nach dem schieferfarbenen Dunenkleid ^) erhält noch im Nest 
(wie bei allen Passeriformes) die junge Wasseramsel das Jugend- 
kleid, das schon recht gut von Naumann^) und anderen beschrieben 
wurde. Dieses trägt sie einige Monate, bis im Herbst des ersten 
Lebensjahres die Jugendmauser eintritt. Dieselbe ist eine partielle, 
das erste Jahreskleid daher ein kombiniertes. Vermausert wird 
lediglich das Kleingefieder; dagegen werden vom Jugendkleid er- 
halten und mit in das erste Jahreskleid hinübergenommen: 
Steuerfedern und Schwungfedern (einschließlich der Handdecken 
und der sämtlichen großen Flügeldecken). Da diese Teile im 
Jugendkleid im allgemeinen schon dieselbe Färbung aufweisen 
wie im Alterskleid, so haben junge Wasseraraseln im ersten kombi- 
nierten Jahreskleid ganz das Aussehen wie ältere Vögel. Mit einer 
Besonderheit jedoch, und an ihr sind sofort Vögel im ersten Jahres- 
kleid zu erkennen: Die großen Flügeldeckfedern tragen 
nämlich im Jugendkleid weiße Spitzensäume; und da sie 
bei der Jugendmauser nicht gewechselt werden, zeigen sie 
auch noch im ersten Jahreskleid deutlich diese Ab- 
zeichen. Allerdings werden sie wie alle derartigen Säume mit 
der fortschreitenden Jahreszeit durch Abnutzung immer kleiner 
(im März sind sie stets noch an einigen der großen Flügeldeck- 



Falco, III. 1907, p. 104 

*) In der Bezeichnung der Gefieder- und Mauserstadien folge ich den 
ausgezeichneten Vorschlägen Stresemann's in diesem Heft. 

») Naturgesch. Vögel Deutschi. HI. 1823, p. 928. — Neue Ausgabe: II. 
1897, p. 209. 



88 Sachtleben: Wassei-schmätzer. fVerh. Orn. 

L Ges. Bay. 

federn, wenn auch schmaler als im Herbst zu sehen) und ver- 
schwinden zum Sommer hin ganz, so daß sich dann der Vogel im 
ersten Jahreskleid nicht mehr von einem alten unterscheiden läßt. 

Auf diese Besonderheit des ersten Jahreskleides wurde ich zuerst 
aufmerksam bei einem Exemplar von C. c. orientalis Stres.: Mus. 
BVankfurt (Coli. Erlanger 5199), c^. Herzegowina, 3. III. 1898, 
das bei der Jugendmauser offenbar das Kleingefleder nicht völlig 
gewechselt hatte, sondern noch auf dem Bauch einen ausgedehnten 
weißen Streifen zeigte, der vom Jugendkleid übrig geblieben war, 
so daß hier ohne Zweifel ein Vogel im ersten Jahreskleid vorlag. 
Derselbe zeigte auf den großen Flügeldecken einen, wenn auch 
schwachen und stark abgeriebenen (März!) weißen Saum. Als ich 
nun daraufhin die großen Serien der Münchener Sammlung durch- 
musterte, konnte ich eine große Anzahl von Vögeln sowohl in der 
Jugendraauser als auch nach Abschluß derselben (also im ersten 
kombinierten Jahreskleid) feststellen, die alle den weißen Saum 
der großen Flügeldecken zeigten (natürlich je nach der Jahreszeit 
und dem Grad der Abreibung mehr oder weniger deutlich), und zwar 
nicht nur Exemplare von Oinclus c. cinclus^ sondern auch von allen 
anderen mir vorliegenden Formen: Cinclus c. medius, rneridionalis, 
sapsworihij orientalis, eaucasicus und leucogaster. 

Dagegen finden sich die weißen Spitzensäume der Hand- 
und besonders der Armschwingen und die des Daumenflügels (bei 
letzterem sowie an den Handdecken sind sie öfters statt dessen 
fahl bräunlich-grau) sowohl im Jugendkleid wie im ersten und 
den späteren Jahreskleidern, stehen also in keiner Beziehung zum 
Alter, ihre mehr oder weniger große Ausbildung ist lediglich 
individuell und natürlich auch je nach der Jahreszeit verschieden. 



' ' I Hot'fmann : Vogellebeu im hintei'{X>miu. Küstengebiet. 89 



1919 



Vom Vogelleben im hinterpommerschen Küstengebiet 
nebst einem Vergleich mit der Vogelwelt des Algäu (Pfronten). 

Von 
Bernh. HofTmann (Dresden). 

Eine im Laufe des Sommers 1918 an die Pommersche Küste 
nach dem kleinen Strand- und Badeorte Jershöft unternommene 
Reise brachte mir zwar die erhoffte Kräftigung nicht, da der Herr 
Magen ob der ungewohnten Kost einfach streikte, dafür aber eine 
Verhaftung wegen Spionageverdachts — mein Zeißglas und meine 
verschiedentlichen Beobachtungen hatten mir diese sehr unschmack- 
hafte Suppe eingebrockt; dessenungeachtet habe ich so viel orni- 
thologische Beobachtungen mit Auge und Ohr machen können, 
daß ich mir erlauben möchte, Einiges davon hier mitzuteilen. 

Einleitend darf ich vielleicht Dies und Jenes von der Reise 
selbst erwähnen. Die Fahrt führte mich, da ich dem fürchter- 
lichen Andränge und dem Kampf um einen Sitz- oder Stehplatz 
auf dem Stettin er Bahnhof in Berlin umgehen wollte, über Großen- 
hain und Cottbus nach Frankfurt a. d. Oder; von hier andern 
Tags nach Stargard, dessen Lage für die mitteleuropäische Zeit von 
Wichtigkeit ist, dann durch die Pommersche Seenplatte nach der 
Kreisstadt Schlawe. Diese verließ ich am nächsten Tage mittels 
sehr bummliger Zweigbahn. In Pustamin mußte ich einen Post- 
wagen besteigen, in Jeddin einen zweiten und schließlich über- 
nahmen von Neu-Lanzig aus die eigenen Beine meine Weiterbeförde- 
rung bis Jershöft. Auf dieser Reise stellte ich zunächst fest, daß 
von Cottbus an die Nebel krähen allein Feld und Wald be- 
herrschten. Sie waren und blieben weiterhin die einzigen Ver- 
treter des Rabengeschlechts. Große Freude hatte ich in Frank- 
furt; hier wurde ich frühmorgens durch die Rufe des Kuckucks 
(cf und $), einesPirols, eines herrlichen Plattmönchs und einer 
Tannenmeise geweckt. Dohlen rufe mischten sich hier und da 
bei. Die Stimmen lockten mich sofort aus den Federn und hinab 
zu den Auwäldern an der Oder, wo ich vor allem noch zahlreiche 
Sumpfrohrsänger und mehrere Dorngrasmücken verhören 
konnte; auch stieß ich auf eine Kolonie von Uferschwalben, 
deren dschri . . . sofort mein Ohren- bezw. Augenmerk auf sie 



90 Hoffmann: Vogelleben im hinterpomm, Küstengebiet. 1 ^ * ^°' 

L Cres. Bay. 

hinlenkte. Auf der Weiterfahrt stellte ich wie schon bisher an 
verschiedenen Punkten der Bahn das Vorkommen des grauen 
Fliegenschnäppers fest, der — wie ich hier einschalten möchte — 
in den letzten Jahren an Zahl zugenommen zu haben scheint. Die 
ersten Störche sah ich vor Mellentin: sie waren von hier an 
immer aufs neue auf Wiesen an der Bahn zu beobachten. Ein 
wundervolles Bild gab es, als sich kurz vor Schlawe auf einer 
kleinen Wiese nicht weniger als 12 Störche tummelten. Es 
mochten schon Junge darunter sein; sie übten sich im Fliegen 
und allerlei Flugspiel. 

Nun aber nach Jershöft. Zunächst etwas von der Land- 
schaft, die für die Gestaltung der Vogelwelt so überaus wichtig 
ist. Wir beginnen unsere Umschau am Strande der Ostsee. Der- 
selbe ist sehr schmal; seine Breite schwankt annähernd zwischen 
1 — 15 m. Die langgestreckte Düne, auf der sich Jershöft parallel 
zur Küstenlinie lang hinzieht, steigt in der angegebenen Ent- 
fernung vom Wasser meist steil und sogar recht hoch empor, d. h. 
bis zu ungefähr 30—35 m. Der Boden ist nicht angewehter Sand, 
sondern Lehm, so daß wir hier eine Landbildung vor uns haben, 
an die sich das Meer allmählich herangefressen hat. Bei 
großen Stürmen fällt immer wieder ein Teil der Düne dem Meere 
zum Opfer, wobei nicht nur Felder, Wiesen und Bäume, sondern 
auch Häuser mit hinabsinken und verschwinden. Genau genommen 
ist die „Düne" nichts anderes als das quer abgeschnittene Ende 
eines vom Binnenlande aus ans Meer heranreichenden breiten 
und flachen Hügelrückens. Es ist hiernach leicht verständlich, 
daß der Boden in Jershöft und seiner näheren, besonders rück- 
wärtigen Umgebung recht fruchtbar ist. Dementsprechend finden 
wir hier Wiesen und Felder, Gärten mit vereinzelten Obstbäumen 
und Beerensträuchern, kleinere Hecken und Gebüsche, aber auch 
zum Teil reclit hohe Laubbäume. Seitwärts von Jershöft finden 
wir mehr oder weniger sandige Dünen; ja es liegen sogar nicht 
weit nordöstlich entfernt mehrere sogen. Wanderdünen, die man 
erst neuerdings durch regelrechtes Bepflanzen mit Nadelholz er- 
folgreich zu bezwingen versucht hat. Auf solchem Sandboden 
gedeiht besonders die Kiefer in verschiedenen x4.rten, deren Bestände 
hier und da von Inseln dichteren und andersartigen Baum- 
wuchses unterbrochen werden. Landeinwärts liegt das eigentliche 
Marschland, das nur strichweise völlig eben und tief gelegen, im 
übrigen dagegen von welligen Hügeln unterbrochen ist, die eine 
überraschende Fruchtbarkeit zeigen. Die tiefsten Stellen sind viel- 
fach moorig und wenig ertragreich. Meist jedoch bilden sie ausge- 
dehntes Weideland; die Humusdecke ist nicht selten so dick, daß präch- 
tiges Heu geerntet wird. Stellenweise werden die Flächen von Erlen 
und Weidengebüsch unterbrochen, das besonders an den offenen 



' ' I Hoffmann: Vogelleben im hinterpomra. Küstenj^ebiet. 91 

Wasserflächen, an verschütten Tümpeln und Gräben in großer 
Menge auftritt. An vielen Orten wird Torf gestochen. Den 
Übergang vom bewaldeten Küstenstreifen zum Marschland bilden 
Streifen von Heideboden mit einzelnen dürftigen Feldern. Zwei 
ganz besonders tief gelegene Gebiete, seitlich von Jershöft werden 
durch große Seen ausgefüllt. Der nordöstlich gelegene ht-ißt der 
Vietzker See, der einen Umfang von 5 — 6 Wegstunden hat und 
durch ein kanalartiges, sehr kurzes Flüßchen, die Glavenitz, am 
nördlichen Ende von Jershöft in die Ostsee abfließt. 

Aus dem Gesagten erhellt, daß die Vogelwelt in und um 
Jershöft entsprechend den mannigfachen Boden- und Vegetations- 
formen recht verschiedenartig sein wird. In der Tat stoßen wir 
hier auf eine reiche, abwechslungsvoll zusammengesetzte Avifauna. 
Indem ich jetzt auf diese eingehe, darf ich vielleicht zunächst ein 
paar negative Ergebnisse meiner Beobachtungen in Jershöft an 
die Spitze stellen. Ein solches war vor allem, daß ich nicht mehr 
feststellen konnte, ob die in der Nachbarschaft von J. vorkom- 
mende L^^sc^■m■a- Art Sprosser oder Nachtigall war. Die Jahres- 
zeit war schon zu weit vorgeschritten, so daß ich nichts mehr zu 
hören bekam. Und doch wäre die Feststellung der Art ganz 
interessant gewesen, da Stargard die Grenze zwischen den west- 
lich vorkommenden Nachtigallen und den östlich sich ausbreitenden 
Sprossern sein soll; hiernach müßte man in Jershöft Sprosser ver- 
muten. Aber niemand vermochte mir zuverlässige Auskunft zu 
geben; als ich einem der erfahrensten Bewohner echte Nachtigallen- 
strophen vorpfiff, meinte er zwar sofort, genau so singen die frag- 
lichen Vögel ; trotzdem blieb die obige Frage offen. Ein anderes, in 
meinem Sinne als negativ zu bezeichnendes Ergebnis war die 
sehr geringe Ausbeute an See- und Strandvögeln. Erklärt wird 
diese Tatsache allerdings durch den von mir schon erwähnten sehr 
schmalen Küstensaum. 

Beginnen wir nun unsere Betrachtungen gleich am Strande 
der Ostsee. Ich konnte hier nur einige vorüberziehende Silber- 
möven und mehrere Sturmmöven beobachten, die aber nicht 
Fuß faßten; dagegen ließ sich einmal bei sehr stürmischen Wetter 
ein Paar Alpenstrandläufer kurz vor mir nieder. Sie waren 
wenig scheu und suchten vor dem Sturme hinter ein paar Steinen 
und angeschwemmten Pflanzen Schutz, wo sie meinen Blicken 
längere Zeit stand hielten. Sie trugen noch das Sommerkleid mit 
dem kohlschwarzen Schild auf der Bauchseite. Leider zog bald 
darauf ein Schwärm von weiteren 12 Alpenstrandläufern vorüber, 
denen sich das Pärchen anschloß. Auffallend häufig dagegen 
sieht man auf dem schmalen Strande die Nebelkrähen, die 
hier — besonders nach einem Sturme — reichen Fraß finden. 
Aber auch anderwärts treten sie in bedenklicher Zahl auf. Natur- 



92 Hoffmann: Vogelleben im hinierpomm. Küstengebiet. 1 ^®*'"'^'^°- 

L Ges. Bay. 

lieh haßt man die Nebelkräheu allgemein. Aber alles, was mau 
gegen ihr Überhandnehmen tut, ist, daß man dann und wann mal 
eine abschießt, um sie auf dem Hühnerhof als abschreckendes Bei- 
spiel aufzuhängen. Dies verhindert jedoch nicht, daß die Überlebenden 
die Kücken mit Seelenruhe weiter vom Hofe wegstehlen. Ein trauriges 
Beispiel der Schädlichkeit der Nebelkräheu mußte ich selbst er- 
leben. Auf einem versteckt liegenden Wassertümpel entdeckte 
ich bei einer Wanderung eine Stockente mit 4 Jungen. Ich war 
überzeugt, daß das Volk größer gewesen war, denn Stockenten 
dürften es kaum einmal bei einem Gelege von 4 Eiern bewenden 
lassen. Wohin die übrigen Jungen geraten waren, konnte ich mir 
sofort selbst sagen: Auf einer nahen alten Kiefer hockten lauernd 
eine Anzahl Nebelkrähen, welche einen ziemlichen Lärm machten. 
Leider war die alte Stockente weggeflogen, und so mußte ich die 
4 Jungen ihrem Schicksal überlassen. Besorgt um sie, ging ich 
am andern Morgen wieder hin — und alle waren verschwunden, 
zugleich auch die Nebelkrähen. Daß kleinere Singvögel beim An- 
nähern von Nebelkrähen Angstrufe ausstoßen oder gar auf die- 
selben losfahren, dürfte ein weiterer Beweis für die Vernichtungs- 
arbeit der Nebelkrähen bilden, die deshalb keinesfalls die Schonung 
verdienen, die man gern von etwas zu gefühlvoller Seite für sie 
verlangt. Das einzig Gute für mich war, daß ich die Stimmen 
der Nebelkrähen einmal gründlich studieren konnte. — In hohem 
Grade nahm auch eine Kolonie von Uferschwalben, die sich im 
oberen Teile der steilen Uferwand aufgetan hatte, meine Aufmerk- 
samkeit in Anspruch. Es war die dritte, die ich in diesem Jahre 
zu Gesicht bekam. Die zweite hatte ich, wie schon erwähnt, an 
den Uferböschungen der Oder bei Frankfurt gefunden, und die 
erste, sehr kleine Ansiedelung in einer Sandgrube zwischen 
Zschorna und Nieder-Rödern (Sachsen). Die Jershöfter war die 
weitaus größte Kolonie. Es mochten zirka 30 Röhren besetzt sein. 
Daß sich die Nester nur im obersten Teile der Uferwand vor- 
fanden, hing wohl mit dem Aufbau des Hügelrttckens zusammen. 
In der Hauptsache besteht er aus sehr derbem, gelbem Lehm; 
darüber liegt eine verschieden starke, aber immer recht dünne 
Schicht von schokoladebrauner Ackererde und über dieser breitet 
sich eine ebenfalls dünne, mit Sand vermischte graubraune lockere 
Erdschicht aus, die eine schwache Rasendecke trägt. Der letzten 
Erdschicht gehörten die meisten Nester an: einige befanden sich 
auch in der zweiten Schicht, keins jedoch im reinen Lehmboden, 
der jedenfalls der Aushöhlung den stärksten Widerstand bot. 
Reizend sah es aus, wenn die Alten die Röhren wieder in den 
Stand setzten und säuberten; dann kamen aus den Röhren in 
rascher Folge zahlreiche Erdgarben geflogen, die von den kleinen 
Beincheu herausgeschaufelt wurden. Die Jungen waren zum Teil 



' ' I Hoffmann: Vogelleben im hinterporam. Küetengebiet. 98 

ausgeflogen, zum Teil wurden sie noch gefüttert, wagten sich aber 
doch schon an den Raud des Nestes, von wo sie jedoch von den 
zurückkehrenden Eltern schnell wieder weggedrängt wurden. Die 
Rufe dieser Schwalben lassen sich in zwei Gruppen teilen; die 
einen sind fast ton- und vokallos; sie werden in der Hauptsache 
nur aus Konsonanten gebildet und klingen wie dschr oder dschrd, 
mit welcher Wiedergabe allerdings noch nicht völlige Überein- 
stimmung mit der Wirklichkeit erzielt ist. Oft werden diese Rufe 
kettenartig gereiht und klingen dann im schnellen Tempo dschr . . . 
Die andere Gruppe der Rute unserer Uferschwalben läßt deutlich 
Tonne erkennen, und zwar vernimmt man in der Regel zwei Töne 
in absteigender Folge. Ich verzeichnete dsieb, jieb, dsrieb, bsieb. 
Indem sich das r noch mehr hervordrängt, entstehen Rufe wie 
dsirreb, und schließlich einsilbig dsirrd, womit der Übergang zu 
dschrd d. h. zur ersten Gruppe der Rufe hergestellt wird. Vom 
eigentlichen Gesang habe ich trotz stundenlanger Beobachtung 
nichts gehört, doch kann ich das Vorhandensein eines solchen nicht 
in Abrede stellen, nachdem ich einmal früher in einer kleinen 
Uferschwalbenkolonie bei Ortrand (Sachsen) kleine liedartige Gebilde 
vernommen habe. 

Und nun kommen wir zu den befiederten Bewohnern von Jers- 
höft selbst und seiner Umgebung. Im Orte traf ich zahlreiche 
Haus- und Stallschwalben, viele Stare, zwei Paar graue 
Fliegenschnäpper, ein paar Finken, Kohl-, Blau- und 
Sumpfmeisen, wenige Turmschwalben, Dorngrasmücken, 
den Gartenlaubvogel, die Gartengrasmttcke, ein paar Grün- 
linge, Haus- und Feldsperlinge, weiße Bachstelzen, Mehr 
konnte ich innerhalb des aus zwei Reihen von Gütern und kleinen 
Häuschen bestehenden und genau 1 km weit an der Straße sich 
hinziehenden Orte nicht entdecken. Auf den Feldern hörte ich 
Feldlerchen, Wachteln, deren Rufton nicht genau dieselbe Höhe 
zu haben schien wie bei mittel- und süddeutschen Wachteln, und ge- 
legentlich einmal einen Getreiderohrs änger^). In den Wiesen 
rief der Wachtelkönig und warnten die Braunkehlchen. Die 
herrlich gefärbte Schafstelze wechselte oft zwischen den brachigen 
Gebieten und den gemähten Wiesen, Auch ihre Musik hat mich 
oft zu Beobachtungen angeregt; ich fand, daß ihre Rufe tonlich 
sehr einfach gestaltet sind, lautlich aber viel Wechsel zeigen. 
Einsilbige Rufe sind kaum vorhanden, z, B. dsirr, dsi{r)b; einige 
Male hörte ich bsüb; aber schon der häufige Übergang des ü zu 
i in diesem Rufe deutet auf die Zweisilbigkeit hin. Zweisilbig 
sind in der Tat die meisten Rufe der Schafstelze; sie liegen am 



^) Von den dortigen Wachteln vernahm icli a oder b, während ich sonst 
die Tonhöhe des Wachtel schlags vorwiegend als h oder c festgestellt habe. 



94 Hoff mann: Vogelleben im hinterpomm. Küstengebiet, i ^®^"* ^™' 

|_ Ges. Bay. 

Anfange der tünf-gestrichenen Oktave, reichen aber manchmal 
noch in die vierte herein. Ich habe u. a. folgende Rufe aufgeschrieben: 
vüssi, vissüb, vissju, vüdsib, vissje, dsieje, bsieje, psieb, dsirrdsieb, 
dsjierdsib, bsiebbsieb, gsiebgsieb; dreisilbig waren die Rufe dsirr- 
dsiebdsieb oder dsjirrdsirbdsieb. 

An den feuchteren Stellen der Umgebung von Jershöft stolzierte 
Freund Adebar einher, während auf dürftigeren Gebieten Wiesen- 
piepern ihre Jungen fütterten. Auch die Wiesenpiepern waren wie 
die meisten dortigen Yögel schon recht schweigsam. Meist hörte 
ich nur den Angst- oder Warnruf sirrid, welcher zuweilen mehr 
wie sillid klang; in vielen anderen Fällen schrieb ich dsirrib, 
dsirrlib, dsirririb. Der gewöhnlichste Ruf freilich blieb das be- 
kannte iesd oder hiesd; diese Silbe wurde manchmal kettenweise 
unter etwas veränderter Silbenbildung gereiht zu ies|dies|dies|dies[- 
dies|dies|diesd. Nur einmal bewog die nach längerer Zeit schlechten 
Wetters hervorbrechende Sonne eine \yiesenpieper zu andauerndem 
Singen, währenddem der Vogel bei jedem Liede zu seinem Balz- 
flug aufstieg. Das Lied behielt seine Form ohne bemerkenswerten 
Wechsel bei. Auf zahlreiche iesdiesdies . . . folgte eine längere 
Reihe von dsi-Rufen, welche etwas höher lagen als die Eingangs- 
tour. Den Schluß bildeten mehrere etwas tiefer gelegene und ein 
wenig absteigende dsü, die nicht selten in langsamere und noch 
tonreinere djü übergingen, mit ebenfalls etwas absteigender Ton- 
folge. Während der letzten Silben ließ sich das Vögelchen mit 
steil aufwärts gerichtetem Schwänze wieder zur Erde herab. — 
Von einzeln stehenden Bäumen und von Telegraphenleitungen riefen 
die Gold- und die Grauammer. Letztere war fast häufiger als 
die erstere. Von gleicher Stelle aus drangen oft auch die kleinen 
Liedchen von Hänflingen an mein Ohr. — In den Wäldern er- 
klang die Stimme des Kuckucks (cT und g) und sangen die Mönch- 
grasmücke, Tannen- und Haubenmeise, Fitis- und Weiden- 
laubvogel; ferner sah ich hier spät abends zwei Eulenarten, 
die ich leider nicht genau bestimmen konnte, da es zu dunkel 
war (ab. nach 10 Uhr) und sie sich nicht hören ließen. Auch der 
Grünspecht lachte mir mehrmals zu. Das eine Mal vernahm ich 
von ihm einen höchst auffälligen Ruf; es war ein schönes, klar 
gepfiifenes hüid (a— d\ von dem ich anfangs glaubte, daß es von 
einem Menschen gepfiffen würde. Doch konnte ich einen solchen 
trotz allen Suchens nicht entdecken: der Pfiff kam überdies von 

derselben Stelle, von der ich wenige Augenblicke vorher das quü 

des Spechts vernommen hatte. Vielleicht handelt es sich um 
einen ähnlichen Ruf, wie Dr. Hesse vom Grünspecht beschreibt; 
er hat ihn lautlich güep gedeutet. — Hier und da hörte ich 
Ringeltauben. Einmal fußte gar nicht weit von mir auf ebner 
Erde eine Turteltaube. 



' ' j Hoffmann: Vogelleben im hinterpomm. Küstengebiet. 95 

Da wo die fruchtbare Marsch in die Dünen überging, lagen 
schmale Streifen von Brachland, das mit seinem spärlichen Pflanzen- 
wuchs auch eine eigene Vogelwelt hatte. Vor allem war es die 
Brach pieper, die sich hier hören ließ. Noch recht oft stieg sie 
unter vereinzelten dsjürlib, dsjürlib, dsjürlib u. s. w. zu ihrem kurzen 
Balzflug empor. Auf ertragarmen Boden war weiterhin die 
Haubenlerche zu Hause, während dort, wo vereiusarate Kiefern 
wie Vorposten auf dem mehr oder weniger sandigen Boden empor- 
ragten, die Heidelerche noch manch schönes Konzert veran- 
staltete, dessen andächtiger Zuhörer ich immer wieder wurde, 
mochten micli auch die Zeit oder das Wetter weiter drängen. 
Von Raubvögeln habe ich außer den zwei Eulenarten noch drei 
Tagraubvögel verzeichnet: den Bussard, den Habicht und den 
Sperber. Letzterer war wohl der häufigste Räuber. Er trieb 
sich oft in Jershöft selbst herum. Einmal holte sich einer aus 
einem dichten Schwärm von Stall- und Hausschwalben ein Opfer 
heraus. Meist ist der Sperber sehr schweigsam; und doch habe 
ich ihn ein paarmal zu meiner Freude gut verhören können. Seine 
Rufe ähneln denjenigen des Turmfalken außerordentlich. Sie be- 
stehen aus einer vielmaligen Wiederholung der Silbe gi; doch 
liegen die Töne ein wenig tiefer als die des Turmfalken. Während 
dieser die Töne von h — c bevorzugt, ruft der Sperber in Tönen 
zwischen gis und h. Die Tonkette kann etwas tiefer beginnen 
und dann ansteigen oder umgekehrt. Einmal rief ein Sperber 
äußerst erregt längere Zeit fort, scheinbar ohne Atem zu schöpfen; 
er begann mit dem Tone h, ließ ihn später sinken bis gis, um ihn 
gegen Ende wieder zu heben. In der Regel habe ich jedoch nur 
8 — 10 Silben innerhalb eines Rufes festgestellt. 

Ganz besondere Teilnahme aber erweckte bei mir die Vogel- 
welt an und auf den Binnengewässern. Der Vietzker-See beherbergte 
mehrere Stockenten, Knäkenten, Bläßhühner, ein paar 
Hauben- und Schwarzhalstaucher, ein einziges Paar Lach- 
möven und zahlreiche Flußseesch walben — anfang Juli zählte 
ich ungefähr 25 Stück. Sie machten besonders bei meiner An- 
näherung einen wahren Heidenlärm; sie schrieen gleichsam mit 
den Lachmöven um die Wette. Die Einzelrufe lagen zwischen 
keg und kig. Daraus wurden Reihen wie z. B. ke . . ki . . . oder 
kekiki . . . . ; ferner vernahm ich Reihen von ker-Rufen, wobei 
sich die Silben oft zu kr verdichteten ; auch kip . . . . habe ich 
mehrmals aufschreiben können. Ganz besonders oft aber hörte 
ich die zweisilbigen Rufe biärrrk oder brieärrrk, die manchmal 
sehr breit gezogen wurden, so daß ich für die erste Silbe eine 
halbe Note schreiben mußte. Bei größerer Erregung ging dieser 
Ruf in die in der Regel mehrmals wiederholte wildere Form birrek 
birrek birrek u. s. w. über, oder die Vokale wurden vertauscht — 



9ß Hoffmann: Vogelleben im hinterpomm. Küstengebiet. | 

L Ges. Bay. 

entsprechend natürlich auch die Tonstufen — und so hörte ich 
berrik •/. •/•; auch kerrik •/. u. s. w. habe ich ein paarmal auf- 
geschrieben. Nachstehend lasse ich ein paar Aufzeichnungen der 
vernommenen Rufe folgen, die meist forte oder fortissime, seltener 
mit wechselnder Tonstärke angestimmt wurden: 

.•.-^'--±±ü ^_._._i_,ii_=^I^ itil'tßL^^^ 



kegkeg . keg. . ki . . . kig,brieärrkkr . . . kig . krieärrberik 



^1 1 1 rtr—ß 1 ß 1 ß — I • 1 * 1 — I 4 ^^-=r-*-F-F-#-#-*-^-^ i 



gib. . birrek •/. •/• '/• '/• kigkeg bierchärk ker . 



Eine herrliche Augenweide boten mir eines Tags nicht weniger 
als 12 wilde (Höcker-)Schwäne. Am Morgen flogen sie in ge- 
ringer Höhe über mich weg und gegen Abend traf ich sie auf 
dem Vietzker-See. Ihr herrlicher, majestätischer Flug, die ruhigen, 
ziervollen Bewegungen auf dem Wasser, das blendendweiße Ge- 
fieder, ihr Zusammenhalten, der gemeinsame Abflug, die dabei laut 
werdenden Stimmen — alles das wird dauernd in meiner Erinnerung 

bleiben. Die Rufe be- IQ : — Als die Schwäne beim 

standen vorwiegend aus -c »^ ":pr: — , Abflug eine gewisse 

breitgezogenen, an- p fe iii^pigz:::!^^ Höhe erreicht hatten, 
fangs auf- dann ab- *^ ~f~~ vernahm ich in äußerst 

steigenden c'iju: ® ' ^"^^ gleichmäßigem Rhyth- 

mus dunklere Rufe, die obwohl sie nur einsilbig waren, sehr schwer 
wiederzugeben sind; vielleicht kommt ihnen die Silbe äk noch am 
nächsten^). — Am Rande des Schilfs nach dem ofienen Wasser zu 
entdeckte ich eines Tags einen starr nach Beute ausschauenden 

Fischreiher. Ich sah ihn später immer 

wieder an genau derselben Stelle. Nur ein- f^^]~ — ~tt~:] 
mal traf ich ihn mit dem Weibchen und ESi^irS •-iS 
zwei Jungen an einem kleinen Tümpel hinter chro-ä cbro-ä 

den Dünen. Sie riefen beim Abfliegen: 
u. s. f. Beim Kreuzen oben in den Lüften vernahm ich von ihnen 
Rufe, die wie kracht, kracht u. s. w. klangen. Den Horst der Fisch- 



') Die Bemerkung in Naumanns „Naturgeschichte der Vögel Mittel- 
europas", wonach der Höckerschwan seine Stimme nie im Fluge, hören lasse, 
ist hiernach wohl nicht ganz zutreffend. Der von mir vernommene Euf eiju 
dürfte derselbe sein, den Naumann mit keiorr — soll wohl heißen keiorr (Anm. 
d. Verf.) — wiedergibt. 



XIV, 1,1 
191i) J 



floftmnnn: Vngelleben im hinterpomm. Küstengebiet. 9't 



reiher konnte ich leider trotz aller Bemühungen nicht ausfindig- 
machen. 

Im Schilfe des Vietzker-Sees stieß ich auf ein paar Drossel - 
und Teichrohrsänger. Dort, wo der Boden schon etwas trockner 
war und Weiden- und Erlengebüsch standen, beobachtete ich 
mehrere Rohrammern, von denen jeder sein eignes Liedchen 
hören ließ, das er allerdings in der verschiedensten Weise ab- 
änderte. An derselben Stelle stieß ich auf einen Grünschenkel, 
der sofort an seinem sanft geflöteten düdü zu erkennen war. Der 
Kiebitz war da oben nicht häufig. Im ganzen fand ich am 
großen Vietzker-See 5 Paare. Um so erstaunter war icli, als ich 
am 21. Juli am Ufer des Sees plötzlich eine größere Schar von 
Kiebitzen erblickte; sie waren entschieden schon auf der Abwan- 
derung, die sie bei meinem Näherkommen fortsetzten. Nicht un- 
erwähnt möchte ich an dieser Stelle folgende kleine Beobachtung 
lassen. Am 18. Juli gewahrte ich am Ostseestrande plötzlich 
einen Kiebitz. Nach wenig Augenblicken flog er seewärts und 
schraubte sich allmählich immer höher und höher, bis ich ihn 
schließlich nicht einmal mehr mit meinem sehr guten Zeißglas er- 
kennen konnte. Wohin er sich zu guter Letzt gewandt hat, ist mir 
unter solchen Umständen ebenfalls dunkel geblieben. 

Hatte mir hiernach mein Jershöfter Aufenthalt schon viel 
ornithologisch Bemerkenswertes und Neues gebracht, so wurde 
meine Freude dadurch wesentlich gesteigert, daß ich in der 
Nachbarschaft des Vietzker-Sees noch zwei Vögel beobachten und 
verhören konnte, die als Standvögel in der näheren und w^eiteren 
Umgebung von Dresden fehlen, nämlich Bruch weißkehlchen 
und Binsenrohrsänger. Letzterer dürfte sogar im allgemeinen 
als ein recht seltener Vogel bezeichnet werden. Beide Arten ge- 
hören bekanntlich zur Gattung der Schilf Sänger; doch machten die 
von mir beobachteten Vertreter diesem Namen wenig Ehre. Ich 
fand sie mehr in niedrigem Weiden- und Erlengebüsch an der 
Glavenitz oder an Torfstichen, Sümpfen und Gräben; ins Schilf 
gingen sie weit seltener, wennschon sie hier zuweilen längere 
Zeit herumschlüpften und herumkletterten. Vielleicht hing dies 
damit zusammen, daß die Brutzeit vorüber war; die dadurch erlangte 
Freiheit führt ja auch sonst die Vögel leicht vom eigentlichen W^ohn- 
gebiet weg. Was beide Arten äußerlich von den Rohrsängern 
unterscheidet, ist, daß auf dem olivgrau gefärbten Kopfe Längs- 
streifen vorhanden sind. Das Bruchweißkehlchen oder besser der 
eigentliche Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoeriohaenus (L.)) hat 
hier bekanntlich zwei hellere Längsstreifen, während beim Binsen- 
rohrsänger {Acrocephalus aquaticus (Gml.)) noch eine dritte helle 
Linie zu sehen ist, die über den Scheitel verläuft. So deut- 
lich diese Kennzeichen an sich sind, so war es mir doch trotz 

7 



98 Soffmann: Vogelleben im hinterpomm. Küstengebiet. 1 J^ '^^°" 

L Cres. Bay. 

pes Gebrauchs meines Glases nicht ganz leicht sie festzustellen, 
da die Vögel erstens recht scheu waren und zweitens sich derart 
im Gebüsch und Röhricht versteckt hielten, daß ich erst nach 
einiger Zeit die unterscheidenden Kennzeichen sicher feststellen 
konnte. Gesanglich steht das Bruch weißkehlchen dem Teich- 
bezw. dem Sumpfrohrsänger noch am nächsten. Es singt in der 
Regel sehr andauernd und lebhaft. Immer neue Motive entströmen 
der kleinen sangesfreudigen Kehle; doch werden die einzelnen 
Motive länger beibehalten als von den andern erwähnten Arten. 
Dabei werden sie vielfach umgestaltet, in der Hauptsache dadurch, 
daß die einzelnen Töne verschiedene Male wiederholt werden. Die 
Motive selbst sind in der Regel sehr einfach gebaut; sie umfassen 
oft nur zwei Tonstufen und dementsprechend zwei verschiedene 
Silben; doch hört man auch Motive mit einer Tonstufe; solche mit 
drei verschiedenen Tonstufen sind sehr selten. Es ist, als vergäße 
der Vogel in der Eile, wievielmal er jeden Ton im Grundmotiv 
wiederholt hat, und nun schwätzt er munter drauf los. In die 
Pausen zwischen den verschiedenen Motiven schiebt der Vogel 
andre Gebilde ein; es sind längere Tonketten, die aus fast reinen 
Pfeiftönen bestehen oder stärker hervortretende lautliche Bei- 
mischungen erkennen lassen, die oft sogar recht geräuschhaft er- 
klingen und dadurch den Ton fast ganz verdrängen. Von twüü 

gehen derartige Gebilde durch dit über bis 

zu tz , tr oder tzr Solch' lautlich 

stark getrübte Tonreihen, bei denen die Tonhöhe nicht immer 
gleich bleibt, sondern einmal steigt oder fällt oder beides hinter- 
einander tut, scheinen beim Bruchweißkehlchen recht beliebt zu 
sein; sie stehen manchmal ganz im Vordergrunde seiner Musik, 
während anderseits das Bruchweißkehlchen leicht auch mal alle 
Regeln seiner Kunst vergißt. Bei der Schnelligkeit des Ton-, 
Silben-, Rhythmus- und Tempowechsels ist natürlich ein Nach- 
kommen beim Aufzeichnen unmöglich; die nachfolgenden Nieder- 
schriften können deshalb nur als Bruchstücke des Gesangs vom 
Bruchweißkehlchen betrachtet werden. Die Töne gehören meist 
dem oberen Teil der sogen, vierten Oktave an, ragen aber z. T. 
auch in die fünfte hinein. 

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XIV 
1919 



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Hoff mann: Vogelleben im hintorpomm. Küstengebiet. 



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7- 



Die Aufstiege zum Balzfluge, der gewöhnlich ziemlich kurz aus- 
fällt, erfolgten im allgemeinen nicht sehr häufig. Beim Herabkommen 
wurde das Schwänzchen ähnlich steil gehalten, wie es der Baum- 
pieper zu tun pflegt. Während der Balzflüge vernahm ich oft 

Reihen von tzrtzr , ansteigend oder fallend, wozu sich 

andre, kürzere Gebilde gesellten, die — meist den Vokal i ent- 
haltend — höhere Tonlage hatten. 

Ganz anders ist die Musik vom Binsenrohrsänger. Die 
Möglichkeit einer Verwechslung mit dem Gesang einer andern Art 
erscheint mir völlig ausgeschlossen zu sein, so daß man schon 
nach dem ersten Verhören eines Binsenrohrsängers auf die rechte 
Fährte kommt. Die einzelnen Lieder, zwischen denen oft längere 
Pausen eingestreut werden, bestehen aus zwei ganz verschiedenen 
Teilen. Der erste ist ein ziemlich hartes Tremolo mit den Silben 
dsrrrrr, trrrrr, errrrr, wobei der Ton aus begreiflichen Gründen 
recht zurücktritt. Daran schließt sich aber unmittelbar als zweiter 
Teil eine Tonreihe schöner Pfeiftöne, bei denen die lautlichen Ge- 
bilde stark verschwinden. Man hört vielfach vüü , ii , 

jüü u. s. w. heraus. Der Heilaut ist mehr oder weniger 

durch die Tonhöhe bedingt. Sehr selten habe ich dede 

und nur einmal bebe gehört. Die Tonhöhe bleibt inner- 
halb einer solchen Tonkette meist dieselbe, doch kann sie dann 
und wann etwas ansteigen oder abfallen. Zuweilen läßt der Binsen- 
rohrsänger zu Anfang zwei oder gar drei Tremolos mit gleicher 
oder verschiedener Tonhöhe hören. Auch die zweite Hälfte des 



100 Hoffmann : Vogelleben im hinterpomm. Küstengebiet. 1 ^^ " ™' 

L Ges. Bay. 

Liedchens kann verdoppelt werden, so daß sie aus zwei Reihen 
gepfiifener Töne besteht, wobei ebenfalls die Tonhöhe gewöhnlich 
verschieden ist. Daß der zweite Teil durch ein paar besondere 
andere Töne eingeleitet wird, kommt seltner vor, ebenso daß ein 
Tremolo zwischen zwei Tonketten gestellt wird. Ist der Vogel 
sehr erregt, so plaudert er etwas lebhafter drauf los und schiebt 
dann wohl auch besondere kleine Motive ein, die sich sehr rasch 
folgen, ehe wieder ein trrrrr und eine Pfeiftour ertönt. Einige 
meiner Aufzeichnungen seien hier wiedergegeben; sie mögen das 
Gesagte verdeutlichen: 

VW —^m^^^^—^. » -VW 

■I — I — I — I- 






trrrrr vüü trrrr düü .... di i 



-tigicigriqiitiLia:: 



Damit beschließe ich die Schilderung der Vogelwelt von Jers- 
höft und seiner näheren Umgebung. In reichlich drei Wochen, 
welche in den Monat Juli fielen, habe ich dort 64 verschiedene 
Arten sicher feststellen können^). — Ausschlaggebend für die an- 
gegebene Zahl und die Zusammenstellung der da oben am Ostsee- 
strande vorkommenden Arten sind vor allem die großen Binnen- 
seen und sonsti::^e kleine Gewässer, sowie die Brachlandschaft mit 
ihrer Vogelwelt, während die eigentliche Seeküste nicht sehr ins 



') Einschließlich des Sprossers oder der Nachtigall. 



XIV, l,"] 
1919 J 



Hoffiuanu: Vogelleben im hinterpomiu. Küstengebiet. 101 



Gewicht fällt. Auch will ich nicht unerwähnt lassen, daß die Ge- 
samtzahl der Arten noch größer hätte sein können: Auffallend 
klein ist z. B. die Zahl der beobachteten und wohl auch tatsäch- 
lich nur vorkommenden Enten- und Taucherarten. 

Es dürfte nun einmal ganz interessant sein, die vorliegenden 
Ergebni'-se mit denen zusammenzustellen, welche ich auf ornitho- 
logischem Gebiete im Jahre 1916 während eines nur wenige Tage 
längeren Autenthalts in Pfronten im Algäu verzeichnen konnte^). 
Dort habe ich seinerzeit 67 verschiedene Vogelarten beobachtet 
bezw. verhört, also eine fast gleiche Zahl wie in Jershöft. Bei 
genauerem Vei'gleich ergibt sich nun, daß 35 Arten, d, h. nur 
wenig mehr als die Hälfte sowohl in Pfronten als auch in Jers- 
höft vorkommen, also im südlichsten und nördlichsten Teile Deutsch- 
lands, in immerhin recht verschieden beschaffenen Landschaften. 
Dort Binnenland, hier Meeresküste, dort eine durchschnittliche 
Höhe von 900 m und darüber, hier nahezu Seespiegel, dort rund 
herum bohe Gebirge, hier Ebene oder nur ganz flache Hügelrücken, 
dort außerordentlich fruchtbarer Boden, hier viel Düne und Brach- 
land, dort üppiger, kräftiger Hoch- bezw. gemischter Wald, hier 
vorwiegend nur Kiefern. Die den beiden, so weit voneinander ent- 
fernten Gebieten gemeinsamen Arten sind: Braunkehlchen,Weiden- 
und Fitislaubvogel, Sumpf- und Teichrohrsänger, Dorn-, Garten- 
und Mönchgrasmücke, Kohl-, Tannen-, Sumpf-, Blau- und Hauben- 
meise, weiße Bachstelze, Feldlerche, Goldammer, Hänfling, Buch- 
fink, Grünling, Haussperling, Star, grauer Fliegenschnäpper, 
Mehl-,- Rauch- und Turmschw^albe, Grünspecht, Bussard, Habicht, 
Sperber, Wachtel, Ringeltaube, Fischreiher, Bläßhuhn, Stockente, 
Haubentaucher. — 

x^nderseits haben die stark voneinander abweichenden land- 
schaftlichen und sonstigen Verhältnisse eine recht beachtliche 
Verschiedenheit der Vogelwelt von Jershöft und Pfronten bewirkt 2). 

So habe ich seinerzeit in Pfronten 32 Arten gefunden, denen 
ich in Jershöft und seiner Umgebung nicht begegnet bin. Es sind 
die folgenden Vögel: Rotkehlchen, Hausrötel, Wasserschmätzer, 
Amsel, Zippe, Krammetsvogel, Berglaubvogel, Müllerchen^ Zaun- 
könig, Goldhähnchen, Alpenmeise, Weiden- und Schwanzmeise, 
Hausbaumläufer ^), Kleiber, Gebirgsbachstelze, Baumpieper, Wasser- 



^) Vergleiche hierzu meinen Aufsatz ,,Ornithologisches aus Pfronten" in 
dieser Zeitschrift Band XIII, Heft 1, Februar 1917. 

^) Der Unterschied in der Avifauna würde wohl noch bedeutender sein, 
wenn nicht in der Umgegend von Pfronten größere Seen vorhanden wären, die 
so manche Wasser- und Ufervögel beherbei-gen. 

■■*) Den Hausbaumläufer habe ich während meines unerwünschten Aufent- 
halts in Stolpmünde auf Kiefern nahe an der See angetroffen, so daß er wohl 
auch in .Jersliöft und seinen nahen Strandwaldungen vermutet werden darf. Es 



102 Hoff mann: Vogelleben im hinterpomm. Küstengebiet, j ^er . urn. 

L Ges. Bay. 

pieper, Dompfaff, Kreuzschnabel, Stieglitz, Pirol, Eichelhäher, 
Tannenhäher, Elster, Rabenkrähe, rotrückiger Würger, Felsen- 
schwalbe, Großer Buntspecht, Schwarzspecht, Turmfalk, Flußufer- 
läufer. — Nur in Jershöft und seiner Umgebung habe ich dagegen 
die nachgenannten 30 Arten angetroffen: Nachtigall (oder Sprosser), 
Gartenlaubvogel, Bruchweißkehlchen, Binsenrohrsänger, Schaf- 
stelze. Brachpieper, Wiesenpieper, Haubenlerche, Heidelerche, Grau- 
ammer, Rohrammer, Feldsperling, Nebelkrähe, Uferschwalbe, Kuckuck, 
zwei Eulenarten, Turteltaube, Weißer Storch, Wachtelkönig, Grün- 
schenkel, Alpenstrandläufer, Kiebitz, Wilder Schwan, Knäkente, 
Flußseeschwalbe, Silbermöve, Sturmmöve, Lachmöve, Schwarzhals- 
taucher ^). 

Zusammenfassend sei noch einmal festgestellt, daß von den 
von mir während eines Aufenthalts in Jershöft an der Ostsee bezw. 
in Pfronten im Algäu beobachteten 65 bezw. 67 Vogelarten 
nahezu die Hälfte, nämlich 35 Arten, beiden Gebieten ge- 
meinsam sind. In Jershöft und seiner Umgebung kommen 30 Arten 
vor, die in Pfronten zu fehlen scheinen, während ich in Pfronten 
32 Arten angetroffen habe, die von mir in Jershöft nicht gefunden 
worden sind^). Wenn auch meine Beobachtungen vielleicht nicht 
alle Arten umfassen, welche das Gebiet um Jershöft bezw. um 
Pfronten ständig besiedeln, so dürften sich doch die Verhältnisse 
der Zahlen auch in Zukunft kaum wesentlich ändern. 



wäre dann die Zahl der so bei Jershöft und Pfronten vorkommenden Arten auf 
36 zu erhöhen und die Zahl der nur für Pfronten festgestellten Arten auf 
31 zu verringern. 

') Ziehen wir das Hinterland von Jershöft (z. B. nach Schlawe hin) mit 
in Betracht, so hätten wir von hier noch weitere fünf Arten zu verzeichnen im 
ganzen für Jershöft und seine Umgebung sonach 70 Arten. Von den erwähnten 
fünf Arten kommen vier auch in Pfronten vor, nämlich Hausrötel, Elster, rot- 
rückiger Würger und Müllerchen, so daß wir von beiden Gebieten statt 35 : 39 Arten 
zu verzeichnen hätten, während eine Art: die Dohle dort fehlt, wodurch die 
Zahl der nur in Jershöft, nicht aber in Pfronten vorkommenden Arten auf 31 
erhöht wird. 

-) Mit Eücksicht auf die voranstehende Bemerkung unter 2 wären die letzt- 
genannten Zahlen folgendermaßen abzuändern: In Jershöft beobachtet: 70 Arten, 
in Pfronten : ü7 Arten; beiden Gebieten gemeinsam 39 Arten; in Pfronten fehlend: 
31 Arten, in Jershöft fehlend: 28 Arten. 



' 'I Laubmann: Übersehene Namen C. L. Brehra's. 103 

1919 J ^^^ 



Bemerkungen über einige bisher übersehene Namen 
Chr. L. Brehm's. 

Von 

A. Laubmann (München). 

Im Journal für Ornithologie findet sich im achten Bande aus 
dem Jahre 1860 unter dem Titel „Verzeichnis der Vögel des 
Tales Greyerz im Kanton Freiburg in der Schweiz von L6on Olphe- 
Galliard aus Lyon" eine „nach brieflichen Mitteilungen, mit An- 
merkungen" versehene Arbeit aus der Feder Christian Ludwig 
Brehm's^). Diese an und für sich recht interessante und lesens- 
werte Abhandlung enthält nun außerdem noch eine Reihe neuer 
von Brehm aufgestellter Namen, die zum größten Teile bisher in 
der Literatur unbekannt geblieben sind. Zweck der vorliegenden 
Arbeit ist es daher, diese Namen der Vergessenheit zu entziehen 
und auf ihren nomenklatorisch-systematischen Wert hin näher zu 
prüfen. 

1. Corax sylvestris minor Brehm, Journ. f. Ornith. 8, p. 233 
(1860. — Schweiz, Kanton Freiburg) 2). 

Dieser Name wird Synonym von Corvus corax corax L. 1758. 
Corax sylvestris minor Brehm 1860 präokkupiert jedoch den Corvus 
capensis minor Heuglin 1869^). Nachdem für die nördliche Form 
des Corvus capensis kein weiterer Name zur Verfügung steht, so 
ergibt sich die Notwendigkeit einer Neubenennung und schlage 
ich für diese Form den Namen Corvus capensis kordofanensis 
nom. nov. vor*). 



Journ. f. Ornith. 8, 1860, p. 228—239, 380—396. 

^) Corvus sylvestris Brehm, Handb. Naturg. Vögel Deutschi. p. 163 (1831. 

— „Er bewohnt die Wälder, Ebenen oder die Vorhölzer gebirgiger Gegenden 
Deutschlands". Typus nach Hartert, Vögel pal. Fauna I, 1, 1903 p. 2 von 
Eenthendorf.) 

') Corvus capensis minor Heuglin, Ornith. Nordost-Afrikas I, p. 499 (1869. 

— „Süd-Kordofan, das südliche Senar, auch die abessinischen Gebirge"; Terra 
typica: Süd-Kordofan). — Corvus minor Heuglin, Syst. Übersicht d. Vögel Nord- 
ost-Afrikas; Sitzungsber. math.-naturw. Klasse Akad. Wien 19, 1856, p. 287 ist 
nomen nudum. 

*) Vgl. hierzu: Keichenow, Die Vögel Afrikas II, 1903, p. 638; — 
Neumann, Journ. f. Ornith. 1905, p. 230; — Kleinschnaidt, Journ. f. Ornith. 
1906, p. 79; — O. Grant, Ibis, 1907, p. 579; — Wettstein, Denkschrift, 
kais. Aiad. Wien, math,-naturw. Klasse, Bd. 94, 1917, p. 66. 



104 Laubmann, Übersehene Namen C. L. Brehm's. ^^^^- ^^• 

|_ Ges. Bay. 



2. Corvus corone helveticus Brehm, Journ. f. Oriiith. 8, p. 
(1860. — Schweiz, Kanton Freiburg). 

Nach Brehm sind die im Kanton Freiburg brütenden Raben- 
krähen etwas kleiner als die Brutvög-el aus der Renthendorfer 
Gegend. Der Brehm'sche Name dürfte auch in diesem Falle nur 
Synonym von Corvus corone corone L. 1758 sein. 

3. Niicifracja caryocatactes major Brehm. Journ. f. Ornith. 8, 

p. 236' (1860. — Schweiz, Kanton Freiburg). 

Brehm beschreibt die Schweizer Brutvögel auf Grund ihrer 
auffallenden Größenverhältnisse unter einem eigenen Namen. Sollte 
sich die subspezifische Abtrennung der Alpen vögel unter einem 
eigenen Namen als zu Recht bestehend herausstellen, so hätte der 
Name major Brehm die Priorität vor Niieifraga relicta Reichenow 
1889^), wenn man nicht überhaupt den Brehm'schen Namen al- 
pestris^) für diese E^rm in Anwendung bringen will,, wie es Klein- 
schmidt neuerdings in seiner Ornis germanica^) getan hat. Klein- 
schmidt, der übrigens in seiner Tannenhäher-Monographie iuBerajah 
1910, p. 18 den Brehm'schen Namen major anführt, bemerkt in 
einer Fußnote auf p. 29 über den Namen alpestris folgendes: 
„Dieser Name, im vollständigen Vogelfang (1855, p. 66) nicht 
uomen nudura, hat, wenn anwendbar, vor major die Priorität." 
Reichenow*) schreibt bei Aufstellung seiner Form relicta folgender- 
maßen über die Brehm'sche Form alpestris: ,,Chr. Brehm hat 1855 
eine Abart dss Tannenhähers Nncifraga alpestris genannt. Da er 
dieselbe aber nicht charakterisiert hat, so ist nicht zu entscheiden, 
ob er damit den europäischen Alpenvogel im allgemeinen gemeint 
hat, oder ob die Abweichung, wie die übrigen von ihm geson- 
derten sechs Unterarten, auf Schnabelform und Scheitelhöhe be- 
ruht, welche nur individueller Natur zu sein scheint. Der an sich 
sonst sehr passende Name alpestris muß deshalb leider unberück- 
sichtigt bleiben." An der angegebenen Stelle im „Vogelfang" 
findet sich ohne jede Fundortsangabe lediglich als Charakterisierung 
\o\i alpestris Am Bemerkung: ,.mit etwas schwächerem und längerem" 
Schnabel. 

Ich möchte in der Bewertung des Namens alpestris der 
Reichenow'schen Anschauung folgen, womit für den Fall einer 
Sonderung der Alpenvögel unter eigenem Namen Nucifraga caryo- 
catactes major Brehm in Anwendung zu kommen hätte. 



*) Nucifraga relicta Reichenow, Journ. f. Ornith. 37, p. 288 (1889. - 
Alpen). 

") Nucifraga alpestris Brehm, Vogelfang p. 60 (1855. — ohne Fundort-s 
angäbe). 

=•) Kleinschmidt, Ornis germanica TI, Falco 14, 1918, p. 5, 

*) Journ. f. Ornith. 37, 1889, p. 288. 



^ ' ' I Laubmann: Übersehene Namen C. L. Brohm's. 105 

1919 J 

Bis zur enilgültigen Klärung dieser Frage ist der Brehm'sche 
Name als Synonym von Nucifraga caryocatactes caryocatactes (L.) 
1758 zu betrachten. 

4. Lanius mekDiopteriis Brehm, Journ, f. Ornith. 8, p. 238 

(1860. — Finnland). 
Nach Brehm unterscheidet sich dieser Würger von den anderen 
Formen von exeuhitor dadurch, ..dals die meisten seiner Schwung- 
federn gar kein Weiß haben". Nach dieser recht kurzen Diagnose 
wäre der Lanius meküiopterus also wohl zu den einspiegeligen 
Exemplaren zu stellen und je nach der Auffassung entweder als 
Synonym von Lanius exeuhitor exeuhitor L. 1758 oder von Lanius 
rapax Brehm ^) zu betrachten. 

5. Curruca cinereocapiUa Brehm, Journ. f. Ornith. 8, p. 381 

(1860. — ohne Fundortangabe). 
Brehm beschreibt unter diesem Namen allem Anschein nach 
einen Vogel im Ruhekleid. Der Name cinereocapiUa wird Synonj'm 
von Sylvia hippolais hippolais (L.\ der Gartengrasmücke'''). 

6. Lanius superciliosus Brehm, Journ. f. Ornith. 8, p. 381 

(1860. — ohne Fundortangabe). 
Unter diesem Namen beschreibt Brehm den „augenbindigen 
rotköpiigen Würger, bei welchem das Männchen kaum schöner ist, 
als das Weibchen des Lanius rufus^^. Lanius superciliosus Brehm, 
übrigens schon durch Lanius superciliosus Latham ^) vorwegge- 
nommen, ist lediglich als Synonym von Lanius Senator Senator 
L. zu bewerten. 

7. Saxicola oenanthe alpestris Brehm, Journ. f. Ornith. 8, 
p. 383 (1860. — nomen nudum!). 

Dem Namen fehlt jede Kennzeichnung oder auch jeglicher 
Hinweis auf eine solche, so daß er als nomen nudum zu be- 
trachten ist. 

8. Cecropis rnstica rufescens Brehm, Journ. f. Ornith. 8, p. 388 

(1860. — Mitteldeutschland, Gegend von Renthendorf). 
Dieser Name bezieht sich auf die Variation mit stark röt- 
licher Unterseite, wie sie Brehm zur Zugzeit sowie als Brutvogel 
gelegentlich bei Renthendorf angetroffen hat. Rufescens Brehm 
wird Synonym von Hirundo rustica rustica L. 



1) Lantus rapax Brehm, Journ. f. Ornith. 2, p. 144 (1854. — Deutschland). 

^) Über die Annahme dieses Namens für die Gartengrasmücke vergleiche 
Hellmayr und Laubmann, Nomenciator der Vögel Bayerns, 1916, p. 11, Fuß- 
note 1. Als terra typica ist nicht, wie irrtümlich angegeben, Genua, sondern 
nach den Zitaten von Kajus und Aldrovandi: York, England, zu betrachten. 

') Lantus Superciliosus Latham, Ind. Orn. Suppl. p. XX (1801. — ex 
Levaillant, Orn. Afr. II, Tai G6, Fig. 2, p. üü: Batavia, Java). 



106 Laubmann: Übersehene Namen C. L. ßrehm's. fVerh. Orn. 

L Ges. ßay. 

9. Chcl.ßdon] urbica major Brehm, Journ. f. Ornith. 8, p. 388 
(1860. — Schweden und Lappland; nomen nudum). 

Auch hier fehlt jede Diagnose, so daß der Name major als 
nomen nudum betrachtet werden muß. Wäre der Name in nomen- 
klatorisch gültiger Weise aufgestellt, so wäre er als reines Synonym 
von Delichon urhica urbica (L.) zu fassen, für welche ja Schweden 
die terra typica repräsentiert. 

10. Cypselus melha torquatus Brehm, Journ. f. Ornith. 8, p. 389 
(1860. — Vorgebirge der guten Hoffnung, Südafrika). 

Die von Brehm gegebene gute Kennzeichnung seiner neuen 
Form — „dieser zeichnet sich auch durch seinen breiten Brust- 
gürtel aus" — läßt keinen Zweifel aufkommen, daß wir es im 
vorliegenden Falle mit Exemplaren der südafrikanischen Form 
Micropus melha africanus (Temm.) zu tun haben. Somit wird 
torquatus Brehm, ein Synonym von fuscicollis Brehm ^), auch ein 
Synonym der Temminck'schen ^) Form des Alpenseglers. 

11. Cypselus melha minor Brehm, Journ. f. Ornith. 8, p. 389 
(1860. — Dalmatien). 

Nach Brehm sollen sich dalmatinische Exemplare durch ihre 
geringe Größe auszeichnen. Hartert (Vögel pal. Fauna VII, 1912, 
p. 834) führt jedoch keine Unterschiede auf, so daß der Brehm'sche 
Name minor als Synonym von Micropus melha melha (L.) aufge- 
faßt werden muß. 

12. Lagopus alpinus minor Brehm, Journ. f. Ornith. 8, p. 393 
(1860. — Schweiz, Kanton Freiburg). 

„Brehm fand die von Herrn Galliard ihm gütigst zugesandten 
Schneehühner kleiner als die Tyroler und andere Schweizer und 
nennt sie deswegen Lagopus alpinus minor J-'- Es muß der Unter- 
suchung größeren Materials vorbehalten bleiben, nachzuweisen, ob 
sich die von Brehm angegebenen Unterschiede der schweizer 
Schneehühner gegenüber Exemplaren aus Schweden als konstaut 
aufrecht erhalten lassen. Ogilvie-Grant, bei welchem ich den 
Brehm'schen Namen zitiert gefunden habe, führt denselben im 
22. Bande des Brit. Cat. p. 45, 1893, lediglich als Synonym von 
Lagopus mutus mutus (Montin) auf. 



*) Cypselus fuscicollis Brehm, Vogelfang, p. 45 (1855. — „Afrika"; Typus 
vom Kap der guten Hoffnung). 

*) Cypselus alpinus africanus Temminck, Man. d'Orn. p. 270 (1815. — 
Südafrika'. 



^^^' ^'1 Stadler: Cettia cetti in Friaul. 107 

19 J 



1919 



Cettia cetti, der Seidenrohrsänger, in Friaul. 

Von 

H. Stadler (Lohr). 

(Tafel II.) 

I. Aufenthalt. 

Von Ende November 1917 bis zum 25. März 1918 stand unser 
Kriegslazarett in Friaul — in Pordenone, dem alten bayrischen 
Portenau. Die Stadt liegt in der oberitalischen Ebene. Nördlich 
dehnt sich diese rauh und kahl bis zum Hochgebirg der Venezi- 
anischen Alpen, die 15 km von der Stadt entfernt aufsteigen. Im 
Westen, Süden und Osten umströmt Portenau der schnell fließende 
Noncello — ein Bergbach, geteilt in zahlreiche Arme und Rinn- 
sale, aufgefangen in Stauseen, Kanälen, Mühlschussen und Werk- 
gräben, über Wehre dahinrauschend oder in Kaskaden über hohe 
Seitendämme hinabschäumend. Weidicht, bald schmale Gürtel 
bildend, bald weit hineingreifend in das bebaute Land, begleitet 
ihn. Hier plätschert seine reißende Flut durch Sümpfe, die mosaik- 
artig in viereckige Felder zerschnitten scheinen durch eine Anlage 
kreuz und quer gezogener Buhnen und Gräben; auf ihnen steht 
Riedgras und mageres Salicetum (vgl. die Aufnahme 1). Dort 
durcheilt er Wiesen und lichten stattlichen Auwald mit (^uirl- 
pappeln, deren Stämme wie Silber leuchten, mit Eichen, Weiden- 
bäumen, Platanen und Gesträuch, das Brombeeren durchranken; 
Haselnuß, Berberitze, Hartriegel, vor allem aber Weidengebüsch 
bilden das Unterholz. Schilf ist überall wenig da und nur in den 
Tümpeln und Wasserlöchern oder in den Gräben mit stehendem 
Wasser — mehr inselartig verstreut in der Flußau. Im Südwesten 
der Stadt fällt ein Lauf des Noncello über eine Schleuse herab 
in einen See, die Burida — ein hufeisenförmiges Becken, einige 
Tagwerk groß, mit grünem kristallklarem Wasser, umgeben rings 
von Steilufern mit Hausgärten, Weinpflanzungen in langen weiten 
Laubengängen, Maulbeerfeldern, Hecken und schmalen Gehölz- 
streifen. Im Winter bevölkern den See Scharen von Zwergtauchern, 
kleine Schofe von Stockenten, Teichhühner, Eisvögel, Wiesenpieper. 
Ein Eiland erhebt sich mitten aus der Burida — ein kraterartig 
abgestutzter niedriger Kegel, über dessen Plattform eine einsame 
riesige Fichte ihre Äste breitet (Aufnahme 2). 



108 Stadler: Cettia cetti in Friaul. fVerh. Ora, 

L Ges. Bay. 

In diesen Gebieten trafen wir den Seidenrolirsänger. 

Oberitalien im Winter wird niemand preisen. Die mit Span- 
nung- erwartete südliche Landschaft ist braun wie bei uns in 
Deutschland. Der Dezember 1917 war kalt. Häßliche, oft un- 
durchdringliche Nebel lagerten über dem Auwald. Um die Jahres- 
wende bedeckten sich die stehenden Lachen dort und die Ränder 
der fließenden Bächlein und Rinnsale mit Eis. Alles war kahl, 
Rauhreif lag tagelang auf den entblätterten Büschen und Bäumen. 
Im Januar fiel Schnee, nachher endloser Regen. Von Vögeln gab 
es im Auwald fast nur Wassergeflügel: einzelne Rohrhühner, reichlich 
Wasserrallen, viele Bekassinen; die Waldschnepfe lag mehr in 
den Maisfeldern des Anrainergeländes. Singvögel trieben sich 
dort wenige herum — überwinternde Schwanzmeisen (die ober- 
italische Form), Zilpzalpe, Gebirgstelzen, Goldammern, Grünlinge, 
Zaunkönige — das war alles. Als wir eines Tags — es war 
Mitte Dezember — mißmutig durch den nebeltriefenden Auwald 
stapften, schlüpfte vor uns ein kleiner Vogel behend durchs Boden- 
gestrüpp eines niedrigen Weidichts, warnend mit leisem ,,we" — 
einige Schritte weiter noch einer mit gleichem Ruf — unschein- 
bar bräunlichgraue Geschöpfe von etwa Nachtigallgröße, mit ein- 
farbig schmutzigweißer Unterseite und hellem Brauenstreif: es 
waren überwinternde Seidenrohrsänger. 

Rohrsänger in der traurigen Winterlandschaft vorzufinden, 
das mutet den Nordländer sonderbar an. Es waren auch nur 
einige wenige, die hier als Wintergäste weilten. 

Auwald und Sümpfe blieben stumm und schienen tagweis 
wie ausgestorben — auch noch Anfang Februar, obwohl nun tags- 
über die Sonne schon warm schien und seit Mitte Januar aus 
wolkenlosem Himmel auf die friaulische Landschaft strahlte. Da 
weckte uns am 3. II. bei Rorai grande, einem Dorf dicht westlich 
von Portenau, wo der Fluß eine Art Delta durchströmt mit Teichen, 
Staubecken, Seen, und sich durch kleine Schluchten und ein 
Wirrnis von Blöcken und Buschwerk windend einen Weg wieder 
hinaus ins Freie sich bahnt — weckte uns aus erwartungslosem 
Hindämmern eine Stentorstimme: die erste Cettie sang! 

Von nun ab trafen wir sie überall. Am 8. IL ein Paar an 
der Burida. Im Süden der Stadt allenthalben welche im Strauch- 
werk der Ufer, manche dicht an bewohnten Häusern. Im Auwald 
dort stand eine Eisdecke auf den Lachen und Tümpeln: hier 
zirpten am 11. IL dem ersten Eindruck nach „Blaukehlehen" - 
es waren durchziehende oder abziehende Bruchsänger; hier schrien 
ihr eigenartiges hartes Lied vom gleichen Tag ab ein halb Dutzend 
anderer in die schweigende Landschaft. Ende Hornungs sangen 
dort 20 Stück, was nur aus den Kehlen herausging — vormittags, 
abends; wenn langsam die Dämmerung sich niedersenkte, wurden 



^^^' ^' Stadler: Ccttia cetti in Friaul. 1Ö9 

1019 J ^^^ 

sie erst nochmals lebendig. Naclitsänger trafen wir jedoch nicht 
an — die Nächte waren auch Ende März noch kalt. 

Um diese Zeit zogen immer noch einige durch: so sang im 
Sumpfwald am 25. und 26. II. ein Stümper oder Übender; weder 
vorher noch nachher hörten wir ihn — er gab nur ein Gastspiel 
und verschwand wieder. Anfang März ward es deutlich, daß die 
Brut Vögel da waren: bestimmte Sänger, die wir an Eigea- 
tümlichkeiten ihres Gesangs unterscheiden konnten, schmetterten 
nunmehr ihre Strophen stets an den gleichen Stellen im Auwald 
des Noncello heraus — noch am 24. III., dem Tag vor unserem Abzug. 

Wer den Vogel nicht selbst hat singen hören, kann sich 
nicht vorstellen, welchen Eindruck dieser Gesang auf den Unbe- 
fangenen wie auf den verwöhnten Beobachter macht. Das wuchtige 
Singen der Cettien am Wasser ist für den Naturfreund die größte 
Überraschung im italienischen Vorfrühling und bleibt auch dem 
erfahrenen Stimmenkenner unvergeßlich. 

Mit den Stimmen der Seidenrohrsänger haben wir uns damals 
sehr eingehend beschäftigt. Unsere Beobachtungen sind in den 
folgenden Abschnitten niedergelegt. 

II. Rufe der Cettien. 

Rufe haben wir von dem einzelnen Paar an der Burida sehr 
selten vernommen, obwohl es drei Wochen hindurch viele Stunden 
lang beobachtet wurde. Wo mehrere nebeneinander wohnen, 
locken sie mehr — sehr viel allerdings auch nicht. 

Noch am häufigsten hört man einen kurzen Ruf, etwa = 
„dschla", von der Dauer einer Viertelnote mit einem höheren 
Geräuschvorschlag. Er wird gewöhnlich gereiht, zuweilen ganz 
laug; mit recht regelmäßigen Pausen zwischen den einzelnen Rufen; 
alle Rufe einer Reihe bleiben auf einem Ton stehen. In Noten: 

^,^) fj , u. . ,.,. Ei„.a. »achten diese gereihten a.cMa 

dechla dschla dschia 

vollkommen den Eindruck von Zilpzalpgesang, besonders dadurch, 
daß ein um genau ^2 Ton höherer Ruf eingestreut und keine Pause 
zwischen den Einzelrufen gemacht wurden. Die Rufreihe lautete 

dadurch wie ein kurzes Zilpzalplied: 'S I ^T $! ^' ^'n.s.f. Was 

dschla dschli dschla dschla dschla 

^) Kreuzweise durchstrichene Notenköpfe bedeuten in unserer Schreibweise 
Reingeräusclie, einfach (schräg) durchstrichene sind schlechte, durch beige- 
mischte Geräusche unreine Töne, zweifach schräg durchstrichene sind sehr 
schlechte Töne. 



110 Stadler: Cettia cetti in Friaul. fVerh. Orn. 

L Ges. Bay. 

die Tonhöhe anlangt, so ist ihre Oktave ungemein schwierig zu 
bestimmen. Am 25. IL hörten wir sie als Cg und h^; am 8. III. 
als b^; — h^; c^: ciSj, und zeichneten uns eigens auf: „Oktave ge- 
nau lestgestellt." Aber am 17. III., da wir von diesen Fest- 
stellungen keine Erinnerung mehr hatten, schrieben wir cis^ und 
d^ und ebenso: „Oktave genau bestimmt." An allen drei Tagen 
waren wir uns der Schwierigkeit der Oktavenbestimmung bewußt 
und konnten dennoch zu keinem sicheren Ergebnis gelangen. 

Dieses „dschla" ist zweifellos der eigentliche Lockruf; es 
wird laut schallend, in Forte, vorgetragen in einem ganz besonderen 
Klang, wie er uns von ähnlichen Rufen anderer Singvögel nicht 
bekannt ist. 

Eine Abart dieses Lockrufs ist ein derbes lautes „dschill", 

das wir am 8. III. hörten: ^pr ^p- in fis^, 6 mal ohne Pause 

dschill dschill 

wiederholt. Am 24. III. hörten wir's als ^^ in f^, nur wenig 

srü 
we 
schwingend, aber laut wie das dschill. 

Verwandt sind Rufe von der Form ^^f-^Jf ■tr'k (^ ^" ^^^^^' 

Reihe), am 8. III. als rrrle aufgezeichnet; 

am 24. II. /i^ T/Vdjr f ^^- '^^ ^- — schön voll in der Stimme, von 

r'üdd 

schöner artbesonderer Klangfarbe (Tonhöhe wurde nicht bestimmt). 

23. III. : ^. 1^ -^ T<. ^ (sechs solcher Laute gereiht), etwas 

zlirr 
schnalzend, von der Tonhöhe dg und ciSg — die Oktav sehr 
schwierig zu bestimmen; zuerst irrtümlicherweise um eine Oktav 
tiefer bestimmt. 

Sodann erscheint öfters ein Ruf, der mehrfach abgewandelt 
wird — entweder individuell oder je nach Stimmung oder Ände- 
rung dessen, was er ausdrücken soll. Es ist der lautliche 
(sprachliche) Eindruck, der so wechselt. Die Gleichheit der 
Tonhöhe: g^ bis h^, verbürgt die Einheitlichkeit der mit diesem 



„'idd, 'idd". Der Konso- 



^^^' ^'1 Stadler: Cettia cetti in Friaul. Hl 

1919 J 

Ruf ausgedrückten Grundstimmung. — Audi diese Rufe waren 
immer gereiht, wenn wir sie luirten. 

Am 11. II. und am 26. II. rief einer mehrmals hintereinander 
-\ -^^ 

V] ^] "^ K' 

dVi d'wi 

Am 22. II. zeichneten wir auf: -LL^-LI/j u.s.f. in g^, später 

'ü 'tt 
in -b/). 

Am 26. IL: (Q/^p6)g>^i 

bi g4 b^ 

nant war beidemale nicht zu fassen mit Lauten unserer Sprache. 

23. IIL: ^1 j>it ^^•«•f- "Zwe", „zwe«, und 

^' ¥,1 u. s. f. zewe, zewe, beides m ges^. 

Einmal (am 26. IL) hörten wir ganz hohe feinste Töne: 
p 

r -) 1L- -, iL X JL- u. s. f., um ag herum, klingend etwa si''. 

Sehr bezeichnend ist schließlich der leise Warnruf; wir 
hörten ihn erstmals Mitte Dezember 1917 von überwinternden 

Stücken, aber auch später wieder im März. Er lautet: % wS, 

vielleicht in esg, oder, mit stärkerem Anlaut: -^^ wedd. Klang- 
lich hat er etwas Ähnlichkeit mit dem Schneppern der Rotkehlchen. 
Wir haben ihn aber selten vernommen und niemals gereiht. 

Beziehungen etwa der Locktöne zu Gesängen, so häufig bei 
anderen Arten, die ihre Strophen mit Lock- oder anderen Rufen 
einleiten, sind uns ein einziges Mal begegnet, bei einem noch nicht 
sattelfesten Sänger am 26. IL: dieser begann und beschloß ein 
Strophenbruchstück einmal mit kurz gereihtem 'idd 'idd 'idd; von 
Erwachsenen niemals. 



^) — bi = minus b^ = etwas tiefer als \)^ (zwischen b und a). 
-j- b^ := plus b^ = etwas höher als b^ (zwischen* b und h). 



112 Stadler: Cettia cetti in Friaul. ["Verh. Orn. 

L Ges. Bay. 

In dem Abschnitt ihres Lebens, während dessen wir die S. 
beobachten konnten, im Winter nnd Vorfrühling, tritt jedenfalls 
das Rufen der Seidenschilfsänger außerordentlich zurück gegenüber 
ihrem Singen. 

III. Die Stammstrophe^). 

Man muß bei der Besprechung des Strophenbaus ausgehen 
von einfachen Liedsätzen — wie sie wahrscheinlich viele S. 
wochenlang, vielleicht während ihrer ganzen Sangeszeit, fast aus- 
schließlich, andere mitten unter ihren kunstvolleren Liedern immer 
einmal ebenfalls hören lassen. Wie wollen sie die Stammstrophe 
nennen. 

Rhythmus, Takt und Weise (Melodie) der einfachen S.-strophen 
sind die eines häufigen schnell vorgetragenen Kohlmeisenlieds: 

Allegi'o 

t j ! M j f j d. h. : Ein Tonpaar in der Spannung einer Terz 

oder Quarte wird unverändert 3 — 6 mal wiederholt im Zeitmaß 
Andante. Beide Töne sind gleich lang — Sechzehntel, und nicht 
oder nur selten verziert mit Vorschlägen. Betont ist bald der 
obere, bald der untere Ton. Beide Töne sind gestoßen, nament- 
lich der betonte ist ganz grob stakkatiert. Die Betonung ist je- 
doch im Gegensatz zu den Verhältnissen bei der Kohlmeise un- 
gemein scharf; der Akzent wird sehr hart aufgesetzt. Der nicht 
betonte Ton ist klaiigärmer Die Strophe verläuft streng takt- 
mäßig im |-Takt oder, weit seltener, in dreiteiliger Gangart. 
Jedes Tonpaar ist scharf abgesetzt von seinen Nachbarn. Wahre 
Pausen fehlen jedoch. Mit großer Regelmäßigkeit steht ein Einzel- 
ton, gewöhnlich mit nachfolgender kurzer Pause, als Strophen- 
einleitung. Das Notenbild des vollständigen einfachen Lieds 
= der Stammstrophe ist folgendes: 



~. > y ^ 

lH u U U ^ I' 

ihibbbe dschibbbe dschibbbe ( 



dache äscböbbbi dschöbbbi dschöbbi dseböbbi 

oder: 



in vierteiligem Rhythmus 



i/^ Li ! Li i Li ? 1 ^" dreiteiligem Schrittmaß. 



dschi dschibbebe dschibbebe dscbibbebe 



') Meinem lieben Cornel Schmitt danke ich herzlich für seine freund- 
schaftliche Unterstützung bei der Ausarbeitung des musikalischen Teils. 



^^Y' ^' I Stadler: Cettia cetti in Friaul. 113 

1919 J ^^^ 

Zuweilen endet der Liedsatz mit einem Rinzelton, wie bei 
der Kohlmeise, also^sog. offene Strophe: 



t t 



;» 



p" • ^ . ■^ 



' 1 ' T f ! 



oder: 



dschi dschlbbbedschibbbedschibbbedschibbbedschl daclii dscliibbbijdschibbbi^dschlbbbddscLlbbbö 

Sehr ohrenfällig- ist der Taktwechsel in manchen Gesängen: 

dschi dschibb^dschibb^dschibbö dschibbedechibbedscbibbe 
dschi dschibbödschibb^dschibbd dschi'bbee dschibbee dschibbee 

Der Einschnitt in der Mitte des Liedes war bei einem der 
verhörten S. häufig und ganz aufdringlich. Der Taktwechsel in 
diesen Strophen erweckt ganz stark den Eindruck, als ob man 
Trauerfliegenschnäpper singen hörte. 

Die Töne sind nicht rein — etwas kehlig und tonarm, be- 
sonders der zweite des Tonpaars, gleich ob akzentuiert oder nicht. 
Der dem ersten Ton untergelegte „Text" besteht aus scharf 
zischenden und zugleich etwas schnalzend-schnarrenden „Lauten 

— die Art dieses Schnarrens hat aber keine Spur von Ähnlich- 
keit mit dem unserer einheimischen Rohrsänger [Acrocephalus und 
Calamodus). Die Klangfarbe des S. ist vielmehr artbesonders und 
ganz eigenartig, der „Text" wäre etwa wiederzugeben mit dschi- 
dschibbbe dschibbbe dschibbbe dschibbbe ; dschi-dschibbbe dschibbbe- 
dschibbbe-dschibbbe ; dsche-dschebbbidschebbbidschebbbidschebbbi 

— je nach der Stelle der Betonung. Wenn man will, kann man 
das laut zischende dsch durchgehends als Geräuschvorschlag 
schreiben; manchmal ist es wirklich aufdringlich Vorschlag. — 
Die Tongüte (= Qualität) ist zuweilen recht auffällig etwa die der 
Töne der Zilpzalpstrophe. 

Das auffallendste an der Strophe ist jedoch das Einsetzen 
in stärkstem Fortissimo mit wuchtigem Tonfall — der 
Gesang bricht los wie mit Sturmesgewalt und bleibt FF; die 
Macht der Stimme gibt dem Stoßen (Stakkato) der Töne den Aus- 
druck des grob abgehackten, dem Zeitmaß (Tempo) den Ausdruck 
des Schwerflüssigen, dabei sich schwer überstürzenden und, wenn 
die Töne in 32 tel-Bewegungen laufen, des Wirbelnden oder Kollern- 
den. Die Stimmgewalt und Tonfülle erinnert unwillkürlich an 
Nachtigallschlag und übertrifft weit die Tonstärke des Karrekiet, 
mit dem die S.-strophe im übrigen nicht das mindeste gemein hat. 



114 Stadler: Cettia cettl m Friaul. TVerh. Orn. 

L Ges. Bay. 

In einer längeren Reihe von Liedern geht der Umfang der 
Stimme allmählich etwas zurück. Aber auch da noch bleibt ihnen 
etwas Entschlossenes und sehr Bestimmtes im Ausdruck. Im 
Lauf der Wochen nimmt die Tonstärke vieler Sänger wenigstens 
stundenweise noch weiter ab; sie ist dann wenig größer als die 
von Trauerfliegenschnäpper, die melodische und rhythmische Über- 
einstimmung mit diesem recht sinnenfällig machend, und kommt 
dann etwa der Stimmkraft unserer Teich- und Schilfrohrsänger 
gleich. Die Sänger scheinen schließlich zu ermüden. Aber tags 
darauf schlagen die Lieder der gleichen Vögel wieder laut 
schallend an unser Ohr, 

Wenn die Vögel nicht zu scharf singen, nähern sich ihre 
Liedsätze noch mehr denen des Trauerfliegensängers : im Rhythmus, 
in den Motiven, der Tonhöhe, sogar in der Klangfarbe und im 
Text wird dann die Übereinstimmung fast überraschend. „Zide, 
zidede, zidä" hört man hier wie dort^). 

Die eigenartige Klangfarbe, Mangel an Ton und die Bei- 
mischung starker Geräusche können es ungemein schwierig machen, 
die Tonhöhe der Strophen festzustellen, zumal wir für diese 
Höhen doch rein gestimmte Instrumente (Salizionalpfeifchen) ver- 
wenden. Der Hochton der einfachen Strophe ist häufig Cg, der 
Tiefton a^, aber auch Tonspannungen von -diSg a^^; ciSg g^; h^ g^ 
sind ganz regelmäßig zu finden. Bei dem Sänger der auf p. 112 
niedergeschriebenen Stammstrophen haben wir als Hochton nach- 
einander gehört 65; disgi dg; als unteren Ton C5 und h^. In den 
verwickelter gebauten Strophen, um das gleich hier einzufügen, 
nimmt die Vielgestalt auch der Intervalle zu — s. die Beispiele 
auf p. 120. Ein Vogel, der dutzendmal immer ganz das gleiche 
längere Lied sang: 




*) Verstärkt wird die Ähnlichkeit weiterhin durch das Trauerschnäpper- 
artige ihres übrigen Gehabens: das unruhige Hin und Her von Baum zu 
Baum, von Strauch zu Strauch, den Aufenthalt in den Gärten eines gewissen 
Umkreises, das Abstreifen eines bestimmten Gebiets und Immer-wieder-zurück- 
kehren zum Ausgangsort. Freilich dürfen auch die Unterschiede des Ver- 
haltens beider Arten nicht unerwähnt bleiben : der Trauerfliegenfänger fliegt wohl 
höchst unruhig von Ast zu Ast, von Baum zu Baum, aber aufgebäumt bleibt er 
sitzen, und erhebt sich nur zum Weiterfliegen. Anders der S.: er fliegt an, 
sitzt einen Augenblick still, rückt eilig den Zweig hinauf oder hinab, flattert 
zum nächsten Zweig — und fort ist er schon wieder. Oder, im vollsten Wider- 
spruch damit : er sitzt singend viertelstundenlang ruhig auf einem Fleck in seinem 
Busch, wie eine Nachtigall. Und am Wasser müssen die Gärten seines Wohn- 
bezirks liegen! — Nie haben wir einen Balzflug beobachtet! 



XIV 

1919 



,1,1 

19 J 



Stadler: Cettia cetti in Priaul 



115 



brachte als Tiefton anhaltend a^; das TJ in ciSj; der Hochton 

der Koloratur hingegen wechselte immerfort: wir bestimmten sie 
als — h^, h^, — c,, c, ciSs, —dg. — Ein anderer sang immer wieder 
die Strophe: 



V'V 




Wie die beigefügten Notenwerte von Hoch- und Tiefton zeigen, 
wechselten absolute Tonhöhe und Tonspannung unausgesetzt. Die 
Tonspannung schwankt demnach von einer kleinen Terz bis zur 
Quart und noch etwas darüber hinaus zuweilen — wechselt wie 
die absolute Tonhöhe beim selben Sänger schon und in unmittel- 
bar aufeinanderfolgenden Strophen. Unsere Intervalle werden da- 
bei, wie man sieht, häufig nicht genau eingehalten; Vierteltöne 
sind eine regelmäßige Erscheinung. Wenn mehrere nebeneinander 
singen, ist es häufig, daß von zwei Nachbarn einer andauernd 
einen Viertelton höher singt. Die Stimme des S. ist so beschaften, 
daß einem aufmerksamen Ohr solche an sich geringfügige und 
ungewohnte Tonhöheverschiedenheiten nicht entgehen können. 

Die Dauer (Länge) der Lieder wechselt je nach ihrer 
Ausgestaltung: die der Stammstrophen beträgi zwei bis drei 
Sekunden, die der ausgebauten Strophen fünf und mehr Sekunden. 

IV. Der ausgebaute Liedsatz. 

Wie die Erörterung der Tonhöhe es schon vorwegnehmen 
mußte, wird also die Stammstrophe von den meisten Sängern 
ausgebaut zu Gebilden von größerer oder geringerer 
Vielgestaltigkeit. 

Über Abänderungen der Einleitung ist nicht viel zu sagen. 
Vorhanden ist sie wohl in jeder vollständigen Strophe. Dieser 
Einzelton ist bald eine Viertel-, bald eine Achtelnote (auch beim 
gleichen Sänger). Er ist nie verziert. Die Pausen, bald Achtel-, 
bald Viertelpausen, können auch gänzlich fehlen. Der Anfangston 
kann verdoppelt werden. Er wird nach der Pause wiederholt und 
erscheint als Auftakt des Lied-Mittelstücks. Hier die Beispiele: 



Il6 Stadler: Cettia cetti in Friaul. rVerh.Orn. 

|_ Ges. Bay. 

5 eddi eddi eddi ede zwidde zwidde zwidde 

' ' ' 

da da widda widda wi'dda 

Die Höhe dieses Anfangstons ist vielfach die des Hochtons 
der Strophe, häufig aber, auch in den Stammstrophen, etwas höher 
oder etwas tiefer. Auch in den verwickeiteren Liedsätzen (s. p. 177 ff.) 
ist der Abstand zum Strophenhochton nicht mehr als ein Halbton 
nach oben. 

Das der Einleitung folgende Liedsatz-Hauptstück bietet dem 
Blick des Musikers schon an sich reichliche Möglichkeiten der Ab- 
wandlung (Variation): seine tatsächlichen Veränderungen durch 
Begabung und Geschmack des einzelnen Vogels stehen wirklich 
menschlicher Erfindungsgabe kaum nach. Wir wollen Beispiele 
genau mitgeschriebener Strophen bringen und an ihnen die Ab- 
wandlung des Grundthemas zeigen. 

Der Liedsatz in vierteiliger Gangart (vierteiligem Rhythmus) 

I * ' j I T ' 1- Es ist eine Stammstrophe. Wir 
V^ ^ W^ wollen sie Art 1 nennen. 

Wird das zweite Sechzehntel in zwei 32tel zerlegt, so ent- 
steht Abart 2: 

I . ^ t ^ ? 
^)lij Irj \\\ \\\ Hochton um % herum (19. II.) 

dschi dschiTreze dsohiweze dschiweze dschiweze 

oder I '^ i • • T • • i • • 11 Hochton in cisj (3. III. : etwa im largo 
\V\ LU I j ] Li vorgetragen, etwas schleppend). 

Eine andere Abwandlung (= Abart 3) zeigt die Verbindung 
von 1 u. 2 : , > > > 



^1^>UU 



j, oder umgekehrt: 

dscliiweze dschiweze dschibbe dsohibbe 



XIV, 
1919 



'•] 



Stadler: Cettia cetti in Friaul. 



117 



I T 



WWW LÜ Lü 



oder: 



dschibbe dachibbc dachlbbe dschiwez« dsobiwese 

Zerlegte Tonfigureii und Grundgesetzlein (Motiv) wechseln ab. 






(8. IIL). 



Abart 4: Art 1 wird, meist nach unten, erweitert: 

dschibb ideSde idSSde idSSde 
Abart 5 : Erweiterung nach unten (= 4) und Verschnellerung : 




Abart 6': Verbindung von 5 und 1; 




(>-) (>J (^} 
zezezezezeze ede ede ede e 

Verbindung von 4 und 1: 



(17. m.) 



■^ j» 



v^'uUu^v^v 



(24. n.) 



Abart]7: Erweiterung, Verschnellerung]und EinschiebungVon 1 : 





(17. m.) 

Abart 8: wie 7, aber das [zweite Sechzehntel wird ersetzt 
durch eine Pause (s. p. 115). 



118 



Stadler: Cettia cetti in Friaul. 



[Verh. Orn. 
Ges. Bay. 




(25. IL) 
Bei demselben Sänger fehlte auch die Pause häufig ganz. Er 
sang diese Variante auch so: 



U 



i,yiJl,LiUi/ 



Diese Liedsätze von der Art 5 — 8 (und 9) enthalten Kolo- 
raturen (Läufe), wie wir sie beim Rotkehlchen und beim Wald- 
baumläufer antreffen: die Strophen kollern. Das Kollern ist un- 
gemein häufig im Cettiengesang, seine Töne sind stets kehlig und 
sehr tonarm, was unsere Schreibweise mit durchstrichenen Noten- 
köpfen wiedergibt. Lautlich erinnert es an ähnliche Lautgebilde 
im Nachtigallen- oder im Kanariengesang — an deren ebenfalls 
fast oder völlig tonloses Schlottern und Kollern. Zuweilen sind 
es wahre Eoller, keine Läufe, so in Strophen am 24. IL: 

dschibbe dschibbe dschibbe rrrrre e rrrre e 

Wir kommen zu den Liedsätzen mit dreiteiligem Rhythmus. 
Ihre G-rundform lautet (Art 9): 



s. p. 112. 



10. Die Sextolen bleiben auf einem Ton stehen: 

lv>üJvlüv 

11. Art von 9, aber der zweite Teil wird punktiert und zu- 
gleich gebunden: 



V 



V 



^G:]-^Cj""^' 



Sodann (Art 12): dreiteilige und vierteilige Gangart 



wechseln ab im gleichen Lied: 



XIV 

1919 



.1.1 

19 J 



Stadler: Cettia cetti in Friaul. 



119 



lj;^^Uj'ulju(M^^-^^-' 



/\n^ 



f 



(8. III. — zugleich 
Ton- 



t't ! ^ i f r ' > • l T L T 1/ Takt- und To 
lsU|^]=yj/^^^ '==^ *^" Stärkewechsel). 

Dreiteiliger und vierteiliger Rhythmus sind unter- 
einander gemischt (Art 13): 



zu züee zedde zä§e zedde züdie zee 
> 

Alle diese Strophen haben wir gehört mit kleinen Abweich- 
ungen namentlich der Noten- und der Pausenwerte; es lohnt sich 
nicht, sie alle eigens zu vermerken. 

Ein Schluß fehlt dem Lied mancher S. so regelmäßig wie 
den Kohlmeisenliedern. Sie endet mit dem letzten der Motive, 
aus denen sie eben besteht. Zuweilen wird das Nahen des Strophen- 
endes angekündigt durch eine Verkürzung des gewöhnlichen Motivs 
dschibbbe, so 

^^^ UjUJ ^'^'"^ 

Oder eine kleine Verlängerung des ^ beendet den Liedsatz ; 
der Schluß zeigt dabei zugleich einen Rhythmus Wechsel: 



21. IL 



U ui wu yj 






Aber bei den guten Sängern muß man von einem Schlugt eil 
der Strophe doch sehr bestimmt sprechen: da wo das Motiv 
oder der Takt oder die Tonstärke wechseln — vergleiche die Bei- 
spiele unter den bisher gebrachten Liedern. Atempausen oder 
regelrechte Pausen zeigen den Beginn des Schlußstücks noch be- 
sonders an zuweilen. Für die Strophenschlüsse vieler Sänger ist 
aber sehr bezeichnend folgende Erscheinung, die wir ungemein 
oft festgestellt haben: es wechseln im Lied-Schlußteil außer 



120 



Stadler: Cettia cetti in FriauL 



[Verh. Orn. 
Ges. Bay. 



Rhythmus und Motiv auch die Tonhöhe und die Klangiarbe, 
und zwar die Klangfarbe nicht infolge des Hinaufgehens der Ton- 
höhe. Beispiele: 



v^Uy üj^ üf 



i m.: 




kollern 



24. IL 



26. IL 



kollern 



kollern 



'< '• 1 

diddi diddi di 



U ü7>: U t 



^^UjUjUj-/^^'^^^ 



v^i-Lü 




. üü Uj, 



kollernd 
(Hochton des Schlusses bald disj, bald — diSg, bald ciSg). 
In dieser letzten Strophe schwankte die absolute Tonhöhe etwas 
hin und her, aber das Intervall zwischen Mittelstück und Schluß 
blieb das gleiche. 

26.11. |,,v(;: . ,•;. . ^^U^ 



^"^■iv,Ujii 



von ein und demselben Vogel oft vorgetragen.) 



17. III 



• iv-^Ljv^'Gj^Qj 



a,. 



Hier war der Hochton des Schlußteils um weniger als einen 
halben Ton, aber sehr deutlich höher. 



d. 



S 



'ü^,f 



^ 



Hier kehrt der Schluß zur Tonhöhe des Anfangs zurück. 



XIV 

1919 



,1,1 

19 J 



Stadler: Cettia cetti in Friaul. 



121 



Nicht selten wird als Schluß eine Reihe gleich hoher ge- 
stoßener Töne verwendet, angehängt, die dem Stakkatosingen 
mancher Ammern entlehnt zu sein scheinen und viellach auch 
recht ammerartig und sogar wie wahrer Rohrammergesang klingen. 
Beispiele: 



14. IL 



V Wi W W W 



V 



an 



24. II. 



3 3 1 



Schluß wie Rohrammerstoßen. 



pe pe pe — ammerartig 



17. m. 




j>U_LU 



LU 



Diese' Ammerschlüsse sind, nebenbei bemerkt, fast die einzigen 
Beispiele von Spotten erwachsener Cettien. Sonst hörten wir 

noch manches [_J der Einleitung erklingen in unverkennbarem 

Kohlmeisenpinkpink. Aber dies wenige war auch alles, was wir 
von Nachahmungen fremder Vorbilder auffinden konnten. Gegen- 
seitig scheinen sie sich öfter zu bespotten: es war wenigstens 
höchst auffällig, wie zwischenhinein ein S. von seiner Lieblings- 
weise abließ und des Nachbars Lied zum Vorschein brachte. 



Um Zweifeln zu begegnen, wollen wir hier anfügen : all diese 
Liedsätze, deren Notenbilder wir vorstehend gebracht haben, haben 
wir nicht einmal, sondern oft, manche sehr oft vernommen. Sie 
waren keine rein zufälligen Abweichungen im Singen einzelner, 
sondern bleibender Besitz und teilweise Gemeingut mehrerer ver- 
schiedener Cettien. Fast jeder Vogel hatte seine besondem Lieb- 
habereien im Singen und hielt an diesen beharrlich fest. 

Wir konnten außerdem feststellen, da wir im März volle drei 
Wochen hindurch fast täglich einzelne bestimmte Sänger aufs 



122 Stadler: Cettia cetti in Friaul. fVerh-Orn. 

L Ges. Bay. 

Korn nahmen und den ganzen übrigen Chorus des Auwalds darauf- 
hin abhörten: daß die Strophen dieser Brutvögel sich nicht ver- 
änderten innerhalb dieses Zeitabschnitts — die Sänger kamen an 
mit fertigen Strophen aus ihren Winterstandorten. 

V. Blaukehlchen- und Tannenmeisenstrophen der 
Seidenrohrsänger. 

Wir haben bereits der Übereinstimmung mit Trauerfliegen- 
fänger gedacht. Zwei weitere Vorkommnisse der Art im Singen 
der Cettien sind höchst merkwürdig: die Ähnlichkeit mancher ihrer 
Liedern mit Bruchstücken der Blaukehlchen Strophe und mit 
dem Singen der Tannenmeise: wir haben beides allerdings nur 
als Ausnahmen gehört, immerhin mit solcher Regelmäßigkeit, daß 
man es nicht als Spotten ansprechen kann. 

Am 11. IL sangen im Auwald am Noncello „offenbar Blau- 
kehlchen" : 



i;l^ 



I?- 



„zirre zirri zirri zirri" (zirpend) irri irri irri irri 

Es war nur nicht möglich, diese Blaukehlchen zu sehen, obgleich 
sie dicht vor uns zu singen schienen. Erst später wurde uns der 
Sachverhalt klar. Von Blaukehlchen haben wir bis zum 25. IIL, 
dem Tag- unseres Abzugs aus Italien, in dem übersichtlichen Ge- 
lände niemals eine Spur beobachtet. 
Am 3. ni. hörten wir ähnliches: 



' " ' " und 



"i 'i 'i 'i ,. . zirr zirr zirr zirr zirr 

— — — — (tonarm) 
rrr rrr rrr rrr ' 

Diese Gesangsleistungen sind nicht nur in der Tonhöhe, den Ton- 
gebilden, im Rhythmus genau die bei Blaukehlchen gewöhnlichen 
Motive, sondern auch klanglich und sprachlich (phonetisch). Die 
Übereinstimmung ist so groß, daß wir im Februar, als wir diese 
Art von Cettiengesang noch nicht kannten und das scheue Tier 
nicht vor das Glas bringen konnten, ohne Zögern dies Zirpen 
Blaukehlchen zugeschrieben haben. 

Wir sagten weiter vorn, daß trotz der völligen Überein- 
stimmung des Rhj^thmus und der Motive keine Erinnerung an 
Kühlmeise aufkomme, wenn man Cettien singen hört. Dieser Ver- 
wandtschaft wird man sich erst dann bewußt, wenn eine Stamm- 
strophe in besonderer Weise vorgetragen wird: langsam, schleppend, 



XIV 

1919 



.1,-1 

9 J 



Stadler: Cettia cetti in FYiaul. 



123 



nnsicher im Takt, einen Ton zum anderen hinüberziehend, so daß 
zwischen den einzelnen Tönen keine richtige Grenze zu sein 
scheint — d. h. wenn der Vogel in der Art singt, wie es manche 
Kohlmeisen tun, vor allem aber die Tannenmeise. So schrieben 
wir am 28. II. die Strophe: 

, > , ^ , > . \ mit dem Vermerk: 



etwas schleppend. 



am 19. n. den Liedsatz: 



f,-), J 1 1 .1 |. ebenfalls als „schleppend". 
Am 19. II. zeichneten wir noch solch eine schleppende Strophe auf: 



Am 26. IL: 



am 3. IIL: 



luuuu 

ziwö zm6 ziw6 ziwe 

I ; ^^ >> ^^ ^ I 

zi ziwe zlwe ziwe ziwe 



„schleppend wie Tannenmeise". 



y u u Uj 

zizi ziwe ziwe ziwe 
Wir verweisen auf unsere Ausführungen im Journ. f. Orn. 1918, 
p. 231 ff., wo wir über das Eigenartige des Tannenmeisengesangs 
uns ausgesprochen haben und über die Form, in der man diese 
Gesänge in Noten wiedergeben könnte. Auch beim S. müßten 
z. B. die letzten beiden Strophen geschrieben werden, wie wir es 
dort bei der Tannenmeise mitgeteilt haben: 

— um zum Ausdruck zu bringen das Taumelnde, Schwankende, 
das beiden, sich sonst so fern stehenden Arten gleicherweise eignet. 
Diese Ausführungen bringen uns schließlich auf beachtens- 
werte Erscheinungen im Singen übender Cettien. 

VI. Übende Seidenrohrsänger. 

Wir hörten einer übenden Cettie länger als eine Stunde zu 
je am 25. und am 26. IL Der Vogel sang seinen krausen Lieder- 
schatz inmitten eines Dutzends vortrefflicher anderer Seidenrohr- 
sänger. Er hatte viele Bruchstücke der regelrechten Staram- 
strophe, oder kurze ganze Liedsätze der Art: oft gelangen ihm 



124 Stadler: Cettia cetti in Friaul. fVerh. Oru. 

L Ges. Bay. 

sehr gute vollständige (Stamm-)Stroplien, nur tonarm waren sie. 
Es war sonderbar, wie dieser fleißige Sänger unmittelbar auf eine 
oder zwei gut geglückte Strophen wieder eine Reihe ganz erbärm- 
licher sang. Auch er brachte den sozusagen unvermeidlichen 



Mordent oder Doppelschlag 



V'lüJ 



die Tonfigur, die 



wir am ausgesprochensten beim Gartenbaumläufer, beim Schwarz- 
kehligen Wiesenschmätzer, im Kollern des Auerhahns, bei der 
Zippammer und gelegentlich bei einer Menge anderer Vögel an- 
treffen. Er stümperte ohrenfällig; machte Fehler aus Unvermögen, 
aus Mangel an Übung, radebrechte, wie wir es im Gestammel so 
vieler junger oder sich wieder einsingender Vögel beobachten. 
Aber so vieles an seinem Singen: Klangfarben, Text, Tonfiguren 
war völlig fremdartig. Wie sich das beim Anhören der stüm- 
pernden Vögel überhaupt aufdrängt: der Eindruck, daß sie Art- 
fremdes nachahmen — so war man auch bei ihm versucht, in 
seinem Singen Verwechslungen mit dem Gesang anderer Arten 
anzunehmen oder Anlehnungen an Vorbilder, die wir, die Be- 
obachter, eben nicht kennen. Aber mancherlei in seinem Vortrag 
war uns auch wohlbekannt — waren Motive ununterscheidbar von 
Gesängen heimischer Vögel. So hörten wir oft von ihm kurzes 
Zirpen von Blaukehlchen in der Weise des Altengesangs, ein- 
mal in der Verbindung und im Klang und Text, wie sie uns von 
Blaukehlchen geläufig sind: 

zirr zirr zirr ibö ibö ibö 
Ammerartige Schlußtöne, ähnlich denen, welche die fertigen Sänger 

p 
bringen (p. 121), sang er oft — so in einer Strophe: [ ;'.^ j • ; ,• ; 

Zuweilen war die Klangfarbe des Schlußstakkatos genau die des 



Zippammers: 



vLy'Ui'üjl -" ivi^i^/Üi 






pi pi pi pi pi pi 

Tannenmeisenstrophen haben wir nicht gehört. Dagegen sang 
dieser übende Vogel klangechte Kohlmeisen Strophen, z. B. 

[• f^ — und ununterscheidbar von wirklicher Kohl- 



zibe zibe zibe zibe 



Verh. Orn. Ges. Bay. Bd XIV. 



Taf. II. 





i 

T-rri4^( 








-i 1 

M " 


1 III 


jEä^Z'^f''''^ 


"'.^■iiT-.^d^ 




1 s»^ „isüaL 








.^jjg 


3 



Aufnahme 1 : Sumpf mit Buhnen und schnellfliessendem Bach am See Burida. 
Aufenthalt von Seidenrohrsängern. Februar 1918. 




Aufnahme 2 : See Burida. Eiland mit Einzelbaum. 
Aufenthalt von Seidenrohrsängern. Mitte Februar 191 J 



sang er: 



^^qi'q^'l Stadler: Cettia cetti in Friaul. 125 

meise. Das ist deswegen merkwürdig, weil doch dem Gesang des 
Erwachsenen diese Übereinstimmung fehlt. 

Dieser sich einsingende Schüler hatte aber noch andere höchst 
auffallende Weisen in seinem Liederschatz: Tonfolgen und voll- 
ständige, wenn auch kurze Strophen der Weidenmeise — über- 
raschend reine, untadelhafte Weidenmeisenlieder! So 

zibbl zibbl zibbl ' ö zübl ö zübl ö zübl 

So und ähnlich sang er oft — so naturgetreu, daß man sich wirk- 
lich fragte, ob in diesem Ufergestrüpp nicht eine wahrhaftige 
Weidenmeise singe? War es Nachahmung (Spotten) ? Wo hat 
der Sänger des Südens wohl nördliche Sumpfmeisen gehört? Liegt 
Übereinstimmung vor — „Konvergenz" — nach einem uns unbe- 
kannten Gesetz, wenn Seidenrohrsänger singen wie Kohl-, Tannen-, 
Weidenmeise, Zipp- und Eohramraer, Blaukehlchen, Trauerfliegen- 
schnäpper — welch letzteren wir zu unserer Verwunderung im 
Können des Übenden nicht vertreten fanden? 

Wenn ähnliche Befunde wie beim S. zu erheben wären bei 
noch mehr oder etwa vielen Vogelarten — und warum sollten sie 
es nicht? — dann liegt der Fall so, daß in den Liedern sich 
einsingender (junger oder alter) Vögel die an sich schon erstaun- 
lichen Übereinstimmungen der Gesänge grundverschiedener Arten 
noch größer und überraschender werden; und daß man versucht 
sein könnte auszusprechen, daß die gleichgerichteten Erscheinungen 
im Gesang solcher übender Tiere hinweisen auf eine gemeinsame 
Wurzel, daß sie in einer Art Cänogenese uns die vorgeschichtliche 
Entwicklung der oft so sehr verschiedenen fertigen Gesänge aus 
einheitlichen Urgesängen vorführen würden. Doch das gehört ins 
Gebiet der Denkmöglichkeiten — in ein Gebiet, das als ge- 
schichtliche Frage bis auf weiteres der naturwissenschaftlichen 
Forschung verschlossen und unbearbeitbar bleibt. Wer vermag 
denn heute über Abstammung der Tiere selbst, so auch der Vögel, 
irgendwie Sicheres im Ernst zu sagen? 



126 HeUmayr: Miscellanea Ornithologica IV. PVerh. Örn. 

L Ges. Bay. 



Miscellanea Ornithologica IV ^). 

Von 

C. E. Heilmayr. 

XII. Vier neue Formen aus dem tropischen Amerika. 

Catharus melpomene sierrae n. subsp. 

C. aurantiirostris (nee Hartlaiib) Bangs, Proc. Biol. Soc. Wash. 
12, 1898, p. 160 (Pueblo Viejo), 181 (Palomina); Allen, 
Bull. Amer. Mus. N. H. 13, 1900, p. 183 (Sierra Nevada de 
S*^ Marta). 

Adult. — Am nächsten verwandt mit C. m. birchalU Seeb.^), 
aus N.O.-Venezuela (Bermudez) und Trinidad, aber oberseits be- 
deutend matter, weniger röstlichbraun gefärbt; die Backen- und 
Ohrgegend sowie die Strichelung auf Bartgegend und Kehlseiten 
hellolivbräunlich statt aschgrau; die Vorderbrust schmutziger asch- 
grau; die Weichen viel stärker olivbraun überlaufen; Flügel durch- 
schnittlich kürzer. Von dem geographisch benachbarten C. m. 
aurantiirostris (Hartl.)^) aus dem Gebirge von Caracas, durch matt- 
röstlichbraune (statt hellolivgrünlichbraune) Oberseite, viel mehr 
rostbraune Flügel und Schwanz etc.; von C. m. costaricensis Hellm., 
aus dem südlichen Zentral-Amerika, durch viel mattere, nicht so 
lebhaft zimtrostbraune Färbung der Außenseite der Schwingen 
leicht zu unterscheiden. 



») Siehe diese .,Verhandlungen" XIII, Heft 3, Mai 1918, p. 302—317. 

2) Catharus Mrchalli Seebohra, Cat. B. Brit. Mus. V, p. 289 (1881. — 
Der Autor gibt als Fuudorte an: Bogota uud ,,Oronoco"-Thal. Das Brit. Museum 
besitzt einen Balg aus Bogota (ex Mus. Salvin-Godman) und zwei vom ,,Oronoco 
Valley", letztere sind von Seebohm als „types" bezeichnet. Es sind sogen. 
„Orinoko"-Bälge, deren Herkunft zweifelhaft ist, die aber zum Teil wenigstens 
aus dem Gebirgsstock südöstl. Cumana, im nordvenezuelanischen Staate Bermudez 
stammen, wie heute festgestellt ist. Alle Catharus-Arten sind Bergbewohner 
und das Vorkommen eines Vertreters der Gattung im Orinoko-Tale ist einfach 
ausgeschlossen. Wir fixieren daher als Terra typica für C. birchalU die Anden 
von Cuniand, N.O.-Venezuela). 

') Turdus aurantiirostris Hartlaub, Eev. Mag. Zool. (2) I, p. 158 (1850. 
— Venezuela; nach Hartlaub (Contrib. to Ornith. 1851, Nr, 2, p. 80) stammt 
der Typus aus Caracas). 



^Vq^'l Hellmayr: Miscellanea Ornithologica IV. l27 

3 cTcT. — AI. 75, 75, 78; caud. 62, 63, 65; rostr. 16, 16, I6V2 mm. 
3 ?$. — AI. 70, 75, 75; caud. 56, 60, 63; rostr. WL, 17 mm. 

l^ype im Zoologischen Museum, München: Nr. 09. 6032 „cT" ad. 
(augenscheinlich aber g ad.), La Concepcion, Sierra Nevada de 
Santa Marta, N.-Colombia, 3000 engl. Fuß, März 15, 1899. W. W. 
Brown coli. 

Hab. — Nord-Colombia, Sierra Nevada de Santa Marta (La 
Concepcion, Palomina, Chirua, Pueblo Viejo) in Höhen von 3000 
bis 8000 Fuß. 

Obs. — Sechs alte Vögel von der Sierra Nevada de Santa 
Marta (La Concepcion, Chirua) wurden verglichen mit vier C. in. 
aurantiirostris, aus den Bergen von Caracas, und einunddreißig 
C. m. birchalli (21 Trinidad, 8 Bermudez, 2 Typen ohne genaueren 
Fundort). Es ist eine bemerkenswerte Erscheinung, daß C. m. 
sierrae dem geographisch entfernteren C. m. birchalli viel ähnlicher 
ist als dem das näher gelegene Bergsystem von Caracas bewohnen- 
den C. m. aurantiirostris. 

JPlanesticus serranus mtinanensis n. subsp. 

Ähnlich P. serrarms atro-sericeus (Lafr.)^), aus den Gebirgen 
von Caracas und Carabobo; das cT ad. nur durch etwas kürzeren 
Schnabel, das $ ad. aber leicht durch merklich dunklere, weniger 
olivenfarbige Oberteile, sehr viel dunklere, rußgraue Unterseite, 
viel dunklere, an der Spitze kaum orangeröstlich gerandete Achsel- 
federn und Unterflügeldecken, und ganz gelben, etwas kürzeren 
Schnabel zu unterscheiden. Schon die cTcf im ersten Jahreskleide, 
die vorwiegend braunes Kleingefieder tragen, in welchem nur 
einzelne zerstreute schwarze Federn eingemischt sind, was auch 
bei P. s. atro-sericeus die Regel ist, kennzeichnen sich durch sehr 
viel dunklere, fast schokoladenbraune Ober- und Unterseite, dunkler 
rostbraune Flügel, mehr schwärzlichbraunen Schwanz, und dunkler 
(schwärzlich) braune Achselfedern, die an der Spitze kaum schmal 
rahmröstlich gesäumt sind. 

cTcf ad. — AI. 117—123; caud. 108—111; rostr. 23— 23'/2 mm. 
$? ad. — AI. 116—118; caud. 104—107; rostr. 23-24 mm. 

Type im Zoologischen Museum, München: Nr. 09. 1035 g ad. 
Ö-ebirgsstock von Cumanä, Staat Bermudez, N.O.-Venezuela, März 
1897. E. Andr6 coli. 

Hab. — N.O.-Venezuela: Gebirgsstock von Cumanä im Staate 
Bermudez. 

Obs. — Zehn Vögel der neuen Form wurden mit achtzig 
Exemplaren von P. s. atro-sericeus, aus dem Gebirge bei Caracas 



^) Merula atro-sericea Lafresnaye, Rev. Zool. 11, p. 3 (1848. — Caracas, 
Venezuela). 



128 Hellmayr: Miscellanea Ornithologica IV. iTi'^^'R^^" 

(Silla de Caracas, Cerro del Avila), zwei von der Cumbre de 
Valencia, Carabobo, einem g ad. aus Guarico, Lara, und sieben 
aus den Anden von M6rida verglichen. Wie bei den anderen Ver- 
tretern dieses Forraenkreises weichen die cfcT ad. des P. s. cuma- 
nensis nur wenig ab, wogegen die 55 ad. sehr auffallende Färbungs- 
verschiedenheiten aufweisen. Auf die interessante Gefiederfolge 
und die Mauserverhältnisse dieser Bergamseln gedenke ich an 
anderem Orte näher einzugehen. 

Troglodytes musculus honariae Hellra. 

Troghdytes musculus bonariae Hellmayr, Anz. Orn. Ges. Bay. Nr. 1, 

Febr. 1919, p. 2. 

Adult. — Am nächsten verwandt mit T. musculus magellanicus 
Gould V) aus Patagonien und Feuerland; aber mit merklich stärkerem, 
auch etwas längerem Schnabel; viel dunklerer, rußbrauner (statt 
blaßgraubrauner) Oberseite; viel düsterer rostbraunem Schwanz; 
weniger röstlichem Bürzel, und mit breit schwarz und weiß ge- 
bänderten Unterschwanzdecken. AI. 51 — 53; caud. 42 — 47; rostr. 
123/^-14 mm. 

Type im Zoologischen Museum, München : Nr. 12. 170 5 ad. 
La Plata, prov. Buenos Aires, Argentinien, April 1906. L. Dinelli coli. 

Hab. — N.O.-Argentinien,in den Staaten Buenos Aires, Entrerios 
und Corrieutes; Uruguay; S.O.-Brazil, Staaten Rio Grande do Sul 
und Santa Catharina (Blumenau). 

Obs. — Der gewöhnliche Hauszaunkönig der argentinischen 
Hauptstadt wurde bisher unbegreiflicherweise immer mit T. m. 
magellanicus identifiziert, obwohl ihn die breite schwarz-weiße 
Bänderung der Unterschwanzdecken, die düster rußfarbige (gar 
nicht hellgraubraune) Oberseite und der stärkere Schnabel ohne 
weiteres kenntlich machen. Nur bei jüngeren Exemplaren, die 
sich durch den Besitz dunkler Spitzenränder auf Kehl- und Gurgel- 
federn kennzeichnen, ist das zuerst genannte Merkmal weniger 
ausgeprägt oder sogar verwischt. Vögel aus Corrientes, Rio 
Grande do Sul (Taquara do Mundo Novo) und Santa Catharina 

') Troglodytes magellanicus Gould (Proc. Zool. Soc. Lond. 4, „1836", 
publ. Febr. 1837, p. 88: „in Fretu Magellanico") ist der älteste verfügbare Name 
für den patagonischen Hauszaunkönig. Troglodytes hornensis Lesson 1834, den 
man vielfach für ihn verwandte, bezieht sich ohne jeglichen Zweifel auf die 
südliche Form des Cistothorus platensis (Lath.), die ich bisher C. p. eidouxi 
(Bonap.) nannte. 

Troglodytes rosaceus Lesson (Rev. Zool. 3, 1840, p. 262) bezieht sich teil- 
weise auf T. m. bonariae, wie aus der beigefügten Heimatsangabe „Plata" hervor- 
geht. Allein die Beschreibung (siehe „dessus . . . brun, passant au brun roussätre 
sur le dos ... et au roux vif sur les couvertures sup^rieures de la queue" und 
„couvertures inf^rieures rousses") läßt keinen Zweifel, daß sie nach einem Vogel 
aus Chili entworfen wurde, weshalb ich Chili als terra typica von T. rosaceus 
fixiere. 



' ' j Holhnayr: Miecellanea Ornithologica IV. 



(Blumenau) ^) stimmen mit einer Serie von zehn Bälgen aus Buenos 
Aires vollständig überein. Wie weit sich das Verbreitungsgebiet 
des T. m. bouariac nach Süden erstreckt, vermag ich nicht anzu- 
geben. Jedenfalls aber gehört eine mir vorliegende Suite vom 
Rio Negro und aus Neuquen (Neuquen; Laguna del Rio Limay; 
Rio Traful; Lago Naliuel Huapi) bereits zu dem kleinschnäbligeu, 
hellrückigen 7'. m. magellanicus, welcher einfarbig rostgelbbraunes 
Crissum, höchstens an einigen der längsten Unterschwanzdecken 
einen winzigen, tüpfeiförmigen, dunklen Subapicalfleck besitzt. 
Vögel aus Cordoba sind mir unbekannt, dagegen vermag ich solche 
aus Tucumäu (Tafi Viejo, Mantantial) und Jujuy schon nicht vom 
typischen T. m. musculus, aus dem östlichen und inneren Brasilien 
zu unterscheiden. 

Pseudocolaptes hoissonneautii inedianus Hellm, 

Pseudocolaptes hoissonneautii medianns (err. typ.) Hellmayr, Anz. 
Orn. Ges. Bay. Nr. 1, Febr. 1919, p. 3. 

Adult. — Unterscheidet sich von P. h. boissomieautii (Lafr.) 
(Type ex Bogota) aus Colombia (Bogota: Santa Elena, Antioquia) 
und Ecuador durch nicht reinweiße, sondern blaßgelblich über- 
laufene Kehle und Gurgel, sowie durch meist heller zimtroten Ton 
des Bürzels und Schwanzes. Der Schnabel beider Geschlechter ist 
in der Regel länger als bei der typischen Form. 
1 d" ad. — AI. 115; caud. 107; rostr. 23 mm. 

4 $5 ad. — AI. 110; caud. 99—103; rostr. 26, 27, 271/^, 29 mm. 

Type im Zoologischen Museum, München: Nr. 16. 800 $ ad. 
Leimabamba, Dept. Amazonas, N.-Peru, alt. 10,000 engl. Fuß, 
Juli 16, 1894. 0. T. Baron coli. 

Rah. — Hochgebirge von Nordperu in den Dept. Cajamarca, 
Amazonas und Libertad (Cutervo, Nancho [= Paucal]; Leimabamba, 
Chachapoyas, Cumpang, u.ö. Tayabamba). 

Obs. — Hartert & Goodson (Nov. Zool. 24, 1917, p. 500, im 
Text), welche die hier beschriebene Form recht gut charakteri- 
sierten, gaben der Vermutung Ausdruck, daß sie wahrscheinlich 

^) Oberholser (Proc. U.S. Mus. 27, 1904, p. 202) nennt die Bewohner von 
Santa Catharina Trogl. Musculus wiedi, was indessen durchaus irrtümlich, ist. 
Thryothorus Wiedi Berlepsch (Journ. f. Ornith. 21, 1873, p. 231) ist lediglich 
ein neuer Name für Thryothoius platensis Wied [nee Latham] (Beitr. Naturg. 
Bras. 3, II, 1831, p. 742). Wied gibt als Fundorte Rio de Janeiro sowie 
Caravellas und Belmonte, südl. Bahia an. Da die jetzt im American Museum 
zu New York befindlichen Originale keine nähere Fundortsbezeichnung tragen 
(cfr. Allen, Bull. Amer. Mus. N.H. II, 1889, p. 214), fixieren wir hiermit Rio 
de Janeiro als terra typica von 2'. wiedi Berl. Vögel aus Rio de Janeiro, S. Paulo 
und Espirito Santo vermag ich nach neuerlichem Vergleich großer Serien nicht 
vom T. m. musculus aus Bahia, Goyaz, Minas und Mattogrosso zu trennen. 
Thryothorus Wiedi Berl. und Troglodytes guarixa Pucheran 1855 (nee T. guarixa 
Des Murs 1847 !) werden also Synonyme von T. m. musculus Naum. 1823. 

9 



130 Mellmayr: MisceÜanea Ornithologica IV. fVerh. Orn. 

^^^ ^ L Ges. Bay. 

mit P. b. auritus (Tsch.) identisch sein möchte, was jedoch ganz 
gewiß nicht der Fall ist^). Die genannten Autoren haben unsere 
Kenntnis dieser Vögel wesentlich gefördert, jedoch leider über- 
sehen, daß die Weibchen viel längeren und ganz anders ge- 
formten, nämlich schmalen und fast ganz geraden Schnabel be- 
sitzen, wogegen dieses Organ bei den Männchen bedeutend kürzer, 
dicker und in der Endhälfte deutlich, wenn auch schwach ab- 
wärts gebogen ist. Dieser Unterschied ist bei P. h. striaticeps 
Hellm. & Seil., P. b. meridae Hart. & Goods., P. b. boissonneautii 
(Lafr.) und P. b. medianus Hellm. sehr scharf ausgeprägt. Bei 
P. b. miritus (Tsch.), der mir in vierzehn Exemplaren aus W.- 
Bolivia und einem Pärchen aus Maraynioc, C.-Peru vorliegt, haben 
dagegen beide Geschlechter einen deutlich gebogenen Schnabel, 
nur ist er beim Weibchen unbedeutend länger. Diese Verhältnisse 
müssen beim Vergleich von Exemplaren verschiedener Herkunft 
sorgsam in Betracht gezogen werden. 

P. b. medianus, von dem ich ein cf aus Cutervo und vier von 
0. T. Baron bei Leimabamba und Chachapoyas gesammelte $5 
untersuchen konnte, weicht von fünfzehn Bogota-Bälgen, einem cf 
aus Antioquia (Santa Elena) und sechs Vögeln aus Ecuador (Banos, 
Hochland von Quito) sofort durch die blaßgelblich überlaufene 
Kehle und Gurgel ab. Das Zimtrot von Bürzel und Schwanz ist 
in der Regel merklich heller, allein ein $ aus Chachapoyas ist 
hierin nicht verschieden vom Durchschnittstypus aus Ecuador. Die 
Trennung der Bewohner Ecuadors von typischen Bogota-Bälgen 
scheint mir nicht durchführbar. Wohl zeigen drei Vögel aus Quito 
und Banos dunkleres Rostrot des Schwanzes, aber andere Exemplare 
von denselben Fundorten sind ebenso hellschwänzig wie Bogota- 
Stücke. Die Ohrbüschel von P. b. medianus sind reinweiß wie 
bei P. b. boisson7ieautii aus Colombia und Ecuador. P. b. auritus 
aus C.-Peru und W.-Bolivia unterscheidet sich sofort durch viel 
kürzeren Schnabel, namentlich im weiblichen Geschlechte, und 
blaßgelbliche, statt reinweiße, OhrbüscheP). 

^) Anabates auritus (Lichtenstein Ms.) Tschudi (Arch. f. Naturg. 10, I, 
1844, p. 294: Peru; Type im Berliner Museum). — Der Typus im Berliner 
Museum (Nr. 9141) wurde von Philippi gesammelt und trägt lediglich die Be- 
zeichnung „Peru". Die von dem genannten Reisenden eingesandten Vögel stammen 
zum Teil aus Lima, zum anderen Teil sind sie „Maraynioc" oder „Chinchon- 
Wälder" etikettiert, es steht also fest, daß Philippi außer der Hauptstadt nur 
den Maraynioc-Distrikt im Dept. Junin, C.-Peru besucht hat. Der Schnabel 
des Typus mißt 20 mm und entspricht durchaus den Maßen männlicher Vögel 
aus W.-Bolivia. Es unterliegt daher keinem Zweifel, daß I'seudocolaptes 
boissonneaui ßavescens Berl. & Stolzm. (P. Z. S. Lond. 1896, p. 374 : Type ex 
Maraynioc, Dept. Junin, C. Peru) ein reines Synonym von A. auritus Tschudi 
darstellt. 

^) F. h. auritus zeigt folgende Dimensionen: 
Typus von A, auritus, „Peru" . . . al. 107; — ; rostr. 20 mm. 



XIV. 

1919 



' I Helhuayr: Miscellanea Ornithologica IV. 131 



XIII. Noinenklatorisches. 



Der nordostafrikanische Kurzschwanzrabe Corvus afßnis Rüpp., 
den Sharpe generisch als Rhinocorax absonderte, ist augenschein- 
lich ohne gültigen Namen. Corvus affinis RüppelP) ist vorweg- 
genommen durch Corvus affinis Shaw 2). Ebenso sind alle Syno- 
nyme vorher schon in anderem Sinne gebraucht worden. Corvus 
brachyurus A. E. Brehra'') ist durch Corvus hrachyunis Liunaeus*), 
Corvus hrachyrhijncJios Brehm^) durch Corvus hrachyrhynchos 
Brehm*') präokkupiert. Corvus hrevicaudatus Müller'), der viel- 
fach als Sjmouym zitiert wird, ist ein reines nomen nudum. Wir 
schlagen daher für Corvus affinis Rüpp. (nee Shaw) die Bezeich- 
nung Cort'ifs brachycerens vor. Terra typica: Massaua. — 

OrioUis orantJior'fius (Linn.) 1758 statt O. tnelano- 
ceijhalns Linn. 1766. 

Der schwarzköpfige Pirol Indiens wurde bisher allgemein 
Oriolus melanoccphalus Linn.*) genannt. Acht Jahre vorher hatte 
jedoch Linnaeus eine Coracias XanÜiornus^) beschrieben, die 
zweifellos den ältesten Namen für diesen Vogel darstellt. Die 
Beschreibung gründet sich auf 

1. „The Black-headed Indian Icterus" Edwards, Nat. Hist. 
Birds II, p. 77, pl. 77: Bengal, East Indies; 2. „Pica luteo-nigra 
Varia" Catesby, Nat. Hist. Carolina etc., Appendix, p. 5, pl. 5: 
Jamaica; 3. „Xanthornus s. major, nigro varius" P. Browne, The 
Civil & Nat. Hist. Jamaica p. 477. — Edwards' Tafel stellt un- 
verkennbar ein Männchen des indischen schwarzköpfigen Pirols 



Ein cf Maraynioc, C.-Peru . . . . al. 116; caud. 104; rostr. 2OV4 miö. 
Ein 9 Maraynioc, C.-Pera . . . . al. 97; caud. 95Vj; rostr. 23'/^ mm. 
Sechs c^c? W.-Bolivia (Cocapata, S. 

Cristobal) al. 111—118; caud. 103-110; 

rostr. 19— 2OV3 mm. 
Fünf $$ W.-Bolivia (ebendaher) . . al. 98—104; caud. 96—102: 

rostr. 22—231/2 mm. 

*j Neue Wirbelthiere Faun. Abyss. 1835, Vögel, p. 20 tab. 10 fig. 2: 
Massaua und Schendi; wir fixieren Massaua als terra tvpica, woher sich nach 
Hartert (Kat. Vogels. Senckenb. Mus. 1891, p. 84, Nr.' 1234) ein J ad. von 
Rüppell's Eeise im Frankfurter Museum befindet. 

-) Gen. Zool., Aves, 7, Part II, 1809, p. 381: Cayenne. 

') Journ. f. Ornith. 2, 1854, p. 75: Ägypten; Typus aus Luxor im Tring 
Museum, 

*) Syst. Nat. 12, I, 1766, p. 158; = Pitta brachpura (Linn.). 

•^) Vogelfang, 1855, p. 414: N.O.-Afrika. 

') Beitr. Vögelkunde 2, 1822, p. 56: Nordamerika. — Eine vorzügliche 
Kennzeichnung der uord amerikanischen Krähe, die lange Zeit C, americanus 
Aud. genannt wurde. 

') Journ. f. Ornith. 3, 1855, p. 456: Kordofan. 

«) Syst. Nat. 12, I, p. 160 (1766. — ex Edwards, pl. 77 [= c^] et Albin, 
II, pl. 41 [= $]: Bengalen). 

") Syst. Nat. 10, I, 1758, p. 108. 

9* 



132 Hellmavr: Miscellanea Ornithologica IV. TVerh. Orn. 

^^^ ^ ^ LGes.Bay. 

dar, wogegen die Abbildung bei Catesby bis auf das Fehlen der 
(übrigens in der beigegebenen Beschreibung erwähnten) weißen 
Flügelzeichnung eine gute Wiedergabe des Icterus icteriis (Linn.) 
1766 ist. Browne endlich gründet seine Diagnose lediglich auf 
Edwards und Catesby, ohne etwas Neues hinzuzufügen. Trotz der 
Fundortsangabe „America" geht aus Linnaeus' Kennzeichnung: 
„C. flava, capite remigibusque primorüs nigris-' unwiderleglich her- 
vor, daß sie nach Edwards' Tafel 77 entworfen ist, wogegen die 
Figur bei Catesby mit schwarzem Interscapulium und 
schwarzem Schwänze ihr entschieden widerspricht. Als einzige 
Quelle für C. xanthornus Linn. ist somit „The Black-headed ludian 
Icterus" von Edwards, mit der terra typica Bengalen, zu be- 
trachten. Hartert^) hat neuerdings für den indischen Pirol die 
Bezeichnung Sturnus luteolus Linn. 1758, die sich auf das Weib- 
chen bezieht, in Vorschlag gebracht, doch hat C. xanthornus 
Seitenpriorität und muß daher als ältester Name in Kraft treten. 
Die Synonymie ist somit: 

Oriolus dcanthormis (Linn.) 
Coracias Xanthornus Linnaeus. Svst. Nat. 10, I, p. 108 (1758. — 
ex Edwards, Nat. Hist. Birds 11, p. 77, pl'. 77 [= cT]: Ben- 
galen; excl. syn. Catesby). 
Sturnus Luteolus Linnaeus, Syst. Nat. 10, I, p. 167 (1758. — ex 
Edwards, Nat. Hist. Birds IV, p. 186 pl. 186 [= 5]: Ben- 
galen; et Raius, Syn. Meth. Av. et Pisc. p. 195, no. 9, tab. I, 
tig. 7 [= $]). 
Oriolus melanocephalus Linneaus, Syst. Nat. 12, I, p. 160 (1766. 
- ex Edwards, pl. 77 [= cT] et Albin, Nat. Hist. Birds II, 
p. 38 pl. 41 [= 5]: Bengalen). 

Oriolus xanthornus Gmelin^), welchen Namen man bisher für 
einen im nördlichen Südamerika verbreiteten Trupial verwendet 
hatte, wird nach Vorstehendem weiterhin in diesem Sinne unbe- 
nutzbar. Für Icterus xanthornus auct. tritt als nächste gültige 
Bezeichnung Icterus nigroffularis (Hahn)-^) ein, dessen Typus 
sich im Münchener Museum befindet. — 

Trotz meiner an anderer Stelle*) ausgesprochenen gegen- 
teiligen Ansicht ist Saxicola injrrhonotus S. Müller"^) unter den 
geltenden Nomenklaturregeln dwcch Oenanthe pyrrho7iota Vieillot*'), 



') Nov. Zool. 25, Nr. 2, Nov. 1918, p. 361. 

*) Syst. Nat. 1, I. 1788, p. 391. 

^) Xanthornus nigrogularis Hahn, Vögel aus Asien, Afrika etc., Lief. 5, 
Tab. 1 (1819. - „Brazil"). 

•) Nov. Zool. 23, 1916, p. 99, Fußnote *. 

^) In: Temminck, Verband. Natuurl. Gesch., Land- en Volkenkuude. 1843, 
p. 209, Note *. 

•) Nouv. Dict. d'Hist. Nat., nouv. ed„ 21, 1818, p. 428. 



^1^'q' Hellraayr: Miscellanea Oriiithologica IV. 133 

die heute als Saxicola caprata pyrrhonota (Vieill.) geführt wird, 
vorweggenommen und mag, da kein weiteres Synonym verfügbar 
ist, Mryth/rontyias titnorensis genannt werden. — 

Turdus albiceps Swinhoe^) ist präokkupiert durch Turdus 
albiccps Pucheran ^) und möge als neuen Namen die Bezeichnung 
Planesticus niveivejys erhalten. — 

Mimus longicaudatus punensh Hellmayr^) ist viele Jahre 
vorher als Mimus albogriseus Lesson*) unverkennbar beschrieben 
worden. Die auf das südwestliche Ecuador und den Nordwest- 
zipfel von Peru (Tumbez) beschränkte Spottdrossel hat demnach 
den Namen 3Iinnfs Jonyicaudattis alhogriseris Less. zu 
tragen. — 

Emherixa cinerea Strickland '") ist präokkupiert durch Emherixa 
cinerea Gmeliu'^j. Diese schöne kleinasiatische Ammer muß daher 
den schon aus diesem Grunde vorgeschlagenen Ersatznamen Etn- 
heriza cineracea Brehm'^) annehmen. — 



^) Ibis 6, 1864, p. 363: Formosa. 

-) Arch. Mus. Paris 7, 185.5, p. 341: Senegal; = Kütocincla albicapilla 
(Vieill.j. 

3) Verhandl. Zool. Bot. Gesellsch. 53, 1903, p. 222: Puna-lDsel, Bai von 
Guayaquil, S.W.-Ecuador, 

*) Echo du Monde Savant, 11, Nr. 28, Oct. 13, 1844, col. 346 [658]: 
Guayaquil, S.W.-Ecuador. 

*>) Proc. Zool. Soc. Lond. 4, „1836", publ. Febr. 1837, p. 99: Smyrna. 

«) Syst. Nat. 1, II, 1789, p. 876. 

') Vogelfang, 1855, p. 114. 



\ 



134 Schrifteuschau. fVerh-Oru. 

L Ges. Bay. 



Schriftenschau ^). 

B. Hoffmann, Führer durch unsere Vogelwelt. Leipzig-Berlin (Teubner). 
1919. Kl. 8". 216 pp. 

In dem Büchlein sind zwei Dinge scharf zu trennen: Die Absicht, den 
Naturfreund mit den häufigsten Arten unserer Vogelwelt bekannt zu machen, 
und der Versuch, ihm die Rufe und Lieder der behandelten Arten in Noten- 
beispielen zu geben. Die Führung des angehenden Vogelbeobachters durch Park, 
Feld, Hochwald, an einen Teich zu verschiedenen Jahreszeiten, die Schilderung 
der Erkennungsmerkmale wie sie dem Feldornithologen erscheinen, die gesamte 
Gruppierung und Darstellung des Stoffes, die Bildleisten mit bezeichnenden Ab- 
bildungen der Vögel jedes Abschnitts (von der Hand Karl Soffel's), die Ein- 
schränkung des Fremdworts — das alles ist recht erfreulich und macht auch 
dem Fachmann Vergnügen. Unter diesem Gesichtspunkt ist dem Büchlein recht 
große Verbreitung zu wünschen und zu erhoffen. 

Weniger erfreulich sind die Notenschreibungen des Büchleins. Es ist zu 
begrüßen, wenn der Verf. seinem Leserkreis vor Augen führt, daß die Laute der 
Vögel mit unseren Noten dargestellt Averden können. Aber der Leser, auch der 
musikalische, wird mit Notenbeispieleu wenig anzufangen wissen. Der Grund- 
irrtümer des Buchs sind in dieser Hinsicht mehrere. Erstens fehlt jegliche An- 
leitung zum Schreiben von Vogelstimmeu. Der Leser sieht sich einem Heer 
von Noten gegenüber, die er im Gesang des Vogels meistens nicht wiedererkennen 
wird. Zweitens ist eine Stimmgabel in aj, wie sie H. nun wieder empfiehlt, kein 
Instrument, um die Tonhöhe der Vögel festzustellen. Die Tonhöhebestimmungen 
im ganzen Buch wimmeln denn auch von Irrtümern, kleinen und größeren. Die 
hohen „8isisi"-Töne der Blaumeisenstrophe, meist 6 gestrichenes c, sind bei H. 
C5, der schöne Roller („Triller") derselben Strophe, gewöhnlich in C5 erklingend, 
ist als &^ angegeben. Das hohe Amselpixen, Cg und höher, ist bei H. e und f^. 
Das hohe „pfitz" des Bläßhuhns, e^— h^, hört H.'als e^, das dunkle „kew" desselben 
Vogels, um Cg herum, als a,; das tiefe sehr tonarme Schnarren des Hauben- 
tauchers, von H. als e^dj' bestimmt, enthält in Wirklichkeit Töne um c, 
herum. H., dem als Fachmann für Vogelstimmen und als Musiker solche In*- 
tümer unterlaufen, vermeidet es dabei durchaus, den Leser auf die Schwierigkeit 
und häufige Unmöglichkeit der Bestimmung von Tonhöhen der Vögel aufmerk- 
sam zu machen. — Nun würde es ja für den Anfang schon genügen, auf den 
Rhythmus der Vogellaute zu achten, auch wenn man ihre Tonhöhe nicht fest- 
stellen kann, sowie auf den Aufbau der Strophen zu hören. Man müßte dem 
Leser, der Vogellieder schreiben lernen soll, darüber etwas sagen. Aber von 
diesen recht erheblichen Dingen bekommen wir nichts zu hören außer einem 
Hinweis auf ein vor ] 1 Jahren erschienenes anderes Werk. In der Auswahl von 
Notenbildern, die am Ende des Büchleins steht, sind überdies die Darstellungen von 
Waldach wirrer. Hohl- und Ringeltaube, Wintergoldhähnchen, Blaumeise, Hauben - 

') Verfasser von Aufsätzen in weniger verbreiteten Zeitschriften werden 
um Einsendung von Sonderabdrückeu zwecks Besprechung in dieser Rubrik 
ersucht. 



^^7' ^'1 Schriftenschau. 135 

1919 J ^^^ 

meise, Buchfink, Gartenrotschwanz, Trauerfliegonschnäpper, Hänfling, Rotkehlchen, 
Dorngrasmücke, Gartengrasmücke verfehlt. 

Ferner: Auch in H.'s Buch ist der Gedanke vertreten, daß man mehr 
Vögel hört als sieht — wie soll aber jemand die Vögel erkennen, die er nicht 
sieht, wenn man ihm den Hinweis auf das Kennzeichnendste von allem vorent- 
hält, auf die Klangfarbe? Die Klangfarbe ist bei den meisten Arten gar 
nicht, bei anderen nur ganz nebenbei erwähnt, sodaß der ahnungslose Leser ihr 
keinerlei Bedeutung beimessen kann. Der Text, der unter allen Notenbeispielen 
steht, scheint dem Verf. wichtiger gewesen zu sein. Aber die Schwierigkeiten 
der sprachlichen Wiedergabe der A^ogellaute sind unüberwindbar. .Teder hört 
etwas anderes heraus. In dieser Leidenschaft, Liedertexte zu schreiben, geht H. 
so weit, _,den reinen Pfeiftönen von Braunkehlchen, Hänfling, Amsel, Öchwarz- 
platten-Überschlag VVortgebilde unterzulegen! — Ein weiterer Gruudirrtum des 
Buches ist der: Es wird nicht unterschieden zwischen Ton und Geräusch im 
Vogelgesang. Das „chrä" des Hähers, das dumpfe „dack dack" der Amsel, das 
Knarren des Wachtelkönigs sind fast immer, das Schnarren des Teichrohrsängers, 
das Schackern der Kram metsvögel, das „gärr" der Dohlen sind stets unverkennbare 
Geräusche, jedenfalls vermag nur ein sehr geübtes Ohr aus diesen stark deckenden 
Geräuschen gute Töne herauszuhören. Man traut seinen Augen nicht, wenn 
man sieht, daß H. sie in gewöhnlichen Noten bringt, ja sogar im 5-Linien- 
system unserer Musik ! Die Höhe der glockenreinen Töne des Sumpfrohrsängers 
wird nicht angegeben, obwohl sie genau und leicht zu bestimmen sind (wenn 
auch nicht mit der Stimmgabel und Pfeifstimme allein). Aber auf der nächsten 
Seite erscheint das meist völlig tonlose Knarren des Wiesenschnarrers schön in 
unserem Liniensystem als Cg. 

Wir wünschen dem Büchleiu recht weite Verbreitung, weil es hübsch und 
anregend geschrieben und geeignet ist, neue Jünger unserer Vogelkunde zuzu- 
führen. Aber in einer neuen Auflage müßte der musikalische Teil von Grund 
aus umgestaltet werden. — Stadler & Schmitt. 



iBR Aufruf zur Mitarbeit an einer Avifauna von Hessen. | 

■^^" L Ges. Bay. 



Aufruf zur Mitarbeit an einer Avifauna von Hessen, 

Die Unterzeichneten haben es sich zur Aufgabe gemacht, eine 
Avifauna von Hessen zu bearbeiten. Im Interesse unserer Wissen- 
schaft richten sie an alle Ornithologen, die sich jemals mit der 
Vogelwelt von Hessen-Nassau oder der angrenzenden Ge- 
biete befaßt haben, die Bitte, sich mit ihnen in Verbindung zu 
setzen. Für ornithologische Mitteilungen jeglicher Art, vor allem 
unveröffentlichter oder in weniger bekannten Zeitschriften und 
Zeitungen enthaltener Aufsätze und Notizen wären sie dankbar. — 
Um auch die Vogelzugs Verhältnisse zu klären, bitten sie um 
Kennzeichnung von Vögeln mit den Ringen der Vogel- 
warten Helgoland oder Rossitten (Kurische Nehrung, Ost- 
preußen) und um Bericht darüber auch an die Unterzeichneten. 
Es wird gebeten, alles auf das nördliche und nordöstliche 
Kurhessen und die angrenzenden Gebiete bezügliche Material 
an Schnurre -Göttingen, alles auf das südliche Kurhessen 
(Oberhessen), Waldeck, Nassau und Hessen-Darmstadt 
und die benachbarten Gegenden (Rhön, Spessart, Main -Rhein- 
gebiet) bezügliche an S unk el- Marburg zu richten. 

Otto Schnurre, Werner Sunkel, 

stud. zool. stud. zool. 

Göttingen, Alleestr. 14. Marburg a. L., Frankf.-Str. 55. 



Alle Mitteilungen, Anzeigen von Wohnuugsänrlerungen, Beobach- 
tnngsberichte und Tauschsendnngeu sind erbeten an die 

„Ornithologische Gesellschaft in Bayern" 
Zoologische Sammlung 

München, 

Neuhauserstr. 51, 
alle Einzahlungen an den Kassenwart der Gesellschaft Herrn 

Alfred Dultz, München, Landwehrstrasse 6. 







Verhandlungen 



Ornithologischen Gesellschaf t in Bayern 



Band XIV 

Heft 2 



Im Auftrage der Gesellschaft 



herausgegeben 



C. E. Hellmayr 

Generalsekretär der Gesellschaft. 



<frwnS* lnsj,s>^^ 



MAY 17 1920 




München 1919 

Im Buchhandel zu beziehen durch die Verlagsbuchhandlung 
Gustav Fischer in Jena. 



Die „Oruithologische Gesellschaft in Bayern" pflegt das Studium 
der gesamten Ornitliologie unter besonderer Berücksichtigung der 
einheimischen Vogelwelt. Ihre Organe sind die jährlich zweimal 
zur Ausgabe gelangenden „Verhandlungen" und das in unregel- 
mäßigen Zeitabschnitten erscheinende Beiblatt, der „Anzeiger der 
O.G. i. B." Interessenten, welche die Mitgliedschaft zu erwerben 
wünschen, wenden sich an die 

„Ornithologisclie Gesellschaft in Bayern'' 

Zoologische Sammlung 

München, 
Neuhauserstr. 51, 

wohin auch alle Mitteilungen, Anzeigen von Wohnungsänderungen. 
Beobachtungsberichte, Tauschsendungen und Manuskripte erbeten 
sind. 

Gegen Entrichtung <les Jahresbeitrags, der sich gegenwärtig auf 
10 Mark beläuft, erhalten die Mitglieder die oben verzeichneten 
regelmäßigen Veröffentlichungen gratis. Neu eintretende Mitglieder 
können die früheren Jahrgänge zu ermäßigten Preisen von der 
Gesellschaft beziehen. 

Alle Einzahlungen nimmt der Kassenwart der Gesellschaft 

Herr Alfred Dultz, München, Landwehrstr. 6 

entgegen. 



Soeben erschienen und als außerordentliche Veröffentlichung von 
den Mitgliedern zum ermäßigten Preise von 3 Mark (-f- Poi'to 0,20) 
dui'ch die Gesellschaft zu beziehen: 

Beiträge zur Zoogeographie der paläarktischen 
Region, Heft i: 

E, Stresemann, Über die europäischen Formen der iSchwanzmeise 
und des Gimpels. 56 pp. mit einer Karte. 



Verhandlungen 



der 



Ornithologischen Gesellschaft in Bayern 



Band XIV 
Heft 2 



I n li aU t : 

"* Seite 

Erwin Stresemann, Süta europaea homeyeri: eine reine Rasse oder eine 

Mischrasse? 139 

Erwin Lindner, Die Felsenschwalbe in Bayern 148 

W. Bacmelster, Die Weidenmeise bei Straßburg 150 

R. Schelciier, Die Weidenmeise in Holstein und im sächsischen Erzgebirge 151 

C, Zimmer, Der Beginn des Vogelgesanges in der Frühdäramerung . . . 152 

K. Sachtleben, Eine neue Spechtform aus Lithauen 181 

A. Laubmann, EDtgeguung auf Kleinschmidt's „Berichtigungen'" .... 182 

Erklärung . . . . ^ 185 

MAY 17 1921 

Ausgegeben am 15. Dezember 1919. 



Miiiiclieii 1919 

Im Buchhandel zu beziehen durch die Verlagsbuchhandlung 
Gustav Fischer in Jena 



Uüivers.-Buchdruckerai Junge & Sohn, Erlangen 



XIV 2 ~\ 

' ' I Stresemann : Sitta europaea homcyeri, ^39 



Sitta euvopaea ßomeyeri: eine reine Rasse oder 
eine Mischrasse? 

Von 

Erwin Stresemann. 

Wer einmal Gelegenheit gehabt hat, große Serien von Kleibern 
aus Rußland, Polen, Ostpreußen, Sachsen und Bayern miteinander 
vergleichen zu können, der kann sich zunächst des Eindruckes 
nicht erwehren, daß wir hier ein klassisches Beispiel einer fort- 
laufenden orthogenetischen Reihe, einer ununterbrochenen Formen- 
kette vor uns haben. Vom dunkelsten Münchner zum weißesten 
Moskauer führen die feinsten Färbungsabstufungen hinüber. Ganz 
allmählich verschieitt sich die individuelle Variationsbreite auf der 
F'arbenskala von Ockergelb zu Weiß: in Ostpreußen [homeyeri] 
liegt das Variatiousmittel etwa halbwegs zwischen den Variations- 
raitteln in Bayern [caesia] und Nordrußland (europaea). 

Geht man von Bayern nach Süden, so findet man in Italien 
Kleiber, die zuweilen eine noch etwas dunklere Unterseite zeigen 
als die sattest gefärbten Stücke diesseits der Alpen. Die Folge- 
rung aus diesen Tatsachen wird daher zunächst lauten: Von der 
italienischen Sitta europaea cisalpina zur nordischen Sitta europaea 
europaea führen allmähliche Übergänge, und man wird schließlich 
auf den Gedanken kommen, nur diese beiden Variationsextreme zu 
benennen, die überleitenden Formen aber durch Formeln zu be- 
zeichnen, welche die Ähnlichkeit der Paarungsgemeinschaften mit 
den beiden extremen Rassen zum Ausdruck bringen sollen. 

Fassen wir die individuelle Variation am gleichen Ort ins 
Auge, dabei Vergleiche anstellend,, so bemerken wir, daß sowohl 
S. eu. cisalpina^ wie caesia, wie homeyeri ziemlich bedeutenden 
Schwankungen hinsichtlich des Farbtones der Unterseite unter- 
worfen sind. Dies vermag uns in der Annahme nur zu bestärken, 
daß alle bisher unterschiedenen Kleiberformen ganz gleichwertige 
reinblütige Rassen sind und wir hier noch verfolgen können, wie 
eine Formengruppe unter dem Einfluß unserer Analyse nicht zu- 
gänglicher, aber wahrscheinlich auf den Stoffwechsel einwirkender 
Bedingungen auf der Unterseite nach Norden zu immer heller und 
schließlich aus dunkel ockergelb reinweiß wird. 



4 40 Stresemann : Sitta europaea homeyeri. 1 

L Ges. Bay. 

Unsere Theorie erhält aber sogleich einen empfindlichen Stoß, 
wenn wir die Landkarte zu Rate ziehen und auf dieser die Punkte 
eintragen, an welchen sich die Variation der Unterseite innerhalb 
der gleichen Grenzen bewegt. Wir bemerken dabei sofort: In 
einem gewaltigen Gebiet, das von der Küste des Ochotskischen 
Meeres bis Westrußland und Norwegen reicht, ist die E'ärbung der 
Unterseite vollkommen die gleiche, d. h. beim c/" bis auf die 
kastanienbraunen Weichen von reinem Weiß. In einem nicht 
weniger ausgedehnten Räume, nämlich von der Küste des chinesi- 
schen Meeres quer durch die Gebirgsländer des südlichen Asien 
und durch Europa bis an den Atlantischen Ozean ist die Unterseite 
beim cT ockergelb, bald dunkler, bald blasser, aber niemals weißlich. 

Nun wird in einem schmalen Gürtel, dessen Breite 400 km 
kaum übertriift, der klaÜende Gegensatz zwischen weißbäuchigen 
und ockerbäuchigen Kleibern plötzlich überbrückt. Eine von Paris 
nach Berlin, oder vom Peloponnes zum Karpathenkamm gezogene 
Linie führt durch das einheitliche- Gebiet der S. eu. caesia; da- 
gegen queren wir auf der kurzen Strecke zwischen Lodz und Wilna 
die ganze Übergangszone. Kleiberserien, die hier im Abstand von 
100 km gesammelt werden, gleichen einander so wenig, daß man, 
upi. konsequent zu verfahren, jede von ihnen mit einem eigenen 
Rassennamen belegen müßte. Wie läßt sich das mit den Forde- 
rungen, die wir an eine Zwischenform ^) zu .stellen haben, verein- 
baren ? Sollten wir nicht — ganz im Gegensatz zu unserem Be- 
fund — erwarten, daß die Zwischenform, da es so bedeutende 
Extreme zu verbinden gilt, einen sehr großen Raum einnimmt? 

Solche Erwägungen waren es, die mich veranlaßten, eine 
andere Erklärung für die Erscheinung zu suchen. Ich fand sie in 
der Theorie, daß das, was bisher als Zwischenform galt, in Wahr- 
heit eine Mischform ist, hervorgegangen aus der Hybridisation 
gelbbäuchiger caesia und weißbäuchiger eiirojmea. Wir werden 
sehen, daß sich damit alle Schwierigkeiten lösen. 

Wo finden wir Übergänge zwischen Gelbbäuchen und Weiß- 
bäucjien? Nur dort, wo die Verbreitungsgebiete beider sich nähern. 
Die Übergangsformen bilden dann die geographischen Bindeglieder. 
In Europa verläuft die Grenze der S. eu. caesia erstmalig etwa 
von der Donaumündung nach NW., am Ostfuß der Karpathen ent- 
lang, dann über Lemberg geradewegs nach der Weichselmündung. 
Ihr liegt die Grenze der S. eu. europaea gegenüber auf einer 
Linie, die ungefähr vom Asowschen Meer längs des mittleren 
Dnjepr, durch die Rokitno-Sümpfe, dann nach Wilna und Libau zu 
führen scheint (genau läßt sich der Verlauf dieser Front z. Zt. noch 

^) Unter Zwischenform en verstehe ich homozygote Rassen, welche 
zwischen zwei benachbarten das morphologische Bindeglied darstellen; hete- 
rozygote Bindeglieder nenne ich Mischf ormeu. 



XIV 2 I 

' ' I Stresemami: Sitta europaea homeyeri. 141 

nicht nngebeii). Der Abstand beider Linien beträfet also, wie be- 
merkt, etwa 400 km. In dem Gürtel, welchen sie einfassen, sind 
die Kleiber nahe dem cnropaea-Gühiei schwer von der nordischen, 
nahe dem raesm-Gebiet schwer von der mitteleuropäischen Form 
zu unterscheiden. Unteisucht man dagegen eine Serie aus Winnica, 
dem Bjelowjesher Wald oder Masuren, so wird man nicht im Zweifel 
sein, daß hier weder die eine noch die andere dieser Formen, 
sondern ein Bindeglied vorliegt. 

Zum zweitenmal treffen wir Übergänge auf den dänischen 
Inseln Fünen^) und Seeland^). Jütland wird noch von caesia, 
Schonen von europaea bewohnt. 

Schließlich kommen beide Kleibergruppen noch einmal im 
äußersten Osten Asiens, in der Küstenprovinz und der Amur- 
provinz, zusammen. Hier werden die gelbbäucbige S. eu. sinensis, 
welche nach Norden zu bis an die Nordgrenze der Mandschurei 
geht, und die von Noi'den her bis an den Unterlauf des Gorin vor- 
gedrungene weißbäuchige S. eu. uralensis miteinander durch die 
Form 8. eic. amurensis verbunden. Wie zu erwarten, ist diese 
Rasse sehr ähnlich der 8. eu. homeyeri, was schon Seebohm auf- 
gefallen ist^), und wie in Polen, so ist der Übergang von weiß zu 
ockergelb auch hier ein ziemlich plötzlicher. Hören wir, was 
V. Schrenck darüber sagt: „Wie nach dem Farbentone, so kann 
man auch nach der Größe unter den Amur-Exemplaren sowohl die 
typische Form [= caesia\ als die Var. uralensis und die all- 
raähligen Übergänge zwischen beiden erkennen . . . Alle Exem- 
plare der typischen Form*}, welche wir mitgebracht haben, gehören 
dem südliclaen Theile des Amur-Stromes, von dem Durchbruche des- 
selben durch das Bureja-Gebirge bis zur Einmündung des Gorin 
in denselben; diejenige der Var. uralensis dagegen stammen aus 
dem nördlichen Theile des Amur-Landes, von dem Mündungslaufe 
des Stromes und aus der nördlichen Hälfte der Insel Sachalin. 
Ja dies Verhältniß trifft an unseren Exemplaren sogar soweit ein, 
daß das mit den lebhaftesten Farben gezeichnete Exemplar der 
typischen Form von dem relativ südlichsten Punkte, nämlich der 
Mündung des Ussuri, das blasseste derselben von dem relativ nörd- 
lichsten Orte, der Gorin-Mündung, herrührt. Nördlich von letzterer 
aber, beim Mariinskischen Posten usw., tritt uns statt der typi- 



^) H. Winge, Dansk Oruith. Foren Tidsskr. I, 1907, p. 18. 

^) J. H. Blasius, Naumannia VI, 1856, p. 434—435. Herr Lehn Schiöler 
schrieb mir unterm 10. X. 1919, „daß man auf Seeland bisweilen reine europaea 
finden kann, aber c«g,vif7-gleichende Vögel am häufigsten sind"; vermutlich 
sind die dortigen Populationen wie in Ostpreußen gefärbt. 

*) H. Seebohm, The Birds of the Japanese Empire, 1890, p. 93. 

*) Hier ist die unserer 8. eu. caesia sehr ähnlich gefärbte 8. eu. sinensis 
gemeint. 



j^42 Stresemann: Süta europaea homeyeri. \ n 

sehen Form schon die Var. uralensis entgegen. ... So findet also 
im Amur-Lande ganz dasselbe Verhältniß in der Verbreitung dieser 
beiden Kleiberforraen wie in Europa statt, wo bekanntlich die 
typische Form im^ mittleren, gemäßigten Theile heimisch ist, nach 
Norden dagegen durch allmähliges Verblassen in die Var. uralensis 
[hier = europaea] übergeht." ^) 

V. Schrenck sah, Gloger'schen Ideen anhängend, in dieser Tat- 
sache eine Wirkung des Klimas, betrachtete also die 8. eu. amu- 
rensis als Zwischenform. „Wie sehr nun diese Vertheilung der 
Formen mit den klimatischen Verhältnissen des unteren Amur- 
Landes im Einklänge steht, möge daraus erhellen, daß der Mariins- 
kische Posten so wie die ganze Gegend unterhalb des Gorin am 
rauhen Küstenklima des nördlichen Amur-Landes Theil hat, die 
Gorin-Mündung dagegen, nach dem Vegetationscharakter und man- 
chen Erscheinungen der Thierverbreitung zu schließen, den Wende- 
punkt zu einem südlicheren Klima am unteren Amur-Strome ab- 
zugeben scheint." 

Die gleiche Anschauung scheint auch heute noch viele Orni- 
thologen bei der Betrachtung der europäischen Kleiber zu be- 
herrschen. Indessen vermag diese Theorie wenig zu befriedigen. 
Wenn wirklich klimatische Einflüsse es wären, die vor unseren 
Augen aus _einer 8. eu. caesia eine 8. eu. europaea machten, so 
müßte die Übergangszone einen ganz anderen Verlauf besitzen. 
Daß im Gouv. Saratow Weißbäuche {europaea)^ bei Stettin da- 
gegen Gelbbäuche {caesia) leben, wäre ebenso ungereimt wie 
der Umstand, daß Jütland noch Gelbbäuche, Schonen dagegen 
bereits Weißbäuche beherbergt. Und wie kommt es dann, so muß 
weiter gefragt werden, daß die Kleiber im südlichen Ural genau 
so weiß sind wie im nördlichen, im Altai genau so weiß wie im 
nördlichen Stanowoi-Gebirge? 

Wenn also nicht das heutige Klima die Färbung der Kleiber 
hervorgerufen haben kann, so müssen geologische Ursachen die 
jetzige Verteilung der weißbäuchigen und gelbbäuchigen B'ormen 
bedingt haben. Sprechen Tatsachen der Paläogeographie zugunsten 
der Annahme, daß 8iUa europaea homeyeri eine Mischrasse ist? 

Diese Frage kann bejaht werden. 

Wir dürfen uns die Ausbreitung der Baumkleiber folgender- 
maßen vorstellen. Schon im Tertiär entwickelte sich in Asien, 
dem Mutterlande der ganzen Familie 8ittidae, welche hier ihren 
größten Formenreichtum erlangte, aus geraeinsamer Wurzel eine 
weißbäuchige Gruppe, welche den Norden dieses Kontinentes be- 
siedelte, und eine gelbbäucbige Gruppe, welche südlich von jener 



^) L. V. Schrenck, Reisen und Forschungen im Amur-Lande. I, 2. Lief., 
1860, p. 312—314. 



XIV ^ I 

' "'' I Stresemann : Sitta ettropaea homeyeri. .143 

wohnte. Die ursprünglich natürlich vorhandene Zwischenform er- 
hielt sich nicht, der räumliche Zusammenhang ward gestört. Die 
gelbbäuchigen Kleiber haben Kuropa im Neogen, also spätestens 
im Pliozän, auf der vielbenutzten Wanderstraße: Laubwälder des 
Hindukusch — Noi'diranisches Randgebirge — Cilicischer Taurus — 
Ägäisgebirge — Gebirgssysteme der Balkanhalbinsel erreicht. Von 
hier besiedelten sie einerseits den Karpathenbogen, andererseits 
die Alpen, weiter die Apeuninen, Pyrenäen, die Gebirge der iberi- 
schen Halbinsel und die Waldungen der mitteleuropäischen Ge- 
birge. Es bilden daher die Rassen 

, . . , • • ^ caucasica 

sinensis — montium — naqaensis — rubiqinosa <c 7 j • 

. ^ Mspaniensis 
^ cisaLpina 
eine Kette, die nur zwischen nagaensis und ruhiginosa unterbrochen 
zu sein scheint, wenn nicht etwa himalayensis als Bindeglied zu 
betrachten ist. 

Ob sich im jüngsten Pliozän das Wohngebiet der Gelbbäuche 
noch weiter nach dem Norden Europas erstreckte, wissen wir nicht. 
Die Eiszeit vernichtete die Wälder der britischen Inseln, Nord- 
deutschlands, Skandinaviens und des nördlichen Rußland, damit 
auch ihre Fauna, vollkommen. 

Erst im Postglazial vermochte wieder eine Waldfauna von 
diesen Gebieten Besitz zu ergreifen. Etwa mit dem Buchenwald 
drang S. eu. caesia langsam nach Norden vor. Sie besiedelte da- 
bei England^) (Rasse hritannica)^ das deutsche Tiefland und die 
jütische Halbinsel; von den Karpathenwäldern schob sie sich nach 
Galizien und der polnischen Platte vor. 

Zur gleichen Zeit begann die weißbäuchige S. eu. europaea 
unter Überschreitung des Uralgebirges ihren Vormarsch nach 
Westen. Ihr fiel die Besetzung des ganzen europäischen Rußland, 
Finnlands und endlich auch der skandinavischen Halbinsel zu, 
welche sie wie so viele andere Arten über E'innland erreichte. Ihrem 
weiteren Vordringen wurde erst dort Einhalt geboten, wo sie auf 
die gelbbäuchige S. eu. caesia traf: denn die nahe Verwandtschaft zu 
dieser äußerte sich noch in sexueller Affinität. Die Linie, auf 
welcher sich beide Rassen begegneten und alsbald verbastardierten, 
zeichnet sich heute in der Mischzone ab. Dabei haben die weiß- 
bäuchigen Kleiber Südschweden bereits in der Ancylus-Zeit er- 
reicht, denn in der darauffolgenden Litoritia-Zeit wäre ihnen eine 
Besiedelung der dänischen Inseln (auf welchen sie sich mit den 
gelbbäuchigen trafen) nicht mehr möglich gewesen. 

Das ornithogeograpiiische Bild, welches uns die Baumkleiber 

') Irland erreichte sie (ganz wie Corvus corone eorone) nicht mehr; die 
Landbrücke versank also, bevor der Kleiber bis Mittelengland vorgedrungen war. 



144 Stresemänn: Sitta europaea fiomeyeri. 1 ^^ •'-TD. 

|_ Ges. Bay. 

zeigen, stimmt also in seinen wesentlichen Zügen mit dem Befund 
bei den Scliwanzmeisen, Gimpeln, coro^ie-Krähen, Weidenlaub- 
sängern usw. übereiu. Eine östliche und eine westliche Rasse 
sind einander nach der Eiszeit im östlichen Mitteleuropa begegnet 
und haben sich verbastardiert. Daß die Mischzone nicht in allen 
diesen Fällen den gleichen Verlauf und die gleiche Breite besitzt, 
kann uns nicht wunder nehmen. Die Ausbreitungsbedingungen 
waren für jede dieser Arten andere. Besonders bezeichnend ist 
es aber, daß die skandinavische Halbinsel regelmäßig (Ausnahme: 
Budijtes flavus) in ihrer ganzen Erstreckung von der östlichen 
Rasse erobert worden ist. 

Ähnliche Umstände, wie sie in Europa eintraten, mögen im 
Amur-Land schließlich zur Begegnung und Verbastardierung der 
weißbäuchigen und gelbbäuchigen Kleiber geführt haben. 

Auf drei Einwände, die gegen die Erklärung der Rassen 
homeyeri und amurensis als Mischformen erhoben werden könnten, 
sei zum Schluß noch kurz eingegangen. 

Man wird darauf hinweisen, daß die verbindenden Paarungs- 
gemeinschaften nicht in der ganzen Mischzone gleichförmig sind, 
sondern nach dem Gebiet der weißbäuchigen Form im Mittel heller, 
nach dem Gebiet der gelbbäuchigen Form im Mittel dunkler werden, 
während bei einer Mischrasse doch eine gleichhleibende Variation 
zu erwarten stehe. Hier kann auf das Beispiel der Schwanzmeisen, 
Gimpel und anderer Formengruppen verwiesen werden, woraus wir 
lernen, daß eine Paarungsgemeinschaft, in der die Erbeinheiten 
schon seit ungezählten Generationen gemischt sind, dem Typus 
der Elternrasse, deren Blutanteil bei ihr überwiegt, sich stärker 
nähert als dem Typus der anderen Elternrasse. Es leuchtet ohne 
weiteres ein, daß die Äome^/er^■-Kleiber, welche am nächsten den 
reinblütigen ewrojjam-Kleibern wohnen, infolge fortgesetzter Ge- 
legenheit, mit diesen Eheneinzugehen, mehr ez^rojjam-,- Blut" haben 
werden als diejenigen Paarungsgemeinschaften, welche an der ent- 
gegengesetzten Peripherie des Mischgebietes leben ^). 

Ein weiteres Bedenken könnte dahin formuliert werden : Wir 
gewahren schon bei zweifellos reinblütigen gelbbäuchigen Kleibern 
eine nicht unerhebliche Variation hinsichtlich der ockergelben 
Farbe der Unterseite. Die Variabilität der Übergangsformen kann 
also nicht als Bew^eis dessen augesehen werden, daß es sich dabei 
um Mischrassen handelt. Ich bin in der Lage, diesen Einwand 



*) Bastarde von Gold- und Amherstfasan sind nahezu intermediär zwischen 
den Elternarten. Fortgesetzte Rückkreuzung von Chrt/solophus amherstiaey<^pictus 
mit ('. amlieratiae führt dazu, die Spuren des „Blutes" von C. pictus immer 
mehr abzuschwächen und in der 4. oder 5. Generation völlig auszutilgen (A. Ghigi, 
Contribuzioni alla biologia cd alla sistematica dei rhaaianiaae. Archivio Zool. I, 
1903, p. 309-311). 



' ' I Streseraann: Sitta europaea homeyeri, 145 

ZU entkräfteu und an einer Reihe von 17 Kleibern, welche 
ß. Schelcher in Ostgalizien (Gegend von Rohatyn und Zbrucz- 
Winkel) sammelte, den Nachweis zu fuhren, daß die Paarungs- 
gemeinschaften dort, d. i. am Beginn der Misclizone, in auffälligem 
Maße stärker variieren als reinblütige caesia. Die dunkelsten 
Stücke sind ebenso dunkel wie die dunkelsten Bayern, die hellsten 
dagegen merklich heller als das lichteste bayerische Extrem^). 
Die Forderung, welche an eine Mischform gestellt werden muß, 
daß nämlich infolge Mendel'scher Vererbung die Färbiingsvariabilität 
bei ihr beträchtlicher ist als bei den reinblütigen Enormen, ist also 
erfüllt. Dieses Beispiel zeigt uns ferner, daß man einen Fehler 
begehen würde, wenn man an die Abänderungsfähigkeit der hell- 
sten Mischpopulationen (sogenannte S. eu. sxtolcmani) denselben 
Maßstab legen wollte wie an S. eu. caesia. Wir dürfen diese, 
überwiegend euroiKiea-Wi.w.i enthaltenden Paarungsgemeinschaften 
nicht mit caesia, sondern müssen sie mit europaea vei'gleichen. 
Da ergibt sich dann ganz der gleiche Befund: sztolcmani variiert 
sehr viel stärker als europaeal 

Es ist freilich bemerkenswert, daß die bisher in der Mischzone 
gesammelten Serien (obwohl einige davon durch mehr als 15 Indi- 
viduen gebildet werden) niemals die ganze Farben skala vom 
eurojMea-Weiß) bis zum dunklen caesia-0 cker^elb decken, sondern 
stets nur einen weiten xAusschnitt aus der theoretisch denkbaren 
Skala wiedergeben. Bei den Schwanzmeisen bemerkten wir im 
Gegensatz hierzu, daß am gleichen Ort neben vielen Zwischen- 
stufen noch die Typen der beiden Eltern formen vorkommen^). Wir 
haben es also offenbar mit verschiedenen Formen der Mendel'schen 
Vererbung zu tun: Die Schwauzmeisen (bei welchen der Faktor 
für Brauenstreifen dominiert) scheinen den Zm-Typus, die Kleiber 
den Typus der unvollkommenen Dominanz zu vertreten^), welch 
letzterer sich der intermediären Vererbung beträchtlich nähern 
kann, so daß reine D- und reine R-Forraen kaum noch auftreten. 
Die außerordentliche Häufigkeit der intermediären Formen bei der 
Kreuzung von S. eu. caesia und S. eu europaea spricht ferner da- 
für, daß die ockergelbe (schon bei den reinen Rassen individuell 
stark schwankende) B^ärbung der mesm-Gruppe durch mehrere 
gleichsinnige Fakloren hervorgerufen wird, die zusammen eine 
verstärkte Wirkung ausüben (Homomerie Plate's), und daß wir 
S. eu. homeyeri am besten mit den Mulatten vergleichen können*), 

1) Dr. Laubmanii's Bemerkungen in V. O. G. B. XIV, 1919, p. 13 treffen 
nicht ganz zu. 

-) E. Stresemann, Beiträge zur Zoogeographie der paläarktischen Eegion. 
Herausgeg. von der Ornith. Ges. in Bayern, Heft 1, 1919, p. 3. 

•') Ich bediene mich hier der von L. Plate, Vererbungslehre, Leipzig 1913, 
angenommenen Terminologie. 

*) Vgl. die Mulatten-Stammbäume bei Plate, 1. c. p. 181. 

10 



J46 Stresemann: Sitta europaea homeyeri. 1 

|_ Ges. Bay. 

ein Beispiel, dessen Übereinstimmung mit. dem homeyeri-FaW sich 
auch darin kund tut, daß die Hautfarbe der Mulatten-Nachkömm- 
linge im Mittel „immer heller bezw. immer dunkler wird, je mehr 
Weiße bezw. Neger sich mit ihnen vermischen". 

Schließlich könnte mau noch darauf hinweisen, daß eine von 
mir als Mischrasse gedeutete Form, S. eu. amur&nsis, zum Teil in 
einem Gebiet lebt, das heute weder an das Areal der Gelbbäuche 
noch das der Weißbäuche stößt: nämlich auf der japanischen Insel 
Hondo. Es genügt hier wohl auf die dänischen Inseln zu deuten, 
welche heute gleichfalls eine Mischrasse beherbergen. Wie in 
Dänemark, so sind eben auch auf Hondo Gelbbäuche und Weiß- 
bäuche einander begegnet, als die japanischen Inseln noch einen 
Teil des asiatischen Festlandes ausmachten und von Süden und 
Norden her besiedelt wurden. Noch heute lebt auf der Nordinsel 
Yesso nur die weißbäuchige S. eu. tiralensis, auf der Südinsel 
Kiushiu eine „bis zur Kropfgegend bräunlich ockergelbe" ^), also, 
zur Gelbbauchgruppe gehörige Rasse. Die spätere insulare Ab- 
schließung Hondos hatte zur Folge, daß die Blutmischung auf der 
ganzen Insel eine gleichmäßige wurde — wie dies wiederkehrt 
bei den Sperlingen Maltas {Passer domesticus hispanioleyisis X italiae) 
oder denen einiger algerischer Oasen {Passer domesticus hispanio- 
lensis X tingitanus). 

Ein auf etwa 350 europäische Baumkleiber gestützte Arbeit 
über das geographische Vai iieren dieser Gruppe hat Herr Dr. Sacht- 
leben in Angriif genommen, dem ich mannigfache Unterstützung 
bei der Zusammenstellung und Sichtung des Stoffes verdanke. Aus 
dieser Schrift werden alle Einzelheiten deutlich hervortreten, auf 
die ich hier nur flüchtig hinweisen konnte. 

Zusammenfassung-. 

1. Unter den Baumkleibern der Gruppe Sitta europaea sind 
zwei Untergruppen zu unterscheiden: die der weißbäuchigen und 
die der gelbbäuchigen Kleiber. Beide Untergruppen sind seit 
langer Zeit getrennt. Zwischenformen bestehen nicht mehr. Was 
uns als Zwischenformen erscheint, sind in Wahrheit Mischformen. 
Hierher gehören die „Rassen" homeyeri., sztolcinani und amiirensis., 
welche man besser durch Kreuzungsformeln bezeichnet, wie ich 
sie für die mitteleuropäischen Schwanzmeisenpopulationen vorge- 
schlagen habe^). 

2. Die gelbbäuchigen Kleiber sind im Neogen von Zentral- 
asien her über das Ägäisgebirge in Europa eingerückt. Sie bilden 



•) Harlort, V. p. F. p. 331, Aiini. 1. 
-) Stresemann, 1. c. 1919 p. lü. 



XIV 2 1 

' ' I Stresemann: Sitta europaea homeyeri. 147 

eine zusammenhängende Formenkette, zu welcher u. a. die Rassen 
sinensis, montium, nagaensis, persica, ruhiginosa, ccmcasica, levan- 
iina, caesia, cisalpina, hispaniensis und hrilamiica gehören. Die 
Untergruppe der Weißbäuche wird gebildet durch die Rassen 
alhifrons, arctica, uralensis und europaea] sie bewohnt den Norden 
Eurasiens und war während des Diluviums von der Besiedelung 
Europas ausgeschlossen. 

3. In Europa stießen die gelbbäuchigen und die weißbäuchigen 
Kleiber in der Postglazialzeit zusammen; auf den dänischen Inseln 
läßt sich diese chronologische Phase genauer bestimmen: es ist 
die Ancyhis-Zeit. 

4. Die Breite der Mischzone beträgt auf dem europäischen 
ITestland etwa 400 km. Je näher in derselben die Paarungs- 
gemeinschaft dem Wohngebiet einer der beiden Elternformen lebt, 
desto ähnlicher ist sie dieser, da deren Blut bei ihr überwiegt. 

5. Die individuelle Variabilität ist infolge Mendel'scher Ver- 
erbung bei der Mischrasse größer als bei den Elternformen. 



10^ 



AAP, Lindner: Felsenschwalbe in Bayern. Verh. üin. 

^^^ L Ges. Bay. 



Die Felsenschwalbe in Bayern. 

Von 

Dr. Erwin Lindner (Stuttgart). 

Die E'elsenschwalbe, Ptyonoprogne^) rupestris (Scop.) wurde 
zuerst in Deutschland von B. Hoffmauu im bayerischen Allgäu 
festgestellt^). 

Im nächsten Jahre beobachtete A. Laubmann ^) am 24. V. 18 
dort wiederum zwei Exemplare. 

Völlig unabhängig von diesen Feststellungen entdeckte ich 
ein neues Brutgebiet der Felsenschwalbe auf bayerischem Boden 
am 14. V. 18 an der Luegsteinwand bei Oberaudorf im Inntale 
unweit der Tiroler Grenze. Ich besuchte diese senkrecht nach 
Süden abfallende Kalkwand an diesem Tag mit meinem Bruder 
zusammen zum Zweck entomologischer Studien. Wir konnten am 
besten von dem unter dem Namen Grafenloch bekannten Felsloch 
aus ungefähr ein Dutzend Pärchen beobachten, die sich im Sonnen- 
schein jagten. Sie flogen immer paarweise • — im Liebesspiel und 
setzten sich manchmal kurze Zeit an die Felswand an, leider immer 
an Stellen, die sich unseren Blicken entzogen. Durch unsere 
Anwesenheit ließen sich die Tiere nicht stören. Wiederholt wagte 
sich ein Paar in das Grafenloch, während wir mitten darin unter 
der mächtigen Eingangswölbung standen. Sie flogen auf 
einer Seite herein, hinter uns herum und auf der andern Seite 
wieder heraus. Ein paarmal flogen sie auch an den stark nach 
außen überhängenden E'elsen an, der die Decke der Höhle bildet. 



^) Im „Nomenciator" heißt die Felsen schwalbe noch Biparia r. rupestris, 
indessen erscheint ihre generische Trennung aus morphologischen und biologischen 
Gründen gerechtfertigt. „Biblis'- Lesson 1837 ist nicht in lateinischer Form ge- 
braucht und wäre überdies durch Biblis Illiger 1807 (Lepidopt.) vorweggenommen. 
(Jotile Boic 1822 (Type durch Monotypie: H. riparia L.) und CotyleBoie 1826 
(Type durch nachträgliche Bestimmung? von Gray, 1840: H, riparia L.) sind 
reine Synonyme von Biparia Forster 1817. Mithin ist der älteste für die 
Felsenschwalbe verwendbare Gattungsname Ftyonoprogne Reichenbach 1850. — 

"•) V. O. G. i. B. XIIT, Heft 1, Febr. 1917, p. 71—73. 
») l. c. XIII, Heft 3, Mai 1918, p. 221-224. 



XIV 2 I 

, ' ■^' I Lindner: Felseuschwalbe in Bayern. 149 

1919 J 

doch immer an Stellen, die von unserem Standpunkt aus nicht zu 
sehen waren. Wir vermuteten dort die Nester. Feststellen 
konnten wir leider keine. Doch daß die Felswand als Brutplatz 
anzusehen ist, ergab sich aus dem ganzen Benehmen dei- Tiere, 
die sich nie weit von der Wand entfernten. 

Das waren meine Beobachtungen. Ich hatte jedoch keine 
Ahnung von der Besonderheit des Vorkommens an der Luegstein- 
wand. Erst als ich im Herbst gelegentlich eines Besuchs in der 
Münchner Sammlung Ptyonoprogne rupestris aus Mazedonien in 
die Hand bekam, und Hellmayr mich darauf aufmerksam machte, 
daß das Tier nun auch für Deutschland festgestellt sei, wurde mir 
die Wichtigkeit meiner Entdeckung klar. Zu weiteren Studien im 
laufenden Jahr war damals keine Zeit mehr. Die Schwalben 
waren nach dem Süden gezogen. 

Der Entschluß, im nächsten Jahre den Platz wieder aufzu- 
suchen und mit wissenden Augen zu sehen, kam nach Überwin- 
dung mannigfacher Widerstände am 3. und 4. VI. 19 zur Durch- 
führung. Das Wetter war nicht ganz so günstig wie im Vorjahr. 
Es war meist trüb. Die Schwalben waren wieder da. Das Bild 
war allerdings von dem im Vorjahr genossenen etwas verschieden. 
Es war stiller. Die Vögel flogen in etwas geringerer Zahl 
an der weißen Felswand auf und ab, ohne sich gegenseitig um 
einander zu kümmern oder sich zu jagen. Offenbar standen 
sie mitten im Brutgeschäft und war die Hälfte durch die Be- 
brütung der P]ier in den Nestern festgehalten. Wir spähten ver- 
geblich nach den Nestern und doch unterliegt es keinem Zweifel, 
daß die Felswand der eigentliche Brutplatz ist. Ihre weite Aus- 
dehnung aber in vertikaler und horizontaler Richtung mit vielen 
Vorsprüngen, Nischen, und ihre Unzugänglichkeit macht die Beob- 
achtung sehr schwer. Oft sahen wir 30 Minuten lang überhaupt 
keine Tiere, dann tummelten sich wieder mehrere gleichzeitig vor 
uns über den Fichtenwipfeln oder an der Felswand turmhoch 
über uns. 

Habe ich auch den Beweis, daß Ptyonoprogne rupestris an der 
Luegsteinwand brütet, nicht in Gestalt eines Nestes erbringen 
können, so glaube ich doch meine Beobachtungen in den beiden 
Jahren fast als ausreichend dafür ansehen zu dürfen. 

Nachschrift vom 10. XI. 19. — Kürzlich teilte mir Hähnle, 
Stuttgart, Bund f. Vogelschutz, mündlich mit, daß es ihm mit Hilfe 
eines Bergführers gelungen sei, zwei Nester der Felsen schwalbe 
an der Luegsteinwand ausfindig zu machen. Sie befanden sich 
nahe beieinander, an die unzugängliche, hohe und stark über- 
hängende Felsenwand angeklebt und glichen Hausschwalbennestern. 



^ ■ 

Ges. Bay. 



Die Weidenmeise bei Strafsburg. 

Von 

W. Bacmeister (Heilbronn). 

In seiner Arbeit „Drei Jahre Ornithologie zwischen Verdun 
und Beifort" (V.O.G.ß. XIII, Heft 3, p. 245) berichtet E. Strese- 
mann eingehend über das Vorkommen der Weidenmeise in Lothringen 
und in der Woevre-Ebene. In den Vogesen ist er ihr nicht be- 
gegnet: „sie dürfte hier ganz fehlen." Weiter sagt Stresemann 
a. a. 0.: „Dagegen tritt sie zweifellos in den Auwaldungen der 
Rheinebene sowohl auf elsässischer wie badischer Seite auf und 
ist bishei' nur unerkannt geblieben." — Ich bin in der Lage, die 
Vermutung Stresemann's zu bestätigen. Im Frühjahr 1917 trat ich 
zum Oberkommando der Heeresgruppe Herzog Albrecht über, das 
damals sein Hauptquartier in Straßburg hatte. Die dienstfreie 
Zeit wurde tunlichst zu ornithologischen Beobachtungen benützt. 
Nachdem ich über das Gelände der Umgebung Straßburgs einen 
Überblick erhalten hatte, vermutete ich, daß die mattköpüge Grau- 
meise im Auwald des Rheines vorkommen werde. Diese Erwar- 
tung wurde nicht getäuscht. Als ich am 27. IV. 1917 durch das 
üppig wuchernde Gebüsch des au den Nordostrand von Straßburg 
angrenzenden Rheinwaldes in früher Morgenstunde ritt, da dachte 
ich bei mir, daß dies die richtige Weideumeisen-Landschaft sei. 
Kaum gedacht, da schlug schon der bekannte, von mir in Polen 
und insbesondere in Nordost-Frankreich (Argonnen, Verduner- 
gegend, Champagne) viele hundert Male gehörte bezeichnende ,,däh- 
däh"-Ruf an mein Ohr. In der Folgezeit habe ich die Art noch 
oftmals in diesem Teil des Rheinwaldes, auch im Ufergebüsch der 
Hl bei Rupprechtsau gehört und gesehen. Auch hier machte ich 
dieselbe Erfahrung wie in Frankreich, daß die Weidenmeise wäh- 
rend der Brutzeit scheinbar von ihrem Standort verschwindet. 
Still und unbemerkt erledigt die sonst an ihren Lockrufen leicht 
erkennbare und — wo sie einmal ist — immer wieder auffindbare 
ihr Brutgeschäft. Wenn die Jungen ausgeflogen sind, läßt sie ihre 
Stimme wieder allenthalben hören. Leider hatte ich keine Ge- 
legenheit, ein Belegstück zu erlegen oder sonst mir zu verschaffen. 
In der reichhaltigen Zoologischen Sammlung der Uuiversität Straß- 
burg steht ein mit ,.Parus 'palustris L." bezeichnetes cf von 
„Straßburg 15. X. 1855, Kroener", das nach meinem Dafürhalten 
salicarius ist. Vermutlich sind die bei Straßburg gar nicht selten 
vorkommenden Weidenmeisen Parus atricapillus rhenanus Kleiuschm. 

Neben dieser Art kommt in Straßburgs Umgebung etwa 
gleich häufig Parus palustris longirostris Kleinschm. vor. 



XIV 2 ~\ 

' ' j Öchelcher: Weidenmeise in Holstein und im Erzgebirge. 151 



Die Weidenmeise in Holstein und im sächsischen 

Erzgebirge. 

Von 

R. Scheicher (Dresden). 

Während eines Aufenthaltes vom 10. — 25. VIII. 19 in Ahrens- 
burg in Holstein (an der Sti-ecke Hamburg — Lübeck) lernte ich 
die Weidenmeise [Parus atricapülus salicarius Brehm) dort als nicht 
seltenen Vogel kennen. Meist zu zwei oder drei, auch mit Tannen-, 
Blau- und glanzköpfigen Surapfmeisen vergesellschaftet, durchzogen 
sie mit Vorliebe die Laubholzstreifen in den Fichtenbeständen; in- 
des traf ich sie auch sowohl im reinen Fichtenwald wie auch in 
den Laubholzhecken (Haselnuß, Erlen, Eichen), die Felder und 
Viehweiden umgrenzen. Auch im Gebüsch der Moore hörte ich 
sie, doch niemals weit vom Nadelwald entfernt. Im reinen Buchen- 
wald begegnete ich ihr nicht. — Ein Belegexemplar befindet sich 
in der Münchener Sammlung. 

Fast noch häufiger fand ich die Weidenmeise Ende August 
bis Anfang September 1919 in den Kiefernwäldern des sächsischen 
Erzgebirges zwischen Schneeberg und Aue (etwa 350 — 450 m 
Meereshöhe), wo ihr charakteristischer Ruf bei einiger Aufmerk- 
samkeit kaum entgehen konnte. Herr E. Stresemann wird noch 
Näheres über diesen neuen Fundort berichten. 



Ges. Bay. 



Der Beginn des Vogelgesanges in der Frühdämmerung. 

Von 

C. Zimmer (München)^). 

Im Jahre 1916 fiel mir eine Nummer der „Frankfurter Zeitung" 
(Nr. 151 V. 1. Juni 1916) in die Hände, in der ein Aufsatz von 
V. Haecker stand, „Der Vogelgesang als Stundenanzeiger". Der 
Verfasser behandelt darin den Morgenbeginn des Vogelgesanges 
und seine Abhängigkeit vom Licht. Mein Interesse an dem Artikel 
und den darin aufgerollten Problemen war gepaart mit einem Be- 
dauern über das Verpassen so zahlreicher Beobachtungsmöglich- 
keiten: Als leidenschaftlicher Jäger hatte ich viele Jahre hindurch 
auf Birkhahnbalz und Bockpirsch so manchen Sonnaufgang draußen 
im Revier verbracht. Dabei hatte ich zwar stets mit tiefem Ge- 
nüsse auf das Erwachen der Natur und damit auch der Vogelwelt 
geachtet. Aber Aufzeichnungen, mit der Uhr in der Hand, wie 
sie Haecker unternommen, hatte ich nie gemacht. Nur das eine 
war mir immer wieder klar geworden, wie treffend eine Regel ist, 
die ich einem alten Jäger verdanke, daß nämlich der Waidmann 
zur Frühpirsch aufbrechen soll, wenn der Lerchengesang beginnt, 
und an Ort und Stelle sein soll, wenn der Kuckucksruf ertönt. 

Jedesfalls habe ich dann in Zukunft nicht versäumt, auch 
diese sich mir beim Jagdvergnügen bietende Gelegenheit zu exakter 
zoologischer Beobachtung zu benutzen. Wenn ich jetzt nach drei- 
jähriger Beobachtung meine Ergebnisse veröffentliche, so geschieht 
das nicht, weil ich etwas abgeschlossenes bieten könnte. Im 
Gegenteil, immer mehr bin ich zur Überzeugung gekommen, daß 
dazu die Beobachtungen noch lange nicht ausreichen. Aber meine 
Jagdpacht läuft mit gegenwärtigem Winter (18/19) ab und damit die 
sich mir, wenigstens in dieser Gegend, bietende Beobachtungsgelegen- 
heit. Weiterhin hat mich zur jetzigen Veröffentlichung die Über- 
zeugung veranlaßt, daß zur Lösung aller Fragen Beobachtungen 
in verschiedenen geographischen Breiten notwendig sind, von 
einem allein also kaum geleistet werden können Die folgenden 
Ausführungen sind also nur als Material für eine spätere Lösung 
der Fragen zu betrachten. 



^) Nach einem Vortrag, gehalten am 14. März 1919. 



XIV 2 I 

' ' I Zimmer: Vogelgesang in der Frühdäraraerung. 153 

Haecker, dessen ausführliche Behandlung des Themas im 
Biologischen Zentralblatt ^) steht, weist nach, wie für den Beginn 
des Frühgesanges als auslösender Faktor vor allen Dingen der 
jeweils herrschende Helligkeitsgrad bestimmend ist. Neben ihm 
kommen andere Faktoren nur untergeordnet in Betracht. Für 
den Helligkeitsgrad sind maßgebend Stellung der Sonne sowie 
Dunstgehalt der Atmosphäre und damit Bewölkung des Himmels. 
Haecker versuchte den relativen Helligkeitsgrad unmittelbar zu 
bestimmen durch ein einfaches selbstverfertigtes Instrument, doch 
ohne zuverlässigen Erfolg. So beschränkt er sich darauf Dunst- 
gehalt und Bewölkung abzuschätzen und den Sonnenstand durch 
Beobachtungen mit der Uhr in der Hand festzustellen. 

Es wäre ja natürlich besser, die Helligkeit mit Hilfe eines 
Photometers zu bestimmen. Ob es solche gibt, die, ohne all zu 
teuer zu sein, doch mit der nötigen Schnelligkeit und Zuverlässig- 
keit arbeiten, darüber bin ich augenblicklich nicht unterrichtet, 
glaube aber, daß, wenn es derartiges gäbe, sie schon längst bei der 
Liebhaberphotographie eingeführt wären. Jedesfalls habe ich ebenso- 
wenig wie Haecker einen besessen, und so wird es den meisten 
Beobachtern gehen. Man wird also immer auf die Methode der 
Helligkeitsschätzung angewiesen sein. 

Die Feststellung des Sonnenstandes mit Hilfe der Uhr muß 
noch etwas näher besprochen werden: Wenn man die Zeit des 
Sonnaufganges kennt, kann man an der Hand einer Taschenuhr 
feststellen, wie viel Minuten vor Aufgang eine bestimmte Vogelart 
zu singen beginnt. Diese Minutenzahl nennt Haecker den Vor- 
sprung des Vogels, ein treffender x4.usdruck, den ich im gleichen 
Sinne hier durchweg anwenden will. 

Um den Vorsprung zu bestimmen, muß man die Zeit des 
Sonnaufganges kennen. Man findet sie in manchen Kalendern, 
so beispielsweise im „Wild- und Hundkalender", im „Münchener 
Jahrbuch" usw. Es ist aber zu berücksichtigen, daß diese An- 
gaben nur für den Schnittpunkt eines bestimmten Längen- und 
Breitengrades gelten, für andere Orte aber noch etwas geändert 
werden müssen. Zunächst ist der Längengrad von Einfluß. Der 
„Wild- und Hundkalender" gibt den Sonnaufgang nach mittel- 
europäischer Zeit. Diese Angabe stimmt für den 15. Grad öst- 
licher Länge, für den die MEZ. auch gleichzeitig richtige Ortszeit 
ist. Mit jedem Längengrad nach Osten findet aber der Sonnauf- 
gang, nach MEZ. berechnet um 4 Minuten früher statt, nach 
Westen hin für den Längengrad um 4 Minuten später. Diese 
Korrektur kann man für jeden beliebigen Ort an der Hand eines 
Atlas oder einer Landkarte, auf der man den Längengrad des 



^) 1916, p. 403— 431 „Reizphy Biologisches über Vogelzug und Frühgesang". 



[54 Zimmer: Vogelgesang in der Frühdämmerung, 1 ^^ ' ^^' 

L Ges. Bay. 

Ortes abliest, leicht machen. Etwas umständlicher ist die Korrektur 
für den Breitengrad. Sie ist für einen bestimmten Ort keine feste 
Größe, sondern ändert sich nach der Jahreszeit. Um sie jeweils 
zu berechnen, nehmen wir den entsprechenden Jahrgang des „Ber- 
liner astronomischen Jahrbuchs" zur Hand, das wohl in keiner 
öffentlichen Bibliothek fehlt. Dort finden wir in dem Abschnitt 
„Sonne" den Aufgang für jeden Tag des Jahres vermerkt, stim- 
mend für den 50. Breitengrad und für Uhr Länge. Letzteres 
bedeutet nun weiter nichts, als daß der Sonnaufgang in Ortszeit 
ausgedrückt ist, für MEZ. also für den 15. Grad östl. Länge von 
Green wich stimmt. Für andere Längengrade muß er zunächst 
wie oben korrigiert werden. Zur Korrektur für den Breiten- 
grad finden wir im zweiten Teil unter den Hilfstafeln eine „Re- 
duktionstafel für Auf- und Untergang der Sonne", wo für Breiten- 
grad zu Breitengrad und für jeden 10. Tag angegeben ist, um wieviel 
Minuten und Sekunden sich der Sonnaufgang gegen den vom 
50. Breitengrad verschiebt. Für die dazwischen liegenden Breiten 
und Tage lassen sich die gültigen Größen leicht durch Interpolation 
finden. Bei der Benutzung des astronomischen Jahrbuches darf 
nicht vergessen werden, daß der Astronom seinen Tag von Mittag 
bis wieder zum Mittag rechnet. Der unter bestimmtem Datum 
notierte Sonnaufgang gilt also für den darauffolgenden Tag der 
bürgerlichen Berechnung. Will ich also beispielsweise den Sonn- 
aufgang am 1, Mai wissen, so muß ich im Jahrbuch den des letzten 
Aprils ablesen. 

Ist nun für jedes Datum und für jede Gegend bei einem in 
einer bestimmten Zahl von Zeitminuten angegebenen Vorsprung 
der Helligkeitsgrad der gleiche? Wir wissen, daß je weiter wir 
nach Norden kommen, um so länger die Dämmerung dauert und 
umgekehrt, und ferner ist auch zur Zeit der Sonnenwende die 
Dauer der Dämmerung länger als zur Zeit der Tag- und Nacht- 
gleiche, Es gilt festzustellen, wie groß oder gering dieser Unter- 
schied ist, um sich darüber klar zu werden, ob er einfach ver- 
nachlässigt werden kann oder nicht. 

Der Grad der Dämmerung ceteris paribus wird bedingt durch 
den Stand der Sonne unter dem Horizont, Ich berechne für 
München den Sonnenstand 60 Minuten vor Sonnaufgang am 21. III. 
17 und am 21. VI. 17 und erhalte folgende beiden Größen: 10*^45' 
und 8" 23'. Das ist immerhin ein nicht unbeträchtlicher Unter- 
schied, der dann besonders zutage tritt, wenn ich ihn wieder auf 
folgende Weise in Zeitminuten umsetze: Ich berechne, zu welcher 
Zeit am 21. VI. 17 die Sonne ebenso tief unter dem Horizont 
steht, wie 60 Minuten vor Sonnaufgang am 21. III. 17. Ich finde, 
daß dies nicht 60, sondern 83 Minuten vor Sonnaufgang ist, d.h. 
mit anderen Worten: 60 Minuten vor Sonnaufgang am 21. ni. 17 



XIV 2 ~\ 

' ' I Zimmer: Vogelgesang in der Frühdämmening. i55 

und 83 Minuten vor Sonnaufgang am 21. VI, 17 herrscht in München 
ceteris paribus der gleiche Helligkeitsgrad. Das ist eine Diiferenz von 
23 Minuten. Mache ich die Berechnung umgekehrt, so finde ich, 
daß am 21. III. 17 die Sonne 4G Minuten vor Sonnaufgang ebenso 
tief unter dem Horizont steht, wie 60 Minuten vor Aufgang am 
21. VI. 17. Das sind imiiierhin Unterschiede, die man nicht ver- 
nachlässigen darf. Noch größer wird der Unterschied, wenn man 
Orte verschiedener Breite miteinander vergleicht: In Hamburg 
steht am 21. VI 17 die Sonne 60 Minuten vor Aufgang 6*^ 32' unter 
dem Horizont. Gegen den Stand in München am 21. III. 17 ist 
das ein Unterschied von mehr als 4 Graden. Und rechne ich 
wieder zurück und frage mich, wann steht in Hamburg am 21. VI. 
17 die Sonne ebenso tief unter dem Horizont, wie am 21. III. 17 
60 Minuten vor Aufgang in München, so finde ich, daß dies 
122 Minuten vor Sonnaufgang ist. Würde ich also einen in Zeit- 
minuten ausgedrückten in Hamburg beobachteten Vorsprung einem 
solchen von München am 21. III. 17 gleichsetzen, so würde ich 
einen Fehler von über einer Stunde machen. 

Kurz, man sieht daraus, daß man als Maßstab der Helligkeit 
nicht den Vorsprung in Zeitminuten nehmen darf, sondern den 
Stand der Sonne unter dem Horizont zu der jeweiligen Beobach- 
tungszeit berechnen muß. 

Diese Berechnung ist für den, der sein mathematisches Rüst- 
zeug, geistiges wie materielles, schon eine Reihe von Jahren bei- 
seite gelegt hat, ein hartes Geschäft, aber doch nicht so schwierig, 
daß sie unmöglich wäre für einen, der auf allgemeine Bildung 
Anspruch erhebt. Es gilt hierfür die Formel: 

sin h == sin ^ • sin 95 -[- cos 5 • cos 9? • cos t. 

In dieser Formel ist h der Winkel der Sonne unter dem 
Horizont (p ist die geographische Breite des Beobachtungsortes. 
6 ist die Deklination der Sonne. Im astronomischen Jahrbuch ist 
sie für Mittagszeit jedes Tages augegeben. Da sie eine ständig 
sich ändernde Größe ist, muß man noch durch Interpolation ihre 
Größe für die Beobachtungszeit ausrechnen. Doch genügt es, bei 
dem geringen Grade der Änderung für einen Beobachtungsmorgen 
eine mittlere Größe anzunehmen, also w^enn beispielsweise die Be- 
obachtungen zwischen 2 und 4 Uhr früh liegen, die Deklination 
für 3 Uhr zu berechnen und einzusetzen, t ist der Stundenwinkel 
der Sonne, d. h. der Winkel, den die Sonne vom Augenblick der 
Beobachtung bis zum wahren Mittag durchläuft. In 24 Stunden 
durchläuft die Sonne 360", in 4 Zeitminuten somit einen Grad. 
Dividiere ich also die Zahl der Zeitminuten, die zwischen Be- 
obachtungszeit und wahrem Mittag, oder zwischen Beobachtungs- 
zeit, in wahrer Zeit ausgedrückt, und 12 Uhr verstreicht durch 4, 
so habe ich den Stundenwinkel in Graden. Was ich auf der Uhr 



j56 Zimmer: Vogelgesang in der Frühdämmerung. 1 ^^ • '-'id. 

L Ges. Bay. 

ablese, ist mitteleuropäische Zeit. Ich muß sie in wahre Zeit um- 
wandeln. Für jeden Längengrad, den der Beobachtungsgrad west- 
lich des 15. Längengrades (östlich v. Greenwich) liegt, muß ich 
4 Minuten von der MEZ. abziehen, um die mittlere Zeit zu er- 
halten. Diese differiert noch von der wahren Zeit um eine Größe, 
die als Zeitgleichung bezeichnet wird und die im astronomischen 
Jahrbuch, für alle Tage des Jahres berechnet, zu finden ist. 

Bei Berechnung dieser astronomischen Verhältnisse hat mir 
Herr Professor Dr. E. Großmann, Konservator der hiesigen Stern- 
warte, auf das liebenswürdigste geholfen und ich nehme diese Ge- 
legenheit wahr, ihm hierfür herzlichst zu danken. 

Ich will nun auch den Winkel, den die Sonne bei Beginn des 
Gesanges einer Art unter dem Horizont steht, in etwas über- 
tragenem Sinne als den Vorsprung dieser Art bezeichnen. Da 
eine Differenz von einer Zeitminute einer solchen von rund 
6 — 9 Bogenminuten entspricht, ist es mehr als genügend, wenn 
man die Berechnung bis auf Bogenminuten durchführt und auf 
eine Berechnung bis auf Bogensekunden verzichtet. 

Die Bezeichnung des Vorsprunges in Winkelform hat etwas 
mißliches. Man kann sich nichts rechtes darunter vorstellen, wenn 
man erfährt, daß etwa die Amsel bei einem Sonnenstand von 7" 
46' u. H. zu singen beginnt, wohl aber, wenn es einfach heißt, sie 
singt 56 Minuten vor Aufgang. 

Dort wo es sich also nur um geringe Fehlerquellen handelt, 
bei Beobachtungen in demselben Gebiet, die jahreszeitlich nicht 
zu weit auseinander liegen, wird man gut tun, neben der Angabe 
des Vorsprunges in Winkelform auch noch die in Zeitminuten bei- 
zufügen. 



Ich lasse zunächst die Protokolle meiner eigenen Beobachtungen 
folgen, soweit sie im Buch am Buchrain in Oberbayern (48" 
10' N., 12*^ 0' 0.) gemacht sind. Die Zeiten sind in MEZ. unter 
Vernachlässigung der „Sommerzeit" angegeben. Hinter jedem Art- 
namen steht zunächst die Zeit des Gesangsanfanges, dann der 
Vorsprung in Zeitminuten und endlich der in Bogengraden und 
-minuten. Die Daten für die Mondauf- und -Untergänge sind dem 
„Wild- und Hundkalender" entnommen und stimmen nicht genau 
für den Beobachtungsort, doch genügt für den beabsichtigten Zweck, 
einen Maßstab über das herrschende Mondlicht zu geben, die Ge- 
nauigkeit. Mond u. H. heißt: Der Mond stand zur Beobachtungs- 
zeit unter dem Horizont. 



XIV 

19 



V 2 ~i 

' "' j Zimmer: Vogelgesang in der Frühdämmerung. 157 



1916. 



18. VI. 16. Klares Wetter, ziemlich warm, Monduntergang 6'' 24", 3 Tage 
nach Vollmond. Sonnaufgang 4i» 11"«. 

Wachtel 2h 45" 86™ 10» 44' Goldammer 3i» 29" 42in 6» 4' 

Hausrotschwanz 311 0™ 71" 9" 15' Buchfink 3h 42m 29«» 4« 31' 

Kuckuck 3ii 15m 50^ 7039- 

19. VI. 16. Trüb und nebelig, nachts Regen. Ziemlich warm, Monduuter- 
gang 7h 56m, 4 Tage nach Vollmond. Sonnaufgang 9^ 11™. 

Lerche 2^30^ 71m 9014' Hausrotschwanz 2^ 35m ßßui 8° 42'. 

25. VI. 16. Klares Wetter, ziemlich warm. Mondaufgang 121" 10m vorm., 
3 Tage nach letztem Viertel. Sonnaufgang 4^ 12m. 

Lerche 2^ 39m 93m Hf 24' Fasan 3^' I2m 00«» 8» 5' 

Hausrotschwanz 3ii 0™ 72m 90 2I' Amsel 3ii 15m 57m 70 44/ 

Krähe 3^ 10m 62m g" 18' Gartengrasmücke 3^ 20™ 52™ 70 i2' 

Singdrossel „ „ „ Kuckuck 3^ 29™ 42m ßo jq/ 

Rotkehlchen 3'» 12™ 60™ 8" 5' Schwarzplättchen „ „ „ 

2. VII. 16. Klares Wetter, warm. Mond u. H. Sonnaufgang 4'i I6m, 
Lerche 2^ 40™ 96m 11« 47' Kuckuck S^ 15™ 61™ 8« 15' 
Wachtel 2^ 58™ 88™ 11° 2' Amsel 3^ 16™ 60™ 8" 9' 
Singdrossel 2ii 38™ 68™ 9" 1' Schwarzplättchen 3^ 17m 59m go 2'. 
Rotkehlchen 3^ 14™ 62m 8° 22' 

3. VII. 16. Etwas trüb, Mond u. H. Sonnaufgang 4^ 17™. 

Lerche 2^ 47™ 90™ IP 12'. 
18. VII. 16. Klares Wetter, ziemlich warm, windig. Mond u. H. Sonn- 
aufgang A^ 21™. 

Lerche 31^ 0™ 83™ 10° 38'. 

30. VII. 1 6. Klares, warmes, ruhiges Wetter. Mond u. H. Sonnaufgang 4ii 45™ . 
Wachtel 3^ 45™ 60™ 8" 49' Rotkehlchen 4^ 0™ 45™ 6» 53'. 
Goldammer 4ii Om 45™ 6° 53' 

31. VII. 16. Klares, warmes, ruhiges Wetter. Mondu.H. Sonnaufgang 411 45™. 
Wachtel 3ii 43™ 62™ 9» 16' Rotkehlchen 4b 7™ 38™ 6» 10. 
Goldammer 4ii 0™ 45™ 7" 05' 

4. VIII. 16. Klares, warmes, ruhiges Wetter. Mond u. H. Sonnaufgang 4ii 50™. 

Goldammer b^ 7™ 43™ 7° 0'. 

1917. 



Wachtel 


211 45™ 90™ IP 45' 


Krähe 


311 16m 


59™ 


8° 27' 


Lerche 


2h 50m 85™ 11° 15' 


Amsel 


3h 17m 


58™ 


8« 21' 


Singdrossel 


3h 15m 6O™ 8° 34' 


Kuckuck 


3^20™ 


55™ 


8» 0' 


Hausrotschwanz „ „ „ 










2. VL 17 


Etwas trüb. Mond u. H. 


Sonnaufgang 


• 4h 15m. 






Lerche 


2^ 52™ 83™ 10° 56' 


Rotkehlchen 


311 23™ 


52™ 


7° 32' 


Wachtel 


3h Im 74m 90 59- 


Krähe 


3h 24™ 


51m 


7« 25' 


Singdrossel 


3h 17m 58m 8° 14' 


Ringeltaube 


311 26™ 


49m 


70 11, 


Amsel 


3ii 18™ 57™ 8° 7' 


Goldammer 


311 36™ 


39™ 


5° 59' 


Kuckuck 


11 n 1) 











158 Zimmer: 


Vogelgesang ir 


1 der Frühdämmerung. 


Verh. Orn. 
_ Ges. Bay. 


3. VI. 17. 


Regen. 


Mond u. H. 


Sonnaufgang 4'^ 15"*. 






Lerche 


gii 3m 


72m 90 39- 


Kuckuck 311 25m 


50m 


70 11- 


Wachtel 


3h 6m 


69m 90 20' 


Eingeltaube 3^ 38m 


37m 


5» 38' 


Singdrossel 


3h 16m 


59m 8» 13' 


Goldammer 3^ 40m 


35m 


5" 23' 


Amsel 


3Ji20m 


55m 7» 46' 


Gartengrasmücke 3^ 46m 


29m 


4» 39'. 


10. VI. 17. 


, Klares Wetter. Mondaufg. (am 9. VI. abends) ll^i 34m. 


2 Tage 


vor dem letzten Viertel. 


Sonnaufgang 4ii 12m. 






Lerche 


2^ 39m 


93m 110 32' 


Kuckuck 311 15m 


57m 


7» 49' 


Amsel 


3h 4m 


68m 90 1- 


Goldammer 3^ 18m 


54m 


7« 22' 


Singdrossel 


51 


11 Tl 


Zaunkönig 3ii 24m 


48m 


6" 48'. 


17. VL 17. 


, Klares 


Wetter. 2 Ta 


ge vor Neumond. Sonnaufgang ' 


4h lim. 


Lerche 


2^ 39m 


92m 110 21< 


Goldammer 3^ 8m 


63m 


8« 26» 


Wachtel 


2h 44m 


87m 10» 52' 


Singdrossel 31» 12m 


59m 


80 0' 


Hausrotschwanz 


21i 45m 


86m 10« 47' 


Kuckuck „ 


?1 


V 


Amsel 


3^ 8m 


63m 8" 26' 


Krähe 4^^ 13™ 


58m 


7" 54'. 


Gartengrasmücke „ 


•n v 








24. VL 17 


. Leicht bewölkt, kühl, 


am Vorabend Eegeu. Mond u. H. 


Sonn- 


aufgang 4^ I2iii. 












Lerche 


2^ 44m 


88m 10« 54' 


Singdrossel 3^ 21m 


51m 


70 4- 


Hausrotschwanz 


2h 49m 


83m IQO 25' 


Amsel „ 


■n 


11 


Wachtel 


•)') 


Ti 11 


Rotkehlchen 3^ 24m 


48m 


6» 44' 


Krähe 


3b 10m 


62m 8» 16' 


Kuckuck 3^1 27m 


45m 


6° 23'. 


Goldammer 


31» 20m 


52m 70 11- 








1. VII. 17 


. Trüb 


und regnerisch. 


Mond u. H. Sonnaufgang 4^ 15m. 


Lerche 


2I1 52 >n 


83m IQO 34' 


Kuckuck 3^ 29m 


46m 


6« 37' 


Wachtel 


3h 6m 


69m 90 9- 


Amsel 3^ 34m 


41m 


6" 2' 


Krähe 


3h 14m 


61m 8" 18' 


Gartengrasmücke 3^ 37m 


38m 


5° 41'. 


Singdrossel 


311 23m 


52m 70 18- 









8. VII. 17. Klares Wetter, später Regen. Monduntergang 8I1 33m vorm. 
3 Tage vor letztem Viertel, Sonnaufgang 4ii 20m. 

Lerche 3^ Im 79m lO« 18' Singdrossel 3^ 25m 55m 70 43' 

Amsel 311 9m 71m 90 28' Kuckuck 3^ 29m 51m 70 15- 

Wachtel 3^ 21m 59m &o iQ' Krähe 3^^ 34m 46m Qo 40-, 

Goldammer „ „ „ 

Auffallend ist der frühe Beginn des Amselgesanges. Es singt nicht nur 
eine einzelne, sondern zahlreiche. 

15. VII. 17. Klares Wetter, 4 Tage vor Neumond. Sonnaufgang 4^ 26™. 

Wachtel 2ii 48™ 98m 12» 32' Rotkehlchen 4^ 29m 57m 8^ 10' 

Lerche 2^ 56m 90m 110 45- Goldammer 4^ 34™ 52m 70 35- 
Hausrotschwanz 3^ 16m 70m 9° 38' Gartengrasmücke 4ii 36™ 50m 7" 21'. 
Amsel 4h 25m 61m 8" 37' 

Die Drossel singt in der Dämmerung nicht mehr. Später, im Laufe des 
Vormittags sang hie und da noch eine. 

22. VII. 17. Klares Wetter. Mond u. H. Sonnaufgang 41» 34™. 
Lerche 31' 10™ 84™ 110 22' Amsel 3i' 55™ 39™ 6" 2' 

Wachtel 3^ 22™ 72™ 10" 2' Goldammer „ „ „ . 

Die Amsel zeigt ein Nachlassen des Gesanges. 



XIV, 2, 
1919 



Zimmer: Vogelgcsang in der Frühdämmerniig. 



159 



24. VII. 17. Klares Wetter. Mond u. H. Sonnaufgang 4ii 42'". 
Lerche ' 3^ 16^ 8ßm 12« 1'. 

30. VII. 17. Trübes Wetter. Nachts Regen. Moud u. H. A^iH^. 
Lerche 3i» 37m Qi^m 90 44- Goldammer 4'' 3™ 40«» 6" 31'. 
Krähe 

Es singen nur noch vereinzelte Lerchen. 

31. VII. 17. Leicht wolkig. Mond u. H. Sonnaufgang i^ 4^^ . 

Goldammer 4^ 4»i 41m ßo ^y^ 

3. VIII. 17. Bewölkt. Vollmond. (Untergang 4I1 31™). Sonnaufgang 4'M9n». 
Lerche 3^ 25™ 84™ 12» 3' Goldammer A^ ,^)'« 44™ 7" 0'. 



22. V. 1 
gang 4h 25™. 

Hausrotschwanz 
Wachtel 



1918. 

8. Klares, ruhiges Wetter, etwas kühl. 



Mond u. H. Sounauf- 



3h 0™ 85™ 11° 34' 



Lerche 3^ 4™ 

Gartenrotschwanz 3h 12™ 



8I™ 
73™ 



11« 7' 
10« 13' 



1. VI. 18. Klares Wetter, kühl. Mond im letzten Viertel. Aufgang 12ii 5™. 
Sonnaufgang 4^ 16™. 

Lerche 2^ 53™ 83™ 10« 59' Amsel 3^ 17™ 59™ 8« 22' 

Hausrotschwanz 25i 55™ 81™ 10« 46' Eotkehlchen 3^ 19™ 57™ 8« 9' 

Gartenrotschwanz 2^ 5?™ 79™ 10« 34' Kuckuck 3^ 20™ 56™ 8« 2' 

Singdrossel 3ii 13™ 63™ 8« 50' Gartengrasmücke 3h 21™ 55™ 7« 55' 

Krähe 3^ 17™ 59™ 8« 22' Goldammer 3^ 29™ 47™ 6« 59'. 

2. VI. 18. Bewölkt, kühl. Mond im letzten Viertel. Aufgang 2^ 15™. 
Sonnaufgang 4^ 15™. 

Wachtel 2^ 47™ 88™ 11« 27' Amsel 

Lerche 2^ 56™ 79™ 10« 32' Singdrossel 

Hausrotschwanz 3^ 3™ 73™ 9« 48' Kuckuck 

Gartengrasmücke 3h 21™ 54™ 7« 47' Goldammer 



3h 25™ 50™ 7« 19' 
3h 26™ 49™ 7« 12' 
3h 27m 48™ 7« 5' 



9. VI. 18. Ziemlich bewölkt, warm. Mond u. H. Sonnaufgang 4h 13™. 



Lerche 

Wachtel 

Hausrotschwanz 

Kuckuck 

Singdrossel 



2h 52™ 8I™ 10» 21' 



2h 57™ 71™ 
3h 16m 57m 
3h 19m 54m 



9« 50' 

7« 47' 
70 27' 



Eotkehlchen 

Amsel 

Krähe 

Gartengrasmücke 

Goldammer 



3h 23™ 50™ 
3h 24™ 49m 
3h 26™ 47™ 
3h 27™ 46™ 
3h 28™ 45™ 



70 0' 
6« 53' 
6« 39' 
6« 32' 
6« 25' 



16. VI. 18. Regnerisch (doch während der Beobachtungszeit nicht regnend). 
Mond u. H. Sonnaufgang 4h li™. 



Wachtel 
Lerche 

Hausrotsehwanz 
Garten rotschwanz 
Singdrossel 



2h 45m 86™ 10« 43' Kuckuck 3h 12™ 59™ 7« 56' 

2h 48m 83™ 10« 26' Amsel 3h 14™ 57™ 7« 43' 

2h 50m 8I™ 10« 14' Krähe 3h 18™ 53™ 7« 1 7' 

2h 54in 77m 90 50' Gartengrasmücke 3h 19™ 52™ 7« 10' 

3h 12™ 59™ 7« 56' Goldammer „ „ „ 



23. VI. 18. Regen, stürmisch, 
Sonnaufgang 4h 12™. 



kühl. Moud nahezu voll, im Untergehen, 



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Ges. Bay. 

Wiesenschmätzer 2^351» 97^110 44'^) Hausrotschwanz 3^26^ 46m 6« 29"') 
Lerche 2H 56^ 76^ 9" 43' Goldammer 3^ 27™ 4=5^ 6" 22' 

Wachtel 3^ 14™ 58™ 7« 50' Amsel 3^^ 20™ 42™ 6« 2' 

Smgdrossel 3^ 19™ 53™ 7« 17' Kuckuck S^ 31™ 41™ 5» 54'. 

*) Um diese Zeit singt der Wiesenschmätzer nur ganz kurz, später noch- 
mals, doch beginnt er erst um 2^1 49™ munterer zu werden. 

^) Das beobachtete Exemplar (an einem Häuschen mitten im Walde) singt 
jetzt erst und hat mindestens die vorangehende Viertelstunde geschwiegen. Ob 
an anderer Stelle der Rotschwanz schon früher gesungen, bleibt unsicher. 

29. VI. 18. Klares Wetter, ziemlich kühl. Mond nahe dem letzten Viertel. 
Untergang Q^ 55™ vorm. Sonnaufgang 4ii 13™. 



Wiesenschmätzer 






Krähe 


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Singdrossel 


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Kuckuck 


3h 14m 60™ 


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Hausrotschwanz 


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9» 33' 


Dorngrasmücke 


3h 27™ 46™ 


6» 38 


Wachtel 


2h 35™ 68™ 


9» 2' 


Goldammer 


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11 


30. VL 18. 


Tiefhängende 


, dichte Wolken, dunstig 


in den Tälern, . 


demlic 



kühl. Mond nach dem letzten Viertel. Untergang 11^ 17™. Sonnaufgang 4h 14™. 
Wiesenschmätzer 2i» 35™ 99™ 12» 1' Singdrossel 3h 30™ 44™ 6» 19' 

Lerche 3h 0™ 74™ 9» 36' Goldammer „ „ 

Hausrotschwanz 3h 7™ 67™ 8" 52' Dorngrasmücke 3h 34™ 40™ 5" 51'. 
Krähe 3h 25™ 49™ 6» 54' 

Der Wiesenschmätzer hat möglicherweise schon 2—3 Minuten (mehr 
aber nicht) früher begonnen. 

Drossel und Amsel setzen nicht mehr so gleichmäßig ein wie früher. 

14. VIT. 18. Leicht wolkig, warm. Mond u. H. Sonnaufgang 4h 25™. 
Lerche 2h 35™ 80™ 10» 39' Amsel 3h 37™ 48™ 7» 4' 
Wiesenschmätzer 3h 15™ 70™ 9» 35' Gartengrasraücke3h 39™ 46™ 6» 50' 
Singdrossel 3h 33™ 52™ 7» 32' Goldammer 3h 40™ 45™ 6» 43'. 
Krähe „ „ „ 

15. VII. 18. Bewölkt, später Regen, warm. Mond u. H. Sonnaufgang 
4h 26™. 

Wachtel 2h 46™ 100™ 12» 42' Lerche 2h 58™ 88™ 11" 30'. 

Die Lerchen setzen nicht mehr gleichmäßig mit dem Gesang ein. 

28. VII. 18. Bedeckt, kühl. Mond kurz vor dem letzten Viertel. Unter- 
gang 10h 26™. Sonnaufgang 4h 41™, 

Wachtel 3h 32™ 69™ 9» 55' Schwarzplättchen 4h 9™ 32™ 5» 13'. 

Goldammer 4h 3™ 38™ 6» 1' 

Lerche, Amsel und Drossel nicht mehr zu hören. 

2. VIII. 18. Klar. Mond im letzten Viertel. Untergang 4h 44™. Sonn- 
aufgang 4h 46™. 

Wachtel 3h 50™ 56™ 8» 42' Rotkehlchen 4h 10™ 36™ 0» 4'. 

Goldammer 4h 8™ 38™ 6» 20'. 

Ich füge noch zwei Tabellen bei. In der ersten gebe ich eine 
Zusammenstellung der Ergebnisse für die einzelnen Ai-ten. Die 
Arten sind in der Reihenfolge des durchschnittliclien Vorsprunges 
aufgeführt. Die einfach gedruckten Arten wurden nur ein- bis 
zweimal notiert, die gesperrt gedruckten etwas öfter. Nur die 
fettgedruckten sind mit einer solchen Häufigkeit beobachtet worden, 
daß sich allgemeinere Schlüsse herleiten lassen. 



XIV, 2, 
1919 



Zimmer: Vogelgesang in der Frühdämmerung, 



161 



Tabelle 1. 



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j^62 Zimmer: Vogelgesang in der FrüMämmerung. 1 ^^ ' ^^' 

L Ges. ßay. 

Tabelle 2. 




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XIV 2 ~\ 

' I Zimmer: Vogelgesaug in der Frühdämraerung. 163 

Die zweite Tabelle enthält in Kurvenform die Zusammen- 
stellung des Vorsprunges bei den häufiger beobachteten x\rten. 
An den kreuzw^is schraffierten Tagen wai* bedeckter Himmel, 
manchmal regnerisches Wetter, an den einfach schraffierten mehr 
oder weniger, aber nie völlig bewölkter Himmel, während die 
übrigen Tage klar und wolkenlos waren. 

Außer diesen Beobachtungen habe ich an drei Tagen während 
der Birkhahnbalz Notizen gemacht. Ich lasse das Protokoll folgen: 

Mühlliausen bei Neustadt a. Donau (^ = 48" 45'). 

Die Beobachtungen erstrecken sich auf die drei Tage 7. bis 
9. April 1917, anläßlich der Birkhahnbalz. Die Vegetation ist 
noch sehr zurück (es war bekanntlich der strenge Winter). Die 
Tage vorher war es kaltes regnerisches Wetter. Die Birkhahn- 
balz hat noch nicht recht eingesetzt. Am 7. IV. Vollmond. 

7. IV. 17. Zenith klar, aber Horizont ziemlich hoch herauf trüb und be- 
wölkt, Temperatur um 0". Sonnaufgang ö^ 4:1'^. 

Bekassine 4^ 49^ 52™ 8» 51' Amsel 5^ 5™ 36™ 6" 21' 

Brachvogel 4^1 50™ 51™ 8" 41' Wacholderdrossel „ „ „ . 

Birkhahn a 4^ 51™ 50™ 8^ 32' 

8. IV. 17. Etwas klarer, leichte Eisdecke, Keif. Sonnaufgang 5^ 39™. 
Bekassine 4^32™ 67»» 11" 8' Heidelerche 411 47™ 52™ 8« 51' 
Birkhahn b 4^ 34™ 65™ 10° 50' Ringeltaube A'^ 48™ 51™ 8" 42' 
Brachvogel „ „ „ Krähe 4ii 49™ 50™ 8» 33' 
Lerche 4b 43™ 56™ 9« 28' Birkhahn a 

Amsel 4b 47™ 52™ 8° 51' Kuckuck ö^ 1™ 38™ 6« 41'. 

9. IV. 17. Wie am Tag vorher. Sonnaufgang 5^ 37™. 

Einzelne Bekassine 411 13™ 84™ 13" 55' 1 Brachvogel 41' 35™ 62™ 10» 39' 

2 Brachvögel an Feldlerche 

verschied. Stellen 4^ 14™ 83™ 13° 46' Ringeltaube 

Bekassine allgem. 4^ 32™ 65™ 11° 6' Amsel 

Krähe 4^ 33™ 64™ 10° 57' Kuckuck 

Birkhahn b „ „ „ 

(Birkhahn a balzte nicht.) 

Außer den Haecker'schen Beobachtungen sind in der Literatur 
noch eingehendere Notizen vorhanden bei A. Voigt in seinem allbe- 
kannten „Exkursionsbuch zum Studium der Vogelstimmen". Er ver- 
merkt die Maxima des Vorsprunges bei einer Reihe von Arten. 
Da ich hier vor allem mit Durchschnittszahlen einer Anzahl von 
Beobachtungen arbeite, kommen seine Ergebnisse als Vergleich 
weniger in Frage als die Haecker'schen. Von diesen lasse ich 
eine Zusammenstellung, die in der gleichen Form wie oben durch- 
geführt ist, folgen. (Einige von mir nicht oder nicht häufiger be- 
obachtete Arten sind vernachlässigt.) 

11* 



4h 43m 


54™ 


9° 27' 


4h 45m 


52™ 


9° 8' 


4h 58m 


39™ 


7° 7' 


5h iSm 


19™ 


3» 37' 



'i(j4 Zimmer: Vogelgesang In der Frühdämmerung. 1 ^^^' ^°* 

1. Halle a. S. 1913. 

11. VII. 13. Soune aufklärend. Sonnaufgang A'^ 40™. 
Amsel 311 i2m 58m 6« 56' Sperling 31» 40^ 20™ 3° 57'. 

Drossel 3Ji 15^ 55^ 6" 37' 

13. VII. 13. Wolkenlos, aber dunstig. Sonnaufgang 4^ 12m. 
Amsel J 3^ ^g^ ^^^ go 33- Sperling 3^ 37^ 35«» 4» 31. 
Drossel j 

14. VII. 13. Wolkenlos, aber dunstig. Sonnaufgang 4h 13in. 
Drossel 3^ 15™ 58™ 6« 59' Sperling 3^ 38™ 35™ 5° 2'. 
Amsel 311 19™ 54™ 6« 35' 

15. VII. 13. Wolkenlos, aber dunstig. Sonnaufgang 4^ 14™. 

Amsel S^ 19™ 55™ 6" 43' Sperling 3ii 40™ 34™ 4» 28'. 

16. VII. 13. Bedeckt, vorübergehend aufklärend. Sonnaufgang 41» 16™. 
Amsel 3h 23™ 53™ 6° 26' Sperling 3^ 43™ 33™ 4» 14'. 

17. VII. 13. Bedeckt. Sonnaufgang 4^ 17™. 

Amsel 3h 27™ 50™ 6" 16' Sperling 3^ 45™ 32™ 4" 15'. 

18. VII. 13. Klar, etwas dunstig. Sonnaufgang 4^ 18™. 

Amsel 31123™ 55™ 60 50' Sperling 3^44™ 34« 4» 31. 

19. VII. 13. Eegnerisch. Sonnaufgang 4^ 19™. 

Amsel 3h 35™ 44™ 5" 42' Sperling 3h 52™ 27™ 3« 46'. 

21. VII. 13. — Sonnaufgang 4h 22™. 

Amsel 3h 35™ 47™ 6" 1' Sperling 3h 51™ 31™ 4» 11'. 

23. VII. 13. — Sonnaufgang 4h 25™. 

Amsel 3h 42™ 43™ 5» 34' Sperling 3h 59™ 26™ 3« 34'. 

25. VII. 13. Wechselnde Bedeckung. Sonnaufgang 4h 28™. 

Amsel 3h 53™ 35™ 4" 38' Sperling 4h 0™ 28™ 3° 48'. 

2. Halle a. S. 1914. 

21. IV. 14. Klar. Sonnaufgang 5h 8™. 

Amsel 4h 8™ 60™ 8" 56' Drossel 4h 8™ 60™ 8» 56'. 

22. IV. 14. Klar. Sonnaufgang 5h 6™. 

Amsel 4h 3™ 61™ 9" 18' Drossel 4h 3™ 61™ 9« 18'. 

29. IV. 14. Bewölkt. Sonnaufgang 4h 51™. 

Amsel 3h 54™ 57™ 8" 16'. 

30. IV. 14. Klar. Sonnaufgang 4h 49™. 

Amsel 3h 48™ 61™ 8° 46'. 

1. V. 14. Eegnerisch. Sonnaufgang 4h 47™. 

Amsel 4h 10™ 37™ 5» 41'. 

5. V. 14. Bewölkt. Sonnaufgang 4h 41™. 
Amsel 3h 44™ 57™ 7» 58' Drossel 3h 55™ 45™ 6" 36'. 

9. V. 14. Bewölkt. Sonnaufgang 4h 33™. 

Amsel 3h 43™ 50™ 7" 0'. 



XIV 2 ~\ 

' ' I Zimmer: Vogelgesang in der Frühdämraerung. 165 

10, V. 14. Bewölkt. Sonnaufgang 4i» 32ra. 
Amsel 3h 46"» 46^ 6" 24' Drossel 3h 46™ 46™ 6" 24'. 

15. V. 14. Klar. Sonnaufgang 4^ 23™. 

Amsel 3h 24™ 59™ 7» 52'. 

17. V. 14. Bewölkt. Sonnaufgang 4h 16™. 

Drossel 3h 24™ 52™ 7° 28'. 

3. Halle a. S. 1915. 

21. IV. 15. Regnerisch. Sonnaufgang 5h 9™. 

Amsel 4h 21™ 48™ 7° 32' . 

24. IV. 15. Eegnerisch. Sonnaufgang 5h 2™. 

Amsel 4h 21™ 41™ 6" 33' Drossel 4h 25™ 37™ 6" 0'. 

25. IV. 15. Eegnerisch. Sonnaufgang 5h 0™. 

Amsel 4h 19™ 41™ 6» 17'. 

27. IV. 15. Bewölkt. Sonnaufgang 4h 56™. 

Amsel 4h 0™ 56™ 8» 14' Drossel 4h 0™ 56™ 8» 14'. 

28. IV. 15. Klar. Sonnaufgang 4h 54™. 

Amsel 3h 54™ 60™ 8» 44'. 

1. V. 15. Bewölkt. Sonnaufgang 4h 48™. 

Amsel 3h 54™ 54™ 7« 48'. 

3. V. 15. Klar. Sonnaufgang 4h 45™. 

Drossel 3h 43™ 62™ 80 39'. 

8. V. 15. Klar. Sonnaufgang 4h 36™. 

Amsel 3h 42™ 54™ 7« 25'. 

9. V. 15. Bewölkt. Sonnaufgang 4h 34™. 

Amsel 3h 40™ 54™ 7» 25' Drossel 3h 40™ 54™ 7° 25™. 

12. V. 15. Klar. Sonnaufgang 4h 29™ . 

Amsel 3h 34™ 55™ 7° 26' Drossel 3h 34™ 55™ 7° 26'. 

13. V. 15. Bewölkt. Sonnaufgang 4h 27™. 

Amsel 3h 40™ 47™ 6" 30' Drossel 3h 42m 45111 6" 16. 

4. Halle a. S. 1916. 

24. IV. 16. Bewölkt. Sonnaufgang ^ 58™. 

Drossel 4h 9™ 49™ 7» 40'. 

25. IV. 16. Eegnerisch. Sonnaufgang 4h 56™. 

Drossel 4h 17™ 39™ 6" 20'. 

26. IV. 16. Bewölkt. Sonnaufgang 4h 54™. 

Drossel 4h 2™ 52™ 8*> 2'. 

27. IV. 16. Klar. Sonnaufgang ^ 52™. 

Drossel 3h 52™ 60™ 9» 3'. 

28. IV. 16. Klar. Sonnaufgang 4h 51™. 

Drossel 3h 57™ 54™ 8° 8'. 



166 Zimmer: VogelgeBaog in der Frühdämmerung. I ^®™- '-'™' 

[_ Ges. Bay. 

5. V. 16. Bewölkt. Sonnaufgang 41» 37«», 

Drossel 3^ 42m 55m 8" 4'. 

8. V. 16. Klar. Sonnaufgang 4h 36™. 
Amsel 3h 28=» 68^ 8« 52' Drossel 3^ 28™ 68™ 8" 52'. 

5. Wernigerode. 1916. 

7. IV. 16. Trüb. Sonnaufgang 5h 39™. 

Amsel 5h 0™ . 39™ 6« 36' Sperling 5h 25™ 14™ 2" 58'. 

Kohlmeise 5h 6™ 33™ 5" 47' 

8. IV. 16. Trüb. Sonnaufgang 5h 37™. 

Amsel 4h 53™ 44™ 7» 22' Sperling 5h 28™ 9™ 2° 13'. 

Kohlmeise 4h 59™ 38™ 6« 30' 

9. IV. 16. Trüb. Sonnaufgang 5^ 35™. 

Amsel 4h 52™ 42™ 7° 12' Sperling 5h 26™ 8™ 2» 13. 

Kohlmeise 5h i™ 33™ 5« 38' 

10. IV. 16. Unfreundlich, Sturm, teilweise bedeckter Himmel. Sonn- 
aufgang 5h 32™. 

Amsel 4h 47™ 45™ 7« 36' Sperling 5h 24™ 8™ 2» 13'. 

Kohlmeise 5h 5™ 27™ 5° 0' 

11. IV. 16. Klar. Sonnaufgang 5h 30™. 

Amsel 4h 42™ 48™ 8« 21' Sperling 5h li™ 19™ 3» 50'. 

Kohlmeise 4h 53™ 37™ 6" 27' 

12. IV. 16. Eegnerisch. Sonnaufgang 5h 28™. 

Amsel 4h 51™ 37™ 6° 18' Sperling 5h 11™ 17™ 3" 24'. 

Kohlmeise 4h 57™ 31™ 5" 26' 

13. IV. 16. Aufhellend. Sonnaufgang 5h 26™. 

Amsel 4h 47™ 39™ 6« 34' Sperling 5h 8™ 18™ 3» 33'. 

Kohlmeise 4h 50™ 36™ 6" 8' 

14. IV. 16. Aufhellend, rasch wechselnde Bewölkung. Sonnaufgang 5h 23™. 
Amsel 4h 36™ 47™ 7° 40' Sperling 5h 16™ 7™ P 56'. 
Kohlmeise 4h 48™ 35™ 5'> 59' 

15. IV. 16. Klar, kurz vor 5h umzieht sich der Himmel. Sonnaufgang 
5h 21™. 

Amsel 4h 27™ 54™ 8° 37' Sperling 5h 6™ 15™ 3« 7'. 

Kohlmeise 4h 35™ 46™ 7" 31' 

6. Halle a. S. 1915. 

Wetter an den erwähnten Tagen klar, die Beobachtungen beziehen sich 
alle auf den Sperling. 



Datum 


Sonnaufgang 
7h 49™ 


Ge 


isangsbeginn 
7h 28™ 


Vors 


^ 


rung 


5. IL 15 


21m 




3« 34' 


8. II. 15 


7 h 44m 




7h 25™ 


,19™ 




3° 6' 


9. TL 15 


7h 42m 




7h 22™ 


20™ 




3" 17' 


10. IL 15 


7h 40in 




7h 20™ 


20™ 




3''19' 


15. IL 15 


7h 31m 




7h 14m 


17™ 




2° 54' 


17. IL 15 


7h 27™ 




7h 12m 


15™ 




2» 39' 


19. IL 15 


7h 23™ 




7h 12m 


lim 




20 7- 



AlV, ^, I Zimmer: Voceleresanff in der Frühdämmerunff. 167 

1919 J 

Meine eigenen Beobachtungen machte ich ganz überwiegend 
in Buch am l^uchraiu während der Monate Juni und Juli. Wenn 
ich zur Bockpirsch aufstand und in die erste Dämmerung zum 
Fenster hinaushorchte, war alles noch still. Dann erhob sich 
plötzlich der Lerchengesang, und nah und fern hörte man die 
Wachteln schlagen. -So nahm ich längere Zeit an, daß Lerche 
und Wachtel die ersten Sänger im Beobachtungsgebiet seien. Im 
Jahre 1918 hörte ich dann auf dem Wege nach dem nahen Wald 
auf der Wiese einen Wiesenschmätzer, der die beiden Jahre vorher 
dort noch nicht gebrütet hatte. Aber wenn ich an der Wiese 
vorüberkam, war er immer schon im Gesänge, so daß ich nur die 
Notiz machen konnte: „beginnt früher als nn Minuten". Dieses 
Männchen zog nun im Verlaufe des Sommers auf ein kleines 
Wiesenstück unmittelbar vor meinem Fenster. Und nun konnte 
ich den ersten Beginn des Gesanges beobachten. Er begann 
deutlich vor Lerche und Wachtel zunächst mit einigen Locktönen, 
oder auch, er sang zunächst mit Unterbrechung kürzere Strophen, 
ehe er wirklich anhaltend einsetzte. (Mangel an Anregung durch 
Artgenossen! s. unten.) 

Lerche und Wachtel setzten im allgemeinen zur gleichen Zeit 
ein. Bald war die eine, bald die andere die erste. Manchmal 
war der Unterschied im Beginn allerdings auch beträchtlicher. 
Es war die Wachtel die unstetere, die manchmal mehrere Minuten 
vor der Lerche begann, dann wieder auch wesentlich später. Ein- 
mal am 9. VI. 18 hörte ich beim Aufwachen in der Nacht um 
11^ 52°' eine Wachtel schlagen, wie ja überhaupt die Wachtel 
ein „Nachtsänger" ist. (Die Frage des Nachtgesanges habe ich 
hier ganz aus der Betrachtung weggelassen. Nur so viel sei be- 
merkt, daß der Morgengesang der Wachtel, mit dem gleichzeitigen 
Einsetzen einer Anzahl von Exemplaren, im Charakter von Nacht- 
gesang unterschieden ist und auch zeitlich von ihm durch eine 
Periode der Ruhe getrennt zu sein scheint.) 

Etwas später, aber doch nicht viel nach Lerche und Wachtel 
beginnt dann der Hausrotschw^anz sein Lied. Der Gartenrotschwanz, 
den ich nur wenige Male verhört habe, ist offenbar seinem Gattungs- 
genossen im Vorsprung sehr ähnlich. 

Die erwähnten Vögel blieben in der Morgenstunde eine ganze 
Weile die einzigen Sänger. Kam ich in den Wald, so war es 
dort noch vollständig still. Erst etwa eine Viertelstunde nach 
dem Gesangesbeginn des Rotschwanzes setzten Amsel und Drossel 
ein, beide fast stets zu gleicher Zeit, manchmal zur selben Minute. 
Ist es mehr, wie ein Zufall, daß die ersten Sänger Vögel des 
freien Geländes, wo es eher hell wird, die späteren aber Bewohner 
des Waldes und des Gebüsches sind? 

Manchmal mit Amsel und Drossel gleichzeitig, im Durch- 



ARQ Zimmer: Vogelgesang in der Frühdämmerung. I ^^ * ™' 

L Gres. Bay. 

schnitt aber docji immer einige Minuten später, ließ dann der 
Kuckuck seinen Ruf ertönen. 

Auch Krähenruf mischte sich jetzt in das Vogelkonzert. Doch 
hielt sich dieser Vogel nicht an eine bestimmte Zeit und, wie unten 
noch erwähnt werden wird, rief er nicht immer, vielleicht nur selten 
einmal gleich nach dem Erwachen. In die Tabelle habe ich darum 
auch nicht den Durchschnitt berechnet, sondern nur die früheste 
Zeit, die ich für ihn beobachtete, aufgenommen. 

Kurz nach dem Kuckuck beginnen auch die Grasmückenarten. 
Doch habe ich über sie nur vereinzelte sichere Beobachtungen. 
Ich habe zwar noch des öfteren Grasmücken verhört, konnte aber 
dann nicht sagen, ob sie nicht vor meinem Hinkommen an die 
betreffende Stelle schon gesungen hatten. Und ich habe grund- 
sätzlich alle Notizen, die ich nicht mit voller Sicherheit machen 
konnte, vermieden. 

5 — 10 Minuten nach der Gruppe Amsel, Drossel, Kuckuck 
erwachte die Goldammer. Wenn sie sang, war es schon so hell, 
daß ich mit dem eigentlichen Zweck meiner Morgengänge beginnen 
konnte, mit der Bockpirsch. Dann war mein Interesse nicht mehr 
dem Vogelgesange allein zugewandt, und leicht hätten sich bei 
weiteren Notizen Fehler einschleichen können. Aus diesem Grunde 
habe ich es vorgezogen, die späteren Sänger aus meinen Auf- 
schreibungen und Beobachtungen wegzulassen. 

Wenden wir uns nun zur Besprechung der allgemeineren Er- 
gebnisse. Nach Haecker stellt die Quantität des' am Firmament 
reflektierten diffusen Sonnenlichtes den auslösenden Reiz für den 
Frühgesang dar. Er weist nach, wie bei klarem Himmel und 
damit größerem relativem Helligkeitsgrad der Vorsprung größer 
ist, als bei bewölktem Himmel oder gar trübem Wetter. Meine 
Beobachtungen bestätigen dies: Wenn man die Kurventabelle be- 
trachtet und von der Kurve der Wachtel und bis zu einem ge- 
wissen Grade des Hausrotschwanzes und der Goldammer, über die 
später noch Genaueres zu sagen sein wird, absieht, so fällt ganz 
entschieden ins Auge, wie im großen ganzen die Linien parallel 
laufen und wie die Spitzen der Kurven an den hellen Tag liegen, 
während an bewölkten oder trüben Tagen ein allgemeiner Tief- 
stand statthat. Man beachte den Hochstand am 10. VI. 17, 17. VI. 
17, 25. VI. 17, 29 VI. 18 und 2. VII. 17. Demgegenüber steht der 
Tiefstand an den trüben Tagen 16. VI. 18, 23. VI. 18 und 30. VI. 18. 

Gut kommt die Abhängigkeit des Gesangsbeginnes vom 
Bewölkungsgrad des Himmels zum Ausdruck, wenn war den Durch- 
schnitt des Vorsprunges an klaren, bewölkten und trüben Tagen 
vergleichen. In Tabelle 1 ist für die häufiger beobachteten Arten 
diese Berechnung durchgeführt. Man sieht, wie mit einer ge- 
ringen Ausnahme der durchschnittliche Vorsprung der einzelnen 



XTV 2 ~I 

' 'I Zimmer: Vogelgesang in der Frühdämraerung. 169 

Art bei bewölkten Tagen kleiner als an klaren und größer als 
an trüben ist. Die Ausnahme — beim Hausrotschwanz — , wo 
der Durchschnitt an bewölkten Tagen eine Kleinigkeit höher ist, 
als an klaren, eiklärt sich wohl aus der geringen Zahl der Be- 
obachtung an bewölkten Tagen (nur 3). Der berechnete Durch- 
schnitt ruht hier auf recht schmaler Basis. Man vergleiche auch 
die Bemerkung über den Hausrotschwanz weiter unten. 

Haecker kommt weiterhin zum Ergebnis, daß Temperatur, 
Wind, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Schneedecke am Boden, Mond- 
schein keinen oder doch nur geringen Einfluß auf den Gesangs- 
beginn ausüben und daß sich für Beurteilung über Einfluß der 
Luftelektrizität keine Anhaltspunkte finden lassen. 

Auch aus meinen Beobachtungen geht ein wesentlicher Ein- 
fluß der genannten Faktoren, mit Ausnahme des Windes nicht 
hervor, doch stimme ich mit Haecker überein, daß eine genauere 
Untersuchung zur endgültigen Entscheidung noch nötig ist. Daß 
das Mondlicht ohne Bedeutung sein solle, will einem bei dem 
großen Einfluß, den es auf das menschliche Auge zur Verminde- 
rung der nächtlichen Dunkelheit ausübt, nicht recht wahrschein- 
lich vorkommen. Aber auch bei meinen Beobachtungen spricht 
nicht das geringste dafür, daß Mondlicht zu einer Erhöhung des 
Vorsprunges beitrüge. Was nun den Einfluß des Windes betrifft, 
so war am 23. VL 18 stürmisches, regnerisches Wetter und an 
diesem Tage setzte der Vogelgesang gleichmäßig ganz auffallend 
spät ein. Für Wachtel, Hausrotschwanz, Amsel und Kuckuck traf 
auf diesen Tag das Minimum des Vorsprunges. Ich möchte hier 
doch einen verzögernden Einfluß des Sturmes annehmen. 

Haecker sucht auch kleinere Schwankungen im Vorsprung 
durch entsprechende Helligkeitsschwankuugen zu erklären. So weit 
kann ich ihm nicht folgen, meine vielmehr, daß auch bei Gleich- 
heit aller äußeren Faktoren sich eine gewisse Variabilität des 
Gesangsbeginnes ergibt. Es ist ja die sichere Schätzung und ge- 
naue Abwägung des Grades der Bev>'ölkung und des Dunstgehaltes 
der Luft, also jener Faktoren, die außer dem Sonnenstand den 
Helligkeitsgrad bestimmen, recht schwer und man könnte annehmen, 
daß die Variabilität, wie sie sich bei der Zusammenstellung ergibt, 
auf diese Fehlerquelle bei Bestimmung der Helligkeit zurückzu- 
führen sei. Aber dadurch allein läßt sie sich doch nicht erklären. 
So zeigt sich wiederholt, daß der Vorsprung einer Art an einem 
trüben, regnerischen Tage größer ist, als an einem klaren Tage. 
So ist der Vorsprung der Lerche am Regentage 16. VL 18 größer 
als am klaren Tage 8. VII. 17 und an dem trüben 15. VII. 18 ist 
der Vorsprung so groß, wie nur an wenigen klaren Tagen. Man 
vergleiche in ähnlicher Weise den Stand der Drossel am 3. VI. 17 
und 18. VL 16, den der Amsel am 16. VL 18 und 18. VL 18 und 



170 Zimmer: Vogelgesaug in der Frühdäramerung. j ^^i^-^^^- 

L Ges. Bay. 

des Kuckucks am 16. VI. 18 und 25. VI. 18. In der Tabelle 1 
kommt diese Erscheinung dadurch zum Ausdruck, daß das Älaximum 
des Vorsprunges an trüben Tagen größer ist, als das Minimum 
an klaren; und das findet sich bei allen berechneten Arten. So 
große Fehler in der Schätzung der Helligkeit wird man ja wohl 
nicht begehen. Man kann wohl die Grenze zwischen einem klaren 
und bewölkten oder einem bewölkten und trüben Tag uDgenau 
ziehen, aber daß man einen trüben Tag mit einem klaren ver- 
wechselte, ist wohl kaum möglich. Ganz versagt aber der Ver- 
such, Unregelmäßigkeiten durch Fehler in der Helligkeitsschätzung 
zu erklären dort, wo an einem bestimmten Tage eine Art den 
anderen gegenüber eine wesentliche Erhöhung oder Verminde- 
rung des Vorsprunges aufweist. Das wird sich in Tabelle 2 zeigen 
als eine auffallende Überkreuzung der Kurven. In dieser Be- 
ziehung sei auf den besonders frühen Beginn des Amselgesanges 
am 8. VII. 17 mit 9*^ 28' hingewiesen, einem Tage, an dem die 
anderen Vögel — mit Ausnahme der Goldammer — , trotz klaren 
Wetters einen geringen Vorsprung haben: Es ist für Lerche, 
Wachtel und Drossel der Vorsprung an diesem Tage das Minimum 
des an klaren Tagen beobachteten, bei Lerche und Kuckuck liegt 
er unter dem Durchschnitt des Vorsprunges an bewölkten Tagen, 
bei der Wachtel sogar unter dem Durchschnitt an trüben Tagen. 
Dadurch entfernt sich hier die Kurve der Amsel ganz wesentlich 
von dem der Drossel, — während sonst gerade diese beiden Kurven 
hochgradig parallel und nur in einem geringen Abstände von- 
einander verlaufen — und Amsel und Lerche sind in ihrem Ein- 
setzen nur wenig voneinander getrennt. 

Für diese üngleichmäßigkeiten, die sich in der Form der 
Variabilität des Vorsprunges bei gleichem Helligkeitsgrad äußern, 
könnte man als wirksam äußere Faktoren annehmen, die nicht in 
gleichem Sinne oder nicht in gleichem Umfange auf alle Arten 
wirken. Daß solche vorhanden sind, ist möglich, doch liegt näher 
die Annahme, daß es innere Ursachen, „Stimmungen" sind, die 
die Variabilität bedingen. Als solche könnten etwa in Frage 
kommen Lust- oder Unlustgefühle, Ernährungszustand des Indi- 
viduums, Grad der Müdigkeit zur Zeit des normalen Gesangs- 
beginnes u. ä. m., vor allem aber sexueller Erregungszustand. Bei 
den engen Beziehungen, die zwischen Fortpflanzungsgeschäft und 
Gesangsäußerungen bei den Vögeln herrschen, ist es ohne weiteres 
denkbar, daß die Brunst nicht allein eine Erhöhung der Sangeslust 
bedingt, sondern auch ein früheres Einsetzen in der Morgenstunde 
auslöst. Dafür spricht folgendes: Wenn der Birkhahn im Früh- 
jahr zu balzen beginnt, so geschieht das mit einem ge- 
ringeren Vorsprung als später, wenn er sich schon „eingebalzt" 
hat, wenn die Zeit des Tretens der Hennen einsetzt. Diese Er- 



XIV 

1919 



Ol 

' ' I Zimmer: Vogelgesang in der Frühdämmerung. 171 



fahrung habe ich immer wieder gemacht, habe freilich in den 
letzten drei Jahren, seitdem ich Aufzeichnungen über den Beginn 
des Gesanges vornehme, nur einmal, an drei aufeinanderfolgenden 
Tagen Gelegenheit zur Beobachtung der Birkenhahnbalz gehabt, 
zu Beginn der Hahnenbalz, als der Vorsprung der Hähne noch 
recht gering war. Die Protokolle dieser Tage sind oben auf- 
geführt. Über den Birkhahn werde ich unten noch einige Worte 
sagen. 

Vergleiche ich bei den drei anderen an allen drei Tagen be- 
obachteten Vogelarten den Vorsprung an den verschiedenen Tagen: 

7. IV. 8. IV. 9. IV. 

Bekassine 8^ 51' 11° 8' 11» 6' 

Brachvogel 8° 41' lO« 50' lO'^ 39' 

Amsel 6» 21' 8° 51« 7« 7'. 

Bei allen dreien zeigt sich vom ersten auf den zweiten Tag eine 
ganz beträchtliche Zunahme des Vorsprunges, der dann vom zweiten 
auf den dritten Tag bei Bekassine und Brachvogel gleichbleibt, 
bei Amsel zwar zurückgeht, aber doch wesentlich höher als am 
ersten Tage ist. Der Unterschied in der Bewölkung des Himmels 
zwischen den ersten beiden Tagen war zwar vorhanden, aber nur 
gering und kaum so groß, daß man mit Sicherheit die Vergröße- 
rung des Vorsprunges darauf zurückführen könnte. Ich möchte 
diese auf eine andere Weise erklären. Das Wetter war die ganze 
Zeit vorher kalt, regnerisch und unfreundlich; am 7. IV. aber trat 
zum ersten Male im ganzen Jahre eine wesentliche Erwärmung 
ein, die so groß war, daß ich mich gegen Mittag im Freien be- 
haglich in die Sonne legen konnte. Auch der 8. IV. war ähnlich 
warm. Durch diese Erwärmung wurde, so vermute ich, die sexuelle 
Erregung der Vögel gesteigert und damit der Vorsprung erhöht. 

Um den Einfluß der Sexualtätigkeit auf den Gesangsbeginn 
festzustellen, müßte mau, was nicht sehr schwer ist, von mehrmal 
im Jahr brütenden Arten bei einigen Männchen, die man bei ihrem 
Fortpflanzungsgeschäft beobachten kann, den täglichen Vorsprung 
im Verlaufe eines Sommers notieren. Es wird sich zeigen, ob 
man in den Perioden des Eierlegens des Weibchens, in denen des 
Tretens wegen die sexuelle Erregung beim Männchen wohl am 
höchsten ist, eine Vergrößerung des Vorsprunges findet. Vielleicht 
ist die Erscheinung bei Haecker's Beobachtungen (vgl. Zusammen- 
stellung auf p. 177), daß der durchschnittliche Vorsprung der Amsel 
in der zweiten x^prilhälfte größer als in der ersten und — ebenso 
wie bei der Drossel — größer als in der ersten Maihälfte war, 
darauf zurückzuführen, daß Amsel und Drossel dort in der zweiten 
Hälfte des April in erhöhter sexueller Tätigkeit waren. 

Ein innerer Faktor, der ganz entschieden einen hochgradigen 
Einfluß auf den Gesangsbeginn hat, ist die Einwirkung der Art- 



^72 Zimmer: Vogelgesang in der Frühdämmerung. I ^i . r . 

L Ges. Bay. 

genossen aufeinander. Es ist ganz auffällig, wie in der Morgen- 
frühe auf dem Felde, das eben noch in tiefer Stille dalag, mit 
einem Male allenthalben der Lerchengesang einsetzt. Es beginnt 
nicht hier eine, in einiger Zeit dort eine, sondern, wenn man erst 
eine hört, so schwirrt auch in erstaunlich kurzer Zeit der Luft 
überall von dem Gesang der aufsteigenden Lerchen. Ganz ähn- 
lich steht es mit Amsel und Drossel. Setzt eine ein, so hört man 
auch sogleich fern und nah die Artgenossen schlagen. Ich möchte 
dieses fast gleichmäßiges Beginnen mit dem Morgengesang in der 
Weise erklären, daß, wenn ein Männchen einsetzt, die anderen 
dadurch munter werden und nun ebenfalls singen. Freilich ist 
auch die andere Erklärung möglich, daß eben die gleichmäßigen 
äußeren Faktoren gleichmäßig auf alle Männchen der Art ein- 
wirken und so einen gleichmäßigen Beginn des Gesanges bewirken. 
Der große Vorsprung der Amsel am 8. VII. 17, der so regel- 
widrig ist, daß ich ihn bei Berechnung des Durchschnittes ver- 
nachlässigt habe, würde sich nach meiner Auffassung so erklären, 
daß eine Amsel durch äußere Umstände vor der normalen Zeit 
aus dem Schlaf erweckt wurde, zu singen begann und die anderen 
Amseln dann mit sich gerissen hat. Freilich, wer die andere Er- 
klärung bevorzugt, kann auch wieder sagen, daß es irgend ein 
äußerer Faktor war (nicht die Helligkeit, sondern ein anderer), 
der den gleichmäßigen Gesang der Amseln des Gebietes ausgelöst 
hätte. Das erscheint mir aber deshalb wenig wahrscheinlich, weil 
der Drosselgesang an diesem Tage sogar unter dem Durchschnitt 
lag und allgemein Drossel- und Amselkurve, nicht allein nach 
meinen Beobachtungen, sondern auch nach denen Haecker's, so 
schön parallel und eng beisammen verlaufen, daß wir für beide den 
gleichen auslösenden Komplex äußerer Faktoren annehmen können. 
Wenn meine Auffassung stimmt, so wirkt der Einfluß der Art- 
geuossen aufeinander ausgleichend auf Variationen, die durch Stim- 
mung oder individuelle Veranlagung bedingt sind. Dieser Aus- 
gleich wird mehr in die Erscheinung treten bei Arten, die laut 
singen und bei denen die Exemplare dicht beieinander wohnen, 
weniger bei solchen, die weit auseinander leben oder, bei engerem 
Zusammenwohnen dort, wo der Gesang leiser ist und die schlafenden 
Nachbarn weniger leicht erweckt. In der Tat kann man aus den 
Protokollen etwas derartiges herauslesen : Arten (unten den häufiger 
beobachteten), für die die zuletzt angegebenen Bedingungen stimmen, 
sind Hausrotschwanz und Goldammer. Wirklich finden wir deren 
Kurve viel ungleichmäßiger gestaltet, die Variationsbreite bei 
sonst gleichen äußeren Bedingungen viel größer als bei den Arten, 
die sich leichter beeinflussen können. Als solche sind zu nennen: 
Lerche, Amsel und Drossel, bei denen die Kurven viel schöner 
parallel zueinander verlaufen. 



XIV '^ I 

' "' I Zimmer: Vogelgesaug in der Frühdämmerung. 173 

Nun allerdings läßt sich auch diese Erscheinung wieder im 
Sinne des Anhängers der anderen Auffassung erklären. Dieser 
kann sagen, daß der Beobachter bei laut singenden und eng bei- 
sammen wohnenden Arten eine größere Anzahl von Männchen 
gleichzeitig hört, daß auch bei ihnen nicht alle gleichzeitig ein- 
setzen, nur eine größere Zahl. Die Variabilität bedingt durch 
Stimmung und individuelle Veranlagung kann in gleichem Umfang 
statthaben, wie bei den anderen, tritt für den Beobachter nur 
nicht so zutage, weil dieser stets den Gesang einer Anzahl von 
besonders früh singenden Männchen zu Ohr bekommen wird, 
während bei den anderen Arten je nach dem Zufall bald ein früh, 
bald ein später einsetzendes Männchen verhört wird. Es ist eben 
auch das wieder ein Punkt, bei dem die bisherigen Beobachtungen 
zu wenig umfangreich sind, um Sicherheit zu gewähren. 

Unter den aufgezeichneten Kurven hat auch die der Wachtel 
einen gewissen unregelmäßigen Verlauf, obwohl die Wachtel in 
Beobachtungsgebiete häufig genug vorkam, daß sich die Individuen 
gegenseitig hätten beeinflussen müssen, und auch daß der Be- 
obachter stets eine ganze Anzahl von ihnen gleichzeitig hörte. 
Mag man nun der einen Auffassung oder der anderen anhängen, 
so muß man für diese Unregelmäßigkeiten eine besondere Erklärung 
finden. Sie scheint mir darin zu liegen, daß die Wachtel kein 
Passeriforme ist Der Vulgärname Singvögel der Passeriformes 
deutet darauf hin, welch große Bedeutung der Gesang bei ihnen 
spielt Nicht allein, daß er melodischer, schöner ist, als bei den 
anderen Vögeln, er wird auch viel ausgedehnter vorgetragen, im 
täglichen Zyklus sowohl, wie im jährlichen. Bei den anderen hat 
er seine ursprünglichen Beziehungen zum Fortpflanzungsgeschäft 
viel mehr beibehalten, bei den Singvögeln ist er hochgradig davon 
unabhängig geworden. Er sitzt ihnen sozusagen lockerer. Das 
wird sich auch beim Frühbeginn äußern. Beim Singvogel ist Auf- 
wachen und Singen gewissermaßen gleichbedeutend, bei den anderen 
braucht es dies nicht zu sein. Die verschiedenen Faktoren 
veranlassen beim Vogel nicht an und für sich einen Beginn des 
Gesanges, sondern nur das Erwachen aus dem Schlafe, bei den Sing- 
vögeln dann allerdings mittelbar das sofortige Einsetzen des Gesanges, 
sei es, daß sie instinktiv sofort zu singen beginnen, sei es, daß sie dazu 
durch singende Artgenossen angeregt werden. Die anderen werden 
zwar häufig, vor allem bei hochgespannter sexueller Erregung, 
aber doch nicht immer mit dem Aufwachen auch zu singen 
beginnen. Auch wird bei ihnen die Nachahmung nicht so stark 
wirken. Unmittelbare Beobachtungen stehen mir hierüber beim Birk- 
hahn zur Verfügung. Befindet man sich in der Nähe des 
Schlafbauraes, so hört man den Hahn gelegentlich, aber nicht 
immer, blasen oder einige Strophen balzen, ehe er zum Balzplatz 



j^74 Zimmer: Vogelgesang in der Frühdämmernng. i • r . 

abreitet. Und wenn er auf dem Platze einfällt, so beginnt er 
während der Hochbalz meist aber doch nicht immer nach kurzem 
Sichern mit seinem Blasen und Kollern, und wenn die Höhe der 
Balz vorüber ist, dauert es manchmal lange, ehe er nach An- 
kunft auf dem Balzplatz mit seinem Gesänge anfängt. Auch die 
beiden Birkhähne, über die ich 1917 in Mühlhausen Notizen 
machte, wurden weder durch die gleichen äußeren Faktoren, noch 
durch gegenseitige Beeinflussung zu einem gleichzeitigen Beginn 
des Baizeus veranlaßt, sondern ihr Vorsprung liegt 15 Zeitminuten 
auseinander. Es ist übrigens beachtenswert, wie jeder Hahn 
während der aufeinanderfolgenden Tage seinen Vorsprung inne- 
gehalten hat. 

Es ist nun freilich dadurch, daß Nichtpasseriforme häufiger 
oder weniger häufig nach dem Erwachen erst einige Zeit ver- 
streichen lassen, ehe sie singen, noch nicht bewiesen, daß die 
Singvögel nach dem Aufwachen sofort singen. Der ganze Ein- 
druck, den man aber bei den Frühbeobachtungen, wenigstens bei 
Vögeln wie Lerche, Amsel und Drossel hat, ist aber der, daß dies 
wirklich der Fall ist. 

Selbstverständlich kann es auch unter ihnen Ausnahmen geben, 
die sich verhalten wie Nichtsänger. So habe ich verschiedentlich 
in der Morgenstunde Krähen beobachtet, die munter und tätig 
waren, ohne ihr Tagewerk mit Krächzen begonnen zu haben. 

Wenn wir die Regel gelten lassen, daß bei Singvögeln auf- 
wachen und singen das gleiche ist, bei den Nichtsängern aber 
nicht, so werden wir bei ersteren gleichmäßigere Kurven er- 
warten können, als bei den letzteren und die ungleichförmige 
Kurve der Wachtel ist dadurch geklärt. Eine Birkhahnkurve 
würde, wie aus dem oben Gesagten hervorgeht, ebenfalls nicht 
gleichförmig werden, Aus dem Protokoll aus Mühlhausen vom 
9. IV. 17 ersieht man, daß an diesem Tage einige Bekassinen 
schon über 20 Minuten eher mit Balzen einsetzten, ehe das Gros 
damit begann. Ebenso hatten zwei Brachvögel einen höheren 
Vorsprung, als die große Masse. Nun glaube ich ja, daß dieses 
frühe Einsetzen dadurch bewirkt worden ist, daß die Vögel 
durch irgend eine Stöi'ung vorzeitig aus dem Schlafe geweckt 
wurden. Es ist mir sehr häufig auf der Balz vorgekommen, daß 
wenn ich im tiefen Dunkel zum Schirm ging, ich einige Bekassinen 
aufscheuchte, die dann ihren Balzflug begannen. Ähnlich ritt 
mir gelegentlich ein Birkhahn, wenn ich in der ersten Moi'gen- 
frühe unter dem Schlafbaume durchkam, ab und begann sofort 
auf dem Felde draußen mit der Balz, für die die Slunde eigent- 
lich noch nicht gekommen war. Niemals aber beobachtete ich, 
daß dadurch die Artgenossen zum gleichzeitigen Beginn ihres Ge- 



XTV '' I 

" "' I Zimmer: Vogelgesang in der Frühdämmerung. 175 

sanges, wie ich es für die Amsel am 18. VII. 17 annehme, ver- 
anlaßt worden wären. 

Die Kuckuckskurve verläuft zwar nicht so schön parallel mit 
Amsel-, Drossel- und Lerchenkurve, wie diese untereinander, immer- 
hin ist die Kurve viel regelmäßiger als die der Wachtel. Ich 
schiebe das darauf, daß für ihn ja ununterbrochen, solange er 
überhaupt ruft, Brunstzeit ist, da das Weibchen dann alle paar 
Tage ein Ei legt. Immerhin habe ich auch bei ihm häufig genug 
beobachtet, daß, als die Artgenossen schon eine Zeitlang riefen, 
plijtzlich einer der bisher geschwiegen hatte, ganz in meiner Nähe 
seinen Ruf, offenbar gerade erst aus dem Schlafe erwacht, hören ließ. 

Es ist nun die Frage zu untersuchen, welchen Einfluß der 
Verlauf des Jahreszyklus auf den Beginn des Morgengesanges hat. 

Der Wechsel der Jahreszeit bedingt die Brunsterscheinungen, 
über die schon oben gesprochen worden ist. Das Fortschreiten 
der Jahreszeit bedingt weiterhin bekanntlich ein Aufhören des 
Sommergesanges. Aber schon, ehe die Vögel ganz verstummen, 
zeigen sich im Beginn des Morgengesanges „Degenerationserschei- 
nungen", wenn man so sagen darf. . Sie fallen bei den beobachteten 
Arten in die Mitte und die zweite Hälfte des Juli. Sie äußern 
sich darin, daß die Kurven unregelmäßig werden und diese Un- 
regelmäßigkeit wird im allgemeinen dadurch bewirkt, daß der Vor- 
sprung sich gegen die Norm wesentlich verringert, d. h. also, daß 
die Vögel in der Morgenstunde später, manchmal erst im Verlauf 
des Vormittags, zu singen anfangen. Es ist natürlich nicht anzu- 
nehmen, daß sie später aufwachen, sondern nur, daß jetzt auch die 
Singvögel nach dem Aufwachen nicht sofort zu singen anfangen. 
Aber nicht ausnahmslos tritt eine Verringerung des Vorsprunges 
ein, sondern gelegentlich beginnt der Gesang zur selben Zeit, wie 
während des Vollgesanges, sei es nun, daß wenigstens einige 
Exemplare der Art rechtzeitig zu singen anfangen, sei es, daß der 
Gesang aller oder der meisten Artgenossen gleichmäßig früh ein- 
setzt. Bei der Lerche liegen eigentümlicherweise die Maxima des 
beobachteten Vorsprunges gerade in dieser Degenerationszeit und 
auch die Wachtel zeigt die Höhepunkte der Kurve — den größten 
bei allen Vögeln beobachteten Vorsprung überhaupt — in der 
Mitte des Juli (am 15. VII. 17 und 18). Wegen dieser Unregel- 
mäßigkeiten habe ich bei der Zusammenstellung in der Tabelle 1 
und bei Berechnung der Durchschnitte nur die Beobachtungen be- 
nutzt^ die in der Zeit des Vollgesanges gewonnen wurden. 

Am ersten von den beobachteten Arten verstummte der Kuckuck. 
Der späteste Termin, an dem ich ihn noch in der Morgendämmerung 
hörte, ist der 8. VII. 19. Auch kann ich mich nicht besinnen, 
ihn im weiteren Verlauf des Juli noch in späterer Morgenstunde 
vernommen zu haben. Dann hören die Drosseln auf. Ziemlich 



176 Zimmer: Vogelgesang in der Frühdämmerung. 1 ^^^^- *^^°* 

L Ges. Bay. 

genau in der Mitte des Monats treten bei ihnen die ersten „De- 
generationserscheinungen" auf. Sie setzen nicht mehr so gleich- 
mäßig mit dem Gesänge ein oder sie singen erst, wenn der Tag 
weiter vorgeschritten ist. Auch den Hausrotschwanz hörte ich 
nie nach Mitte Juli in der Morgendämmerung. Nur wenige Tage 
länger als die Drossel singt die Amsel. Auch die Lerche beendet 
einige Tage nach Mitte des Juli ihren Vollgesang, doch hört man 
sie noch bis Ende des Monats gelegentlich, wie in der besten Zeit 
singen und es wurde ja schon oben erwähnt, daß der größte bei 
der Lerche beobachtete Vorsprung Anfang August liegt. Die 
Wachtel schlägt noch bis Anfang August. Der Abfall ihrer Kurve 
in der zweiten Julihälfte kann entweder auf Degenerationserschei- 
nungen des Gesanges oder auch auf die dem Vogel eigene Un- 
regelmäßigkeit im Gesangsbeginn geschoben werden. Am längsten 
singt die Goldammer unter den beobachteten Arten. Bis in den 
Anfang August hinein merkt man noch kein Nachlassen des Ge- 
sanges. Wenn bei ihr das Aufhören eintritt, habe ich nicht fest- 
gestellt, da ich mich mit Anfang August mehr der Blattjagd widmete 
und die Frühpirschen aufgab. 

Es fragt sich nun weiterhin, ob innerhalb des Vollgesanges, 
abgesehen von den Einwirkungen durch die Brunst, ein Einfluß 
der Jahreszeit besteht. Wir könnten aus theoretischen Erwägungen 
heraus vermuten, daß etwa die höhere Wärme zur Sommerszeit 
eine Erhöhung der Sangesfreudigkeit und damit auch ein früheres 
Einsetzen des Morgengesanges gegen die Frühjahrszeit gewirkt. 
Nun aber spricht die Beobachtung durchaus nicht dafür, daß im 
Sommer der Vogel sangesfreudiger wäre, als im Frühjahr. Eine 
andere Einwirkung der Jahreszeit ließe sich in gerade entgegen- 
gesetztem Sinne denken. Wir könnten annehmen, daß bei den 
kürzeren Sommernächten der Vogel, um überhaupt die nötige Nacht- 
ruhe zu finden, länger in E'rühdämmerung hinein schlafen muß, als 
im Frühjahr mit seinen längeren Nächten, daß also kurz nach 
der Tag- und Nachtgleiche der Vogel mit einem geringeren 
Vorsprung erwacht und damit zu singen beginnt, als um die Zeit 
der Sommersonnenwende. 

Meine Beobachtungen in Buch liegen alle in den Monaten 
Ende Mai bis Anfang August, also für die Zeit des Voll- 
gesanges, von Ende Mai bis Mitte Juli. Innerhalb dieses Zeit- 
raumes wird eine Differenz, wenn sie überhaupt besteht, nur von 
geringem Umfange und daher schwer nachweisbar sein. Von 
eigenen Beobachtungen aus anderen Jahreszeiten stehen mir zum 
Vergleich nur die drei Tage in Mühlhausen zur Verfügung. Vögel, 
die sowohl in Mühlliausen wie in Buch beobachtet wurden, sind 
Lerche, Ringeltaube, Amsel und Kuckuck. Der Kuckuck begann 
in Mühlhausen an dem wenig bewölkten 8. IV. 17 mit einem Vor- 



XIV, 2.1 
1919 J 



Zimmer: Vop;elge8ang in der Frühdämmerung. 



177 



Sprung von 6° 41', der ungefähr dem Durchschnitt an den trüben 
Tagen des Juni und Juli entspriclit und am nächsten Tage geht 
er gar auf 3" 37' herunter. Es ist aber zu bemerken, der 8. IV. 
und 9. IV. schon an und für sich ein sehr frühes Datum für den 
Kuckucksruf ist, erst recht für ein so kaltes Frühjahr wie es 
1917 war. Der Kuckuck ist um diese Zeit wohl noch nicht im 
Vollgesange, beginnt deshalb erst später am Morgen. Umgekehrt 
dürften die Verhältnisse bei der Ringeltaube liegen. Der Vor- 
sprung in Mühlhausen (S** 42' und 9*^ 8') ist wesentlich größer als 
der in Buch Anfang Juni 1917 beobachtete (7m' und 50 38'): 
Für die Ringeltaube ist die Zeit des Vollgesanges das Frühjahr. 

Die Lerche begann in Mühlhauseu mit einem Vorsprung von 
9*^ 28' und 9'^ 27'. Da ist nicht viel mehr als das Minimum in 
Buch an trüben Tagen. Bei der Amsel liegen eher umgekehrte 
Verhältnisse vor. Nach dem geringen Vorsprung des 7 IV. (6" 21'), 
der dem Durchschnitt eines trüben Tages im Juni entspricht, folgt 
an dem zwar etwas helleren, aber immer noch recht bewölkten 
8. IV. ein Aufsteigen bis auf 8° 51'; weit über den Durchschnitt 
an hellen Tagen im Juni-Juli und nahe an das dann beobachtete 
Maximum heranreichend. Am 9. IV. geht dann der Vorsprung 
auf 7" 7', ungefähr auf den Durchschnitt der bewölkten Junitage 
zurück. 

Zum Vergleich kann man weiter die Haecker'schen Unter- 
beobachtungen mit heranziehen. Ich gebe im folgenden eine Zu- 
sammenstellung des durchschnittlichen Vorsprunges für einzelne 
Arten: 



Amsel 

1. Aprilhälfte 

2. Aprilhälfte 
1. Maihälfte 

Gesamtdurchschnitt 
April-Mai 8" 26' 

Juli 6« 50' 



helle Tage 

8« 29' 

8« 56' 
70 54- 



bewölkte Tage 

70 7- 

8» 15' 
70 8' 



trübe Ta^ 
70 1* 

6« 47' 
50 41' 



Drossel 
2. Aprilhälfte 
1. Maihälfte 



helle Tage 
8« 51' 
8» 19' 



7« 23' 
60 42' 

bewölkte Tage 
7« 59' 
6° 58 



6" 47' 
6" 8' 

trübe Tage 
6« 10' 



Gesamtdurchschnitt 
April-Mai 
Julihälfte 



8« 37' 



Sperling 
1. Aprilhälfte 
Juli 
Februar 



helle Tage 
3» 50' 
4« 31' 
3« 0' 



7° 20' 
6« 43' 

bewölkte Tage 
2» 52' 
4« 21' 



6« 10' 

trübe Tage 

2« 36' 
40 5- 

12 



478 Zimmer: Vogelgesang in der Frühdämmerung. I 

Bei der Amsel ist, wie man sieht, der durcbschnittliche Vor- 
sprang im April-Mai höher als im Juli. Nun ist allerdings zu 
bemerken, daß Haecker seine Aufschreibungeu bis Ende Juli fort- 
setzt, also bis in die „Degenerationszeit-' des Gesanges hinein. 
Ein auffallendes Rückgehen des Vorsprunges zeigt sich freilich 
nur am 25. VII.; diesen Tag habe ich bei Berechnung des Durch- 
schnittes außer acht gelassen, ebenso die Tage 21. VII. und 23. VII., 
an denen Haecker keine Angabe der Bewölkung gemacht hat. 
Der Durchschnitt ist also aus den Tagen 11. — 19. Juli berechnet. 
Die Beobachtungen und damit der berechnete Durchschnitt für 
bewölkten Himmel liegen alle in der 1. Julihälfte. Für sie brauchen 
wir also eine verringernde Wirkung der „Degeneration" nicht an- 
zunehmen. Für die im Gesangsbeginn der Amsel so ähnliche 
Drossel zeigt sich dieselbe Erscheinung, eine Abnahme des Vor- 
sprunges im Juli gegen das B'rühjahr. Wie bei meinen eigenen 
Beobachtungen ist auch bei Haecker der Vorsprung der Amsel 
größer im Frühjahr als im Sommer. Nun sind die Beobaclitungen 
die ich im Frühjahr über die Drossel und diejenigen, die Haecker 
im Sommer über Amsel und Drossel gemacht hat, in der Zahl 
sehr gering, so daß es wirklich gewagt wäre, den Schluß zu ziehen, 
daß bei Amsel und Drossel der Vorsprung im Durchschnitt nach 
dem Sommer hin abnähme. Aber es gibt immerhin das (wenigstens 
für die Amsel) gleiche Ergebnis in Mitteldeutschland und in Süd- 
deutschland zu denken. 

Beim Sperling sei zunächst bemerkt, daß ich für die F'ebruar- 
beobachtungen nur den Durchschnitt der hellen Tage berechnet 
habe, da an regnerischen und trüben Tagen der Gesangsbeginn 
manchmal erst nach Sonnaufgang erfolgte. 

Hier zeigt sich nun, im Gegensatz zu Amsel und Drossel 
eine Erhöhung des Julivorsprunges gegen den des April. Aber 
auch hier ist die Zahl der Beobachtungen noch zu gering für 
weitere Schlüsse. 

Nun könnte man ja versucht sein, die zahlreicheren Be- 
obachtungen Haecker's im Frühjahr und meine zahlreicheren im 
Juni-Juli miteinander in Vergleich zu setzen und dann kämen aller- 
dings ziemlich genau die gleichen Durchschnitte für Amsel und 
Drossel heraus, so daß man daraus schließen könnte, Frühjahrsgesang 
und Sommergesang der beiden Arten setzten mit dem gleichen 
Vorsprung ein. Voraussetzung für die Berechtigung eines solchen 
Vergleiches wäre aber, daß die geographische Lage, vor allem 
die Breite keinen Einfluß auf den Gesangsbeginn habe. Daß aber 
in der Tat ein Einfluß stattfinden muß, ergibt sich aus folgenden 
Erwägungen. Das Verbreitungsgebiet der Amsel geht bis zum 
Polarkreis, das der Lerche sogar bis 70" N. Am Polarkreis geht 
bekanntlich die Sonne am Sommersonnwendtag überhaupt nicht 



XIV 2 1 

' ' I Zimmer: Vogelgesang in der Frtthdämmeriing. 179 

lyiy j 

unter und eine Reihe von Tagen vor und nach der Sonnenwende 
steht sie die ganze Nacht nicht tiefer unter dem Horizont, als der 
Vorsprung von Lerche und Amsel in unseren Breiten beträgt. 
Selbst um Mitternacht herrscht während dieser Zeit eine Hellig- 
keit, bei der in unserer Breite die angegebenen Vögel schon singen. Da 
nun in jenen Breiten sicher bei den Vögeln innerhalb von 24 Stunden 
eine Periode des Schlafes mit einer solchen des Wachens ab- 
wechselt, muß dort der Grad der Helligkeit, der das Erwachen 
und damit das Singen auslöst, höher, der Vorsprung in Winkel- 
form gemessen geringer sein, als bei uns, oder aber beides wird 
dort durch ganz andere Faktoren ausgelöst. 

Es lassen sich nun zwei Möglichkeiten denken : entweder der 
Vorsprung nimmt nach Norden hin stetig, sei es nun gleichmäßig 
oder ungleichmäßig, ab. Oder aber, er bleibt zunächst so lange 
gleich, bis ein gewisses Minimum der Nachtruhe, das der Vogel 
nach unten hin nicht überschreiten kann^ erreicht ist, und dann 
wirkt nicht mehr der Grad der Helligkeit auslösend, sondern der 
Zustand des Ausgeschlafenseins. 

Nun wird die Frage noch komplizierter dadurch, daß die 
Nächte zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche in allen Breiten gleich 
sind und daß die Verkürzung der Nacht mit Fortschreiten des 
Jahres nach den höheren Breiten hin rascher und ausgiebiger ein- 
tritt, als in den niederen Breiten. Unter Umständen würde also 
eine stetige Verringerung des Vorsprunges nach Norden hin von 
der Tag- und Nachtgleiche an statthaben, aber um so rascher ge- 
schehen, je mehr das Jahr sich der Sonnwende nähert. Oder aber, 
allenthalben und zu jeder Zeit bleibt der Vorsprung gleich, so 
lange, bis das Minimum der Nachtruhe erreicht ist und dann be- 
ginnt der Vogel erst mit dem Gesänge, wenn er ausgeschlafen hat. 

Die Nachtlänge in München und Halle, den beiden einzigen 
Orten, von denen bisher für einen Vergleich verwendbare Be- 
obachtungen vorliegen, differiert zur Sommersonnwendzeit um 
36 Minuten. Das ist immerhin genug, um unter Umständen 
schon eine gewisse Einwirkung erwarten zu können. Aber auch 
hier tritt die ungenügende Zahl der Beobachtungen, einem Ver- 
suche, solche Einwirkung festzulegen, hindernd in den Weg. Der 
Vorsprung der Amsel in Halle ist ja mit den Zahlen 6"^ 50', 6° 42', 
6** 8' in der Tat geringer, als in der Münchener Gegend mit 8° 29', 
7° 21', 6" 53' und auch wenn man den Vorsprung im Gesamtdurch- 
schnitt, ohne Berücksichtigung des Bewölkungsgrades berechnet, 
findet man zwischen Halle mit 6° 30' und München mit 7° 54' 
einen Unterschied in dem gleichen Sinne. Aber es wäre gewagt, 
aus der geringen Zahl der Beobachtungen, 8 in Halle und 16 in 
München, mehr ableiten zu wollen, als die Vermutung; daß es 
vielleicht so sein kann. 

12* 



^80 Zimmer: Vogelgesang in der Frühdämmerung. I ^^ ' ^^' 

|_ Ges. Bay. 

Auch hier zeigt sich wieder, was ich schon Eingangs sagte, 
daß die bisher vorliegenden Beobachtungen nur Material dar- 
stellen und daß zur Lösung der mancherlei Fragen, vor die uns 
der Gesangsbeginn der Vögel stellt, nach zahlreichen Beobach- 
tungen, zQ den verschiedensten Jahreszeiten und an den ver- 
schiedensten Orten, wie sie der einzelne gar nicht leisten kann, 
augestellt werden müssen. 

So will ich hoffen, daß meine Ausführungen auch als An- 
regung für andere Vogelfreunde in verschiedenen Gegenden unseres 
Vaterlandes wirken, ähnliche Beobachtungen anzustellen. 



XIV 2 1 

'"' I Sachtleben: Neuer Specht aus Lithauen. 181 



Eine neue Spechtform aus Lithauen. 

Von 

Hans Sachtleben. 

Bei der Bearbeitung der großen Vogelsaraminng, die Herr 
Dr. E. Stecliow für die Zoologische Staatssammlung in München 
im Jahre 1918 in Lithauen angelegt hat, ergab sich, daß der 
Weißrückenspecht Lithauens von der Nominatform, Dryobates leu- 
cotos leucotos (Bechst.) verschieden ist. Ich benenne ihn zu Ehren 
des Reisenden 

Dryobates leucotos stechotvi ii. sulbsp. 

Er unterscheidet sich von D. l. leucotos folgendermaßen: Alle "~"^ 
weißen Körperteile, besonders der Bürzel, aber auch die Kopf- 
seiten, die weißen Partien des Halses, Kehle und Kropf, sind rein 
weiß, ohne gelblichen oder hellbräunlichen Hauch. Auch der Stirn- 
fleck; die Brust und die übrige Unterseite sind heller und weniger 
bräunlich überflogen. Maße wie bei D. l. leucotos. 

Type im . Zoologischen Museum München: Nr. 19.704. d". Zu- 
brovo, Gouv. Grodno, Lithauen. 12. V. 1918. E. Stechow coli. 

In seinen „Notes on White-Backed Woodpeckers" ^) hat Buturlin 
bereits die Verschiedenheit der westrussischen Form erkannt, kam 
aber dadurch zu falschen Schlüssen, daß er irrtümlich die West- 
russen für den richtigen „Dendrocopus leuconotus Bechst." hielt 
und zu dieser Form „typical birds from Baltic Provinces, Western 
Lithuania (Grodna), governements Smolensk, Petersburg, Sim- 
birsk, Kharkow" rechnete. Indessen ist Picus leucotos Bechst. aus 
Schlesien beschrieben und Buturlin's „D. leuconotus caryathicus^^ ^ 
den er nach einem Exemplar aus der Bukowina beschrieb, nichts 
anderes als die Nominatform D. leucotos leucotos (Bechst.), wie 
zwei Weißrückenspechte aus der Bukowina im Museum München 
beweisen, die völlig mit Vögeln aus Oberbayern, dem Böhmerwald, 
Oberösterreich, Salzburg und Kärnten übereinstimmen. Bemerkens- 
werterweise soll sich D. l. carijathicus (also in Wirklichkeit D. 
l. leucotos) nach Buturlin von Westrussen durch bräunliche Stirn 
und Brust unterscheiden, ein Merkmal, das ja gerade D. l. leu- 
cotos gegenüber dem neuen D. l. stechowi kennzeichnet. 



1) Mitteil. Kaukas. Mus. III, 1, Tiflis 1907, p. 60—63. 



182 Laubmann : Entgegnung. fVerh. Orn. 

[_ Ges. Bay. 



Entgegnung auf Kleinschmidt's „Berichtigungen". 

Von 

A. Laubmann (Kaufbeuren). 

Herr Kleinschmidt hat sich bewogen gefühlt, meine in den 
Verh. Orn. Ges. Bayern 13, 3, 19l8, p. 211—220 unter dem Titel 
„Die geographische Variation des Formeukreises Corvus cornix'-^ 
erschienene Arbeit in Falco 14, 2, 1919, p. 7 — 9 einer Kritik zu 
unterziehen. Als Vorläufer zu diesen „Berichtigungen" muß ein 
unter dem gleichen Titel erschienener, wohl als captatio benevo- 
lentiae gedachter Absatz aufgefaßt werden, der im Wortlaut wieder- 
gegeben, also lautet: 

„Mach dem Spötter keine Vorwürfe, damit er dich 

nicht hasse. 
Mach sie dem Weisen, so wird er dich lieben. 

Proverbia Salomonis 9, 8. 

Falco war von Anfang an als eine im besten Sinne des AVortes 
„kritische" Zeitschrift gedacht. Ich muß es den hier kriti- 
sierten Verfassern überlassen, zu welcher Gruppe in dem voran- 
gestellten Motto sie sich bekennen wollen. Ich hoffe, daß sie die 
zweite Gruppe, die der Weisen vorziehen. Ich selbst nehme keine 
sachliche Kritik persönlich übel." 

Ich kann Herrn Kleinschmidt die Versicherung geben, daß 
auch ich „keine sachliche Kritik persönlich übel" nehme, ist 
doch letzten Endes jeder Fortschritt in der Wissenschaft nur in 
der kritischen Beurteilung älterer oder zeitgenössischer Forscher- 
arbeit begründet und überhaupt möglich. Ich gehe aber sogar 
noch einen Schritt weiter und möchte Herrn Kleinschmidt bitten, 
überzeugt zu sein, daß ich ihm auch seine im vorliegenden Falle 
wohl kaum mehr sachlich zu nennende Kritik absolut nicht per- 
sönlich übel genommen habe. 

Der Grund, warum Herr Kleinschmidt meine Abhandlung in 
so gesucht unfreundlicher Weise beurteilt hat, ist wohl unschwer 
zu finden und mag wohl in dem Umstand zu suchen sein, daß ich 
mich in meinem in Frage stehenden Artikel über die von Herrn 
Kleinschmidt in seiner „Ornis germanica" dargelegte Anschauung 
über Nomenklatur nicht zustimmend geäußert, sondern sie einen 



XIV ^ I 

jj^jg"' Laubmann: Entgegnung. 183 

„bedauerlichen Rückschritt" g-enaimt habe. Ich muß Herrn Klein- 
schniidt leider gestehen, daß ich auch heute noch auf dein gleichen 
Standpunkt stehe. Doch ist das schließlich Auffassungssache und 
AA^ohl eine Angelegenheit, die heute schon weit über eine einfache 
Meinungsvei-schiedenheit zwischen Herrn Kleinschmidt und mir 
liinausgegriifen hat, um letzten Endes vor dem Forum aller heute 
wissenschaftlich arbeitenden Ornilhologeu entschieden zu werden. 

Es sei mir gestattet, hier noch in Kürze auf einige der „sach- 
lichen" Berichtigungen des Herrn Kleinschmidt etwas näher ein- 
zugehen. Herr Kleiuschmidt ist der Anschauung, es seien mir die 
kritischen Bemerkungen über die Zugehörigkeit von Corrns cnpel- 
lamis zum Formenkreise Corvus cornix- aus der Feder Witherby's 
im Ibis 1907, p. 105 entgangen oder nicht in E^rinneruug geblieben. 
Wie ich jedoch in meiner Arbeit auf p. 216 ausdrücklich bemerkt 
habe, mußte ich genannte Spezies bei meinen Betrachtungen gänz- 
lich außer acht lassen, da mir seinerzeit kein" Material zur Ver- 
fügung gestanden hatte. Ich bin daher, wie auch angegeben, in 
der Einordnung genannter Art lediglich Hartert's Anschauung 
gefolgt. 

Herr Kleinschmidt findet ferner das Nebelkrähenmaterial von 
97 Exemplaren, das mir bei Abfassung meiner Arbeit zur Ver- 
fügung stand — heute hat das Münchener Museum durch Exem- 
plare aus Macedonien und aas Lithauen weitere wertvolle Be- 
reicherung erfahren — „sehr ungenügend". Es sollte mich fieuen, 
wenn Herr Kleinschmidt bei allen seinen Untersuchungen und Neu- 
benennungen jedesmal über ein ebenso „ungenügendes" Material 
von fast 100 Exemplaren verfügen konnte. 

Herr Kleinschmidt mußte, wie er bemerkt, über meine An- 
ordnung „Deutschland; Bayern; Italien" lächeln. Ich habe es bei 
Drucklegung der Arbeit nicht für notwendig gehalten, diese An- 
ordnung besonders erklären oder begründen zu sollen. Nun muß 
ich es aber doch tun. Wie Herr Kleinschmidt ganz richtig ver- 
mutet, handelt es sich hierbei weder um einen Schreib- oder Druck- 
fehler, sondern meine Ansicht war lediglich die, den Lesern unserer 
Verhandlungen — und hier kommen nicht nur fachmännisch vor- 
gebildete Leute in Betracht — ad oculus die Formzugehörigkeit 
der von mir untersuchten wenigen bayerischen Exemplare zu 
demonstrieren. Auf den absurden Gedanken, diese Anordnung 
könnte mir zum politischen E"'allstrick gemacht werden, wäre ich 
niemals gekommen. Ich habe es bisher — und werde es auch 
fernerhin — unterlassen, in meinen wissenschaftlichen Arbeiten 
Politik zu treiben und ich weiß mich eins mit vielen, sehr vielen 
Autoren, wenn ich behaupte, es wäre besser und wohl auch rich- 
tiger gewesen, wenn auch von anderer Seite die politische An- 
schauung nicht bis in die ornithologischen Fachzeitschriften ge- 



184 Laubmann: Entgegnung. fVerh. Orn. 

L Ges. Bay. 

tragen worden wäre. Doch auch hier muß wohl das Taktgefühl 
des Einzelnen als entscheidend angesehen werden. 

Eine Beurteilung des von Herrn Kleinschmidt bei dieser Ge- 
legenheit aufgestellten „Corvus hacmeisteri'-^ möchte ich an dieser 
Stelle nicht vornehmen, da mir, fernab vom Untersuchungsmaterial, 
eine solche nicht möglich ist. Ob die Aufstellung eines neuen 
Namens gerade in diesem Falle, wo der Autor sich selbst über 
den Wert seiner neuen Form noch nicht völlig klar war, wissen- 
schaftlich einwandfrei ist, mag offen bleiben. Vermutlich standen 
Herrn Kleinschmidt eben auch nur 100 Exemplare zur Verfügung. 

Und schließlich noch eine Bemerkung. Herr Kleinschmidt be- 
hauptet, der Name y^aegyptiaca^'' Brehm (Journ. f. Ornith. 1853, 
Extraheft p. 97)^) sei von mir übersehen worden, obschon er im 
Cat. Birds Brit. Mus. angeführt sei, und schreibt weiter über 
diesen Namen: „Nomen nudum ist er nicht, da eine wertvolle 
biologische Differentialdiagnose (Brutzeit betreffend) gegenüber der 
ägyptischen Kolkrabenrasse {umhrinus) gegeben ist." Wie jedoch 
ein Einblick in die Originalstelle ergibt, handelt es sich bei diesem 
Namen um ein einwandfreies nomen nudum. Brehm schreibt 1. c. 
wörtlich: „Die ägyptische Nebelkrähe, Corvus cornix aegi/ptiaca, 
horstet erst im April und legt 3 — 5 Eier, welche von denen unserer 
Nebelkrähe nicht zu unterscheiden sind." Der Name wurde also 
von Brehm ohne irgendeine Kennzeichnung, ohne eine Abbildung 
und auch ohne Hinweis auf eine solche aufgestellt, denn die nach 
Herrn Kleinschmidt's Ansicht „wertvolle biologische Differential- 
diagnose" kann nach den Regeln der allein maßgebenden Inter- 
nationalen Nomenklaturkommission keineswegs als Kennzeichnung 
angesehen werden. Der Name aegypUaca wurde daher von mir 
bei Abfassung der Arbeit keineswegs übersehen, wie Herr Klein- 
schmidt anzunehmen beliebte, sondern als nomen nudum nicht 
weiter berücksichtigt. 

Zum Schlüsse möchte ich nochmals betonen, daß ich für eine 
wirklich sachliche Kritik meiner Arbeiten jederzeit dankbar sein 
werde. ,. Berichtigungen" in so gesuchter E'orm Avie im vorliegen- 
den Fall können jedoch kaum noch als sachlich betrachtet werden, 
und aus diesem Grunde allein sah ich mich zu einer Entgegnung 
und Richtigstellung gezwungen. 

Kaufbeuren, im Allgäu. Juni 1919. 



') Kleinechmidt zitiert „Jonrn. f. Orn. 1853 p. 97." In Wirklichkeit findet 
sich der Brehm'sche Name jedoch in dem „Extraheft" p. 97. 



^^^' ^'1 Sunkel: Erklärung. 185 

19 J 



1919 



Erklärung. 

Auf den in diesen „Verhandlungen", XIV, p. 136 veröffent- 
lichten Aufruf zur Mitarbeit an einer Avifauna von Hessen" hin 
trat Herr Chefredakteur Pfarrer a. D. Wilhelm Schuster mit mir 
in Briefwechsel. Als er mir aber den Vorschlag machte, mit ihm 
zusammen die hessische Avifauna herauszugeben, lehnte ich dieses 
Ansinnen natürlich entschieden ab. Um so erstaunter war ich, 
als ich unlängst H. Schuster^s Aufsatz „Vögel des Vogelsberges" 
(Berichte der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heil- 
kunde in Gießen, VII) erhielt, dessen letzter Absatz wörtlich lautet: 
„Da ich mit stud. rer. nat. Werner Sunkel in Marburg, der im 
Weltkriege dem Vaterland als Offizier diente, eine Ornis Hessens 
herauszugeben gedenke, bitte ich um freundliche Benachrichtigung 
über seltene ornithologische Vorkommnisse und Beobachtungen im 
Vogelsberg. Meine Adresse ist: Chefredakteur Wilh. Schuster, 
Pfr. a. D., Rastatt i. B., Herrenstr. 4." — Mein Staunen grenzte 
an Entrüstung, als ich seine handschriftlich darunter gesetzten 
AVorte las, in denen er seinen Vorschlag einer gemeinsamen Heraus- 
gabe der Ornis Hessens wiederholt. Ich erkläre hiermit öffentlich, 
daß ich Herrn W. Schuster nicht zur Veröffentlichung 
oben zitierter Sätze ermächtigt habe, nach wie vor auf 
ihn als Mitverfasser meiner jetzt auf alle Wirbeltiere 
Hessens ausgedehnten faunistischen Arbeiten verzichte 
und keine Veranlassung habe, meinen Plan, mit Herrn Otto Schnurre 
die Hessenfauna zu bearbeiten, zu ändern. 

Marburg a. L., September 1919. 

Werner Sunkel. 



Naturwissenschaftliche 
Wochenschrift 

Begründet von H. Foto nie 

Herausgegeben von Prof. Dr. H, iVliehe in Berlin 

Verlag von Gustav Fischer in Jena 

Preis: für das Halbjahr (Januar -Juni und Juli Dezember) M. 12.— 



1920 o Band 35 



^Tiich den iStiidicnjahreii mit ihren reichen Bilduiigsniöglichkeiten und starken 
j__\ und violfiütigeu Anregungen sieht sich mancher in einen Kreis versetzt, der 

ihm auf naturwissenschaftlichen Gebieten im allgemeinen nur ungenügende 
Anregungen zu bieten vermag. Gleichwohl fühlt er das Bedürfnis, die Verbindung 
mit den Wissenschaften nicht zu lösen, sondern auch weiterhin an ihren Fort- 
schritten und neuen Ideen teilzunehmen und so sich jene geistige Selbständigkeit 
und Frische zu bewahren, die zur Vertiefung und Belebung seiner gegenwärtigen 
Tätigkeit nötig ist. Insbesondere werden die aus dem Felde zurückgekehrten jungen 
und älteren Freunde der Naturwissenschaften den Wunsch hegen, sich in die geistige 
Welt zurückzufinden, ihre früheren Interessen wieder zu beleben, neue Kenntnisse 
zu erwerben und alte wieder aufzufrischen. 

Ein sehr geeignetes Hilfsmittel dazu ist eine Zeitschrift, die den großen Kreis 
der naturwissenschaftlich Gebildeten und Interessierten mit den Naturwissenschaften 
in steter und enger Berührung hält. Dieses Ziel verfolgt die 

Naturwissenschaftliche Wochenschrift, 

die eine Übersicht über die wichtigsten Erscheinungen und Bewegungen auf dem 
Gebiete der Naturwissenschaften zu geben versucht und sich in diesem Bestreben 
der tätigen Unterstützung zahlreicher, mitten im Avissensehaf fliehen Leben stehender 
Mitarbeiter erfreut. 

Sie bringt Originalaufsätze über aktuelle oder allgemein interessante 
Gegenstände, die oft mit lehrreichen Bildern versehen sind, berichtet fortlaufend 
über bedeutungsvolle neuere Arbeiten in den einzelnen Zweigen der Naturwissen- 
schaften, beratet den Leser durch sorgfältige und kritische Besprechungen neu- 
erschienener naturwissenschaftlicher Bücher und gibt ihm Gelegenheit, Auskunft 
über wissenschaftliche Fragen zu erhalten oder selber Anregungen und Beobach- 
tungen mitzuteilen. 

Um eine Vorstellung von dem Inhalt zu geben, sei hier ein Auszug aus den 
Veröffentlichungen der letzten Jahre angefügt. 



Original-Artikel: 



Neuere üutevsiiclmiigeu über das Gehirn der 
Inseliteil. Von Dr. F. Bretschneider. 
Mit 18 Abbild. 

Die AnzaUI der diluvialen Vereisnng'enNord- 
europas. Von Prof. Dr. Edw. Mennig, 

Über Domestikation merkmale beim Men- 
schen. Von Prof. Dr. R. Martin. 

Über das Gel der Kieselsäure. Von Prof. Dr. 
W. Mecklenburg. Mit 6 Abbild. 

Der Sexualakt bei den höheren Pilzen. Von 

Dr. W. Nienburg. Mit 2Ü Abbild, 



Riickblick auf die Getreidenahrunj? seit den 

Üi'zeiten und unser tägliches Brot. Von 

Prof. Dr. A. Maurizio. 
Parthenogenese bei Infusorien. Von Dr. H. 

Nachtsheim. Mit 2 Abbild. 
Auf den Höhen des Kilimandschai-o. Von 

Dr. Chr. Sehröder. 
Beitrag zum Problem des Vitalismus. Von 

Dr. P. Flaskämper. 
Ein Vergleich der Einzelligen mit den Me- 

tazoen. Von Prof. Dr. D. v. Hange mann. 
Künstliehe Geruchsspuren bei Ameisen. Von 

Dr. H. Henning. 



Die Zitronen uivd Orang'eii in Geschichte und 

Knust. Von Prof. Di-. .S- Kil 1 ermann. Mit 

4 Abbild. 
Die flivomatophovenfarh.stoffe dei- Pflanzen. 

Von Dr. H, Kyliii. 
Da.s periodi.sclic System nnd die Radio- 
elemente. Von Dr. K. Schutt. 
Kristallisationskraft und lineare Kraft wai h- 

.sender Kristalle. Von Dr. F. Süß. 
Das Problem des Generationswechsels bei 

den Florideen. N on Dr. N. Svedelius. 

Mit l'i Abbild 
Die Siwalik-Primaten und der Stammbaum 

des Jlenschen. Von .''rof. Dr. K. Martin. 

Mit 4 Abbild. 
Einijre verg'Ieichende tier- und mensc en- 

I)SVCholoji:ische Skizzen. Von Prof. Dr. E. 

M.äch f. Mit 8 Abbild. . 
Die Aalfrag-e. Von Dr. K. Marens +. Mit 

2 Abbild. 
Erg'ebnisse von Grundwasserfeststellungen 

mittels der Wünschelrute Von Dr. O. 

V. Lin s to "'. 
Zum Problem der Wünschelrute. Von Prof. 

Dr. Edw. li(! nni g. 
Die Verteilung von I^and nnd Meer auf der 
..Erde. Von Prof. Dr. Rieni. 
über PseudoTierpsyohologie. Von Dr. AV. 

Neumann. 
Neuere Arbeiten über die Erosion des fliel'sen- 

den Wassers. Von Prof. Dr. W. Halbfaß. 
Das Flugvermögen des Archaeoptery.K. Von 

Dr. F. Stell waag. Mit 10 AbbiW. 
Aus dem Leben der lletvze.lv. Von Dr. A. 

L i pschii tz. 
Vergleichende Beobachtungen an den Eiern 

und Larven des .'*IenschenÄohs, der Kleider- 
laus und der Bettwanze. Von Prof. Dr. A. 
.. Hase. Mit 2« Abbild. 
Über den Kathotlcnstrahlendurchgang durch 

Materie. Von Prof. Dr. A. B e c k e r. Mit 3 Abbild. 
Das Stickstotfproblem und seine Lösungen 

Von l'rof. Dr. A. C oehn. 
Die Pilzvergiftungen der letzten Jahre. Von 

Prof. Dr. O. Ditt rieh. 
Faradays Stellung in der Geschichte der Phy- 
sik. Von Dr. V. Engolhardt. Mit 2 Abbild. 
Wegeners Verschiebnng.stheorie. Y^n Dr. E. 

K e I li o f e r. 
Goethes Farbenlehre und die Naturwissen- 
schaft. Von F. llähtmann f. 
Relativität iind Gravitation. Von Prof. Dr. 
.. Riebeseil. 

Über das Alter. Von Prof. Dr. Rössle. 
Neuere Ergebnisse der Kanalstralilenfor- 

schung. Von K. Kuhn. 
.Siliziumchemie und Kohlenstoflfchemie. Von 

l'rof. Dr. Mecklenburg. 



Das Nannoplankton. \on Dr. v. Brehm. 

Der Gesang der Vögel. A'on R. B retseh er. 

Über Meteorbeobachlungen. Von C. Iloff- 
me ister. 

Zur Frage der Ei.sheiligen. Von Prof. Dr. G. 
Karsten. 

Die Ruheperiode der Holzgewächse. Von 

.. Dr. O. Kühn. 

Über die Aufgaben und Ergebnisse der Ent- 
wicklungsmechanik der Pflanzen. Von Prof. 
Dr. E. Küster. 

Die vorzeitlichen Vögel. Von Dr. K. Lam- 
b recht. Mit 8 Abbild. 

Erforschung des Atominnern. Von Dr A. 
Mar oh. Mit 6 Abbild. 

Neue Wege der phylogenetischen Pflanzen- 
anatomie. Von Ür. \V. Nienburg. Mit 
26 Abbild. 

Der Kinflufs des Bodens auf Siedluu.g und 
Staatenbildung nnd Kultnrentwicklung. 
Von Prof. Dr. E. Kamann. 

Neuere Wege undZiele der botanischen .Syste- 
matik. Von Dr. A. TheUung. Mit 3 Abbild. 

Der gegenwärtige Standpunkt des Mendelis- 
miis und der Lehre von der Schwächung 
der Erbaulagen durch Bastardierung. Von 
Prof. Dr. A. v. Tscbermack. 

Lebensgemeinschaft und Lebensraum. Von 
l'rof. Dr. A. Thienemann. 

Die Permeabilität der Pflanzenzellen. Von 
Dr. Fr. Weber. 

Die chemische Valanz in heutiger Auf 
Fassung. Von Dr. H. Heller. 

Vom Pan.jepferd. VonDr. H.Krieg. Mit6Abb. 

Das Resultantengesetz in der Pflanzenphy- 
siologie. Von Dr. P. Stark. 

Der iUechanismns der Vererbung. Von Dr. 

.. H. Nachtsheira. Mit 12 Abbild. 

Über Selbsterhitzung undthermophile Mikro- 
organismen. Von Prof. Dr. 11. Hiebe. 

Das Bohrsche Atommodell. Von Dr. K. 
Schutt. Mit 1 Abbild. 

Bericht über eine geologisclie Forschungs- 
reise in Deutsch ^Ostafrika. A'on Prof. Dr. 
E. Kren ke 1. 

Die Zerstörung der Steilwände im Buntsand- 
steingebiet des Pfälzerwaldes. A'on Pi-of. 
Dr. Häberle, Heidelberg. Mit 3 Abbild. 

Das Tierleben des Belad el Djerid (Sfid- 
'tunesien). A'on Prof. Grober, Jena. Mit 
15 Abbild. 

Der natürliche Tod der Pflanzen. Von Dr. 

.. Fried 1 Weber, Graz. 

Über dffn Fiirbensinn des Kindes. Von ]>r. 
med. l'ritz Marqnart. 

Arbeitsgem Inschaft der naturwissciischaftl 
KörperschaftenDeutschlands. Ein Vorschlag. 
Von Hermann Zillig, AViirzburg. 



Außer größeren Originalartikelii erscheinen in jeder Nummer 

Berichte 

über wiciitige und allgemein interessante Publikationen, Forscbungsergeb- 
nisse uutl Entdeckungen in den verscliiedenen Gebieten der Naturwissen- 
schaften, also in der Astronomie, Physik, Chemie, Botanik, Zoologie, 
Anthropologie, Geologie, Paläontologie, Geographie, Physiologie 
usw. Auch von diesen Berichten sind manche mit lehrreichen Abbildungen versehen. 

Besonderes Gewicht wird auf die 

Bücherbesprechungen 

gelegt. Von .sachkundigen Rezensenten ist wohl die große Mehrzahl der für einen 
weiteren Leserkreis in Betracht kommenden Bücher und auch ein guter Teil Publi- 
kationen von mehr speziellem wissenschaftlichen Interesse besprochen worden. 

Der Bezugspreis beträgt für das Halbjahr (Januar^ — Juni und Juli -Dezember) 
"^ "' . Probenummern versendet der Verlag und jede Buchhandlung kostenfrei. 

Bestellungen auf die „Naturwissenschaftliche Wochenschrift" nehmen an 

Mchhandlung, jedes Postamt oder der Verlag. 



Veiimiidlungen 



OrnithologischenGesellschaftinBayern 



Band XIV 

Heft 3 

Im Auftrage der Gesellschaft 



C. E. Hellmayr 

Generalsekretär der Gesellschaft. 



MUiieheii 1920 

Tm Bnohhandel zu beziehen durch die Verlagsbuchhandiuiiii' 
Gustav Fischer in Jena. 



Die „Oruitliologisclie Gesellschaft in Bayern" pflegt das Studium 
der gesamten Oruitbologie unter besonderer Berücksichtigung der 
einheimischen Vogelwelt. Ihre Organe sind die jährlicli zweimal 
zur Ausgabe gelangeoden „Verhandlungen" und das in unregel- 
mäßigen Zeitabschnitten erscheinende Beiblatt, der „Anzeiger der 
O.G. i. B." Interessenten, welche die Mitgliedschaft zu erwerben 
wünschen, wenden sich an die 

„Ürnithologische Gesellschaft in Bayern" 

Zoologische Sammlung 

München, 
Neuhauserstr. 51. 

woliiii aucli alle Mitteilungen, Anzeigen von Wohnungsänderungen, 
Beobaclitungsberichte, Tauschsendungen und Manuskripte erbeten 
sind. 

Gegen Entrichtung des Jahresbeitrags, der sich ge^'enwärtig auf 
10 Mark zuzüglich eines 100% Teuerungszuschlages beläuft, er- 
halten die Mitglieder die oben verzeichneten regelmäßigen Ver- 
öffentlichungen gratis. Neu eintretende Mitglieder können die 
früheren Jahrgänge zu ermäßigten Preisen von der Gesellschaft 
beziehen. 

Alle Einzahlungen nimmt der Kassenwart der Gesellschaft 

Herr Alfred Dultz, München, Landwehrstr. 6 

entgegen. 



Soeben erschienen und als außerordentliche Veröffentlichung von 
den Mitgliedern zum ermäßigten Preise von 8 Mark {-f- Porto 0,20) 
durch die Gesellschaft zu beziehen: 

Heiträge zur Zoogeographie der paläarktisclien 
Region, Heft i: 

E. Stresemann, Über die europäischen Formen der Scliwanzmeise 
und des Gimpels. 56 pp. mit einer Karte. 



Verhandlungen 



der 



Ornithologischen Gesellschaft in Bayern 



Band XIV ^ . 

Heft 3. / °^\ 

\(iG 24 1920 



I n li a 1 1: 

Seite 

Rieh. Schlegel, Die sächsischen Spechtmeisen und Baumläufer 189 

Reinhold Fenk, Außereheliche Brüten bei monogamen Vögeln und andere 

interessante Beobachtungen aus der Vogelstube 199 

A. Laubmann, Beiträge zur bayrischen Ornithologie 206 

Erwin Stresemann, Nachträge zur Verbreitung der Baumläufer, Schwanz- 
meisen und Gimpel ♦ 214 

H. Stadler, Die Vogelwelt Unterfrankens 221 

Emil Schnabel, Die letzten Kolkraben (Corvus c. corax) im Spessart . . 226 
Stresemann & Sachtleben, Über die europäischen Mattkopfmeisen (Gruppe 

Parus atricapülus) 228 

C. E. Hell mayr Bibliographisches und Kritisches über E. Schomburgk's Vögel 

von Britisch-Guiana , . . . 270 

W. Baomeister, Eigenartiges Abwehrmittel des jungen Kuckucks .... 275 

Schriftenschau 276 

Sitzungsberichte (Oktober 1918 — Mai 1919) V 



Ausgegeben am 29. April 1920. 



Münclieii 1920 

Im Buchhandel zu beziehen durch die Verlagsbuchhandlung 
Gustav Fischer in Jena 



Univ.-Buchdruckevei von Junge & Sohu in Briangen. 



' ' I Schlegel: Sachs. Spechtmeisen und Baumläufer. 189 



Die sächsischen Spechtmeisen und Baumläufer. 

Von 

Rieh. Schiegel (Leipzig). 

Bei der Feststellung der Avifaima eines bestimmten Ge- 
bietes nehmen naturgemäß die Brutvögel desselben tlas erhöhte 
Interesse des Systematikers in Anspruch; denn sie allein können 
bei Untersuchungen über die Zugehörigkeit der Arten des Gebiets 
zu einer bestimmten geographischen Form von ausschlaggebender 
Bedeutung sein. Ich will damit nicht in Abrede stellen, daß uns 
diesbezüglich auch nichtseßhafte Arten aufs lebhafteste interessie- 
ren können, da sie uns unter Umständen — d. h. bei Neigung zu 
morphologischer Differenz — gleichfalls wertvolle Schlüsse er- 
möglichen über Beheimatung und eventuell auch Zugweg. In Hin- 
sicht auf systematische Zugehörigkeit sind die Vögel Sachsens 
noch recht ungenügend bearbeitet worden, und in erster Linie wohl 
deshalb, weil systematische Subtilarbeit, wie sie uns beispielsweise 
Kleinschmidt in so vollendeter und anregender Form bietet, nicht 
zu den leichtesten Kapiteln ornithologischer Tätigkeit gehört und 
infolgedessen auch weniger Interesse findet. Andrerseits ist diese 
Forschungsrichtung infolge ihrer oftmals zu radikal arbeitenden 
analytischen Zersetzungstätigkeit bei vielen in Mißkredit gekom- 
men. Nicht in letzter Linie erfordert solche Tätigkeit immer ein 
reiches Maß von Mühe, Begeisterung, Geduld und erhebliche Opfer 
an Zeit und Geld, da ein möglichst umfangreiches und erschöpfen- 
des Untersuch ungs- und Vergleichsmaterial vorliegen muß, dessen 
Beschaffung vielfach auf große Schwierigkeiten stößt. 

Berge unterscheidet in seiner Arbeit „Die Vögel der Umgegend 
von Zwickau" 1897 noch nicht einmal die beiden CerfMa-Arten. 
Seine Angabe unter famüiaris: „Standvogel in Wäldern und aus- 
gedehnten Baumpflanzungen" dürfte sich wohl hauptsächlich auch 
auf hrachydactyla beziehen. Nitsche hat die „sächsischen" Wasser- 
schmätzer in das Bereich systematischer Untersuchungen gezogen 
und sie der nordischen Form zuweisen zu müssen geglaubt. Ich 



J90 Schlegel: Sachs. Spechtmeisen und Baumläufer. rVerh.Örn. 

L Ges. Bay. 

halte aber diese Angelegenheit noch nicht für spruchreif i). Auch 
Heyder hat in seiner Ornis Saxonica aus Mangel an Untersuchungs- 
resultaten die systematische Seite sächsischer Vögel noch wenig 
berühren können. Eeichenow ^) äußert sich über die sächsischen 
Spechtmeisen : „Es wird dort allein (in Ornis Saxonica) Sitta caesia 
als Brutvogel angegeben, jedoch handelt es sich auch um S. sordida, 
diejenige Form, deren engeres Wohngebiet durch die Mark Bran- 
denburg, Pommern und Westpreußen gebildet wird. Die Elbe ist 
als die Grenze zwischen der östlichen S. sordida und der westlichen 
S. caesia aufzufassen. Auffallend ist, daß bei diesen geographischen 
Formen ein Fluß die Grenze bildet, der doch für die Vögel keine na- 
türliche Schranke darstellt"; und bei einer anderen Gelegenheit s): 
,,Im nordöstlichen Königreich Sachsen reicht die Verbreitung der A.c. 
sordida bis zur Elbe. Vögel aus der Sächsischen Schweiz, der 
Dresdener Heide und Colditz, die ich dank dem Entgegenkommen 
des Herrn Kollegen Jacobi untersuchen konnte, waren typische 
Fahlbäuche. Dagegen stellte Herr Dr. Hesse in der Umgegend von 
Leipzig den Eostbäuchigen Kleiber, S. caesia, fest." Da Colditz 
an der Zwickauer Mulde liegt, würde nach dem Material im Dres- 
dener Museum sordida also auch weiter westwärts der Elbe noch 
anzutreffen sein. Hinsichtlich der Verbreitung von Certhia fami- 
liaris macrodactyla Brehm ist Eeichenow*) der Meinung, daß diese 
Form noch nicht in Sachsen, sondern weiter westlich, erst in Thü- 
ringen auftritt; er verweist deswegen eine zur Ansicht gesandte 
Certhia Leipziger Provenienz noch zu C. familiaris familiaris. Scha- 
low^) bemerkt: „Von großem Interesse scheint Eeferent der Nach- 
weis des Vorkommens von Certhia familiaris macrodactyla als Brut- 
vogel in Sachsen, sofern nicht eine Verwechselung mit C. famili- 
aris familiaris vorliegt. Die erstgenannte Form ist eine rein west- 
liche, von der man annahm, daß sie die Weser nach Osten nicht 
überschreitet." Hartert zieht die Verbreitungsgrenze von Certhia 
familiaris macrodactyla folgendermaßen: ,, Deutschland, etwa vom 
Odergebiet im Osten bis an die Westgrenze." Auf Grund dieser 
Verbreitungsangabe glaubte sich Heyder jedenfalls berechtigt, die 
sächsischen familiaris der Form macrodactyla zuzuweisen. Vielleicht 
waren auch die von Mayhoff revidierten Bestimmungszettel des 
Dresdener Materials hierbei maßgebend. 

A. Speclitineise. 

Bevor ich auf das Balgmaterial selbst eingehe, seien mir einige 
allgemeine Bemerkungen zuvörderst über das Vorkommen der 

^) Siehe dazu Sachtleben, diese „Verhandlungen" 14, Heft 1, 1919, 
p. 82—84. — Red. 

*) Journ. f. Orn. 1917, p. 228. 
») Orn. Monatsber. 1917, p. 55. 
*) Journ. f. Orn. 1917, p. 228. 
») Orn. Monatsber. 1917, p. 45. 



XIV 3 T 

' 'I Schlegel: Sache. Spechtmeisen und Baumläufer. 191 

Spechtmeise auf sächsischem Gebiet gestattet, soweit ich es aus 
eigener Erfahrung kenne. Für das Auwaldgebiet von Leipzig 
und seiner Umgebung mit seinen ansehnlichen Eichenriesen ist 
die Spechtmeise ein recht häufiger Standvogel zu nennen, der in- 
folge seines munteren, ewig beweglichen Wesens und seiner, auch 
durch mißliche Witterungsverhältnisse nicht niederzuzwingenden 
stimmlichen Lebhaftigkeit die Wälder aufs vorteilhafteste belebt. 
Sein treues Festhalten am Brutplatz, das der Ringversuch be- 
stätigt^), ist auch aus der Tatsache za erkennen, daß man zur 
Herbst- und Winterszeit weiter umherstreifende Vögel dieser Art 
wohl seltener beobachten kann. Sie dürften sich kaum weiter als 
in 'die in der Nähe des Waldes gelegenen Gärten, Ufer- und Allee- 
bäume erstrecken. An Nahrung herrscht auch im verschneiten Brut- 
reviere infolge vielseitiger Speiseauswahl wohl ja zumeist kein 
Mangel, namentlich dann, wenn die Weißbuchen reichlich frukti- 
fizieren, wie dies im vergangenen Winter 1919 der Fall war. In 
der Nähe eines solchen Baumes kann man sich stundenlang am 
schweigsamen oder unter lebhaftem Locken stattfindenden Nah- 
rungswettbevrerbe der Buntspechte, Kleiber, Grünfinken und Kern- 
beißer ergötzen. Wie geschickt werden die reifen Nüßchen auch 
an schwankenden, dünnen Ästchen im Eüttelfluge abgenommen, 
um dann auf dem benachbarten Eichenriesen unter lebhaftem Häm- 
mern und Pochfen ihres Inhaltes entleert zu werden ! Mit Abnahme 
und Zurücktreten des Laubwaldes wird auch das Auftreten der 
Spechtmeise erzgebirgswärts ein selteneres. Ich kenne sie als recht 
sparsamen Brutvogel der geringen Laubholzbestände des Reviers 
Hainholz bei Hohenstein-E. sowie aus dem Beobachtungs- und orni- 
thologischen Schulgebiete meiner Knaben- und Jugendjahre Wil- 
denfels, wo ich sie im Schloßpark brütend feststellen konnte und 
wo sie alljährlich im Herbst im großen Obstgarten an der väter- 
lichen Wohnung im Stellkäfig für Zeisige dem Reize süßen Hanf- 
samens nicht widerstehen konnte und so ein Opfer ihres Geschmacks 
wurde, freilich'' um^'als -'für ^dortige Liebhaber wertloser Zimmer- 
vogel wieder freigelassen zu werden. Ich kenne ferner ihr Vor- 
kommen in den Buchenbeständen des Reviers Prinzenhöhle bei 
Stein-Hartenstein, und Herr Schuldirektor Müller, Niederschlema, 
teilte mir auf eine Anfrage mit, daß er ein Exemplar aus Auer- 
hammer bei Aue erhalten habe, das sich, präpariert, noch in seinem 
Besitze befindet. Soweit kann ich mich also für ihr Vordringen 
ins Gebirge verbürgen. Ein Nachweis für die Waldungen um Schnee- 
berg und Scheibenberg gelang mir nicht, wohl nur infolge mangels 
geeigneter Laubholzbestände. Daß vertikale Sch):anken für das 
Auftreten des Kleibers kein Hindernis bedeuten, beweisen die 



1) Siehe Joum. f. Orn. 1915, p. 501; 1917, p. 355. 



Ges. Bay. 

Mischbestände des bayerisch-böhmischen Grenzgebirges. So regi- 
striert 'denn auch Heyder ihr Vorkommen in erzgebirgischen Buchen- 
waldiingen von 700 — 800 Meter Höhe. Nach Ruhsam kommt die 
Spechtmeise im Annaberger Gebiet im Plattenwald und in Obst- 
gärten vor. Zwecks Untersuchung sächsischen Kleibermaterials 
lagen mir vor 42 Bälge aus der Leipziger- und Hohensteiner Gegend 
der eigenen Sammlung und 8 Stücke des Dresdener Museums: 

2 Stücke davon aus Colditz, 1 von Tharandt, 2 aus Waitsdorf, 
Sachs. Schweiz und 1 ad. und 2 juv. aus der Dresdener Heide. Zum 
Vergleiche zog ich heran aus der eigenen Sammlung sowie aus 
den Beständen des Dresdener und Münchener Staatsmuseums je 
1 Stück vom Amur und dem Kaukasus, 3 Stück von Cremona, 
25 Stück aus verschiedenen Gegenden Bayerns, 6 Stück vom Her- 
zogtum Altenburg, 2 Stück aus Waldeck, 1 Stück aus dem Harz, 

3 Stück aus Anhalt, 4 Stück aus der Neumark, 9 Stück aus Ost- 
preußen, 2 Stück aus Schweden und 19 Stück aus Lithauen und 
Polen, also 50 Untersuchungs- und 76 Vergleichsstücke. 

S. europaea caesia Wolf neigt auch innerhalb engerbegrenzter 
Gebiete zu erheblicher Variation und zu oft auffälligen Sprüngen 
hinsichtlich ihrer Unterseitenfärbung, und es darf uns nicht Wun- 
der nehmen, wenn wir, um nur wenige Beispiele anzuführen, in 
der Literatur auf Bemerkungen stoßen, daß z. B. in Bulgarien ein 
schön rotes Exemplar, aber auch eins mit weißlicher Unterseite 
gefunden wurde oder daß für das Verbreitungsgebiet der homeyeri 
resp. sztolcmani auch caesia und für Böhmen homeyeri oder für 
Posen caesia und sordida erwähnt werden. Es liegt durchaus nicht 
in meiner Absicht, nun persönlich Stellung zu nehmen zu den ein- 
zelnen Formen europaea, sztolcmani, homeyeri, sordida, reichenowi, 
caesia, hassica und für oder wider Berechtigung oder Nichtbe- 
rechtigung zu polemisieren oder meine gewonnenen Ansichten eben- 
falls in die Wagschale werfen zu wollen : „Viel Köpfe, viel Sinne"', 
dürfte sich auf diesem heiklen Gebiete ganz besonders bewahr- 
heiten. Wie schon aus der Überschrift meiner Arbeit hervorgeht, 
lag mir ausschließlich daran, unser sächsisches Material einmai 
durchzuprüfen, seine Variationsbreite festzustellen und zu unter- 
suchen, lob es mehr zur dunklen caesia, zur helleren, fahlen sordida 
oder ob je nach Lage der Örtlichkeit gar eine Sonderung vorzu- 
nehmen angezeigt erscheint. Im allgemeinen kann ich feststellen, 
daß mein Leipziger und Hohensteiner Material mit dem bayerischen 
und thüringischen auf ganz gleicher Stufe steht. Wir finden hier 
wie dort Stücke, die der zimtfarbenen caucaslca oder dunklen Ita- 
lienern recht nahe kommen oder sich von ihnen kaum unterscheiden 
lassen. Auch hellere sorJicZa-Färbungsphasen laufen dazwischen, 
und ein Exemplar ist von rahmfarbenen homeyeri nicht unter- 
scheidbar. In der Allgemeinheit also muß ich die weitaus größte 



XIV 3 1 

1090 ' I Schlegel: Sachs. Spechtmeisen und Baumläufer. 193 

Zahl zur Färbnngsphase der Sitta europaea caesia stellen. Von be- 
sonderer Wichtigkeit nun erschien mir die Frage: Macht sich von 
den westlichsten sächsischen Landesteilen nach Osten hin bis in 
die Dresdener Gegend ein Hellerwerden der Unterseite bemerkbar? 
Im Resultate weichen meine Ansichten von denen Reichenow's 
etwas ab. Im einzelnen sei dazu folgendes festgestellt: Die beiden 
Exemplare aus Rochlitz an der Zwickauer Mulde sind von den 
dunkelsten Leipziger Stücken nicht unterscheidbar. Ein abnorm 
brannrotes Stück aus Tharandt, von keinem des mir zur Verfügung 
stehenden Gesamtmaterials erreicht, übertrifft bezüglich der 
Dunkelfärbung den dunkeln Italiener ganz wesentlich. Die beiden 
Stücke der Sächsischen Schweiz stehen mit den Colditzer und meinen 
dunkeln Leipziger Stücken auf ganz gleicher Stufe. Auf die Fär- 
bungsstufe der zuletzt erwähnten Stücke gehört gleichfalls ein 
ad. Stück aus der Dresdener Heide, während 2 Exemplare juv. 
vom 10./7. von eben dorther ich außer Betracht lassen zu müssen 
glaubte, da die noch nicht vermauserten Jungen sich durch abge- 
blaßte, fahle Unterseite von den Alten gut unterscheiden, wie auch 
aus meinem Materiale hervorgeht, und so mehr nach sordida hin- 
neigen. Auf Grund meiner Untersuchungen stelle ich also fest, 
daß alle sächsischen Kleiber in den Gebieten von Leipzig ostwärts 
bis in die Dresdener Gegend Sitta europaea caesia Wolf zugewiesen 
werden müssen. Wie sich in dieser Hinsicht Lausitzer Exemplare 
stellen zu der angrenzenden Kleinschmidt'schen reichenowi Schle- 
siens, muß späteren Untersuchungen vorbehalten bleiben, da mir 
aus den östlichsten Gegenden Sachsens Material nicht zur Verfügung 
stand. 

An den 42 Exemplaren meiner Sammlung sächsischer Kleiber 
stellte ich folgende Maße fest: 



Flügel: Männchen: 80— 91mm: 1X80 

5X87 
2X90 

Weibchen: 81— 89mm: 1X81 

2X85 



3X85; 5X86; 
6X88; 2X89; 
3X91 mm. 
4X83; 1X84; 
3X86; 2X87; 
1X89 mm. 



1X88 

Schnabel: Männchen: 14,0 (juv.) 16,0— 20,0 mm: 3X16,0; 

3X16,5; 8X17,0; 4X17,5; 
4X18,0; 1X18,5; 1X19,0; 
1X20,0 mm. 
Weibchen: 15,5— 19,5mm: 2X15,5; 2X16,0; 
1X16,5; 6X17,0; 1X17,5; 
1X18,5; 1X19,0; 1X19,5 mm. 
Als Gewicht von 5 Männchen und 1 Weibchen notierte ich: 
23,0— 25;0 und 23,5 g. 

13 



194 Schlegel: Sachs. Spechtmeisen und Baumläufer. 1 ^"' 

L Ges. Bay. 

B. Baumläufer. 

Was nun unsere Certhien anlangt, so sind beide Arten fürs 
Leipziger Gebiet ebenfalls als häufige Standvögel zu bezeichnen. 
Um hinsichtlich der Verbreitung beider Arten im Gebiet, besonders 
im Waldbestand, zu sicheren Resultaten zu kommen, habe ich 
mich nicht allein auf die oft recht unsicheren Pfade des An- 
sprechens nach Lockton, Gesang und Färbung begeben, sondern den 
allein sicher zum Ziele führenden Weg des Abschusses einiger 
Exemplare betreten. In Rücksicht auf die Wichtigkeit der Ange- 
legenheit und die Häufigkeit der Vögel darf ich gewiß um milde 
Beurteilung der angewendeten ultimo ratio bitten. Nach den mei- 
sten Autoren sind beide Arten ja nach dem Gesang sicher und 
immer im Freien unterscheidbar, was ich heute ebenfalls nur unter- 
schreiben kann. Ich gestehe aber offen, daß man, wenn man es 
vorher mit den stimmlichen Feinheiten nicht allzu genau genommen 
hat, erst mit der Zeit hinter die Unterschiede kommt, auch im 
Falle nicht besonderer musikalischer Begabung. Ich habe zu dem 
Zwecke allein zahlreiche Beobachtungsgänge unternommen und freue 
mich heute der Erkenntnis, die ich hieraus gewann. Wohl sind die 
Gesänge mannigfacher Modifikation unterworfen, aber immer cha- 
rakteristisch für die Art. Am häufigsten hört man nach meinen 
vorliegenden Aufzeichnungen in mehr freiem Gelände „tizizitzerizi" 
von hrachydactyla oder im Walde die kurze Strophe zitsiwoit, auch 
längere Gesänge mit trillerartigen Momenten, die ich nicht wieder- 
zugeben vermag — ich wurde an Blaumeise und Zaunkönig er- 
innert — für familiaris. Meine Sammelresultate beweisen, daß beide 
Arten im Leipziger Auwaldgebiete in vielleicht derselben Häufig- 
keit auftreten, familiaris im geschlossenen Komplexe entschieden 
häufiger. Im mehr freien Gelände ist hrachydactyla wohl der aus- 
schließliche Brutvogel. Im Gebiete von Eythra, mit zwar länge- 
ren, aber nur schmalen Auwaldstreifen konnte ich bisher immer 
nur hrachydactyla nachweisen. Am nahen Eichholze des Staats- 
forstreviers Zwenkau hörte ich am 10. /6. an einigen alten Pappeln 
am Waldrande auch einmal familiaris singen und notierte titzizi- 
woit. In Gärten von Wildenfels und den Ortschaften um Hohen- 
stein-E. sowie im Laubholzbestand des Reviers Hainholz konnte 
ich bei vieljährigen Beobachtungen bisher immer nur hrachydactyla 
feststellen. Vielleicht tritt aber auch familiaris selten in diesen Ge- 
bieten sowie weiter gebirgswärts auf^), wenn ich auch trotz eifrig- 
ster Umschau bisher noch kein Belegstück von ihm weder beobach- 
ten noch erhalten konnte, und ich habe die alten Fichtenbestände 



') In den Kieferwäldern bei Oberschlema (400- 450 m) stellte Stresemann 
am 29. und 30. IX. 1919 nur C. familiaris macrodacti/la fest (Belegstück im 
Münchner Museum). — Red. 



XIV 3 n 

1920 ' I Schlegel: Sachs. Spechtmeisen und Baumläufer. 195 

und andere örtlichkeiten nach ihm immer mit besonderer Aufmerk- 
samkeit sondiert. Man darf aber Stresemann's*) Meinung? unbedenk- 
lich unterschreiben, wenn er sich äußert, daß hracliyäactyla in Sach- 
sen die weitaus verbreitetste ist. Dies scheint auch aus den Be- 
obachtungen unseres Stimmenspezialisten B. Hoffmann's 2) hervor- 
zugehen. In einem Schreiben vom 28. /6. 16 an die Dresdener 
Museumsleitung äußert sich Mayhoff : ,.Es ist somit die im ganzen 
Königreich (ausgenommen vielleicht das höhere Erzgebirge) un- 
gleich häufigere hracliyäactyla in der Schausammlung — noch gar 
nicht vertreten." Hinsichtlich der Verbreitung beider Arten in 
Sachsen läßt uns infolge der Schwierigkeit, sie im Freien immer 
sicher auseinanderhalten zu können, die noch nicht allzu weit zu- 
rückliegende Literatur völlig im Stich, da man beide Arten zumeist 
als familiaris zusammenwirft oder hrachydactyla als Rasse, Sub- 
spezies ! oder Form ! von familiaris auffaßte, welche zu sondern 
deswegen nur von nebensächlicher Bedeutung erschien (cf. Berge, 
l. c). Mit großer Vorsicht sind in dieser Hinsicht die sächsischen 
Jahresberichte zu benutzen. Erst neuerdings haben ernsthafte säch- 
sische Faunisten beiden Baumläufern in rechter Erkenntnis ihrer 
unantastbaren, ausgezeichneten Artverschiedenheit die gebührende 
Aufmerksamkeit gewidmet, und es steht zu erwarten, daß wir im 
Wettbewerbe und Eifer ornithologischen Strebens mit der Zeit 
immer mehr Licht und Klarheit in der Verbreitungsfrage sächsi- 
scher Baumläufer erhalten. Über festgestellte Nistzeiten, Nester 
und Eier sächsischer Gartenbaumläufer werde ich mich in der 
,, Zeitschrift für Oologie und Ornithologie" eingehender äußern. 

"Waldbaumläufer. 

Von sächsischem C. /mniliaris-Msiterial untersuchte ich 17 Leip- 
ziger Stücke der eigenen Sammlung und 7 Stücke des Dresdener 
Museums, von denen ich SIStücke insofern unberücksichtigt lassen 
mußte, da Jugendkleider vorliegen. An Vergleichsmaterial benutzte 
ich aus der eigenen, der Dresdener und der Münchener Sammlung 
24 Stücke aus verschiedenen Gegenden Baverns, 2 aus Anhalt, 
7 aus der Neumark, 3 aus Rnmänien und 31 aus Lithauen, Gali- 
zien, Wilna, Esth-, Kurland und Schweden, also insgesamt 21 säch- 
sische Untersuchungs- und 67 Vergleichsstücke. Betreffs der Fär- 
bung der Oberseite, die bei Beurteilung von familiaris und macro- 
dactyla in Frage kommt, bemerke ich zuvörderst, daß die unter- 
suchten Exemplare die Erlegungsdaten 13./10.— 30./3. tragen. Die 
vorliegende Gesamtreihe läßt erkennen, wie C. familiaris nach 
Osten hin zum Hellerwerden neigt. Die hellsten Stücke sind meine 



») V.O.G.B. 13, 1917, p. XVI. 

^) Orn. Monatsschr. 1916, p. 82, 274. 

13^ 



196 Schlegel: Sachs. Spechtmeisen und Baumläufer. TVerh. Orn. 

L Ges. Bay. 

Rumänen — das Dresdener macht eine Ausnahme — , die sich in- 
dessen kaum auffällig vom galizischen und russischen Material 
entfernen. Dieses wieder steht mit den Stücken aus der Neumark 
auf annähernd derselben Stufe. Hierauf folgen die Sachsen, die 
mir mit dem gesamten Materiale aus Bayern gleichgefärbt erschei- 
nen. Bei den Winterexemplaren aus dem westlichen Anhalt, die 
man schon der Lage des Fundortes nach als macrodactyla anzu- 
sprechen berechtigt ist, drängt sich, vielleicht nur zufällig, ein 
augenfälliges Rostfarben im Gesamteindruck auf. Ein Dominieren 
von Rostfärbung, die in einem Dresdener Exemplare kulminiert, 
scheint mir für das frisch vermauserte Kleid im Herbst die Regel 
zu sein, trifft aber auch für manche Winter- und Frühlings- 
exemplare zu. Hellmayr, mit dem ich mich längere Zeit über die 
Certhien unterhielt und dem ich für viele wertvolle Fingerzeige 
zu großem Dank verpflichtet bin, ist geneigt, die Sachsen zwischen 
Russen und Bayern zu stellen, betont indessen gleichzeitig, daß 
einem Systematiker, gewöhnt, nach großen Serien zu urteilen, 8 bis 
10 Exemplare nicht ausreichend erscheinen, diese Frage zu ent- 
scheiden. Wie schon 'oben angedeutet, vermag ich zwischen baye- 
rischem und sächsischem Material kein durchgreifendes, trennendes 
Moment zu entdecken. Im besonderen sei bemerkt, daß die Regel des 
Hellerwerdens nach Osten hin durch Ausnahmen unterbrochen wird, 
daß also mit einer gewissen Variationsbreite innerhalb auch enger 
begrenzter Verbreitungszonen zu rechnen ist. Es gibt dunkle fami- 
Uaris, die man ohne Kenntnis der Herkunft, sicher zu macrodactyla 
stellen würde. So können auch Russen sächsischen und neumärki- 
schen Stücken recht nahe kommen, und drei Neumärker neigen 
ebenfalls mehr zu dunkeln Sachsen. Die angedeuteten Unterschiede, 
helleres oder dunkleres Kolorit, sind lediglich begründet in der 
mehr oder minder rostig oder braun auftretenden Färbung der ba- 
salen und lateralen Federteile. Die helleren, weißlichen Feder- 
spitzen dominieren am auffälligsten beim östlichen Material, sind 
aber hier, wie auch innerhalb anderer Verbreitungsreihen kleinen 
Schwankungen unterworfen und bedingen mit den helleren oder 
dunkleren Gesamteindruck. 

Es sind somit hinsichtlich des Einordnens des sächsischen 
Materials zwei Möglichkeiten gegeben. Entweder verweisen wir 
die Sachsen auf 'die unterste Stufe der Variationsbreite des hellen 
famiUaris famiUaris, oder ziehen ihn zum dunkeln familiaris ma- 
crodactyla. Da nun der Variationsausschlag gegen familiaris fami- 
liaris ein recht auffälliger ist, sich aber unsere Sachsen von baye- 
rischen und thüringischen Stücken nach meiner Überzeugung nicht 
unterscheiden lassen, halte ich es persönlich für zwingender und 
natürlicher, die Sachsen besser mit Certhia familiaris macrodactyla 
zu identifizieren. Ich schließe mich in meinem Urteile damit auch 



XIV, 3, 

1920 



Schlegel: Sachs. Spechtmeisen und Baumläufer. 



197 



Systematikern an, die das familmris-Ma.tevia\ südlicher gelegener 
Breiten zwischen dem 12. — 14. Breitengrade — Bayern, Salzburg 
— ebenfalls macrodactyla zuweisen. 

An 17 Leipziger Bälgen, 8 Männchen, 8 Weibchen (1 gen.?, 
unberücksichtigt) stellte ich folgende Maße fest: Das Maß für 
die Kralle der Hinterzehe gibt nur die relative Länge, den gerad- 
linigen Abstand der Wurzel bis zur Spitze an und gibt auch so ein 
korrektes Bild über die verschiedene Krallenlänge von familiaris 
und hrachydactyla. 



Flügel: Männ'che'n:'61 



Weibchen: 55 



Schnabel: Männchen: 



68 mm: 1X61; 

3X64; 
64ram: 1X55; 

1X63; 

13,0— 15,0 mm: 



Weibchen: 11,0- 



1X62; 2X63; 

1X68 mm. 

2X59; 2X62; 

2X64 mm. 
1X13,0; 1X13,5; 
2X14,0; 2X14,5; 
2X15,0 mm. 
-13,0 mm: 1X11,0; 1X11,5; 

5X12,0; 1X13,0 mm. 

Kralle der Hinterxehe: Männchen: 9,0— 10,5mm: 2X9,0; 

3X9,5; 2X10,0; 
1X10,5 mm. 
Weibchen: 8,0— 10,0mm: 2X8,0; 

3X9,0; 3Xl0,0mm. 

Hieraus ist ersichtlich, daß hinsichtlich der Schnabellänge 
beim Maximum der Weibchen das Minimum der Männchen beginnt. 

Als Gewicht stellte ich von 1 Männchen und 2 Weibchen 
8,0—8,8 g fest. 

Gartenbaumläufer. 

Vom Gartenbaumläufer liegen mir 30 sächsische Stücke, 
19 Männchen und 11 Weibchen der eigenen Sammlung vor. Ver- 
gleicht man die Färbung der Oberseite mit der der sächsischen 
C. familiaris macrodactyla, so unterscheiden sich die Gartenbaum- 
läufer in der Serie im Allgemeineindruck hinsichtlich der vor- 
herrschenden Mäusegraufärbung recht gut erkennbar. Manche 
Stücke allerdings, dies trifft auch für meine Stücke aus Thüringen 
und Westfalen zu, zeigen eine so starke Neigung zu Rostfärbung, 
daß eine Unterscheidung von Waldbaumläufern nicht möglich ist, 
ja macrodactyla-StückQ grauer erscheinen können als solche von 
hrachydactyla. Es geht daraus hervor, daß eine Unterscheidung 
beider Arten nach der Rückenfärbung schon im Balge in nicht 
wenigen Fällen unmöglich ist. 

Flügel: Männchen: 58 — 67mm: 1X58; 

2X62; 
6X65; 



1X59; 2X61; 
4X63; 2X64; 
1X67 mm. 



Ges. Bay. 

Weibchen: 60— 62mm: 5X60; 5X61; 

1X62 mm. 

Schnabel: Männclien: 13,0— 20,0mm: 1X13,0; 1X13,5; 
1X14,0; 5X16,0; 2X16,5; 5X17,0; 
1X17,5; 1X18,0; 1X19,0; 1X20,0 mm. 

Kralle der Hinterxehe: Männchen: 7,0 — 8,0mm: 8X7,0; 

4X7,5; 7X8,0 mm. 
Weibchen: 7,0— 8,5mm: 5X7,0; 

3X7,5; 2X8,0; 1X8,5 mm. 
Einmal mißt die Techte Kralle 8, die linke 9,0 mm. 
Als Gewicht von 1 Männchen und 5 Weibchen stellte ich 
8,5—11 g- fest. 

Die geringen Schnabelmaße der drei zuerst aufgeführten Männ- 
chen (13,0—14,0 mm) vom 5./10., 5./10. und 20./3., die in die 
Variationsbreite kurzschnäbliger macrodactyla-Mmmoh^n herein- 
laufen und sogar die Maxima der Weibchen tangieren, halte ich 
für Ausnahmen, die ich auf jugendliche Exemplare zurückführe. 
Zum Schlüsse drängt es mich, allen den Herren, die mich mit 
Material so hilfreich unterstützten, auch an dieser Stelle meinen 
verbindlichsten Dank aussprechen zu dürfen, den Herren Prof, 
Dr. A. Jacobi, C. E. Hellmayr, W. Rüdiger, Hennemann und 
E. Völckel. 



lüon I ^®°^- A-ußereheliche Brüten. 199 



Aufsereheliche Brüten bei monogamen Vögeln und 
andere interessante Beobachtungen aus der Vogelstube. 

Von 

Reinhold Fenk (Erfurt). 

Lassen sich derartige Beobachtungen bei freilebenden Vögeln 
im allgemeinen seltenstens einmal machen — einzelne führt Herr 
Dr. W. Eckardt^) an — , so sind sie einem aufmerksamen Vogelpfleger 
nichts Ungewöhnliches. Welch ^eine Anziehungskraft auf ihm sonst 
absolut gleichgültig gegenüberstehende Männchen so ein im Liebes- 
rausch mit gelüftetem Gefieder dahockendes Weibchen auszuüben 
vermag, schilderte ich mehr als einmal in meinen früheren in der 
„Gefiederten Welt" erschienenen Beobachtungen und Zuchtberichten 
aus der Vogelstube, — schrieb auch, wie die illegitimen Väter sich 
um solche, einem flüchtigen Liebesrausch entsprungene Sprößlinge 
absolut nicht kümmern. Wenn Heinroth einmal von der Stock- 
ente schrieb, daß die weibliche streng monogam, die männliche 
dagegen in reingeschlechtlicher (lediglich in solcher) Beziehung 
polygam sei, könnte ich das von den Männchen der meisten Finken- 
arten, namentlich der kleineren wie Stieglitz, Zitronfink, heimische 
und fremde Girlitzarten u. a. wenigstens soweit es die Vogel- 
stubenbewohner angeht, fast auch behaupten. Sie mögen dreist fest 
eingepaart sein, mögen der Gattin gegenüber von größter Aufmerk- 
samkeit und Liebe sein, es hindert viele nicht, jede günstige Ge- 
legenheit zu einem Seitensprung zu benutzen; namentlich gern 
betreiben sie diesen reizvollen Sport, wenn die Gattin dem Brut- 
geschäft obliegt, um, wenn die Jungen dann da sind, wieder ganz 
ehrbusselige fleißig fütternde Väter zu werden. Ein neuer und 
noch frischkräftiger Trieb den anderen ablösend. Es ist sicher, 
daß dem wilden Männchen draußen die Gelegenheiten und vor 
allem die Anreize, deren die Vogelstube so viele bietet, gemeinhin 
fehlen, aber sie werden sich immerhin einmal bieten und — ich 
kann mir nicht denken, daß eine Gefangenschaftszeit in doch ziem- 
licher Freiheit, wie sie die große Vogelstube bietet, lediglich im- 



1) Orn. Mtsberichte 1919. p. 84. 



200 Fenk: Außereheliche Brüten. tYeTh. Ofn. 

'^^ L C^es. Bay. 

Stande sein sollte, einen Vogel zu ihm draußen vollständig fremd 
seienden Handlungen zu veranlassen, die doch genauer betrachtet, 
keineswegs unnatürlich erscheinen und in dem Triebleben Erklä- 
rung finden. 

Daß sie in der Tat auch in der Freiheit vorkommen, zeigen 
die Eckardt'schen Beispiele, zeigen nicht unwahrscheinlich auch 
die freiheitlich gefundenen Bastarde. Mögen solche in einer An- 
zahl Fällen schon einer richtigen Ehe entsprossen sein (wie ich 
das z. B. von den Fringilla montifringüla- X coe?e&s-Mischlingen, 
die namentlich in Holland des öfteren gefangen wurden — 
Snouckaert van Schauburg allein berichtet von fünf Fällen — ver- 
mute), haben sie sicher in den meisten Fällen den Vater nicht ken- 
nen gelernt, sei es, daß die brünstig hocherregte Mutter in momen- 
taner Ermanglung eines artgleichen Männchens einem artfremden 
Untertan war, sei es, und das dürfte meines Erachtens nach meist 
der Fall gewesen sein, daß ihr rechtmäßiger Gatte unmittelbar 
vor der Berührung von einem fremden Männchen mit dem ßecht 
des Stärkeren abgeschlagen wurde und das Weibchen — vielleicht 
im halben Rauschzustand — einer Überrumpelung verfiel. Wie 
oft beobachtete ich nicht gerade solche Fälle in der Vogelstube und 
von ähnlichen Vorkommnissen und Gewaltakten bei einer Vogel- 
gruppe, bei der auch in der Freiheit die meisten Hybriden gefunden 
wurden, berichtete 0. Heinroth in seinen, aber auch in allem so 
ungemein interessanten auf dem Internat. Ornith. Kongr. zu Berlin 
1910 vorgetragenen „Beitr. 2ur Biologie, namentlich Ethologie und 
Psychologie der Anatiden" i). 

Das Interessanteste für den Vogelpfleger sind auf solche Weise 
entstehende (immerhin selten genug vorkommende) Brüten, bei 
denen Stiefgeschwister, d. h. Kinder einer Mutter, aber verschie- 
dener Väter zugleich vorhanden sind. Ich selbst hatte das, ich 
möchte sagen „unerhörte Glück", diesen Fall nicht weniger als drei- 
mal in meinen Vogelstuben zu erleben. So zeitigte erstmalig die 
Brut eines in festem Eheverhältnis mit einem Hänflings-cf stehen- 
den Grünfinkenweibchens nichtsdestoweniger außer einem Hänf- 
lingsbastardweibchen zwei Stieglitzkinder, die allerdings zwei Tage 
später auskamen bezw. ausflogen als ihre Halbschwester und viel- 
leicht deshalb von dem Stiefpapa Hänfling wie von dem Grünfink- 
weibchen nicht mehr gefüttert wurden. Ich mußte solche deshalb 
nach anfänglich mühevollen selbsteigenen Päppelversuchen einer 
Kanarienmutter anvertrauen, die sie auch glücklich bis zur Selb- 
ständigkeit fütterte, worauf ich einen der sich als hübsche Männchen 
ausweisenden Burschen an den Berliner Zoologischen Garten abgab. 
Der zweite entwickelte sich zu einem famosen Sänger, der einen 



') Verhandl. d. V. Int. Om.-Kongr. p. 589—702. 



^^' ^'1 Fenkj Außereheliche Brüten. 201 

1920 J 

Stieglitzgesang von hüchster Vollendung hatte, mit einem eigenarti- 
gen, hübschen, gezogenen Rollen darin (wohl ein muttersstammliches 
Erbteil), auch war der Gesang scheinbar, und nicht zu seinem Nach- 
teil, von dem des Grauedelsängers (Graugirlitz = Poliospiza leucopy- 
gia Sund.) beeinflußt; obendrein brachte der Vogel noch — und 
zwar täuschend genau imitiert! — das wunderliebliche Trillern des 
kleinen Tigerfinken (Lagonosticta amandava L.) und niedlich 
schmetternde Krähen des Blauastrilds (Schmetterlingsfink = Urae- 
ginthus hengalus L.), welch' beidletzteres er später leider scheinbar 
wieder vergessen hatte. Noch weit interessanter wurde mir der 
Vogel insofern, als er — der Stieglitzgrünlings-Mischling — in der 
Tat mit einem Kanarien-Weibchen Nachzucht erzielte, also einer 
der mehr als seltenen, zuverlässigen Beweise für die Nichtunmög- 
lichkeit der Bastardweiterzucht i). 

Der zweite Fall betraf ein in Vogelliebhaberkreisen soge- 
nanntes Mövchen, jenen alten von den Japanern vermutlich aus 
einer Üroloncha-Art (etwa wie unseren gelben Kanarienvogel aus 
Serinus canarias canarias L.) herausgezogenen, in verschiedenen 
Farbenvarietäten vorkommenden Kulturvogel. Dieses mit einem 
Muskatfinken (Munia punctulata L.) festeingepaarte Weibchen 
brachte zu meiner grenzenlosen Überraschung in einer ihrer Brüten 
neben einem Muskatfinkenbastard noch den unzweifelhaften Sohn 
eines Kleinelsterchens [Spermestes cucullata Sw.). Da die Pracht- 
finkenpaare nun förmlich zusammengeschweißt sind, fast nie einen 
Platzwechsel vornehmen, ohne daß nicht der andere Gatte unmittel- 
bar folgt, — gemeinsam in ihre überwölbten Nester schlüpfen und 
aus ihnen kommen — , war mir dieser Fall noch um vieles über- 
raschender und nur durch die Streitbarkeit des, trotz seiner Klein- 
heit recht angriffslustigen, Kleinelsterchens allenfalls erklärlich. 
Sicher hat es letzteres verstanden, den zwar entschieden größeren, 
aber trägruhigen Muskatfinken einmal um die Früchte seines über- 
aus schnurrigen (von einem bauchrednerischen dünnen, mittig dem 
menschlichen Ohr überhaupt nicht mehr vernehmbaren Gesang be- 
gleiteten) Liebeshüpfens letztmomentig zu bringen. 

Sodann zeitigte die Alleinbrut eines gattenlosen Grünlings- 
weibchens zwei Sprößlinge, deren einer sich unzweifelhaft als il- 
legitime Tochter eines mexikanischen Karmingimpels (Kupferfink 
= Carpodacus mexicanus P. L. S. Müll.) erwies (das Stück wurde 
in der Februar-Sitzung der Deutschen Orn. Ges. 1914 von Herrn 
Geheimrat Reichenow vorgelegt, vgl. J. f. 0. 1914 pag. 292), das 
zweite Stück hingegen muß, wie ich zu meiner nicht geringen Über- 
raschung beim späteren Herausfangen bemerkte, unzweifelhaft einen 
Hänfling oder Leinzeisig (Äcanthis canndbina bezw. linaria 

») Vgl. Gef.Welt, 1911 p. 226; 1913 p. 337. 



202 Fenk: Außereheliche Bmtea, fVerh-Orn. 

L Ges. ßay. 
L.) als Vater gehabt haben. Aufzucht der beiden Halbgeschwister 
oblag ganz allein der Grünfinkin. 

Ganz eigenartig erging es einem Zitronenfinken {Chlorop- 
tila citrinella (L.)), der sich erstehig fest mit einem Kanarien- 
weibchen, nach deren Eingehen mit einer Grünfinkin einge- 
paart hatte, seinen Erwählten auch (von zwar häufigen aber 
doch nur momentanen, unverbindlichen Seitensprüngen abgesehen) 
unentwegt die Treue hielt. Er bekam nämlich von beiden 
Gattinnen anderer Väter Kinder, und zwar war die erste von 
einem Hänflings -cf gesegnet worden, während er in zweiter Ehe 
reine Grünfinken erhielt. Beidmalig zog er übrigens die 
Jungen, die nur nach urmenschlichem Eecht als die seinigen be- 
zeichnet "werden könnten, getreulich mit groß, während die eigent- 
lichen Väter sich nicht im mindesten darum kümmerten, was im 
zweiten Falle mindestens nicht unnatürlich gewesen wäre. Das 
Grünlings-cf war übrigens ein erst kurz vor der Paarungszeit 
eingeworfener alter Frischfang; verwunderlicher also wie das sich 
nicht fest Einpaaren der Grünfinken ist schon, daß ein solches nicht 
seitens der Zitronenzeisige, von denen ein Weibchen mitflog, ge- 
schah. 

'Anders wie der Grünling verfuhr ein B u c h f i n k e n h a h n 
(Fringilla coelebs L.), der von einem südamerikanischen Morgen- 
ammersperling (Zonotrichia pileata Bdd.) derart in Schach gehal- 
ten wurde, daß er weiland nur in den dichten Verstecken zu finden 
war, seinen Feind und damit das freie Licht ängstlich meidend. 
Konnte er sich also um brütende Gattin und später die Jungen 
nicht kümmern, fütterte er einen zum Ausfliegen gekommenen 
Sprößling, den er als Sohn kaum kennen konnte. In dessen Betteln 
lag wohl der Anreiz für ihn, auch mag mitsprechen, daß die Männ- 
chen vieler Finkenarten sich recht eigentlich erst der etwas älteren 
Jungen annehmen, deren Ernährung nach Flüggewerden ihnen 
hauptsächlich obliegt, machen sich ja die Weibchen oft genug bald 
nach dem Ausfliegen ihrer Sprößlinge schon an eine Neubrut. 

Einen noch weit interessanteren Fall erlebte ich bei einem 
Männchen Kleiner Safranfink (Sicalis minor Gab.), das sich 
mit einem Weibchen Großer Safranfink (Sicalis flaveola L.) 
fest eingepaart hatte. Als letzteres während des Brütens einging, 
brütete das Männchen die Jungen ganz allein weiter aus und 
brachte sie auch glücklich groß. 

Einen gleicherweise interessanten Fall erlebte ich bei einem 
Paar dunkelblauer Bischöfe {Oyanocom2:)sa cyanea (L.)), süd- 
amerikanischen Kernbeißerfinken, bei denen das Männchen übri- 
gens gleichfalls mitbrütete. Als die Jungen dieses Paares am fünf- 
ten Tage eingegangen waren, hatten beide Alten nichts eiligeres 
zu tun, als sich eifrigst auf die Mitfütterung in einem benachbarten 
Nest befindlicher Birkenzeisige (Acanthis Unaria L.) zu ver- 



^^^^•^'1 Fenk: Außereheliche Brüten. 203 

1920 J ^^^ 

legen, obwohl diese Kerlchen, am Ausfliegen stehend, wesentlich 
älter als die eingegangenen jungen Bischöfe waren, obwohl die Art 
ihnen fern genug steht und ein ganz merkwürdiger Kontrast 
zwischen den klobigen Bischofs- und winzigen Leinzeisig- 
schnäbeln bestand, obwohl sie obendrein von den alten Leinfinken 
darob angefehdet wurden. Sperrten die noch im Nest befindlichen 
Birkenzeisige gegenüber den Bischöfen, so weigerte sich diesbezüg- 
lich der Erstausgeflogene hartnäckig dem Bischofsweibchen gegen- 
über, das dem ins Ungewisse steuernden kleinen Kerl gefolgt war. 
Als alle Mühe dem Trotzkopf gegenüber nichts half, beklopfte das 
Bischofsweibchen sachte dessen Schnäbelchen und als solcher darob 
(oder weil er vielleicht doch Hunger nach dem anstrengenden Erst- 
flug ins Leben verspürte?) zu schreien begann, stopfte ihm das 
Bischofsweibchen eiligst eine Portion ein, so die sich noch öfter 
bietenden Gelegenheiten benutzend, bis der Knirps endlich will- 
fähriger wurde. Es war wirklich eigenartig und allerliebst anzu- 
sehen, welche Mühe sich das Bischofsweibchen gab und mit welcher 
Sorgfalt ihr klobiger Schnabel das winzige Schnäbelchen des Lein- 
zeisigs behandelte. Das Bischofs mann che n fütterte die jungen 
Leinfinken getreulich weiter, auch nachdem solche längst selb- 
ständig waren, es selbst wieder Junge hatte und auch diese flügge 
geworden waren. — Bemerken möchte ich übrigens, daß sich Birken- 
und auch Erlzeisige gern selbst außerhalb der Brutzeit (auch beide 
Arten untereinander) aus dem Kropf füttern. 

Schrieb ich eingangs dieser Skizze, wie wenig treu sich in ero- 
tischer Beziehung bei aller sonstigen Treue vielfach die Vogelmänn- 
chen in Gefangenschaft zeigen, so muß ich ebenfalls analog Hein- 
roths Anatiden-Beobachtungen die Treue der Kleinvogelweibchen 
hervorheben, ohne mich deretwegen in Lobpreisungen ob solch 
scheinbarer Moral ergehen zu können. Die Gattentreue, die Mono- 
gamie der Weibchen ist praktisches Naturgesetz. Kann eine Nei- 
gung der Männchen zu Seitensprüngen immerhin von einem ge- 
wissen Nutzen für die Arterhaltung bezw. Mehrung sein, könnte 
nur ein Schaden herauskommen, wenn auch die Weibchen dem 
Wechsel frönten, denn dann würde ja eine geordnete Brutpflege 
wegfallen. Beim Kuckuck ist denn ja auch das eine mit dem an- 
deren der Fall, mußte bei der Holle, die dieser Vogel im Naturhaus- 
halte spielt und die ihn zum Nesterparasitismus zwingt, der Fall 
sein, auf das Warum hier näher einzugehen, würde zu weit führen, 
ich verweise dieserhalb u. a. auf Altum's „Der Vogel und sein 
Leben". Nur im scheinbaren Widerspruch zu oben Gesagtem steht 
die so häufig namentlich bei Raubvögeln beobachtete Tatsache, 
daß sogar in der Brutpflege befindliche Weibchen bei Gattenver- 
lust häufig baldigst einen Ersatzgemahl finden und annehmen; 
ein Männchen ist nun einmal bei der Brutpflege wichtig genug 



^04 Fenk: Außereheliche Brüten. TVerh. Öm. 

L Ges. Bay. 

bezw. vom Vorteil und das von erkünstelter menschlicher Gefühls- 
simpelei freie Weibchen nimmt denn eben einen Ersatzmann, wenn 
es den altangepaarten verloren hat. 

Zum. Schluß noch ein bereits von mir in der Gefiederten Welt 
von 1913 geschildertes Ergebnis, das zeigt, wie bald reif die Pracht- 
finken werden. An der Brutpflege eines Paares Amadina fasciata 
meridionalis Nzg. X A. fasciata fasciata Gm. (Südafrik. X gemeiner 
Bandfink) beteiligte sich ein Männchen Amadina erythrocephala 
L. (Paradies- bezw. Rotkopfamandine). Die Geschlechter der Aman- 
dinen sind beim Ausfliegen bereits erkennbar und so konnte ich 
alsbald konstatieren, daß sich besagtes Männchen der ausschließ- 
lichen Pflege eines jungen Bandfinkenweibchens widmete, „es 
mündig päppelnd und sich zur eigenen Gattin erziehend. Das 
Weibchen war noch nicht ein halbes Jahr alt, als es schon Eier 
hatte, und wenn das erste Gelege auch nicht bebrütet wurde, so 
doch das bald folgende zweite; noch nicht dreiviertel Jahr alt 
war das junge Ding schon Mutter, brachte mir dann noch zwei 
Brüten der hübschen dreifachen Mischlinge, bis es durch ein Ver- 
sehen statt einer jüngeren Schwester weggegeben wurde". Der 
Fall zeigt zugleich einmal mehr wie die Mischlinge zweier Formen 
bezw. Eassen normalerweise unbedingt fortpflanzungsfähig sind. 
Die ^ meisten diesbezüglichen Beispiele erbrachten die Girlitz- 
Kanarien-Mischlinge, die sich bekanntlich auch unter sich häufig 
als fortpflanzungsfähig erwiesen, ein Beweis mehr für die Art- 
gleichheit von Girlitz und Kanarienvogel. Im Gegensatz dazu 
wurde von Mischlingen zweier Arten bislang nie unter sich und 
nur in den allers eltensten Fällen mal Nachzucht mit einem, einer 
der Eltern- oder Verwandten-Arten angehörenden Vogel erreicht. 
Solcherart geglückte Zuchten sind derart selten, daß auch heute 
Bastarde bei den meisten Vogelzüchtern direkt als unfruchtbar 
gelten, zumal noch ein Teil der berichteten Fälle nicht einwand- 
frei ist. — Ich selbst erzielte, wie schon weiter oben bemerkt, 
einmal sicher Nachkommenschaft von einem Stieglitzgrünlings- 
Mischling und einem Kanarienweibchen. Ein groß gewordenes und 
länger gekäfigtes Stück ähnelte wie sein Vater sehr den Stieglitz- 
Kanarien-Mischlingen, war aber wie ersterer entschieden dick- 
köpfiger und trug sich auch in der Haltung grünfinkenartig. Von 
dem groß gewordenen Exemplare einer späteren Brut darf ich mit 
Sicherheit nicht behaupten, daß es ein Stieglitzgrünling- X Kana- 
rien-Mischling ist, da auch ein Stieglitz mitflog. Nach den eingangs 
geschilderten Erfahrungen kann immerhin die Möglichkeit vor- 
liegen, daß der Distelfink einen günstigen Moment, eine schwache 
Alinute des Kanarienweibchens nutzte, obwohl das in diesem be- 
sonderen Fall so gut wie ausgeschlossen scheint, da der entschieden 
kräftigere Stieglitzgrünling den Distelfink, sobald sich solcher im 



^^^' ^' Fenk: Außereheliche Brüten. 205 

1920 J ^^^ 

freien Räume blicken ließ, verjagte, im übrigen — Bastarde sind 
nicht nur kampffrohe, sondern naturgemäß im Gegensatz zur fast 
mangelnden Fortpflanzungsfähigkeit recht verliebte Gesellen — 
auch ein ungemein aufmerksamer Liebhaber war. 

Scheinen vorstehend geschilderte Erlebnisse eigentlich nur für 
den Vogelpfleger Interesse zu haben, gab ich die Ausführungen 
weit weniger deswegen als vielmehr in dem Bestreben, unsere Be- 
obachtungsornithologen anzuregen, nach Gleichartigem und Gegen- 
sätzlichem bei der freilebenden Vogelwelt Ausschau zu halten. 
Psyche und Sittenkodex unserer freilebenden Vögel haben bisher 
herzlich wenig Beachtung gefunden und kein ornithologisches Feld 
ist noch so von eitel Unkraut sich fortgeerbt habender Überliefe- 
rungen und nur scheinbar selbstverständlicher Annahmen über- 
wuchert als dieses, umsomehr ist anzunehmen, daß es bei richtiger 
Beackerung und Bearbeitung gute Früchte tragen wird. 



206 Laubmaon: Beiträge zur bayr. Ornithologie. I *®™- ^™* 

L Ges. Bay. 



Beiträge zur bayrischen Ornithologie. 

Von 

A. Laubmann (Kaufbeuren). 
I. Winterlbeobachtungeii aus dem bayrisclien Yoralpenland. 

Im Monat Februar des Jahres 1919 hielt ich mich einige Zeit 
(vom 12. — 17. IL) in Kochel am Kochelsee auf und durchstreifte 
die reizvolle Gegend, so gut es in Anbetracht der damals herr- 
schenden tiefen Verschneiung eben ging, nach allen Eichtungen, 
um eine möglichst vielseitige Ausbeute an ornithologischem Beob- 
achtungsmaterial zu erhalten. Die Witterungsverhältnisse waren 
dabei in den wenigen Tagen die denkbar günstigsten. Vom 12. bis 
14. Februar herrschte klares, sonniges, aber auch sehr kaltes "Wet- 
ter mit Temperaturen bis zu 15 ^ C. unter dem Nullpunkt, wäh- 
rend in der Nacht zum 15. IL sehr starker Föhn losbrach, unter 
dessen Einfluß die Temperatur in den nächsten Tagen recht we- 
sentlich in die Höhe ging, um am 17. IL in richtiges Tauwetter 
umzuschlagen. 

Da sich meine Aufzeichnungen in einem zeitlichen Gegensatz 
befinden mit den Beobachtungen Stresemann's i), der sich in der 
Brutperiode in dem gleichen Gelände aufgehalten hat, so dürfte 
es vielleicht nicht uninteressant sein, wenn ich auf die bemerkens- 
werteren Arten, die ich beobachten konnte, hier kurz etwas näher 
eingehe. 

1. Certhia famiUaris macrodactyla Brehm. — Den Waldbaum- 
läufer konnte ich in den verschneiten Bergwäldern des Kochel- 
Walchenseegebietes mehrfach beobachten. So traf ich die Art am 
13. IL auf dem Weg von Kochel über den Kesselberg zum Herzog- 
stand unweit des Unterkunftshauses auf tief mit Schnee bedeckten 
Fichten verschiedentlich an. Am 15. IL konnte ich den Waldbaum- 
läufer relativ zahlreich in den Hochwäldern entlang des Weges 
von Sachenbach am Südostwinkel des Walchensees über den Weiler 
Berg bis zum Dorf Jachenau beobachten 2). 



») Verh. Orn. Ges. Bayern 13, 4, 1918, p. 337—345. 

^) Am 12. Februar konnte ich in den Bäumen längs der vom Bahnhof 
Kochel zum Gasthaus „zum grauen Bär" führenden Landstraße einen Baumläufer 



XIV 3 T 

' ' I Laubmann: Beiträge zur bayr. Ornithologie. 207 

2. Parus atricapiUus suhs]^.?^). — Auf Weidenmeisen traf ich 
am 13. IL bei Gelegenheit der Besteigung des Herzogstandes (1731 
Meter). An den Hängen dieses Berges hört ungefähr in einer Höhe 
von 1300 Metern der geschlossene Waldbestand auf, und geht dann 
allmählich in Alpenmatten mit eingesprengten Latschenfeldern über, 
welche sich im Gehänge noch weit über das Unterkunftshaus em- 
porziehen. Diese Latschenfelder bildeten, soweit sie im Sonnen- 
bereich lagen, den Tummelplatz für eine beträchtliche Anzahl Wei- 
denmeisen, deren rauhe däh-däh-Rufe man hier recht häufig ver- 
nehmen konnte. Ich konnte die Vögelchen in den niederen, nur 
wenig über die tiefe Schneedecke emporragenden Beständen der 
Bergkiefer, die in der Hauptausdehnung gegen Süd- Osten zu ge- 
legen, die ganze Sonnenwärme aufnehmen können, überall umher- 
huschen sehen, wie sie sich bald hier, [bald da an den Latschen- 
zweigen zu schaffen machten. Von Rufen höre ich meist nur das 
bekannte däh-däh, hie und da geht dem däh-däh noch ein sit oder 
sit-sit voraus, so daß der ganze Ruf sit-däh, sit- däh-däh, sit-sit- 
däh oder auch sit-sit-däh-däh lautet. Übrigens wird auch oft- 
mals das sit oder däh ganz allein gebracht. Außerhalb der Lat- 
schenfelder habe ich 'die Meise nicht angetroffen. Der hiermit 
erbrachte Nachweis des Vorkommens unserer Meise im winterlichen 
Gebirge erscheint von einigem Interesse für die Biologie der Form 
zu sein. ' ' " ^ 

3. Dryobates leucotos leucotos (Bechst.). — Am 12. IL, einem 
herrlichen, kalten Wintertag, traf ich in einem alten, zum Teil 
mit überständigen Buchen durchmischten Fichtenhochwald auf einer 
durch Windbruch entstandenen Blöße einen Weißrückenspecht, der 
an dem dürren Ast einer alten Buche hing und eifrig hämmernd 
nach Nahrung suchte. Der Vogel war so intensiv beschäftigt, daß 
ich ihn lange aus der Nähe beobachten konnte. 

Während Stresemann^) den Dreizehnspecht, Picoides iri- 



beobachten. Da ich von dem Vogel jedoch keinerlei Lautäußerungen vernehmen 
konnte, so wage ich über die Artzugehörigkeit keinerlei Urteil auszusprechen. 
Mögliclierweise mag es sich hier um Certhia hrachydactyla hracJiydactyla Brehm 
gehandelt haben, doch erwähnt Stresemann (Verh. Orn. Ges. Bayern 13, 4, 1918, 
p. 342) den Gaxtenbaumläufer in seiner oben angeführten Arbeit überhaupt nicht, 
bemerkt im Gegenteü bei der Besprechung des "Waldbaumläufers noch besonders : 
,,Nur diese Baumläuferart bekam ich von Kochel aufwärts zu Gehör." 

1) Die systematische Formzugehörigkeit unserer voralpinen Mattkopf-Sumpf- 
meisen ist immer noch nicht in befriedigender "Weise klargelegt. Ich ziehe es 
daher vor, die "Weidenmeisen des Herzogstandgebietes unter "Vermeidung der 
Festlegung auf irgend einen Namen in obiger Art und "Weise anzuführen. Nach 
den neuerdmgs von Stresemann (Journ. f. Ornith. 67, 1919, p. 291—297) ge- 
machten Vorschlägen käme für unsere Vögel vielleicht die folgende Bezeichnung 

in Betracht: Parus atricapillus montanus Baldenstein -^ salicarius Brehm. 

=') Verh. Orn. Ges. Bayern 13, 4, 1918, p. 343. 



208 Laubmann: Beiträge zur bayr. Ornithologie. 1 "®'^"- ^^°' 

I_ Ges. Bay. 

dactylus älpinus Brehm, den ich während der kurzen Dauer des . 
Aufenthaltes im Kochel- Walchenseegebiete weder sah noch hörte ^), 
für das genannte Gelände als relativ sehr häufig bezeichnet hat, 
ist demselben wiederum die andere seltene Spechtart, die unser 
Voralpenland bewohnt, eben der Weißrückenspecht oder Elster- 
specht, nicht zu Gesicht gekommen. 

In einer Arbeit ,, Beobachtungen seltener Brutvögel Ober- 
bayerns im Frühjahr 1909" hat Stresemann^) versucht, einen 
Überblick über die Verbreitung dieses Spechtes bei uns im Alpen- 
vorland zu geben und damals konnte er als sicheren oder doch sehr 
wahrscheinlichen Brutbezirk nur das Gebiet der Benediktenwand 
und die Umgebung von Kreuth anführen, wo nach den Beobach- 
tungen von Forstmeister Münch das Brüten unseres Spechtes sehr 
wahrscheinlich geworden war. Nun kann als vermutlich neues 
Brutgelände die Umgebung von Teisendorf bei Laufen in Ober- 
bayern angefügt werden, woselbst nach den Aufzeichnungen in den 
„Materialien"^) am 17. Mai 1907 ein weiblicher Vogel erlegt 
worden ist, der einen Brutfleck aufgewiesen hat. Daß die Art 
auch im Bayerischen Wald zur Brut schreitet, diese Kenntnis ver- 
danken wir den Beobachtungen (Rachelgebiet ; Finsterau) von Geng- 
ier*) und Schlegel 5). 

Was endlich das Vorkommen des Weißrückenspechtes im Ee- 
gierungsbezirk von Schwaben und Neuburg betrifft, so liegen uns 
hierüber nur äußerst dürftige Nachrichten vor. Wiedemann®) 
schreibt in seinem trefflichen Werkchen über die Avifauna unseres 
Kreises : „Ein Bewohner des östlichen Deutschlands, kommt der 
weißrückige Specht bei uns nur vereinzelt in den Laubwäldern und 
Vorhölzern der schwäbischen Alpen vor. Seit vielen Jahren sind 
nur in der Umgegend von Immenstadt 4 Exemplare erlegt worden, 
welche sämtlich im Frühjahre, also wahrscheinlich auf dem Zuge 
geschossen wurden. Als Brutvogel ist diese Art noch nicht be- 
obachtet worden." Jäckel') gibt ihn für die Allgäuer Alpen als 
am Grünten nicht selten vorkommend an, eine Anschauung, die 
lediglich auf der auch schon von Wiedemann angeführten Erlegung 
jener 4 Exemplare vom Grünten aus der Immenstädter Gegend 



') Stresemann berichtet 1. c. von dem eifrigen „Schnurren" gerade dieser 
Spechtart. 

^) Ornith. Monatsber. 18, 1910, p. 38. 

5) Verh. Orn. Ges. Bayern 9, 1909, p. 115. 

*) Verh. Oni. Ges. Bayern, 11, 3, 1913, p. 202. 

») Ornith. Jahrbuch 23, 1912, p. 108; Journ. f. Ornith. 62, 1914, p. 258; 
vgl. auch Verh. Orn. Ges. Bayern 13, 4, 1918, p. 335. 

•) 30. Jahresber. nat. Ver. Augsburg 1890, p. 86. 

■') Jäckel, Syst. Übersicht Vögel Bayern 1891, p. 84. Über das sonstige 
Vorkommen dieses Spechtes in Bayern vgl. Jäckel, Abh. Zool. Min. Ver. Regens- 
burg, 1, 1849, p. 43. 



XIV 3 T 

' ' I Laubmann: Beiträge zur bayr. Ornithologie. 



209 



begründet ist. Nach den Ausfiihrung-en Jäckel's wurden diese Stücke 
von einem Obergeometer Stark von Tmnienstadt erbeutet'). Strese- 
mann^) weiß den Jäckerschen Darle^ung:en nichts hinzuzufügen 
und in den „Materialien" ^) unserer Gesellschaft findet sich ledig- 
lich ein einziger Hinweis auf das Vorkommen unserer Art in 
Schwaben. So berichtet Chr. D. Erdt über ein 9> das am 27. Ok- 
tober 1905, also im Herbst, bei Oberstdorf erlegt worden ist. 
Hiermit sind die Angaben über das Auftreten des Weißrücken- 
spechtes im Schwäbischen erschöpft. Es liegt also, wie wir ge- 
sehen haben, kein einziger Bericht über das Vorkommen dieses 
Spechtes zur Brutzeit aus Schwaben vor und doch glaube ich, 
müßte es gelingen, die Art für unser schwäbisches Voralpenland 
auch zu dieser Zeit nachzuweisen. Nach den übereinstimmenden 
Berichten aller Autoren, welche über die Art geschrieben haben, 
scheint der Weißrückenspecht Laubwaldungen zu bevorzugen, da- 
gegen reine Nadelholzbestände mehr oder weniger vollständig zu 
meiden, und dieser Umstand mag es wohl auch sein, der das Auf- 
treten der Art bei uns zu einem so ausgesprochen lokalen macht. 
4. Mergus merganser merganser L. — Wir verdanken Strese- 
mann*) exakte Nachrichten über das Brutvorkommen des Gänse- 
sägers am Walchensee. Über das Verbleiben der Art am See den 
Winter über war bisher noch nichts bekannt geworden. Nun ge- 
lang es mir am 15. II. in der Bucht beim Weiler Sachenbach nahe 
dem Ufer 1 cf 2 99 zu beobachten. Ein weiteres cf sah ich später 
noch etwas weiter draußen im See schwimmen. Bekanntlich friert 
der Walchensee im Gegensatz zum Kochelsee auch in sehr strengen 
Wintern nicht zu und bildet so einen herrlichen Winteraufenthalt 
für den großen Säger. Daß es sich bei den von mir beobachteten 
Vögeln um die von Stresemann festgestellten Brutexemplare han- 
delt, ist wohl mit Sicherheit anzunehmen^). 

*) In der zoologischen Sammlung der Realschule zu Kaufbeuren, die durch 
den seinerzeitigen Rektor Buchner begründet und gefördert worden ist, fand ich 
ein ^ des Weißrückenspechtes aus dem Winter 1849/50 aus der Umgebung von 
Immenstadt, welches von „Herrn Bezirksgeometer Stark" geschenkt worden ist. 
Ich glaube mit Bestimmtheit annehmen zu können, daß es sich hier um eines 
der von Jäckel, 1891, p. 84 erwähnten Exemplare handelt. 

*) Orn. Monatsber. 18, 1910, p. 38. 

») Verh. Om. Ges. Bayern 7, 1908, p. 103. 

♦) Om. Monatsber. 1910, p. 33—36; Verh. Om. Ges. Bayern 13, 4, 1918, 
p. 344—345. 

*) Darüber, ob die Säger auch in den Wintermonaten auf dem Walchensee 
angetroffen würden, habe ich in der Literatur nichts m Erfahrung bringen können. 
Irgendwelche Beobachtungen über diesen Punkt liegen da bisher nicht vor. Das 
einzige, früheste Beobachtungsdatum, das bekannt wurde, stammt von Stresemann 
(Om. Monatsber. 1910, p. 33), der am 23. April 1909 die Vögel am See ange- 
troffen hatte. Dieses Datum ist aber schon viel zu weit in die Frühjahrsmonate, 
an den Beginn der Brutzeit, vorgerückt, als daß es geeignet wäre, irgendwelche 
Rückschlüsse auf den Winteraufenthalt der Säger am Walchensee zu rechtfertigen. 

14* 



210 Laubmann: Beiträge zur bayr. Ornithologie. 1 "®^"- ^•■°' 

L Ges. Bay. 

n. Alifzeicilnungeii aus dem AUgäu. 

1. Aeantliis Unaria cabaret (P. L. S. Müller). — In der Zeit 
vom 3. — 8. Juli 1919 befand ich mich auf einer ornithologischen 
Tour in den Allgäuer Bergen, deren Hauptzweck der Beobach- 
tung alpiner Arten gewidmet war. Am 5. Juli bestiegen wir — 
meine Frau und ich — von Oberstdorf aus das Nebelhorn. Bei 
dieser Gelegenheit gelang es uns, auf dem Seealptalboden bei der 
hinteren Seealpe, einer kleinen, unscheinbaren Gaisalpe, an der 
Stelle, wo einzeln stehende Tannen den Übergang von der geschlos- 
senen 'Waldzone zu den Hangwäldern und Latschenbeständen ver- 
mitteln, einen ganzen Flug des Alpenleinzeisiges zu beobachten. 
Die Vögelchen, die sich auf den stark von Flechten überwucherten 
Wettertannen, umherliegenden Felsblöcken und einem aus Fallholz 
gebildeten Viehhag, nach Nahrung suchend umhertrieben, waren 
so wenig scheu, so daß wir uns in manchen Fällen bis auf wenige 
Schritte nähern konnten, um auch ohne Glas die rote Färbung 
gut erkennen zu können. Die Stimme des Alpenleinzeisiges ist 
ein Knarren oder Ratschen wie tschätt tschärr tschärr tschätt 
tschärr tschärr; manchmal, wenn der Schwann sich etwas aus- 
einandergezogen hatte, hörte ich auch noch Lockrufe wie hui oder 
huied, ähnlich dem bekannten Lockruf des Weidenlaubvogels. Am 
nächsten Tage, am 6. Juli, trafen wir beim Abstieg vom Nebel- 
horn die Vögelchen wieder an der gleichen Stelle an und konnten 
nochmals unsere Beobachtungen vom Tag vorher ergänzen. 

2. CMoropHla citrinella citrmella (Fall.). — An dem gleichen 
Platze, dem in ornithologischer Hinsicht ganz außerordentlich in- 
teressanten Seealptal-Boden, konnte ich auch noch jene andere 
alpine Finkenart, den Zitronenzeisig, beobachten. Beim Aufstieg 
zum Nebelhorn am 5. VIL überflogen zwei Exemplare, an dem 
grüngelbleuchtenden Bürzel gut kenntlich, den Talboden zwischen 
der vorderen und hinteren Seealpe, vom Südhang nach den Wäl- 
dern des Nordhanges hinstrebend. An diesem Tage trafen wir sonst 
nirgends mehr auf die Art. Dagegen stießen wir am kommenden 
Tag, dem 6. VH., beim Abstieg an der gleichen Stelle, unweit des 
kleinen, schon oben erwähnten Ziegenstalles, in den Wettertannen 
auf einen kleinen Flug. Ein altes Männchen machte sich längere 
Zeit am Gebälk einer der zerstreut liegenden Heuhütten zu 
schaffen, um sich an dem hier reichlich vorhandenen Gesäme zu 
laben, und ließ uns dabei so nahe heran, daß Avir auch ohne das 
Glas zu gebrauchen, die Farben Verteilung genau erkennen konnten. 
Einige Zeit später trafen wir nochmals einige Vögel auf den mit 
Felstrüramern übersäten Matten bei der vorderen Seealpe an, da 
wo der Weg sich gegen den Faltenbach hinabsenkt. Hier flogen 
zwei Exemplare immer vor uns her, bis das eine van den beiden 
nach den seitlichen Hängen abbog und versuchte, mit ängstlichen 



XIV 3 ~\ 

' ' I Laiibmann: Beiträge zur bayr. Ornithologie. 211 

dti-dü-dü-dü-T?iifen das andere Exemplar sich naclizulockeii. Am 

4. VII. traf ich im Oj^tal gleich hinter der Gastwirtschaft auf 
den Wipfeln der am Rande des Flußbettes sich hinziehenden Fich- 
ten einen Vogel, der einem auf den hier zerstreut umherliegenden 
Felsblöcken sitzenden Jungen gar angstvoll unter dem gleichen 
Flugbild wie das eben erwähnte Exemplar von der Seealpe mit 
den gleichen dü-dü-dü-Eufen lockte. Auch dieser Vogel war un- 
zweifelhaft ein Zitronenzeisig ; nur machte es damals die bei Sonnen- 
untergang ungünstige, grelle Beleuchtung immöglich, den Vogel mit 
dem Glas richtig anzusprechen. Hinsichtlich seines Gesanges steht 
der Zitronenzeisig wesentlich höher als der Alpenleinfink. Sein 
Liedchen steht ungefähr in der Mitte zwischen dem des Distel- 
finken und Girlitzes. Ein Herr, den wir auf dem Gipfel des Nebel- 
horns getroffen hatten, machte uns darauf aufmerksam, er habe 
in den Latschenbeständen in der Nähe des Unterkunftshauses 
harzerähnlich aussehende und auch so singende kleine Vögel be- 
obachtet ; natürlich sind auch das nur Zitronenzeisige gewesen. 

3. AntMs spinoletta spinoletta (L.). — Der 1276 m hochge- 
legene Secalptal-Boden bildet in seiner ganzen Ausdehnung von der 
vorderen Seealpe an entlang dem Laufe des Faltenbaches bis hinter 
zur sog. „Fischerrinne" einen Haupttummelplatz für den Wasser- 
pieper, der hier auf Felstrümmern und Geröllblöcken längs des 
Baches sowohl im Sitzen wie im Fliegen sein psi-psi-gli-gli-bit-bit- 
ertönen läßt. Auch Balzflüge, wie wir sie ähnlich von Baum- 
und Wiesenpieper gewöhnt sind, konnten wir hier beobachten. 
Die Zone der Latschenbestände schien der Vogel zu meiden, wohl 
aber kam er oben über der Latschenzone oberhalb des Nebelhorn- 
hauses auf den mit Felsblöcken und reichen Schneefeldern über- 
deckten Alpenmatten — das Gebiet ist ob seiner reichen und äußerst 
interessanten Alpenflora weithin berühmt — wieder sehr zahlreich 
vor. (Zeit der Beobachtung: 5. und 6. VIL 1919.) i) 

4. Certhia familiaris macrodactyla Brehm. — In den Berg- 
wäldern um Oberstdorf fehlt der Waldbaumläufer wohl nirgends. 
So traf ich diese Art am 4. VII. 1919 auf dem Weg in das Oytal 
und am 6. VII. in mehreren Exemplaren in den Wettertannen auf 
dem Seealp-Boden. — Stresemann (in lit.) traf die Art am 28. V. 
1919 in einem Pärchen im Kurpark von Wörishofen an und ich 
konnte sie auch für die Umgegend von Kaufbeuren mehrfach 
nachweisen. 

5. Certhia hrachydactyla hracliydactyla Brehm. — Den Garten- 
baumläufer habe ich am 6. VII. 1919 in Oberstdorf in den Kasta- 
nien bei der Loretto-Kapelle an seinem Lockruf erkennen können. 

^) Neuerdings habe ich die Art auf dem Durchzuge auch an der Wertach 
bei Kaufbeuren im Allgäu angetroffen, so am 3. November 1919; 4. Nov.; 

5. Nov.; 12. Nov.; 13. Nov.; 28. Nov. 

14* 



212 Laubmann: Beiträge zur bayr. Ornithologie. j Verh.Orn. 

L Ges. Bay. 

Bei Burgberg am Grünten unweit von Sonthofen im AUgäu hörte 
ich ein dieser Art angehörendes Exemplar am 7. VII. in dem Obst- 
garten eines Bauernhofes sein charakteristisches von Kleinschmidt i) 
trefflich mit „ditt deh di leh hih" wiedergegebenes Lied singen. 
Bei Kaufbeuren, namentlich in den Gärten und Alleen der Stadt, 
ist diese Art sehr häufig ; doch habe ich hier den Gartenbaumläufer 
auch in den Auwaldungen an der Wertach angetroffen. 

6. Parns atricapiUus subsp.?^) — Merkwürdigerweise habe ich 
in den ausgedehnten Latschenbeständen am Nebelhorn die hier 
sicher vermutete Weidenmeise nicht angetroffen 3). Und doch bin 
ich überzeugt, daß die Art sicher dort vorkommt. In der Umgebung 
von Kaufbeuren (Gennachhauser Moos) sowie am Eibsee bei 
Aitrang, ferner am Falkenstein bei Pfronten (2. VI. 1919) konnte 
ich das Vorkommen dieser Art nachweisen. 

7. Lanius Senator Senator L. — Am 28. VII. konnte ich alte 
und junge Exemplare dieser bei uns nur selten vorkommenden 
Würgerart unweit des kleinen Weilers Gehren an der Landstraße 
zwischen der Ortschaft Ob und Markt Oberdorf in der Nähe eines 
Obstgartens beobachten. Ohne Zweifel haben die Vögel hier an 
Ort und Stelle gebrütet. 

8. Phyllosoopus honelli honelli (Vieill.). — Bei Oberstdorf 
hörte ich den Berglaubvogel nur recht spärlich am 4. VII. 1919 auf 
dem Weg zum Kühberg und ein zweites cf schwirrte am Eingang 
ins Oytal an den Schaf hof hängen*). Am 7. VII. hörte ich verein- 
zeltes Schwirren an den lUertalhängen zwischen Oberstdorf und 
Fischen. Erst hinter Pfronten an den Hängen des Salober und 
Btirkenbichler Berges wurde die Art häufiger, um bei Füssen recht 
zahlreich zu werden. Am 8. VII. kann ich die Art das ganze Lech- 
tal entlang von Füssen bis nach Roßhaupten verfolgen. Von hier 
weg entsteht nun aber eine Verbreitungslücke bis in die Umgegend 
von Kaufbeuren, wo ich die Art schon wiederholt nachweisen 
konnte (31. V. 1917; 10. VL 1917; 22. VL 1917; 27. VI. 1917; 
12. VII 1917; 17. V. 1918; 18. V. 1918; 26. V. 1918; 8. VIL 1918; 
9. VL 1919; 26. VIL 1919). Für die Gegend am Eibsee bei 
Aitrang konnte ich die Art am 16. VL 1919 einwandfrei nach- 
weisen. 

9. PruneUa collaris coUaris (Scop.). — Am 6. VIL 1919 hörte 
ich Im Morgengrauen auf dem Weg vom Nebelhornhause zum Gipfel 

M Kleinschmidt, Singvögel der Heimat, 1913, p. 82. 

') Vgl. oben p. 207 Fußnote 1. 

') Im August 1917 fand ich diese Meise auf dem Wege zum Nebelhom- 
hause oberhalb des Seealpbodens in mehreren Paaren. — C. E. H. 

*) Ich traf den Berglaubsänger in den Jahren 1909 (siehe diese „Verhand- 
lungen" 10,. 1911, p. 30) und 1917 in der Umgebung von Oberstdorf an allen 
geeigneten örtlichkeiten recht häufig an. Besonders zahlreich ist er in einem 
Nadelbestande am Eingang ins StUlachtal. — C. E. H. 



XIV 3 ~\ 

' ' I Laubraann: Beiträge zur bayr. Ornithologie. 213 

(2224 m), aiif dem Gipfel selbst sowie in den Wänden der an- 
liegenden Spitzen trotz der sehr starken Verschneiung das lerchen- 
ähnliclie Lied der Alpenbraunelle und konnte auch den Sänger 
selbst mit dem Glas in dem Felsgewirr entdecken. Ich habe 
die Art nur liier oben angetroffen. 

10. Ptyo7ioprogne rupestris rupestris (Scop.). -- Auch im heu- 
rigen Jahre konnte ich am Falkenstein bei Pfronten die Felsen- 
schwalbe wieder beobachten. Am 2. VI. 19 bemerkte ich an der 
sog. „Einsiedelei" kurz unterhalb des Gipfelhauses an einer Stelle, 
welche einen herrlichen Ausblick in das schöne Vilstal bietet, wie- 
der zwei Exemplare, die in schnellem Flug in dem Steilabsturz 
gegen das Vilstal hinab verschwanden. Eine Vergrößerung der 
Kolonie seit 1916 scheint nicht eingetreten zu sein, nachdem ich 
außer diesen keine weiteren Exemplare mehr wahrnehmen konnte. 



214 Stresemann: Verbreitung der Baumläufer etc. I ^^ ' ^^' 

L Ges. Bay. 



Nachträge zur Verbreitung der Baumläufer, 
Schwanzmeisen und Gimpel. 

Von 

Erwin Stresemann. 

Es ist mir schon jetzt möglich, die Vertareitungsangaben, welche 
ich im Vorjahre bei der Behandlung der europäischen Baumläufer, 
Schwanzmeisen und Gimpel ^) machte, in einigen Punkten zu er- 
gänzen, teils auf Grund älterer, von mir seinerzeit übersehener 
Literatur stellen, teils auf Grund der seither erschienenen Literatur 
oder mir freundlichst zugesandter Mitteilungen. 

Certhia faniiliaris, 

Italien. C.J.Alexander fand den Waldbaumläufer zur Brut- 
zeit (4. Juli) am Monte Cotento (Latium) bei 1650 m im Buchen- 
wald und sah die Art ferner im Winter und zeitigen Frühjahr in 
Buchenbeständen der Monti Prenestini (Latium) bei 1000 m^). Arri- 
goni erhielt diesen Vogel vom Toskanischen Apennin^). Ohne 
Zweifel ist Certhia familiaris (wohl macrodactyla) in den Buchen- 
wäldern der montanen Region aller höheren italienischen Gebirgs- 
züge, südwärts mindestens bis zum 42° N., weit verbreitet, geht 
also auf der apenninischen Halbinsel ebenso weit nach Süden wie 
auf der Balkanhalbinsel und lebt wie in Mazedonien in Buchen- 
wäldern. Sie vertritt den Gartenbaumläufer in vertikaler Richtung. 
Von diesem bemerkt Alexander ausdrücklich, daß er ihn in Latium 
niemals oberhalb 700 m angetroffen habe. 

Da es nunmehr feststeht, daß der Waldbaumläufer auch in 
Italien (gerade wie in Mazedonien) sich in Buchenwäldern aufhält, 
und das gleiche neuerdings in vielen Gebieten Mitteleuropas be- 
obachtet wurde, so kann meine frühere Darstellung, als sei die 
jetzige Verbreitung beider Arten in Südeuropa hauptsächlich durch 



*) V. O. G. B. XIV, 1919, p. 39—74 und Beiträge zur Zoogeographie der 
pal. Region, Heft 1, 1919, p. 1—56. 

^) C. J. Alexander, Notes on zonal Distribution in the Mountains of Latium, 
Italy. British Birds XI, 1917, p. 82. 

*) Arrigoni degli Oddi, BoU. uff. del Minist, di Agricultura etc. XII, 
Serie C, Bd. I, 1913, p. 26. 



XIV 3~\ 

' ' I Stresemann: Verbreitung der Baumläufer etc. 215 

floristische Verhältnisse bedingt worden, indem dort C. familiaris 
dem Nadelwald, C. hrachydactyla dem Laubwald angehört, in 
solcher Fassung kaum noch aufrecht erhalten werden. Es scheinen 
vielmehr auch in diesem Falle thermische Einflüsse eine nicht 
zu unterschätzende Bedeutung zu besitzen. Certhia hrachydactyla 
ist in Italien, Frankreich, den Balkanländern die Art der Ebene, 
Certhia familiaris diejenige der (kühleren) höheren Gebirgsregion. 
Eine ebenso bedeutende Rolle wie die psychrometrischen Ver- 
hältnisse spielen für die Verbreitung beider Arten in den Gebieten 
mit reicher klimatologischer Vertikalgliederung freilich wohl auch 
die Vegetationsverhältnisse und sekundär der Rindencharakter, 
und man geht kaum fehl in der Annahme, daß die für den Wald- 
baumläufer bestehende Übereinstimmung zwischen Nadelwald und 
Buchenwald in der relativ glatten Rinde der diese Gesellschaften 
zusammensetzenden Bäume zu erblicken ist. Certhia familiaris ist 
wohl die Art, welche (entsprechend ihrer nördlichen Heimat) 
kältere Gebiete bevorzugt und Stämme mit glatter wie solche mit 
rissiger Rinde beklettert (jene vielerorts stark bevorzugend), wäh- 
rend Certhia hrachydactyla (wie durch paläogeographische Er- 
wägungen verständlich wird) weiter in die warmtemperierte Region, 
weniger weit in die kalttemperierte hineinreicht und zudem vor- 
wiegend Bäume mit rissiger Rinde wählt, wozu unter den Koni- 
feren die Kiefer, Pwius silvestris, nicht aber die Tanne und die Fichte 
gehören. Wollen wir die heutige Verbreitung der Baumläuferarten 
in Süd- und Mitteleuropa recht verstehen, so müssen wir berück- 
sichtigen, daß hier drei Faktoren, Paläogeographie, Temperatur 
und Vegetation, zu ihrer Entstehung zusammenwirken. Die „bio- 
logische Variation" ist bei beiden Arten groß; wenn sich die Ex- 
treme daher auch überdecken, so sind doch die Variation s mittel 
weit voneinander entfernt. 

Dalmatien. Meine frühere Angabe (1. c. p. 60) ist dahin 
richtig zu stellen, daß Certhia familiaris an der dalmatinischen 
Küste, wenigstens bei Castelnuovo, nur als Wintergast erscheint^}. 
Sie dürfte der eigentlichen Mediterranregion der Balkanhalbinsel 
als Brutvogel völlig fehlen und in der Herzegowina und Bosnien 
nur in hochgelegenen Buchen- und Fichtenwäldern brüten. 

Bulgarien. Der Waldbaumläufer ist ein häufiger Brutvogel 
in den Nadelwäldern der montanen und besonders der voralpinen 
Stufe des Muss-alla-Gebirges, lebt also dort zwischen 1100 und 
2000 m^). Der Vorbehalt, den ich hinsichtlich seines Brütens in 
Bulgarien machte (1. c. p. 60), ist nunmehr hinfällig geworden. 
Die Verbreitungskarte erfährt jedoch keine Veränderung. 



1) F. Eohacek, O. Jb. 28, 1917, p. 119. 

■') H. V. Boetticher, J. f. O. 67, Juli 1919, p. 252. 



Ol 6 Stresemann: Verbreitung der Baumläufer etc. i ^ • ™. 

^ L Ges. Bay. 

Süd-Rußland: Im südlichen Uralgebirge brütet der Wald- 
baumläufer bis zur mittleren Sakmara und dem Ik ^). Auf meiner Ver- 
breitungskarte scheint hier die Verbreitungsgrenze zu weit nach 
Süden verlegt worden zu sein. Von Kotschetok bei Nowotscherkask 
(Don-Gebiet) lag mir seither ein im Senckenbergischen Museum 
befindliches Stück vor (Rasse familiaris, 1. IX. 1890), ein weiteres 
Stück dieses Museums stammt von Lebedin (Gouv. Charkow). 

Certhia brachydactyla. 

Dänemark: Herr Lehn Schiöler fand unter 20 Baumläufern, 
die er von der Insel Seeland besitzt, nur C. famiUaris. Für diese 
freundliche Mitteilung sei ihm auch an dieser Stelle gedankt. Es 
scheint in der Tat, daß Cbi^achydactyla die dänischen Inseln nicht 
erreicht hat, 

Hinterpommern: Meine Vermutung, daß der Gartenbaum- 
läufer in Hinterpommern nicht fehle, hat eine rasche Bestätigung 
erfahren. B. Hoffmann stellte ihn in Stolpmünde auf Kiefern nahe 
an der See fest^). 

Ostpreuß en: Ich habe 1. c. p. 55 die Vermutung ausgesprochen, 
daß C. brachydactyla in Masuren nicht allzu selten sei. Unterm 
2. IX. 1919 teilte mir Herr Amtsrichter Tischler freundlichst mit, 
daß Prof. A, Voigt dem Vogel in der Tat mehrfach in Masuren 
begegnet sei. Die Verbreitungskarte bleibt unverändert. 

Polen und Lithauen: Die neueste Literatur über lithauisch- 
polnische Fundorte des Gartenbaumläufers hat Graf Zedlitz soeben 
zusammengestellt, welcher ein Paar bei Albertyn östlich Slonim 
(etwa 25^25' 0.) sammelte^). Die Grenze muß nunmehr im 
ehem. Gouv. Grodno um etwa einen Längengrad weiter nach Osten 
verlegt werden, als auf meiner Karte zum Ausdruck kam. 

Aegithalos caudatus, 

Südfrankreich: Hartert's Angabe, daß graurückige Schwanz- 
meisen in Südfrankreich auftreten, habe ich (1. c. p. 20, Anm. 6) 
mit Unrecht angezweifelt. L.Bureau*) erwähnt von dort 4 Exem- 
plare (2 aus der Umgebung von Marseille, 2 von Saint-Zacharie, 
Dep. du Var). Es handelt sich vielleicht um Individuen, die auf 
dem Strich von Oberitalien her erschienen waren; denkbar ist es 
jedoch auch, daß die Mischzone längs der Riviera bis Marseille 
reicht. 

Weißköpfige Schwanzmeisen treten nach Bureau im mittleren 
Frankreich nur höchst selten auf, im südlichen und südwestlichen 



1) H. Grote (ex Sarudny), J. f. O. 67, Oktober 1919, p. 374. 

») B. Hoffmann, V. O. G. B. XIV, 1919, p. 101. 

«) J. f. O. 68, 1920, p. 74—7.5. 

*) L. Bureau, Ornis XI, 1901, p. 309—311. 



XIV 3 I 

Qon ' i Stresemann : Verbreitung der Baumläufer etc. 2l7 

fehlen sie anscheinend ganz. Bureau erwähnt ein weißköpfiges 
Exemplar, das 1853 bei Versailles geschossen wurde, als besondere 
Merkwürdigkeit. Wir dürfen daraus wohl folgern, daß bereits in 
der Gegend von Paris das Wohngebiet reinblütiger pyrenaicus 
beginnt. 

Dänemark: Einer Mitteilung, die mir Herr Lehn Schiöler 
gütigst zukommen ließ, entnehme ich, daß auf Seeland nicht selten 
adulte Schwanzmeisen mit Kopfstreifen gefunden werden^). Das 
Mischgebiet zwischen pyrenaicus und caudatus ist also auf die 
dänischen Inseln zu erweitern. 

Schlesien: In Mittelschlesien, bei Zobten, brüten nur weiß- 
köpflge Schwanzmeisen (Graf Zedlitz in litt.). Die Mischzone reicht 
demnach ostwärts nur bis Westschlesien. 

Westpreußen: Wie mir Herr L. Dobbrick unterm 22. II. 1920 
freundlichst mitteilte, ist er in Westpreußen nach der „Herbst- 
mauser" nie Stücken begegnet, die Spuren von dunklen Kopfstreifen 
aufwiesen. Westpreußen fällt daher wohl ganz ins Gebiet des 
reinblütigen ^) Ae. c. caudatus. Dagegen befinden sich unter fünf 
Schwanzmeisen aus der Neumark (Kreis Arnswalde), die das 
Münchner Museum der Güte Herrn Rüdigers verdankt, zwei Exem- 
plare vom Typ IL Eines davon ist ein cT vom 4. IV. 

Lenkoran: Ich hatte (1. c. p. 4, Anm. 1) betont, daß die 
chinesischen Schwanzmeisenformen, Äe. c. glmicogularis und vinaceus, 
dem vorderasiatischen Ae. c. alpinus genetisch näher stünden als 
dieser dem Ae. c. caudatus, „wenn auch das Jugendkleid eigen- 
artig gefärbt ist". Seither hatte ich dank dem liebenswürdigen 
Entgegenkommen Herrn Prof. Dr. Jacobi's Gelegenheit, einen im 
Jugendkleid befindlichen Vogel des Ae. c. alpinus (Dresdner Zool. 
Mus. Nr. 8682, Lenkoran, 5. VL 1880, G. Radde coli.) zu unter- 
suchen und mit dem Jugendkleid von Ae. c. glaucogularis zu ver- 
gleichen. Es zeigte sich dabei, daß die Jugendkleider beider 
Formen einander äußerst ähnlich gefärbt sind; bei beiden sind 
Kehle und Gurgel weinrötlich. Ein Unterschied (vielleicht indi- 
vidueller Natur) besteht in der dunkleren, mehr schwärzlich-braunen 
Grundfarbe der Oberseite, viel hellerer, weinrosiger (statt wein- 
roter) Färbung der Kehle und geringerer kaudalwärts gerichteter 
Erstreckung dieser Färbung beim jungen Ae. c. alpinus. Es wäre 



1) Siehe auch 0. Helms, Dansk Ornith. Foren. Tidsskrift 13, Oktober 1919, 
p. 141 — 143, der das gleiche für Fünen angibt. 

*) Wer da behauptet, daß ich die Entstehung der individuellen Variation 
aus der Mischung vorher vorhandener Eassen erklären wolle, der muß meine 
Ausführungen sehr flüchtig gelesen haben. Variabilität ist eine Elementareigen- 
schaft aller Merkmale des Organismus. Nicht die Tatsache der Variabilität einer 
Easse, sondern die Tatsache, daß ein Merkmal oder ein Komplex von Merkmalen 
bei einer Easse viel erheblicher variiert als bei den benachbarten, ihr physiologisch 
verwandten, kann als Anzeichen ihres unreinen Ursprungs gedeutet werden. 



OH 8 Stresemann : Verbreitung der Baumläufer etc. I "• ^ • 

L Ges. Bay. 

interessant, die individuelle Variation des Jugendkleides bei der 
den Kaukasus bewohnenden Mischform Äe. c. caudatus X alpinus 
festzustellen; hier werden vermutlich Individuen mit und solche 
ohne weinrote Kehle und alle Zwischenstadien am gleichen Ort ge- 
funden werden. — Dieses Beispiel weist wiederum nachdrücklich 
auf eine alte, wohl pliozäne Wanderstraße hin, welche NW.-China 
über die zentralasiatischen Gebirgszüge (Kuen-lun — Nordiranisches 
Randgebirge) mit Kleinasien verband; ihm läßt sich die Verbreitung 
der gelbbäuchigen Kleiber {Sitta europaea sme7isis — rubiginosa — 
levantina), der canadensis-KleiheY {Sitta canadensis villosa — krüperi)^ 
der j:>aZ«s^m-Meisen und anderer waldbewohnender Formen- 
gruppen zur Seite stellen, welche ihre einstige Kontinuität ein- 
gebüßt hat. 

Südrußlaud: Nach den Angaben Domaniewski's zu urteilen, 
der die russische Literatur in mustergültiger Weise zusammen- 
gestellt und kritisch gewürdigt hat^), hat es den Anschein, als sei 
die Verbreitung der Schwanzmeisen im Süden Rußlauds keine kon- 
tinuierliche mehr. Die Südgrenze des regelmäßigen Brutvorkommens 
von Ae. c. caudatus verläuft danach vom Mittellauf des üral- 
flusses (zwischen Orenburg und Uralsk) nach Buguruslan im Gouv. 
Samara, von da mitten durch das Gouv. Pensa zum Nordteil des 
Gouv. Tambow, weiter nach den Gouv, Woronesh und Charkow. 
Innerhalb dieses großen Bogens wurde Ae. c. caudatus nur sehr 
sporadisch als Brutvogel gefunden, so bei Sarepta und Astrachan 
(Henke). Ob die Wohngebiete des Formenkreises zwischen dem 
Nordfuß des Kaukasus und dem Gouv. Charkow noch zusammen- 
hängen, ist unbekannt, da die ornithologische Durchforschung der 
aus den Schwarzerdsteppen der ponto-kaspischen Senke aufi-agenden 
Waldinseln noch aussteht. Daß eine Verbinduug der Wohngebiete 
von Ae. c. caudatiis und Ae. c. alpinus einmal bestanden hat, steht 
jedoch außer Frage. 

Pyrrhtila pyrrhula, 

Italien: (P. p. minor). Die Südgrenze des Brutgebietes ist 
auf der apenninischen Halbinsel ein wenig weiter nach Süden zu 
verlegen, mindestens bis 42° N. (statt 43 ° N.), da C. J. Alexander 
den Gimpel noch in den Bergen von Latium oberhalb 1000 m 
brütend fand 2). 

Hannover: Das Provinzial-Museum Hannover bewahrt 7 aus 
der Prov, Hannover stammende Gimpelbälge auf, die mir Herr 
Prof. Dr. Fritze gütigst zur Untersuchung zusandte. Sie wurden 
sämtlich im Januar 1914 bei Sievershausen (zwischen Hannover 

') J. Domaniewski, Passerif ormes der Umgegend von Saratow ; Travaux 
de la Soc. des Sciences de Varsovie, III. Classe, Nr. 18, 1916, p. 65 — 66 
(polnisch!). 

■') British Birds XI, 1917 p. 77, 98. 



XIV 3 1 

' ' I Strescmann: Verbreitung der Baumläufer etc. 219 

und Brauiischweig) gesammelt. davon sind typische P.jj. minor', 
d I. 82.5, 22. I. 85, 22.1. 85, 18.1. 87.5 mm; $ 28.1. 81, 18.1. 
82 mm. Daß es sich um hannoversche Brutvögel handelt, ist im 
Hinblick auf die Jahreszeit nicht erwiesen, aber wahrscheinlich. 
Ein Exemplar ist eine unzweifelhafte, von Norden zugewanderte 
P. p. p/jnJmla: g 22.1. 92mm. Die Verbreitungskarte bleibt un- 
verändert. 

Schleswig-Holstein: Scheicher stellte im August 1919 
den Gimpel mehrfach unweit Ahrensburg fest (mündliche Mitteilung). 
Dieser neue Fundplatz schlägt die Brücke zwischen den von mir 
bereits erwähnten Niststätten Ohlsdorf und Wesenberg. Meine 
Vermutung, daß Nr. 313 meiner Liste, durch R. v. Willemoes-Suhm 
laut Etikettenvermerk am 3. VIII. 1865 bei „Andern" gesammelt, 
aus Holstein stamme, hat sich als irrig erwiesen. Herr R. Heyder 
machte mich darauf aufmerksam, daß v. Willemoes-Suhm im Jahre 
1865 in Andernach am Rhein (unweit Koblenz) weilte, wo ja 
gleichfalls P. p. minor zu Hause ist (vgl. Der Zoologische Garten VI, 
1865, p. 355—357). 

Kola-Halbinsel: Mela führt das Vorkommen des Gimpels 
(P. p. pijrrhula) bei Kandalakscha, unter etwa 67^20'N., auf-). 
Demnach ist hier die Nordgrenze auf der Verbreitungskarte etwas 
zu weit nach Süden verlegt worden. 

Nomenklatorisches: Kleinschmidt geht in einer seiner 
neuesten Veröffentlichungen (J. f. 0. 1920, p. 22) auf die von mir 
angewandte Nomenklatur der Gimpelrassen kurz ein und ersetzt 
sie durch eine andere: Er meint, der Rassenname minor Brehm 
1834 dürfte ein Synonym von pereyrina Brehm 1831 sein, und be- 
zeichnet den nord westdeutschen Gimpel daher mit diesem Namen. 
Ich habe ihn als un deutbar verworfen. Sein Träger soll sich 
nach Brehm vor allem durch, geringere Größe von germanica unter- 
scheiden. „Er scheint dem Norden anzugehören — in die hiesige 
Gegend kommt er gewöhnlich erst im Oktober und brütet nur 
höchst selten in unseren Wäldern^)." Nach dieser Bemerkung ist 
mit der Möglichkeit zu rechnen, daß es kleinwüchsige Individuen 
von P. p. germanica waren, welche Brehm als P. peregrina ab- 
trennte. Der Typus ist nicht erhalten^); als terra typica fixiere 
ich Renthendorf*), wo minor noch nicht mit Sicherheit als 
Wintergast nachgewiesen ist^). „Die Deutung des Namens er- 
folgt" — um K.'s eigene Worte zu gebrauchen — „nach der terra 

^) Th. Pleske, Übersicht der Säugethiere und Vögel der Kola-Halbiiisel, 
. Theil II. Beitr. Kenntn. Euss. Reiches (2) IX, 1886, p. 123 und 454. 

-) Handbuch der Naturgesch. aller Vögel Deutschlands 1831, p. 253. 
3) Vgl. Hartert, Nov. Zool. 25, 1918, p. 11. 
*) Vgl. Homeyer, Orn. Briefe, p. 42. 

") Brehm sagt selbst (Homeyer, Orn. Briefe, p. 42), daß Pyrrhula minm' 
nie von ihm bei Renthendorf bemerkt worden seil 



220 Stresemann: Verbreitung der Baumläufer etc. 1 ^^^'^' ^™' 

L Ges. Bay. 

typica, nicht nach der Absicht oder Meinung des Autors." Ich 
behalte daher den allein sicheren Namen minor bei, der auf ein 
im Brutgebiet der kleinwüchsigen Rasse erlegtes, noch heute im 
Tring-Museum aufbewahrtes, sehr typisches Stück begründet wurde; 
es ist nach Brehm's Angabe noch immer merklich kleiner als 
peregrina. 

K. trennt die französischen und rheinischen Gimpel von den 
nordwestdeutschen, weil sie „dunkler" seien. Ich habe dieses 
„sehr geringfügige und variable Merkmal" nicht zu bestätigen ver- 
mocht. Erstere als europaea zu bezeichnen, wie K. es tut, geht 
nicht an, eine Auffassung, in der mir wohl jeder beistimmen wird, 
der sine ira ac studio meine Auseinandersetzungen nachprüft. — 
Ich glaube annehmen zu dürfen, daß K. bei der Niederschrift seiner 
Bemerkungen nur meine vorläufige Mitteilung, nicht aber die 
spätere ausführliche Behandlung der Gimpelrassen und ihrer Nomen- 
klatur bekannt war. 



^^Zo^'l Stadler: Vogelwelt Unterfrankene. 221 



Die Vogelwelt Unterfrankens. 

Von 

H. Stadler (Lohr a. M.). 
III. Nachträge und Berichtigungen. 

(Abkürzungen : Co. = Förster Conrad, Heinriclistal. Ri. = Riedel, 
Ausstopfer in Hafenlohr. Br. = Brodmann, Ausstopfer in Würzbnrg. 
Schw. = Schweiger, fr. Aschaffenburg, jetzt Trostberg. Coli. St. = 
Beleg in Sammlung Stadler. St. = beobachtet von Stadler. Gemm. = 
Oskar Freiherr v. Geramingen auf Bessenbach. f : neu hinzuge- 
kommene Arten — im ersten Verzeichnis unterfränkischer Vögel 
[diese Verhandlungen XII, 1916, p. 269—276] noch fehlend.) 

Nucifraga c. caryocatactes (L.) brütet vereinzelt im Spessart. 
1918 und 1919 ein Brutpaar bei Faulbach a. M. 21. V. 1919: 
Tannenhähergelege in verlaßnem Eichelhähernest : Abteilung Heeg, 
dicht westlich Lohr. August etwa 1903: ein erl. Junges gesehen 
in Obernburg. (Pfarrer Hofmann.) 

Spi?ius spinus (L.). Nur ein Belegstück für sein Brüten vor- 
handen: Nest mit Eiern bei Oberwern, etwa Mai 1900 (Coli. St.). 
Mitte Mai bis Anfang Juni 1919 ein Paar in Erlach; auch hier 
Brutvogel? 

f Pyrrhula pyrrhula minor Brehm. Eine größere Reihe hier 
erlegter Gimpel, Sommer- wie Wintervögel, gehören ausschließlich 
dieser Form an. (Stresemann.) 

Fringilla montifringilla L, Aus dem ersten, Jahrzehnt des 
Jahrhunderts als Brutvogel bei Weilersbruun von Öhring gemeldet. 
Vögel im Sommerkleid zweimal beobachtet. 30. V. 1909 cT bei Erlach 
erlegt (Coli. St.). 27. VI. 1919 einen gesehen an der Mainbrücke 
in Lohr. 

Emberixa da da L. Herbst 1905 einmal beobachtet auf dem 
Fußweg von Großostheim am Wald entlang nach Großwallstadt 
(Schw.). Das Brutpaar in der Halsbrech bei Lohr ist seit 1917 
ausgeblieben. 

E. drlus L. Trotz eifrigen Absuchens der Muschelkalkhügel 
von Würzburg bis Karlstadt (Weinberge) und der Mainhänge süd- 
lich Aschaffenburg niemals beobachtet. (St.) 



022 Stadler: Vogelwelt Unterfrankens. rVerh.Orn. 

L Ges. Bay. 

f Plectrophenax nivalis (L.). Eine einzelne im Dezember 1918, 
Flug von vier Stück im Januar 1919 beobachtet in Lohr. (St.) 

f Änthus c. campestris (L.) brütet in wenigen Paaren auf den 
nördl. Mainhängen gegenüber Ochsenfurt. (St.) 

Parus atricapillus subsp, fehlt vollständig bei Lohr und im 
nördlichen Spessart bis Aschaffenburg. Vermutlich lebt die Art 
in Korbweidenpflanzungen des Ochsentales bei Ochsenfurt. (St) 
Belegstücke fehlen noch. 

Erythrosterna p. parva (Bechst.) erscheint alljährlich Ende 
April an der „Waldspitze" bei Lohr — jedenfalls Brutvogel. (St.) 

t Äcrocephalus aquaticus (Gm.). Ein Durchzügler in der 
Wackenwiese, am Main südlich Lohr, 8. V. 1919. (St.) 

Sylvia n. nisoria (Bechst.) muß sehr selten in Ilnterfranken 
sein. Sommer 1906 eine Sperbergrasmücke ausgestopft von Ri. 
1907: Ein Paar brütend in Heinrichstal (Co.). Von Würzburg als 
vereinzelter sicherer Brutvogel von mehreren Seiten gemeldet. 

Turdus musicus L. (Weindrossel). 10. VL bis IB. VIT. 1916 
ein Brutpaar an der Joppenmühle bei Gössenheim. (St.) 

Turdus torquatus alpestris (Brehm) scheint unregelmäßiger 
Brutvogel im Spessart zu sein. Co.: „1905 und 1906 brüten 
mehrere Paare bei Heinrichstal (Nester gefunden). Sommer 1907 
Ringamseln ebendort mehrmals gesehen, Nester aber nicht entdeckt. 
1908 im Spätsommer 6 Stück. Weder vorher noch nachher Brut- 
beobachtungen dort." 

Turdus t. torquatus L. Co.: 17. III, 12. XI. 1908 je ein Stück 
geschossen in Heinrichstal, eines davon in der Sammlung Parrot. 
Ziehende bei Lohr noch Anfang Mai. 

f Oenanthe oenanthe leucorhoa (Gm.) $ ad. (Ruhekleid) 
26. X. 1912 erlegt bei Erlach (Coli. St.)^). 

Oinclus cinclus medius Brehm ist der unterfränkische Wasser- 
schmätzer. 

Merops ayiaster L. 1904 aus der Gegend von Hafenlohr ein- 
geliefert. (Ri.) 

Coradas garrulus L. ist regelmäßiger Durchzügler im Früh- 
jahr und Herbst, scheint aber auch vereinzelt in der Wiesenfelder 
Gemarkung zu brüten. Seit 1903 werden jährlich welche zur 
Brutzeit dort beobachtet, immer an den gleichen Stellen: Ab- 



1) Ein hinsichtlich Färbung und Größe (Flügellänge 106,5 mm) sehr typi- 
sches Stück der grönländischen Brutform, die bisher zwar schon als Durchzügler 
von Baltrum (Heinroth), dem Memmert (Leege) und wiederholt von Helgoland 
(Stresemann, Weigold), aber erst einmal (Rheinufer gegenüber Nierstein, 6. IV. 1892, 
Kleinschmidt) aus Innerdeutschland nachgewiesen worden war. Sie zieht auf 
den ostfriesischen Inseln später als die Nominatform durch; vielleicht gehören 
auch die in Innerdeutschland gelegentlich Ende Oktober und im November er- 
scheinenden Steinschmätzer größtenteils der grönländischen Form an. Auf diese 
sei die Aufmerksamkeit gelenkt. — Red. 



XIV, 3,1 Stadler: Vogelwelt Unterfrankeus. 223 

teiluugeu Reichelsee und Heuig; so Eude Juni 1913 ein Stück, Ende 
Mai 1919 zwei Stück. 

Picus c. canus Gm. ist im Spessart und Frankeuland so häufig 
wie Grünspecht. 

Picoides tridactylas aljnnus Brehm. Dreimal sicher beobachtet, 
zuletzt Ende November 1915 auf dem Romberg, südlich Sendel- 
bach. (^Gustav Brock.) 

Bubo h. bubo (L.). Gemm.: „In den 1850er Jahren war der 
Uhu noch Standwild bei Mühlbach gegenüber Karlstadt a. M. in 
den Kalkfelsen, da wo jetzt die Zementlabriken ihre Steinbrüche 
haben. Ich holte mir selbst dort s. Z. einen jungen Uhu für meine 
Aufhütte." Dr. Flach (Aschaflfenburg) : „Noch im Jahre 1875 
brütete der Uhu auf der Festung in Würzburg." Dr. Rieh. Hof- 
mann (Würzburg): „Der Uhu hat noch in den 1880er Jahren ge- 
brütet im ,, Stein" zwischen Himmelstadt und Karlstadt und im 
Massiculiturm der Marienveste in Würzburg. 1880: Zwei beob- 
achtet bei Wertheim, einer erlegt. 1890 ein Stück gesehen bei 
Neustadt a.M. (Bahnverwalter Müller, jetzt Partenstein). Pischinger: 
Bei Roßbrunn wurde einmal ein Uhu auf dem Zug bemerkt (nach 
Loos: Der Uhu in Böhmen 1906). Dr. R. Hofraann: „Bei Eußen- 
heim im Werntal beobachtet 1918. Gewölle gefunden bei Günthers- 
leben 1918. Jetzt noch werden alljährlich Gewölle aufgefunden 
in den Muschelkalkbergen der Umgebung Karlstadts (Krainberg, 
Kalbenstein), so noch 1919." Ein Brutplatz ist jedoch in Unter- 
franken nicht mehr bekannt. 

Olaucidium p. passerinum (L.). Co.: Brütete 1917 bei Hein- 
richstal (Nest gefunden). Mai 1910 ein Stück beobachtet ebendort. 
Sommer 1894 oder 1895 ein Sperlingskauz erlegt bei Partenstein 
von Hugo Vogt. (Coli. St.) Sommer 1908 ein Ex. gefangen in 
der Villa Seeholzer, Lohr. 

Falco p. peregrinus Tunst.: ist vereinzelt Brutvogel in der 
Rhön. $ erlegt Sommer 1899 auf der Milseburg. (Coli. St.) 

f Aquila c. chrysaetos (L.). Gemm.: „In den 1880er Jahren, 
im Herbst, auf einer Treibjagd im Waldaschaifer Forstamt ein Stein- 
adler beobachtet." 

Ciconia c. ciconia (L.). Nirgends ein Nest im Spessart, Main- 
tal oder Frankenland. Volksmund: „Der Storch meidet in der 
Mainebene die katholischen Dörfer." 

Ciconia nigra (L.) : ein Schwarzstorch beobachtet im Frühjahr 
1906 am Main bei Hafenlohr (Ri.). 20. VIII. 1912 einer bei 
Würzburg geschossen und gestopft von Brodmann. 

t Ardea p. pturpurea L.: Herbst 1906 zwischen Niedernberg 
und Großwallstadt. (Schw.) 

Botaurus s. stellaris (L.). Regelm. Darchzügler im Herbst. 
Vor der Mainkorrektion (um 1896) regelmäßig spärlicher Brutvogel 



091 Stadler: Vogelwelt Unterfraakens. fVerh. Orn. 

^^* ^ L Ges. Bay. 

iu den Maiualtwässern. Auch jetzt noch vereinzelter unregelmäßiger 
Brutvogel? So 20. VI 1919 eine Rohrdommel oberhalb Erlach. 

f Cygnus cygnus (L.). Februar 1888 im Main bei Stockstadt, 
in strengem Winter. (Schw.) 

t Oijgnus olor (Gm.). Februar oder März 1888 und 1896 
insgesamt drei Stück beobachtet (strenger Winter). (Schw.) 

Branta b. hernida (L). Im Winter 1882/83 trieb sich ein 
Stück wochenlang nmher und hielt sieb zu den halbwilden Haus- 
gänsen des Mains bei Lohr. Im Herbst 1910 oder 1911 eine 
Ringelgans erlegt bei Rimpar. (Br.) November 1918 ein Paar 
mehrere Tage beobachtet am Main bei Lohr. (St.) 

Soynateria m. mollissima (L.). cT juv. erlegt bei Erlach 25. XI. 
1911 (Coli. St.). J' adult. im Winter 1901 bei Hafenlohr. (Ri.) 

Oidemia n. nigra (L.). Februar 1906 cT erlegt zwischen 
Rodenbach und Neustadt. Je ein g erlegt bei Neustadt am Main 
21. XI. 1908 und Frühjahr etwa 1913. (Coli. St.) 

Oidemia f. fusca (L.). Ein g erlegt zwischen Lohr und Roden- 
bach im Main 30. XL 1919. (Coli. St.) 

t Phalacrocorax carho subsp. Sommer 1903 oder 1904 erlegt 
bei Obernburg. (Schw.) 

Podiceps auritus (L.). Ein $ juv. erlegt „am Nußbaum", 
zwischen Lohr und Rodenbach 16. XL 1919. (Coli. St.) 

Haematopus o. ostralegus L. Ein ausgestopftes Stück in einer 
Wirtschaft in Seligenstadt am Main, dort erbeutet. Eines erlegt 
bei Erlach 8. IX. 1911. (Coli. St.) Niemals eingeliefert bei Br. 

f Oedic7iemus oe. oedicjiemus (L.). Ein Exemplar bei Wtirz- 
burg erlegt 15. XL 1911. (Br.) 

Totanus glareola (L ). Ein cT singt am 19. VII. 1912 am 
„See" bei Sendelbach. (St.) 

t Totanus erythropus {Vü\) \ ^^^^ ^^^^ unterfränkischen 

•f Totanus n. nebularius (Grunn.) j 
Maintal öfters eingeliefert bei Br. Regelmäßiger Frühjahrs- und 
Herbstdurchzügler bei Lohr. 

t Recurvirostra avosetta L. Schw.: Zweimal erhalten aus 
Aschaifenburg, im Frühjahr 1888, Frühjahr 1907. 

Larus a. argentatus Pontopp. Co.: 5. und 12. III. 1911 je 
eine jüngere Silbermöve erhalten aus Frammersbach. Eine trug 
einen Ring der Vogelwarte Helgoland; sie war im Juli 1910 auf 
dem Memmert beringt worden^). 

Larus f. fuscus L. Ein Stück ermattet aufgefunden im 
August 1916. (Coli. St.) 

Lai'us c. canus L. 18. I. 1912, Februar 1909 je ein jüngerer 
Vogel erlegt bei Erlach. (Coli. St.) 



') Siehe J. f. 0. Sonderheft 1912, p. 8. 



^^^n^' I Stadler: Vogelwelt Unterfrankens. 226 

Larus vninutus Pall. Ein Exemplar erlegt bei Hafenlohr, 
um 1900. (Ri.) 

Rissa t. tridactyla (L.)- Eine 17. I. 1916 bei Frammersbach 
(Coli. St.), eine Dezember 1918 bei Würzburg erlegt. (Br.) 

Hydrochelidon n. nigra (L.). Häufiger regelmäßiger Durch- 
zügler. Im Frühjahr werden nur ausgefärbte Tiere gesehen, im 
Herbst (August bis Oktober) nur junge. Die Trauerseeschwalbe 
ist aber auch zweifellos spärlicher Brutvogel in einzelnen geschützten 
Mainaltwässern zwischen Lohr und Erlach. 14. VI. 1908: eine 
zwischen Erlach und Zellergraben. Sie streicht lautlos heraus 
aus einem „Bau", sich dicht über dem Wasser haltend, und fällt 
im nächsten Altwasser sogleich wieder ein. (St.) 19. VI. 1919: 
„am Nußbaum" südlich Lohr ein Paar, drei Stunden schreiend 
auf- und abfliegend (jedenfalls am Nistplatz). (St.) 

Oelochelidon a. anglica (Mont.). Eine Lachseeschwalbe am Main 
südlich Lohr, nach Norden weiterziehend, 12. VII. 1915. (St.) 

Sterna m. minuta L. Ein Exemplar erlegt bei Marktbreit 
19. VII. 1909. (Br.) 

f Porxana parva (Scop.). Ein Kleines Sumpfhuhn zwischen 
Stockstadt und Leider einmal im Frühjahr erlegt. (Schw.) 

f P. pusilla intermedia (Herrn.). (Zwergsumpfhuhn.) Einmal 
erlegt in Aschaifenburg in der Nähe der Mainbrücke, im Früh- 
jahr. (Schw.) 

f Syrrhaptes paradoxus (Pall.). Ein Stück erlegt 1888 bei 
Trippstadt. In der Sammlung des Naturwissenschaftlichen Vereins 
Aschaffenburg. 



15 



226 Schnabel: Kolkraben im Speeaarfc. fVerh. Orn. 

[_ Ges. Bay. 



Die letzten Kolkraben (Gorvus c. corax) im Spessart. 

Von 

Emil Schnabel (Wiesentlieid). 

Noch vor 40 — 50 Jahren war der Kolkrabe im Spessart eiue 
regelmäßige Erscheinung. So berichtet der Förster Müller (Karls- 
höhe; vorher Bronnbach bei Wertheim), daß er 1874 dort einen 
Aasraben geschossen und in seinem Jagdbezirk öfter die „großen 
Krähen" angetroffen habe; einmal 4 — 5 Junge, die vom Hochspessart 
kommend mit Vorliebe in die Kirschbäume einfielen. 

Infolge der Urfehde, die die Jäger „dem Schweißhund der 
Luft" schworen, wurden die mächtigen Vögel dann ausgerottet. 
Ein einziges Paar hielt sich und horstete lange Zeit im „Steiner- 
haupt", einem im Park des Fürsten Löwenstein-Wertheim gelegenen 
Buchenhochwald, gegenüber der Fürstenbrücke; der Wald ist jetzt 
abgetrieben. Den vorsichtigen alten Vögeln war nicht beizu- 
kommen. Dafür schoß man die Jungen aus dem Horst und die 
Brut kam äußerst selten durch. Ein Wildmeister rühmte sich 
mir gegenüber, während seiner 40jährigen Dienstzeit die Brut, 
meist 4 Junge, mehr als 30 mal herausgeschossen zu haben. Förster 
Schießer-Einsiedl holte sich mehrmals flügge Jungen aus dem Nest 
und zog sie auf. 

Der Ausstopfer Riedel in Hafeulohr hat Spessartkolkraben 
mehrfach ausgebalgt. Einer wurde im Winter 1901/02 von einem 
Jagdpächter Müller-Eothenfels geschossen. Der Balg ist verloren 
gegangen. Es war einer der im „Steinerhaupt" horstenden Vögel, 
denn von da ab war dort nur noch ein Edelrabe anzutreffen. 
Sodann stopfte Riedel einmal einen Raben für den f Förster 
Siebenpfund (Karlshöhe) aus, angeblich ein junges Tier. Es war 
an Fuchsgift eingegangen. Der Balg hing längere Zeit im Aus- 
schank auf der Karlshöhe und ist in den Besitz der Erben über- 
gegangen. Dem Einfluß der Herren G. Dauch und Schießer war 
es zu verdanken, daß man den letzten Edelraben schonte. Er 
hielt sich mit Vorliebe auf den Feldern der Bergrothenfelser Ge- 
markung auf, wo er -in Gesellschaft von 6 — 7 Rabenkrähen umher- 
strich. Von hier aus unternahm er seine Jagdzüge durch den 
Spessart und dessen Ausläufer. Bald aber ereilte den Raben doch 



^^^' ^'1 Schnabel: Kolkraben iin Spessart. 227 

sein Schicksal. Man iiielt ihn in der Dämmerung, als er mit einer 
Schar Rabenkrähen dem Hochwald zuhastete, für einen Habicht 
und schoß ihn ab (18. I. 1912). Den Balg besitzt Pfarrer Herre 
(Hafenlohr). 

[Zusätze: Über die letzten Kolkraben im Spessart habe ich 
noch einige weitere glaubwürdige Mitteilungen erhalten. Oskar 
Freiherr v. Gemmingen (Beßenbach bei Aschaffenburg), ein vor- 
trefflicher Beobachter, hat den Raben in den 1850er Jahren oft ge- 
sehen und gehört. Die Art war im Spessart Brutvogel. Nachher 
verschwanden die Tiere. — Noch in den 1880er Jahren stand ein 
Horst im Schwarzen Grund bei Lichtenau. 1902 wurde ein Rabe 
bei Lichtenau gefangen und im Gasthof Hochspessart (Wucherer) 
gehalten bis 1903. — Bis 1905 war ein Horst bei Einsiedl, der 
alljährlich bezogen wurde. 1905 wurde der Horstbaum gefällt. 
Wo und ob das Paar weiterhin brütete, ist nicht bekannt ge- 
worden. Jedenfalls wurde von da ab nur mehr ein Kolkrabe bei 
Einsiedl gesehen; der Vogel erschien alljährlich im Winter zur 
Zeit der Saujagden, bis etwa zum Jahr 1912. Es wird das von 
Schnabel beschriebene Stück gewesen sein. — 1907 wurde auf 
Bergrothenfelser Gemarkung ein Flug von 4 Kolkraben gesehen und 
im gleichen Jahr einer vom Förster Lenz bei Rohrbruun im Fuchs- 
eisen gefangen. — Dr. Stadler.] 



15= 



9'J8 Stresetnann & Sachtleben: Die europ. Mattkopfmeisen. 1 ®^ ' ''^' 

■*"^^ I_ Ges. Bay. 



Über die europäischen Mattkopfmeisen (Gruppe 
^avus atvicapillus) . 

Von 

E. Stresemann und H. Sachtleben. 
Inhalt. 

pftgina 

Einleitung 228 

Verbreitung der Formengruppe 229 

Vergleich der Wohngebiete von Parus atricapillus und Parus palustris 233 

Paläogeographie und Eassenbildung 236 

Gefiederwechsel und Altersvariation 245 

Die sexuelle Variation 247 

Klima und Körpergröße 249 

Die Schwanzlänge als Eassenmerkmal 250 

Die europäischen Eassen 251 

Maßtabellen 260 

Zusammenfassung 266 

Einleitung. 

Wer sich heute noch eingehend mit der systematischen Unter- 
suchung der mattköpfigen Graumeisen Europas befaßt^ der läuft 
Gefahr, daß man ihm die Abfassung einer Ilias post Homerum 
zum Vorwurf macht. Es ist in der Tat nicht leicht, nach den 
grundlegenden Veröffentlichungen Otto Kleinschmidt's, welche im 
Jahre 1897 mit einer ebenso geistvoll geschriebenen wie sorg- 
fältigen Arbeit einsetzten und deren Zahl sich noch immer mehrt^). 
Neues in der „Weidenmeisen "-Frage zur Diskussion zu stellen. 
Wir sind jedoch der Ansicht, daß es der gedeihlichen Entwicklung 
unseres Wissens nur zum Vorteil gereichen kann, wenn der Gegen- 
stand von verschiedenen Seiten beleuchtet wird und wenn Resul- 

*) 0. Kleinschmidt, Die paläarktischen Sumpfmeisen. 0. Jahrb. 8, 1897, 
p, 45—103; ders., Parus salicarius C. L. Brehm und die ähnlichen Sumpf- 
meisenarten. J. f. 0. 1897, p. 112—137; ders., Weitere Notizen über Sumpf- 
raeisen. O. Mber. 1898, p. 33—36; ders., Parus Salicarius (Kl.) p. 1—6, Bera- 
jah 1912, und viele kleine Aufsätze in der Zeitschrift „Falco". — Kurz bevor 
unser Manuskript zum Druck abgesandt wurde, erschien in Berajah 1919/20 
„Parus Salicarius p. 7—14". Auf den Inhalt haben wir nur mehr in Fuß- 
noten eingehen können, die durch die Bemerkung „Nachtrag" gekennzeichnet sind. 



Y T TT O I 

' ' I Streseraann & Sachtlebeu: Die europ. Mattkopf meisen. 229 

täte, die schon gesichert erscheinen, von neuem einer genauen 
Prüfung unterzogen werden. 

Indem wir mit einem Material, das sich vorwiegend im Besitz 
der Münchner Zool. Staatssammlung befindet und daher Klein- 
schmidt bei seinen Studien zum größten Teil nicht vorgelegen hat, 
der Frage nach der Abgrenzung und Verbreitung der europäischen 
Mattkopfmeisen nachgingen, sind wir in einigen, wenigen Fällen 
zu anderen Ergebnissen gelangt als er. Wir wollen das Urteil 
darüber, wer die tatsächlichen Verhältnisse richtiger erkannt hat, 
unseren Nachfolgern überlassen. Wo sich eine Abweichung in 
unseren Ansichten offenbart, da wird in Zukunft die Untersuchung 
mit besonderem Nachdruck einzusetzen haben. 

Nachdem die Gliederung und Verbreitung der atricapülus- 
Gruppe mit aller heute für uns erreichbaren Deutlichkeit vor uns 
lag, haben wir der Versuchung nicht widerstehen können, eine 
Erklärung für das Werden dieses Bildes anzustreben. Den 
schwankenden Boden, auf den wir uns dabei begeben mußten, 
haben wir nach Möglichkeit zu stützen gesucht. Manchem mögen 
derartige Spekulationen, zu denen uns das Bestreben nach Auf- 
deckung der Kausalität geführt hat, als zweckloses Abirren vom 
Boden der gegebenen Tatsachen erscheinen. Wir hingegen sind 
der Meinung, daß Versuche wie der unsrige kein hoffnungsloses 
Beginnen sind, mögen sie auch nicht sogleich zum erstrebten Ziele 
führen, und halten daran fest, daß das letzte Streben jeder wissen- 
schaftlichen Forschung nicht auf Kenntnis, sondern darüber hinaus 
auf Erkenntnis gerichtet sein muß. 

Durch Zusendung von Material und wertvollen Mitteilungen 
ist unser Vorhaben von vielen Seiten gefördert worden. Ins- 
besondere schulden wir Dank den Herren G. Clodius, R. Fenk, 
K. Görnitz, Dr. E. Hartert, Prof. Dr. A. Jacobi, H. Jac- 
quet, Dr. A. von Jordans, C. Lindner, Dr. 0. Natorp, 
R. Schlegel, F. Tischler, Dr. Weigold und 0. Graf Zedlitz. 

Verl)reitung der Formen gruppe. 

Bei der Feststellung der Verbreitungsgrenzen wollen wir (zu- 
nächst ohne auf die Gliederung der Gruppe in geographische 
Rassen Rücksicht zu nehmen) an der atlantischen Küste Nordamerikas 
beginnen, von dort die Nordgrenze nach Westen bis Skandinavien 
verfolgen, sodann auf die West- und schließlich auf die Südgrenze 
umbiegen, der wir von Westen nach Osten nachgehen wollen. 

In Nordamerika dürfte die Nordgrenze des Wohngebiets 
der Mattkopfmeisen mit der Baumgrenze zusammenfallen. Wie 
diese an der pazifischen Seite des Kontinents unter wesentlich 
höherer Breite liegt als an der atlantischen Küste (hauptsächlich 
eine Folge der starken Abkühlung Labradors durch den kalten 



230 Stresemaun & Sachtleben: Die europ. Mattkopfmeisen. I ^^i . urn. 

L Ges. ßay. 

Labradorstrom und der Erwärmung Britisch Columbias und Alaskas 
durch Abzweigungen des warmen Nordpazifik-Stromes), so gehen 
auch die atricapülus-Meisen im Westen Nordamerikas viel weiter 
nach Norden als im Osten. Nördlichste Fundpunkte sind von Ost 
nach West : Hamilton Inlet, Labrador (54° N.), Großer Sklavensee 
in Mackenzie (62" N) 1), Kotzebue-Sund, Alaska (etwa 66« 55' N.) 2). 

Die Aleuten sind von keinem Vertreter unserer Gruppe mehr 
bewohnt; dagegen lebt ein solcher auf Kamtschatka. In Ost- 
Sibirien fand V. Middendorff Mattkopfmeisen nördlich bis zum Al- 
dan^), der sich bei 63° 20' N. in die Lena ergießt. Am Yenissei 
gehen sie nach demselben Reisenden nordwärts bis Turuchansk 
(66° N.). Am unteren Obj fand sie Finsch noch regelmäßig bis 
Sobje Jurti, ein wenig südlich von Obdorsk an der Einmündung 
des Sobj in den Obj gelegen (etwa 66° 15' N.)*). Seebohm und 
Harvie Brown begegneten solchen Meisen an der Petschora bei 
Ust-Zylma und Chabericha („Habariki"), bei etwa 65° 40' N., aber 
nicht nördlicher^). Weiter im Westen reicht ihr Wohngebiet 
mindestens bis Archangelsk, wo sie nicht selten sind®) (64°40' N.). 
Auf der Halbinsel Kola wurden sie an verschiedenen Punkten 
zwischen Kandalakscha und dem Kola-Fluß festgestellt (nördlichster 
Fundort etwa 68°30' N.)''), in E'inmarken sogar am Varangerfjord 
(Nyborg, 70°10' N.)^)«). 

Die Westgrenze wird in Skandinavien durch die West- 
küste Norwegens, in Mitteleuropa etwa durch die Küste Hollands 
und Belgiens bezeichnet. Jenseits des Kanals begegnen wir der 
Art in Großbritannien wieder, wo sie häufiger bis zu 56° 30' N. 
(Perth, Loch Lomond), vereinzelt sogar noch im Spey-Tal gefunden 
wird°). In Frankreich wurde sie erst im Laufe des Krieges von 
deutschen Feldzugsteilnehmern entdeckt. Die westlichsten und 
zugleich südlichsten Fundorte entsprechen hier etwa dem Verlauf 
der deutschen B'ront während des Stellungskrieges: Corbehem 
zwischen Arras und Douai (Sunkel^°), Avricourt bei Roye im Dep. 



1) E. Eidgway, The Birds of North and Middle America III, 1904, p. 397 
—402. 

') J. Grinnell, Pacific Coast Avifauna Nr. 1, 1900, p. 59. 

') A. Th. V. Middendorff, Eeise in den äußersten Norden und Osten Sibiriens, 
II, Zool., 2. Teil, 1851—1853, p. 155. 

*) 0. Finsch, Eeise nach West-Sibirien im Jahre 1876, Berlin 1879 und 
Verh. zool. bot. Ges. Wien XXIX, 1879, p. 167—168. 

') Ibis 1876, p. 218—219. 

«) Liljeborg, Naumannia II, 1852, 2. Heft, p. 100—103. 

') Th. Pleske, Übersicht d. Säugethiere u. Vögel der Kola-Halbinsel II ; Bei- 
träge zur Kenntnis des Eussischen Eeiches, II. Folge. Bd. IX. Petersburg 1886, 
p. 61, 447. 

") H. Th. Schaaning, Norges Fuglefauna, Kristiania (1916), p. 35. 

») Hartert u. A., Handlist of British Birds, London 1912, p. 46—47. 
">) 0. Mber. 1919, p. 94—95. 



xiv s T 

TQ9n ' I '^^^''■ßseraann & Bachtleben : Die europ. Mattkopfmeieen. 231 

Oise (Stresemann) ^), südlich Soissons (Suiikel)^), Champagne (Siin- 
kel)2), Argonuen (Bacmeister)^), Woevre (Stresemann)^), Blamont 
(Stresemanu) ^). Es kann angesichts der Tatsache, daß die Weiden- 
meise hier von allen geschulten Beobachtern häufig gefunden wurde, 
keinem Zweifel unterliegen, daß ihre Südgrenze noch ein gutes 
Stück von den bisher bekannten Fundplätzen abliegt, und daß 
Paris ins Wohngebiet der Art fällt. 

Sie fehlt in den Waldungen der Vogesen^); man kennt sie 
dagegen von Straßburg (Bacmeister)*), dem Sundgau (v. Burg)^), 
dem Jura-Gebirge^), aus dem Gebirge Savoyens (Bailiy)*'), aus 
den Basses-Alpes bei Barcelonnette (Caire)^) und (als Wintervogel) 
von Nizza '^). 

Die Südgrenze folgt dem Südabfall des Alpenbogens. Hier 
wurde die Art vom Val d'Aosta^), Domodossola'^), Val CoUa bei 
Lugano'(Ghidini) ^), den Cadorischen^*), Karnischen ^°) und Julischen^^) 
Alpen gemeldet. Aus dem krainischen Karstgebiet und Kroatien 
sind bisher keine Mattkopfraeisen bekannt geworden, so daß wir 
eine starke Einbuchtung der Grenzlinie zwischen den Alpen und 
den Waldgebirgen Bosniens annehmen müssen, wo man solche 
Meisen vielerorts (Doljani^^), Vitoroga pL, Berge bei Sarajew^o, 
Dinarische Alpen bei Grahovo^^) etc.) fand. Sie bewohnen auch 
die Bergwälder der Herzegowina (Porim und Veles^*) etc.), von 
Montenegros^) und sogar Südserbiens (Kopaonik pl.)^^). In Bul- 
garien findet man sie auf dem Rhodope-Gebirge(Muss-Alla") und 
Kara-Balkan, hier bis Siroka Lika, etwa 41H0' N., 24<^30' 0.)^^) 
und dem Balkangebirge, gegen Osten bis dicht au das Schwarze 
Meer (Emine-Balkan)^^). Das Flachland meiden sie in diesen süd- 

1) V. O. G. B. XIII, 1918, p. 268—269. 

*) 0. Mber. 1919, p. 94—95. 

ä) J. f. O. 1917, II, p. 1. 
•*) V. 0. G. B. XIV, 1919, p. 150. 

^) V.Burg in Studer & Fatio, Katalog der Schweizerischen Vögel, IV. Lief., 
1907, p. 508—512; L. Greppin, Mitt. Naturf. Ges. Solothurn. 4. Heft, 1911, 
p. 83—84. 

") J.-B. Baüly, Ornithologie de la Savoie III, 1853, p. 70—71. 

') H. Giglioli, Avifauna Italica ed. 2, I, 1889, p. 277. 

«) H. GigHoh, Avifauna ItaHca ed. 3, 1907, p. 245. 

») V. Burg in Studer & Fatio, 1. c. p. 501. 

»a) H. Giglioli, Avifauna Italia ed. 2, I, 1889, p. 277. 
") Pontebba: Hellmayr, 0. Jb. 13, 1902, p. 26. 
^^) Kuk Planina nördlich Tolmein, X. 1917, Stresemann (Tagebuch). 
'^) 0. Keiser, Die Vogelsammlung des bosn. hercegow. Landesmuseums in 
Sarajevo. Budapest 1891, p. 52. 

") Hellmayr, 0. Jb. 13, 1902, p. 28. 

i*) A. Pichler, O. Mschr. 31, 1906, p. 469—470. 

") O. Eeiser, Ornis balcanica IV, 1896, p. 63. 

") D. Lintia, Aquüa 23, 1916, p. 82. 

'') H. V. Boetticher, J. f. O. 1919, p. 253. 

^*) O. Reiser, Ornis balcanica II, 1894, p. 62. 



232 Stresemann & Sachtleben: Die europ. MatlkopfmeiBen. 1 '^ ' °' 

|_ Ges. Bay. 

liclien Breiten in der Regel; doch hat sie Reiser zur Brutzeit 
auch im Walde bei Saripol (nordwestlich Varna) gefunden^). 
Dombrowski kennt sie nicht aus der rumänischen Tiefebene, 
sondern nur aus den Waldungen der Transsylvanischen Alpen 2). 
Erst im westlichen Galizien löst sich unseres Wissens die Süd- 
grenze vom Karpathenzug ab, verläuft in östlicher Richtung nach 
dem Gouv. Lublin^), von da ungefähr dem 52** N,. folgend nach 
den Pripjetsümpfen *), durchs Gouv. Tschernigow ^) zum nördlichen 
Teil des Gouv. Woronesch^), dem Gouv. Tambow, dem Nordteil 
des Gouv. Saratow, weiter nach den Gouv. Samara und Orenburg, 
wo die Art noch bei der Stadt Orenburg nistet''). 

Für den weiteren Verlauf der Südgrenze besitzen wir nur 
wenig Anhaltspunkte. Johansen fand Mattkopfmeisen während 
des Sommers in den Kiefernwäldern der Kulundinischen Steppe 
häufig, so noch beim Dorfe Kljutschewoje unter 52^12' N. ^). 
Dieser Parallelkreis dürfte etwa die Südgrenze zwischen Oren- 
burg und den Vorbergen des Altai bezeichnen. Die Gebirgszüge 
der Altaiden, die wir nunmehr erreicht haben, haben den Matt- 
kopfmeisen ein weites Vordringen nach Süden ermöglicht. Tannu- 
01a % Tarbagatai ^^), Karatau, Bhoro-Koro-Gebirge, Tianschan, 
ja sogar Altyn-Tagh, Nan-Schan und die Gebirge von Kansu sind 
von ihnen besiedelt, so daß die südlichsten Brutplätze hier nicht weit 
von 35° N. entfernt sein dürften ^^). 

*) 0. Eeiser, Ornis balcanica II, 1894, p. 62. 

*j R. Dombrowski, Ornis Eomaniae, Bukarest 1912, p. 285 — 286. — Floericke 
meint ein Paar am Brutplatz bei Ciobanu in der Donaubalta gesehen zu haben 
(Forscherfahrt in Feindesland, Stuttgart 1918, p. 30 — 31), doch stehen wir dieser 
Angabe skeptisch gegenüber. 

') Belzec in Galizien südl. Tomaszow ; Bacmeister, Falco 12, 1916, p. 46—47. 

*) Hier bisher nur außerhalb der Brutzeit gefunden: Dennler, Falco 13, 
1917, p. 2; Görnitz, O. Mber. 1918, p. 132. 

^) J. Domaniewski, Pamietn. Fizyogr. 23, Zool., 1915, p. 41. 

*) Hier nistet sie noch in den Eichenwäldern bei Bobrow : Suschkin, Ornith. 
Mitt. IV, 1913, p. 268. 

') J. Domaniewski, Fauna Passerif. Okolic Saratowa, Trav. Soc. Sciences 
de Varsovie III. Classe, Nr. 18, 1916, p. 65. — Im Winter wurde die Art noch 
wesentlich weiter südlich gefunden: so in Podolien, bei Kiew und sogar an der 
Wolgamündung; doch handelt es sich hierbei, wie Domaniewski annimmt, nur 
um Wintergäste. Dem steht indessen entgegen, daß die Art in anderen Gebieten 
Standvogel ist. Für Finnland haben dies Grote's Beringungsversuche klar er- 
geben; auch in den bayr. Alpen (Raineckwald bei Mittenwald) fand ich sie so- 
wohl zur Brutzeit wie bei tiefem Schnee im Winter (II. 20). 

») H. Johansen, O. Jb. 15, 1904, p. 194. 

") P. P. Suschkin, Die Vogelfauna des Minnussiusk-G«bietes. Bull. Soc, 
Imp. Natur, de Moscou 1912 (1913) p. 265—266. 

") Hachlow, O. Mber. 20, 1912, p. 8. 

") Nachtrag: Wie Herr Dr. Weigold uns freimdlich mitteilte, fand er 
jP. a. affinis zur Brutzeit sogar noch in den Hochgebirgen des westlichen 
Szetschwan. Er konnte ihn bis Atentsze am oberen Mekong (etwa 28" 30' N,, 
99" 20' 0.) verfolgen. Er lebt dort zur Brützeit in Höhen von 2900—4300 m. 



XIV 3 1 

' ' I Stresemann & Sachtlebcn: Die europ. Mattkopf meisen. 233 

Der gewaltige Bogen, in dem das „Trockene Meer" vom 
Brutgebiet der Mattkopf meisen umfaßt wird, bleibt gegen Osten 
weit geöffnet, denn wir kennen die E'ormeugruppe nicht vom Nord- 
chinesischen Bergland und ebensowenig vom Südzug des Chingan- 
Gebirges. Dagegen setzt sich ihre Südgrenze östlich des Baikal- 
sees etwa in derjenigen Transbaikaliens (Ost-Sajan ^), Kjachta^}, 
mittlerer Onou)^) und der Amurprovinz („südliche Abdachung des 
mandschurisch-chinesischen Grenzgebirges") ^) fort. In derKüsteu- 
provinz fand v. Schrenck Mattkopfmeisen bis zur Mündung des 
Noor in den üssuri *). Auf der Asien im Osten vorgelagerten Insel- 
kette reicht ihr Wohngebiet südlich bis Hondo^), die Inseln Sachalin 
und Yeso einschließend. 

Jenseits des Stillen Ozeans finden wir die Südgrenze im 
Staate Washington unter etwa 48" N. wieder. Hier löst sie sich 
von der Küste ab und folgt dem Laufe des Felsengebirges bis zu 
etwa Bö*^ N. in Neu-Mexico, um dann nach Kansas und Jowa um- 
zubiegen und etwa dem 40*^ N. sich anschließend durch die Staaten 
Illinois (Nordhälfte), Indiana (Nordhälfte), Ohio, Pennsylvanien zu 
führen und in New Jersey den Atlantischen Ozean zu erreichen, 
der bis Labrador hinauf die Ostgrenze bezeichnet. Nachzutragen 
ist, daß die Grenzlinie eine weite Vorbuchtung nach Süden dort 
erfährt, wo sie auf das Alleghany-Gebirge trifft, indem sie das- 
selbe bis zu den Black Mts. (etwa 35° 30') einschließt^). 

Vergleich der Wohngebiete von Parus atricapillus und 
JParus palustris. 

Die Wohngebiete von Parus atricapillus und Parus palustris 
greifen in breiten Zonen übereinander; dabei ist jener die von 
N. nach S., dieser die von S. nach N. vordringende Art. Es be- 
stehen keine Rassen mehr, welche beide Formenkreise verbinden, 
und der Gabelpunkt der Graumeisenarten ist daher in eine weite 
geologische Vergangenheit zu rücken. Trotz ihrer Ähnlichkeit 
sind sie in allen Gebieten, die sie gemeinsam bewohnen, ethologisch 
und physiologisch voneinander isoliert. Zu diesen von beiden 
Arten besiedelten Gebieten gehören u. a.: Deutschland (P. a. sali- 
carius und P. p, communis), das südliche Rußland (P. a. borealis 
und P. p. palustris), die turkestanischen Gebirge (Karatau: P a. 



'■) G. Eadde, Eeisen im Süden von Ost-Sibirien II, 1863, p. 197. 

'') Th. Pleske, Wissensch. Eesultate Przewalskis Eeisen nach Centralasien, 
ZooL, II, Petersburg 1894, p. 157. 

^) A. Th. V. Middendorff, 1. c. 1851—53, p. 155. 

*) L. V. Schrenck, Vögel des Amurlandes I, 2, 1860, p. 310. 

°) Auf Hondo leben die Mattkopfmeisen imseres Wissens nur im höheren 
Gebirge (Fudjijama). 

«) E. Eidgway, The Birds of North and Middle America III, p. 397—406. 



■ 

Ges. Bay. 

songarus und P. jj. korejeivi) und das südliche Ostsibirien (P. a. 
haicale7isis und P. p. hrevirostris). In Zentralasien ist Farns pa- 
lustris weit verbreitet; wir suclien hier (etwa in den Laubwäldern 
des nordwestlichen China) sein Ausbreitungszentrum und vermuten, 
daß er im Pliozän über die Ägäis nach Europa einwanderte. 
Das jetzige Fehlen in Griechenland ist schwerlich ursprünglich. 
Die Nordgrenze des Wohngebiets der Glanzköpfe liegt überall 
(in England, Skandinavien, Rußland, Ostsibirien) weit südlicher 
als die der Mattköpfe. Diesem Befund entspricht es, daß diese 
auf den Hochgebirgen höher hinaufsteigen als jene^). 

Hartert vermutet in dem mexikanischen Parus sclateri Kleinsch. 
einen „Glanzkopf"; Kleinschmidt hat dem widersprochen. Da P. 
sclateri eine glänzende Kopfplatte besitzt, gleichzeitig aber die 
nordamerikanischen atricapillus-'Rassen räumlich zu vertreten 
scheint, sehen wir uns hier einem Fall gegenüber, bei dem die 
Untersuchung toten Materials zu keinem sicheren Ergebnis führen 
dürfte, und die Biologie als Hilfswissenschaft herangezogen werden 
muß. Die Rufe der Graumeisenarten sind allem Anschein nach 
ein vorzügliches genealogisches Kennzeichen. Alle atricapillus- 
Formen, über deren Stimme wir besser unterrichtet sind, auch die 
nordamerikanischen, locken langgedehnt däh däh, oft mit vor- 
gesetzten sit (sit)^). Wie ganz anders die Lockrufe der j^ahistris- 
Rassen klingen, ist sattsam bekannt. Parus cinctus lockt nach Sunde- 
valP) mit grobem, rauhem arrr oder urrr oder feinerem prrei, 
Parus lugubris endlich nach Reiser*) mit schnarrenden, weit hör- 
baren Lauten zi zi tsrrr. Das Studium der Stimme von Paims 
songarus und afßnis, welche wir mit Kleinschmidt in den Formen- 
kreis Parus atricapillus gestellt haben, wird die Entscheidung 



1) Sehr bemerkenswert dünkt uns der Umstand, daß die Insel Hondo einen 
Vertreter von P. atricapillus, dagegen keinen solchen von P. palustris beher- 
bergt, während die nördlichere, weit später vom Festland abgetrennte Insel Yeso 
von beiden Gruppen bewohnt w'ird. Dies scheint uns die späte Einwanderimg 
der Glanzköpfe in den Nordteil der mandschurisch-japanischen Provinz zu be- 
weisen, welche dort die Mattköpie bereits vorfanden. 

2) Baird, Brewer & Eidgway (North American Birds, Landbh-ds, I, 1874, 
p. 99) umschreiben den Lockruf von P. a. atricapillus mit ,,hoarse cries of 
däy, däy, däy", Stejneger (Results of Ornith. Explorations in the Commander 
Islands and in Kamtschatka; Biül^U. S. Nat. Mus. 29, 1885, p. 298) denjenigen 
von P. a. kamtsehatkensis mit täe, tae. Herr R. Fenk schreibt uns, daß es 
ihm aufgefallen sei, im Gebiet der oberen Schtschara ganz die gleichen Eufe 
und Weisen von P. a. borealis zu hören, wie er sie vom thüringischen P. a. 
salicarius und (aus den belgischen Piovinzen Liraburg und Lüttich) von P. a. 
rhenanus kannte, wiewohl die nordische Rasse von den westlicheren nach der 
Färbung selbst im Freien gut unterscheidbar sei. Stresemann konnte sehr große 
Ähnlichkeiten zwischen den Lockrufen, Warnrufen, ßrunstpfiffen und Liedern 
der Rassen rhenanus, salicarius und tnontanus feststellen. 

•'') Svenska Foglarna, Stockholm 1856, p. 88. 
*) Ornis balcauica III, 1905, p. 177. 



XIV 3 1 • < 

' ' I Stresemann & Sachtleben: Die europ. Mattkopf'meisen. 2^5 

bringen können, ob unser Vorgehen richtig war^) und ebenso 
wird der Stimmenforscher das letzte Wort im Streit um die Ein- 
ordnung von Parus sclaten zu sprechen liaben ^). Es muß jedoch be- 
tont werden, daß physiologische Entfremdung sich nicht in der 
Stimme auszudrücken braucht. Die sehr ähnlichen Graumeisen- 
arten Parus cinctus alascensis (Prazäk) und Parus hudsoniciis hud- 
sonicus leben am Kotzebue-Sund (Nord-Alaska) zur Brutzeit neben- 
einander, offenbar ohne sich zu vermischen; trotzdem war Grinnell 
„unable to recognize any decided differences in the notes and 
habits . . . nothing more than is often evident among different 
individuals of the same species" ^). — Nach Prüfung der Literatur 
gelangten wir zu der Ansicht, daß die amerikanischen Oruitho- 
logen guten Grund haben, Parus carolinensis als eigene Spezies 
von dem ihm sehr ähnlichen P. atricapillus zu sondern. Beide 
weichen in ökologischer Hinsicht voneinander ab, haben ver- 
schiedene Rufe und sind sich anscheinend physiologisch entfremdet. 
In dem vom 40." und Sö.'^N. sowie 75.*' und 85. ^^ ^Y. eingeschlossenen 
Gebiet ist P. carolinensis die in der Ebene, dem Hügelland und 
den Vorbergen lebende Art, während P. atricapillus dort auf die 
oberen Regionen, insbesondere den Fichtengürtel, des Alleghany- 
Gebirges beschränkt ist. Stellenweise brüten sie jedoch neben- 
einander, so daß Brewster Gelegenheit hatte, den Gesang beider 
Arten vom gleichen Baume zu hören und den scharfen Gegensatz 
festzustellen. Mit Recht bemerkt er hierzu „The fact that the 
two occur here together and that each preserves its characteristic 
notes and habits, should forever settle all doubts as to their 
specific distinctness" ^). Es ist nur einem Übersehen dieser Literatur- 



^) Hartert hat diese Meisen zwischen Parus cinctus und P. luguh-is ein- 
geordnet. 

*) Nachtrag: Wie Kleinschmidt {Parus Salicarius p. 12) bekannt gibt, 
hörte Weigold im nördlichen Szetschwan von Parus affinis folgende Laute: 
„(^ dschäh diht djä, § nach Abschuß des (^ si dschäht, ein anderes Mal si däh". 
Das spricht sehr für die Annahme, daß diese Meise eine Easse von P. atri- 
capillus darstellt. Über die Stimme von Parus sclateri berichtet F. M. Chap- 
man „The call of this Titmouse is a rapid, vigorous, double-noted whistle repea- 
ted three times, and not at alllike the notes ot Parus atricapillus. In its 
conversational „juggling" notes there is, however, a marked similarity to the 
corresponding notes of that species". (Bull. Araer. Mus. Nat. Hist. 10, 1898, p. 38.) 

3) J. GrinneU, Pacific Coast Avifauna Nr. 1, 1900, p. 59. 

*) W. Brewster, Auk 3, 1886, p. 177. — Nachtrag: Kleinschmidt tut diesem 
trefflichen, mit den Eufen beider Arten wohlvertrauten Beobachter gewiß Un- 
rt'cht, wenn er meint, der eine der beiden verhörten Vögel habe den Friibjahrs- 
pfiff, der aridere den Gesang von sich gegeben (Parws Salicarius p. 14). Auf 
das Bestehen einer Bastardrasse in diesem Gebiet vermögen wir aus Brewster's 
Angaben nicht zu schließen; der P. atricapillus der Black Mountains soll sich 
zwar durch geringere Größe, aber auch durch schlankeren und spitzeren Schnabel 
von der Nominatform unterscheiden, während P. carolinensis im Gegenteil durch 
größeren, plumperen Schnabel \ox dieser ausgezeichnet ist. 



Ges. Bay. 

stelle zuzuschreiben, daß Hellmayr 1911 beide Formen unter dem 
Speziesnamen Parus atricapillus vereinigte. Parus carolinensis 
scheint also in Nordamerika dem paläarktischen P. palustris zu 
entsprechen (parallele Entwicklung: glänzendere Kopfplatte, schärfer 
abgesetzter Kehlfleck gegenüber P. atricapillus); beide entwickelten 
sich südlich von P. atricapillus. Während jedoch P. palustris tief 
ins atricapillus-Gehiet vorgedrungen ist, berühren sich die Wohn- 
gebiete von P. carolinensis und P. atricapillus auf weite Strecken 
nur (wie wir es als Eigentümlichkeit vikariierender Rassen kennen), 
und scheinen lediglich stellenweise in verhältnismäßig schmaler 
Zone übereinanderzugreifen (so in Indiana, Caroll County, Auk 
1889, p. 29; im nördlichen Teil von West- Virginia, Auk 1915, p. 499). 
Das gleiche, leicht zu Trugschlüssen über die physiologische Ver- 
wandtschaft führende Bild wiederholt sich z. B. in der Berührungs- 
zone von Coracias garrulus und Coracias benghalensis. Gelegentliche 
Bastarde, wie sie zwischen beiden Coraems- Arten bekannt geworden 
sind (2 oder 3 Exemplare), vermögen die Ansicht nicht zu ent- 
kräften, daß eine zu spezifischer Vereinigung rechtfertigende 
sexuelle Affinität nicht besteht; von einer solchen kann nur bei 
größerer Häufigkeit der Bastarde (Bildung einer „Mischrasse") 
die Rede sein. 

PaläogeograpMe und ßassenl)ildiing. 

Innerhalb des gewaltigen Raumes, den wir oben näher um- 
grenzt haben, gliedert sich die Formengruppe Parus atricapillus 
in eine große Zahl von geographischen Rassen. Das Studium der- 
selben ist in Nordamerika noch nicht so weit gediehen wie in 
Europa; auch über die zentralasiatischen Formen, insbesondere 
ihre Verbreitungsgrenzen, sind wir bisher nur ungenügend unter- 
richtet. Als gut bekannt dürfen dagegen die meisten nordasiatischen 
und europäischen Rassen gelten, so daß wir uns im folgenden Ab- 
schnitt nur mit ihnen eingehend beschäftigen wollen. 

Auf dem asiatischen Kontinent nördlich des 45." N. und dem 
europäischen Festland unterscheiden wir (Str. und S.) 9 Rassen 
von Parus atricapillus, nämlich: 

kamtschatkensis Bp. — Kamtschatka. 

suschkini Hachlow — Tarbagatai und Ssaur-Gebirge. 

haicalensis Swinh. — Ganz Sibirien vom Ochotskischen Meer bis 
zum Ural, sowie (nach Hartert) NO.-Rußland ^). 

borealis Selys — Das übrige Gebiet Rußlands, Fenno-Skandia. 

tischleri Kleiusch. — Ostpreußen, West-Beskiden, Polen? 

assimilis Brehm — Karpathen etwa vom 20." 0. ab, Trans- 



') Eine uns vorliegende Cotype von Poecile tunJcatiensis M&d. unterscheidet 
eich nicht von F. a. haicalensis. 



XIV 

1920 



7 Q "1 

' "' I Streeemann & Sachtleben: Die europ. Mattkopfmei'sen. 237 



sylvauische Alpen, G-ebirge Bulgariens, Serbiens, Montenegros, der 
Herzegowina und Bosniens. 

salicarius Brehm — Deutschland westlich etwa vom 18.** 0. 
ab, mit Ausnahme des Rheingebiets und NW.-Deutschlands sowie 
der bayerischen Hochalpen. 

rhenanus Kleinsch. — Niederlande, in Deutschland ein Streifen 
rechts des Rheines und alles linksrheinische Gebiet, Belgien, Nord- 
frankreich. 

mo7itamis Baldenst. — Ost- und Westalpen, Juragebirge. 

Unter diesen 9 Rassen scheint nur kamtschatkensis, entsprechend 
der isolierten Lage seines Wohngebietes, scharf gegen die Nachbar- 
rassen abgegrenzt zu sein (wiewohl diese Annahme sich nach ge- 
nauerer Erforschung des nördlichen Stauowoi-Gebirges als irrig er- 
weisen könnte) ; alle übrigen sind durch geographische Bindeglieder 
miteinander verknüpft, und allmähliche Übergänge führen daher 
vom großen, oben hellgrauen haicalensis zum kleinen bräunlichen 
7'henanus. Baicalensis bewohnt in oifenbar gleichmäßiger Aus- 
bildung ganz Sibirien zwischen 140" 0. und 60" 0., borealis das 
nördliche Europa etwa vom Uralgebirge bis 23 " 0. (wenn wir vom 
fennoskandischen Wohngebiet absehen, welches bis 5" 0. reicht). 
Dicht westlich des Uralgebirges, im Gouv. Ufa, leben Paarungs- 
gemeinschaften, die zwischen beiden Formen vermitteln, so daß 
Suschkin einige Individuen als borealis, andere als haicalensis, viele 
als intermediär ansprach^). Die Rasse salicarius ist in Mittel- 
europa etwa zwischen 18" 0. und 9"0., sowie nördlich von 48" N. 
heimisch; so auffällig auch ihre Verschiedenheit von borealis ist, 
so wird der Gegensatz doch in vollkommener Weise durch die 
Rasse tischleri überbrückt, welche, im Raum zwischen Karpathen 
und Ostsee wohnend, die geographische Lücke füllt. Von 8" 0. 
bis mindestens 7" 0. erstreckt sich das Verbreitungsgebiet von 
rhenanus, dessen Unterschiede gegenüber salicarius nur in den 
Extremen auffällig sind und sowohl durch individuelle, wie (in 
NW.-Deutschland) durch geographische Bindeglieder verwischt 
werden. Die europäischen Bergformen assimilis und montanus 
stehen beide in räumlicher Berührung mit Tiefenformen: assimilis 
mit tischleri in Westgalizien, montanus mit salicarius in den nörd- 
lichen Voralpen. 

Es erhebt sich nun die Frage, die bei Betrachtung ununter- 
brochener Formenketten stets gestellt werden sollte: Inwieweit 
sind die Rassen durch homozygote Zwischenformen, inwieweit durch 
heterozygote Mischformen miteinander verknüpft? 

Um hierauf eine Antwort geben zu können, müssen wir alle 
Hilfsmittel heranziehen, welche dabei von Nutzen sein können. 

') P. P. Suschkin, Die Vögel des Gouv. Ufa. Materialien zur Erforschung 
der Fauna und Flora des niss. Eeiches IV, Moskau 1897. p. 243—244. 



;i^38 Stresemann & SacMeben: Die europ. Mattkopfmeisen. 1 Verh. üru. 

Wir erblicken sie: 1. im heutigen Verbreitungsbild; 2. in der ver- 
gleichenden Untersuchung der individuellen Variation; 3. in der 
Aufsuchung analoger Beispiele; 4. im Kreuzungsexperiment; 5. in 
den Ergebnissen der paläogeographischen Forschung. 

Prüfen wir diese Argumente in der vorgezeichneten Reihen- 
folge! 

Auf den ersten Blick fällt uns auf: große Gleichförmigkeit im 
nördlichen Asien, reiche Gliederung in Europa. In Sibirien brütet, 
falls wir recht unterrichtet sind, die gleiche Rasse [haicalensis] bei 
Obdorsk unterm Polarkreis und in den Kiefernwäldern der kulun- 
dinischen Steppe unter 52" N., endlich auch in den hochgelegenen 
Nadelwäldern des Altai. In Europa dagegen rascher Vi^echsel; 
hier leben hart nebeneinander gut unterschiedene Rassen: große 
auf den Hochgebirgen, kleine bräunliche im Tiefland des Westens, 
eine graue im Norden. Die Ornithologen sind an dieses Mißver- 
hältnis zwischen Raum und Formenreichtum so gewöhnt, daß sie 
nichts Auffälliges mehr darin erblicken. Von den vielen analogen 
Fällen seien folgende erwähnt: Der Formenkreis Bryohates major 
nimmt als Rasse brevirostris fast genau das Wohngebiet des P. a. 
haicalensis ein, als Rasse major etwa dasjenige von P. a. horealis-^ 
erst im Westen und Süden Europas folgen Rasse auf Rasse : pine- 
torum, arduennus, italicus, candidus, hispanus. Fast das gleiche 
wiederholt sich bei Aegithalos caudatus. 

Wie ist dies zu erklären ? Sind wirklich die Lebensbedingungen 
in dem ungeheuren Raum Sibiriens und Osteuropas so viel gleich- 
förmiger als in Mittel- und Westeuropa? Ist also das Kartenbild, 
auf dem wir die unterscheidbaren Rassen eintragen, gleichzeitig 
ein Ausdruck der heutigen klimatologischen Verhältnisse? Oder 
ist die Rassenbildung ein Produkt viel komplizierterer Einflüsse 
und Vorgänge? Wir glauben triftige Beweise für die zuletzt aus- 
gesprochene Annahme ins Feld führen zu können. 

Je schmaler das Wohngebiet einer zwischen leicht kenntlichen 
Extremen vermittelnden Rasse, um so wahrscheinlicher ist in der 
Regel die Annahme, daß eine Mischrasse vorliegt. Der rasche 
Übergang von haicalensis zu borealis läßt kaum einen Zweifel zu, 
daß er durch heterozygote Populationen hergestellt wird. Er voll- 
zieht sich an der Uralschwelle, welche eine wichtige faunistische 
Grenzlinie bedeutet. Hier verschmolzen Oarrulus g. glanda^-ius 
und hrandtii (die Mischrasse X severxowi zeugend), Parus caeruleus 
und cyanus (X pleskii), Dryohates major major und brevirostris^ 
Dryohates leucotos leucotos und uralensis, Dryohates minor minor 
und kamischatkensis, Bubo huho bnho und Sibiriens, Carduelis car- 
duelis carduelis und major, Sturnus vulgaris vulgaris und polta- 
ratzkyi, Motacilla alba alba und dukhunensis, Sitta europaea euro- 
paea und uralensis, Phylloscopus collyhita abistinus und tristis etc. 



XTV S ~\ 

' ' j Stresemann & Sachtleben: Die europ. Mattkopfraeisen. 239 

Eine befriedigende paläogeographische Erklärung dieses Befundes 
steht noch aus. Leichter ist sie für die zweite wichtige Faunen- 
schwelle Europas zu finden, die wir die polnische Schwelle 
nennen wollen^). Sie ist zum Mischgebiet von Sitta europaea 
europaea und caesia (X homeyeri und X sztolcma7ii), von Buteo 
biäeo vulpirms und buteo (X rußcaicdus und X mtermedius), von 
Phylloscopus collybiia ahietinus und coZ^?/6^Va geworden; ihr Verlaut 
wird annähernd durch das Wohngebiet von Parus atricapillus 
tischleri bezeichnet, der darum mit einiger Wahrscheinlichkeit für 
ein Kreuzungsprodukt von borealis und salicarius gehalten werden 
kann. Freilich versagt hier das Argument, das wir anführen 
konnten, als wir den Übergang zwischen Corvus corone corone und 
cornix, zwischen den Schwanzmeisen und zwischen den Kleibern 
mit der Theorie der Hybridisation erklärten: die individuelle 
Variation. Diese ist nämlich bei tischleri nicht erheblicher als 
bei den Nachbarformen borealis und salicarius. Hierbei ist jedoch 
zu bedenken, daß die Färbungsunterschiede zwischen borealis und 
salicarius nicht beträchtlich sind, und wir daher nach allmählicher 
Blutmischung derselben keine auffällige Breite der individuellen 
Variation erwarten können. Bei der Vermischung von Aegithalos 
caudatus caudatus X pyrenaicus, Sitta europaea europaea X caesia, 
Monticola solitarius solitarius X philippensis liegen die Bedingungen 
ungleich günstiger. Aus dem gleichen Grunde wird auch das 
Kreuzungsexperiraent die Frage schwerlich entscheiden können. 

Es bleibt noch übrig, die Paläogeographie als Hilfswissenschaft 
in den Kreis unserer Betrachtungen zu ziehen. 

Die Gruppe Parus atricapillus ist für Europa im Gegensatz 
zur Gruppe Partis palustris nördlicher Herkunft, wie ihre heutige 
Verbreitung überzeugend dartut. Wir müssen daher unsere Unter- 
suchungen im Quartär beginnen. Mit der einfachen Annahme, die 
wir zur Erklärung des Entstehens von großem und kleinem Gimpel, 
von Waldbaumläufer und Gartenbauraläufer machten (und machen 
durften, da hier die älteren klimatischen Oszillationen der Quartär- 
zeit ohne dauernden Einfluß auf die Rassenbildung und Rassen- 
verteilung geblieben sind, indem ihre Wirkungen durch den Haupt- 
vorstoß des Eises völlig vernichtet worden sein dürften) — nämlich : 
Vordringen nach Europa vom nördlichen Asien her etwa im Pliozän, 
Zerlegung des Wohngebietes in eine südwestliche und eine östliche 
Hälfte durch den Vorstoß des Inlandeises — kommen wir hier 
nicht aus, denn sie versagt gänzlich, wenn wir sie auf die Rassen 
montanus und assimilis anwenden wollen. 



1) Die Annahme liegt nicht fern, daß Westmßland und Ostdeutschland 
während der letzten (baltischen) Eiszeit durch einen waldlosen Gürtel getrennt 
waren, der, zwischen dem Südrand des baltischen Inlandeises und den Karpathen- 
gietschern gelegen, sich mit nordsüdlichem Verlauf durch das mittlere Polen zog. 



iVßrli Orn 
240 Stiescniauu & Sachtleben: Die europ. Mattkopfmeisen. 1 

L Ges. Baj'. 

Folgende Überlegung wird dies sogleich klar machen. Die 
Rasse, welche die Alpen bewohnt (P. a. montanus), steht in der 
Färbung dem P. a. salicarius am nächsten, übertrifft jedoch nicht 
nur diesen, sondern selbst borealis an Größe (Maximum der Flügel- 
länge bei borealis 68, bei montanus 69.5 mm). Ihr heutiges Wohn- 
gebiet war während der größten Vereisung Europas von Firnfeldern 
und Gletschern bedeckt. Wenn also heute montanus als wohl- 
differenzierte Bergform mitten zwischen kleineren Rassen der Ebene 
lebt, so kann sie ihre jetzigen Kennzeichen, insbesondere ihre be- 
deutende Größe erst im Postglazial erworben haben. Was hindert 
uns angesichts dieser bedeutenden Plastizität der Formengruppe 
unter der Wirkung äußerer Einflüsse anzunehmen, daß auch 
die übrigen europäischen Rassen ein postglaziales Alter besitzen? 
Bekennen wir uns zu dieser Hypothese, so sind für uns salicarius 
und seine Übergänge zu rhenanus, sowie die (in den nördlichen 
Voralpen vermuteten) Bindeglieder zwischen salicarius und mon- 
tanus keine Mischformen, sondern echte Zwischenformen. 

Einen deutlichen Hinweis auf die Geschichte der Mattkopf- 
meisen glauben wir in dem Umstand erblicken zu können, daß 
diese Art selbst in Mitteleuropa vorzugsweise solche Orte zum 
Wohnplatz erwählt, deren pflanzenphysiognomischer Charakter 
eine Ähnlichkeit mit den Waldungen des hohen Nordens und jenen 
Waldinseln besitzt, die während der Glazialzeit zwischen nordischem 
und alpinem Eisrand erhalten blieben. 

Im Araurlande findet man sie [haicalensis) im Sommer „in 
ziemlich lichtem Nadelwalde, im Winter in Lärchen wäldern, Birken- 
gehölzen, Weiden- und Erlengebüschen" (v. Schrenck); in den Küsten- 
gebieten am Ochotskischen Meer ist sie an die Nadelwälder ge- 
bunden (v. Middendorff); am Onon fand sie Radde in Birken- 
gehölzen. In Kamtschatka brütet sie vermutlich nur in Nadel- 
wäldern, dagegen stellte sie sich im Herbst zahlreich in Birken- 
und Erlenbeständen bei Petropawlowsk ein (Stejneger). Auf Hondo 
traf C. Ingram (Ibis 1908, p. 146) die Mattkopfmeise am Fudjijama 
„among the old coniferous trees". In Mittelschweden lebt sie nach 
Wallengren nur in Nadelwäldern, während sie in Nordschweden 
über die Birkenregion hinaus in die Zone der Zwergbirken und 
Weiden geht (Sundevall). In den Gebirgen Norwegens liebt sie 
den Birkenwald, in den Ostbezirken des Königreichs dagegen trifft 
man sie nur im Nadelwald (Schaaning\ Im südlichen Westsibirien 
begegnete ihr Johansen zur Brutzeit im Kiefernwald. Bacmeister 
stieß in Polen in lichtem Kiefern-Niederwald und im Ufergebüsch 
eines sumpfigen erlenbestandenen Weihers auf Mattkopfmeisen. 
Im nördlichen und mittleren Deutschland geben sie in aus- 
gesprochener Weise dem Nadelwald, insbesondere dem Kiefern- 



on i Stresemann & Sachtleben: Die europ. Mattkopfmeisen. 241 

Stangenholz, den Vorzug^), finden sich jedoch auch hier schon iu 
Kopfweidenpflanzungen am Rand von Gewässern. Das gleiche gilt 
für die bayerische Hochebene. In den europäischen Hochgebirgen 
(Alpen, Karpathen, Gebirge der Balkanhalbinsel) ist unser Vogel 
an den Nadelwald gebunden und legt auch hier eine Vorliebe für 
Pinus silvestris an den Tag. Anders in den Rhein gegenden, in 
Holland, Belgien, Nordfrankreich, Großbritannien. Dort fehlen 
Fichte und Kiefer fast überall, wo die Weidenmeise vorkommt. Sie 
begleitet iu diesen Gebieten nicht nur die Kopfweide, sondern lebt 
auch (in Nordfrankreich vorwiegend) in sumpfigen, unterholzreichen, 
ungepflegten Laubwäldern (Eiche, Hainbuche, Hasel, Schwarz- 
dorn etc.) ; wenn aber dort irgendwo Fichtendickungen vorkommen 
(Niederrhein, bei Blämont etc.), so kann man mit großer Wahr- 
scheinlichkeit darauf rechnen, in ihnen Weidenmeisen zu finden. 
Welcher Vegetationsform folgt nun Parus atricapillus? Seine 
Ansprüche an die Umgebung sind vielseitiger als die der Hauben- 
meise, der Tannenmeise oder des Wintergoldhähnchens, welche 
in Mitteleuropa kaum irgendwo fehlen, wo Nadelwaldungen in 
größerem Umfange vorkommen, dabei aber auch nur in diesen (und 
niemals im Laubholz) brüten. In manchen Gegenden des östlichen 
und mittleren Deutschlands, in denen Pams atricapillus häufig ist, 
begegnet man ihm vorwiegend im Kiefern-Stangenholz, so in Ost- 
schlesien, der Lausitz, dem sächsischen Erzgebirge, der südbaye- 
rischen Hochebene, Thüringen. Aber in weiten Gebieten, die 
gleichfalls seit Jahrhunderten, vielleicht seit dem Postglazial, mit 
Kiefernwaldungen bedeckt sind, fehlt er: so in der Umgebung 
Dresdens (Dresdner Heide) und in vielen Gegenden der Mark 
Brandenburg. Die Ursache ist vielleicht in der großen Einförmig- 
keit der dort auf trockenem Sandboden stehenden Bestände von 



^) Wir verdanken Herrn Dr. 0. Natorp, der die Ethologie der Weidenmeise 
aus vieljähriger Erfahrung kennt, folgende bezeichnende Schilderung ihrer Lebens- 
weise in Ostschlesien : „ Parus [atricapillus] salicarius ist_ in allen oberschlesi- 
schen Nadelholzrevieren häufig und mit Bestimmtheit an Örtlichkeiten, wie sie 
der Vogel hebt, das ganze Jahr hindurch anzutreffen. Solche Örtlichkeiten sind 
Kiefernwald mit ungleichen Beständen, Schonungen, dazwischen dicht verwachsene 
Horste eingesprengt, auch vermischt mit Fichten und Birken in verschiedenem 
Alter, oder alte Bestände mit hebten Stellen und Unterholz, nicht zu weit von 
dichten Schonungen entfernt. Meist ist der Waldboden wenigstens stellenweise 
mehr oder weniger feucht. Solche Stellen, die auch im Hochsommer nicht voll- 
kommen austrocknen, scheinen besonders bevorzugt zu werden. Kurz und gut: 
gemischter Kiefernbestand, womöghch mit Dickungen und etwas feuchtem 
Waldboden oder gar Wasser in der Nähe, mit eingesprengten Fichten und (viel- 
leicht zufällig) Birken birgt P. salicarius in Oberschlesien bestimmt. Nun traf 
ich die Art auch noch 4 km nord-nordöstlich von Eoschkowitz hart an der pol- 
nischen Grenze, wo große Moore mit Torflöchern (früher wurde dort Torf ge- 
graben) und viel Erlen- und Weidengestrüpp ist. Dort hält sich immer eine 
Famihe P. salicarius auf; im September und Oktober trifft man dort die Alten 
mit den Juugen." 

16 



919 Stresemanu & Sachtleben: Die europ. Mattkopf meisen. 1 ^^ ' ^°' 

^ |_ Ges. Bay. 

Pi7ius silvestris zu erblicken. Ficlitendickungen scheint die Art 
nur dann während der Brutzeit zu bewohnen, wenn in ihrer un- 
mittelbaren Nachbarschaft Nistgelegenheiten bestehen, sei es in 
Gestalt von morschen Baumstümpfen, Pfählen oder Bäumen mit 
weichem Holz. Korbweiden pflanzungen sagen ihr offenbar nur zu, 
wenn sie an dichtes Ufergestrüpp grenzen. Im allgemeinen ge- 
winnen wir folgenden Eindruck: Die Weidenmeise verlangt für 
ihren Brutplatz dichtes Unterholz und Geäst (wie es sich vor- 
wiegend in Sumpfwäldern und jungen Nadelwäldern bietet) in Ver- 
bindung mit der Nachbarschaft von Bäumen oder Baumstümpfen, 
in die sie ihre Nisthöhle meißeln kann. Sie scheut wohldurch- 
forstete, unterholzarme Laubwälder (insbesondere Buchenwälder), 
hochstämmige eintönige Nadelwälder (besonders Tannenwälder, 
aber auch Fichtenwälder) und lichte parkartige Anlagen und Gärten. 
So mag es kommen, daß sie im Hochgebirge vornehmlich in den 
Tälern und an der oberen Waldgrenze (zumal wenn dieser ein 
Latschengürtel folgt) zu Hause ist. Sie liebt es eben (im Gegen- 
satz zu Tannen- und Haubenmeise) nicht, ihre Nahrung hoch über 
dem Boden zu suchen, in dieser Eigenart den Grasmücken und 
der Heckenbraunelle ähnelnd. 

Kiefernwälder auf feuchtem Grund, Erlen- und Weidendickicht 
an Brüchen und Flüssen (im Osten auch die Fichte) — das ist 
die Vegetation, die nach quartären Ablagerungen zu schließen an 
manchen Plätzen des germanischen Mitteleuropa die Eiszeit über- 
dauerte. Wie heute noch in den von Kiefern gebildeten Wald- 
inseln der kulundinischen Steppe die Mattkopfmeise zu Hause ist, 
so mag sie während des Diluviums inmitten der Tundra Orte genug 
gefunden haben, die ihr die Ansiedlung ermöglichten. Wir halten 
sie daher für ein Glied der großen Tierwelle, welche in der Eis- 
zeit von Nordosten kommend die unvergletscherten Gebiete über- 
flutete. Mit dem Abschmelzen des Eises nahm die Bedeckung des 
Bodens mit Nadelwäldern, zunächst wohl vorwiegend Kietern- 
wäldern, zu, und Parus atrieapillus konnte dadui'ch an Raum ge- 
winnen. Er mag in langen Zeiträumen, bevor der Mensch durch 
Forstkultur und Ackerbau, Entwässerung und Flußregulierung ihm 
die Daseinsmöglichkeiten beschnitt, ein viel häufigerer Vogel Mittel- 
europas gewesen sein als gegenwärtig. Es ist nicht unwahrschein- 
lich, daß die Weidenmeise einstmals auch Jütland und die däuischen 
Inseln bewohnte (von wo man sie in der Gegenwart nicht kennt) ^), 
denn wir wissen, daß die Kiefer dem zurückweichenden Inlandeis 
aus dem norddeutschen Tiefland über diese Gebiete nach Schweden 
folgte und dort in der Ancj^luszeit waldbildend auftrat. Erst Jahr- 

^) Der nördlichste von der jütischen Halbinsel bekannt geAVordene Fundort 
ist Crelting in Schleswig, wo Dr. v. Jordans (in htt.) die Weidenmeise zur Brut- 
zeit nicht selten fand. 



' ' j ötreseiiianü & Sachtlebeu: Die europ. Mattkopf raeisen. 243 

tausende später ist sie der Konkurrenz der Eiche und diese 
wiederum derjenigen der Buche völlig erlegen^). Die wenigen 
Kiefernbestände, die man heute in Dänemark trifft, sind erst neuer- 
dings durch die Forstverwaltung angelegt worden. 

Wollen wir also auch die Möglichkeit zugeben, daß Parus 
atricapühis im Postglazial von der norddeutschen Tiefebene her 
Dänemark erreichte: fest steht, daß er Skandinavien nicht von hier 
aus besiedelt hat. Die Mattkopfmeisen von ganz Fenno-Skandia 
sind identisch mit den russischen ^j, nicht mit den in Mecklenburg 
und Schleswig-Holstein lebenden und unterscheiden sich von diesen 
auf den ersten Blick. Wenn wir salicarius und seine Übergänge 
zu rlienanus als reinblütige, durch klimatische Wirkungen ent- 
standene Zwischenformen gelten lassen, so müssen wir weiter 
folgern, daß die Besiedelung Nordwestdeutschlands von selten der 
Weidenmeise zu einem viel früheren Zeitpunkte erfolgte als die- 
jenige Skandinaviens; denn nur so ist es zu erklären, daß wir an 
der den Einwirkungen des Golfstroms ausgesetzten Westküste 
Norwegens eine Rasse finden, die mit der nordrussischen, nicht 
mit derjenigen von Schleswig-Holstein, übereinstimmt. 

Die Glazialgeschichte Skandinaviens gibt uns hierfür eine ein- 
leuchtende Erklärung. Die Geologen nehmen jetzt fast einstimmig 
mehrere, durch wärmere Interglazialzeiten unterbrochene Vorstöße 
des Inlandeises an, und zwar gewöhnlich drei, von denen der zweite 
am weitesten gegen Süden reichte (vgl. V. 0. G. B. XIV, 1919, 
Tafel 1). Der Gletscher der letzten, sogen, baltischen Eiszeit er- 
reichte weder England noch das Innere Rußlands; dagegen waren 
ganz Skandinavien, Finnland, NW.-Rußland, die Ostseeprovinzen 
und in Deutschland ein schmaler Saum südlich der Ostsee vom 
Eis begraben. Parus atricapilliis konnte sich damals im größten 
Teil Rußlands, im germanischen Mitteleuropa und in England (das 
damals noch nicht vom Festland losgelöst war) erhalten; Skan- 
dinavien dagegen war unbewohnbar. Erst nach dem Abschmelzen 
der baltischen Eiskappe wanderte dort die heutige Flora und Fauna 
nach und nach ein. Die Untersuchungen der schwedischen Moore 
haben die Aufeinanderfolge der Floren und ihre Einwanderungs- 
wege aufgedeckt. Wir wissen jetzt, daß von Dänemark her zuerst 
die arktisch-alpine Z)r?/as-Flora, dann die Birkenflora, dann die 
Kiefernflora, nach ihr die Eichenflora und endlich die Buchenflora 
einwanderte. Diesen südlichen Eindringlingen steht eine zweite 
Gruppe gegenüber, welche von Nordosten, über Nordrußland— Finn- 



*) Qr. Aiiderssou, Die Entwicklungsgeschichte der skandinavischen Flora. 
Ergebu. Int. Botan. Kongr. Wien 1905, Jena 1906, p. 74. 

^) Nachtrag: Es ist uns völlig unerklärlich, was Kleinschmidt zu der Be- 
hauptung veranlaßt hat, die russischen Vögel wären mit assimilis identisch und 
von den Skandinaviern verschiedeu. 

16* 



011 fetresemann & öachtleben: Die europ. Mattkopfmeisen, i ^^ ' ^''^' 

'^^ L Ges. Bay. 

laiid nach Schweden kam: die Fichte und ihre Begleiter. Die 
Fichte besitzt in Skandinavien kein sehr hohes Alter; Andersson 
nimmt an, daß sie, vom mittleren Norrland her, „wo sie sicherlich 
am ältesten ist", südwärts vorrückend, erst vor 5000 — 6000 Jahren 
im mittleren Skandinavien auftrat und ihre klimatische Grenze 
noch nicht erreicht hat^). Die Rassenforschung liefert nun 
den kaum anfechtbaren Beweis, daß Parus atricapülus in 
Skandinavien mit der Fichte, nicht mit der (älteren) 
Kiefer einrückte^). Dies erscheint bei der offenkundigen Vor- 
liebe der Mattköpfe für das Leben im Kiefernwald befremdend, 
ist aber eine ebenso gesichert erscheinende Tatsache wie der Um- 
stand, daß Weidenlaubsänger, Kleiber und viele andere den Laub- 
wald liebende Vogelarten von NO., nicht von S. her in Schweden 
einwanderten. Gewiß muß uns dieser Befund aufs äußerste ver- 
wundern ; denn wenn wirklich die ersten Waldungen auf der skan- 
dinavischen Halbinsel sich von Süden her vorschoben und erst viel 
später auch eine östliche Einwanderung von Pflanzengesellschaften 
einsetzte, so sollten wir in Schweden eine Mischung nordwest- 
deutscher und nordrussischer Rassen derselben Formengruppe mit 
Überwiegen der ersteren erwarten; dies ist jedoch durchaus nicht 
der Fall. Mit einer einzigen Ausnahme [Budytes flavus) haben 
die Formenkreise, die sich in Rußland und NW.-Deutschland zu 
verschiedenen Rassen ausgebildet haben (außer den genannten 
nach Dryobates major, Dryohates minor, Pyrrhula pyrrhula, Parus 
cristatus, Luscinia svecica etc.), ganz Skandinavien von Osten 
her besiedelt! Dies ist eine der rätselhaftesten Erscheinungen, 
welche das ornithologische Rassenstudium aufgedeckt hat. 

Die britische Rasse, P. a. kleinschmidt% steht der rheinisch- 
nordfranzösischen, P. a. rhenanus, überaus nahe; ihr unter- 
scheidendes Kennzeichen besteht vornehmlich in der dunkleren 
Oberseite. Paläogeographisch ist dieser Befund leicht zu erklären. 
Da Großbritannien erst im Postglazial (etwa während der mittel- 
deutschen Tundrazeit) vom Kontinent abgetrennt wurde, so konnte 
P. a. rhenanus die noch lange nach dem Rückzug des Eises etwa 
zwischen 50° und 52° N. bestehende Landbrücke zur Einwanderung 
benutzen. Die Herausbildung der Inselrasse hleinschmidti ist wohl 
erst nach dem Einbruch des Kanals (also seit schätzungsweise 
25000 Jahren) erfolgt. Bemerkenswert ist, daß die Weidenmeise 
die Insel Irland nicht mehr erreichte; die Landbrücke Irland — Eng- 
land muß bald nach dem Schwund des Eises untergetaucht sein, 
da auch Sitta, Corvus corone corone, Parus palustris u. a. Arten 
nicht mehr nach Irland gelangten. 

') G. Andersson, 1. c. p. 36. 

') Im südlichen Schonen, wohin Picea excelsa noch nicht vorgedrungen 
ist (und Pinus silvestris der Konkurrenz der Eiche völlig erlag), fehlt auch die 
Mattkopfmeise. 



' ' I Ötresemann & tSachtleben: Die cuiop. Mattkopfineisou. 245 

1920 J 

Schwierig ist die Entscheidung, ob es nur die gegenwärtigen 
Vegetationsverhältnisse sind, welche nach Süden hin eine 
Schranke für die Ausbreitung der Mattkopf meisen aufrichten, oder 
ob hierbei auch Temperaturverhältnisse eine Rolle spielen. Außer 
Frage steht, daß gegen den Pol und auf den Hochgebirgen erst 
die Waldgrenze ihrem Vordringen Einhalt gebietet, und es ist 
bekannt, daß diese stellenweise, wenigstens außerhalb der Brutzeit, 
noch überschritten wird. So konnte P. a. montanus im Engadin 
noch bei 2400 m Höhe beobachtet werden (Saratz). In Schweden 
geht P. a. horealis weiter nach Norden als selbst Partes cinctus 
(Sundevall). Die Lage der Südgrenze in Europa legt die Ver- 
mutung nahe, daß Parus atricapillus die warmtemperierten Gebiete 
scheue und für den kalttemperierten Gürtel (der Erd- und Höhen- 
zonen) bezeichnend sei; aber dies mag ein Trugschluß sein, zu 
dem uns der Umstand verleitet, daß die Trockenheit in Europa 
gegen das Mittelmeer und den Pontus hin rasch zunimmt und daher 
die von P. atricapillus begehrten unterholzreichen Waldungen in 
den Tiefländern des Südens fehlen. Kein Zufall ist es jedoch 
— dies liegt klar auf der Hand — , daß uns in Asien und Amerika 
die gleiche Abhängigkeit der Formengruppe von den geschilderten 
ökologischen Bedingungen entgegentritt wie in Europa. Überall 
sind es die niederschlagsreichen koniferenbestandenen Hochgebirge, 
längs deren sie weit nach Süden wandern konnte: In Europa 
Alpen, Dinariden und Thrakische Masse, in Asien die Altaiden, 
in Nordamerika das Felsengebirge und das Alleghany-Gebirge. 
Dieses gleichartige ökologische Verhalten ist ein ebenso triftiger 
Beweis für die nahe Verwandtschaft aller dieser Meisen, die wir 
unter dem Formenkreisnamen atricapillus zusammenfassen, wie die 
weitgehende Übereinstimmung ihrer Laute. 

Oefiederwechsel und Altersvariatioii. 

Gefiederfolge: Dunenkleid — Jugendkleid — kombi- 
niertes I. Jahreskleid — einheitliches IT. Jahreskleid etc.; Mauser- 
folge: Jugendmauser (Teilmauser zwischen VII. und X.) — 
I. Jahresmauser (Vollmauser zwischen VI. und X.) etc. 

Der Geflederwechsel wird bei der Ja.-M. mit dem Ausfall 
der innersten (10.) Handschwinge eröffnet und setzt meist erst 
im VIL, selten schon im VI. ein. Erst nachdem etwa die 7. Hand- 
schwinge gefallen und die neue Generation der 10. — 8. Hand- 
schwinge im Wachstum begriffen ist, greift die Mauser auch auf 
die Steuerfedern (mit deren zentralem Paar beginnend) und auf 
die Armschwingen (mit der innersten Armschwinge beginnend) 
über. Noch später, kaum vor Ende des VIL, findet man frische 
Blutkiele im Kleingefieder, und zwar zunächst an Körperseiten 
und Rücken, von wo der Federwechsel rasch nach dem Kopf zn 



246 Stresemann & Sachtleben: Die europ. Mattkopf meisen. 1 ^^'^-^J"!^- 

[_ Ges. Bay. 

vorschreitet ^). Die bedeutende Länge der Rückenfedern bringt 
es mit sich, daß diese unter den Elementen des Kleingefleders, 
wiewohl am frühesten erneuert, dennoch in der Regel am spätesten 
ihre volle Länge erreichen. Während die 1. Handschwinge und 
das äußerste Steuerfederpaar spätestens Anfang IX. ausgewachsen 
sind, kann man noch im X., zuweilen gar im XI. einzelne Rücken- 
federn finden, die an ihrer Basis Wachstumszeichen tragen. 

Die Ju.-M. ist wie bei allen Angehörigen der Gattung Pan^s 
eine Teilmauser, das I. Ja.-K. daher ein kombiniertes. Der Ge- 
fiederwechsel, auf das Kleingefieder und die Tertiären beschränkt, 
vollzieht sich an den jungen Vögeln wenige Wochen nach dem 
Ende V. oder im VI. und VII. erfolgenden Ausfliegen und bald 
nachdem das Großgefieder ausgewachsen ist; wir konnten seinen 
Beginn nicht vor dem VII. und nicht nach dem VIII. feststellen, 
so daß die Mauserzeit mit der Ja.-M. zeitlich annähernd zusammen- 
fällt. Etwa zwischen IX. und XIL gelingt es oft, die das I. Ja.-K. 
tragenden Individuen von den älteren am Zustand des Großgefieders 
zu unterscheiden, welches bei ihnen (entsprechend einer um 1 bis 
3 Monate längeren Tragdauer und der oft schwächeren Pigmen- 
tierung) stärker abgenutzt zu sein pflegt. Dieses Unterscheidungs- 
merkmal verwischt sich mit zunehmender Abreibung mehr und 
mehr und läßt schon im Frühjahr meist im Stich. Ein anderes 
Kennzeichen des I. Ja.-K., auf das bereits Dwight^) aufmerksam 
machte und das für die meisten Passeriformes Gültigkeit besitzt, 
ist am Schädel zu finden. Die Ausbildung der Diploe an den 
häutig präformierten Deckkochen schreitet sehr langsam voran; 
im basalen Teil der Frontalia und Parietalia beginnend, rückt sie 
allmählich nach der Scheitelregion vor und findet erst lange nach 
Beendigung der Ju.-M., häufig erst im XII., ihren Abschluß. Am 
spätesten wird der endgültige Zustand im hinteren Drittel der 
Stirnbeine beiderseits der Frontalnaht erreicht. Der Unterschied 
zwischen endgültig verknöcherten und jugendlichen Schädeln ist 
ein sehr auffälliger. Jene erscheinen (nach Entfernung des Gehirns) 
in der Aufsicht mit weißen, in der Durchsicht mit schwarzen 
Punkten über und über besät (diese Punkte entsprechen den Au- 
satzstellen der Knochenbälkcheu), bei diesen hingegen machen 
sich die Partien, an denen die Knochenplatte noch nicht in lamina 
externa und l. interna geschieden ist, durch ihre größere Durch- 
sichtigkeit und ihre homogene, trübglasige Färbung ohne weiteres 



') Diese Mauserzeiten gelten auch für Nordrußland. Vgl. die vorzügliche 
Arbeit V. Bianchi's: Biologische Notizen über die bei Uschaki (Gouv. Nowgorod) 
V)eobachteten Vögel. Beitr. Kenntn. Russ. Reiches (3) IV, 1888, p. 234. 

') J. Dwight, The Sequences of Plumages and Moults of the Passerine lürde 
of New York. Ann. New York Acad. Sc. XIII, 1900, p. 70-78. 



XIV 3 1 

' ' j Stresemann & Sachtleben: Die europ. Mattkopfmeisen. 247 

bemerkbar^); sie sind gegen die endgültig verknöcherten Teile 
scharf abgegrenzt. Wenn äußerlich sichtbare Merkmale eine 
sichere Altersbestimmung des Vogels nicht ermöglichen, so kann 
diese zwischen VIII. und XL während der Präparation nach 
diesem untrüglichen Kennzeichen erfolgen. Der Befund ist jedes- 
mal auf der Etikette zu vermerken, gegebenenfalls durch eine 
Skizze zu erläutern. 

Schließlich gelingt es in den meisten Fällen, das I. Ja.-K. 
an der schmäleren und spitzer zulaufenden Form der zentralen 
Steuerfedern (welche diese Art, ungleich Parus major und P. cae- 
ruleus, bei der Ju.-M. nicht erneuert) zu erkennen, wie bereits 
Kleinschmidt hervorgehoben hat^). 

Unsere Messungen an dem nach diesen Kennzeichen gruppierten 
Material machen es nicht unwahrscheinlich, daß der Flügel vor der 
I. Ja.-M. (der „Jugendflügel") im Durchschnitt ein klein wenig 
kürzer ist als nach der I. Ja.-M. (der „Altersflügel"). 

P. a. borealis: Ju.-Fl. d" 62—65.5, $ 59.5—62, 

A.-Fl. cT 62—67, g 61.5—64. 

P. a. tischleri: Ju.-Fl. cT 59.5—63.8, $ 60.5—63, 

A.-FL cT 62—64.5, 5 60—63. 

P. a. salicarius: Ju.-Fl. d" 59.5—64.5, g 58.5—62.5, 

A.-Fl. cT 60.5—65, $ 60—63.5. 

P. a. rkenanus: Ju.-Fl. cf 56.5 — 61.5, g 56 — 61.5, 

A.-Fl. cT 59.5—62, g 56.5-59. 

P. a. assimiUs: Ju.-Fl. d" 64.5 — 65.5, 

A.-Fl. cT 65.5-67. 

P. a. montanus: Ju.-Fl. cT 62.5—67, 

A.-Fl. cT 64.5—69, g 63.2—65. 

Gegen diese Annahme spricht freilich die Tatsache, daß Klein- 
schmidt bei einem P. a. montanus im Ju.-K. als Flügellänge 
69,5 mm fand ^) — unseres Wissens die obere Wuchsgrenze dieser 
Kasse. 

Die sexuelle Variation. 

Bei der Gruppe Parus atricapülus lassen sich die Geschlechter 
nach äußeren Merkmalen kaum unterscheiden*). Nur die Sektion 



1) Vgl. hierüber auch J. P. Öhapin, Bull. Amer. Mus. Nat. Hist. 37, 1917, 
p. 258, wo an einem Median-Sagittalschnitt durch den Schädel einer jungen 
Dendroica der histologische Unterschied zwischen beiden Zuständen erläutert 
wird, und H. Magnus, Untersuchungen über den Bau des knöchernen Vogel- 
kopfes, Zeitschr. f. wissensch. Zoologie 21, 1871, p. 5 — 7. 

"") Falco 6, 1910, p. 18. 

') O. Jb. 1897, p. 100. 

*) Wie bei so vielen anderen Passeriformes, so ist auch hier der 
Altersflügel des § etwas schwächer pigmentiert, daher nicht so schwarz als der 



248 Stresemann & Sachtleben: Die europ. Mattkopfmeisen. 1 ®^ ' '""' 

|_ Ges. Bay. 

entscheidet die Frage sicher, ob cf oder $ vorliegt. Bei der 
notorischen Unzuverlässigkeit der Geschlechts vermerke vieler 
Sammler (die nicht selten die Nebennieren für Hoden anseheo) 
führt blindes Vertrauen auf die Etikettierung leicht zu groben 
Irrtümern, und wir mußten uns daher entschließen, uns für die 
Feststellung der sexuellen Größenvariation von diesen An- 
gaben gänzlich freizumachen und ein Kontrollverfabren zu wählen. 
Die Messung großer Serien von Vögeln mit ausgeprägtem 
Geschlechtsdiraorphismus hat dem einen von uns (Str.) die Fest- 
stellung ermöglicht, daß sich bei den meisten Arten die Breite 
der rein individuellen Variation auf 8 — 10% der Durchschnitts- 
größe beläuft. Dies gilt auch für die Gattung Parus {luguhris, 
tnajor, caeruleus). Wenn wir für Parus atricapülus den Variations- 
koeffizienten 9 einsetzen, so dürften wir höchstens einen mini- 
malen Berechnungsfehler erhalten. Da er für den Mittelwert 
der rein individuellen Variation gilt, wir jedoch im vorliegenden 
Falle nur die Grenzwerte der Populations Variation kennen, so 
verändern wir den Koeffizienten entsprechend und erhalten die 
Formeln: 

Maximum X 8-5 tt • i.- ,_ -^ j 
— — = Variationsbreite des cT« 

Minimum X 9-5 tt x- u -x j 

— — = Variationsbreite des 9. 

100 * 

Diese Berechnung ergab: 
P. a. borealis: g 59.5 — 65.1, cf 61-3 — 67 mm. 
P. a. tischleri: Berechnung nicht möglich, da in unserer Serie 

Maximum und Minimum zweifellos nicht vertreten sind, 
P. a. salicarius: $ 58.5—64, cT ö9.5 — 65 mm, 
P. a. rhenanus: g 56 — 61.3, cT 56.7— 62 mm (bei Zugrundelegung 

von Kleinschmidt's Maximalmaß: cf 58.1 — 63.5). 
P. a. assimilis : Berechnung der Variation des g nicht möglich aus dem 

bei P. a. tischleri angeführten Grund; cf bei Zugrundelegung 

von Kleinschmidt's Maximalmaß 63.2 — 69 mm. 
P. a. montanus: g 62.5—68.4, cT 63.2—69 mm (bei Zugrundelegung 

von Kleinschmidt's Maximalmaß cf 63.6 — 69.5 mm). 
Der Vergleich dieser V/erte mit denen, die bei Berücksich- 
tigung der Etikettenvermerke erhalten wurden, ergab im großen 
und ganzen Übei'einstimmung. Einige Geschlechtsangaben konnten 
mit großer Wahrscheinlichkeit als falsch hingestellt werden. 



Altersflügel des (^, und gleicht in der Farbe dem Jugendflügel — ein sekun- 
därer Geschlechtscharakter, der nur an frisch vermauserten Vögeln auffällt. 
Nachtrag: Kleinschmidt (P. S. p. 11, Anm. 1) spricht von sexuellen Ver- 
schiedenheiten in Brustbeingröße und Schwanzlänge, ohne dies näher auszu- 
führen. Wir konnten keinerlei Unterschiede in der relativen Schwanzläuge der 
Geschlechter feststellen. 



XlV 3 1 

' ' I Streseraann & Sachtleben: Die europ. Mattkopf meisen. 249 

Jedenfalls unterliegt es keinem Zweifel mehr, daß 1. die 
sexuelle Größendifferenz bei der Gruppe Parus atricapilhis sehr 
gering ist und die Durchsclinittsgröße des $ kaum weniger als 
97—98,5 % der männlichen Durchschnittsgröße beträgt (gegenüber 
96 % bei Parus m. major und 95,5 % bei Parus c. caeruleus) und 
2. die individuelle Variation im gleichen Geschlecht von Hartert 
(V. p. F.) viel zu niedrig veranschlagt worden ist. 

Klima und Körpergröße. 

Wie bei den Schwanzmeisen und vielen anderen ITormen- 
gruppen, so lassen sich auch bei Parus atricapillus und dem ihm 
sehr nahe stehenden P. carolmensis gesetzmäßige Beziehungen 
zwischen Klima und Körpergröße erkennen. 

In Nordamerika wie in Europa bewohnen den Norden große, 
die Tiefländer des Südens kleine Formen. Die Größenabnahme 
gegen Süden geht besonders deutlich ans einer Zusammenstellung 
Ridgway's hervor. Dieser Autor fand bei nordamerikanischen 
raro^me??-5/5-Meisen verschiedener Herkunft, die er sämtlich unter 
dem Rassennamen carolinensis vereinigt (!), folgende Durchschnitts- 
maße des Flügels^): 

10 cfcT Ohio, Indiana, Illinois, Tennessee 64.3 mm 
10 cfcT Maryland, Virginia 62.4 mm 

3 cfcT Nord-Carolina 61.2 mm 
2 ^(^ Süd-Carolina 60.2 mm 
2 cfd" Georgia 59.7 mm 

4 cfcT NW.-Florida 58 mm 

2 cfcf Louisiana 58 mm 

8 $$ Indiana, Illinois, Tennessee 61.2 mm 

10 $$ Maryland, Distr. Columbia 59.3 mm 

3 $9 Nord-Carolina 58.5 mm 
1 g Süd-Carolina 58.5 mm 

4 ?$ NW.-Florida 55.9 mm 

Die obigen Fundorte folgen einander von Nord nach Süd. 
Die allersüdlichste Rasse der Oststaaten, P. carolinensis impiger 
(Bangs), von Ostflorida beschrieben, ist gleichzeitig die kleinste. 
„cT 53.5 mm, g 52.5 mm". 

Wir machen, wie bemerkt, die gleiche Wahrnehmung bei 
P. atricapillus in Europa. Von NO. nach SW. folgen dort einander: 
horealis Max. 68, tischleri Max. 66;, salicarius Max. 65, 

rhenamis Max. 62 mm. 

Als eine besondere Merkwürdigkeit, die durch die Bergmann- 
Leuckart'sche Theorie bisher nicht völlig erklärt werden kann, 



') R. Ridgway, The Birds of North and Middle America III, 1904, p. 404. 



250 Stresemaim & Sachtleben : Die europ. Mattkopf m eisen. 1 ^®^^* ^''"* 

|_ Ges. Bay. 

tritt uns bei den Mattkopfineiseu die Erscheinung entgegen, daß 
die Hochgebirgsformen überall selbst die nordischen an Größe 
übertreffen. 

Nord-Amerika 
boreale Rasse turneri Ridgw. (Cook Inlet, Alaska) Max. 69.5 mm. 
Hochgebirgs-Rasse septentrionalis Harris (Rocky Mts. etc.) Max. 
73 mm. 

Asien 
boreale Rasse baicalensis Swinh. (Sibirien) Max. 70 mm. 
Hochgebirgs-Rasse songarus Severtz. (Tian-Schan etc.) Max. 72 mm. 

Europa 
boreale Rasse horealis Selys (Nord-Europa) Max. 68 mm. 
Hochgebirgs-Rasse montanus Baldenst. (Alpen) Max. 69,5 mm. 
Hochgebirgs-Rasse assimilis Brehm (Karpathen etc.) Max. 69 mm. 

Die Variationsbreite der europäischen Rassen und die Häufig- 
keit der Größenvarianten erläutert die folgende Maßtabelle unserer 
Exemplare, bei der wir auf die sexuellen Größenunterschiede keine 
Rücksicht nahmen: 



Easse 


Ex. 


56 


.5 


57 .5 


58 


.5 


59 


.5 


60 


.5 


61 


.5 


62 .5 


63 


.5 


64 


.5 


65 


.5 


66 


.5 


67 


.5 


68 


.5 


69 


hör. 

tisch. 

salic. 

rhen. 

nss. 

mont. 


71 
21 
67 
39 
8 
34 


4 


3 


3 


3 


6 


1 

2 


3 

4 


1 
1 

1 
1 


2 
1 
4 
5 


4 
2 
5 
3 


1 

3 

14 


2 

2 
3 




10 
3 

11 
2 


5 
2 
6 

1 


7 
6 
8 

4 


3 

4 

1 
3 


9 

1 
3 

2 
4 


5 
2 
4 

2 
5 


15 

1 

"4 


2 

2 

1 


3 
2 


1 


2 

5 


1 
1 


2 


— 


1 



Die Scliwanzlänge als Rasseiinierkinal. 

Susclikin und Andere haben hervorgehoben, daß eines der 
Kennzeichen, durch welches sich P. a. baicalerisis von P. a. borealis 
unterscheidet, in dem längeren Schwanz des ersteren bestehen soll; 
andererseits weicht P. a. restrictus (Hondo) nach Hartert durch 
seinen kürzeren Schwanz von horealis ab. Beide Autoren hatten 
mit dieser Bemerkung offenbar die relative Länge der Steuer- 
federn im Auge. Sie tritt klar hervor, wenn wir Flügellänge 
und Schwanzlänge desselben Individuums zueinander in Beziehung 
setzen. Die Formel 

Schwanzlänge X 100 ,. j? i. j ^^^■■ ^ ^ • -. 

=rrr. — ^f:^ -— liefert den Flugelsch wanzin d ex, 

Flugellange ^ 

bei dem also die Schwanzlänge in Prozente der Flügellänge um- 
gerechnet wird. Wir verstehen unter Schwanzlänge stets die 
Länge des mittleren Steuerfederpaares (bezw. der längsten dieser 
beiden Federn) und stellen sie mit Hilfe eines Zirkels fest, wobei 



p. 


a. 


haicalensis 


p. 


a. 


boi'ealis : 


p. 


a. 


tischleri : 


p. 


a. 


salicarius : 


p. 


a. 


rhenanus : 


p. 


a. 


assimilis : 



' 'I Stresemann k Sachtleben: t)ie europ. MattfeopfmeiseO, 251 

wir nach Zurückschlagen der Oberschwanzdecken als proximalen 
Fixpunkt die Stelle wählen, an welcher die Federspule aus dem 
Federbalg austritt^). Genaue Werte liefern natürlich nur Exem- 
plare mit unbestoßenen Steuerfederu, auf die wir daher unsere 
Messungen beschränkt haben. Es ergaben sich dabei individuelle 
Differenzen und Rassendifferenzen. 

Indices. 

87.3, 90.3, 90.6, 90.8, 95.4. 

84.4, 84.8, 84.9, 86.3, 86.4, 87.8, 90.0, 90.5. 
85.2, 87.3, 88.2, 88.7, 91.6. 
81.1, 83.2, 83.6, 83.8, 84.2, 85.2, 85.2, 85.4, 

87.5, 89.1, 89.4. 

82.6, 84.1, 84.9, 86.0, 86.1, 87.9. 
82.1, 82.4, 82.4, 83.5, 88.3. 

P. a. montanus'. 80.0, 80.0, 83.3, 83.4, 83.6, 83.9, 83.9, 84.1, 
84.4, 84.7, 84.8, 85.1, 85.3, 85.4, 86.8, 87.3, 

oo n oo n 

P. a. songarus: 82.0,' 83,7, 87.4, 87.5. 

P. a. restrictus: 79.5, 81.1, 81.3, 82.4, 86.3. 

Diese Zahlen lehren, daß P. a. haicalensis von allen unter- 
suchten Rassen die langschwänzigste ist. Zwischen ihr und P. a. 
salicarius, motitaniis und assimilis vermitteln die Rassen borealis 
und tischleri. Als Form mit geringster relativer Schwanzlänge 
stellt sich P. a. restrictus dar. 

Die europäisclien Rassen. 

JParus atricapillus horealis Selys. 

Parus horealis Selys-Longchamps, Bull. Acad. sei. Bruxelles, X, 2. 
1843, p. 28 (Norwegen) 2). 

P. a. horealis ist von allen europäischen Rassen auf der Oberseite 
am grauesten und am wenigsten bräunlich gefärbt, auf der Unterseite 
am hellsten, nur mit schwacher, lichter, bräunlicher Flanken- 
färbung 3). Das graueste Extrem der individuellen Variation zeigt 

*) Sie wird leicht in der Weise gefunden, daß man die Zirkelspitze zwischen 
das zentrale Steuerfederpaar schiebt und an dessen scheinbarem Gabelpunkt an- 
setzt. — Die von uns so erhaltenen Werte lassen einen Vergleich mit denen 
E. Hesse's (der „vom letzten Schwanzwirbel an" mißt), nicht aber mit denen 
Hartert's und Hellmayr's zu. 

''■) Bekanntlich, wurde Farus borealis irrtümlicherweise von Selys aus Island 
beschrieben. Wie wir aber heute wissen, kommt auf Island gar keine Meise vor. 
Wir betrachten daher den bei der Originalbeschreibung angeführten zweiten Fund- 
ort („Habite l'Islande et aussi la Norvege"): Norwegen, als terra typica. 

') F. a. haicalensis Swinhoe erreicht ein noch helleres Extrem und größere 
Flügel- imd Schwanzlänge. 



Ges. Bay. 

ganz grauen Rücken und kaum sichtbaren, schwachen, lichtbräun- 
lichen Anflug auf den Körperseiten; das bräunlichste Extrem der 
Variationsreihe gleicht mittleren Exemplaren der nächsten Form. 
Kopfplatte tiefer schwarz und glänzender als bei allen übrigen 
Formen. Größer als P. a. tischleri, salicarius und rhenanus, kleiner 
als assimilis und montanus. 

Maße: cTcT: 61.3 — 67mm, $$: 59.5 — 65.1 (nach Berechnung)^). 

Bemerkungen: Zu P. a. boj-ealis gehören von den unter- 
suchten Vögeln die Exemplare aus Schweden, Finnland, Livland, 
Westrußland (Grouv. Wilna, Groduo, Minsk, Pripjet-Sümpfe). Ferner 
wird P. a. borealis von Doraaniewski verzeichnet für die Gouver- 
nements Tschernigow^*), Tambow, Saratow, Samara und Orenburg^^), 
von Suschkin^j für das Gouvernement Woronesch. Die Übergangs- 
zone zu P. a. haicalensis dürfte ungefähr mit dem Ural zusammen- 
fallen: Im Gouvernement Orenburg lebt eine Mischform, denn 
Suschkin zieht die dortigen Mattkopfmeiseu teils zu borealis, teils 
zu haicalensis^ teils betrachtet er sie als intermediär zwischen 
beiden. Ein Vogel aus dem Gouvernement Wologda (Mus. Mün- 
chen 16.269) ist in der Färbung hellen Stücken von borealis ähn- 
lich, hat aber ein ITlügelmaß von 65 mm bei einer Schwanzlänge 
von 58.5 mm, mithin den Flügelschwanzindex 90.0, der sich bei 
borealis nur selten, bei baicalensis jedoch häufig findet, ja sogar 
sehr oft überschritten wird. Es dürfte sich wohl bei diesem Vogel 
um ein von borealis zu baicalensis überleitendes (wahrscheinlich 
heterozygotes) Exemplar handeln. 

Parus atricapillus hianchii^) ist, wie schön Kleinschmidt ^) 
richtig erkannt hat, nur eine Aberration. Wir konnten drei Exem- 
plare aus der Coli. v. Jordans untersuchen, die von Härms ge- 
sammelt und als P. a. bianchii bezeichnet sind. Doch kommen 
wir nicht wie Kleinschmidt zu dem Ergebnis, daß diese Ab- 
erration „durch Regen und Rindensaft in Baumlöchern" hervor- 
gerufen wurde, sondern daß sie auf eine Störung in der Pigment- 
entwicklung zurückzuführen sei. Die Entwicklung des Melanins 
ist auf einer tieferen Stufe stehen geblieben, daher sind im ex- 
tremen Falle (Coli. v. Jordans Nr. 1389) Kopfplatte, Kinn und 
Kehlfleck statt tiefschwarz wie gebrannter Kaffee gefärbt; die 
Schwungfedern nicht grauschwarz, sondern bräunlich (wie durch 

^) Über die Berechnungsmethode, bei der das von uns gefundene Maximum 
und Minimum der Serie zugrunde gelegt wurde, siehe p. 248. 

2) J. Domaniewski: a) Pamietn. Fizyogr. 23. Zool. Warschau. 1915. p. 41. 
b) Fauna Passeriformes Okolic Baratowa, l^av. Soc. Sei. Varsovie. III. Classe, 
Nr. 18. 1916, p. 65. 

») P. P. Suschkin, Ornith. Mitt. IV. Moskau 1913, p. 268. 

*) Foecile aalicaria hiauchit Zarudny & Härms, Orn. Monber. 1900, p. 67. 
[Umbenennung von Foecile salicaria neglecta Zarudny & Härms, Orn. Monber. 
1900, p. 19 (Pskow).] 

») Falco 13, 1917, p. 23. 



' 'I Stresemano &, Sachtleben: Üic euiop. Mattkopf meieen. 253 

starkes Sonnenlicht verschossen) and mit normaler schwarzer Farbe 
gefleckt; Steuert'edern normal gefärbt, aber mit zahlreichen bräun- 
lichen Flecken betupft, die besonders deutlich an den äußeren 
Schwanzfedern sichtbar sind; an den letztgenannten Federn ist der 
Schaft teilweise nicht schwarz, sondern biäunlich; das Kleingefieder 
der Oberseite und der Flanken ist lebhaft rahmbräunlich. Die 
beiden anderen Exemplare zeigen denselben Färbungscharakter, 
jedoch nicht so ausgesprochen, und ähueln mehr typischen borealis. 
Verbreitung: Skandinavien^), Finnland, in Rußland östlich 
etwa bis zum Ural, westlich bis Lithauen, südlich bis zur Süd- 
grenze des Formenkreises. 

JParus atricapilltts tischlert Kleiiischmidt. 

Parus borealis tischleri Kleinschmidt, Falco XIII, 2, 1917, p. 23 
(Ostpreußen). 

Diese Rasse steht zwischen P. a. borealis und salicarius, aber 
letzterer näher. In der Färbung des Rückens erreicht sie einer- 
seits nicht das graueste Extrem von borealis, der nordischen Form, 
andererseits nicht das braunste Extrem von salicarius. Desgleichen 
ist die Flankenfärbung ausgedehnter und lebhafter als bei borealis, 
jedoch nicht so ausgedehnt und bräunlich wie bei der mittel- 
deutschen Rasse. 

Maße: cfcT: 59.5— 64.5 mm, $$: 60— 63 mm. In unserer Serie 
dürfte weder das Minimum des $ noch das Maximum des cf (das 
bei salicarius 65 mm beträgt) vertreten sein^). 

Bemerkungen: ZuP. a. tischleri rechnen wir nach genauen 
Untersuchungen außer einer Serie aus Ostpreußen auch ein Stück 
aus dem Nordwestzipfel Galiziens (Ciezkowice, Bez. Chrzanow, an 
der Bahnstrecke Myslowitz — Krakau), sowie Exemplare aus den 
Westbeskiden und ihren Ausläufern (Oravitz, Com. Arva; Nyustya, 
Com. Gömör; Lesna bei Zlin, s.-ö. von Kremsier in Mähren), da sie 
nach Größe und Färbung völlig in den Rahmen der Variations- 
breite von P. a. tischleri aus Ostpreußen fallen. Auch die Weiden- 
meisen des zwischen Ostpreußen und den Beskiden liegenden Ge- 
bietes dürften zu P. a. tischleri gehören, wenn wir Kleinschmidt's^) 

^) Ein Exemplar aus der Coli. v. Berlepsch trägt auf der Originaletikette 
folgende Bezeichnung: „Parus boreaüs. Dänemark" und auf der Öammlimgs- 
etikette von Berlepsch's Hand den Zusatz: „erhalten im Herbst 1871 von Nager- 
Donazians in Andermatt." Dieser Vogel stimmt in der Färbung gauz mit borealis 
überein, seine Flügellänge ist 64 mm. Eine gleiche Etikette, jedoch mit dem 
Vermerk: „Parus borealis $ Schweden", trägt ein anderes Exemplar in Ber- 
lepsch's Sammlung, das ebenfalls von Nager-Donazians in Andermatt erhalten 
wurde. Da bisher keine verbürgte Nachricht vom Vorkommen der Weidenmeise 
in Dänemark vorliegt, halten wir eine Verwechslung des Fundortes für wahr- 
scheinlich. 

^) Nachtrag: Kleinschmidt {Farm Salicarius p. 10) gibt als Variations- 
grenzen 60 — 66 mm an. 

«) Falco 12, 1916, p. 13. 



254 Stresemann & Sachtleben: Die europ. Mattkopf meisen. 1 ^^ ' ^"' 

L Ges. Bay. 

Angabe zu Rate ziehen: „Aus dem Gebiet der gelben russischen 
Kleiber (Broschkow, Gouv. Siedice) zwei Vögel (Coli. Bacm.), ähn- 
lich borealis^ mit vielleicht etwas lebhafter getönten Flanken [assi- 
milis?), klein aber langschwänzig." (ühar Parus salicarius natorpi 
siehe bei P. a. salicarius.) 

Verbreitung: Ostpreußen, Polen, NW.-Galizien, West-Bes- 
kiden und deren Ausläufer. 

JParus atricapillus salicarius Brelim. 

Parus salicarius Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschi. 1831, p. 465 
(Renthendorf). 

Im Mittel bräunlicher als P. a. tischleri, heller und grauer 
als P. a. rhenanus. Hellere Stücke gleichen dunklen P. a. tischleri, 
dunkle Stücke dagegen helleu P. a. rhenanus. Größe wie bei P. 
a. tischleri (?); kleiner als P. a. borealis, monta^ius und assimilis, 
größer als rhenanus. 

Maße: cTc/: 59.5 — 65 mm, $$: 58.5 — 64 mm (nach Berechnung). 
Ein „cT" mit 59 mm dürfte vielleicht, wenn richtig seziert, das 
Minimalmaß des cT aufweisen^). 

Bemerkungen: Ein Vogel aus Gösch witz (Sachsen- Weimar, 
zwischen Roda und Jena, nicht allzuweit nordwestlich von Renthen- 
dorf), drei Exemplare aus der Umgebung von Erfurt und ein 
Stück aus Arnstadt (Schwarzburg) können wohl als identisch 
mit Topotypen von Brehm's Parus salicarius .betrachtet werden. 
Drei Weidenmeisen aus Schlesien (Militsch a. d. Bartsch und 
Schwentnig bei Zobten nordöstlich von Schweidnitz) stimmen in 
der Färbung ganz mit den Thüringern überein, gehören also nicht 
(wenn man auf Grund dieser wenigen Vögel schon ein Urteil ab- 
geben darf) zu Kleinschmidt's Parus salicarius natorpi"^). Dagegen 
ist eine Mattkopfmeise, von Natorp im Roschkowitzer Wald (4 km 
östlich von Pitschen, Kreis Kreuzburg) gesammelt (Coli. v. Jor- 
dans 1393), etwas heller bräunlich als die übrigen Schlesier^), 

*) Zwei Weidenmeisen aus Sachsen-Altenburg (an der Pleiße bei Scheichwitz) 
messen ^T (1. XI. 1913): 63 mm, % (9. I. 1913): 59 mm, wie uns Prof. Hell- 
mayr gütigst mitteilte, der diese in der Coli. Hildebrandt befindlichen Exemplare 
untersucht hat. 

*) Favus salicarius natorpi Kleinschmidt. Falco 13, 1917, p. 23. 

Herr Pastor Klein schmidt war so freundlich, mir brieflich mitzuteilen, daß 
der Typus von natorpi aus dem Revier Emanuelsegen, Kreis Pleß 
(„Flügellänge reichlich 65 mm") stammt. Demnach ist Oberschlesien als 
terra typica von natorpi zu betrachten. [Sachtleben.] 

^) Herr Dr. O. Natorp war so gütig, uns die Maße von sieben Weiden- 
meisen mitzuteilen, die er im letzten Quartal 1919 im Walde bei Myslowitz ge- 
sammelt hat: 
C^ ad. Ja.-K. 1. X. 1919. Flügellänge 65 mm („Schwanzfedern vermausert, 

breit, abgerundet".) 
cf ad. Ja.-K. 6. XI. 1919. „ 64 mm: 

3" ad. Ja.-K. 31. XII. 1919. „ 61mm: 



' ' I Stresemann & Sachtleben : Die curop. Mattkopfraeisen. 255 

bräunlicher als P. a. tischleri, stimmt aber mit helleren Exemplaren 
aus Oberbayern ganz gut ^ überein. Eine größere Serie aus dieser 
Gegend, in der sich der Übergang von P. a. tischleri zu salicarius 
vollzieht, mag in der Tat, wie Kleinschmidt angibt, „zwischen 
salicarius und den Ostpreußen" stehen; doch ist schon der Unter- 
schied zwischen salicarius und tischleri kein sehr großer, so daß 
es uns nicht geraten erschien, auch noch den Übergang zwischen 
beiden Rassen mit einem besonderen Namen zu bezeichnen. Wer 
es dennoch tun will, muß den Namen P. a. natorpi annehmen, 

wenn er nicht die Formel P. a. tischleri ^ salicarius anwenden 

will. In Nordostdeutschland wird sich vielleicht der Übergang 
von tischleri zu salicarius in Westpreußen vollziehen, wo die Weiden- 
meise von Dobbrick bei Kulm a. Warthe, in der Weichselniederung 
und der Tucheier Heide 'gefunden wurde ^). Weidenraeisen aus 
Mittelsachsen, dem sächsischen Erzgebirge, Böhmerwald, Nieder- 
bayern, der bayerischen Hochebene stimmen in den Maßen ganz 
mit den Vögeln aus Thüringen^) überein, nur erreichen sie (z. B. 
Exemplare aus dem Erzgebirge, Ober- und Niederbayern) ein 
graueres Extrem als diese, was wohl an der zu geringen Zahl 
unserer thüringischen Weidenmeisen liegen mag, die die Variations- 
breite von P. a. salicarius nicht völlig wiedergibt. Die Vögel 
aus dem Erzgebirge, die, wie gesagt, im Extrem etwas grauer 
sind als die fünf Thüringer, gehören zweifellos — schon aus 
geographischen Gründen — zu P. a. salicarius] da nun mit ihnen 
die Mattkopfmeisen der oberbayerischen Hochebene ganz überein- 
stimmen, zögern wir nicht, auch diese als P. a. salicarius zu be- 
zeichnen und nicht wie bisher als P. a. suhmontanus^), wiewohl 
den Autoren für die Beschreibung dieser Form auch Vögel aus 
Münchens Umgebung gedient haben. Aller Wahrscheinlichkeit 

cf I. Ja-K. 14. X. 1919. Flügellänge 62 mm: („Schwanzfedern spitz und 

etwas abgenützt".) 
2 I. Ja.-K. 14, X. 1919. „ 59 mm: 

§ I. Ja.-K. 1. X. 1919. „ 58 mm: 

$ I. Ja.-K. 6. XI. 1919. „ 58 mm. 

') Falco 6, 1910, p. 23—24 und Verh. Westpreuß. Bot.-Zool. Ver. Danzig, 
34, 1912, p. 108. 

^) Vgl. Kleinschmidt, O. Jb. 1897, p. 100 (Kenthendorf : Max. 65 mm 
[„accedens"]). 

') Farus salicarius submontanus Kleinschmidt & Tschusi, Falco 9, 1913, 
p. 33 (Gmuuden, Ober- Österreich). — Stresemann's frühere Darstellung (V, 0. 
G. B. XIII, p. 339—341), wonach sämtliche bayerischen Mattköpfe zur Form 
submontanus gehören sollten, hat sich als irrig erwiesen, zumal seither auch 
montantis auf bayerischem Boden gesammelt wurde. Die im Winter bei Ascholding 
und anderen Punkten des Isartals oberhalb Münchens gesammelten Individuen 
sind ohne Zweifel in der nächsten Umgebung des Erlegungsortes beheimatet ge- 
wesen und nachweisUch nicht vor dem Schnee aus den Alpen geflüchtet. Wir 
fanden seither die Weidenmeise zur Brutzeit an vielen Stellen der bayerischen 
Hochebene; alle hier erlegten erwiesen sich als P. a. salicarius. 



256 Stresemann & Sachtleben: Die europ. Mattkopfmeisen. 1 • ^rQ- 

|_ Ges. Bay. 

nach bestehen zwischen P. a. salicarius und montanus, die sich 
fast allein durch die Größe unterscheiden, geographische Binde- 
glieder; doch dürfte das von ihnen bewohnte Gebiet bedeutend 
kleiner sein als Kleinschmidt und Tschusi annahmen, und sich auf 
die Vorberge der Alpen beschränken. (Die Stücke aus Gschwendt 
bei Bernau und vom Wallberg bei Tegernsee sowie vielleicht auch 
der Wintervogel aus Ascholding mit 66 mm Flügellänge (Mus. 
München Nr, 17.37) dürften, erstere aus geographischen Gründen, 
zu dieser Übergangsform zu rechnen sein.) Wenn man Wert 
darauf legt, die von P. a. salicarius zu montanus überleitenden 
Exemplare besonders zu bezeichnen, so muß man entweder die 

Formel P. a. salicarius ^ montanus oder den Namen P. a. suh- 

montanus anwenden. 

Verbreitung: Deutschland, mit Ausnahme des Rheingebietes, 
NW.-Deutschlands, Ostpreußens und der bayerischen Hochalpen. 

Parus atricapillus rhenanus Kleinschmidt. 

Parus rhenanus Kleinschmidt, Orn. Monber. 1900, p. 168 (Rhein 
— terra typica: Rheinufer zwischen Mainz und Worms). 

Bräunlichste und kleinste Rasse des europäischen Festlandes. 
Die Pendelschwankung der Variation ist auch bei ihr wieder an 
unserer Serie sehr deutlich zu erkennen: Die grauesten Stücke sind 
in der Färbung nicht von solchen Exemplaren zu unterscheiden, 
die in der Mitte der Variationsreihe .von salicarius stehen; in 
seinen dunkelsten und bräunlichsten Stücken aber geht rhenanus 
über das bräunliche Extrem von salicarius hinaus, 

Maße: cTcT: 56,7—62 mm, $5: 56 — 61.3 mm (nach Berech- 
nung). [Kleinschmidt verzeichnet als Höchstmaß des cT 63.5 mm, 
wobei sich als Variation der cTd" ergibt: 58.1 — 63.5 mm.] Ein „cf" 
mit 56.5 mm dürfte das Mininialmaß des cT und ein „$" mit 61.5 
das Maximalmaß des g darstellen. 

Bemerkungen: Kleinschmidt und Jordans geben an, daß die 
Vögel aus der Gegend von Bonn kleiner seien ^) als solche aus 
der Gegend von Mainz und zur britischen Form überleiteten. Matt- 
kopfmeisen aus Frankreich sollen besser zu suhrhenanus als zu 
den Vögeln aus dem Mainzer Becken passen. Auf Grund unserer 
Serien rheinisch-französischer Weidenmeisen können wir uns nicht 
entschließen, unter ihnen zwei Rassen anzuerkennen. Allerdings 
scheint es uns nicht ausgeschlossen zu sein, daß Parus a. rhena- 
nus nach Westen hin an Größe abnimmt; wir halten jedoch den 
Beweis noch nicht für ei'bracht und machen unsere endgültige 
Stellungnahme von der angekündigten Veröffentlichung der genauen 

^) Farus salicarius suhrhenanus Kleinschmidt & Jordans, Falco 12, 
1916, p. 17. 



Xly, 3, Stresemann & Sachtleben: Die europ. Mattkopfmeisen. 257 

Maßaugabeu der in der Coli. Kleinschmidt befindlichen großen 
Serien aus dem Rheingebiet und Frankreich abhängig. Sollte 
daraus die angegebene Größenabnahme überzeugend hervorgehen, 
so schlagen wir vor, die französisch-niederrheinischen Vögel stib- 
rhenanus zu nennen und die Übergänge zu salicarüis {„rhenanus'-^) 
nur durch Formeln zu bezeichnen. 

Ein Exemplar aus Holstein und zwei Vögel aus Mecklenburg 
sind bräunlicher als salicarms, passen daher recht gut in die 
Variationsreihe von rhenanus\ auch stimmen die Maße der beiden 
Mecklenburger sowie eines Vogels im Ju.-K. aus Schleswig mit 
dieser Rasse überein, wogegen der Holsteiner mit 63.2 mm unser 
Maximalraaß von rhenamis übersteigt (nicht jedoch das von Klein- 
schmidt für rhencmus angegebene Maximum von 63.5 mm). Wir 
führen daher vorläufig diese Vögel als Parus atricapillus rhena- 

nus o- salicarius auf. 

Verbreitung: Rheingebiet von den Niederlanden bis zum 
Sund'2:au, östlich in salicarius übergehend, westlich das ganze links- 
rheinische Gebiet bis Belgien und Nordfrankreich bewohnend. 
(Westgrenze in E^rankreich unbekannt.) 

Partis atricapillxis Meinschtnidti Hellmayr. 

Parus montanus kleinschmidii Hellmayr, Orn. Jahrb. 11, 1900, 
p. 212 (England — terra typica: Umgebung von London). 

Sehr ähnlich P. a. rhenanus, aber noch dunkler und bräun- 
licher. 

Größe wie bei P. a. rhenanus: 56 — 62 mm^). 

Verbreitung: England und Schottland. 

Ikarus atricapillus assimilis Brelim. 

Partes assimilis Brehm, Vogelfang, 1855, p. 242 (Galizien — terra 
typica : Ostkarpathen ) ^). 

Ähnlich P. a. borealis, aber Oberseite und Flanken bräunlicher. 
Ähnlich bräunlichen B^xemplaren von P. a. tischleri, aber von viel 
lichterem, hellerem, nicht so graulichem Braun. Kleinschmidt hat 
treffend assimilis mit P. a. baicalensis verglichen; beide Rassen 
sind in der Tat einander in der Reinheit der Gefiederfärbung ähn- 
lich, doch ist assimilis sofort durch viel bräunlichere Färbung und 

') Nach "Witherby, A Practica! Handbook of British Birds, pt. 4, 1919, 
p. 244. 

2) Der Typus von Parus assimilis (Hartert, Nov. Zool. XXV, 1918, p. 28) 
trägt die Bezeichnung: „(^ ad,, Karpathen. 6. IV. 1852. Graf Wodzicki leg." 
Leider ist keine nähere Angabe vorhanden, ob hierunter die West- (wo nach 
unseren Untersuchungen P. a. tischleri vorkommt) oder Ost-Karpathen zu ver- 
stehen sind. Da aber Graf Wodzicki im Jahre 1852, in dem der Typus ge- 
sammelt wurde, sich in Üst-Galizien aufhielt (Naumannia, II, 1852, p. 63 — 61), 
wird wohl auch der Typus von assimilis in den Karpathen Ost-Galiziens ge- 
sammelt worden sein. Wir betrachten daher die Ost-Karpathen als terra typica. 

17 



258 Stresemann & Sachtleben: Die europ. Mattkopfmeisen. 1 ^^ ' 

|_ Ges. Bay. 

den kürzeren Schwanz von haicalensis zu unterscheiden. Etwas 
größer als P. a. borealis. 

Maße: cfcf 61.8 — 67.5 mm (unter Zugrundelegung der Maße 
unserer Exemplare; nach Hellmayr^) geht die Flügellänge dieser 
Rasse bis 68 mm, nach Kleinschmidt 2) bis 69 mm. Legt man 
letzteres Maß bei der Berechnung der Variationsbreite des cf zu- 
grunde, so erhält man: cTcf 63.2—69 mm). Unsere $5 messen 
63.5 — 64 mm, doch dürfte damit weder das Maximal- noch das 
Minimalmaß erreicht sein. 

Bemerkungen: Ein cT aus Glitt bei Solka, Bukowina, ge- 
hört nach Größe und Färbung zu assimilis. Schon Kleinschmidt ^) 
stellte (allerdings noch als fraglich) zwei Exemplare aus der Buko- 
wina zu assimilis^ während er mit Recht Vögel aus dem Com. Arva 
als sehr fragliche assimilis anführte, denn wie wir heute meinen, 
gehören die Mattkopfmeisen der letzteren Gegend zu P. a. tischleri. 
Zu assimilis darf man wohl auch die Weidenmeisen der rumänischen 
Karpathen (Transsylvanische Alpen) stellen, für die Dombrowski^): 
cfcT 6ö — 68 mm, $$ 65 — 68 mm als Maße angibt. Ob auch die 
Vögel der übrigen Balkanhalbinsel (Bosnien, Herzegowina, Monte- 
negro, Serbien und Bulgarien) zu assimilis gehören, können wir 
leider mangels Material nicht entscheiden. (Der einzige Vogel aus 
Bosnien im Mus. München steht in der Schwingenmauser und hat 
ganz zerschossene Oberseite, so daß weder Maße noch Färbung 
verglichen werden können.) Lintia*) stellt die Vögel Südserbiens 
(Raska und Kopaonik) zu assimilis und auch Hellmayr führt Exem- 
plare aus Ostrumelien, Bulgarien und Bosnien bei dieser Rasse 
au, wobei er allerdings angibt, daß sie sich schon etwas P. a. 
montanus nähern. Jedenfalls kommt nach den von ihm angeführten 
Maßen nur eine der beiden Bergformen, montanus oder assimilis, 
in Betracht. 

Verbreitung: Ostgalizische Karpathen, Transsylvanische 
Alpen (Gebirge Bosniens, der Herzegowina, Montenegros, Serbiens und 
Bulgariens?). Fraglich ist, ob die von Gengier (0. Jb. 29, 1919, 
p. 11) an der Save bei Semlin und der Donau bei Peterwardein 
gesehenen Mattkopfmeisen zu dieser Rasse gehörten. 

JParus atricapillus montanus Baldenstein. 

Panis cinereus montanus Baldenstein, Neue Alpina II, 1827, p. 31 
(Gebirgswaldungen Graubündens). 

Färbung der Oberseite im Mittel etwas grauer als bei P. a. 
salicarius, Größe bedeutender als bei diesem und den übrigen euro- 
päischen Rassen. 

1) Orn. Jahrb. 13, 1902, p. 29. 

«) Orn. Jahrb. 8, 1897, p. 99. 

') Ornis Romaniae, Bukarest 1912, p. 286. 

*) Aquüa 23, 1916, p. 82. 



ITTV ^ ~\ 

' 'I Stxeseraann & Sachtleben: Die europ. Mattkopf meisen. 259 

Maße: d'c^ 63.2—69 mm, [bei Zugrundelegung von Klein- 
schmidt's Maximalmaß (69.5 mm), cfcf 63.6-69.5 mm], $$ 62.5 
— 68.4 mm (nach Berechnung). 

Bemerkungen: Die oft als Kennzeichen angeführte größere 
Breite der Schwung- und Steuerfedern konnten wir nicht feststellen. 
Zwar hat ein Alpenvogel mit 67 mm Flügellänge breitere Flügel- 
und Schwanzfedern als ein salicarius mit 63 mm oder gar ein 
rhenaniis mit 59 mm, aber dieses Breiterwerden des Großgefieders 
geht Hand in Hand mit einer Zunahme der Länge, ist also nur 
absolut und nicht relativ. Ferner scheinen uns die bisher für 
P. a. montmms angegebenen Maximalmaße (70 — 71mm) auf Grund 
unserer Messungen nicht der normalen oberen Wuchsgrenze zu ent- 
sprechen. Hierfür sprechen auch die uns von Herrn Dr. Hartert 
freundlichst mitgeteilten Flügellängen der im Tring-Museum be- 
findlichen Exemplare von P. a. montanus, die wir hier zum Ver- 
gleich folgen lassen: 

cf juv. Tarasp, Engadin, 1300 m. 6. VII. 1903. E. Hartert 
coli. 65 mm. 

cf ad. Schweiz. XL 1854. Coli. Brehm^). 67 mm. 

cf juv. Ganton Freibiirg. 8. VIIL 1862. L. Olphe-Galliard 
coli. 64 mm. 

— ad. Basses- Alpes. („Augenscheinlich später Frühling oder 

Sommer".) 1853. Abbe Caire coli., ex Coli. Riocour. 

66 mm. 
(^ ad. Paschberg bei Innsbruck. 22. IV. 1888. v. Lazarini 

coli. 65 mm. 
cT ad. Sistrans bei Innsbruck. 26. V. 1888. v. Lazarini coli. 

67.15 mm. 

— ad. Cadorische Alpen. Festa coli. 65.1 mm. 

cf ad. Mittewald bei Villach, Kärnten. 15. VL 1910. E. Hartert 
coli. 66.4 mm. 

Die angebliche Größenzunahme von montanus innerhalb seines 
Wohngebietes mit steigender Höhe, die von Bailly^) und Fatio^) 
angenommen wurde, erklärt sich, wie schon v. Burg und Klein- 
schmidt angegeben haben, durch falsche Auslegung der individuellen 
Variation. Dies geht auch daraus hervor, daß das größte von 
uns zur Brutzeit gesammelte Exemplar im Karwendelgebirge in 
einer Höhe von nur 1000 m erlegt wurde*). 

Verbreitung: West- und Ostalpen einschließlich der baye- 
rischen Alpen, Jura- Gebirge. 

^) Die übrigen alten Brehm'schen Alpenmeisen (nur 1 Paar) waren nach 
Hartert's Angabe unmeßbar, da die Flügel verletzt sind. 

*) Parus alpestrisBaSllj, Bull. Soc. Hist. Nat. Savoie, 1851, p.22 (Savoyen). 

") BuU. Soc. Ornith. Suisse 1, 1865, p. 79—93. 

*) Über Übergänge von P. a. montanus zu salicarius siehe bei dieser Easse, 
zu rhenanus bei [fleinschmidt, Falco 3, 1907, p. 85—86. ^ 

17* 



260 Stresemann & Sachtleben: Die europ. Mattkopf meisen. 1 ^^ ' ^°' 

L Ges. Bay. 



Maßtal) eilen. 

Die erste Spalte der Tabelle enthält die Angabe der Sammlung und die Katalognummer 
des betreffenden Exemplars. Dabei bedeutet: ß = Coli. Graf Berlepseh (im Senckenbergischen 
Museum Frankfurt a. M.), Cl = Coli. Clodius, D — Zool. Museum Dresden, E ;:= Coli. 
V. Erlanger (im Senckenbergischen Museum), Fk = Coli. Fenk, G = Coli. Görnitz, J := Coli. 
V.Jordans, L = Coli. Lindner, M = Zoolog. Staatssammlung München, Seh = Coli. Schlegel. 
T = Coli. Tischler, Z = Coli. Graf Zedlitz. Jn der zweiten Spalte ist die auf der Etikette ver- 
merkte Geschlechtsangabe des Sammlers wiedergegeben; unsere Beurteilung des Geschlechtes 
(nach dem Flügelmaß) wird in der vorletzten Spalte aufgeführt. Die letzte Spalte d^ent der 
Bezeichnung des Kleides bezw. des Gefiederwechsels. Es bedeuten dabei: JuK = Jugendkleid, 
JuM =; Jugendmauser, I. JaK = komb. I. Jahreskleid, ad. JaK =: einheitliches Jahreskleid, 
JaM = Jahresmauser ^). Beginn JaM =: Jahresmauser hat nur das Großgefieder (noch nicht 
das Kleingefieder) ergriffen ; Ende JaM = Wachstum der neuen Großgefiedergeneration be- 
endet, nur noch im Kleingefieder Mauser- oder Wachstumsspuren *). Angesternte Flügelmaße 
(z. B. 65*) zeigen an, daß die neue Schwingengeneration mausernder Vögel gemessen wurde; 
ein wagerechter Strich in dieser Spalte bedeutet, daß die Schwungfedern des jungen "Vogels 
noch nicht ausgewachsen sind. 







Farus 


atricapillub 


horealis Selys. 








Mus. Nr. 




Fundort 


Bezirk etc. 


Datum") 


Sammler 


1 «^ 


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Kleid 


E 4992 


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Lulea-Lappmark 


Schweden 


10. 


II. 


1898 


Eamberg 


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E 4993 


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64 




I. JaK 


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Wermland 




15. 


IV. 


1898 


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65 


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E 4996 


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17. 


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E 4997 


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65 


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62 


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I. JaK 


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13. 


JJ 


JJ 


JJ 


62 


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I. ? JaK 


B 


j? 


Upsala 




25. 


IV. 


1897 


Sjöstedt 


65 


,, 


ad. JaK 


B 




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24. 


JJ 


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JJ 


64.5 


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B 


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25. 


JJ 


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63 


9 


I. JaK 


B 




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JJ 


JJ 


,, 


JJ 


62 




I. JaK 


Fk 


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Göteborg 




23. 


II. 


1908 




64.5 


d 


JaK 


Fk 


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2. 


II. 


1907 




64 


? 


JaK 


M 17. 1407 


cT 


Kolmärden 


„ Öster- 


23. 


II. 


1876 


Mewes 


65 


cT 


ad. JaK 


D C. 8655 




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Götland 


j) 


„ 


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JJ 


64 




ad. JaK 


B 1708 


? 


Schweden ') 


Schweden 










63 


? 


ad. JaK 


M 17. 1411 


d 


Kuhmoniemi 


Finnland 


12. 


III. 


1908 


Lindblad 


64.5 


d 


I. JaK 


M 17. 1410 




Finnland 


J7 


13. 


V. 


1905 


ex Schlüter 


65 


JJ 


I. JaK 


B 




Nord-Rußland 










Schreyer 


62 


? 


Ende JuM 


M17.1406 


d 


Lisden 


Livland 


6. 


X. 


1905 


Loudon 


63.2* 


d 


Ende JaM 


M 17. 1405 


2 


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JJ 


JJ 


JJ 


J) 


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62* 


9 


Ende JaM 


J 1384 


d" 


Samhof 


JJ 


22. 


IV. 


1907 


Härms 


67 


d 


ad. JaK 


J 1372 


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5. 


IX. 


1903 




66* 


JJ 


Ende JaM 


J 1371 


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7) 


JJ 


3. 


XI. 


1903 




66 


j) 


Ende M 


J 1375 




JJ 


JJ 


25. 


IIL 


1908 




65.2 


JJ 


ad. JaK 


J 1376 


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JJ 




23. 


XI. 


1906 




65 


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I. JaK 


J 1387 




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4. XII. 


1906 




64.5 


? 


1. JaK 


J 1378 


d 


?? 


JJ 


7. 


X. 


1903 




64 


d 


Ende JuM 


J 1382 


? 


7> 


JJ 


11. 


XII. 


1906 




64 


? 


ad. JaK 


J 1381 




7) 


JJ 


4. 


III. 


1910 




63.8 


JJ 


ad. JaK 


J 1385 


d 


JJ 


JJ 


25. 


III. 


1908 




63.5 


d 


ad. ? JaK 



>)Stresemann,V.O.G.B.XIV,l,1919,p.75— 78;ders.,AnzeigerO.G.B.Nr.2,19l9,p.l2— 13. 

*) Siehe oben p. 245. 

') Die Daten alten Stils wurden in diejenigen neuen Stils umgerechnet. 

*) „Erhalten im Herbst 1871 von Nager-Donazians in Andermatt". (Berlepseh.) 



XIV, 3 

1920 


' j Streseraann 


& Sachtleben: 


Die europ. Mattkopfmeisen 




( 


2G1 














1 <i^ 






Mus. Nr. 


03 


Fundort 


Bezirk etc. 


Datum 


Sammler 


ES 




Kleid 


J 1389') 


d 


Samhof 


Livland 


22. XI. 1906 


Härms 


63.5 


d 


I. ? JaK 


J 1380 


!) 


11 


j? 


5. IX. 1903 






63 


JJ 


JuM 


J 1383 


? 


11 


jj 


" j) ») 






63* 


$ 


Ende JaM 


J 1877 


») 


11 


)j 


3. XII. 1906 






62.5 




I. JaK 


J 1386 




11 


j) 


9. XII. 1903 






62.5 


"? 


I. JaK 


J 1370 


)) 


11 


n 


1. XII. 1910 






62.2 


$ 


ad. ? JaK 


J 1391 ') 




11 


j j 


2. XII. 1906 






62.2 


? 


I. JaK 


J 1373 


,, 


n 


jj 


31. III. 1910 






61.5 


$ 


ad. JaK 


J 1379 


}) 


11 


j; 


25. III. 1908 






60.5 


JJ 


I. JaK 


J 1388 


1J 


n 


j j 


20. X. 1903 






60.5 


JJ 


Ende JuM 


J 1374 


)J 


n 


jj 


16. IV. 1909 






60.5 


JJ 


ad. ? JaK 


J 1390 >) 


)J 


u 


jj 


2. XII. 1906 






60.2 


JJ 


I. JaK 


E 4999 


6 


Smilten 


j> 


24. IV. 1898 


StoU' 


65 


d 


ad. JaK 


E 5000 


jj 


11 


jj 


11 11 11 


1) 


65 


71 


ad. JaK 


E 5003 


jj 


11 


jj 


26. „ „ 


„ 


65 


JJ 


ad. JaK 


E 5001 


? 




j) 


25. „ „ 


„ 


65 


$? 


ad. JaK 


E 5002 


>) 


11 


j; 


« 11 tt 


,, 


64 




ad. JaK 


M 17. 371 


6 


Eutelischki 


Gouv. Wilna 


20. IL 1917 


Krieg 


67 


d 


ad. JaK 


M17.2509 




^t 


jj 


7. X. 1917 


JJ 


65.5 




Ende JuM 


M17.2507 


;) 


11 


jj 


3. XI. 1917 


)) 


65* 


,, 


Ende JaM 


M17.2505 




T) 


,, 


29. X. 1917 


JJ 


65 


,, 


Ende JuM 


M 17. 2506 


d? 


1) 


>5 


24. XL 1917 


ij 


63.5 


? 


L JaK 


M 18. 212 


9 

» • 


35 


}* 


20. IL 1918 


JJ 


62 


? 


ad. JaK 


M17.2508 




^ 


)9 


2. X. 191Z 


JJ 


61.5 


? 


End.Ju?M 


M 16. 671 


..? 


11 




23. III. 1917 


JJ 


61 


? 


I. JaK 


M 19. 811 


,, 


Zubrovo 


Gouv. Grodno 


26. V. 1918 


Stechow 


65.5 


d 


ad. JaK 


M19.817 


„ 


n 


?) 


27. IX. 1918 


ji 


64.5 


?J 


Ende JuM 


M 19. 809 


„ 


1) 


jj 


19. V. 1918 


JJ 


64 


JJ 


ad. JaK 


M 19. 813 


? 


)i 


jj 


2. VIL1918 


JJ 


64 


§ 


Beg. JaM 


M 19. 814 


d 


11 


Ji 


8- 11 11 


JJ 


63 


d 


JuK 


Ml 9. 815 


j) 




Jj 


9' 11 1) 


JJ 


63 




Beg. JuM 


M 19. 816 


j> 


H 


jj 


10. „ „ 


)j 


62.5 


„ 


Beg. JuM 


M19.812 


)> 


11 


jj 


19. VI. 1918 


JJ 


62 


,, 


Beg. JaM 


M 19. 819 


$ 


11 


JJ 


3. XL 1918 


JJ 


62 


? 


I. JaK 


M19.810 


JT 


51 


JJ 


24. V. 1918 


JJ 


59.5 


JJ 


I. JaK 


M19-818 


6 


Sadubje 


3> 


3. X. 1918 


JJ 


60.5 


J) 


Ende JuM 


M16. 268 


? 


Lithauen 




L 1916 


ex Schlüter 


62.5 


? 


ad. JaK 


Seh 1608 


jj 


Gorodischtsche 


Gouv. Minsk 


23. IL 1918 


Bahr 


66 


d" 


ad. JaK 


Seh 1609 




jj 


JJ 


11 11 5? 


11 


62.5 


? 


I. JaK 


G 111 


? 


Molodowo 


Pripjet-Sümpfe 


26. IL 1917 


Dennler 


60 


? 


I. JaK 



< 



Parus atricapillus horealis y haicalensis ? 



Mus. Nr. 



Fundort 



Bezirk etc. 



Datum 



Sammler 



S:1 



Kleid 



M 16. 269 



Gouv. Wologda 



Nord-RuBland 



IL 1912 



ex Schlüter 



65 



cT 



ad. JaK 



*) Farus atricapillus „bianchü" 



Ges. Bay. 
Parus atricapillus tischleri KLeinscIimidt. 



Mus. Nr. 


M 

(D 
02 


Fundort 


Bezirk etc. 


Datum 


Sammler 


1 <s 




Kleid 


T 965 


d 


Losgehnen 


Königsberg, Ostpr. 


17. I. 1915 


TiscMer 


64.5 


^ 


ad. JaK 


T 1998 


»> 


» 


n 


25. XII. 1917 




63.8 


yi 


LJaK 


T 967 


>l 


II 


57 


17. I. 1915 




63.2 


75 


LJaK 


T 110 




1» 


5) 


1. I. 1905 




63 


fl 


LJaK 


T 1921 


,, 


yj 


51 


22. X. 1917 




63 


yi 


ad. ? JaK 


T 1307 


? 


>> 


n 


5. XI. 1916 




63 


? 


ad. JaK 


T 966 


6 


» 


17 


17. I. 1915 




62.5 


^ 


I. JaK 


T 954 


1» 


Jj 


77 


27. XII. 1914 




62.5 




I. JaK 


T 1984 


? 


)) 


77 


25. XI. 1917 




62 


? 


ad. ? JaK 


T 1922 


d 


jj 


77 


22. X. 1917 




61 


^ 


L JaK 


T 1470 


? 


JJ 


77 


2. I. 1917 




61 


ad. JaK 


T 390 


>» 


JJ 


77 


7. XI. 1910 




61 


n 


ad. ? JaK 


T 1962 




>• 


77 


4. XI. 1917 




60.5 


yt 


I. JaK 


T 955 


,, 




77 


27. XII. 1914 




60 




ad. JaK 


T 1613 


6 


Heilsberg 


77 


17. III. 1917 




62 


d 


ad. JaK 


M 17. 1408 


»j 


Brödlauken 


Gumbinnen 


17. IL 1898 


Wohlfromm 


64.5 


n 


ad. JaK 


M 17. 1409 


? 


77 


77 


n n v 


77 


60.5 


? 


ad. JaK 


M 17. 400 


6 


Ciezkowice 


Chrzanöw, W.- 
Galizien 


7. IL 1909 


Natorp 


62 


d 


I. JaK 


M03. 2160 


)> 


Nyustya 


Com. Gömör 


10. II. 1895 


Kunszt 


63 


M 


LJaK 


D 0. 8652 


j) 


Oravitz 


Com. Arva 


2. XII. 1882 


Kocyan 


63 


Y) 


LJaK 


M12. 150 


}) 


Lesna 


Zlin, Mähren 


30. XL 1911 


Graf Seilern 


59.5 




LJaK 



Favus atricapillus salicarius Brehm. 



G 


c{ 


G 


» 


F 


)) 


G 


? 


L 




Seh 1567 


rf 


Seh 1257 




Seh 888 




Seh 1566 




Seh 1258 


? 


M 19. 623 


rT 


M 19. 624 




M 19. 627 


? 


M 19. 625 


rT 


M 19. 626 


? 


M 19. 628 


K 


Seh 690 




Seh 687 


,, 


Seh 691 


? 


Seh 688 




M 17. 771 




M 17. 766 


r< 


M 17. 768 


» 



Wandersieben 

Seebergen-Wan- 

dersleben 
Flaue b. Arnstadt 
Göschwitz 
Hermsdorf 
Hainholz 



Schneeberg 



Aue 
Frauenaua. Rachel 



Viechtach 



Erfurt 



Schwarzburg 
Sachsen-Weim, 
Hohenstein- 
Ernstthal, 
Chemnitz, 
Sachsen 

Erzgebirge 



Böhmerwald 



Niederbayern 



9. 
30. 
29. 

10. 
18. 

5. 

8. 
20. 
29. 

8. 
29. 

75 

30. 



IX. 


1917 


77 

L 


1913 


III. 


1918 


VI. 


1913 


I. 


1918 


IV. 


1917 


IV. 


1916 


XII 


1917 


IV. 


1917 


IX. 


1919 


7? 

IX. 


1919 


11 


75 


77 


55 


77 

IV. 


57 

1914 


77 


55 


77 


55 


77 

IV. 


1917 


51 
5) 


55 
55 



Görnitz 

Fenk 

Görnitz 
Lindner 
Schlegel 



Stresemann 



Schlegel 



Lankes 



61 


rT 


59.5 




61 


11 


59 


$ 


61 


? 


62 


d 


63.2 




63 


55 


60.5 




60.2 


? 


65* 


d 


63.5 




62* 


? 


61.5 

60* 


i 


61 


d 


63.5 




61.5 




61 


? 


59 


57 


64 




63 


d 


63 


75 



LJaK 
LJaK 
LJaK 

LJaK 

LJaK 

ad. JaK 

ad. JaK 

ad. JaK 

I. JaK 

ad. JaK 

Ende JaM 

Ende JuM 

Ende JaM 

ad. JaK 
Ende JaM 
I. JaK 
ad. JaK 
I. JaK 
ad.? JaK 
I. JaK 
I. ? JaK 
ad. JaK 
I. JaK 



XIV, 3, 
1920 



Stresemann & Sachtleben: Die europ. Mattkopfmeisen. 



263 



Mus. Nr. 


CO 


Fundort 


Bezirk etc. 


Datum 


Sammler 


■ <0 

^3 


OQ 


Kleid 


M17.767 


cT 


Viech tach 


Nieder bayern 


18. IV. 1917 


Lankes 


62 


d" 


I. ? JaK 


M17. 770 


jt 


n 


»> 


20. „ „ 


■n 


62 




ad: JaK 


M17.772 


? 


w 


>• 


27. „ ., 


JJ 


61 


? 


ad. JaK 


M 18. 562 


n 


77 


1« 


24. V. 1918 


n 


60.5 




ad. JaK 


M 17. 769 




71 


ti 


20. IV. 1917 


JJ 


59 


dl 


I. ? JaK 


MIO. 93 


^ 


Burgheim a. D. 


Neuburg 


15. IV. 1910 


Barlow 


62 


? 


JaK 


M 18. 334 


d 


Ascholding 


Wolfrats- 
hausen, Obb. 


5. V. 1918 


Lankes 


64.5 


cf 


ad. JaK 


M 17. 2351 


yf 


77 


•n 


11. XL 1917 


JJ 


64 5 


J, 


Ende M 


M 16. 709 


y} 


77 


» 


25. XII. 1916 


JJ 


64.5 


»I 


ad. JaK 


M 17. 334 


•n 


77 


>y 


25. IL 1917 


JJ 


64 


J> 


I. ? JaK 


M 16. 422 


yt 


77 


?> 


27. IL 1916 


JJ 


63.5 




I. JaK 


M 18. 584 


? 


71 


» 


10. VI. 1918 


JJ 


63.5 


? 


JaK 


M 18. 583 


J 


n 


» 


JJ j) JJ 


JJ 


63 


d" 


Beg. JaM 


M 15. 1811 


^^ 


77 


» 


31. X. 1915 


JJ 


63* 




Ende JaM 


M 17. 287 


? 


17 


JJ 


18. IL 1917 


JJ 


62.5 


9 


I. JaK 


M15.1810 


J 


77 


JJ 


31. X. 1915 


JJ 


62.5* 


d 


Ende JaM 


M 17. 2353 


yt 


7J 


JJ 


11. XL 1917 


JJ 


62.5 


)j 


I. JaK 


M16.710 




jj 


JJ 


25. XII. 1916 


JJ 


62.5 


JJ 


I. JaK 


M16. 423 


2 


)j 


JJ 


27. IL 1916 


JJ 


62 


? 


ad. JaK 


M 17. 2354 


w 


iy 


JJ 


11. XL 1917 


JJ 


62 


JJ 


I. JaK 


M 17. 2355 


yt 


?> . 


JJ 


JJ JJ j» 


JJ 


62 


JJ 


ad. JaK 


M 17. 2837 


77 


>j 


JJ 


24. XII. 1917 


JJ 


62 


JJ 


I. JaK 


M 15. 1896 


cT 


jj 


JJ 


25. XIL 1915 


JJ 


62 


d 


ad. JaK 


M17. 283 


§ 


97 


jf 


4. IL 1917 


JJ 


61 


2 


I. JaK 


M 17. 288 


J 


JJ 


JJ 


18. IL 1917 


JJ 


61 


? 


I. ? JaK 


M 17. 404 


s 


JJ 


Jj 


4. III. 1917 


JJ 


61 


2 


I. JaK 


M 17. 2352 


T) 


JJ 


jj 


11. XL 1917 


JJ 


61 


JJ 


I. JaK 


M 15. 1805 


cf 


y> 


JJ 


3. X. 1915 


JJ 


60.5* 


d 


Ende JaM 


M 18. 3097 


? 


77 


JJ 


17. XL 1918 


JJ 


60.5 


? 


I. JaK 


M 17. 2836 


J 


JJ 


}) 


24. XII. 1917 


JJ 


60.5 


cT 


ad. JaK 


Ml 6. 425 






JJ 


6. L 1916 


JJ 


60.2 


? 


ad. JaK 


M 17. 2387 


„ 


Beuerberg 


JJ 


1. X. 1917 


Baumgartner 


63 


cf 


Ende JuM 


J 565 


n 


Eurasburg 


JJ 


20. L 1913 


V. Jordans 


61 


JJ 


I. JaK 


J 566 


w 


n 


JJ 


>» JJ JJ 


j) 


63 


JJ 


ad. ? JaK 


J 560 


.,? 


Isartal b. Eben- 
hausen 


JJ 


29. XL 1912 


n 


62.2 


JJ 


I. JaK 


J 559 


d' 


Staltach. 


Weilheim, Obb. 


17. XL 1912 


fl 


61 


JJ 


ad. ? JaK 


M 19. 581 


n 


Wangen 


Starnberg, Obb. 


17. IX. 1919 


Zierer 


64.5 


JJ 


Ende JuM 


M13.34 


77 


Hohenbrunn 


München, Obb. 


16. IL 1913 


Baumgartner 


64 


JJ 


ad. JaK 


M 04. 312 




Herzogpark 


J! 


14. III. 1904 


Doflein 


58.5 


$ 


I. JaK 


MIO. 2060 


? 


München 


,, 


7. XII. 1910 


Kolaf 


61 


JJ 


I. JaK 


M 19. 546 




Grafrath 


Brück, Obb. 


9.VIIL1919 


Sachtleben 


60 


JJ 


JuM 


Z 2851 


c? 


Schwentnig bei 
Zobten 


Breslau 


29. L 1910 


Zedhtz 


62.5 


d 


I. JaK 


Z 1807 


? 




JJ 


6.VIIL1909 


»1 


61* 


? 


JaM 


Z 2054 


J 


Militscha.Bart8cli 


>j 


"'• » »> 


M 


62.5* 


cf 


Ende JaM 



? Parus atricapillus salicarius^tischleri (P. a, natorpi?) 



Irfl Roschko witzer 
Wald 



Kreuzburg, 
Schlesien 



Natorp 



126. IX. 19041 63.2 1 c^iEnde JuM 



264 



Stresemann & Sachtleben: Die europ. Mattkopf meisen, I ^^ ' ^ ' 

L Ges. Bay. 



? Parus atricapilltis salicarius ^ montanus (I*. a, suhmontanus ?), 



Mus. Nr. 


i 

CO 


Fundort 


Bezirk etc. 


Datum 


Sammler 


1 o 


03 


Kleid 


M17. 37 


c^ 


Ascholding 


Oberbayern 


14. L 1917 


Lankes 


66 


6 


ad. JaK 


M 19. 590 




Gschwendt900m 


Bernau, Obb. 


11. IX. 1919 


Stresemann 


65.5 


JJ 


Ende JuM 


J 564 


? 


Wallberg 1300 m 


TegernseCjObb. 


16. IL 1913 


V. Jordans 


63 


9 


ad. JaK 


Varus atricapillus rhenanus Kleinsclimidt. 




B 


6 


Kornsand- Gold- 
grund 


Nierstein a. Eh., 

Rheinbessen 


27. XXL 1895 


Kleinschmidt 


58.5 


d 


I. JaK 


J 1392 


? 


„ 


j> 


4. I. 1895 


,, 


57.5 


? 


ad. JaK 


E 4989 


6 


Fulder Aue 


Frei-Weinheim, 
Rheinhessen 


13. IL 1898 


Hilgert 


61.5 


d 


I. JaK 


E 4991 


? 


;} )! 


JJ 


26. VI. 1898 


JJ 


61.5 


2 


JuK 


E 4990 


jj 


JJ JJ 


JJ 


13. IL 1898 


JJ 


59 


JJ 


ad. JaK 


E 4988 


)j 


Haller- Au- Lache 


j> 


6. IL 1898 


JJ 


59 




L JaK 


E 4987 


6 


Nieder-Ingelheim 


Bingen.Rheinhes. 


22. XL 1895 


JJ 


59 


d 


I. JaK 


J 347 


? 


Nette 


Coblenz,Rheinpr. 


10. XIL 1911 


V. Jordans 


57.5 


? 


I. JaK 


J 346 


j> 


JJ 


JJ 


JJ j) JJ 


n 


56.5 


j> 


L JaK 


J 23 


cT 


Siegmündung 


Bonn , Rheinprov. 


22. IIL 1908 


v 


60.2 


d 


ad. JaK 


J 164 




11 


JJ 


4. VL 1910 


n 


— 




JuK 


J 22 


„ 


„ 


j) 


7. XL 1908 


5J 


56.2* 


§ 


Ende JaM 


J 255 


)) 




JJ 


3. VI. 1911 


5J 


— 




JuK 


J 186 




Sieg unterh. Fr.Wil- 
helms-Hütte 


JJ 


5. IL 1911 


17 


56.2 


? 


ad. JaK 


J 116 


)j 


Am großen Cent 


JJ 


17. XL 1909 


)j 


61.5 


d 


I. ? JaK 


J 184 


j) 


JJ JJ 


JJ 


15. L 1911 


)j 


59.5 


JJ 


ad. JaK 


J 24 


}} 


Lüftelberg 


Cöln, Rheinprov. 


6. IV. 1909 


j> 


60.5 


j) 


L? JaK 


J 130 


jj 




JJ 


31. IIL 1910 


)> 


60 


JJ 


I. JaK 


J 176 


j> 


V 


j) 


9. IX. 1910 


JJ 


58 


JJ 


I. ? JaK 


J 129 


? 


71 


JJ 


25. IIL 1910 


j> 


58 


? 


I. ? JaK 


J 356 


6 


Himmelsgeist 


Düsseldorf Rheinp. 


22. XIL 1911 


JJ 


59 


d 


I. JaK 


J 355 


2 


j, 


v 


JJ JJ JJ 


JJ 


57.5 


? 


I. ? JaK 


J 357 


» 


Norff b. Neuß 


n 


JJ 1} JJ 


JJ 


57.2 


JJ 


I. JaK 


J 358 


'> 


Aue gegüb. Benrath 


n 


JJ JJ JJ 


JJ 


56.5 


JJ 


I. JaK 


J 181 


d 


r. Rheinufer gegen- 
über Zons 


j» 


16. XL 1910 


JJ 


60 


d 


Ende JuM 


J 145 


jj 


Eheidt a. Rh. 


it 


19. IIL 1910 


JJ 


60 


„ 


I. ? JaK 


J 146 


? 


JJ 


ti 


JJ JJ >, 


JJ 


58.2 


$ 


I. ? JaK 


J 188 


d? 


Gnadental 


Cleve,Rheinprov, 


25. IIL 1911 


JJ 


60.5 


d 


I. ? JaK 


J 182 


d" 


Perlenbach 


Kalterherberg, Eif. 


14. VII. 1910 


JJ 


58.2 




Beg.JuM 


M 17. 391 


j) 


Blämont 


Meurthe et Moselle 


19. IL 1917 


Stresemann 


61.8 


JJ 


I. ? JaK 


M 17. 389 


J7 


}j 


n 


24. L 1917 


;j 


60.5 




I. JaK 


M 17. 390 


j) 


JJ 


" /. 


19. IL 1917 


JJ 


58.5 


,, 


I. ? JaK 


M 17. 392 


)7 


JJ 


n 


JJ JJ JJ 


JJ 


56.5 


,, 


I. JaK 


M 16. 755 


jj 


Mouaville 


Les Woevres 


22. XL 1916 


j j 


62 


,, 


ad. JaK 


M 16. 753 


)j 


,, 


JJ 


24. „ .j 


JJ 


60 


,, 


ad. JaK 


M 16. 756 


? 


„ 


JJ 


10. JJ j, 


JJ 


58.2 


? 


L?JaK 


M 16. 752 




j, 


JJ 


24. j, „ 


JJ 


57 




ad. JaK 


M 16. 754 


, 


,, 




12. „ „ 


JJ 


56 


,, 


I. ? JaK 


M 18. 723 


cT 


Oches b. Sedan 


Ardennes 


4. X. 1918 


Scheicher 


56 


JJ 


Ende JuM 


M 17. 401 


n 


Neerlangbroek 


Utrecht 


31. X. 1906 


Snouckaert 


58.2 


d 


End.?JuM 


M 17. 402 


? 


JJ 


ij 


2. XL 1906 


)> 


57.2* 


? 


End.?JaM 



XIV 3 1 

' ' Streseiuanii & Sachtleben: Die oiirop. Mattkopfmeison. 

Parus atricapillus rJienanns >» salirarius. 



2G5 



Mus. Nr. 


CD 


Fundort 


Bezirk etc. 


Datum 


Sammler 


^3 


►i 

$ 


Kleid 


M 19. 584: 


rT 


Ahrensburg 


Holstein 


17. VIII. 1919 


Scheicher 


63.2 


rT 


I. JaK 


.T 491 


S 


Gelting 


Schleswig 


13. VIII. 1912 


V. Jordans 


59.2 


9 


Beg.JuM 


Gl 




Camin 


"1 Wittenburg, 
J> Mecklenb.- 
j Schwerin 


10. III. 1905 


Clodius 


59.2 




JaK 


Ol 


d" 


» 


12. II. I90ü 


" 


58 


d 


JaK 


Parus atricapilliis Meinsshniidti UcIIiiiayr. 


M 17. 1404 


r^ 


St. Leonards 


Sussex 


15. II. 1907 


i Ruskin- 


.58 5 




I.JaK 


M 17. 1403 






>> 


7. I. 1907 


( Butterfield 


57 




I.JaK 


J 1394 


)j 


Bexley 


Kent 


I. 1910 




57.2 




I.JaK 



Pams ntricapilliis assiniilis Brelim. 



cf 



d 



Tiirkös 



Kronstadt 
Glitt b. Solka 



Kronstadt, 
Siebenbürgen 



Bukowina 



5. XI. 1896 

20. XI. 1906 
28. XII. 1896 

21. XI. 1906 

28. XII. 1896 

XI. 1896 

7. IL 1905 



Hausmann 


65.5 


d" 


Dombrowski 


65.5 




Hausmann 


64.5 


? 


Dombrowski 


64 




Hausmann 


64 


? 


>) 


63.5 


$ 




64.5 


rt" 


Luzecki 


67.5 


)) 



Parus atricapilliis montanus Baldensteiii. 



Wengen 



Scheyenhorn, 

1700 m 
Trins 



Hall 

Barm stein bei 
Hallein 
Mitten wald losom 

„ 1000 m 



Bemer Ober- 
land 

)) 
Ct. Giarus 

Gschnitztal, 
Tirol 

Innsbruck 
Salzburg 

Karwendelge- 
birge 



Anf. IX 


1913 


23. vii. 


1898 


15.VIIL1912 


1. IX. 


1917 


17. IV. 


1911 


27. VII. 


1890 


20. IL 


1920 


29. VII. 


1919 


21. IL 


1920 


16. „ 




17. „ 




20. „ 




21. „ 




18. „ 




17. „ 




29. VII. 


1919 


16. IL 


1920 



Lindner 



Wettstein 



Tratz 
Tschusi 

Stresemann 



67 


d 


67 




64 




67.2 




65.5 




67.5 




65 




69 


" 


68* 




68 




67 




67 




66.5 




65 


? 


64.5 




64.2 




64* 




64 





ad. JaK 

I. JaK 
ad. JaK 
ad. JaK 
LJaK 
I.JaK 
LJaK 
ad. JaK 



EndeJaM 

EndeJaM 
JuK 

JaM 

JuM 
JaK 
JuK 

ad. JaK 

JaM 
ad. JaK 
I. ? JaK 
I. JaK 
ad. JaK 
ad. JaK 
ad. JaK 
ad. JaK 

JaM 
I. ? JaK 



266 



Stresemann & Sachtleben : Die exirop. Mattkopfmeisen. 



[Verli. Öm, 
Ges. Bay. 



Mus. Nr. 


IS 


Fundort 


Bezirk etc. 


Datum 


Sammler 


53 


CQ 


Kleid 


M 20.92 


s 


Mitten wald, 1000 m 


Karwendelge- 
gebirge 


17. IL 1920 


Stresemann 


63.5 


? 


I.? JaK 


M 20.94 


»> 


» » 


)j 


^^' yy yy 




63 


yy 


L? JaK 


M 19.649 




» )> 


jj 


29. VII. 1919 




63* 


yy 


JaM 


M 19.648 


5^ 


Vereinsalpe,i400m 


» 


1. VIII. 1919 




66* 


d 


JaM 


M 19.659 


}) 


» »» 


» 


" » »' 




64.5 




Beg. JaM 


M 19.650 




»» » 


» 


» yy »' 




64.5 


„ 


JuK 


M 19.647 


? 


" >j 


» 


>y )i »» 




63.5* 


? 


JaM 


M 19.658 


JJ 


>» 


jy 


yy y " 




63.2 




JaM 


M 19.655 


d 


'» » 


?j 


30. VII. 1919 




62.5 


s? 


JuK 


M 19.652 


}J 


» 1) 


jy 


1. VIII. 19] 9 




— 




JuK 


M 19.654 


)) 


» » 


y> 


V yy y> 




— 


— 


JuK 


M 19.653 


)) 


»» » 


yy 


yy yy »y 




— 


— 


JuK 


M 19.657 




Soiern, 1800 m 


yy 


30. VII. 1919 




63.5 


? 


JuK 


M 19.651 


? 


j> jj 


y> 


>y » yy 




63 


? 


JuK 


M 13.60 


& 


Bischofswiesen 


Berchtesgaden 


3. III. 1913 


Voit" 


66 


cf 


I. JaK 


M 10.89 


JJ 


fj 


yy 


2. III. 1910 


» 


65 


fr 


I. ? JaK 


M 10.90 


JJ 


jj 


>y 


18. III. 1910 


y> 


65 


yy 


I. JaK 


M 10.91 


JJ 


yj 


» 


" y> yy 


yy 


64.5 


y> 


ad. JaK 


M 13.61 


d? 


» 


>» 


3. III. 1913 


>» 


64.5 


yy 


I. ? JaK 



Zusammenfassiiiig. 

Die Untersuchung der Gruppe Pams atricapillus lehrte fol- 
gendes: 

1. Das Entstehungszentrum des Formenkreises ist nicht in 
Europa, sondern in Asien oder Nordamerika zu suchen. 

2. Der Gabelpunkt der Graumeisenarten (Subgenus Penthestes) 
ist in eine weite geologische Vergangenheit zu rücken. Es gibt 
keine Zwischenformen mehr, welche die Gruppen Parus atricapülits, 
Parus palustris^ Parus dnetus und Parus lugubris miteinander ver- 
binden. Parus sclateri betrachten wir nicht als einen amerika- 
nischen Vertreter von P. palustris, sondern als eine genetisch durch- 
aus verschiedene Art mit konvergenter Entwicklung. 

3. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Formengruppe P. 
atricapillus erst im Quartär, vielleicht zu dessen Beginn, in Europa 
erschien, und zwar von Westsibirien her. 

4. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat die Easse montaiius erst 
seit dem Postglazial die Merkmale erworben, welche sie von der 
Rasse saliearius unterscheiden; ein ebenso hohes Alter dürfte die 
Rasse kleinschmidti besitzen. 

5. Feinste Abstufungen verbinden die Rassen horealis und 
rhenanus miteinander. Wir begnügen uns mit der Benennung 
zweier Zwischenstufen: tischleri und saliearius. Hinsichtlich der 



' ' I Stresemann & Sachtleben : Die europ. Mattkopfmeiseü. 267 

Reinblütigkeit von P.a. tkchleri bleiben Bedenken bestehen; diese 
Rasse könnte nach der baltischen Eiszeit durch Kreuzung von 
horealis und salicarius entstanden sein. Dagegen erscheint es kaum 
zweifelhaft, daß die Übergänge zwischen Westschlesiern und Nord- 
franzosen durch klimatische Wirkungen entstanden und wir hier 
eine echte Formenkette vor uns haben. Ebenso sind die Rassen 
salicarius und montanus wahrscheinlich in den nördlichen Voralpen 
durch reinbliitige Zwischenglieder verbunden. 

6. Es ist in hohem Grade wahrscheinlich, daß P. a. horealis 
nach dem Rückzug des baltischen Gletschers von Osten her über 
Nordrußland — Finnland in Skandinavien eindrang und den gleichen 
Weg einschlug wie die Fichte {Picea excelsa). Skandinavien ist 
unter allen Gebieten Europas am spätesten von der Mattkopfraeise 
besiedelt worden; wir finden daher hier noch keine Andeutung zur 
Ausbildung einer Lokalrasse. 

7. Das einzige für uns wahrnehmbare sekundäre Geschlechts- 
merkmal ist außer der etwas schwächeren Pigmentierung des weib- 
lichen Altersflügels die geringere Größe des $. Indessen greifen 
die obere Wuchsgrenze des $ und die untere Wuchsgrenze des d" 
weit übereinander. 

8. Am Jugendschwanz pflegt das mittlere Steuerfederpaar 
schmäler zu sein und spitzer zuzulaufen als am Altersschwanz. Eine 
etwas geringere Länge des Jugendflügels ist wahrscheinlich. 

9. Unter den eurasischen Rassen besitzt baicalensis den relativ 
längsten, restrictus den relativ kürzesten Schwanz, was der „Flügel- 
schwanzindex" (p. 250) deutlich zum Ausdruck bringt. 

10. In Nordamrieka und in Europa nehmen die im Niederland 
lebenden Mattkopf m eisen nach Süden an Größe ab (entsprechend 
dem Bergmann-Leuckart'schen Gesetz). Die Hochgebirgsformen 
sind auf allen drei von der Gruppe bewohnten Kontinenten am 
größten, sogar größer als die hochnordischen. 

11. P. a. bianchii ist keine geographische Rasse. Der Name 
wurde Individuen von P. a. horealis mit gestörter Pigmentbildung 
gegeben. 

12. P. a. montanus ist, da von den bayerischen Alpen als 
Brutvogel nachgewiesen, in die Liste der deutschen Vögel auf- 
zunehmen. 

13. Die nordwestdeutschen Weidenmeisen leiten von P. a. sali- 
carius zu rhenanus über. 



268 Stresemann & Sachtleben : Die europ. Mattkopf meisen. 1 ^^"^' O™- 

L Ges. Bay. 

Nachsclirift. 

Das uns bisher vorliegende Material führte uns zu der An- 
nahme, daß in der bayerischen Hochebene südlich München 
(Ascholding a. Isar) noch der typische P. a. salicarius heimisch 
sei, während — nur 53 km entfernt — in den bayerischen Alpen 
bei Mitten wald (Hänge des Karwendel- und Wettersteingebirges 
bis zur Talsohle) bereits der große, alpine P. a. montanus niste. 
Da das Vorhandensein reinblütiger Übergänge zwischen beiden 
Rassen ein logisches Postulat schien (vgl. oben p. 256), so über- 
raschte eine derart geringe Breite der vermittelnden Zone aufs 
höchste. Die geforderten Übergänge mußten auf der Strecke 
Ascholding-Mittenwald gesucht werden. Stresemann wählte daher 
auf einer neuerlichen Mattkopfmeiseuexkursion als Sammelort den 
Herzogstand, einen halbwegs zwischen beiden Orten aufragenden 
Bergrücken, der sich, mit einer Gipfelhöhe von 1757 m, im Norden 
unmittelbar aus der hier fast völlig flachen bayerischen Hochebene 
erhebt und nach Süden in die bayerischen Alpen fortsetzt. Seine 
Vegetation trägt durchaus alpinen Charakter (Latschenzone über 
der Baumgrenze). Es wurden 7 Exemplare erbeutet, die sich 
sämtlich bereits am Brutplatz zu befinden schienen: 



Mus. Nr. 


sex. 


Fundort 


Datum 


Flg.- 
Länge 


sex. 


Kleid 


M. 20.103 


r< 


Kochelsee 620 m 


30. IIL 1920 


67 


r< 


ad. JaK. 


M. 20.105 


c^ 


Herzogstand 1100 m 


30. III. 1920 


67 


rf 


ad. JaK. 


M. 20.108 


r{ 


„ 1350 m 


31. IIL 1920 


66 


r< 


ad. JaK. 


M. 20.106 


r< 


„ 1350 m 


31. IIL 1920 


64.5 


rC 


JaK. 


M. 20.109 


? 


„ 1450 m 


1. IV. 1920 


63 


? 


I. JaK. 


M. 20.104 


? 


„ 1000 m 


30. IIL 1920 


62 


? 


JaK. 


M. 20.1071) 


? 


„ 1350 m 


31. IIL 1920 


61.2 


$ 


JaK. 



Fast zur selben Zeit sammelte Herr Lankes, der unsere 
Kenntnis der oberbayerischen Vogelwelt schon so wesentlich ge- 
fördert hat, bei Ascholding weiteres Weidenmeisenmaterial, und 
zwar folgende Stücke: 



Mus. Nr. 


sex. 


Fundort 


Datum 


Flg.. 
Länge 


sex. 


Kleid 


20.165 
20.167 
20.168 
20.166 


6 
6 
6 
9 


Ascholding 

•n 
•n 
n 


4. IV. 1920 

5. IV. 1920 
5. IV. 1920 
4. IV. 1920 


67 
66 
65 
63.5 


6 
6 
6 
? 


JaK. 



^) Gepaart mit ^ Nr. 20.108. 



XIV 3 T 

' ' I Stresemann & Sachtleben: t)ie europ. Mattkopfraelsen. 



269 



Die Berücksichtigung dieses neuen Materials führt zu Er- 
kenntnissen, die unseren frühereu Anschauungen in einem wichtigen 
Punkte widersprechen: 

Der Übergang von salicarius zu montanus macht sich bereits 
in der oberbayerischen Hochebene bei Ascholding bemerkbar. Wir 
taten Unrecht daran, Nr. 17.37 von Ascholding mit einer Flügel- 
länge von 66 mm als nicht zur Ascholdinger Paarungsgemein- 
schaft gehörig zu betrachten (p. 256). Die 3 obigen cfcf aus 
Ascholding besaßen z. T. derart riesige Hoden, daß sie gewiß am 
Brutplatz waren; dafür zeugt noch der fernere Umstand, daß die 
Vögel in Paaren auftraten. 

Andererseits läßt die am Herzogstand gesammelte Serie er- 
kennen, daß die Mattkopfmeisen dort etwas kleiner sind als bei 
Mittenwald, sich also P. a. salicarius nähern. Dies geht nicht 
aus dem gefundenen Maximalmaß hervor (das der oberen Wuchs- 
grenze noch nicht entsprechen dürfte), wohl aber aus den beiden 
Minimalmaßen, welche von unseren 25 Karwendelvögeln nicht er- 
reicht werden. 

Wir gewinnen nunmehr folgendes Bild: 

In der näheren Umgebung Münchens ist noch P. a. salioarius 
heimisch: Min. 58,5, Max. vermutlich 65.5 mra^) (ermittelt 64.5 mm) 

— Material 6 Exemplare. 

Bei Ascholding lebt eine zu montanus überleitende Paarungs- 
gemeinschaft: Min. 60.2, Max. 67 mm — Material 30 Exemplare. 
Formel : P. a. salicarius > montanus. 

Am Herzogstand stehen die Mattkopfmeisen noch näher 
montanus. Min. 61.2, Max. vermutlich 68 mm (ermittelt 67 mm) 

— Material 7 Exemplare. Formel : P. a. salicarius <^ montanus. 

Bei Mittenwald lebt der echte P. a. montanus: Min. 62.5, 
Max. vermutlich 69.5 mm (ermittelt 69 mm) — Material 25 Exem- 
plare. 

So sehen wir hier unsere Erwartungen, daß der Übergang 
zwischen beiden Rassen kein unvermittelter und plötzlicher sei, 
aufs beste erfüllt. Erstaunlich ist dabei, daß er bereits ein gutes 
Stück vor dem Alpenfuße eingeleitet wird und dem Wechsel der 
orographischen Verhältnisse nicht so treulich entspricht, als man 
bei einer „reinblütigen Zwischenform" voraussetzen zu müssen 
glaubte. 



') Die normale Pendelweite der Größenvariation am Flügel beträgt bei den 
größeren europäischen Rassen etwa 7 mm. Unsere Feststellungen decken sich 
hier mit denen Kleinschmidt' s. 



270 Hellmayr: Vögel von Britiscli-Gruiana. I n "^ tj "^ 



Bibliographisches und Kritisches über R. Schomburgk's 
Vögel von Britisch-Guiana. 

Von 

C. E. Hellmayr. 

In der bekannten, von Cabanis verfaßten Bearbeitung der 
Vögel im dritten Bande von Richard Schomburgk's „Eeisen in 
Britisch-Guiana in den Jahren 1840—1844", Leipzig 1848, findet 
sich auf p. 665 eine Anmerkung des Reisenden: „Ein Stern vor 
dem Speziesnamen zeigt an, daß die Art nicht von mir an das 
Berliner Museum eingesandt worden ist, sondern von meinem 
ältesten Bruder^) auf seinen früheren Reisen in Britisch- 
Guiana gesammelt wurde, oder hier schon vorhanden war." 

Bei Durchsicht des Werkes begegnen wir in der Tat bei ver- 
schiedenen besternten Arten (Nr. 2, 3, 39, 109, 118, 142, 162, 
168, 164, 165, 174, 315) dem ausdrücklichen Hinweis auf Nachbar- 
länder, ans denen das Berliner Museum Exemplare erhalten hatte. 

Bei anderen ebenfalls durch einen vorgesetzten Stern bezeich- 
neten Arten (Nr. 126, 134, 208, 215, 254, 255, 262, 278, 279, 296, 
306, 309, 345, 347) fehlt eine derartige Angabe, dagegen sind die 
Worte: „fide Swainson" beigesetzt. Die Vermutung lag nahe, 
daß es sich bei den zuletzt angeführten um jene Arten handelt, 
die von Richard Schomburgk's ältestem Bruder Robert auf seinen 
früheren Reisen in der Kolonie erbeutet worden waren. Da je- 
doch eine Liste derselben meines Wissens weder von Swainson^) 
noch von irgendeinem anderen Ornithologen je publiziert worden 
ist, blieb mir die Quelle, aus der Cabanis die Swainson zugeschrie- 
benen Nachweise für die Avifauna Guiana's geschöpft haben mochte, 
lange Zeit ein Rätsel. 

Unter dem dank der Güte der Familienangehörigen in meinen 

*) Gemeint ist der in britischen Diensten stehende Sir Eobert Schom- 
burgk, Autor des Werkes „Fishes of Guiana". 

^) Swainson beschrieb in dem „Two centenaries and a quarter of birds, 
either new, or hitherto imperfectly described" betitelten, dritten Teile seines im 
Januar 1838 erschienenen Buches „Animals in Menageries" lediglich einige von 
Robert Schomburgk („Mr. SchomburgA" sie!) in Guiana entdeckte Vogelarten, 
die Cabanis auch richtig zitiert (z. B. Nr. 234—236, 238, 239, 242). Daß Swain- 
son Schomburgk's Ausbeute untersucht hat, geht übrigens zur Genüge aus einer 
Notiz in „Animals in Menageries" (p. 179 — 180) im Text von Crax alector L. 
hervor. 



' ' I Hellmayr; Vögel von Britiech-Guiana. 271 

Besitz übergegangenen schriftlichen Nachlaß meines unvergeßlichen 
Lehrers, des verstorbenen Grafen Hans von Berlepsch, ent- 
deckte ich unlängst ein Heft von dreizehn sauber geschriebenen 
Oktavseiten, das am Rande der ersten Seite in Bleistift von J. Ca- 
banis' Hand folgenden Vermerk trägt: „Bruchstück: woraus? 
Seltner Catalog von Swainson über die Vögel etc., welche Robert 
Schomburgk in Demerara sammelte. Ich erhielt dies von Robert 
[lege Richard. — C. E. H.] Schomburgk zur Benutzung bei Be- 
arbeitung seiner Vögel von Guiana. Cabanis." 

Das Manuskript führt die einzelneu Exemplare mit fortlaufen- 
der Numerierung (Nr. 165 — 445) auf. Pundortsangaben fehlen, 
dagegen sind die Bezeichnungen der Arten in den Sprachen der 
Eingeborenenstämme Macusi, Warrau und Paravilhanos beige- 
fügt. Die Bestimmung erweist sich als ganz oberflächlich; denn 
vielfach ist der Speziesname offen gelassen, ja in manchen Fällen 
ist überhaupt keine lateinische Benennung oder nur der Gattungs- 
name mit nachfolgendem Fragezeichen eingesetzt. Um ein Bild 
von der Art der Einträge zu geben, seien die folgenden Beispiele 
verbatim zitiert: 

186. Cymindis hamatus, Temm. Zitow M,^). 

187. Ictmia plumhea, Vieill. Watatow M. 

196. Noctua — Tepoih M. Sewareharih P.^). 

197. Priothera diurna^ Swains. Goatsucker. Tokorow M., 

Tokura W.^). 

207. Alcedo — Sackai M., Sauhi W. 

208, 209. Alcedo — Saesaesu M. 

254. Rupicola elegans Cuv. Rock Manakin. Cabannaru M. and P. 

254 a. Female of ditto. 

274, 275, 276. Corvus? Mankawa M. 

Das „Aves" überschriebene Manuskript ist augenscheinlich 
nur eine Abschrift des oruithologischen Teiles des Swainson'schen 
Kataloges. Dies geht schon aus der mit 165 beginnenden laufen- 
den Nummer hervor, sowie aus einer Anmerkung auf der ersten 
Seite: „Erst Säugetiere auf p. 19, von Nr. 161 — 164-', wobei ich 
es unentschieden lassen muß, ob der Urheber dieser Worte (Ber- 
lepsch) seine Kenntnis aus eigener Anschauung des Originals oder 
durch Information von Seite Cabanis' gewonnen hat. Die am 
Rande vermerkte Originalpaginierung läuft von p. 19 — 26 und 
fällt keineswegs mit dem Umfang der Seiten der vorliegenden 
Schrift zusammen, welche dreizehn Seiten in der Größe von 
2OXI6V2 ci^ umfaßt, woraus auf ein erheblich größeres Format 
des Originals geschlossen werden darf. 

^) Bedeutet Sprache der Macusi [^ Macuchi]. 

^) „ „ „ Paravilhanos. 

^) „ „ „ Warrau [= Guaraunos], 



272 



Hellmayr: Vögel von Britisch-Guiana. 



[Verh. Orn. 
Ges. Bay. 



Nach diesen einleitenden Worten wollen wir uns dem eigent- 
lichen Zwecke unseres Artikels zuwenden. Der Vergleich des 
Textes in der „Fauna" von Britisch-Guiana ergibt, daß Kichard 
Schomburgk, der den systematischen Ausführungen Cabanis' biolo- 
gische Einzelheiten über die meisten Vogelarten anfügte, reichlich 
aus der uns beschäftigenden Handschrift geschöpft, namentlich fast 
sämtliche Trivialnamen der Indianersprachen daraus entnommen 
hat. Die vierzehn oben erwähnten, Swainson's Autorschaft zu- 
geschriebenen Arten sind meist mit unveränderten Namen, unter 
Beigabe der Trivialnamen in Schomburgk's Werk aufgenommen. 
Nachfolgende Gegenüberstellung dürfte diese Übereinstimmung 
genügend zum Ausdruck bringen. 



Schomburgk, Reisen in Britisch- 
Guiana III ^). 

p. 693 Nr. 126. *AmpeUs cotinga L. 

Macusi: Tarika 
p. 695 Nr. 134. *Chiroxiphia.lon- 
gicauda Gab. 

Macusi: Warikuiyeh^). 
Warrau: Ponoromih^). 
p. 711 Nr. 208. ^Hydropsalis für- 
cifer Gray. Caprimulgus psa- 
lurus Temm. 
p. 713 Nr. 215 *Crotophaga tu- 

girostra Sws. ? 
p. 721 Nr. 254. *Pteroglossus plu- 

ricinctus. 
p. 721 Nr. 255. ""Pteroglossus Nat- 
terern Gould. 

Macusi: Kamata. 
Warrau: Wabacktsebeh. 
Paravilhanos: Maniata. 
p. 723 Nr. 262, ""Rhamphastos os- 

culayis Gould. 
p. 727 Nr. 278. "Conurus Tiria- 
cula Gray. Psittacus Tirica Gm. 
Macusi: Kehrih-Kehrih. 
p. 728 Nr. 279. *Conurus canicu- 
laris. 

Macusi: Crerraekui ^). 



Swainson's handschriftlicher 
Katalog. 

p. 21 Nr. 261. Ampelis cotinga, 

M. 
p.21 Nr 



Warikuiyeh. 
Ponoromih. 

Poalurus 



[sie] 



Tarika. 

264. Pipra longicauda 
Vieill. 
M. 
W. 
p. 20 Nr. 201. 
Azara. 

Macusi: Tuwackarow. 
p. 23 Nr. 319. Orotophaga rugi- 

rostra? Swains. 
p. 23 Nr. 301. Pt. pluridnctus 

Gould. 
p.23Nr.308— 310: Pt.nattererii 
Gould. 

[Dieselben Vulgärnamen 
wie bei Schomburgk.] 

p. 23 N. 299. Ramphastos osculans 

Gould. 
p. 24 Nr. 334. Psittacara tirica. 
M.: Kehrih-Kehrih. 

p. 23 Nr. 332—333. Psittacara 
ca7iicula?'is. 

M.: Serraekui. 



*) Alle in dieser Rubrik aufgeführten Arten sind von dem Vermerk: 
Swainson" begleitet. 

2) Siehe unter Nr. 133. 

^) Augenscheinlich Druckfehler für Serraekui. 



„fide 



^iSo^l Hellmayr: Vögel von Britisch-Guiana. 273 

Warrau: Tyoyatsuya. W.: Tyoyatsnya. 

p. 733 Nr. 296. *Scops Asio? p. 20 Nr. 193. Scops Asio? 
Macusi: Kerepunuma. [Dieselben Vulgärnaraen 

Warrau: Muro. wie nebenstehend.] 

p. 736 Nr. 306. *Rostrhamus ha- p. 19 Nr. 186. Cymindis hama- 
matiis Gray. tus Temm. 

Macusi: Zitow. M.: Zitow. 

p. 736 Nr. 309. *Nisus sexfascia- p. 19 Nr. 180, 181. Accipitersex- 
tus Gab. fasciatus Swains. 

Macusi: Savato. M. : Savato. 

p. 746 Nr. 345. *Crax urumu- p. 25 Nr. 381. Crax urumutum 

tum Spix. Spix. 

p. 747 Nr. 347. * ürax erythro- p. 25 Nr. 379. Ourax erythro- 
rhynchus Sws. rynchus Spix. 

Bei einer kritischen Durchsicht der vorstehenden Liste fallen 
neben einer Anzahl wohlbekannter Bewohner von Britisch-Guiana 
wie Nr. 126 = Cotinga coiinga (L.), Nr. 713 = Crotophaga ani{h.), 
Nr. 279 =: Aratinga aeruginosa chrysophrys (Swains.), Nr. 306 = 
Rostrhamus hamatus (Temm.) und Nr. 309 = Accipiter b. hicolor 
(Vieill.), die keiner weiteren Erörterung bedürfen, mehrere Vogel- 
arten auf, welche seither nicht wieder innerhalb der Grenzen der 
Kolonie gefunden worden sind. 

In einigen Fällen beruhen die angegebenen Namen sicher auf 
irrtümlicher Bestimmung der von Robert Schomburgk mitgebrachten 
Vögel, So ist Nr. 134: Chiroxiphia longicauda ohne jeglichen 
Zweifel auf die in den Guianas weit verbreitete C. pareola (L.), 
Nr. 208 auf die nach Schomburgk'schen Exemplaren im British 
Museum aufgestellte Hydropsalis schomburgki Sei. zu beziehen. 

Nr. 347 = Urax erythrorhynchus, lediglich nach Swainson's Ma- 
nnskript aufgenommen, wurde von Cabanis irrigerweise mit Ourax 
erythrory7ichus Swainson 1837 ^), identifiziert und demzufolge führte 
Salvin ^) Mitua tuberosa ex Schomburgk in seiner Liste der Vögel 
von Britisch-Guiana auf. Allein die von Swainson^) nach den von 
Rob. Schomburgk am „River Tokoto" [= Takutü] erbeuteten Exem- 
plaren entworfene Beschreibung von Ourax erythrorhynchus läßt 
gar keinen Zweifel übrig, daß es sich um Mitu tomentosa (Spix) 
handelt. Swainson war selbst hinsichtlich der Bestimmung un- 
sicher und hob ausdrücklich das Fehlen der weißen Schwanzspitze 



^) Classification of Birds II, Juli 1837, p. 352 (nom. nov. for Ourax 
mitu Temminck, Kec. PI. col. 1822, pl. 153: „Bresil"); = Crax mitu Linn 
= Mitu mitu (L.). 

') Ibis 1886, p. 174. 

') Animals in Menageries 1838, p. 187. 

18 



274 Hellmayr: Vögel von Britisch-Guiana. fVerh. Orn. 

L Ges. Bay. 

und des erhabenen Kiels auf dem Oberschnabel hervor. Mitu 
mitu (L.) ist mithin aus der Fauna Guianas zu streichen^). 

Nr. 296 = Scops Asio? ist mangels jeglicher Kennzeichnang 
nicht zu identifizieren. 

Nr. 278 = Brotogeris virescens (Gm.) ist bisher nicht wieder 
aus Britisch-Guiana nachgewiesen, da er aber auf den Inseln 
Marajo und Mexiana häufig angetroffen wird, mag er vielleicht 
dort noch gefunden werden. 

Es bleiben noch Nr. 254 = Pteroglossus pluricinctus (Gould)^), 
Nr. 255 = Selenidera nattererii (Gould) ^), Nr. 262 = Ramphastos 
osculans (Gould)*) und Nr. 347 = Nothocrax urumutum (Spix)^), 
die weder von H. Whitely noch von einem anderen Forscher in 
Britisch-Guiana wieder angetroffen worden sind. Es ist kaum 
anzunehmen, daß derart auffallende Erscheinungen der Vogelwelt 
übersehen wurden, und die Annahme einer ungenauen Fundorts- 
angabe drängt sich auf. Der Zwiespalt löst sich indessen leicht, 
wenn wir uns erinnern, daß Robert Schomburgk auf seiner großen 
Reise in den Jahren 1835 — 1839 seine Tätigkeit zum Teil außer- 
halb der Grenzen der britischen Kolonie entfaltete. Wir er- 
fahren in der Tat aus seinem Werke ^), daß, während Schomburgk 
selbst die berühmte Durchquerung der Serra Pacaraima und Sierra 
Parima von Pirara nacb Esmeralda am Orinoko ausführte, seine 
Reisebegleiter Vieth und Le Breton am Rio Negro und Rio Branco 
sammelten. Es dürfte daher mit größter Wahrscheinlichkeit anzu- 
nehmen sein, daß die vier oben genannten Arten fälschlich Bri- 
tisch-Guiana zugeschrieben, vielmehr von Schomburgk's Ge- 
hilfen am Rio Negro erbeutetwurden, als dessen Bewohner sie längst 
einwandfrei festgestellt waren. Diese Richtigstellung schien mir 
wichtig genug, um sie einem weiteren Leserkreis bekannt zu geben. 

^) Mitu mitu (L.) überschreitet das Bett des Amazonas nicht nach Norden 
und verbreitet sich längs des Südufers von Parä bis nach Peru, südwärts bis 
zu den Quellen des Rio Madeira im westl. Mattogrosso und östlichen Bolivia. 

Mitu tomentosa (Spix) dagegen bewohnt die Ufer des Rio Negro und Rio 
Branco, das südliche Britisch-Guiana (Rio Rupununi, Mahü, Takutü) und das 
Orinoco-Caura-Becken in Venezuela. 

^) Sonst nur aus Oberamazonien, vom Rio Negro und oberen Orinoko bis 
zu den Ostabhängen der Anden bekannt. 

^) Nur vom oberen Rio Negro (Barcellos, Marabitanas, Rio Xi^ etc.) nach- 
gewiesen. Die Lokalität „Oyapoc" ist ganz unzuverlässig. 

*) Mit Sicherheit nur für den Rio Negro, Munduapo (Orinoko) und Rio 
Madeira nachgewiesen. Der Fundort ,, Oyapoc" ist jedenfalls falsch. 

^) Lediglich für den Rio Negro (Cocuy, S. Gabriel), 0. -Ecuador (Sarayaju) 
und den oberen Marafion (Rio Pastaza, Iquitos), N.-Peru festgestellt. Nach Andr^ 
(Naturalist in the Guianas, 1904, p. 158) scheint ein Hokkohuhn von nächtlicher 
Lebensweise auch am Caura, Venezuela, vorzukommen. 

') Robert Hermann Schomburgk's Reisen in Guiana und am Orinoko während 
der Jahre 1835 — 1839. Nach seinen Berichten und Mittheilungen an die Geo- 
graphische Gesellschaft in London, herausgegeben von O. A. Schomburgk. Mit 
6 kolorierten Ansichten und einer Karte. Leipzig 1841. gr. 8". pp. XXIV -|- 510. 



' ' I Bacmeister: Kuckuck. 275 



Eigenartiges Abwehrmittel des jungen Kuckucks. 

Von 

W. Bacmeister (Heilbronn). 

Am 18. Juni 1919 fand ich morgens 7 Uhr im Walde des 
Wartbergs bei Heilbronn a. N. im Schlag „Vogelsang" im Neste 
des Waldlaubsängers [Phylloscopus s. sibüatrix (Bebst.)) einen jungen 
fast flüggen Kuckuck. Die eifrig fütternde Pflegemutter hatte 
ihn mir verraten. Das an einem ziemlich steilen Berghang an- 
gelegte Nest war von dem kräftigen, beständig Nahrung heischen- 
den 'Kuckuck erheblich verbreitert worden. Eestlos füllte er es 
aus. Eier oder Reste von solchen des Brutvogels fanden sich keine 
vor. Am 10. Juni 1914 hatte ich in demselben Waldteil einen 
jungen etwa 10 Tage alten Kuckuck ebenfalls im Neste des Wald- 
laubvogels gefunden. Zwei Eier des Brutvogels lagen damals un- 
beschädigt vor dem Neste. Um den am 18. Juni 1919 vorgefundenen 
Kuckuck zu beringen, begab ich mich abends 8 Uhr nochmals an 
Ort und Stelle. Breitspurig saß der wohlgenährte junge Gauch 
in seinem Neste. Nach dem ihm vorgehaltenen Finger beißt er 
mit Geschick und Tücke. Um ihm nun einen Ring der Vogelwarte 
Rossitten anzulegen, hebe ich ihn vorsichtig aus dem Neste heraus. 
Er wehrt sich hiegegen energisch. Als ich ihn nun ganz in der 
Hand hatte und mich eben anschickte, den Ring ihm anzulegen, 
gab der Kuckuck einen rotbraunen, fast blutigroten Saft aus der 
Kloake ab, der mich gehörig beschmutzte und der Ober- und Unter- 
kleidung durchdrang. Aus dem Schrifttum ist bekannt, daß der 
Kuckuck einen roten oder rötlichen Magensaft besitzt. Schon 
Naumann weist (Neuausgabe Bd. IV p. 402) 'mit dem Anfügen 
darauf hin, daß diese Farbe ,,wohl eigentlich vom Genuß roter 
Raupen nicht herrühren könne, da man ihn [den Magensaft] auch 
so gefärbt finde, wenn der Magen nicht rotgefärbte, wie z. B. 
Kohlraupen, enthält". Darüber, daß ein solch dünnflüssiger roter 
Saft aus der Kloake abgegeben wird, habe ich in dem mir z;u- 
gänglichen Schrifttum nichts finden können. Wurde er lediglich 
aus Angst abgegeben oder zum Zwecke der — natürlich unbe- 
wußten — Abwehr gegen den Angriff eines feindlichen Wesens, 
wie das sonst in der Tierwelt, z. B. bei Lurchen, bei den Bombar- 
dierkäfern u. a. geschieht? 

18* 



276 • Schriftenschau, ["Verh. Orn. 

L GrCB, Bay. 



Schriftenschau, 

A. F. C. A. van Heyst, Aanteekeningen omtrent de Avifauna 
van Deli (Sumatra's Oostkust). Club van Nederl. Vogelkundigen, 
Jaarbericht Nr. 9, 1919, p. 36—68. 
Im jüngsten Heft der von K. Baron Snouckaert van Schauburg heraus- 
gegebenen Zeitschrift finden wir neben anderen sehr beachtenswerten Artikeln 
eine längere Abhandlung aus der Feder eines seit Jahren in Deli ansässigen 
Holländers, van Heyst, der sich mit ihr sehr vorteilhaft in die ornithologische 
Literatur einführt. Seit Bernsteins und Max Bartel's Berichten über die Vögel 
Javas ist keine Abhandlung erschienen, die so wichtige Beiträge zur Biologie 
westmalayischer Vögel enthält wie diese. Wir erfahren zum erstenmal genaueres 
über die Lebensweise der sumatranischen Vögel, über ihre Nester, die Brutzeiten, 
über Zugserscheinungen etc. Die meisten Arten scheinen, wie in den temperierten 
Gebieten mit einem Wechsel der Jahreszeiten, nur während eines Teiles des 
Jahres zu brüten ; die Mehrzahl der Nestfunde fällt in die Monate IL — VI. Als 
Ausnahme ist jedoch sehr bemerkenswert, daß van Heyst bei Ploceus passerinus 
infortunatus eine doppelte Brutzeit, XII. — I. und VI.— VII., feststellte. 
Von Cistieola cisticola wurden Nester vom IV. — VIII., X. — XII. gefunden; 
von Pycnonotus goiavier analis heißt es. daß er während des ganzen Jahres, 
meist aber zwischen IL und VI. brüte. Sehr interessante Aufschlüsse darf man 
sich von der Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Brutzeit, Mauserzeit 
und Periodizität der klimatologischen Erscheinungen versprechen. Bei allen 
Passeriformes sind nach unserer bisherigen Kenntnis während der Mauserzeit 
die Geschlechtsdrüsen zurückgebildet; wenn also die genannte Pycnonotus- Axt 
das ganze Jahr über brütet, so werden Ehen nur zwischen Individuen mit 
gleicher Mauserzeit geschlossen werden können I Die doppelte Brutzeit der P/ocews- 
Art könnte eine scheinbare sein, indem es zwei Individuengruppen gäbe, von 
denen die eine mausert, während die andere brütet ; jede wäre dann nur während 
einer Periode des Jahres zur Fortpflanzung befähigt. — Ankunfts- und Abzugs- 
daten der zahlreichen Wintergäste aus China und Sibirien sind vielfach genau 
angegeben. Merops philippinus, ein rätselhafter tropischer Wanderer, wurde nur 
in unserem Winter bemerkt. Es finden — daran kann nicht mehr gezweifelt 
werden — auch bei tropischen Brutvögeln weite Wanderungen statt, deren Ur- 
sache uns noch völlig verhüllt ist. — Die simultane Vermehrungsziffer ist, 
wie wohl überall in den Tropen, meist geringer als in unseren Breiten. Die 
Falcones legen 1 , seltener 2 Eier, die meisten Coradiformes und Passeriformes 2, 
höchstens 3 Eier, wiewohl auch bei gewissen Formen größere Gelege die Regel 
bilden (besonders bei einigen ikfwn/a- Arten, bei denen die Eierzahl 8 erreichen 
kann). Parus major, der bei uns 6 — 10 Eier legt, bringt es auf den Sunda- 
inseln (als Rasse cinereus) nui bis zu 3 — 5 Stück (Bernstein). Cisticola cisti- 
cola legt im Mittelmeergebiet 4 — 7, auf Sumatra 3 — 4 Eier; in Dauurien findet 
man im Nest des Anthus richardi 4 — 6, auf Sumatra (Rasse malayensis) nur 
2—3 Eier. — E. S. 

J. A. Palmen, Peringte Vögel aus Finnland. Meddelanden af Societas 
pro Fauna et Flora Fennica, Bd. 40—42. Helsingfors 1914—1916. 
Der Nestor fennoskandischer Ornithologie — er hat vor kurzem hochbetagt 
seine Augen geschlossen — berichtet hier über die Ergebnisse des Markierungs- 
verfahrens an finnischen Vögeln, das er im Sommer 1913 ins Leben gerufen 



^■^^' '^' Schriftenschau. 277 

1920 J *' 

hatte. Eine große Zahl von Versuchsobjekten wurde zurückgemeldet. Besondere 
Beachtung verdienen u. a. folgende Fälle: Zwei Wachholderdrosseln, erlegt in 
Westengland bezw. S.W.- Frankreich; ein Anthus spinoletta lütoraUs, beringt 
auf Aland, geschossen zwischen Calais und Dieppe; eine Eotdrossel, beringt in 
Lappland, erlegt in Norditalien (bei Brescia); ein Großer Brachvogel, erlegt auf 
den Hebriden; eine Stockente, erbeutet im nördlichen Schottland. — E. S. 

R. Palmgren, Till kännedomen om sparfugglans, Glauridium 
passerimtin L.,näringsekologi oeh fotplantings historia. ibid. 42, 
1916, p. 101—108. 

Verf. schließt aus Literaturangaben und eigenen, in der Umgebung von 
Helsingfors angestellten Beobachtungen, daß der Sperlingskauz in die von ihm 
bewohnten Baumhöhlen Wintervorräte einsammelt, vor allem aus Mikro- 
mammalien, aber auch aus KleinvögeLn bestehend. In einer solchen Höhle wurden 
(26. XI.) 12 Mäuse gefunden. — E. S. 

E. Merikallio [Über die Verbreitung von Harelda hiemalis, finnisch I] 
ibid. 43, 1917, p. 284. 

Die eigentümliche Verbreitung von Clanqula hiemalis in Finnland und 
N.W.-Eußland sucht Verf. auf klimatische Ursachen zurückzuführen, und 
zwar auf das mittlere Wärmemasimum während der Nistzeit. Die Eisente fehlt 
jenen Gebieten als Brutvogel, in denen das mittlere Wärmemaximum im Juni 
14.5» und im Juli 17 «C. überschreitet. — E. S. 

El Hornero, Kevista de la Sociedad Ornitolögica del Plata para el estudio y 
protecciön de las aves de la Argentina y paises vecinos. Buenos Aires. 
Tomo I, Nr. 1, October 1917. p. 1-48; Nr. 2, Mai 1918, p. 49-128; 
Nr. 3, Dez. 1918, p. 129—212; Nr. 4, Sept. 1919, p. 213-308. 
Unter dem Vorsitz des rührigen Konservators der Zoologischen Abteilung 
des dortigen Naturhistorischen Museums R. Dabbene hat sich in Buenos Aires 
eine ornithologische Vereinigung gebildet, die sich die Erforschung und den Schutz 
der Vogel weit Argentiniens und seiner Nachbarländer zur Aufgabe macht. Die 
in unregelmäßigen Abschnitten erscheinende Zeitschrift führt ihren Namen nach 
der spanischen Bezeichnung des durch sein backofenförmiges Nest bekannten 
Töpfervogels. Der vielseitige Inhalt der vorliegenden vier Hefte betrifft syste- 
matische Fragen, Biologie, Verbreitung der Vögel, Geschichtüches aus der Zeit 
der Eroberung Amerikas durch die Spanier, selbst die Poesie ist vertreten durch 
ein Gedicht auf den Töpfervogel. Neben einer Liste der auf der Insel Martin 
Garcia im La Plata gesammelten Vögel aus der Feder Dabbene's verdienen 
Dinelli's Beobachtungen über die Fortpflanzungsweise nordwest-argentinischer 
Arten und Doello-Jurado's Untersuchung über das Nest des Furnarius cristatus 
besondere Erwähnung. Neu beschrieben sind : Penelope nigrifrons {J\i]\ij), Spinus 
ictericus magnirostris (Salta) und Batara cinerea arqentina (Jujuy). Mitteilungen 
über die abgehaltenen Versammlungen und Forschungsreisen von Mitgliedern, 
sowie eine trefflich redigierte Schriftenschau bilden jeweils den Abschluß der ein- 
zelnen Hefte. Wir erbieten unserer Schwestergesellschaft jenseits des Ozeans 
einen freundlichen Willkommengruß und wünschen ihr Erfolg und Gedeihen auf 
ihren weiteren Wegen. — C. E. H. 

Chapman (F. M.). The Distribution of Bird-Life in Colombia; a Contri- 
bution to a Biological Survey of South America ; BuUetia Amer. Mus. N. 
Hist., vol. 36, 1917, p. I— X, 1—729, Taf. 1—41. 

Als Eesultat der in den Jahren 1910 — 1915 in der Eepublik Colombia 
zwischen der pazifischen Küste und den östlichen Abhängen der östlichen Anden- 
kette unternommenen Forschungsreisen beschenkt Chapman die ornithologische 
Literatur mit einem glänzend ausgestatteten umfangreichen Bande. Das ab- 
wechslungsreich gestaltete Land mit den teilweise bis zur Schneegrenze auf- 



278 Schriftenschau. fVerh. Orn. 

ragenden drei Andenketten, von Süd nach Nord von den tief eingeschnittenen 
Tälern des Cauca und Magdalena durchfurcht, beherbergt eia außerordentlich 
mannigfaltiges Vogelleben und bot somit ein selten günstiges Feld für das 
Studium zoogeographischer Probleme. Das von den amerikanischen Sammlern 
erbeutete gewaltige Material von nahezu 16 000 Vögeln wurde von Chapman in 
mustergültiger Weise bearbeitet, und die gewonnenen Ergebnisse haben unsere 
Kenntnis von der Verbreitung der Vögel Colombias um ein bedeutendes Stück 
gefördert. Über die Lage und Ausdehnung der verschiedenen Lebenszonen dieses 
Landes sind wir dank Chapman's Arbeit heute wohl besser unterrichtet als über 
die Ornithologie manches europäischen Staates, z. B. Spaniens. Ihre Verteilung 
ist auf einer Karte in Buntdruck (Tafel 26) sehr übersichtlich dargestellt. An- 
gesichts der Beschränktheit unseres Raumes müssen wir uns mit einer kurzen 
Skizze der Anlage des Werkes begnügen. Verfasser beginnt mit einer Übersicht 
der bisherigen ornithologischen Sammlungen aus Colombia und gibt sodann einen 
Bericht über die acht Museumsexpeditionen. Gedrängte Darstellungen der Topo- 
graphie und Klimatologie der besuchten Teile Colombias gehen der Charakteristik 
der vier Lebenszonen (tropische, subtropische, gemäßigte und alpine) und ihrer 
Unterabteilungen voraus. Den größten Teil des Buches nimmt die systematische 
Behandlung der gesammelten Vogelarten ein. Ihre Gesamtzahl beläuft sich auf 
1285, darunter nur 45 Wintergäste aus Nordamerika. Nahezu 150 Spezies und 
Subspezies wurden vom Verf. als neu beschrieben. Eine sehr willkommene Bei- 
gabe ist das am Schlüsse angefügte Verzeichnis der bisher besuchten Sammel- 
stationen Colombias. Das in jeder Hinsicht treffliche Buch ist geschmückt mit 
zahlreichen Vegetationsbildern, Landschaftsaufnahmen, Verbreitungskarten und 
mehreren bunten Vogeltafeln. Wir beglückwünschen den Verf. zur Vollendung 
des Werkes, das wohl als die bedeutendste Erscheinung auf dem Gebiete der 
Literatur Südamerikas während der letzten Jahrzehnte bezeichnet werden darf. 
— C. E. H. 

Herman Schalow, Beiträge zur Vogelfauna der Mark Branden- 
burg. Berhn 1919, VI + 602 pp., 1 Photogravure und 13 Tafeln. 
Prof. Schalow, der schon im Jahre 1876 mit einer grundlegenden Arbeit 
über die Vögel der Mark Brandenburg hervorgetreten ist und seitdem an der 
Entwicklung der ornithologischen Erforschung dieser Provinz regen Anteil ge- 
nommen hat, beschenkt uns nun mit einem stattlichen Bande, in dem mit großer 
Sorgfalt alles Bekannte und Wissenswerte über märkische Vögel zusammengetragen 
ist. Das Buch enthält weit mehr, als der Titel andeutet, denn neben dem 
faunistischen Teil finden wir andere umfangreiche Kapitel, unter denen das über 
Folkloristik und vor allem ein weiteres, „Biographische Versuche" betiteltes all- 
seitiges Interesse beanspruchen dürfen. In meisterlicher Darstellung widmet der 
Verfasser darin den Männern, welche sich um die märkische Ornithologie be- 
sonders verdient gemacht haben, wie C. Bolle, B. Altum, Ad. Walter u. a., Worte 
der Erinnerung. Das mit vielen Porträts und einigen vortrefflichen „Natur- 
urkunden " ausgestattete Werk ist einer Ehrenstelle unter der deutschen fauni- 
stischen Literatur sicher. — E. S. 



,^1 



Verhandlungen 



der 



Ornithologischen Gesellschaft inBayern 



Band XIV 

Heft 4 /^<^^ ^% 



h m 1 9 1921 ^, 



Inhalt; 

Seite 

C. E. Heilmayr, Miscellanea Ornithologica V 281 

L Stresemann, Ein neuer Specht aus Sumatra 288 

E. Stresemaiin, Ein neuer Name für Ficus striolatus Blyth 289 

A. Hess, Ein schweizerischer Micropus apus apus (L.) in Bayern gefunden 290 

Schriftenschau • 291 

Index 293 

Sitzungsberichte (Oktober 1919 — Juni 1920) IX 

Mitgliederverzeichnis 1920 XIII 



Ausgegeben am 11. Dezember 1920. 



Münclien 1920 

Im Buchhandel zu beziehen durch die Verlagsbuchhandlung 
Gustav Fischer in Jena. 



Junge & Bohn, TJuiv. -Buchdruckerei, Erlangen 



^^^' ^' I Hellmayr: Miscellanea Ornithologica V. 2H1 



1920 



Miscellanea Ornithologica V ^)- 

Von 

C. E. Hellmayr. 
XIV. Synonymisclies. 

Molothrus atronitens Cabanis^), allgemein gebraucht für die 
kleine Form des Kuhvogels, die sich vom Mündungsgebiet des 
Amazonas durch die Guianas bis Trinidad und Tobago verbreitet, 
ist praeoccupiert durch CfassicusJ T. atro7iitens Merrem^), ein 
Synonym von Molothrus honariensis bonariensis (Gm.) 1789. Unter 
Benützung der nächsten verfügbaren Bezeichnung hat sie fortan 
den Namen Molothrus honariensis minimus Dalmas*) zu 
tragen. — 

Salfator ruficapillus Vieillot^) hat Priorität über Tanagra 
leucophaea Lichtenstein % Der von mir im Pariser Museum unter- 
suchte Typus') stimmt durchaus mit Stücken aus Rio de Janeiro 
überein und weicht in der von Berlepsch^) für Schistochlamys 
capistratus leucophaeus (Licht.) angegebenen Weise von einer Serie 
aus Bahia ab. Die Deutung des Vieillot'schen Namens ist bisher 
wohl deshalb nicht geglückt^), weil sich in seine Beschreibung 



1) Siehe diese „Verhandlungen" XIV, Heft 1, Juni 1919, p. 126—133. 

*) In: Schomburgk, Eeisen Brit. Guiana III, „1848", p. 682: Küste von 
Britisch Guiana. 

') In: Ersch und Gruber, Allgem. Encyclopädie Wissensch. & Künste 15, 
1826, p. 276 (nom. nov. für Tanagra bonariensis Gmelin und Xanthornus 
purpurascens Hahn). 

*) Molothrus minimus Dalmas, Mem. Soc. Zool. France 13, 1900, p. 138 
(Tobago). 

») Nouv. Dict. d'Hist. Nat., nouv. ^d., 14, 1817, p. 108: „l'AHiMque 
möridionale". 

•) Verz. Dubl. Berliner Museums, 1823, p. 32: „Brasilien"; hab. subst. S. 
Paulo, auct. Berlepsch. 

■') Seine Etikette trägt die Aufschrift: „Lamprospize ruficapille, Lampro- 
spiza rufieapilla, Saltator ruficapillus Vieill. (Type). T, leucophaea Licht., 
T. capistrata Spix, du Bresil. 1808". Er mißt: al. 80; caud. 79; rostr. 14 mm. 

•) Verhandl. V. Internat. Ornith. Kongr. Berlin, 1912, p. 1109. 

') Pucheran (Arch. Mus. Paris 7, 1855, p. 355) identifizierte Saltator 
ruficapillus Vieill. bereits mit Tanagra capistrata Spix, ohne jedoch die Wider- 
sprüche zwischen Original und Beschreibung zu betonen. 



282 Hellmayr: MisceUanea Ornithologica V. rVerh.Orn. 

ein sinnstörender Fehler eingeschlichen hatte. In dem Satze: „le 
front, le lorura, le ventre d'un noir, teinte de roussätre'' ist statt 
„ventre" menton [= Kinn] zu lesend), was dem Typus durchaus 
entspriclit, der überdies die charakteristische,- von Vieillot nicht 
erwähnte röstlichweiße Bauchmitte besitzt, die allen anderen unter- 
suchten Exemplaren gleichfalls zukommt. 

Die beiden Formen dieser Tangare haben demnach zu heißen: 

a) Sf'histochlam/ys rtißcapilliis riAficapillus (Vieiil.) 
(.^yn. Tanagra leucophaea Licht.) — S. O.-Brasilien (südl. Minas 
Geraes, Rio de Janeiro, S. -Paulo). Als terra typica fixieren wir 
Rio de Janeiro. 

b) ScJiistochlainys ruficapiltus capistratus (Wied). 
N.-O, -Brasilien, in den Staaten Bahia, Pernambnco und Piauhy. — 

Taiingra dBsmarestiV\Q\\\oV) hat um zwei Jahre die Priorität 
über Tanagra thoracica Temrainck'), wie die Nachprüfung des 
noch im Pariser Museum aufbewahrten Typus ergab. Der in den 
Galerien aufgestellte Vogel trägt die Aufschrift: „remis sur pied 
au j' 1859 — du Bresil par Delalande, 1816. _^Calliste thoracica 
Tem."*) und ist ohne Zweifel das Original, das Vieillot zur Vor- 
lage gedient hatte. Die Beschreibung bei Vieillot ist aber so_ 
schlecht und fehlerhaft, daß ohne, Untersuchung des Typus die 
Identität mit T. thoracica Temm. nicht zu ermitteln war. Das Stück 
stimmt in jeder Hinsicht -mit Vögeln aus Rio de Janeiro überein, 
widerspricht jedoch in mehreren Punkten der Darstellung des 
französischen i\.utors. „L'occiput; les cötes de la tete, le menton . . ." 
sind durchaus nicht ,.jaunes", sondern gelblichgrün, und die Säume 
der Rückenfedern, Oberflügeldecken, Schwung- und Steuerfedern 
ebenfalls nicht „jaunes", vielmehr grasgrün. Bei einfallendem 
Lichte erscheinen diese Federteile der Oberseite indessen tat- 
sächlich goldgelb! Auch in bezug auf die Unterseite kann 
man „les parties posterieures" unmöglich als ,.jaunes" bezeichnen, 
da nur die Vorderbrust orangegelb, Brust und Bauch dagegen 
hellgrün (mit etwas bläulichem Tone), längs der Mittellinie rahm- 
weiß, die Unterschwanzdecken rahmrostgelb, mit kurzen, silber- 
grünen Spitzen sind. Vieillot hat augenscheinlich den Vogel nur 



>) Vieillot's späterer Versuch (Tabl. enc. mMa., II, livr. 91, 1822, p. 793), die 
Fehler der Origioalbeschreibung zu verbessern, endete mit einer noch größeren 
Verwirrung. 

^) Nouv. Dict. d'Hist. Nat., nouv. dd., 32, 1819, p. 410 („Brasil"); Vieillot, 
Tabl. enc. möth. II, livr. 91, 1822, p. 774 (Type, gesammelt von Delalande fils 
im Pariser Museum); Pucheran, Archiv. Mus. Paris 7, 1855, p. 354. 

=) Rec. PI. coL, livr. 7, 1>^21, tab. 42 fig. 1 (,, Bresil", ex coli. Delalnnde 
in Mus. Paris; ex coli. Natterer in Mus. Wien und Leiden). 

* ) Seine Maße sind: al. 68; caud. 55; rostr. 10 mm. 



^^lo '^' I Hellmayr: Miscellnnci (^rnithologica V. 283 

durch die Glasscheiben des Sclirankes bei ungünstiger Beleuch- 
tung betrachtet, woraus sich die Fehlerhaftigkeit seiner Beschrei- 
bung erklärt^). Nichtsdestoweniger muß sein Name angenommen 
werden, und die bisher „Calliste'^ thoracica (Temm.) genannte Art 
hat fürderhin 

Tangara desmaresti (Vieill.) 1819 
zu heißend. Als terra typica ist Rio de Janeiro^) zu be- 
trachten. — 

Lophotriecus squamicristatus minor Cherrie*) ist schon sieben 
Jahre früher von Taczanowski^) unter Betonung der charakte- 
ristischen dunkler gelben Unterseite als subsp. häeiventris benannt 
worden. Der im Museum Berlepsch befindliche Typus aus Chiriqui 
ist identisch mit Stücken aus Costa Rica. Die zentralamerikanische 
Form hat mithin Lophotriecus squaniaecrista luteiventris 
Tacz. zu heißen. 

Platyrhynchos leucophaius Vieillot") hat um ein Jahr Priorität 
über Tyrannus alhicollis Vieillot'). Pucheran^) hat bereits die 
Identität des Typus mit dem „Barbichon de Cayenne, femelle"^) 
festgestellt und darauf hingewiesen, daß Vieillot seine Beschrei- 
bung auf Daubenton's Original begründet hatte. Diese Notiz ist 
von allen späteren Autoren übersehen worden. Ich habe den 
Typus von P. leucophaius im Pariser Museum untersucht und finde 
Pucheran's Ansicht durchaus zutreffend. Die in den Guianas, im 
östlichen Venezuela, auf Trinidad u. s. w. heimische Form erhält 
somit den Namen 

Legatus leucophaius leticophaius (Vieill.)^"). 
Die oberseits ein wenig dunkler gefärbten, auch durchschnittlich 
größeren Bewohner des südöstlichen Brasiliens, Paraguay's und 



1) Ähnlichie Widersprüche zwischen Beschreibung und Typus findet sich 
bei Thamnophilus viridis VieUl. und Schistochlamys ruficapillus (Vieill.). 

-) Die von Trinidad über das venezueianiscbe Küstengebiet bis Santa Marta 
verbreitete „CalUste" desmaresti (Gray) bedarf daher einer anderen Benennung 
und erhält die Bezeichnung Tangara viridissima (Lafr.) 1847. 

^) Aus Auguste de Saint- Hilaire's Voyage dans les provinees de Eio de 
Janeiro et de Minas Geraes, I, 1830, p. 31, erfahren wir, daß der Reisende „M. Dela- 
lande, naturaliste du Museum de Paris n'avait pu etendre ses 

recherches au-delä des environs de Rio-de- Janeiro." 

*) Proc. U. S. Mus. 14, 1891, p. 337 (Grecia, Costa Rica). 

^) Orn. Perou II, 1884, p. 188 im Text von L. squamicristatus (Chiriqui). 

«) Nouv. Dict. d'Hist. Nat., nouv. ed., 27, 1818, p. 11 („l'Amerique 
meridionale"). 

'') Loc. cit. 35, 1819, p. 89 (ex Azara: Paraguay). 

«) Arch. Mus. Paris 7, 1855, p. 358. 

9) Daubenton, PI. enl. tab. 830 fig. 2. 

*") Ein reines Synonym ist Legatus alhicollis successor Chubb (Bull. B. 0. C, 
40, Dez. 1919, p. 43; Brit. Guiana, Surinam, Cayenne), 



984 HeUmayr: Miscellanea Ornithologica V. j Verh. Om. 

L Ges. Bay. 

des nördlichen Argentinien sind als L. leucophaius alhicollis 
(Vieill.) zu bezeichnen, sofern die geringfügigen Abweichungen zur 
subspezifischen Trennung für ausreichend erachtet werden. 

XV. Helminthophila leucobronchialis Brewst., in Venezuela. 

Meines Wissens war dieser Waldsänger, dessen Bastardnatur 
Walter Faxon*) überzeugend nachgewiesen hat, bisher noch nicht 
für den südamerikanischen Kontinent verzeichnet. Deshalb dürften 
die Fachgenossen die Nachricht mit Interesse aufnehmen, daß das 
Tring-Museum ein von S. Briceno am 8. April 1895 bei El Valle, 
Anden von Merida, W. Venezuela, in einer Höhe von 3465 ra 
ü. d. M. erbeutetes cT ad. besitzt. Das Stück stimmt mit Brewster's 
Beschreibung in jeder Hinsicht überein. Es ist augenscheinlich 
ein alter ausgefärbter Vogel mit reinweißer Färbung der Kehle 
und Kopfseiten, schwarzem Zügel und Strich durch das Auge, 
und lebhaft goldgelbem Scheitel. 

XVI. Premnomis guttuligera (Sei.). 

Thripophaga guttuligera Sclater, Proc. Zool. Soc. Lond. 1864, 
p. 167 (1864 — „in Nova Granada interiore", sc. Bogota; 
= adult). 
Margarornis guttata Lawrence, Ann. Lyc. N. Hist. 8, p. 128 (Mai 
1865. — Ecuador, Quito; = juv.). 

Der sorgfältige Vergleich des im Britisch Museum, in Tring 
und in der Sammlung Berlepsch aufbewahrten Materials ergab, 
daß T. guttuligera das Alters-, M. guttata das Jugendkleid einer und 
derselben Art darstellen^ 

Der Typus von T. guttuligera, ein typischer Bogota-Balg, ist 
ein völlig ausgefärbter Vogel und gleicht in der Zeichnung anderen 
Stücken aus Bogota und einem Pärchen aus Papallacta, O.-Ecuador, 
Goodfellow coli., im Tring Museum. Dieses Kleid zeigt nur auf 
dem Nacken eine Anzahl etwa 1 mm breiter, rostgelber Längs- 
streifen, ohne Spur dunkler Seitenränder, während der ganze 
Mantel einfarbig olivenbraun gefärbt ist; die kleinen und mittleren 
Oberflügeldecken tragen nur kleine röstliche Spitzenflecken; auf 
Vorderhals und Brust bis zur vorderen Bauchniitte hinab stehen 
große, rahmgelbe, dunkel umsäumte Flecken; Weichen und Anal- 
gegend sind ungefleckt hellolivenbraun. 

Mehrere Bogota-Bälge, ein Vogel aus Medellin, Antioquia 
(Salmon coli.) und ein „cj^" juv. aus Papallacta, O.-Ecuador, be- 

') Mem. Mus. Comp. Zool. 40, Nr. 2, Jan. 1911, p. 57—78, tab.; 1. c. 40, 
Nr. 6, Aug. 1913, p. 311—316. 



^IV' ^' I Hellmayr: Miscellanea Ornithologica V. 285 

finden sich, wie die zerschlissene, weiche Struktur des Klein- 
gefieders beweist, im Jugendkleid. Sie weichen von den alten 
Vögeln durch folgende Merkmale ab: der ganze Mantel ist mit 
großen, ovalen, lebhaft rostgelben, scharf schwärzlich umrandeten 
Flecken bedeckt; die Federn des Hinterrückens tragen feine rost- 
rötliche Subapical- und schwärzliche Apicalbinden ; die Spitzen- 
flecken auf den Flügeldecken sind viel größer und dunkler, zimt- 
röstlich; die Unterseite ist viel intensiver gefärbt, die dunkler 
rostgelben Flecken dehnen sich noch über die ganze Analgegend 
aus, und die Weichen sind viel mehr röstlichbraun, überdies mit 
schwärzlichen Querlinien gezeichnet. Diese Vögel entsprechen 
vollkommen der Beschreibung von M. guttata Lawr., deren Typus 
nach Chapman^) tatsächlich ein junger Vogel ist. 

In den strukturellen Merkmalen stimmt die sogenannte „ Thripo- 
phaga^ guttuligera YöWig mit „Margarornis" guttata überein, welche 
von Ridgway^) mit Recht zum Vertreter einer besonderen Gattung, 
Premnornis erhoben wurde. 

Dieser eigenartige Deudrocolaptide (s. lat.) hat künftighin den 
Namen Premnornis guttuligera (Sei.) zu tragen. 

Seine Heimat sind die Hochländer von Colombia und Ecuador. 
In ersterem Lande wurde er von den Sammlern des American 
Museum in allen drei Andenketten (San Antonio, W.-Cordillere; 
La Palma, Quellgebiet des Magdalena; Aguadita bei Bogota), in 
Ecuador von Festa bei Niebli auf der Westseite, von Goodfellow 
& Hamilton bei Papallacta^) auf der Ostabdachung der Anden 
erbeutet. 

Untersucht: 7 alte (darunter der Typus von Thripophaga 
guttuligera Sei.), 4 junge Vögel aus Bogota; 1 juv. Medellin, 
Antioquia; 1 d" 1 $ ad., 1 d" juv. Papallacta, O.-Ecuador. 

XVn. Notiz über Formicivora intermedia Gab. 

Cabanis*) beschrieb F. intermedia folgendermaßen: „Äußerst 
nahe mit F. grisea verwandt, unterscheidet sie sich durch den 
schwächeren Schnabel, den breiteren, weißen Augen streifen, welcher 
besonders hinter dem Auge sehr breit ward, und durch mehr Weiß 
an Flügeldecken und Schwanz. Das c^ ist auf der Oberseite etwas 



>) Bull. Amer. Mus. N. H. 36, 1917, p. 416. 

2) Proc. Biol. Soc. Wask 22, 1909, p. 71. 

') Margarornis guttata Goodfellow, Ibis, 1902, p. 62. — Die Fundorts- 
angabe „Pichincha" ist irrig. Die drei im Tring Museum befindlichen Exem- 
plare stammen alle aus Papallacta. Goodfellow's Bemerkungen beziehen sich 
auf das Jugendkleid. 

*) Archiv f. Naturg. 13, I, 1847, p. 225, 



286 Hellmayr: Miscellanea Ornithologica V. rVerh.Orn. 

[_ Ges. Bay. 

heller als F. grisea gefärbt. Das $ ist auf der ganzen Unterseite 
weißlich ohne alle rostgelbe Beimischung, die einzelnen 
Federn der Brust sind in der Mitte, längs des Schaftes 
schwärzlich, wodurch die Brust verloschen dunkel ge- 
fleckt erscheint. Vaterland: Columbien, das hiesige Museum 
besitzt Exemplare von Carthagena und dem Tale von Aragua 
in Venezuela." 

Prof. Reichenow übersandte mir freundlichst die im Berliner 
Museum aufbewahrten Originale: 1. d^ ad. Carthagena, 2. cT ad. 
Aragua. 3. $ ad. Aragua. Der erstgenannte Vogel (aus Carthagena) ge- 
hört zu M. g. hondae Chapm. ^), das Pärchen aus Aragua, Venezuela, 
dagege^l zu F.cano-fumosusGherne ^), die in den nordvenezuelanischen 
Küstenstaaten weit verbreitet ist. Cabanis hatte also bei der 
Aufstellung der F. intermedia Exemplare zweier verschiedener 
Formen vor sich, und es entsteht die Frage, auf welche der beiden 
die Beschreibung mit größerem Rechte zu beziehen ist. Chapman^) 
glaubte den Namen auf die von ihm hondae genannte Form deuten 
zu sollen, augenscheinlich weil Cabanis „Columbien" als Vaterland 
bezeichnete. Dies hat indessen nichts zu besagen, wenn wir uns 
erinnern, daß Cabanis der damaligen politischen Abgrenzung ge- 
mäß auch das heutige Venezuela unter dieser Bezeichnung mit 
inbegriif, wie die Benutzung seiner älteren Schriften lehrt. Die 
Diagnose von F. intermedia enthält keine einzige Einzelheit, die 
uns gestattete anzunehmen, daß Cabanis für die Kennzeichnung 
des cT eher den Vogel aus Carthagena als jenen aus Aragua im 
Auge gehabt hätte. Vielmehr sind alle im Vergleich zu M. grisea 
herangezogenen Merkmale wie schwächerer Schnabel, breiterer 
Augenbrauenstreifen, mehr Weiß an Flügel und Schwanz und hellere 
Oberseite in gleicher Weise auf die cfcf von M. g. hondae und 
M. g. cano-fum,osa^) anwendbar, so daß ohne Untersuchung der 
Originale nicht festzustellen gewesen wäre, welcher Form das von 
Cabanis beschriebene cT angehörte. Völlig unzweideutig ist da- 
gegen seine Beschreibung des g, die sich nur auf F. cano-fumosa 
beziehen kann, und in der Tat lag ihm nur ein g aus Aragua der 
letztgenannten Form vor. Wir bestimmen daher ausdrücklich 



1) Bull. Amer. Mus. N. H. 33, 1914, p. 616 (Chicoral bei Giradot in 
Magdalena Tale, westl. von Bogota, Colombia). 

«) Sei. Bull. Mus. Brookl. Inst. I, Nr. 16, Juni 1909, p. 387 (Las Barran- 
cas, Nordufer des unteren Orinoco im Staate Bermudez, N.-O. Venezuela). 

^) Bull. Amer. Mus. N. H. 86, 1917, p. 377. 

*) Der einzige Unterschied zwischen den beiden Formen im männüchen 
Geschlechte ist die größere Ausdehnung der weißen Abzeichen an der Spitze der 
äußeren Steuerfedern bei M. g. eano-fumosa. Er fällt besonders auf dem 
drittäußersten Paare auf, das bei canofumosa immer einen 4 — 5 mm langen 
Apicalfleck, bei hondae dagegen nur einen schmalen Spitzensaum trägt. 



' ' I Hellmayr: Miscellanea Ornithologica V. 21^7 

das Exemplar Nr. 3: $ ad. aus Aragua, N.- Venezuela als Typus 
von F. intermedia Gab., um der Zweideutigkeit des Namens ein 
für allemal ein Ende zu bereiten. Nomeuclatur und Verbreitung 
der zwei Formen sind mithin wie folgt: 

1. Microrhopias grisea intermedia (Gab.), 

Formicivora intermedia Cabanis, Ai'ch. f. Naturg. 13, I, p. 225 

(1847. — descr. cf$; Type: $ ad. im Berliner Museum aus 

Aragua, N.-Venezuela). 
Formicivora cano-fumosus Cherrie, Sei. Bull. Mus. Brookl. Inst. I, 

Nr. 16, p. 387 (1909. — Las Barrancas, unterer Orinoco, 

Bermudez, N.-0.-\''enezuela). 
Hah. — Nördliche Staaten Venezuela's von S. Fernando, Rio Apure 
und Merida (Ejido) ostwärts bis Bermudez (S. Antonio, Gelci Puede, 
Los Palmales, Santa Ana, S. Felix, im Hinterland von Cumanä; 
Las Barrancas, Nordufer des unteren Orinoco), Isl. Margarita; Isl. 
Ghacachacare bei Trinidad; und Santa Marta District, N-Colombia. 
Untersucht: 1 d" 1 $ (Type) Aragua; 25 crd" 15 $5 Hinterland 
von Gumanä; 1 cT Ghacachacare: 1 cT 1 $ Garipe, Bermudez; 2 cT 
1 § S. Esteban, Garabobo; 1 5 La Guaira; 2 cf 1 g Ejido bei 
Merida; 3 d" 3 5 S. Fernando, Rio Apure; 2 d" 2 $ Santa Marta. 

2. Microrhopias grisea hondae Ghapm. 

Microrhopias grisea hondae Ghapman, Bull. Amer. Mus. N. H. 33, 

p. 616 (1914. — Ghicoral bei Giradot, Rio Magdalena). 
M. grisea intermedia (nee Cabanis) idem, 1. c. 36, 1917, p. 376. 

Hab. — Nördliches und mittleres Colombia, von Garthagena 
und Baranquilla an der atlantischen Küste das Magdalena-Tal auf- 
wärts bis in sein Quellgebiet, auch in der östlichen Andenkette 
bei Bucaramanga und Bogota. 

Untersucht: 20 d'cT 16 $g Bogota, 2 (fcf 2 $? Bucaramanga; 
1 cT Garthagena. 



288 Stresemann: Ein neuer Specht aus Sumatra. j "erh.Orn. 



Ein neuer Specht aus Sumatra. 

Von 

Erwin Stresemann. 

In den letzten Jahren sind der Liste sumatranisclier Vögel 
zwei auffallende endemische Spechte hinzugefügt worden: Picus 
dedemi (v. Oort) und Picus chlorolophus vanheysti (Rob. & Kloss). 
Ihnen kann ich nunmehr einen dritten neuen Specht beigesellen, 
welcher der Gattung Dryobates (subgen. Yungipicus) angehört 
und das morphologische Bindeglied zwischen den auf Malakka 
bezw. Borneo lebenden Rassen von D. canicapillus repräsen- 
tiert, deren Zugehörigkeit zu ein und demselben Formeukreis erst 
jetzt deutlich hervortritt. Ich fand ihn unter den Piciden, welche 
Prof. Dr. W. Volz-ßreslau auf Sumatra während seiner zweiten 
Expedition in den Jahren 1904 — 1906 sammelte und die mir von 
der Leitung des Breslauer Zool. Museums gütigst zur Bearbeitung 
überwiesen wurden. Es ist mir ein besonderes Vergnügen, ihn 
zu Ehren seines Entdeckers 

JDryobates canicapillus vol^i sulbsp* n. 
zu benennen. 

Diagnose: Unterscheidet sich 1. von B. c. aurantiiventris 
(Salvad.) aus Nord-Borneo dadurch, daß beim ö^ Brust und Bauch 
nicht goldgelb oder rötlich orange, sondern gelblich rahmfarben 
und nur mit düster gelber E'arbe verwaschen sind; 2. von D. c. 
canicapillus (Blyth), welcher von Cachar und Manipur südwärts 
bis Singapore haust, durch viel ausgesprochener gelben Ton an 
Brust und Bauch sowie durch den Besitz von Schaftstreifen an der 
Kehle (welche bei D. c. canicapillus dort völlig fehlen). 

Beschreibung des cf : Federn des Vorderkopfes düster grau mit 
dunkleren Spitzen, Superciliarstreif, Hinterkopf und Nackenmitte 
schwarz mit schwachem Glanz; ein hinter den Augen beginnender 
Längsstreif, die schwarze Scheitelplatte seitlich begrenzend, hoch- 
rot; den schwarzbraunen Ohrdecken schließt sich oben und hinten 
ein weißer Halsseitenfleck an, der schmal am hinteren Augen- 
winkel beginnt; Rücken und Oberschwanzdecken mit weißen 



Qon ' i Streseraann: Ein neuer Nanje für Pieu9 striolatus Blyth. 289 

und schwarzen Qu er binden geziert; Zügel weißlich, ein breiter 
Streif an den Halsseiten (ventral vom weißen Halsseitenfleck) 
schwarz; Kinn schmutzig weiß; alle Federn der übrigen Unter- 
seite mit bräunlich schwarzem Schaftstrich, der an den Unter- 
schwanzdecken am breitesten und hier undeutlich begrenzt ist; 
Kehlfedern und Unterschwanzdecken im übrigen schmutzig weiß, 
Brust- und Bauchfedern rahmfarben, düster gelb verwaschen. 
Innenfahne aller Handschwingen mit Ausnahme der äußersten mit 
4 weißen Flecken, diejenige der äußersten Handschwinge mit 2 
weißen B'lecken. Außenfahne der 2. — Ö. Handschwinge (von außen) 
Init 3 — 6 kleinen weißen Längsflecken, die der 1. Handschwinge 
ohne Fleck. 1. und 2. Steuerfederpaar (von innen) schwarz 
ohne weiße Qu er bin de, 3. bis 6. Steuerfederpaar weiß und 
schwarz quergebändert. Flügel 80, mittleres Steuerfederpaar 39, 
Culmen 16 mm. 

Typus und Unikum: d", Laut Tawar (Atjeh), Okt. 1906, 
W. Volz leg., im Zool. Museum zu Breslau. 

Von dem gleichfalls auf Sumatra lebenden Dryobates auritus 
(Eyt.) ist diese Art leicht zu unterscheiden an der bedeutenderen 
Größe, dem grauen (nicht fahlbraunen) Vorderkopf, den einfarbig 
schwarzen (nicht weiß gefleckten oder gebänderten) zwei mittleren 
Steuerfederpaaren, dem schmutziggelben Ton von Brust und Bauch 
und noch anderen Merkmalen. 



Ein neuer Name für iPicus stviolatus Blyth. 

Von 

E. Stresemann. 

Oberholser^) hat kürzlich die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, 
daß Picus striolatus Blyth 1843 durch Picits striolatus Lesson 1830^) 
praeoccupiert ist, und findet in Hargitts Synonymie^) als Ersatz 
den Namen Oecinus xanthopygius Bp. *). Es unterliegt aber keinem 
Zweifel, daß Bonaparte ein $ von Picus vittatus Vieill. beschrieben 
hat, das im Leidener Museum als Picus dimidiatus juu. aufgestellt 
war und die richtige Heimatsangabe „Java" trug. Da ein weiterer 
Name für die bisher Picus striolatus genannte, über Indien und 
Indochina verbreitete Art nicht zur Verfügung steht, nenne ich sie 
Picus myrrnecophoneus nom. nov. 

1) Proc. Biol. Sog. Washington 32, 1919, p. 8. 

2) Traitö d'Ornith. I, 1830, p. 226 (Cayenne). 
«) Cat. Birds B. M. 18, 1890, p. 50. 

*) Consp. Gen. Avium I, 1850, p. 127. 

19 



290 Hess: Micropus melba melba (L.) in Bayern. 1 ^^ ' ^'^' 



Ein schweizerischer iHicvopus mel6a mel6a (L.) in 
Bayern gefunden. 

Von 

Albert Hess (Bern). 

Wir erhielten von den Herren Hans Döring und Karl Rötschke 
in Augsburg die Mitteilung, daß sie am 21. August 1920 beim 
Pilzsammeln im Walde bei Schloß Wellenburg (Augsburg, Kr. 
Schwaben) einen noch lebenden Vogel, der einen Flügelbruch hatte, 
aufgefunden haben. Da es sich um einen Alpensegler (für die 
Finder auffälligen Vogel) handelte, der am rechten Fuß einen Ring 
mit der Aufschrift: „Nr. 2684, Bern, Helvetia" trug, nahmen sie 
ihn nach' Augsburg mit. 

Der Ring der schweizer. Zentralstelle für Ringversuche wurde 
am 8. Juli 1920 durch Hrn. G. Hafner in Solo th um dem jungen 
Alpensegler im Nest angebracht. 

Die Vögel wurden Anfangs August flügge. Der etwa 3 Monate 
alte Vogel ist ganz unerwartet in nordöstlicher Richtung rund 
280 km vom Geburtsort weg fortgezogen. 



^^^' *'] Schriftenschall. 291 



1920 



Schriftenschau. 

E. Stresemann, Avifauna Macedonica. Die ornithologischen Ergeb- 
nisse der Forscliungsreisen, unternomiDeii nach Mazedonien durch Prof. 
Dr. Dot'lein und Prof. L. Müller-Mainz in den Jahren 1017 und 1018. 
^München (Dultz & Co.) 1920. XXIV. und 217 pp., G tab. 
Im allgemeinen . Teil des Buches, das durch guten, übersichtlichen Druck 
und praktisches Format ausgezeichnet ist, bespricht der Verfasser die ornitho- 
logische Erforschung Mazedoniens, die Reisen und. Sammelplätze der Mazedonischen 
Landeskundhchen Kommission, zälilt das Material (3258 Bälge) auf und gibt für 
die im speziellen Teil angewandte Methode eingehende Erläuterungen, in denen 
sich Avertvolle Angaben über Terminologie und Ausdehnung des Gefiederwechsels 
finden. Aus den zoogeographischen Betrachtungen erfahren wir, daß Mazedonien 
ein Mischgebiet mediterraner und mitteleuropäischer Vogelformen ist, und daß 
neben einer südöstlichen und nördlichen Einwanderung vielleicht auch eine 
schwache nordöstliche, aus der pontischen Provinz, stattgefunden hat. Ein kurzer 
ÜberWick über den Vogelzug in Mazedonien und Verzeichnisse der Quellen- 
schriften, Fundorte und Abkürzungen vervollständigen den allgemeinen Teil. 

Im speziellen TeU werden die von der Mazedonischen Kommission gesam- 
rnelten Vogelbälge eingehend besprochen. Bei jeder Art werden zuerst in einer 
Tabelle die einzelnen Exemplare nach Geschlecht, Fundort und Datum aufgezählt, 
ferner Flügellänge, Gefiederzustand und die mit Hilfe von Färbung oder Größe 
richtiggestellte Geschlechtsangabe verzeichnet. Auf die Tabelle folgen die Eu- 
briken Gefiederfolge, Gefiederwechsel; geographische Variation, Verbreitung und 
Biologie. Die individuelle Variation wird bei allen Arten berührt, bei denen sie 
besonders groß oder zum Verständnis des geographisshen Variation notwendig 
ist. Bei der Untersuchung der geographischen Variation hat sich der Autor 
nicht darauf beschränkt, die Rassenangehörigkeit der mazedonischen Vögel fest- 
zustellen, sondern hat meist auch Bewohner anderer Gebiete (neu beschrieben wird 
Budytes flavUs macronyx aus Wladiwostok) in den Kreis seiner Betrachtungen ge- 
zogen, häufig sogar eine Übersicht des gesamten Formenkreises gegeben, wobei 
die Anführung genauer, nach einzelnen Fundorten gesonderter Maßangaben, be- 
sonders hervorzuheben ist. Einen besonderen Wert des Buches sehen wir darin, 
daß der Verfasser sich nicht mit diesen systematischen Feststellungen begnügt 
hat, sondern bestrebt gewesen ist, die Gefiederwandlungen aller untersuchten 
Arten klarzulegen, Hier findet sich eine Fülle wichtiger Zusammenstellungen 
und neuer Ergebnisse. Es sei nur auf Budytes ßavus, Ficedula hypoleuca und 
alhicoilis, Oenantbe oenanthe hingewiesen wie auf die wichtigen Feststellungen 
über das Verhältnis des Jugend- zum Altersflügel. Nur die Angaben über die 
Gefiederwandlungen bei Pirol, Blaurake und Turmfalk scheinen mir der Nach- 
prüfung bedürftig, worüber demnächst an anderem Orte berichtet werden soll. 
Auf die systematischen Erörterungen folgt eine Zusammenstellung der von anderen 
Autoren für Mazedonien verzeichneten Vogelarten, Nachträge und Berichtigungen 
sowie eine systematische Übersicht der mazedonischen Vögel, die in praktischer 
Anordnung zugleich als Index dient. Vier Tafeln mit photographischen Auf- 
nahmen von Professor Müller, die charakteristische mazedonische Landschaften 
darstellen, und zehn Flügelkurven zur Erläuterung der im speziellen Teil ge- 



292 Schriftenschau. f^^^^' ^"'^ 

L Ges. Bay. 

gebenen Maße beschließen das Buch, das eine Fundgrube für jeden in paläarktischer 
Ornithologie tätigen Forscher sein wird, da bisher wohl noch keine Vogelsamm- 
lung aus diesem Gebiet in derart erschöpfender Weise bearbeitet wurde. — H. S. 

H. Tho. L, Schaaniug, „Bjerkreim-Orren" — en harmonisk 
Orfugl-Varietet. Stavanger Mus. Aarshefter 1920 No. IV. 
Im südlichsten Norwegen, und zwar im Eaume zwischen Bjerkreim- 
Ekersund und Drangedal-Kragerö tritt eine interessante Varietät des Birkhuhns 
(Lyrurus tetrix) so häufig auf, daß es fast den Anschein hat, als sei dort eine 
Lokalrasse im Entstehen begriffen. Diese Varietät ist partiell albinistisch : beim 
cJ sind die Federn von Kopf, Hals imd Vorderbrust normal gefärbt, während 
das gesamte übrige Kleingefieder weiß ist mit schwarzem Schaft und schwarzem 
Saum und auch die Schwingen und Steuerfedern größtenteils eine weiße Farbe 
zeigen. Das 5 zeigt einen ganz entsprechenden Färbungstyp. Bisher liegeff aus 
dem erwähnten Landstrich Nachrichten von etwa 25 derart gefärbten Stücken 
(die von einander nur unerheblich abzuweichen scheinen) vor, worunter sich nur 
3 $$ befinden. Das Museum von Stavanger besitzt davon 3 cJcJ' und 1 9> die 
in den letzten 10 Jahren erlegt wurden und auf der der Arbeit beigegebenen 
Farben tafel abgebildet sind. — Wahrscheinlich handelt es sich um eine Mutation , 
die mit der Zeit die Oberhand gewinnt und ein Gegenstück zu Hierophasis 
dissimüis Ghigi bildet (vgl. Eivista Ital. diOrnit. III, 1915, p. 171—181). — E. S. 

E. Hartert, Die Vögel der palaearktischeu Fauna. Heft X/XI, 

XII (p. 1217—1600). Berlin 1920. 
In rascher Folge sind dieses Jahr nach der langen durch den Krieg ver- 
ursachten Pause drei weitete Hefte des großen Werkes erschienen, das für jeden 
Ornithologen unentbehrlich geworden ist. In ihnen werden die Fam. Ihididae, 
Ardeidae, die Fhoenicopteri, Änseres, Steganopodes, Tubinares, Pygopodes, Co- 
lumbae, Pterocletes und der größte Teil der Limicolae behandelt. Der auf 8 Mk. 
erhöhte Preis des Heftes muß in Anbetracht des Gebotenen als sehr mäßig be- 
zeichnet werden. — E. S. 



XIV 

1920 



.^•] 



Schuler: Index. 



29-3 



Index. 

Zusammengestellt von F. W. Schuler. 
(Neue Spezies- und Subspezies-Namen sind durch fetten Druck kenntlich gemacht.) 



aegyptiaca, Corvus cornix 184. 
aeruginosus, Circus ae. 31. 
affinis, Corvus (Rhinocorax) 131. 
affinis, Parus 234, 
africanus, Cypselus alpinus 106. 
africanus, Micropus melba 106. 
alascensis, Parus cinctus 235. 
alba, Motacilla a. 12. 
alba, Tyto a. guttata 29. 
albiceps, Turdus 133. 
albicollis, Ficedula 16, 291. 
albicollis, Legatus leucophaius 284. 
albicollis, Tyrannus 283. 
albogriseus, Mimus longicaudatus 133. 
Alpenstrandläufer 91. 
alpestris, Nucifraga 104. 
alpestris, Saxicola oenanthe 105. 
alpestris, Turdus torquatus 222. 
alpinus, Aegithalos caudatus 217. 
alpinus, Picoides tridactylus 208, 223. 
aluco, Strix a. 29. 
amandava, Lagonosticta 201. 
americana, Certhia 67. 
amoenus, Copsychus saulai/is 65. 
amurensis, Sitta europaea 141. 
anaüs, Pycnonotus goiavier 276. 
anglica, Gelochelidon a. 225. 
Anser spec. 33. 
apiaster, Merops 77, 222. 
apus, Micropus a. 26. 
aquaticus, Acrocephalus 20, 97, 222. 
aquaticus, Ealius a. 35. 
argentatus, Larus a. 224. 
argentina, Batara cinerea 277. 
arundinaceus, Acrocephalus a. 20. 
arvensis, subsp., Alauda 11. 
assimUis, Parus atricapiUus 236, 247, 

250, 257, 265. 
atricapilla, Sylvia a. 21. 



atricapiUus, Parus 63, 207 subsp.?, 

213, 222 subsp. 228, 230. 
atrogularis, Turdus 65. 
atrouitens, Molothrus 281. 
atrosericeus, Planesticus serranus 127. 
aurantiirostris, Catharus 126. 
aurantiirostris, Turdus 126. 
aurantiiventris, Dryobates canicapillus 

288. 
aureola, Emberiza 80. 
auritus, Anabates 130. 
auritus, Podiceps 224. 
auritus, Pseudocolaptes boissonneautii 

130. 
avosetta, Recurvirostra 224. 

Bachstelze, weiße 93. 

bacmeisteri, Corvus 184. 

baicalensis, Parus atricapiUus 236, 250, 
251, 261. 

bengalensis, Centropus b. 38. 

bengalus, Uraeginthus 201. 

bemicla, Branta b. 224. 

bianchii, Certhia familiaris 62. 

bianchii, Parus atricapiUus 252. 

bicolor, Myristicivora 66. 

Binsenrohrsänger (Acrocephalus aqua- 
ticus) 97, 

birchaUi, Catharus melpomene 126. 

Birkenzeisig 202. 

Bläßhuhn 95, 

Blaumeise 93, 

boissonneautii, Pseudocolaptes b. 129, 
130. 

bonariae, Troglodytes musculus 128. 

bonariensis, Molothrus b. 281. 

bonariensis, Tanagra 281. 

borealis, Parus atricapülus 233, 236, 
250, 251, 260, 261. 



294 



Schuler: Index. 



[Verh. Om. 
Ges. Bay. 



borealis, Phylloscopus XI. 
Brachpieper 95. 
braehycercus, Corvus 131. 
brachydaciyla, Certhia b. 39, 189, 194, 

207, 211, 216. 
brachyrhynchos, Corvus 131. 
brachyurus, Corvns 131. 
Braunkehlchen 93. 
brevkostris, Parus palustris 234. 
Britisch-Guiana, Bibliographisches und 

Kritisches 270. 
brittanica, Certhia 44. 
brittanica, Certhia familiaris 63. 
Bruchweißkehlchen (Acrocephalus 

schoenobaenus) 97. 
Brüten, außereheliche 199. 
bubo, Bubo b. 223. 
bubutus, Centropus sinensis 37. 
Buchfink 202. 
Bussard 95. 
buteo, Buteo 31. 
buturlini, Certhia familiaris 59. 

cabaret, Acanthis linaria 210. 

caeruleus, Parus c. 13. 

caesia, Sitta europaea 12, 139, 190, 192. 

calandra, Emberiza c. 9. 

campestris, Anthus c. 222. 

canadensis, Sitta 218. 

Candida, Certhia familiaris 46. 

canicapillus, Dryobates 288. 

caunabina, Acanthis c. 7, 201. 

cano-fumosa, Microrhopias grisea 286. 

cano-fumosus, Formicivora 286, 287. 

canorus, Cuculus c. 27. 

cantarella, Alauda arvensis 11. 

canus, Larus c. 224. 

canus, Picus c. 71, 223. 

capellanus, Corvus 183. 

capistrata, Tanagra 281. 

capistratus, Scbistochlamys ruficapillus 

282. 
carbo, subsp. Phalacrocorax 224. 
carduelis, Carduelis c. 7. 
carolinensis, Parus 235. 
carpathicus, Dendrocopus leuconotus 

181. 
caryocatactes, Nucifraga c. 221. 
caucasica, Certhia familiaris 59. 
caucasica, Sitta 192. 
caucasicus, Cinclus cinclus 88. 
caudatus. Aegithalos c. 14, 216. 
Certhia 39. 
cetti, Cettia 107. 
chloris, Chloris eh. 7. 
chloropus, Gallinula eh. 35. 



chrysaetos, Aquila eh. 223. 

cia, Emberiza c. 221, VI. 

ciconia, Ciconia c. 32, 223. 

cinclus, Cinclus c. 82, 88. 

cinctus, Parus 234. 

cineracea, Emberiza 133. 

cinerea, Emberiza 133. 

cinereocapilla, Curruca 105. 

cirlus, Emberiza 221. 

cisalpina, Sitta europaea 139. 

cisticola, Cisticola 276. 

citrineiia Chloroptila c. 202, 210. 

citrinella, Emberiza c. 10. 

clanga, Aquila 30. 

coccothraustes, Coccothraustes c. 6. 

coelebs Fringilla c. 9, 200, 202. 

coUurio, Lanius c. 15, 79. 

coUybita, Phylloscopus c. 16. 

communis, Parus palustris 233. 

communis, Sylvia c. 21. 

corax, Corvus c. 4, 226. 

cornix, Corvus c. 4. 

corone, Corvus c. 67, 104. 

corsa, Certhia famüiaris 63. 

Costa (costae) Certhia 40, 41. 

coturnix, Coturnix c. 36. 

crecca, Nettion c. 34. 

crex, Crex 35. 

cristata, Galerida c. 10, 63, 71. 

cucullata, Spermestes 201. 

cumanensis, Planesticus serranus 127. 

curruca, Sylvia c. 21. 

cyanea, Cyanocompsa 202. 

cygDus, Cygnus 224. 

dedemi, Picus 288. 

desmaresti, Calliste 283. 

desmaresti, Tangara (Tanagra) 282, 283. 

diadema, Catamblyrhynchus XI. 

dimidiatus, Picus 289. 

dissimilis, Hierophasis 292. 

Dohle 89. 

domesticus, Passer d. 9. 

Dorngrasmücke 89, 93. 

dorotheae, Certhia brachydactyla 54. 

Drosselrohrsänger 97. 

Dryobates (subg. Yungipicus) 288. 

Eisvogel 107. 
epops, Upupa e. 26. 
erythrocephala, Amadina 204. 
erythropus, Totanus 224. 
europaea, Sitta e.' 139. 
europaeus, Aegithalos caudatus 14. 
europaeus, Caprimulgus e. 26. 



XIV, 4 
1920 



■] 



Schuler : Index. 



295 



excubitor, Lanius e. 105. 
excubitor subsp. ?, Lanitis 15. 

familiaris, Certhia f. 12, 39, 189, 190, 

194, 214. 
fasciata, Amadina f. 204. 
Feldlerche 93. 
Feldsperling 93. 
Finkenmeise 93. 
Fischreiher 96. 
Fitislaubvogel 94. 
flava, Motacilla f. 11. 
flaveola, Sicalis 202. 
flavus, Budytes 291. 
Fliegenschnäpper, grauer 90, 93. 
Flußseeschwalbe 95. 
fluviatilis, Locustella 18. 
frugilegus, Corvus f. 5. 
fuciphaga, Collocalia 63. 
fusca, Oidemia f. 224. 
fuscicoUis, Cypselus 106. 
fuscus, Larus f. 224. 

gallinago, Gallinago g. 35. 
garrulus, Coracias g. 27, 77, 222. 
Gartengrasmücke 93. 
Gartenlaub vogel 93. 
gentilis. Astur g. 31. 
germanica, Pyrrhula p. 219. 
Getreiderohrsänger 93. 
gibraltariensis, Phoenicurus ochruros 24, 

71. 
Girlitz VI. 

girrenera, HaJiastur indus 67. 
glandariUs, Garrulus g. 6. 
glareola, Totanus 224. 
glaucogularis, Aegithalos caudatus 217. 
Goldammer 94. 
Grauammer 94. 
Graugirlitz 201. 
grisea, Formieivora 285, 286. 
grisea, Oenanthe oe. 22, 80. 
Grünling 93, 200. 
Grünschenkel 97. 
Grünspecht 94. 
guarixa, Troglodytes 129. 
guttata, Margarornis 284, 285. 
guttata, Tyto alba 29. 
guttuligera, Premnornis 284, 285. 
guttuligera, Thripophaga 284, 285. 

Habicht 95. 

harterti, Certhia brachydactyla 54. 
HänfUng 94, 200, 201. 
Haubenlerche 95. 
Haubenmeise 94. 



Haubentaucher 95. 

Hausschwalbe 93. 

Haussperling 93. 

Heckenbraunelle VI. 

Heidelerche 95. 

helveticus, Corvus corone 104. 

hiemalis, Harelda 277. 

hippolais, Sylvia h. 21, 105. 

hispanica, Oenanthe 80, V. 

hodgsoni, Certhia familiaris 62. 

Höckerschwan 96. 

homeyeri, Sitta europaea 139, 192. 

hondae, Microrhopias grisea 286, 287. 

hornensis, Troglodytes 128. 

hudsonicus, Parus h. 235. 

hypoleuca, Ficedula h. 15, 291. 

hypoleucos, Actitis 34. 

japonica, Certhia familiaris 58. 

jardinei, Spodiornis XI. 

javanensis, Centropus bengalensis 37. 

icterica, Emberiza 80. 

icterina, Hypolais 21. 

impiger, Parus carolinensis 249. 

infortunatus, Ploceus passerinus 276. 

intermedia, Formieivora 285, 286, 287. 

intermedia, Microrhopias grisea 287. 

intermedia, Porzana pusilla 225. 

kamtschatkensis, Parus atricapillus236. 
khamensis, Certhia familiaris 62. 
Kiebitz 97. 
kleinschmidti, Parus atricapillus 257, 

265. 
Knäkente 95. 
Kohlmeise 93. 

kordofanensis, Corvus capensis 103. 
korejewi, Parus palustris 234. 
Kuckuck 89, 94, 275. 
Kupferfink 201. 

liachmöve 95. 
lagopus, Archibuteo 1. 30. 
leucobronchialis, Helminthophila 284. 
leucogaster, Cinclus c. 88. 
leuconotus, Dendrocopus 181. 
leucophaea, Tanagra 281, 282. 
leucophaeus, Schistochlamys capistratus 

281. 
leucophaius, Legatus 1. 283. 
leucophaius, Platyrhynchos 283. 
leucopygia, PoHospiza 201. 
leucorhoa, Oenanthe oe. 22, 222. 
leucotos, Dryobates 1. 181, 207. 
levautina, Sitta 218. 



296 



Schuler: Index. 



[Verh. Orn. 
Ges. Bay. 



lignator, Centropus bengalensis 38. 
Ijnaria, Acanthis 1. 8, 201, 202. 
littoralis, Anthus spinoletta 277. 
longirostris, Parus palustris 150. 
lugubris, Parus 234. 
Luscinia 91. 
luscinia, Luscinia 24. 
luscinioides, Locustella 1. 18. 
luteiventris, Lophotriccus squamaecrista 

283. 
luteola, Emberiza 80. 
luteolus, Sturnus 132. 



macrodactyla, Certhia familiaris 46, 

190, 206, 211, 214. 
macronyx, Budytes flavus 291. 
magellauicus, Troglodytes musculus 128. 
magnirostris, Spinus ictericus 277. 
major, Chelidon urbica 106. 
major, Nucifraga caryocatactes 104. 
major, Parus m. 13, 276. 
Mattkopfmeisen 228. 
medianus, Pseudocolaptes boissonneautii 

129, 130. 
medius, Cinclus c. 82, 88, 222. 
medius, Dryobates m. 28. 
melanocephala, Emberiza 79. 
melanocephalus, Oriolus 131, 132. 
melanopterus, Lanius 105. 
melanura, Myristicivora 66. 
melba, Micropus m. 106, 290. 
merganser, Mergus m. 209. 
meridae, Pseudocolaptes boissonneautii 

130. 
meridionalis, Amadina fasciäta 204. 
meridionalis, Cinclus c. 82, 84, 88. 
merula, Planesticus m. 22. 
merulinus, Cacomantis 63. 
mexicanus, Carpodacus 201. 
migrans, Milvus m. 97. 
minimus, Molotbrus bonariensis 281. 
minor, Corax sylvestris 103. 
minor, Corvus capensis 103. 
minor, Cypselus melba 106. 
minor, Lagopus alpinus 106. 
minor, Lanius 14. 

minor, Lophotriccus squamicristatU8283. 
minor, Pyrrhula p. 218, 221. 
minor, Sicalis 202. 
rainuta, Sterna m. 225. 
minutus, Larus 225. 
mitu, Mitu 274- 
Mönchgrasmücke 94. 
moUissima, Somateria m. 224. 
monedula, Coloeus subsp. 5. 



montanus, Parus atricapillus 207, 237, 

247, 250, 258, 265, 268. 
montanus, Passer m. 9. 
montifringilla, Fringilla 9, 200, 221. 
Morgenammersperling 202. 
musicus, Copsychus saularis 65. 
musicus, Turdus 222. 
mutus, Lagopus m. 106. 
myrmecophoneus, Picus 289. 

naevia, Locustella n. 17. 
natorpi, Parus salicarius 254. 
Nebelkrähe 89, 91. 
nebularius, Totanus n. 34, 224. 
nigra, Ciconia 223. 
nigra, Hydrochelidon n. 225. 
nigra, Oidemia n. 224. 
nigrifrons, Penelope 277. 
nigrogularis, Icterus 132. 
nigrorufus, Centropus 38. 
nilotica, Gelochelidon XII. 
nipalensis, Certhia familiaris 62. 
nisoria, Sylvia n. 222. 
nisus, Accipiter n. 31. 
nivalis, Plectrophenax 222. 
niveieeps, Planesticus 133. 
noctua, Carine n. 28. 

oedicnemus, Oedicnemus oe. 224. 
oenanthe, Oenanthe 291. 
oenas, Columba oe. 35. 
olor, Cygnus 224. 
Orientalis, Cinclus c. 25, 88. 
Orientalis, Corvus corone 67. 
oriolus, Oriolus o. 6, 80. 
ostralegus, Haematopus o. 224. 
otus, Asio 0. 28. 

palumbus, Columba p. 35. 
palustris, Acrocephalus 20. 
palustris, Parus p. 13, 63, 228, 233, 

234. 
paradoxus, Syrrhaptes 225. 
parva, Erythrosterna p. 16, 222. 
parva, Porzana 225. 
passerinum, Glaucidium p. 223, 277. 
pendulinus, Anthoscopus 79, 80. 
perdix, Perdix p. 36. 
peregrina, Pyrrhula 219. 
peregrinus, Falco p. 29, 223. 
persica, Certhia familiaris 62. 
philippinus, Merops 276. 
philomelos, Turdus ph. 21. 
phoenicurus, Phoenicurus ph. 23. 
pica, Pica p. 5. 
pilaris, Turdus 21. 



XIV. 4, 

1920 



Schuler : Index. 



297 



pileata, Zonotrichia 202. 
pinetorum, Dryobates major 28. 
Pirol 89. 

platensis, Thryothorus 129. 
Plattmönch 89. 
platyrhynchos, Anas p. 33. 
polonicus, Serinus cauaria 8. 
pratensis, Anthus 11. 
punctulata, Munia 201. 
punensis, Mimus longicaudatus 133. 
purpurascens, Xanthomas 281. 
purpurea, Ardea p. 223. 
purpureus, Centropus 38. 
Ptilotis 63. 

pyrenaica, Certhia familiaris 63. 
pyrenaicus, Aegithalos 217. 
pyrrhonota, Oenanthe 132. 
pyrrhonota, Saxicola caprata 133. 
pyrrhonotus, Saxicola 132. 
pyrrhula, Pyrrhula p. 8, 218. 

querquedula, Querquedula 34. 

rapax, Lanius 105. 
rectunguis, Centropus 37. 
reichenowi, Sitta 192. 
relicta, Nucifraga 104, 
rhenanus, Parus atricapillus 150, 237, 
^ 247, 256, 264, 265. 
richardi, Anthus 276. 
ELngeltaube 94. 
ßohrammer 97. 
rosaceus, Troglodytes 128. 
roseus, Pastor 81. 
rubecula, Erithacus r. 25. 
rubetra, Saxicola r. 23, 79, 80, V." 
rubicola, Saxicola torquata 23, 80. 
rubiginosa, Sitta 218. 
rufescens, Cecropis rustica 105. 
ruficapilla, Lamprospiza 281. 
ruficapillus, Saltator 281. 
ruflcapillus, Schistochlamys r. 282, 

283. 
ruficollis, Turdus 65. 
rufidorsalis, Certhia brachydactyla 49. 
rupestris, Ptyonoprogne (Eiparia) r. 148, 

213. 
rustica, HiruBdo r. 25, 105. 

gabyi, Numida XII. 

Safranfink 202. 

salicarius, Parus atricapillus 150, 151, 

207, 228, 233, 237, 247, 254, 262, 

263, 265, 268. 
sapsworthi, Cinclus cinclus 88. 
saxatilis, Monticola 22. 



Schafstelze 93. 

schoeniclus, Emberiza seh. 10. 

schoonobaenus, Acrocephalus 97. 

Schwarzhalstaucher 95. 

scirpaceus, Acrocephalus s. 20. 

sclateri, Parus 234. 

Senator, Lanius s. 105. 

septentrionalis, Parus 250. 

sepulcralis, Cacomantis 63. 

serinus, Serinus canaria 8. 

sibilatrix, Phylloscopus s. 17, 275. 

sierrae, Catharus raelpomene 126. 

SUberraöve 91. 

sinensis, Centropus 37. 

sinensis, Sitta europaea 218. 

Sommergoldhähnchen VI. 

songarus, Parus atricapillus 233, 234, 

250. 
sordida, Sitta 190, 192. 
Sperber 95. 

spinoletta, Anthus sp. 211. 
spinus, Spinus 8, 221. 
squamicristatus, Lophotriccus 283. 
stagnatilis, Parus 13. 
Stallschwalbe 93. 
Star 93. 

stechowi, Dryobates leucotos 181. 
Steinadler XII. 
stellaris, Botaurus st. 33, 223. 
Stieglitz 200. 
Stockente 92, 95, 107. 
Storch 90, 94. 
striaticeps, Pseudocolaptes boissonneautii 

130. 
striolatus, Picus 289. 
Sturmmöve 91. 
subbuteo, Falco s. 29. 
subrnontanus, Parus atricapillus 264. 
submontanus, Parus salicarius 255. 
subrhenanus, Parus salicarius 256. 
successor, Legatus albicolhs 283. 
Sumpf meise 93. 
Sumpfrohrsänger 89. 
superciliosus, Lanius 105. 
suschkini, Parus atricapillus 236. 
sylvestris, CorvTis 103. 
sztolcmani, Sitta 112. 

Tannenmeise 89, 94. 
Teichhuhn 107. 
Teichrohrsänger 97. 
tetrix, Lyrurus 292. 
theklae, Galerida 63. 
thoracica, Calliste 282. 
thoracica, Tanagra 282. 
tianschanica, Certhia familiaris 62. 



298 



Schuler: Index. 



[Verh. Orn. 
Ges. Bay. 



timorensis, Erythromyias 133. 

tinnunculus, Falco t. 30. 

tischleri, Parus atricapillus 236, 247, 

253, 262, 263. 
tomentosa, Mitu 273, 274. 
torquatus, Cypselus melba 106. 
torquatus, Turdus t. 222. 
torquilla, Jynx t. 28. 
totanus, Totanus t. 34. 
tridactyla, Rissa t. 225. 
trivialis, Anthus t. 11. 
trochilus, Phylloscopus t. 17. 
troglodytes, Troglodytes t. 25. 
tunkanensis, Poecile 236. 
Turmschwalbe 93. 
turneri, Parus 250. 
Turteltaube 94. 
turtur, Streptopelia t. 35. 

Uferschwalbe 89, 92. 
Uhu VI. 

uralensis, Sitta europaea 141. 
urbica, Dehchon u. 25, 106. 

Tanellus, Vanellus 34. 
vanheysti, Picus chlorolophus 288. 
vestita, Collocalia 63. 
vinaceus, Aegithalos 217. 



viridis, Picua subsp. 28. 
viridis, Thamnophilus 283. 
viridissima, Tangara 283. 
viscivorus, Turdus v. 21. 
vittatus, Picus 289. 

Vogelgesang, Beginn in der Früh- 
dämmerung 152. 
volzi, Dryobates canicapillus 288. 
vulgaris, Sturnus v. 6, 81. 

IVachtel 93. 

Wachtelkönig 93:. 

Weidenlaubvogel 94. 

Weidenmeise 150, 151. 

Wiedi, Thryothorus 129. 

wiedi, Troglodytes musculus 129. 

Wiesenpieper 94, 107. 

xanthopygius, Gecinus 289. 
xanthornus, Coracias 131. 
xanthornus, Icterus 132. 
xanthornus, Oriolus 131. 

Yungipicus 288. 

Zaunammer VI. 
Zitronfink 202, VI. 
Zwergtaucher 107. 



Lies: 



Errata. 



p. 21 Zeile 3 von oben Sylvia statt Sglvia. 

p. 31 Zeile 9 von unten Accipitei' statt Äccipites. 

p. 59 Zeile 3 von unten [über dem Strich] ^) statt ^). 

p. 121 Zeile 7 von oben Eohrammerstrophen statt . . . stoßen. 

p. 265 Zeile 8 von oben kleinschmidti statt kleirisshmidti. 



Verhandlungen 



der 



Ornithologischen Gesellschaft in Bayern 



Sonderheft 




Im Auftrage der Gesellschaft 

herausgegeben 



C. E. Hellmayr und E. Stresemann 

Generalsekretär Stellvertr. Sekretär 

der Gesellschaft. 



'920 



München 1920 

Im Buchhandel zu beziehen durch die Verlagsbuchhandlung 
Gustav Fischer in Jena. 



Die „Ornithologische Gesellschaft in Bayern" pflegt das Studium 
der gesamten Ornithologie unter besonderer Berücksichtigung der 
einheimischen Vogelwelt. Ihre Organe sind die jährlich zweimal 
zur Ausgabe gelangenden „Verhandlungen" und das in unregel- 
mäßigen Zeitabschnitten erscheinende Beiblatt, der „Anzeiger der 
O.G. i. B.^' Interessenten, welche die Mitgliedschaft zu erwerben 
wünschen, wenden sich an> die 

„Ornithologische Gesellschaft in Bayern" 

Zoologische Sammlung 

Müncheii, 
Neuhauserstr. 51, 

wohin auch alle Mitteilungen, Anzeigen von Wohnungsänderungen, 
Beobachtungsberichte, Tauschsendungen und Manuskripte erbeten 
sind. 

Gegen Entrichtung des Jahresbeitrags, der sich gegenwärtig auf 
10 Mark zuzüglich eines 100% Teuerungszuschlages beläuft, er- 
halten die Mitglieder die oben verzeichneten regelmäßigen Ver- 
öffentlichungen gratis. Neu eintretende Mitglieder könneh die 
früheren Jahrgänge zu ermäßigten Preisen von der Gesellschaft 
beziehen. 

Alle Einzahlungen nimmt der Kassenwart der Gesellschaft 

Herr Alfred Dultz, München, Landwehrstr. 6 

entgegen. 



Soeben erschienen und als außerordentliche Veröffentlichung von 
den Mitgliedern zum ermäßigten Preise von 3 Mark {-\- Porto 0,20) 
durch die Gesellschaft zu beziehen: 

Beiträge zur Zoogeographie der paläarktischen 
Region, Heft r. 

E. Stresemann, Über die europäischen Formen der Schwanzmeise 
und des Gimpels. 56 pp. mit einer Karte. 



lt.. 



Verhandlungen 



der 



Ornithologischen Gesellschaft in Bayern 



Band XIV 
Sonderheft. 



AlJß 24 



Gewidmet dem Gedächtnis 
Hugo Mayhoffs. 



Inhalt: 

Seite 

Hugo Mayhoff, Von den Brutvögeln des Moritzburger Teichgebiets .... 3 
Hugo Mayhoff, Zugbeobachtungen an Wasservögeln Mittelsachsens. Aus seinen 
nachgelassenen Tagebuchaufzeichnungen zusammengestellt vonE. Strese- 
mann und R. Heyder 64 



Ausgegeben am 20. Februar 1920. 



München 1920 

Im Buchhändiöl z'ii beziehen durch die Völägsbilchhandlung 
Gustav Fischer in Jena 



Univ.-Buchdruckerei von Junge & Sohn in Erlangen. 



' I Mayhoff: Brutvögel des Moritzburger T'eichgebiets. 



Von den Brutvögeln des Moritzburger Teichgebiets. 

Von 

Hugo Mayhoff f- 

[In den Jahren 1915 und 1916 hat Mayhoff nicht weniger 
als 54 Tagesausflüge an die Teiche des Moritzburger Gebietes 
unternommen, die sich auf folgende Daten verteilen: 

1915: 9., 11. IV.; 2. V.; [12., 13. VI.: 10. VIIL; 24., 30. IX.; 
25. X.]i);^6., 14., 23. XL; 5. 19., 25., 30. XII. 

1916: 13., 21., 27. I.; 1., 13., 24. IL; 7., 30. IIL; 8., 16., 19., 
21., 25. IV.; 1., 11., 14., 21., 25., 31. V.; 3., 9., 13., 23., 30. VL; 
4., 13., 20., 27. VIL; 3., 10., 17., 24. VIIL; 8., 15., IG., 23., 28. 
IX.; 11. X. 

Seine sorgfältigen Beobachtungsprotokolle hat mein unvergeß- 
licher Freund, soweit sie die Brutvögel betrafen, in den letzten 
Monaten seines Lebens zu der nachstehenden Abhandlung zu- 
sammengestellt. Bevor er ihr einen Abschluß geben konnte, hat 
ihm der Tod die Feder aus der Hand genommen. So endet das 
Manuskript mit der Behandlung von Certhia famüiaris macrodactyla. 
Für die Fortsetzung der Arbeit habe ich die über die wenigen 
noch verbleibenden Arten vorhandenen Notizen benutzt. 

Die Arbeit ist als Ergänzung der umfangueichen Abhandlung 
geplant gewesen, welche Mayhoff in Gemeinschaft mit R. Scheicher 
im Jahre 1915 veröffentlichte^). Die Fassung des Themas ist 
diesmal insofern eine andere, als nur die zur Brutzeit angestellten 
Beobachtungen angeführt^) und in das Untersuchungsgebiet der 
Köckritzer Teich, die beiden Altenteiche sowie der Niederauer 
Teich einbezogen wurden. 



^) Die Aufzeichnungen über die Beobachtungen, welche Mayhoff an den 
eingeklammerten Tagen anstellte, sind im Original verloren gegangen. E. S. 

*) H. Mayhoff und E. Scheicher, Beobachtungen im Gebiete der Moritz- 
burger Teiche 1906-1914. Orn. Mschr. 40, 1915, p. 268— 286, 289-306, 
323—340, 364—379, 385—395. 

*) Über die Zugbeobachtungen vgl. den zweiten Artikel dieses Heftes. 

1 



4 Mayhoff : Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. jVerh. Ora. 

L Ges. Bay. 

Der Brutnachweis gelang zum erstenmal für folgende Arten: 
Qlaucionetta clangula, Nyroca nyroca, Äccipiter nisus, Dryobates 
minor hortorum, Cohens monedula spermologus, Coccothraustes c. 
coccothraustes, Budytes f. flavus, Motacilla c. cinerea, Certhia familiaris 
macrodactyla. Von 6 weiteren Arten darf nunmehr mit Wahr- 
scheinlichkeit angenommen werden, daß sie im Gebiet zur Fort- 
pflanzung schritten, da sie sich dort zur Brutzeit aufhielten: 
Coturnix c. coturnix, Alcedo atthis ispida, Jynx t. torquilla, Microjms 
apus, Acrocephalus schoenobaenus, Oenanthe o. oenanthe. Mit Ein- 
schluß der letzteren hat sich die Zahl der Moritzburger Brutvögel 
von 95 (1915) auf 109 erhöht. 

Ein „allgemeiner Teil", mit welchem — wie aus einigen Hin- 
weisen des MS. hervorgeht — Mayhoff seine Arbeit einzuleiten 
gedachte, ist leider ungeschrieben geblieben. E. S.] 

Podiceps r. ruficollis (Pall.). — Zwergtaucher. 
Seit Ende März in je 2 — 4 Paaren auf allen Teichen; 
Gesamtbestand also 20—22 Paare. Bemerkenswert insbesondere 
das regelmäßige Brüten auf den kleinen mehr oder minder 
stark verschilften, von Wald völlig umschlossenen Wasserflächen 
der Alten- und Niederauer Teiche. — 14. V. 16 1 von Krähen 
zerhacktes Ei am Niedern Waldteich gefunden. 4. VIL 16 je 
1 bereits etwas größeres Junges auf dem Schwanen- und Schloß- 
teich; das eine flattert schon 2 — 3 m seitwärts, taucht spritzend 
weg. 13. VII. 1 Alter mit 2 ganz kleinen, noch nicht tauchen- 
den Jungen auf dem E'rauenteich. Bettelrufe der Jungen notierte 
ich 20. VII. auf dem Niedern Waldteich neben dem Trillern 
der Alten mit tuit-tuit . . ., von einer früheren Brut (9. VII. Weißeritz- 
talsperre) mit zibibibi zibibibi bibi...; diese sehr eindringlichen 
Wisperlaute der verschiedenen Taucherjungen der Art nach sicher 
auseinanderzuhalten, ist freilich ohne dauernde Zuhilfenahme des 
Auges bezw. Fernglases*) kaum möglich. 2 sehr kleine, noch nicht 
tauchende Junge, die ihm mit unausgesetzten Bettelrufen folgten, 
führte 17. VIII. 1 Alter auf dem Köckritzteich. 24. VIII. auf 
dem Obern Waldteich 1 Junges mittleren Stadiums, das mehrmals 
Strecken von fast 10 m nach Blässenart paddelnd dahinflattert und 
bereits ebenso energisch, „ausdrucksvoll" taucht wie der zugehörige 
Altvogel. 8. IX. taucht auf demselben Teich 1 Halbwüchsiger 
etwa 6 mal hintereinander, einmal länger als 6 Sek., legt dabei 
unter Wasser durchschnittlich 0,8 m/Sek. zurück. Auch er taucht 
schon mit dem für die Art kennzeichnenden hoch und laut spritzen- 
den Tauchsprung, bettelt aber noch einen Alten an, der ihn mit 



') Mayhoff führte von März 1915 ab auf seinen Exkursionen ein 6X "od 
ein 16 X Zeiß-Glas mit sich. E. S. 



' I Mayhoff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 5 

Einzelrufen kik-kik-kik zu sich lockt. 3 Halbwüchsige auf dem 
Großteich schwimmen dicht an der Uferkante entlang, wo sie so- 
gar entenartig gründein, mit dem Rücken gar nicht unter Wasser 
kommen, machen sich sehr bemerkbar durch ihre daktylischen 
Rufe _i det det. 15. IX. auf dem Niedern Altenteich 1 Halb- 
wüchsiger mit einem Alten zusammen, schwimmen und tauchen an 
fast kahler Uferstrecke über Syenitgrund. Der letztgenannte Vogel 
war der letzte, der mir im Sommerkleid begegnete; das erste 
Mauserstadium mit bereits hell vermausertem Hals, aber noch 
dunklem Oberkopf sah ich den 3. VIII. auf dem Schloßteich. 
17. VIII. trugen 2 Alte, die mit 5 Jungen auf dem Niederauer 
Altenteich eng zusammengeschart tauchten, bereits das reine Herbst- 
kleid; 8. IX. waren auf dem Niedern Waldteich 4 im Übergangs- 
kleid, 2 noch im Sommerkleid; 23. IX. fiel einer im Übergangs- 
kleid auf dem Dippelsdorfer Teich wieder durch abgebrochene 
daktylische Rufe auf. Die letzten durchgeführten Trillerrufe hörte 
ich 17. VIII. am Niederauer Neuteich von einem Alten im Herbst- 
gefleder, der nahe vor mir aus dem Schilf herausgeflattert kam, 
während darin Junge bettelten. — Später im Jahr hatten sich 
die Zwergtaucherfamilien auf den ablaufenden Teichen wieder 
mehrfach zu Trupps zusammengeschart, so am 16. IX. 16 auf dem 
Niedern Waldteich 9, am 25. X. 15 auf dem Dippelsdorfer Teich so- 
gar 18 Vögel — ein einzigartiges Bild: auf einer kaum mehr 100 qm 
großen schlammigen Wasserfläche, aus der in jedem Augenblick 
Dutzende von Rücken alter Karpfen emportauchten, schwammen 
die Taucherchen neben 9 Blässen und 14 Lachmöwen ohne eine 
Spur von Scheu und Mißbehagen umher, obgleich eine Menschen- 
menge von mindestens 50 Köpfen in Steinwurfweite recht laut um 
die Fischbottiche beschäftigt war; ein behelmtes Auge des Gesetzes 
mochte die zahlreich vertretene Jugend abschrecken, hier ihre 
Schleuderkünste zu erproben. Eins der Taucherchen sah ich hier 
einen flngerlangen Cypriniden fangen und verzehren, wie sie in 
dem ablaufenden trüben Wasser massenhaft in totem oder ab- 
sterbendem Zustande ans Sandufer trieben. 

Podiceps n. nigricollis Brehm. — Schwarzhalstaucher. 

Erfreulicherweise auf den großen Teichflächen wieder die häufigste 
Taucherart. — Die späte Besiedelung war 1915 sehr deutlich zu ver- 
folgen: 9. IV. 1 Paar, 11. IV. (trotz Temperaturabsturz auf +2", 
-f- 11" C, Graupelschauern) 12— 14 Paare, 2.V. 30—35 Paare auf dem 
Dippelsdorfer; Frauen- und Köckritzteich, Obern und Niedern Wald- 
teich insgesamt gezählt ; im Sonnenschein (-f- 25,0** C.) klingen überall 
vom Rande der Typha-Rov^iQ die hitzigen Balzrufe chruib chruibib. 
12. V. sind nur einzelne, 13. V. auf dem Großteich 1, auf dem 
Frauenteich 6— 8 Paare außerhalb des Schilfgürtels zu sehen. 



ß Mayhoff : Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets, j *®r • '-'r^- 

" |_ Ges. Bay. 

1916: 30. III. 4—5 Paare auf dem Dippelsdorfer, 8. IV. 4 + 2 Paare 
auf dem Frauen- und Niedern Waldteich, 16. IV. 1-f 5 + 3 + 14, 
19. IV., 21. IV. dazu noch je 1 + 1 Paar, 11., 14., 21., 25. V. 
insgesamt 17 + 3 + 3 + 2 + 1 + 4 + 3 (=33) Paare auf Dippels- 
dorfer, Groß-, Oberem und Niederem Waldteich, Schloß-, Frauen- 
und Köckritzteich. Die Verteilmig des Bestandes lehrte klar die 
Gebundenheit der Art an ausgedehnte Dickichte von Thypha 
angustifoUa, Acorus calamus, Scirpus lacuster, Sparganium ramosum ; 
ein kleineres solches hatte sie diesmal in 1 Paar sogar mitten im 
Kiefernforst am Niederauer Neuteich besiedelt (s. u.). — 14. V. 
am Niedern Waldteich 1 Eischalenrest. 4. VII. führt 1 Paar 
auf dem Dippelsdorfer Teich 1 fast drosselgroßes Junges (im End- 
stadium des einfarbig grauen Dunenkleides): beide Alten tauchen 
andauernd — 10 — 12 — 11 — 5 — 7 — 8 ... 29 Sek. lang — und 
legen dem Sprößling vor, der die Nahrung mit großer Gemütsruhe 
entgegennimmt; ihn selbst sehe ich im Verlauf von gut 20 Min. 
endlich nur 2 mal — immerhin 11 — 12 Sek. — tauchen. Das Zu- 
gereichte sind durchweg vegetabilische Brocken von knapper 
Schnabellänge (Phryganeiden-Larven ?). Ein dritter Alter führt 
daneben 1 noch wesentlich, kleineres (ganz graues) Junges. 13. VII. 
Niederauer Neuteich: 1 Alter zeigt sich wenige Minuten frei; ein 
Junges läßt sein auf- und abschwellendes sibsibsibsibsib im Schilf 
fast unausgesetzt hören. Frauenteich : 2 Junge mittleren Stadiums 
(mit heller Schnabelspitze, leuchtend weißem Vorderhals und Ge- 
sicht, wo sich sehr zarte schwarze Streifen unter dem Auge und 
auf der Hinterwange — hier fast netzartig wirkend — unter der 
grauschwarzen Scheitelkappe sehr scharf abzeichnen) arbeiten sich 
im seichten Wasser an der äußeren Rohrkante, wo Kolbenschilf 
gekappt worden ist, zwischen den Strünken und Seggen ziemlich 
mühsam vorwärts: die dunkelgrauen Fersengelenke tauchen weit 
aus dem Wasser hervor. Sie betteln mit großer Ausdauer: das 
einsilbige sibsibsibsib schwillt in unregelmäßiger Betonung an, 
ohne die fast rhythmische Gliederung, wie sie die Bettelrufe der 
großen Taucherarten auszeichnet; doch kann dies darauf zurück- 
zuführen sein, daß kein Alter in der Nähe ist. Ein drittes Junges 
gleichen Stadiums schwimmt rufend vor einem größeren Typha- 
Horst. 20. VII. Oberer Waldteich: von insgesamt mindestens 
7 Paaren werden je 2, 2, 1 halbwüchsige Junge geführt, und 
zwar so, daß jedesmal jeder der Gatten je 1 Junges übernimmt: 
die Alten füttern fleißig, wie es scheint wieder Pflanzenstoffe 
oder Müschelchen [Pisidium obtusale, fontinale, Cy das- Arien), 
kleine Planorben und Limnaeen, wenigstens sind die Bissen meist 
knapp erbsengroß und werden direkt von Schnabel zu Schnabel 
gereicht. Die Jungen sämtlich in dem beschriebenen Mittelkleide, 
heben sich auch durch den immer noch helleren Rückenflaum auf 



Sonderheft, I ^^yj^off. ßrutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 7 

den ersten Blick von den düster schwarzbraunen Alten ab, betteln 
zuibib zuibibib zuiblb zuibib, schwimmen auch allein schon weitere 
Strecken umher, tauchen ziemlich viel: 1 Junger 2 mal hinter- 
einander bereits länger als 15 Sek. Auf dem Großteich halten' 
sich 2 -f- 2 Paare viertelstundenlang unter einzelnen chrihbib-Rufen 
an denselben Stellen — offenbaren Nestbezirken — dicht neben 
dem Ufer; von Jungen aber fast nichts zu hören. 27. VII. Dippels- 
dorfer Teich: 5 Alte, 8 selbständige Junge auf der Blanke; 1 in 
einer Rohrschneise nahe vor dem Glas (so daß ich die Aufbiegung 
des Schnabels wahrnehmen kann) überraschter Jungvogel zeigt 
kaum noch Spuren der Gesichtszeichnung; Bettelrufe klingen aus 
dem Rohr an mindestens vier verschiedenen Stellen; weiter sehe 
ich 2 Halbwüchsige und 1 noch kleineres Junges, das letzte im 
reinen Dunenkleid, allein schwimmen. 3. VIII., 10. VIII. waren 
auf dem Frauen- und Dippelsdorfer Teich nur noch einzelne — 
je 2 — 4 — Halbwüchsige und Alte sichtbar; von 3 — 4 Alten, die 
17. VIII. auf dem Köckritzteich noch hin und wieder riefen, zeigte 
einer deutliche Mauserspuren. 24. VIII. auf dem Oberen Wald- 
teich 5 Halbwüchsige, 5 ^Ite ; einer der letzteren fliegt etwa 40 m 
weit, knapp in. 1 m Höhe über dem Wasserspiegel hin; 7. IX. 
trägt von 6, die dort am Morgen das Gefieder putzen, 1 bereits 
das fast reine Winterkleid, in dem aber noch gelbe Töne an der 
Stelle der Ohrbüschel auffallen. — Als bemerkenswert spätes 
Datum für das Zusammenhalten eines familienartigen Verbandes 
bei dieser Art sei hervorgehoben, daß 25. X. 15 auf dem Schloß- 
teich ein Paar Schwarzhalstaucher — cT und g trotz dem Winter- 
kleide an Stärke und Gefiederdichte gut unterscheidbar — und 
ein Jungvogel lange Zeit zusammen eng gedrängt schwammen, 
sehr lebhaft kurze absinkende, wohltönende Rufe — pchüt picht 
pich — wechselnd, meist fast gleichzeitig tauchend. Der eine 
Vogel fing dabei einen fingerlangen Jungfisch, den ihm die beiden 
sofort, indes vergeblich, streitig zu machen versuchten. — Auch in 
diesen zwei Beobachtungsjahren haben weder ich noch einer der 
Herren unseres Vereins, die fleißig im Gebiet draußen waren, 
von der recht großen Anzahl verhörter Schwarzhalstaucher jemals 
einen wirklichen Trillerruf vernehmen können, sodaß die dahin- 
gehende Angabe Joh. Fr. Naumann's durch die eingehende, auf 
vielseitigen neueren Beobachtungen fußende Darstellung der chrih- 
bib-Rufe bei Voigt (Exkursionsbuch, 6. ff. Aufl.) wohl endgültig als 
erledigt betrachtet werden darf. 

Podiceps g. grisegena (Bodd.). — Rothalstaucher. 
Der Rothalstaucher bewohnte in je 2 Paaren den Obern Wald- und 
Altenteich, Dippelsdorfer und Köckritzteich — 1915 auch den Frauen- 
teich — , in je einem Paar den Schloß-, Groß- und Niedern Waldteich. 



Ges. Bay. 

Die Paare sind durch ihr rölireqdes Geschrei miter allen Tauchern ent- 
schieden ^ie lautesten Brutvögel des Bezirks, zumal bei der Ankunft 
Ende März, aber noch bis nach Mitte Juni; isum letztenmal, hörte ich 
es 19^6 am 20. Juli. Pies Röhren geht in fast stetigem Übergange 
aus den oft warnenden kek-kek-Rufen hervor, die während der Brut- 
zeit und selten im Spätjahre zu vevnehmen sind; war ich einem 
der Schreier nahe genug, konnte ich fast stets beobachten, wie er 
mehrere solche Einzelrufe vorausschickte. 9. VI.' umdrängen 2 fast 
teichhühnchengroße Junge (mit bereits rotbraunem Anl^ug des 
Vorderhalses) das e^ne EHernpaar auf dem Köckeritzteich ; während 
des Schwimmens liegen sie merklich höher s^ls die Alten, eilen 
sehr hurtig ihnen nach; das eine taucht auch schon eine Strecke 
vpn f^st 8m hinter den Alten. her- Bet^elrufe in festem Rhyth- 
Hins bibibibi bibibibi; die Alten führen bald ziemlich eilig unter 
wiederholten kek-Rufen; nur einmal kurzes Röhren. Das eine 
dieser Jungen mit einem Alten zns^mmen traf ich V^oc\l am 13.- VH. 
und 17. YHI. an, inzwischen ausgewachsen und flugfähig — denn 
sie waren a,nf den kleinen Neb,enweihei: übergesiedelt — aber an 
clen Gesichtsstreifen noch kenntlich. 27. VII. war l Jungvogel 
auf dem Dip]^,elsdorfer Teich noch nicht wesentlich weiter ent- 
wickelt a,ls jene: der heljlgraue lockere Flaum des Rückens hob sich 
in der grellen Mittagssonne sehr kennzeichnend YQU dem Rotbraun 
des, Halses und d,e^' schaffen sch\yarzen Gesichtszeichnung ab. 
Bettelt, obwojblj ich l^aum 6 m davon stehe, auf das lebhafteste, 
streckt 2mail dem Alten den aufgesperrten roten Rachen ent- 
gegen.; der bringt ihn ?um Schweigen.,, fährt mit dem Schnabel 
stoßend zu; der Junge weicht tauchend, aus und folgt jetzt dem 
mit kelj^-Rufen führenden a,ufs offene Wasser. Perselbe a^Ue Rot- 
halsliauche;' schlep,^,t etW9* ^l^ Stunde darauf einen fast B cm breiten* 
mindestens 12 cm langen Fisch, den er beim Kopfe gepackt hält 
nnd \\fiederholt a,bschüttel,t, über eine Strecke von 50—60 m hin, 
um sich vor mir hi.n,tei: Ä^'r^^s- Wänden zu decken. Warnt bei 
meinem Anblick kek-kek trotz der schnabelsperrenden Beute, 
taucljLt dann mit ihr nnter und schwimmt in etwa 17 Sek. an 10 m 
weit; unter Wasser, ohne sie fahren zu lassen, hierauf seine Fahrt 
besohj^eunigend, al,s ei,ne jßlässe ihm folgt. 1 noch kleineres Junges 
als die a,m, 9, YI. beobacl;i,teten, beiAeUi Jungen, sah ich am 23. VI. 
&\^ dem Schloßteich, di,e, letzten, 2, siusgewachsen und nur noch 
an den, Wangensti;eife^ kenntlich, au,f dem Niedern Waldteich am 
8. IX. 16. 

Podiße^s Q. Qristatus (L.). — Haubentaucher. • 

]^n^ je 2 — 3. Paaren bewohnte dieser Prach,tvogel den Groß-, 
Schloßr, Dippelsdorfer und Niedern Waldteich, in je 1 Paar 
den Frauen-, Mijljtel- unid, (1916, auch) den Niedern Altenteich. 



Sonderheft,! jyjj^yjjofj. ßrutvögel des Moritzburger Teichgebiots. 9 

26. III. 16 wurden sie von Prof. Dr. Hoifmann noch vermißt, 
30. III. traf ich den ersten auf dem Dippelsdorfer Teich an. 
21. IV. lebhafte Balz spiele dreier Paare auf dem Niedern 
Waldteich und eines auf dem Großteich: die Gatten stehen 
mit wagrecht gehaltenen Schnäbeln einander gegenüber, be- 
gnügen sich oft, den Kopf blitzschnell auf und nieder aneinander 
vorbeizuführen, was dem Spiel der Schneiden einer Brückenwage 
ähnlich sehen kann; beim steilen Aufrichten der Hälse erreicht 
das Gackern meist den Höhepunkt, doch wird von dem einen Paar 
das Spiel auch ohne Rufe geübt; zweimal erfolgt Berührung bis 
zur Bauchgrenze. Ein wirkliches Schnäbeln habe ich auch in 
früheren Jahren nicht, ebensowenig den von Dr. Hesse beschriebenen 
eigentlichen Paarungsakt, der sich wohl immer in Rohrdeckuug 
vollzieht, beobachten können. Noch 14. V. führt 1 Paar das Spiel 
andeutungsweise. 5. V., 10. V. beobachtet Dr. Bäßler auf dem 
Niedern Waldteich 1 $ l3eim Nestbau. 25. V. finde ich dort im 
seichten Wasser an mehreren Stellen Eischalenbruchstücke ange- 
trieben. (Ob 3. VI. Junge von Zwergtauchergröße auf dem Schloß- 
teich, die bei heftigem Regen mit ungewöhnlicher Eilfertigkeit 
wegtauchten, einem Alten dieser Art zugehörten, bleibt zweifel- 
haft; sie bettelten dann zwischen den Simsen sehr eindringlich, 
während ein alter Haubentaucher etwa 30 m weit davon sichernd 
am Ufer entlang schwamm; später waren sie nie wieder zu sehen; 
immerhin ist der frühe Termin bei dem sehr langsamen Wachs- 
tum der Jungen noch am wahrscheinlichsten). Im Vorjahre 1915 
führte auf derselben Teichhälfte am 12. VI. 1 noch wesentlich 
kleineres Junges. 4. 'VII. l6 ist von 2 Alten auf der Osthälfte 
des Schloßteichs der eine ständig, unterwegs, 1 fast teichhuhn- 
großes Junges zu füttern, das ihn mit seinen Bettelrufen ununter- 
brochen verfolgt, ^sobald und solange er sich über Wasser blicken 
läßt, nur während längerer Tauchzeiten verstummt; das Junge 
taucht gar nicht, der Alte 12 — 18 — 26 Sek., bringt einmal eine 
größere schwarze Masse mit herauf, die er im Wasser (mit ein- 
gesenktem Schnabel) fortschleppt und wiederholt abschüttelt: ich 
denke schon an eine ersäufte Wasserspitzmaus, es scheint aber 
doch nur ein Schlammbällen zu sein. Das Junge nimmt davon 
nur einen kleinen Teil, den größern Rest schlingt er selbst voll- 
ständig hinab. In ihrer Futtersuche durchmessen die beiden mehr 
als die Hälfte der freien Blanke. Derselbe Jungvogel trieb sich 
13. VII. und 27. VII. dort immer noch lebhaft bettelnd umher — 
pidjipidjip pidjipidjip — obschon er von den Alten weit getrennt 
schwamm und ihm höchstens hin und wieder ein vereinzelter kraorr- 
Ruf gelten konnte. Auf der Westhälfte des Schloßteichs füttert 
4. VII ein Haubentaucherpaar — cT und $ an Stärke der Kragen- 
federn und am Verhalten deutlich kenntlich — 2 ganz kleine knapp 



10 Mayhoff : Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. ^^^^' ^^"* 

L Ges. Bay. 

drosselgroße Dunenjunge, die sich durch ihre Stimmchen sofort 
verraten, ohne zunächst sichtbar zu werden: endlich sehe ich sie 
unmittelbar hinter dem 5 herdrängen ; nicht lange, so steigen sie von 
hinten her auf seinen Rücken hinauf und lassen sich so viertel- 
stundenlang umhertragen. Die Mutter schwimmt dabei sehr ruhig, 
hochliegend, die Flügel etwas abgespreizt, cf taucht unterdes 
unter den Trapa-Feldevn hindurch in meiner Nähe nach Nahrung, 
mit der es über Strecken von 20 — 30 m seiner Familie nach- 
schwimmt. Als es einmal einen längeren Bissen, anscheinend eine 
der großen Köcherfliegen (PÄn/(7awea, Newonia, LimnopMlus^Oram' 
jnatotauUus-LsirYen) heranträgt, rutscht das eine Junge herab, läßt 
sich atzen und klettert augenblicklich wieder hinauf, ohne daß 
die Mutter ihm dies irgendwie zu erleichtern sucht; die Gewandt- 
heit des kleinen Reiters ist überraschend. Während des Umher- 
reitens sind die Jungen still, nur der Anblick des futtertragenden 
Alten löst ihr Piepen aus. 13. .VII. ist nur 1 Alter zu sehen, 
aber lebhafte Bettelrufe der Jungen zu hören. 20. VII. führt das 
Paar nur noch 1 Junges, das inzwischen zu fast Bläßhuhngröße 
herangewachsen ist; zum letztenmal sehe ich es 3. und 8. VIII. 
mit einem der Eltern zusammen: bettelt nicht mehr so hitzig, 
tiefer: piyp piyp — scheint auch 1 Tafelente g anzubetteln! 24. VII. 
bettelt auf dem Dippelsdorfer Teich 1 blässengroßes Junges in den 
höchsten Tönen, wird 2 mal vom Alten durch Anplantschen zur 
Ruhe gebracht: er taucht mit kräftigem Wasserschwall vor ihm 
und drückt es zur Seite; 1 zweiter Alter mit ebenso großem betteln- 
dem Jungen weiter draußen am ehenyiligen Nistplatz der Lach- 
möwen läßt kraorr-Rufe und Gackerreihen hören. 20. VII. auf 
dem Niedern Waldteich 2 einzelne und 1 Paar Haubentaucher 
mit 3 halbwüchsigen bettelnden Jungen, die unablässig betteln, 
im Windschatten eines Scirpüs-Horstes,. 3. VHI. Frauenteich: 
2 Alte und 1 halbwüchsiges Junges. 8. VIII. Dippelsdorfer Teich 
1 -j- 1 + 2^ Alte mit 2 fast ausgewachsenen Jungen, im noch reinen 
Dunenkleide mit den breiten getrennten Hinterhalsstreifen und der 
scharf abgesetzten hellen Schnabelspitze. 24. VIII. führt auf dem 
Niedern Waldteich 1 Altef 2 ebensolche, 1 zweiter füttert wieder- 
holt 2 etwas kleinere; 1 drittes fast ausgewachsenes Junges hält sich 
zu diesen ; eins von den dreien treibt der Alte mit Schnabelstößen 
ab. 8. IX. bestürmen 2 dieser Jungen immer noch einen Alten 
mit Bettelrufen ; sie alle tragen jetzt völlig ausgefiederte Scheitel- 
schöpfe. 1 letzter Jungvogel am 15. IX. mit 2 Alten, bettelnd, 
und 23. IX. mit 3 Alten zusammen auf dem Niedern Altenteich 
konnte allerdings vom Köckritzteich vielleicht auf dies stille Wald- 
gewässer verflogen sein; es ist das insofern wahrscheinlich, als 
dieser letztere an beiden Tagen sehr niedern Wasserstand hatte 
und am 15. sich noch 1 einzelner Haubentaucher auf ihm aufhielt: 



Sonderheft, I M^yboff: Brutvögel des Morltzburger Tcichgobiets. H 

in beiden Frühjahren hielt sich ein Paar auf der weiten Wasser- 
fläche, und dank der erfreulich starken Verschilfung konnte das 
Aufkommen der Brut sehr wohl übersehen bleiben. — 8. IX. 
schwammen die beiden alten Haubentaucher aut der Osthälfte des 
Schloßteiches in sichtlicher Erregung umher, lange grögrIJgrö-Reihen 
ausstoßend, dabei den Kopf tief senkend; der eine hielt Strecken 
von mehr als 6 m Länge den Schnabel eingetaucht; dann schwammen 
sie eine Zeitlang ganz still nebeneinander, dann einzeln mit großer 
Schnelligkeit dahin; ohne Zweifel ein herbstliches Balzspiel; der 
Nahrungsaufnahme dienten diese absonderlichen Gebärden bestimmt 
nicht. — Die ersten Mauserspuren im Kragengefieder zeigte 
1 Haubentaucher auf dem Niedern Waldteich am 24. VIII. 16, der eine 
von zweien auf dem Schloßteich dagegen auch 28. IX. noch den vollen 
Halsschmuck. Klar zu verfolgen war 1915 der Abzug: 24. IX. 
1 Alter im Wintergefieder auf dem Schloßteich; 4 Alte und 3 Junge 
auf dem Niedern Waldteich; dieselben 7, alle ausgewachsen, ver- 
mausert — ohne Kragen, die Jungen durch die Halswangenstreifen 
gekennzeichnet — ebendort noch am 30. IX.; 27. X. 2 auf dem 
Frauenteich, göckern; 1 fliegt eine Strecke weit; am 14. XI. der 
letzte des Jahres auf dem Mittelteich. — Tauchdauer eines fischen- 
den Alten (18. V. 16 Schloßteich): 27 — 23 Sek. 

Larus i^idibundus L. — Lachmöve. 
Die Gefährdung des Bestandes der Kolonien auf dem 
Dippelsdorfer und Frauenteich ist leider in dauerndem Fort- 
gang begriffen. Mehr als etwa 50 Paare kamen im März und 
April der letzten beiden Jahre überhaupt nicht mehr zur Be- 
obachtung; 2. V. 15 auf dem Dippelsdorfer Teich annähernd 
diese Anzahl, die kräftig lärmen, aber R. Scheicher und mich 
während unseres Rundgangs nicht mehr in der gewohnten 
Weise heftig annehmen, 12. VI. 15 zeigen sich rufend kaum 
3—5 Vögel, so daß schwerlich auf das Aufkommen einer größeren 
Zahl von Brüten geschlossen werden darf. Auf der Frauenteich- 
insel stellte E. Stresemann 27. VI. 14 noch zahl eiche verlassene 
Nester fest, 13. VI. 16 fliegt dort noch ein Trupp von höchstens 
20 Paaren, 1916 sind auf beiden Teichen nur gegen 12 Paare 
anzutreffen; einmal 11. V. 16 konnte ich auf dem Dippelsdorfer 
27. Vögel auf dem Wasser zählen, nachdem etwa 40 sich dort 
über der Rohrinsel erhoben hatten und wieder einfielen, zur eigent- 
lichen Brutzeit 13. V., 19. V., als die Jungen etwa ausfallen mußten, 
nur je 3 — 4 Vögel. Inwieweit dieser Rückgang durch die Bewirt- 
schaftung des Teichgeländes verursacht ist, läßt z. T. sich wenigstens 
daraus übersehen, daß laut mir gewordener mündlichen Mitteilung 
gerade 1910 — 12, als er mit einem bedeutenden Sprung sich fühl- 
.-bar machte, etwa die Hälfte des Rohrbestandes mit einer Schneide- 



12 Mayhoff : Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 1 ^^^^- ^^''^• 

|_ Ges. Bay. 

maschiue unter Wasser gekappt worden war. Zugunsten eines 
Naturdenkmals müßte es möglich sein, solch tiefgreifende fischerei- 
technische Maßnahmen in nächster Zukunft auszuschließen. Daß 
die Lachmöwen bei genügendem Schutz selbst in unmittelbarer 
Nähe menschlicher Wohnstätten sich als z. T. sogar nutzbare Brut- 
vögel hegen lassen, dafür gibt es in Norddeutschland, wie in der 
bekannten Schleikolonie inmitten der Stadt Schleswig rühmliche 
Beispiele. Andererseits zeigt der Bestand der sächsischen Kolonien, 
wie er durch R. Heyder's gründliche Arbeit [Ornis Saxonica, J. f. 
0. 1916, p. 207—209) kürzlich wieder aufgenommen worden ist, daß 
die Art auch verlassene Teiche wieder zu besiedeln vermag^). 
Für die Moritzburger Brutmöven ist sogar wahrscheinlich, daß 
sie nicht allzuweit sich verflogen haben, da die nächste nörd- 
licher gelegene Kolonie auf dem Freitelsdorfer Vierteich, von 
deren erfreulichem Bestände ich mich am 13. V. 15, 14. V. 16, 
30. VI. 16 überzeugte, eben in diesen letzten Jahren eine merk- 
liche Zunahme gezeigt haben soll. Es brüten dort auf z. T. in 
beträchtlich (3 m) tiefem Wasser schwimmenden Bülten von Typha 
und Scirpus über 1000 Paare (nach genauer Schätzung des Besitzers 
1914 2350 Vögel); 30. VI. 16 schwammen zahlreiche Junge in 
allen Stadien umher, einzelne flogen bereits mit den Alten, nur 
wenige Nester enthielten noch Eier. Die Kolonie ist eine Ab- 
zweigung der Kalkreuther oder gar mit dieser identisch. Von 
besonderem Interesse ist, daß in ihr 30. IV. 1916 ein an Legenot 
verendetes $, das 21. V. 1913 in Saboor (Schlesien) markiert 
(Rossitten Nr. 17437) worden war, aufgefunden wurde, was auf 
einen Blutaustausch der Lachmöwen aus ziemlich weit getrennten 
Gebieten hinweist. — Die Jungmöwen, die sich von Juli bis Sep- 
tember auf der Elbe zeigen, sind z. T. sicher Kinder dieser beiden, 
des Moritzburg-Dippelsdorfer und des Schönfeld-Kalkreuth-Freitels- 
dorfer Brutbezirks: genauere Aufzeichnungen, die ich über das 
Zahlenverhältnis der Altersstufen an der Eibstrecke von Nieder- 
wartha bis Scharfenberg machte, sprechen dafür, daß die Vögel 
ersten Kleides (mit kaifeebraunem Rücken) sehr wohl von Moritz- 
burg stammen konnten: 10. VIII. 15 3—4 Alte im Herbstkleid 2), 



') Wenn nach Chr. L. Brehm (Allg. Deutsche Naturhistor. Zeitung 1846, 
p. 18, fide Dehne, cf. Heyder Nr. 50) die Dippelsdorfer Kolonie 1840 bestanden 
hat, so muß sie zeitweise erloschen gewesen sein und bereits eine Wiederbesied- 
lung stattgefunden haben, da einer mir durch freundl. Vermittlung des Herrn 
Oberlehrers A. Frenzel aus dem Hauptstaatsarchiv gewordenen Mitteilung 
zufolge das Teichareal von 1864 — 1876 trocken lag und zu Ackerbauzwecken 
verpachtet wurde. M. 

^) Die erste in starker Schwingenmauser 20. V. 16 (Niederer Waldteich), 
die erste mit fast vollständig vermausertem Kopfgefieder 3. VIII. (Wildberg 
a. d. Elbe). M. 



Sonderheft,! j^^jy^^^fj. ßrutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 13 

19 Vögel im zweiten Jugendkleid (mit grauem Rücken, dunkler 
Schwanzbinde), 11 im ersten Jugendkleid (1 trägt im Vorder- 
gesieht noch Reste der Kopfmaske); 3. VIII. 16 2 Alte (der 1 mit 
bereits fast vollständig vermausertem Gesicht), 1 Jungvogel im 
zweiten, 5 im ersten Kleide; 7. VIII. 16 unter 40 etwa 30 — 32 
im zweiten, die andern im ersten Jugendkleid; 13. VIII. 16 etwa 
13 im zweiten, 8 — 10 im ersten, 29. VlII. 16 5 — 6 im zweiten, 
4 im ersten Kleid (1 noch mit Resten der Kopfmaske), 15. IX. 16 
1 Alte, 5 Juugvögel zweiten Kleides (alle mit rein vermausertem 
Kopf), 28. IX. 16 3—4 ebensolche: während die an Zahl so über- 
wiegenden Vögel zweiten Kleides wahrscheinlich Umherstreicher 
aus entfernteren Gebieten, vielleicht selbst von der Seeküste her 
sind, stimmt die Zahl der Jungen ersten Kleides »twa zu dem 
Brutergebnis, das für den Moritzburger Bezirk an flugfähigen 
Juugmöwen noch hätte erwartet werden dürfen. In Stimme und 
Betragen zeichneten sich diese Jüngsten recht sinnenfällig aus: 
sie verfügten bis Ende August ausschließlich über fiepende Rufe; 
einige von ihnen fingen in schwankendem Fluge hoch über dem 
Wasser am 7. VIII. fleißig Mücken, indes 2 sogar noch bettelnd 
mit lautem kri^ä kri^ä einem Alten entgegenstürzten, der ihnen 
auch mehrmals etwas Atzung auf den Sand vorwürgte, dazwischen 

3 mal mit erregtem gräe gräe losstürmend gegen mich bis auf 
etwa 6 — 5 m anflog! Offenbar wurde die Gewohnheit, den Men- 
schen als Feind „anzunehmen", hier reflektorisch durch die Bettel- 
rufe der Jungen ausgelöst, gleichviel ob diese flugbaren Kinder 
sich schon stundenweit vom Brutplatze entfernt hatten (n. b. eine 
Lachmöwe dürfte die etwa 6 km lange Luftlinie in 8—12 Min. 
zurücklegen). Es bleibt freilich nicht ausgeschlossen, daß die 
beiden Jungen dort auf dem Sand der Gauernitzer Insel erbrütet 
waren. Auch gegenwärtig mögen vereinzelte Brüten im Eibufer- 
gelände vorkommen, wie sie in früheren Jahrzehnten nach meinem 
Dafürhalten häufig gewesen sein müssen. Ich selbst sah 18. V. 16 
unter einem Schwärm Lachmöven, der sich am Niederwarthaer Ufer 
niedergelassen hatte, 2 Altvögel eine Paarung ausführen. — Von 
den Frühjahrsvögeln an der Elbe trug die erste des Jahres, 
29. n. 16, noch das reine Winterkleid, bei der zweiten, 2. III. 16 
war beginnende Ausfärbung der Gesichtsmaske bemerkbar; das 
ausgefärbte Alterskleid überwog ganz wesentlich in allen Flügen 
bis in die erste Juliwoche. Im Mai begegneten wir mehrmals 
Stücke in der interessanten Sommerphase des zweiten Jugendkleides : 
25. V. 15 1 solches mit grauem (nicht braunem) Ober- und 
Hinterkopf aber noch deutlich sichtbarem Ohrfleck, neben einem, 
das noch die schmutzigweiße Kopffarbe der Winterphase rings 
um den dunkeln Ohrfleck zeigte; 18. V. 16 neben etwa 30 Alten 

4 solche mit blaßgrau ausfiedernder Kopfkappe (alle mit weißer 



14 Mayhoff: Brutvogel des Moritzburger Teichgebiets. 1 ^^^^' ^™' 

|_ Ges. Bay. 

Stirn, schwarzer Steuerbinde und nur noch sehr wenig Braun auf 
den Fittichen). — Einen spielenden Angriff führte 16. IV. 16 eine 
der Lachmöwen am^ Dippelsdorfer Teich auf das cf eines vorbei- 
streichenden Stockentenpaars aus; 18. V. 16 stießen an der Elbe 
mehrere aus dem Schwärm auf eine nebenherfliegende Rabenkrähe. 
Besonders die Jungvögel im Mittelkleide sah ich wiederholt stoß- 
tauchen: 25. und 27. X. 15 versuchten es mehrere in dem schlamm- 
trüben Wasser des Dippelsdorfer Teichs immer wieder aus kaum 
Meterhöhe; 21. IV. 16 brachte 1 Alte nach Absturz aus knapp 
3 m Höhe einen kleinen Fisch herauf, den sie im Weiterfliegen 
hinabschlang; doch sind dies seltene Ausnahmefälle; es gelingt 
ihnen fast nie, den Körper völlig unter Wasser zu bringen. — 
SpätesteHerbstbeobachtung: 3 Vögel — 2 zweiten Jugend- 
kleides — 6. XI. 15 am Dippelsdorfer Teich. 

Olaucionetta c. clangula (L.). — Schellente. 
Zu meiner großen Freude konnte ich diesen Prachtvogel 
1916 als Brutbürger des Gebiets begrüßen, nachdem mehrere 
in ihrem Bestände wechselnde Trupps Gelegenheit zu überaus 
anziehenden Beobachtungen der Winter balz gegeben hatten. 
Einzelne trieben sich Herbst 1915 im Gebiet umher: 24. IX. 
Großteich 1$: Tauchzeiten 17, 19, 17, 21 . . 11, 15, 8, 16, 
13 Sek., dasselbe (?) g 25. X. mit den 9 Blässen und 18 Zwerg- 
tauchern am Ausfischungsplatz des Dippelsdorfer Teichs, badet ge- 
mächlich, 27. X. mit 2 andern gg z.usammen — einzelne kra-Rufe — ' 
am Nordende des Mittelteichs, 6, XL ebendort, 14. XL wieder: 
Tauch Zeiten (bei + 1 ° Lufttemperatur) 26, 28, 27, 30, 29, 25 Sek. ; 
dazwischen 6. XL Großteich 1 cT (Prachtkleid) 2 gg. — Bei +3,4" 
tauchen 2 gg 12. XII. auf dem Niedern Waldteich sehr viel, das 
eine badet. 13. 1. 16 ebendort 1 (S, putzt sich, streicht die Schnabel- 
wurzel mit dem Fuße ab, 1 junges cf (mit etw^as größerem Flügel- 
spiegel, dichter befiedertem Kopf als die gg), 4 gg; 21. 1. an der- 
selben windgeschützten Stelle 2 d^cT, 5 gg, wieder das jüngere cT- 
Das eine alte cT fliegt mit lautem Klingeln kaum 10 m weit; beide 
balzen: strecken 2 — 3 mal den Hals steif vor; andeutungsweise übt 
dies auch das jüngere c/" ; auf schon 100 m weicht die ganze Gesell- 
schaft schwimmend oder tauchend deutlich aus, ohne sich zum 
Auffliegen bringen zu lassen. 27. 1. haben sich um die beiden cTc/' 
9 gg gesammelt, doch schwimmen die Geschlechter meist getrennt, 
die cTcT sehr einträchtig beisammen, fast immer gleichmäßig 
tauchend; etwa 6 mal üben sie das Durchstrecken des Halses und 
auch schon das ruckweise Zurückwerfen des Kopfes, 3 mal mit 
deutlich hörbarem Knirrlaut. umdrängen einmal 1 g. Kopt Reben, 
Durchstrecken des Halses beobachte ich wiederholt auch von 
einigen der gg (wenn es sich nicht dabei etwa um auf die Ent- 



°° qJa^ ' I Mayhoff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 15 

fernung nicht mehr kenntliche junge cTc^ handelt!). Im Schnee- 
treiben bei starkem West bleiben auch heute alle 11 sehr fest auf 
dem Wasser; nachmittags auf dem Großteich 2 cfcT 2 $$ an- 
scheinend schon gepaart; auf mehr als 100 m verrät ein vom Wind 
herübergetragener Knirrlaut das Balzen des einen Erpels. Nach 
starkem Frost, der seit 30. I. den Niedern Waldteich ganz ge- 
schlossen hat, haben sich 1. II. auf dem Großteich sogar 18 ge- 
schart, tummeln sich auf einer kaum 15X6 ^ weiten Eisluke in 
der Vormittagssonne: 5 alte cfcT, 1 cT im Übergangsgefieder (mit 
schon deutlichen Zügelflecken, obschon rein braunem Kopf und 
noch viel Grau in den Tragfedern), 12 $$, ihnen gesellt auch 
1 einzelnes Tafelenten-cT- Vor Schüssen, die im nahen Försterei- 
garten nach der Scheibe fallen, fliegen sie 2 mal auf, kehren laut 
klingelnd nach derselben einzigen eisfreien Stelle zuritck, tauchen 
viel, oft — offenbar unter der Eisdecke — sehr lange, wohl mehr 
als halbe Minuten, was die genaue Feststellung der Kopfzahl des 
Trupps recht erschwert, cTcf (auch das jüngere) betätigen sich 
lebhaft im Kopfrucken: an 20 mal dringt das helle knirr — oft 
zweisilbig knirrich (das cTi wie in ach zu sprechen) = kignä 
Voigt — herüber; die Balzbewegung selbst wird dabei in recht 
verschiedener Stärke ausgeführt, der Kopf hin und wieder nur bis 
zur Senkrechten gehoben oder das Vorwerfen nur eben angedeutet; 
der Knirrlaut kommt auch keineswegs immer, sondern offensicht- 
lich nur bei einer ganz bestimmten mittleren Halsstellung und ent- 
sprechenden Verlagerung der Trachea zur Bulla ossea zustande 
(s. u.). Im Verlauf einer Stunde baden mehrere der Vögel, putzen 
das Gefieder; 1 5 legt sich dabei so völlig zur Seite über, daß 
fast die ganze Breite des weißen Bauches hinüberleuchtet; be- 
sonders die cfcT plantschen einander stark an, sich über und über 
bespritzend, was jedoch kurzes neckisches Spiel bleibt; einzelne 
treten auf das Eis hinauf, sitzen dort selten lange: bemerkenswert 
ist die im Vergleich zn Schwimmenten sehr aufrechte Körper- 
haltung. — Im Laufe des recht strengen Februar 1916 traf ich 
größere Schellententrupps regelmäßig auf der Elbe an einigen 
durch die Strömung bevorzugten Stellen: wahrscheinlich waren es 
z. T. die Moritzburger Vögel, die hier offenes Wasser aufgesucht 
hatten: 1. R 2dd 1$, 13. H. 6 d'cf 10 g$, 24. IL 9 cTcT 13$$, 
29. IL 4 cTcT 13 $$, 2. III. noch einmal 2 cfcf 5 $$. Auf dem 
schmalen Flußarm neben der Gauernitzer Insel ließen sie sich 
wiederholt aus kaum 20 m Entfernung belauschen: 13. IL lassen 
die 6cfcr den zweisilbigen Knirrlaut recht oft hören, rucken dabei 
meist nur vor und aufwärts, selten bis fast zur Berührung des 
Eückengefleders; in letzterem Fall kommt der Laut erst beim 
Vorwerfen des Kopfes zu Gehör. $$ erwidern mit einzelnen kra- 
Rufen. 24. IL häufiges kignä, kra kra (bisweilen auch weicher 



16 'Mayhoff: ßrutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 1 "^eth-Önl. 

L Ges. Bay. 

klingend grra grra), doch kein sonderlich ausgesprochenes KoJ)frttcken; 
das cT bedarf zur Hervorbringung des Lauts, wovon ich auch 
24. II. mich noch in mehreren Fällen überzeuge, nicht der volleh 
Durchführung der Anfangsbewegung: das Übereinanderspringen 
von trachealem Knochenring und Bulla ossea erfolgt beim Vor- 
werfen des Halses; es wird also dieser entweder nur bis knapp 
zur Senkrechten gehoben und dann energisch vorgeworfen: in 
diesem Fall entsteht ein kräftiger Laut; oder der Kopf wird mit 
Heben der Brust bis zur Berührung fast des Rückens -^ h(fmolog 
der Haltung des klappernden Storches — zurückgeschnellt und 
meist sacht nach vorn durchgeführt, oder nach bloßer Hebung 
mäßig stark vorgeworfen: in beiden Fällen ist der Laut schwächer; 
er kommt überhaupt nicht zustande, wenn nach sehr kräftiger 
Rückschnellung das Vorwerfen nur eben angedeutet wird. Balz- 
bewegungen und Balzlaut sind m. W. zum erstenmal ausführlicher 
von Dr. 0. Heinroth (Verh. V. Internat. Ornithologenkongreß, Berlin, 
1910, p. 698) geschildert worden nach Beobachtungen im Berliner 
Zoologischen Garten, wo auch ich sie im März 1909 zum ersten- 
mal von einem cf wahrnahm, dann im April 1909 mit E. Stfese- 
mann und R. Scheicher sie auf Teichen der Oberlausitz eingehend 
beobachtete. Die Gattung Qlaucionetta ist durch sie vor ihren Ver- 
wandten nicht minder ausgezeichnet wie durch ihre anatomischen 
und Gefiedercharaktere, obgleich Ansätze zu ähnlichen, Unzweifelhaft 
homologen Bewegungen bei Nyroca ferina^ Querquedula querquedula, 
Tadorna tadorna^) vorkommen, also innerhalb der Anseriformes 
weiter verbreitet sind; von entschiedenem Interesse wäre es, das 
Verhalten der Sägerarten in dieser Beziehung kennen zu lernen, 
auf deren Zusammengehörigkeit mit Glaucionetta 0. Heinroth (a. a. 0., 
Zur Biologie und Ethologie der Anatiden) mit Recht neuerdings 
Gewicht legt. Die Bewegungen sind bei lebhaft balzenden Schell- 
erpeln zu einer solchen „Zwangsläufigkeit" durchgebildet, daß sie 
zu dem Eigenartigsten gehören, was die einheimische Vogel weit in 
Balzgebärden darbietet, und es ist wohl nur der auf den Nord- 
osten und dort auf die großen Seenflächen beschränkten Verbreitung 
der Art zuzuschreiben, daß sie noch keine begeisterten Schilderer 
gefunden hat. Denn an Lebhaftigkeit und Vorsicht steht sie unter 
den Tauchenten auch zu anderer Jahreszeit obenan. Dies exerzier- 
mäßige Kopfrucken und Durchstrecken geht allmählich zu ent- 
schiedenerem J.Treiben" der cfcT über: 24. IL fliegen sie mit be- 
sonders kräftigem Klingeln hinter den 5$ her, ihnen stets dicht 
auf den Fersen bleibend; will ein g einfallen, so stürmt eins der 
c/'cr in reißendem Gleitfluge hinterher, die Handschwingen gespreizt, 



») Vgl. „Beob. im Geb. d. Moritzburger Teiche 1906— 14«; Örii; lillonats- 
schr. 40, 1915, p. 292. M. 



' I Mnyhoff: Brutvögel des Moritzburgor Teichgebiets. 1^ 

Hals und Rücken in einer Linie so gerade durcligestreckt, als 
wäre ein Stock durchgezogen, und jagt es durch geräuschvolles 
Anplantschen in die Höhe. 7. III. kommt es zwischen 2 cTcf auf 
dem SchloBteich zu hitzigen Kämpfen: im scharfen. Nordnordost 
fliegen sie mit solcher (iewandtheit schwankend hintereinander 
her, daß ich im ersten Augenblick Möwen vor mir glaube. Das 
eine stürmt in entschiedenem Schnabelangriff immer wieder los, 
stößt im B'luge geradeswegs schräg von oben auf den fliegenden 
oder eben eingefalleneu Nebenbuhler herab und zwingt iiin aus- 
zuweichen; taucht er, so gehts sofort im Unterwasserangriff hinter- 
her, und er wird von unten her in die Ständer gekniffen, bis er 
wieder die Flucht nimmt. Ganz kurze Zeit umwerben beide hals- 
reckend ein g; dann drängt der Afgreifer — es ist immer nur 
der eine — wieder los;, eine längere Pause tritt erst ein, als er 
trotz dem immer stärker einsetzenden Schneegestöber sich badet 
und putzt. Noch lebhaftere Kämpfe sahen wir anfangs des recht 
kalten April 1909 bei Königswartha: auch hier die häufigen Unter- 
wasserangriffe, mit denen nach Dr. Heinroth bemerkenswerterweise 
auch eine Überzahl von $$ sich untereinander befehdete und die 
er mit Recht als einzigartig und für die Gattung kennzeichnend 
hervorhebt. So ernst wurden mitunter diese Raufereien, daß es 
auf Tod und Leben zu gehen schien; unter kräftig spritzenden 
Flügelschlägen packten die Kämpen sich beim Kopfe, zerrten ein- 
ander hin und her und unter Wasser hinab. Es sei erlaubt, hier 
die Vermutung auszusprechen, daß die scharf umschriebenen Wangen- 
bezw. Zügelflecken der Gattung Olaucionetta diesen Balzkämpfen ihre 
phylogenetische Entstehung verdanken; sie können während solcher 
Raufereien, ähnlich den bei den Caniden so verbreiteten „Vier- 
äugelflecken" und den bei primitiven Säugern (Beutlern, Traguliden) 
groben Fleckenzeichnungen des Vorderkopfs, unzweifelhaft dazu 
dienen, den Biß des Gegners im entscheidenden Augenblick vom 
Sehorgan abzulenken, zumal diese Kämpfe meist im Licht der 
Dämmerung ausgefochten werden. Die Bezeichnung „Blendflecken" 
dürfte dieser biologischen Bedeutung am besten gemäß sein. Sie 
ist übrigens in einigen Trivialnamen unseres Vogels, dem italieni- 
schen „Qaatrocchio' und dem helgoländischen „Lügenoog" — daß 
letztere Bezeichnung dem g zukommen soll, ist m. E. Druck- 
fehler — gewissermaßen bereits vorgefühlt. Es handelt sich um 
einen phylogenetisch alten Zeichnungscharakter, da eine Aufhellung 
des Zügelgefieders bei den gg uad Jungen anderer Nyrocinae in 
weiterer Verbreitung anzutreffen ist {Nyroca ferina^ fuUgula, 
nyroca)] besonders scharf umgrenzt findet sie sieb bei Nyroca 
marila und Histrionicus histrionicus (gg), und es läßt sich sehr 
wohl vorstellen, daß die Blendflecken der Glaucionetta-S' d von ähn- 
lich verloschenen Zügelzeichnungen ihre Herkunft genommen haben; 

2 



^8 Mayhoff: ßrutvogel des Moritzburger Teichgebiets. \^^^^' ö''"- 

L Cfes. Bay. 

im Hinblick auf die Besonderheit der sägerartigen Zeichnung der 
Schellenten-Dunenjungen Avird man dabei allerdings auf die ge- 
meinsamen Ausgangsformen der Nyrocmae und Mergi7iae, als 
deren nächstverwandte rezente Gattung sich Erismatura darstellt, 
zurückzugehen haben. 30. III. 16 schienen 4 Paare auf dem Schloß- 
teich bei lauem stillem Wetter sich bereits gefunden zu haben: 
schwimmen auffallend ruhig meist in der Nähe der üferränder; 
3 5$ fast stets in der auch von 0. Heinroth als eigentümlich be- 
merkten geduckten, gleichsam lauernden Haltung, sind einzeln 
überhaupt nicht zum Auffliegen zu bringen, ebenso 1 cT, das auf 
kaum 10 m nur ganz langsam schwimmend ausweicht, dabei mit 
steif aufrecht gehaltenem, nur sacht pendelndem Halse eine Reihe 
sonst nie gehörter Rufe äng-älig-äng . . ausstößt: Höhe und Klang- 
farbe ähnlich dem kignä-Ruf, dem einzigen, über den sonst die 
cfcf verfügen und den ein zweites solches auch heut einmal hören 
läßt; ein drittes fliegt, durch ein überkreuzendes Luftschiff empor- 
gescheucht, mehrmals über beiden Teichhälften — später auch mit 
den anderen cfcT und gg — hin und her; das kräftige Klingeln 
trotz Propellersausen deutlich hörbar! 8. JV.'die letzten auf der 
Elbe: 1 cT, 1$, 1 cT im Übergangskleide (mit großen Blendflecken, 
aber noch braunem Kopf und grau gemischten Flanken) zusammen; 
2 Paare auf dem Schloßteich; 16. IV., 19. IV. fliegen die Paare 
bei starkem Winde sehr viel umher: je 2 auf dem Schloß-, dem 
Obern Alten- und Fischerteich und den Waldteichen, 1 auf dem 
Großteich; bei den zweien auf dem Fischerteich beteiligen sich 
wiederholt auch die gg am (mäßig starken) Durchstrecken der 
kopfruckenden cfcT; z. T. scheint es sich auch um ein „Antrinken" 
der beiden Gatten zu handeln, wie es von 0. Heinroth zuerst bei 
Lamp?'onessa sponsa (Journ. f. Orn. 1910) genau verfolgt und dann 
(a. 0. a. 0.) in weiter Verbreitung bei den höherstehenden Anatiden 
nachgewiesen wurde: möglicherweise ist mit dieser Gebärde die 
des „Durchstreckens" in nähere Beziehung zu setzen. — Die auf 
einen Brutversuch deutende 1916 besonders starke Zahl von Paaren 
hielt >sich freilich nicht dauernd im Gebiet; 21. IV. sah ich die 
letzten Schellenten auf den Waldteichen: 1 altes cT, 2 gg, 1 d" 
im Übergangskleide (mit eben angedeuteten Blendflecken, das 
letzte dieses Jahres), dagegen bei dem Schloßteich zum erstenmal 
1 g von einer Eiche abfliegen; aus etwa 4 m Höhe strich es von 
einem Zweige ab, mit taubenähnlicher Gewandtheit zwischen dem 
Geäst der Nächbarbäume hindurch und fiel dicht am Ufer ein ; 
wie ich mich überzeugen mußte, war es doch kein Nistbaum, aber 
auf dem Schloßteich, einmal 11. V. dazwischen noch auf dem 
Obern Altenteich, und auf dem Großteich blieben Angehörige vierer 
Paare seitdem regelmäßig anzutreffen. Die cfcT im Prachtkleide 
zeigten sich zusehends seltener; einzelner kignä-Ruf noch 11, V.; 



' I Mayhoff: Brutvogcl des Moritzhiugcr Tcichgcbietö. l9 

21. V. umscliwimmt auf dem Ostteil des Schloßteichs am Spät- 
nachmittag 1 cf unter „Durchstrecken" 1 $, das jedoch bald weg- 
taucht; cf greift darauf unter Wasser 1 Tafelente- c/' an und bringt 
ibu zum Abstreichen, schwimmt jedoch später mit einem cf der 
eigenen Art einträchtig zusammen. 25. V. sehe ich abends im 
Dämmerlicht zum letztenmal an derselben Stelle einen der weiß- 
leuchtenden Erpel ein $ umbalzen, den allerletzten wollte Dr. Claus 
13. VI. in der Nähe eines Junge führenden $ gesehen haben. Mitte 
Mai mußte das erste Gelege erbrütet worden sein: 21. V. schwimmt 
eine Kette von 6 schon etwas größeren Dunenjungen, ohne Führung, 
doch leidlich zusammenhaltend, bereits sehr häufig und geschickt 
tauchend, auf dem Ostteil nahe dem Damm; g schwimmt hinzu 
und führt sie sehr rasch, unter fortwährendem Tauchen, auf die 
Mitte des Teiches hinaus ; 25. V. tummeln sie sich, 8 an der Zahl, 
gleich lebhaft allein am Nordufer umher, tauchen je 4—8 Sek.; 
$ drückt sich zögernd in geduckter Haltung, in sichtlichem Streben, 
die Aufmerksamkeit auf sich abzulenken, der Teichmitte zu, wo 
es sich später zu den Jungen begibt. 31. V. führt es noch immer 
9 Junge, die zu Zwergtauchergröße herangewachsen sind, noch 
häufiger, auch länger (5 — 14, durchschnittlich meist 12 Sek.) tauchen, 
so daß fast immer nur 3 oder 4 zugleich sich überm Wasserspiegel 
zeigen: g bleibt meist oben; in der Nähe schwimmt ein zweites g 
mit einem cT zusammen (doch gehören die untereinander - gleich 
großen. Jungen zweifellos nur zu ein und demselben ersten g, wie 
sich aus späteren Beobachtungen ergibt). 31. V. führt dieses 
zweite g 6 ganz kleine kaum 3 Tage alte Dunenjunge: tauchen 
abwechselnd ständig, nicht länger als 7 — 9 Sek., trappeln dann, 
um mit der Mutter zu flüchten, in wahren Sturmsprüngen von 
0,6 — 7 m übers Wasser hin, schließen sich hierbei immer wieder 
rasch und eng zusammen. Auf dem Westbecken habe ich dicht 
neben dem Damm dies reizende Familienbild auf kaum 6 . m vor 
mir; im Vergleich mit den Dunenjungen anderer Entenarten be- 
sonders bemerkenswert erscheint die außerordentliche Tauchlust und 
-fähigkeit, die von keiner der JVyrom-Arten erreicht wird und 
sich auch weiter erhält, im Verein mit der an ^^zas-Duneujunge 
grenzenden Hurtigkeit der Fortbewegung längs der Wasserober- 
fläche, wie sie hier bei Olaucionetta allerdings nur in den allerersten 
Lebenstagen zu beobachten ist; sie erinnert an die Sprünge über 
flottierende Pflanzendecken hi,nhastender Frösche. Das ebenso zier- 
lich wie auffallend gezeichnete Duuenkleid unserer Art ist merk- 
würdigerweise bisher nirgends abgebildet und ausschließlich von 
Hartert in den Ergänzungen des Neuen Naumann richtig be- 
schrieben; die~ von Naumann selbst gegebene, von Friderich-Bau 
übernommene Beschreibung kann nur nach einem Balg älteren 
Stadiums, der durch Mauser und wohl auch Konservierungszustand 

2* 



20 Mayhoff: Brutvogel des Moritzburger Teichgebiets. 1 ^^^^' ^'"°- 

L Ges. Bay. 

entstellt war, entworfen sein; daß die Zeichnung an Stockenten- 
junge erinnere, ist entschieden irreführend: durch den scharfen 
Kontrast der reinweißen Backen, Oberarm- und Kückenfleckenpaare 
gegen das tiefe Erdbraun des Oberkopfs und der Oberseite gehört 
sie vielmehr aufs engste zusammen mit der Dunenzeichnung des 
Kleinen Sägers, bei der nur die Abgrenzung zwischen Oberkopf 
und Kopfseiten minder schroif und der Gesamtton etwas mehr 
röstlich ist; im Freileben dürften die Jungen beider Arten im 
knapp zwergtauchergroßen Stadium auf einige Entfernung schwer- 
lich, mit Hilfe eines färben- und verzeichnungsfreien Prismenglases 
vielleicht eben an der Schnabel- und Kopfform, zu unterscheiden 
sein und hierin der Grund für die mehrfach nachgewiesene Verpaa- 
rung Olaiicionetta dmigulay-C^Mergelhis albellus ') liegen : in Gegenden, 
wo beide Arten nebeneinander brüten, mögen elternlose Junge der 
einen sich einer Familie der andern anschließen und mit ihnen zu 
einer Lebensgemeinschaft heranwachsen, die zu einer Ehe führt. 
Daß ohne solche frühzeitige Aneinandergewöhnung Paarungen 
beider Arten vorkommen, möchte ich nicht für ausgeschlossen, aber 
doch nicht für wahrscheinlich halten, bei der immer doch be- 
deutenden bio- oder besser ethologischen Verschiedenheit beider, 
der Differenz ihres „Comments", wie es Dr. Heinroth nennt; zwischen 
den nicht wenigen Zwergsägern und Schellenten, die ich als Winter- 
vögel beobachtete, konnte ich wenigstens auch kein engeres Zu- 
sammenhalten feststellen^). 3. VI. führt das zweite $ wieder seine 
6 Jungen am Damm, die diesmal, bei Regen, gar nicht tauchen; 
es selbst taucht zweimal kurz vor ihnen weg, als wolle es die 
geschlossen schwimmende Kette mit unter Wasser locken. Ver- 
mutlich verleidet die durch die dichten Tropfen mit Feuchtigkeit 
geschwängerte Luft den Jungen das Tauchen, das mit erhöhter 
Muskelanspannung die Atmungsleistung wesentlich heraufsetzen 
muß. ^Von der ersten Brut schwimmt heute nur das 5 sehr lang- 

^) Mergus anatarius Eimbeck. Beachtenswert ist die nach Beschreibun^n 
wie Abbildungen fleischrötliche Färbung des ganzen Schnabels dieses Bastards, 
ein rezessives Merkmal, das bei keinem der Eltern in dieser Ausdehnung vor- 
handen, ausschließlich auf die kleine helle Schuabelkuppe des Glaueionetta-^ zu- 
rückführbar ist. M. 

*) Auffällig und bemerkenswert bleibt, weshalb gerade bei Glaucionetta und 
Mergellus albellus sich im Dunenkleide die leuchtende weiße Wangenzeichnung 
herausgebildet hat. Da die größeren Sägerarten ebenso wie Erismatura an ihrer 
Stelle eine ursprüngliche Längsstreifenzeichnung bewahrt haben, läßt sich daran 
denken, daß jenes Weiß eine Erwerbung der am meisten spezialisierten Höhlen- 
brüter ist, sei es als ein Erkennungsmerkmal im Dunkel der Nisthöhle (vgl. die 
grellgefärbten Schnabelwülste der jungen Fasseres, die kreideweißen Wangenflecke 
vieler Meisenarten), worauf aber hier, da keine Nestfütterun^ stattfindet, wohl 
kaum geschlossen werden darf, sei es als Erkennungsmal auf besonders dunkeln 
Wasserflächen wie vorzugsweise den engeren Seen inmitten der tiefgrünen Kiefern- 
wälder Fennoskandinaviens. M. 



IQJA ' I Mayhoff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 21 

sam, mit sicherndem Kopfnicken, vom Nordrande ab; von den 
älteren Jungen, deren eines ich am 25, V. übrigens bereits auch 
baden sah\), läßt sich keins blicken. 31. V. kam jenes erste 5 
zeitweise allein mit auf den Westteil herüber; beide §§ flogen sehr 
viel und rasch, über dem Wasser und über den Damm hin und 
her, auch zwischen den Alleebäumen hindurch, unter gelegentlichen 
tiefen grarr grarr-Rufen; das eine schleppte dabei einmal einen 
20—25 cm langen Batrachnanstengel am Ständer nach! 9. VI. 
schwimmen beide 55 dicht nebeneinander, tauchen viel; das erste 
schwimmt zu den 8 älteren, bedeutend gewachsenen Jungen hin- 
über, die noch locker geschlossen einherziehen: beim Schütteln des 
fast 10 cm langen Fittichs zeigt eins bereits kielende Schwingen, 
sie haben aber noch den weißen ünterkopf; auch sie tauchen sehr 
fleißig und lauge, genaue Messung der Dauer über die halbe Teich- 
breite hinweg nicht möglich, doch habe ich auch an späteren Tagen 
von ihnen nie mehr als 12 Sek. messen können, immer noch 
wesentlich weniger als die normalen Nahrungstauchdauern der 
Alten, von denen hier noch einige sommerliche Messungen angefügt 
seien: (cT 8. IV.) 8—8 — 11 — 15 — 12 — 18 — 17 Sek., ($ 13. VI.) 
19_22-19— 22— 21— 17— 17-18Sek., (c/ 8. VIII.) 11 Sek. — 
13. VI. kommt sonst nur die zweite Familie zu Gesicht: vorm. 
führt 2 auf dem Ostteil des Schloßteichs 4 Junge, nachm. trifft 
Dr. Claus auf dem Westteil 7 Junge mit g und cf, nachdem Prof. 
Dr. Hoffmann 11. VI. 8 Junge ebenfalls mit $ und cT auf dem 
Schwanenteich gesehen hatte: die Kleinen sind also schon be- 
trächtlich weite Strecken umhergestreift, unter den Dammdurch- 
lässen hindurchgeschwommen und von der Mutter im Fluge wieder 
eingeholt worden ; für eine unmittelbare Beteiligung des Vaters an 
der Brutführung fehlt der Nachweis; Dr. Cl. sah ihn nur ganz 
kurze Zeit hinzuschwammen. Dank der frühen Selbständigkeit der 
jungen und großen Bewegungslust der alten Schellenten ist es mir 
in diesem Jahre nicht gelungen, ihre Niststätten ausfindig zu 
machen ; bemerkenswerterweise scheint auch Naumann solche nicht 
durch eigene Anschauung kennen gelernt zu haben, so daß wir tür 
die genauere Beschreibung der Nisthöhlen auf nordische Quellen 
(Kolthoff u. a.) angewiesen sind; ja es kann zweifelhaft sein, ob 
überhaupt ein Nisten „im Schilf", wie es Naumann angibt, jemals 
einwandfrei festgestellt ist; mindestens bleibt eine offene Frage, 
ob die Art etwa in unsern niedereren Breiten zum Freibrüten über- 
gegangen ist und damit vielleicht ihr westliches Vordringen bei 



^) Die Podiceps- und Nyroca-ÄTten bedürfen solcher ausgiebigen Lüftung 
und Entfettung des Gefieders ebenso wie andere Schwimm- und Landvögel, da 
sie während des Tauchens, wie in Schwimmbecken zu beobachten, so gut wie 
unbenetzt bleiben, wogegen ausgesprochene Stoßtaucher wie Älcedo auch an- 
scheinend nur stoß tauchend baden. M. 



22 Mayhoff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. [Verh. Orn. 

|_ Ges. Bay. 

uns in Zusammenhang steht. An Nistbäumen fehlt es im Moritz- 
burger Gebiet nicht, in erster Linie kämen die alten Eoßkastanien 
und Linden des Schloßteichufers mit ihren umfangreichen Ast- 
löchern in Frage (womit freilich für die Art ganz neue Nistbäume 
festzustellen sein würden), in etwa 100 m vom Wasser sodann ein 
alter Buchenstand mit sehr zahlreichen Schwarzspechthöhlen, 
während die wenigen Eichenüberhälter von den 1916 bewohnten 
Wasserflächen wohl zu weit entfernt waren. Die vielen prächtigen 
alten Eichen an den Oberlausitzer Brutstätten der Art sind bereits 
von W. Baer (Zur Ornis der Preuß. Oberlausitz etc. ; Abh. Naturf. 
Gesellschaft Görlitz 22, 1898p. 320) genannt worden; ich konnte leider 
April 1916, obschon ich eine große Anzahl der dortigen Teich- 
flächen von mehreren Brutpaaren besetzt fand, doch keine beflogene 
Höhle feststellen. 20. VI. trifft A. Frieß die zweite Familie, $ mit 
6 kleinen Jungen, die viel tauchen, wieder auf dem Westteil; 
23. VL sehe ich auf dem Ostteil 5 mit 4 jetzt knapp faustgroßen 
Jungen, die fast gar nicht tauchen, nachher mit ihm spurlos im 
Schilf verschwunden sind; vor ihnen das erste 5 mit seinen 8 halb- 
wüchsigen Jungen, die wieder fleißig und anhaltend tauchen; ihre 
Schwingen sind jetzt ausgefiedert, die ümfärbung der Wangen hat 
begonnen, doch macht das Weiß die Jungen immer noch auf den 
ersten Blick kenntlich. Später mit 2 kleinen Jungen das (zweite) 
g auf dem Schwanenteich, ruft wiederholt warnend warr, taucht, 
führt die Jungen weg in der geduckten sichernden Haltung; Junge 
ta,uchen wiederholt 7—8 Sek. 4. VIL das zweite g mit 2 stark 
faustgroßen Jungen auf dem Ostteil des Schloßteiches: tauchen 
fleißig: 8 — 17, meist 11 — 12 Sek. lang (etwa 12 Messungen, 
während sie in keiner Weise beunruhigt sind) ; die Alte bleibt meist 
oben; um sie später wegzuführen, taucht sie auf sie zueilend mit 
kräftigem Spritzen und treibt die kurzem bibibi antwortenden von 
dannen. Von der ersten Brut treiben sich 4 auf dem Ostteil, 
später 6 Junge mit dem $ zusammenhaltend auf der Westhälfte 
des Teichs umher; die Jungvögel haben jetzt einfarbig braunen 
Kopf, sind vom g nur noch durch den grauen Vorderhals und die 
dunkeln Augensterne unterschieden: g und 1 JungvogeL baden 
regelrecht^) mit Einsenken des Vorderkörpers bei gehobenem Kopf 
und kräftigem Schütteln, Nesteln des Gefieders, auch indem sie 
sich dabei ganz auf eine Seite herumwerfen: g platscht geradezu 
verschwenderisch mit wuchtigen Flügelschlägen. Sehr augenfällig 
ist das radförmige Spreizen des Steuers vor dem Putzen, indem 
dabei die Länge dieser Federn hervortritt und an Erismatura er: 
innert. Als das g einmal nahe an mir vorbeistreicht, ist wie auch 
31. V. kein Fluggeräusch zu hören, was entweder darauf zurück- 



^) S. Anm. 2 auf voriger Seite. 



iQon I Mayhoff: ßrutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 23 

zuführen ist, daß es durch die dicht belaubten Alleebäume ab- 
gefanc^en wird, oder aber, wahrscheinlicher (21. IV. war es noch 
in mäßiger Stärke hörbar), daß jetzt seit Ende Mai die ersten 
Handschwingen von der Mauser betroffen worden sind. 18. VIII. 
das erste $ mit einem der älteren Jungen; beide tauchen, schwim- 
men rasch ab. 20. VII. auf dem Ostteil des Schloßteichs dasselbe 
mit 4 Jungen, taucht sehr anhaltend mit kurzen Pausen, während 
die Jungen inmitten einer schwimmenden Polygonum-W iese sehr 
behaglich ausruhen, baden; auf dem Westteil die 4 andern Jungen 
dieser Familie, alle mit reingrauen Hälsen, braunen Köpfen, 3 mit 
brauner Iris, 1 mit heller: also (da auch der bis zur Spitze ein- 
farbig dunkle Schnabel ein 5 auss.chließt) als junges diesjähriges cf 
zum erstenmal, an diesen Verfärbungen kenntlich, ruft einmal 
nasal kriän! Auf dem Großteich, wo bisher hin und wieder 
1 Paar (19. IV., 14. V., 21. V.), meist cT und 5 einzeln, sich 
hatten blicken lassen, 3 braunköpfige Vögel mit grauem Brust- 
gefieder, sämtlich ohne die helle Schnabelkuppe: von einer vorüber- 
fliegenden Möwe aufgescheucht streichen sie über den Teich hin 
und fallen nahe vor mir ein, 2 mit knapperem Kopfgefieder sind 
halbwüchsige Junge (von einer 3. Brut?), der dritte merklich dick- 
köpfigere Vogel das erste diesjährige cT im volleh Sommerkleid! 
Beim Plantschen und Baden gehen sie ins Tauchen über, tauchen 
z. B. an 3 — 4 m weit spielend ganz flach untereinander hin; als 
sie eine kurze Strecke ganz niedrig fast schleppend abstreichen, 
trägt mir der Wind leises Klingeln zu. Das cT öffiiet dann im 
lebhaften Hin- und Herschwimmen an 10 mal wie rufend den 
Schnabel, etwa 6 mal ist deutlich genug das kignä zu hören. 
27. VII. halten 3 von den halbwüchsigen Jungen der ersten auf 
dem Schloßteich noch zusammen; bei weitem noch nicht so scheu 
wie alte Vögel fangen sie doch an, durch kürzeres (8 — 12 Sek. 
langes) Tauchen auf etwa 20 m vom Ufer deutlich auf mich zu 
zeichnen; altes g schwimmt weiter draußen ruhig auf dem Wasser, 
putzt sich. 3. VIII. sind noch 2, 8. VIII. noch 1, viel tauchend 
zu sehen, 1 altes cf im reinen Sommerkleide — rein schwarzer 
Schnabel, gelbe Augensterne, bis zur Kehle hinauf reichendes reines 
Weiß des Halses, sehr reiches, dichtes, glänzend tief braunes Kopf- 
gefieder erlauben auf knapp 20 m eine sichere Geschlechtsbestim- 
mung — taucht mehrmals am Südufer, ohne merkliche Scheu zu 
zeigen, ehe es hinter einem Scirpus-Rorst Deckung sucht. Als 
der Spiegel des Schloßteichs gesunken war, wurde er von allen 
Schellenten verlassen — keine andere Art unter den einheimischen 
Nyrocinen scheint derart auf tieferes Wasser, also wohl in erster 
Linie Pisidium-A.Yten angewiesen — ;; die Vögel der ersten Familie 
waren dann noch wiederholt auf dem Köckeritzteich anzutreffen: 
17. VIII. 3, 15. IX. 9, die auf größere Entfernung nur als Braun- 



24 Mayhoff : Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. TVerh. Orn. 

köpfe erkennbar sind,, bei dem auch dort seichten Wasserstande 
ziemlich viel umherfliegen, mit mäßig starkem Schwingengeräusch; 
23. IX. ziehen 6, ohne hochzugehen, schwimmend der Teichmitte 
zu, wo sie häufig tauchen; alle haben helle Augensterne; 1 durch 
dunkleren Kopf ausgezeichüeter ist wohl ein alter Vogel; 28. IX. 
ist 1 solcher unter 4 helläugigen am weißen Vorderhals, dunklerem 
Rücken und Kopf, im Schwimmen viel größerem weißen E'lügel- 
spiegel mit Sicherheit zu erkennen; die 3 graugehalsten Jungvögel 
fliegen vor dem starken West recht nahe an mir vorbei, wie um 
mich noch aus der Nähe zu mustern, zeigen hierbei merkliches 
Ungeschick beim Auffliegen; aus etwa 20 m weht mir der Wind 
hörbare, recht rauhe Flugtöne zu. Einzelne Vögel sah ich dazwischen 
noch (24. VIII. 1, 8. IX. 2) auf dem Schloßteich und Großteich, die 
der zweiten bezw. dritten Familie angehören konnten. — Die 
Hauptdaten des Beobachtungsmaterials fasse ich kurz zusammen: 
Balzspiele 21. L— 25. V., Balzkämpfe im März; Dunenjunge im 
ersten Stadium 21. (richtiger: da sie bereits mehrtägig waren: 16.) 
V.— 9. VI. (Schwingenkiele), bezw. (28.) 31. VI.— 4. VII. — es 
bleibe dahingestellt, ob die am 20. VII. auf dem Großteich an- 
getroffenen älteren Jungvögel dem zweiten oder dritten Brutpaar 
angehörten — ; 'Wangenverfärbung 23. VI. — 4. VII.; Irisverfärbung 
20. VII. (erstes junges cf) bis 23. IX. (n. b. junge 5$ behalten die 
braunen Augensterne möglicherweise länger). Erstes Schwingenge- 
räusch der Jungvögel 15. IX. — Den Mauserungsdaten seien die beiden 
vorjährigen für das in Sammlungen seltene Übergangskleid der ein- 
jährigen d^cT vorangestellt (vgl. V. 0. G. B. XIII, 1918, p. 355): 
9. IV. 15, 2. V. 15, — 1. IL 16, 8. IV. 16, 21. IV. 16, dies letzte Stück 
noch weniger weit fortgeschritten als das vom 8. IV, Sommerkleid 
der alten dd 20. VIII., 27. VIII. Ausgefärbtes Prachtkleid 6. XI. (15). 

Nyroca f. ferina (L.). — Tafelente. 

Tafelenten bewohnten in mäßiger Anzahl die größeren Teiche^ 
bevorzugten im Vergleich zu früheren Jahren den Schloßteich- 
1915: auf dem Großteich 13. V. 16 Vögel gezählt, darunter 1 Paar 
mit 5 halbwüchsigen Jungen, 3 ebensolche auf dem Berbisdorfer 
und 1 Paar mit 9 auf dem Ostgipfel des Mittelteichs; 1 weiteres 
Paar führt dort 3 kleinere Dunenjunge. 1916 wurden die ersten 
einzelnen Paare auf dem Dippelsdorfer und Frauenteich von 
A. Kümmler und Dr. Bäßler am 22. III. bemerkt, 30. III. waren 
auch die Waldteiche, wo sie dies Jahr in der Folge fehlten, der 
Schloßteich mit 8 Paaren besiedelt. 31. V, am Großteich 1 leere 
Eischale. 9. VI. die ersten 4 Dunenjungen, vom 5 rasch ins 
Typha-'DiQkiohi geführt, auf dem Oberauer Neuteich. Auf dem 
Schloßteich 6 von gleicher, knapp Faustgröße, folgen dicht dem 
$, tauchen gleichfalls noch nicht, dagegen 23. VI. bereits munter 



Sonderheft, I Mayhoff: Rrutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 25 

bis 10, 11 Sek. lang, ebe sie dann flücbtend eng gedrängt dem 5 
nacbscbwininien. leb treffe sie dort auf dem Westbeclcen nocb 
am 4., 13. (nun im reingrauen Halbdunenkleide), 20. VII. und 
kann daneben das Wacbstum einer zweiten und dritten Brut da- 
selbst verfolgen: von der ersteren führt 5 28. VI. 2 ganz kleine 
Duneujunge (mit schwarzem breitem Hinterkopfstreif bei gelbem 
Gesicht), 4. VII. 7, die sich von denen des ersten 5 durch etwas 
geringere Größe unterscheiden: beide Familien treffen aufeinander, 
als sie, ohne zu tauchen, durch eins der schwimmenden Wasser- 
nußfelder sich durcharbeiten; daß das Gewirr der Blattstiele und 
Wurzeln sie im Tauchen nicht wesentlich hindert, war 23. VI. zu 
beobachten gewesen ; diesmal sehr hübsch zu sehen, wie beide 
Familien, nachdem sie bei der Begegnung ihre Wege gekreuzt, sich 
wieder eilig sammelten und jedes der Jungen der eigenen Mutter 
folgte, ohne sich durch die entgegenkommenden fremden Geschwister 
beirren zu lassen. Die älteren werden darauf einem Acorus- 
Dickicht zugefühi-t, während die jüngeren auf freiem» Wasser 
mückenhaschend eine Beweglichkejjt entfalten, die wenig hinter 
der junger Stockenten zurücksteht. 20. VII. führt dagegen ein $ 
13 größere Dunenjunge (Ende des schwarzgelben Stadiums), ein 
zweites 6 fast halbwüchsige graue: letztere offenbar mit der zu 
allererst (9. VI.) beobachteten Familie identisch, während das 
zweite $ wohl die Jungen eines dritten übernommen hatte; diese 
13 jüngeren beginnen, nachdem sie lange Zeit vor mir gemächlich 
ausweichend sämtlich oben geblieben sind, inmitten des Blatt- 
gewirrs gewandt zu tauchen: 12—13 Sek. 3. VIII. schwimmt ein 
$ mit 13 Halbwüchsigen zwischen Wasserrosen, wo sie tauchen, 
das andere mit 3 Halbwüchsigen im Trajja-Felde umher; außerdem 
noch 2 weitere einzelne alte 5g auf dem Westbecken. Auf dem 
Ostteil des Schloßteichs, wo sich immer eine größere Zahl (6 — 8) 
anscheinend ungepaarter Tafelenten, überwiegend cTcT aufhielt, 
wuchsen 2 Brüten heran: 4. VII. führt 1 § 2 bereits mittelgroße 
graue, das andere 8 sehr kleine schwarzgeTbe Junge, die sämtlich 
noch nicht tauchen, zwischen den Simsen notdürftige Deckung finden; 
das zweite 9 schreckt grärr grärr, als ich, ohne es zu wollen, sie 
dort heraustreibe. 13. VII., 20. VIL, 24. VII., 3. VIII., 10. Vni. 
treiben sich halbwüchsige graue Junge verschiedener Größe einzeln 
oder zu zweien mit oder ohne Führung der Mutter umher, rufen 
in ähnlichen Pieptonreihen wie die alten im Frühjahr pi pü pü . ., 
tauchen ungleich seltner als die Schellentenjungen. 4 Dunenjunge 
Ende des ersten Stadiums führt 29. VI. 1 g auf dem Großteich, 
2 ebensolche 13. VII. 1 $, mit ihnen fleißig tauchend, auf dem 
Köckritzteich, endlich 4, die allerspätesten in diesem Kleide, 1 $ 
auf dem Ostzipfel des Mittelteichs noch 3. VIII. Die allerersten 
Dunenjungen dieser insgesamt 9 Brüten — es werden deren noch 



26 Mayhoff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. [Verh. Orn. 

[_ Ges. Bay. 

2—3 mehr im G-ebiet hochgekommen sein — in diesem Jahr also 
erst 9. VI. (6. VI. vielleicht ausgefallen), die ersten im Halbdunen- 
kleid 4. VII.; die allerletzten Jungvögel (4 auf dem Schloßteich) 
im Übergangsgefieder 15. IX. Die erste cf mit Mauserspuren 23. VI, 
auf dem Schloßteich, 3 mit vollständig vermausertem Rückengefleder 
3. VIII. Für den Abzug dürfte bestimmend sein, daß die Tafel- 
enten ihre Nahrung vorwiegend an den untergetauchten Vegetations- 
teilen der Schwimmpflanzen sammeln: sie verschwinden mit dem 
Absterben der Schwimmpflanzendecke von den Teichen und sind 
infolgedessen entschieden kälteempfindlicher als selbst die größeren 
Podiceps-kYi&n: die letzten (4 cfcT im Herbstkleide) traf ich 1916 
im Gebiet am 28. IX., 1915 (2) noch am 30. IX., doch auch 
14. IX. einmal noch 6 auf dem Niedern Waldteich. 1 einzelnes 
$ 13. I. 16 (!) war offenbar ein ganz versprengtes Stück, ebenso 
wie das (^ am 1. IL 

Nyrvca nyroca (Güld.). — Moorente. 

1915 hielten sich mehrere Paare im Gebiet auf, deren Ver- 
halten wieder ein Brüten mutmaßen ließ: 9. IV. fehlten sie noch; 
11. IV. waren 2 — 3 Paare auf dem Dippelsdorfer Teich, 12. VI. 
1 einzelne Moorente auf dem Dippelsdorfer, 2 Paare auf dem 
Schloßteich ^). Der Brutnachweis gelang 1916 in der Tat, indem 
1 Paar den Schwanenteich besiedelt hatte und mehrere Junge 
hochkamen. Nachdem A. Kümmler bereits 22. III. sie zum ersten- 
mal angetroffen, trieben sie sich anscheinend erst längere Zeit 
umher, 8. IV. auf dem Frauenteich, 19. IV. auf dem Schloßteich, 
wo 1. V. und 11. V. sich noch 1 cf dazu gesellt hatte, das ein- 
trächtig mit ihnen zwischen den Wasserhahnenfußrasen des West- 
beckens schwamm. Aber erst am 3. VI. kamen sie ein einziges- 
mal dort wieder zu Gesicht, cf g allein an einer der am dichtesten 
mit Acorus verschilften Stellen neben dem Damm, und auch jetzt 
erfüllte sich meine Hoffnung, ihnen wieder zu begegnen, nicht so 
bald, bis ich 20. VII. das 5 auf dem Schwanenteich 4 kleine Dunen- 
junge führen sah, mit denen es, scharf grrr warnend, hinter einer 
Schilfdickung verschwand, während das cf nach dem Schloßteich 
hin abflog. Die Duneujungen fielen durch die größere Ausdehnung 
des Gelb im Gesicht auf, das gegen den braunen Hinterkopf minder 
scharf kontrastierte als die schwarzgelbe Zeichnung gleichaltriger 
Tafelenten. 2 von ihnen schwimmen 10. VIII. überaus zutraulich 
in unmittelbarster Nähe des Ufers umhei-, fangen überaus gewandt 
Mücken, die sie über der dichten Lemna-'DeQk^ erschnappen, tauchen 
niemals. Ende des Dunenstadiums sind sie jetzt von jungen Stock- 

^) Eine alte Moorente am 28. IX. 15 auf dem Niedern Altenteich, 2 auf dem 
Großteieh 27. X. 15, die recht vertraut in der Nähe des Ufers tauchten (8 — 13 — 
15 Sek.), brauchten nicht notwendig Brutvögel zu sein. — M. 



Sonderheft, I Mayhoff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 27 

eilten mit Mühe zu unterscheiden, obschon auf 3 m Entfernung- die 
fast rötlichbraune Tönung- von Hinterhals und Schläfen, die bei der 
jugendlichen hohen Schwininilage hervortretenden, mit scharfer 
Grenze gegen das dunkle Braun abstechenden weißen Steißfedern 
und die gedrungenere Gestalt sie einigermaßen auszeichnen, da ihre 
Größe derjenigen mittlerer Dunenjungen von- Anas platyrhynchos etwa 
gleichkommt. Da die Begegnung mit dem alten Paar sehr flüchtig 
gewesen war, bin ich zunächst noch im Zweifel, den erst die 
weiteren Beobachtungen völlig lösen. 17. VIII. sind 3 Junge 
auf der Blanke des Schwanenteichs, wieder eifrig beim Mücken- 
fang, im Beginn der Ausfiederung, merklich herangewachsen, die 
schon neulich nur eben verloschen angedeuteten Iliacalflecken kaum 
noch sichtbar; 24. VIII. fängt 1 fast ausgefiedertes Junges immer 
noch Mücken, taucht niemals; das tiefe Kupferbraun des Kopfes 
rings um die noch dunkeln Augensterne und an der Schnabelwurzel 
beinahe zu Weißgelb gelichtet, vom verblichenen Dunenkleid nur 
zwischen den Tragfedern noch bedeutendere Reste. Am selben 
Tage 1 mausernde alte Moorente, anscheinend cf , auf dem Niedern 
Waldteich. 16. IX. 2 ausgewachsene Jungvögel, noch braunäugig, 
zum letztenmal auf dem Schwanenteich. Daß die Jungen dieser 
Moorentenbrut, soviel ich mich überzeugen konnte, niemals tauchten, 
mag auf die späte Jahreszeit und die außerordentliche Entwickelung 
der Wasserlinsendecke zurückzuführen sein, es w'ürde aber nicht 
wundernehmen, wenn darin eine gewisse Eigenart der Art sich 
herausstellte, die auch in der Haltung, verhältnismäßig schlanken 
und zierlichen Gestalt, der Fluggev^^ndtheit unter den europäischen 
Nyrocinen den -i??as-Arten am nächsten steht, wenngleich alte 
Vögel nicht viel seltener als die von N. ferina tauchen und mit 
diesen die kennzeichnende tiefe Schwimmlage teilen. — Auf welche 
Weise die Schwimmtaucher [Uria, Podiceps^ Colymbus, -Mergus, 
Nyroca etc.) imstande sind, ihr Körpergewicht derart zu ver- 
lagern, daß sie willkürlich horizontal einzusinken scheinen wie ein 
stärker befrachtetes Schiff: diese dem Beobachter so geläufige und 
doch immer wieder überraschende Erscheinung ist wohl immer noch 
nicht hinreichend aufgeklärt, ohne doch so hoffnungslose Schwierig- 
keiten darzubieten wie das H. Gätke hinstellte^); zweifellos spielt 
dabei eine kräftige Ruderwirkung der Füße die Hauptrolle, wie 
man sich überzeugen kann, wenn der Vogel mit eingesenktem 
Schwanz und Unterrücken beschleunigt abschwimmt: sicherlich ist 
eine solche auch da wirksam, wo eine Einsenkung ohne merkliche 
Vorwärtsbewegung stattzufinden scheint; ob diese wirklich ohne 
eine Schwankung erfolgt, bleibt offen: wenn vielmehr ein Vor- 

^) In der Einführung seiner klassischen „Vogelwarte Helgoland" ; nochmals 
aufgeworfen hat die Frage einmal W. Hagen in den Orn. Monatsberichten 1909 
p. 110. — M. 



28 Mayhoff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. ^^''^- ^™- 

L Ges. Bay. 

Stoßen der Brust nach unten erfolgte und das Horizontalbleiben 
des Rückens nur scheinbar wäre, verlöre der Vorgang bereits viel 
von seiner Rätselhaftigkeit; daneben kommt offenbar nicht minder 
wie die charakteristische Eingelenkung der hintern Extremität 
die flache Gestalt des Brustbeins und vor allem die Ausbildung 
der Luftsäcke in Betracht; in letzterer müssen gerade zwischen 
jungen und alten Vögeln bemerkenswerte Verschiedenheiten vor- 
liegen; wenn A. Laubmann (Verh. Orn. Gesellsch. i. Bayern 12, 
1916, p. 256) meint, den jungen Tafelenten mangelte es, um zu 
tauchen, „an der nötigen Stoßkraft", so ist das sicher richtig, 
bedarf aber insofern der Vervollständigung, als neben der Leistung 
der Beinmuskulatur das Volumverhältnis von Lungen und Luft- 
säcken und das davon abhängige Respirationsmaß ausschlaggebend 
sein wird, und für die Frage der „Versenkungsfähigkeit" ist 
gerade auf diese Momente, so schwer immer sie experimenteller 
Prüfung zugänglich sein mögen, Wert zulegen; insbesondere wäre 
auch an willkürliche bezw. reflektorische Kontrakturen der vom 
N. Vagus innervierten Teile des Muskelmagens und dadurch be- 
dingte Verlagerung des chymnserfüllten Drüsenmagens und der 
schweren Masse der Leber gegenüber den Gasvolumina der Luft- 
säcke zu denken. 

Nyroca fuligula (L.). — Reiherente. 

Nachdem mir das erste cT des Jahres bereits 29. II. bei 
Wildberg auf der Elbe begegnet war, hielt sich 1916 ein kleiner 
Trupp bemerkenswert lange auf den Moritzburger Teichen auf, 
ohne indessen (so wenig wie im Vorjahre) zur Brut zu schreiten. 
8. III. sahen Dr. Bäßler und A. Kümmler auf dem Niedern Wald- 
teich 3 Vögel, 30. III., 8. IV. waren auf der Osthälfte des 
Schloßteichs 3 alte und 1 jüngeres cT mit 3 $5 zusammen, von 
denen ich mit Kümmler den Haupttrupp 19. IV. noch an derselben 
Stelle antraf, während 1 cT sich auf den Köckritzteich verflogen 
hatte, wo es sich von den Tafelenten gesondert hielt und da- 
durch schon von weitem auffiel. Wie gewöhnlich, zeichneten 
sich auch diese Reiherenten durch ihr ruhiges phlegmatisches 
Gebahren aus, tauchten und flogen wenig. Die völlige Sicher- 
heit, mit der sie auf dem Wasser liegen, zeigte 8. IV. beim 
Putzen 1 c^ sehr augenfällig, indem es sich zum Salben des weißen 
Bauches bis fast zur Rückenlage herumdrehte; wenn das Auf- 
tauchen der Nyrocinen (speziell der Schellerpel) treffend mit dem 
Emporschnellen eines Korkstöpsels verglichen wurde, so lag hier 
der Vergleich mit einem treibenden Gummiball nahe. 16. IV. 
sahen R. Heyder und ich auf dem Fischerteich 1 einzelnes Paar. 
Da bisher die Durchzügler dieser Art immer in der zweiten April- 
hälfte verschwanden — 1915 waren nur 9. IV. 3 cTcT 1 $ 



Sonderheft, I M^yboff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 29 

auf dem Groß- und 4 cTcT 1 ? (wahrscheinlich dieselben) am 
11. IV. anzutreffen ocevvesen — war ich aufs höchste überrascht, 
am 11. V. auf der Westliälfte des Schloßteichs 1 cT niit 7 $5 
außer dem bereits 3 Wochen vermißten Trupp von .S Paaren zu 
sehen! Der sofort auftretende Verdacht, es mit Jungvöj^eln zu 
tun zu haben, mußte freilich bei näherer Betrachtung dieser ziem- 
lich lebhaft umherschwimmenden Schar — lg reckt wiederholt 
den Hals hoch und wirft den Schnabel empor, als wolle es einen 
Tropfen fortschleudern — alsbald weichen: wie auch der am 
selben Tage zu beobachtende Totaniden durch zug lehrte, handelte 
es sich um Glieder einer spät nachprallenden Zugwelle, und es 
werden möglicherweise auch jene 8 Paare nicht mit den früher 
festgestellten identisch, sondern neue Nachzügler gewesen sein. Als 
beispiellos verspäteter Umherstreicher zeigte sich dann noch ein- 
mal 20. VII. 1 einzelnes cT auf dem Schloßteich, bereits im Sommer- 
kleid, tief braunschwarz — nur beim Tauchsprung wird das Weiß 
der Bauchmitte sichtbar — , mit sehr schmächtigem, doch gut 
sichtbarem Schopf; es schwimmt allein, fällt mir gegenüber den 
Schellenten-cf und -Jungen durch das viel dunklere Gelb der 
Augensterne auf, taucht viel, doch nicht so anhaltend (einmal 
3 Sek. gemessen) und mit weit längeren Unterbrechungen als jene. 

Nettion c. crecca (L.). — Krickente. 

Obwohl den ganzen April hindurch an den größeren Teichen 
i-egelmäßig je 4 — 6 Paare 2u treffen waren und allein am Mittel- 
teich noch 25. und 30. V. 16 je etwa 15 Paare vom Südufer hoch- 
gingen, ließ sich wieder kein unmittelbarer Brutnachweis erbringen ; 
die Krickenten sind eben Charaktervögel des Caricetums, zwischen 
dessen weit ausgedehnten Blüten systematische Suche nach Nestern 
und Jungvögeln teils wegen des Wasserstandes nicht möglich war, 
teils sich aus jagdlichen Rücksichten verbot, und finden dort 
genügend Nahrungsraum, um nicht vor dem Herangewachsensein 
der Jungen auf den freien Blanken zu erscheinen. Einen Nest- 
fund am Köckritzteich im Jahre 1914 konnten A. Kümmler und 
H. J. Fellmer photographisch festhalten: die dunengepolsterte 
Mulde zwischen dünnhalniigen Simsen eingebettet enthielt 8 Eier. 
— Die fliegenden cf cf ließen sich wiederholt durch Anpfeifen zum 
Eufen anregen — das schöne krlück ist mit dem Munde allerdings 
ziemlich schwer in hinreichender Klangstärke zu treffen, doch war 
in einer Reihe von B'ällen deutlicher Erfolg festzustellen. Einen 
Beobachtungsirrtum der früheren Arbeit habe ich hier zu berich- 
tigen: wie Herr Dr. 0. Heiuroth unter Zusendung seiner schönen 
Monographie (B. z. Biologie, namentlich Ethologie und Psycho- 
logie der Anatiden, Verh. V. Int. Orn. Kongr. 1912, p. 589—702) 
uns freundlichst aufmerksam machte, scheint dieser Pfeiflaut aus- 



30 Mayhoff: BrutvÖgel des Moritzburger Teichgebiets. I ^^ ' ^^' 

schließlich den cTd" zuzukommen; ich mußte an unseren Auf- 
zeichnungen wie durch neuerdings eigens darauf gerichtetes Augen- 
merk mich in der Tat überzeugen, daß die $$ immer nur, mit 
weit geöifnetem Schnabel, das breite kwä kwä hervorbringen; da 
aber häufig das c^ seine Rufe reiht, die Gatten im Frühjahr fast 
immer dicht hintereinander und sehr oft mehrere Paare zusammen 
fliegen, so kann es leicht den Eindruck erwecken, als gingen die 
Pfeiftonreihen — — — und -paare — — von beiden Geschlechtern 
aus, wenn man nicht so nahe den rufenden Vögeln steht, um sich 
durch den Augenschein überzeugen zu können, eine Täuschung, 
der selbst Beobachter wie Joh. Friedr. Naumann u. a. unterlegen 
sind. Heinroth weist aber in einleuchtender Weise nach, daß den 
männlichen Anatiden einer großen Anzahl auch außereuropäischer 
Arten ein z. T. als Balzruf dienender Pfeiflaut eigen ist, der den 
Weibchen abgeht. Die genauere Homologie dieser Rufe festzu- 
stellen, bleibt eine Aufgabe, an der neben der Zergliederung der 
Stimmorgane und dem Studium halbzahm gehaltener Vögel die 
Freibeobachtung insofern mitzuwirken berufen ist, als sie das 
jahreszeitlich verschiedene Verhalten festzulegen hat. Bei Nettion 
crecca ist der Pfeifton nicht ausschließlich Balzruf; von einem ein- 
zeln schwimmenden cf hörte ich noch am 23. VI. 16 und in den 
letzten drei Herbsten wiederholt von einzelnen unter den Schwär- 
men, die sich Anfang September auf den ablaufenden Teichen 
einfanden, das helle krlück bis gegen Ende Oktober hin^). Kenn- 
zeichnend für diese Herbstvögel, deren besonders viele 1916 am 
Schlammufer des Köckritzteichs sich sammelten, w^ar wieder die 
enge Vergesellschaftung mit Kiebitzen und Totaniden; in fast noch 
ausgesprochenerem Maße als Ä. platyrhynchos führt iV. crecca zu 
dfeser Jahreszeit eine mehr watende als schwimmende und grün- 
delnde Lebensweise. 

Querquedula querquedula (L.) — Knäckente. 

Auf dem Frauen-, Groß- und Köckritzteich, dem Dippelsdorfer, 
selten einmal auf dem Schloßteich, durchweg also auf den stilleren, 
durch reichere Ufervegetation verlandenden Wasserflächen zeigten 
sich in beiden Frühjahren nach der ersten Aprilwoche einzelne (je 
1 — 2) Paare, die wahrscheinlich zur Brut geschritten sind, da sie 
zum Teil noch im Juni, 12. VI. 1 d" auf dem Schloßteich, 13. VI. 15 
2 cTcT 1 ? auf dem Frauenteich, 13. VI. ebendort 1 cT zu sehen 
waren. 4. VII. 2 Knäkenten an der Gauernitzer Eibinsel, so 
gut wie sicher von Moritzburg her dahin verflogen. 



') 1915 sah ich die letzten, einige 40—50, am Mittel- und Großteich 27. X., 
einige 70 am Großteich sogar noch 14. XI., doch waren dies wohl durch den 
starken West zurückgehaltene Durchzügler. 



Sonderheft, J Mayhoff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 31 

[Chaiilelasmns streperus (L.) konnte 1916 zum erstenmale, aber 
nur als Diirchzügler, für das Gebiet verzeichnet werden. R. Zimmer- 
mann teilte mir brieflich mit, daß er auf dem Großteich am 28. V. 

1 -[- 1 cT -]- ? angetroffen habe. 31. V. konnte ich sie und auch 
späterhin nicht bestätigen, dafür aber 11. X. 1 cT 2 $$ auf dem 
Schloßteich lange Zeit aus großer Nähe beobachten, die in Ge- 
sellschaft zweier halbvermauserter Pfeifenten — schon dies ein 
Beweis, daß es sich um herbstliche Zuggäste handelte — sehr 
ruhig umherschwammen. Sie schlabberten ausschließlich an der 
Oberfläche, auf den ersten Blick auffällig durch ihre Farbenkon- 
traste : Ch. Str. bekanntlich ja unsere einzige Eutenart, bei der die 
22 lebhafter gefärbt sind in ihrem ansprechenden Lichtbraun mit 
den leuchtend gelbroten Schnabelwangen und weißen Spiegeln als 
die geradezu somatolytisch gezeichneten cfcT, an denen allein bei 
Bewegungen das schwarze Steißschild als optische Marke auf die 
Entfernung wirksam^ wird, während das zarte Grau der übrigen 
Teile die "Gestalt fast völlig mit dem Grau der Teichfläche ver- 
schmelzen läßt.] 

Anas p. platyrhynchos L. — Stockente. 

Auf den größeren Teichen waren regelmäßig je etwa 10 Paare 
anzutreffen. 12. VI. 15 führt 1 $ auf dem Schloßteich 9 ganz 
kleine Dunenjunge, 13. VI. 15 ein anderes 8 solche auf dem Berbis- 
dorfer Teich. 1916: je 1 Eischalenrest 21. V. am Frauenteicli 
und 25. V. am Niedern Waldteich gefunden. 21. V. auf der West- 
hälfte des Schloßteichs 9 kleine Dunenjunge, vom § geführt, fangen 
mit außerordentlicher Gewandtheit, in fast nieterweiten Sätzen hin- 
flitzend und ständig schnappend Fliegen. 

31. V. (wahrscheinlich dieselben) 9 auf der Osthälfte, fahren, 
zufällig dicht am Ufer überrascht, piepend auseinander, tauchen 
z. T. auch weg(!); $ stellt nur im ersten Augenblick lahm, führt 
sie rasch wieder zusammen. 23. VI. schwimmen ebendort 3 noch 
recht kleine Dunenjunge allein (wohl von einer andern Brut). 

2 führt ein viertes zur Seite. 30. VI. auf dem Großteich g mit 
4 etwas größeren im Wasserhahnenfußgewirr neben dem Eisen- 
bahndamm. 13. VII. führt ^1 2 auf dem Obern Waldteich 6 Halb- 
wüchsige dichtgedrängt ins Schilf, ist 20. VIL nochmals mit ihnen 
an derselben Stelle zu sehen. 3. VIII. schwimmen mehr als ein 
Dutzend selbständige Jungvögel au mehreren Stelleu des Schloß- 
teichs inmitten der dichten Wasserrosendecke umher. — Die ersten 
cTcT in Sommermaus er sehe ich 31. V.; von dreien, die 9. VI. zu- 
sammen hochgehen, ist 1 bereits fast ganz vermausert, während 
die beiderr andern noch ziemlich vollständig das Prachtkleid tragen; 
seitdem sind bis in die erste Septemberwoche durchweg Sommer- 
kleider zu sehen ; so gehen 3. VIII. am Frauenteich etwa 40 Vögel 



■ 

hoch, die vielen cfd^ darunter nur am schwarzen Unterrückeu 
kenntlich; 8. IX., wo am Großteich mehr als 150 Vögel, z. T. 
wohl schon Durchzügler rasteten, hatte bei einigen cf cT die Rück- 
färbuDg ins Prachtkleid am Rücken- und Schultergefleder einge- 
setzt; 16. IX. waren dort die cTcT unter etwa 20 Vögeln an 
der Ausfärbung dieser Teile sämtlich auf den ersten Blick kennt- 
lich, während die Kopfmauser sich bis gegen Oktoberwende hin- 
zog: an der Gauernitzer Insel, wo iuimer ein größerer Flug von 
70 — 100 Vögeln seit Ende August anzutreffen war, der, wie ich 
an manchen Abendgängen durch die Coswiger Kiefernheide, den 
Friedwald, mich überzeugte, durch regen Strich mit dem Moritz- 
burger Gebiet in Austausch stand, sah ich 28. IX. bereits neben 
fast grauen und graugrün geschüpperten einzelne rein verfärbte 
Grünköpfe unter einigen 80— 40 d^cT, 20. X. 16 hatte unter 46d'cr 
22 $5 die Mehrzahl ausgefiedert, wennschon immer noch Anfangs- 
stadien der Kopfmauser vertreten waren. — Herbst und Winter 
1915/16 konnte ich diesmal gut die Über wintelrun'g 'verfolgen: 
24. IX. (Waldteiche, Groß- und Mittelteich) 27 + 4 -f einige 150, 
darunter 2 ausgefärbte cfcf , andere in Umfärbung, 30. IX. (üippels- 
dorfer und Großteich) etwa 40 -f 80, 27. X. Waldteiche, Dippels- 
dorfer, Mittel-, Frauen- und Großteich 20 -{- 200 + 10 -)- 30, 
6. XI. (Mittel-, Frauen-, Groß- und Niederer Waldteich) 80 -|- 40 
_{_ 80 -|- etwa 10, 14. XL (Niederer Waldteich, Mittelteich) etwa 
100 -j- 40, 23. XI. nach starkem Schneefall (Waldteiche, Groß-, 
Frauen- und Mittelteich) 35 4- 22 -|-^60 -f 30 + 14; gedrängt 
stehen die Vögel auf dem Eise, höchstens einige Schrittchen hin- 
und hergehend, c/cf fiepen häufig, gg gackern; gegen Abend an 
der Elbe etwa 100 -|- 60, lassen sich auch durch einen Flieger 
nicht aufscheuchen, verstummen höchstens. In diesem Fall müssen 
es so gut wie sicher dieselben Moritzburger Vögel sein^ es bliebe 
sonst durchaus rätselhaft, wie diese an solchem Tage Nahrung 
finden. 5. XII. (Dippelsdorfer, Schloß-, Mittel-, Frauen-, Groß-, 
Oberer Waldteich; Tauwetter) 67 (davon kaum 20 gg!) + 2 + 150 
4-60-1-100 4-30; 12. XII. (Niederer Waldteich, Großteich, 
Frauen-, Mittelteich; Rauhfrost) 58 (30 cfcT fiepen viel, rufen auch 
räbräb-Reihen, gg lange quäggäggäg-Reiheni -f- H^ (^^"^a 65 cTcf) 
-f 100 + 130; 19. XII. an der Gauernitzer Eibstrecke 20 -f etwa 
150 (cTcf in fast 5 — Sfacher Überzahl, fiepen sehr viel), auf dem 
Eise des Frauen- und Großteichs je 120, trippeln z. T. paarweise 
zusammenhaltend; 25. XII. (nach plötzlichem Tauwetter, -{--'^"C.) 
auf der Eibstrecke 180—200 (viel räbräbräb, Fiepen, quäggäggäir), 
30. XII. ebendort etwa 100 (60—70 cTcT), auf dem Mittel-, Schloß-, 
Groß- uud Niedern Waldteich 40 + 4 + 30 + 16. 13*1. (Wald- 
teiche, Groß-, Frauen-, Mittel-, Schloß- und Dippelsdorfer Teich) 
40 -f 10 + 40 -f 20 + 30 + 25 -|- 35 + 3 -f 4, halten sich 



Sonderheft, I j^ayboff: Brutvögel des Moritzburger Tcichgeblets. 33 

großenteils paarweise zusammen. 21. T. (Waldteiclie, Groß-, Frauen-, 
MitteUeich) 50 -f- 120 -f 200; 27. I. (Waldteiclie, Groß-, Schloß-, 
Mittel-, Dippelsdorfer Teich 130 -[- 140 (f dieselben? an .-JOO) 
-f 10; 1. IL (Niederer Waldteich) 2 d'cT 18$$ auf dem Eise, 
(Großteich) 60 (etwa 32^-34 cTcT) + 80, gehen mehrfach unter 
Luftschiff hoch. 13. IL (Großteich) 252 bleiben vor dem Zug auf 
dem Eise sitzen. 24. IL etwa 30 auf dem Kis des Großteichs, 
29. IL auf dem P]is des Dippelsdorfer Teichs 1 Paar. 7. III. bei 
starkem Nordnordost auf dem Großteich 3 Paare^ dem (geschützter 
liegenden) Frauenteich etwa 20 Paare, Schloßteich 2 Paare, an der 
Gauernitzer Insel etwa 10 Paare. Auf der letztgenannten Eib- 
strecke waren 24. IL 100-120, 29. IL etwa 100, 2. IIL etwa 
80 Vögel, unter denen, wenn sie saßen, sich eine etwas stcärkere 
Überzahl von cfcT feststellen ließ als bei den auf den Teichen sich 
aufhaltenden Beständen; auch waren hier das B'iepen und die 
räbräbräb-Reihen der cTcT, das quäggäggäg der $$ entschieden 
lebhafter zu hören. Aus diesen Zahlenverhältnissen dürfte hervor- 
gehen, daß in einem nicht übermäßig harten Winter wie dem in 
Frage stehenden der Brutpaarbestand der Moritzburger Stockenten 
im Gebiet verbleibt, daß aber außerdem ein Zuzug von östlichen 
Gewässern, meist wahrscheinlich den im Herbst ti-ockengelegten bezw. 
ausgefrorenen kleineren Lausitzer Teichen her erfolgt. Zwischen 
diesen beiden Komponenten kommt es während des Hin- und 
Widerstrichs zur Elbe zum Individuenaustausch, der im September, 
Oktober am regsten sein dürfte, bis im Dezember, Januar bereits 
die Mehrzahl der Paare sich zusammengefunden haben. Die Zahl 
der an den Eibufern selbst brütenden Stockenten ist gegenwärtig 
so gering, daß sie als dritte Komponente kaum eben noch in Be- 
tracht kommt; die Brntbestände der größeren Lausitzer Teich- 
flächen dürften bei deren rauher, ungeschützter Lage und dem 
Mangel größerer eisfreier Abflußgewässer sich in der Regel nach 
dem nördlichen Böhmen w^enden, soweit sie sich nicht auf dem 
Elblauf der Dresden-Pirnaer Tal wanne sammeln; darauf deutet, 
daß Stockenten v^intersüber selbst innerhalb des Eibsandstein- 
gebiets keine seltene Erscheinung sind — ich traf sie wiederholt, 
so noch bei Schnee, 12. IV. 12, 1 Paar, sogar im engen Canon 
des untern Polenztals (!) — ; einen Zuzug aus entfernteren östlichen 
und nordöstlichen Gebieten anzunehmen, liegt im allgemeinen kein 
Grund vor; die Zugbewegung, die für Westeuropa von wirtschaft- 
licher Bedeutung wird, dürfte meist nördlich der Grenzen des 
sächsischen Niederlandes verlaufen. So dankenswert für unsere 
Art auch Ringversuche wären, sie würden für die sächsischen 
Bestände voraussichtlich wenig über das Urteil Heyder's (a. a. 0.- 
p. 219) hinaus ergeben, daß diese — in einem großen Teil des 
Gebietes sicher vollzählig — überwintern. Für den Moritzburger 

3 



34 Mayhoff : Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. ^^^^' ^™- 

j_ Ges. Bay. 

Bezirk ist hierbei die enge Nachbarschaft des Eiblaufs von nicht 
zu unterschätzender Bedeutung. 

Spaiula clypeata (L.). — Löffelente. 

In beiden Jahren hatten je 1 — 2 Paare den Groß , Frauen-, 
Mittel- und Köckritzteicli nach der ersten April woche (9., 8. IV.) 
besiedelt und waren während der Brutzeit anzutreffen , minder 
regelmäßig auf dem Dippelsdorfer und den Waldteichen, wo sie 
besondei's im Frühjahr sich häufig zeigten — auf dem benach- 
barten kleinen stillen Georgenteich, dessen verlandendes Ufer durch 
besonders reiche Seggen- und Schwadengrasvegetation ausgezeichnet 
war, trafen R. Heyder und ich 16. IV. 16 5 JPaare beisammen — , 
während Schloß- und Schwanenteich erst nach stärkerer Ent- 
wicklung der Batrachium- und TVajja-Decke von ilinen besucht 
wurden. 25. und 31. V. stellte 1 $, das aus dem dichten Cmicetnm 
am Südende des Mittelteichs hochging, in so unverkennbarer 
Weise lahm, daß das Brüten in diesem Jahre als gesichert be- 
trachtet werden darf: fast an derselben Stelle wie 1906 (Orn. 
Monatsschr. 1915, p. 234). 3. VI. 16 zeigte das cT eines Paares 
aufi dem Schwanenteich sichtliche Spuren der beginnenden Mauser; 
von da ab begegneten mir nur Sommerkleider, die cTd" am hell- 
blauen Oberai'mfeld noch kenntlich genug. 13. VI. 1 g auf dem 
Dippelsdorfer Teich nimmt noch hinter Rohrwänden Deckung, 
am Frauenteich 1 cf 2 $$ zusammen hoch. 27. VII. 1, 10. VIIl. 
2 Vögel auf dem Schloßteich inmitten der dichten j^rapa-Decke, 
17. YIII. 9 (!), z. T. sicher selbständige Jungvögel, 15. IX. 4 auf dem 
Köckritzteich, 16. IX. 4 auf dem Großteich, die letzten auf den freien, 
ablaufenden Wasserflächen, schwimmen sehr gemächlich, fast un- 
unterbrochen schlabbernd umher, untereinander meist eng zusammen, 
von andern Enten sich getrennt haltend. 1915 verblieben einige Löffel- 
enten, vielleicht Zuzügler, da ich, außer 1 am 24. IX. auf dem Groß- 
teich, keine Herbstvögel mehr angetroffen hatte, noch ungewöhnlich 
lauge im Gebfet: nach 6. XL übte 1 Paar auf dem Mittelteich das von 
A. Newton geschilderte, für unsere Art charakteristische Kreis- 
schwimmen (vgl. auch R. Heyder, Orn. Monatsschr. 1911, p. 246 bis 
247) viele Minuten lang — es schien beinahe, als suchten die Vögel 
an diesem kalten Tage sich durch diese schleunige Bewegung Er- 
wärmung zu schaffen — da wohl kaum eine derartige Menge von 
Nährstoffen auf dem Räume von weniger als 1 qm zusammen- 
gestrudelt werden konnte, um sie länger an ihn zu fesseln — und 
sogar noch 14. XL schwamm 1 einzelnes 5 auf dem Großteich. — 
Vereinzelt begegneten mir mutmaßliche Brüter des Gebiets auf 
dem Strich: 8. IV. 1 Paar, das vor einem Trupp Stockenten die 
Wilschdorfer Äcker überflog, und 1 einzelnes Stück 4. VII. an der 
Gauernitzer Halbinsel. 



' I Mayhoff: Brutvögel des Moritzburger Tcichgobiets. 35 

Vanellus vanellus (L.). — Kiebitz. 
Der nicht eben starke Bestand von 12—15 Brutpaaren hielt 
sich beide Jahre hindurch im Gebiet, wozu in den Herbst- 
monaten sich wieder die großen Scharen rastender Durchziigler 
gesellten. Die Brutvögel bewohnten seit Ende März vollzählig 
die reichlich von Seggen durchsetzten feuchten Wiesen am Süd- 
ufer des Dippelsdorfer (1 — 2) und (1) des Niedern Waldteichs 
— der Obere blieb infolge des regen Badebetriebes verlassen — 
am Südwest- und Ostufer des Groüteichs — hier auch ein über- 
flutetes mit Acorus, Phalaris ariindinacea, Bidens cernuus ver- 
wachsenes Ackerstück — an den Ost- und Westufern des Frauen- 
und Köckritzteichs (je 2) und am Südufer des Mittelteichs (nur 1). 
12., 13., 18. VI. 15 wurde ich von den besorgten Alten am 
Dippelsdorfer und Großteich so hitzig angegrifien, daß das Aus- 
koramen der Jungen, obschon ich sie nicht zu Gesicht kriegen 
konnte, mir außer Frage steht: sie umflogen mich aus solcher 
Nähe, daß das 4,5/18 cm-Zeiß-Objektiv fast 0,7 cm große Flug- 
bilder auf die Platte zeichnete, 1916 hielt im April 1 Paar sich 
fleißig rufend auf den sogenannten Kutzschkewiesen östlich am 
Schloßteich auf, wahrscheinlich das eine der früher am Mittelteich 
wohnhaften, dürfte aber hier kaum eine Brut hochgebracht haben; 
zum letztenmal traf ich es am 21. V. Das eine Dippelsdorfer 
Paar stieß 16. IV,, 11. V. hinter je einer Nebelkrähe her. 1 cT 
am Großteich rief noch 21. V. wiederholt die Balzreihe knuih knui 
knui knuih in sehr vollendeter Form. Den Höhepunkt dessen, 
was Kiebitze an elterlicher Aufregung fähig sind, ei'lebte ich 25. V. 
auf der Westwiese des Frauenteichs: 4 Paare — die beiden vom 
Ostufer schienen mit herüber gekommen zu sein, und eine größere 
Anzahl von Jung vögeln mochte im hiebreifen Grase sich ver- 
borgen halten oder dort drüben vielleicht z. T. dem Heuschnitt 
zum Opfer gefallen sein — umflogen mich auf 4—2 m, so oft ich 
in ihren Bezirk eindrang, unter so heftigem Geschrei und meldeten 
sich auf die Dauer schon meine Annäherung auf fast 100 m durch 
Wiederaufnahme ihres Gejammers, daß es im Verlauf von mehr 
als einer Stunde immer wieder (5 — 6 mal) unmöglich war, an einen 
größeren Trupp rastender Totaniden auf genügende Sichtweite der 
Zeißgläser heranzukommen, weil die an sich gar nicht so sehr 
scheuen Wandergäste stets eher emporgestört wurden. Zog ich 
mich zurück, so drängte das vorderste Kiebitzpaar alsbald eine 
längere Strecke nach, und erst nach langwierigen Umgehungen 
gelang es, mein Ziel, die zweifellose B^'eststellung von Tot. erythropus 
und Pav. 'pugnax zu erreichen, während ich das dazwischen ins 
Auge gefaßte, nun wenigstens einmal Dunen- oder flügge Kiebitze 
aufzufinden, um jenen Wandertrupp nicht gänzlich verstören zu 
lassen, rasch als aussichtslos aufgeben mußte. Daß bereits Junge 

3^ 



■ 

da waren, halte ich für gewiß, da ich an belegten Nestern niemals 
eine derartige Ausdauer, ja wahre Wut der Alten beobachtete: 
die 22 versuchten vielmehr durch behutsames Umgehen, nicht so- 
wohl eigentliches Lahmstellen als scheinbar absichtsloses Umher- 
stehen, gemessene immer wieder zögernde Wechselgänge abzulenken, 
wie dies soeben R. Zimmermann (Orn. Monatsschr, 1916, p. 365) 
graphisch festgehalten hat. Noch 13. VII. folgte mir an der- 
selben Stelle 1 (^ fast 100 m mit gepreßten kiuwit-Rufen, die 
schließlich sogar beinahe in die Balzreihe übergingen; das möchte, 
da 13. VI. hier das eine Paar auch, obschon nicht so besorgt, 
über dem Acker umherflog und am gleichen Julitage auch noch 
auf der Ostwiese des Frauenteichs 1 $ mir durch seine Lauer- 
stellung auffiel, auf 2malige Brut deuten. Die ersten Jungvögel 
sah ich in der ersten Augusthälfte auf der Gauernitzer Elbinsel 
und weiter abwärts am trocken liegenden Eibstrand bis gegenüber 
Scharfenberg: 3. VIII. 1 Junger mit 1 Alten g, 10. VIII. von 27 
bis 30 mehr als die Hälfte Junge, z. T. sicher erst vor kurzem 
üügge: merklich kleiner und mit sehr breiten hellbraunen Feder- 
rändern des Kleingefleders, sonnen sicli, wie die Charadrius-Arien, 
behaglich im Sande auf dem Bauche liegend, baden z. T. plant- 
schend nach Entenart; 13. VIII. von 18 Vögeln mehr als 7 Junge, 
wärmend, mehrfach rufend, 1 badet wieder; 29. VIII. lO-j-15; 
4. IX. 10: unzweifelhaft sind dies alles im Moritzburger Bezirk 
beheimatete Vögel, der um diese Zeit fast kiebitzleer bleibt: nur 
17. VIII. werden mir 11 vom Dippelsdorfer Teich anfliegend ge- 
meldet, wo ich auch im Vorjahre nur einmal 10. VIII. 15 einen 
Trupp von 10 antraf. Erst im September erscheinen die großen 
Schwärme, unter denen wie alljährlich die älteren Jungvögel über- 
wiegen; sie sind, das lehren nunmehr 11jährige Erfahrungen im 
Gebiet, und zwar im besondern Hinblick auf die regelmäßig mit 
ihnen auftretenden Zuggenossen — Totaniden, Tringeu, Charadrien 
— mit aller Deutlichkeit, nördlicher und nordöstlicher,, skandina- 
vischer oder wahrscheinlicher baltischer Herkunft. 1915: 21. IX. 
50 4- 80 an der Elbe, 24. IX. Großteich 270, Mittelteich 30, 30. IX. 
Großteicli 120; von da an geht die Zahl wieder zurück, ich konnte in 
diesem Herbst erstmalig die endgültige Räum ung des Gebiets 
verfolgen 25. X. Mittelteich 40, über den Schloßteich fliegen 25; 
27. X. 15+17 + 22 am Dippelsdorfer Teich, 6. XL ebendort 25, 
am Großteich 35, in der Abenddämmerung rufen Flüge über der 
Wilschdorfer Flur; 14. XL die letzten, 70 etwa, abends auf den 
Wiesen vor Reichenberg (2 km SSO. von Dippelsdorf); mit den 
starken Nordwestwinden, die am 15. den ersten Schnee brachten, 
sind sie davongezogen. 1916: 8. IX. mehr als 120 am Großteich, 
fast alles Jungvögel, schreien fast unausgesetzt, wechseln mehrfach 
zwischen den Uferrändern und der Insel hin und her — ich beob- 



Sonderheft, I M^y^off. ßnitvöj^cl des Moritzburger Teichgcbiete. 37 

aclite 4 Mittagsstunden über am Südufer — balgen sich, wenn 
sie am Wasser entlang einander begegnen, bisweilen neckend, 
laufen mit gesenkter Brust und gehobenen Flügeln auf einander 
los. 15. IX. GrolUeich mehr als 80, 23. IX. Köckritzteich 70, 
Großteich 150, 28. IX. Köckritzteich 200, Mittelteich 2, Groß- 
teich 80, 2. X. Großteich an 400 (!), 5 an den Waldteichen. — 
Die ersten 3 Ankömmlinge des Jahres sah ich 29. II. 16 bei 
Sarkowitz an der Elbe (5 kni südlich von Moritzburg) nordwest- 
wärts fliegen. 

Charadrius duhius curonicus Gm. — Flußregenpfeifer. 

Heimatete nicht wieder im Gebiet: 4 Herbstvögel, 1 Alterund 
3 Junge, die überaus zutraulich am Großteich mich wiederholt auf 
weniger als 7 m heranließen, waren 8. IX. 16 mit einem größeren 
Schub von Durchzugsgästen {Pelid?ra alpma, Erolia ferruginea, Pisobia 
minuta, Charadrius hiaticulaf, Pav. ^ugnax, Actitis hypoleucos) 
angekommen. Dagegen brüteten in beiden Jahren noch 1 — 2 Pärchen 
dieses reizenden Regenpfeifers an der nahen Eibstrecke : 16. VI. 15 
höre ich einen Vogel an der Gauernitzer Insel mehrfach rufen, nach- 
dem ich die Art im Frühjahr vermißt hatte, und sehe 10. VIII. weiter 
unterhalb auf dem mit Ampfer bestandenen Kiesstrand 1 Paar einen 
Jungvogel führen : unter mannigfach abgewandelten Rufen — prip pr 
priw piu . . . piu priw prjep prip prip piu — versuchen beide Alten 
in überaus ergötzlicher Weise durch lauerndes Hin- und Herlaufen, 
lugende Verdrehungen des Vorderkörpers, dazwischen wieder schein- 
bar ruhige Nahrungsaufnahme immer wieder über eine Strecke 
von dem Sprößling abzulenken, der seinerseits schon recht gut 
selbständig sich zu decken und auf viel größere Entfernung (7 bis 
10 m) abzufliegen weiß, während die Alten selbst auf 5 — 4 m sich 
nicht hochzugehen entschließen. Das gleiche Vertrauen auf ihre 
Schutzfärbung zeigen 1 Paar am 15. IV. 16 und 1 wahrscheinlich 
einem zweiten Paar angehöriger Vogel am 1.. V. 16 auf jener 
Kiesstrandstrecke, wo sie, obgleich ich sie in der Folge nur noch 
am 18. V. zu bestätigen vermochte, dem Wasserstande nach recht 
gut eine Brut wagen konnten. Der Besiedelung der Moritzburger 
Brutplätze (s. R. Scheicher in unserer gemeinsamen Veröffentlichung 
1915) war offenbar die starke Entwicklung der Seggenvegetation 
in den beiden Berichtsjahren nicht günstig. 

Totanus t. totanus (L.). — Rotschenkel. 

Im ganzen 5 — 6 Paare bewohnten die Cariceta am Dippels- 
dorfer, Mittel-, Groß- und Frauenteich. 1915 sah ich den ersten 
an der Elbe bei Loschwitz, wo er auf dem bereiften Damm mit 
hellem Flöten den Ostermorgen einrief, am 5. IV.; 11. IV. zeigte 
sich 1 rufendes Paar am Dippelsdorfer Teich, das auch 12. VI. 



38 Mayhöff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. fVerh. Orn. 

[_ Ges. Bay. 

(Juni) noch anzutreffen war; ein zweites, wahrscheinlich das sonst 
am Mittelteich regelmäßig anzutreffende, rief über den Kutzschke- 
wiesen. 10. VIII., an einem für unsere Art ungewöhnlich späten 
Datum, flogen 2 über der Mittelteichwiese so heftig rufend hin 
und her, daß sie, da vom Totanidendurchzug auch sonst in diesem 
Sommer noch nichts vor Septemberanfang zu bemerken war, mit 
Entschiedenheit als Brutvögel angesprochen werden konnten und 
also wohl mindestens 2 Brüten im Gebiet hochgekommen sein 
werden. 1916 fand sich der Bestand zahlreicher ein: das Dippels- 
dorfer Paar konnte Prof. Dr. B. Hoffmann am 26. III., ich am 
30. III. und 21. V. feststellen, je 1 Paar am Ost- und Westufer 
des Frauenteichs am 8., 16., 19. IV., am Mittelteich 25. V,, am Ost- 
ufer des Großteichs 25. V. und 31. V. — an den letzten beiden 
Tagen rufen die cfcT noch prächtige Balzreihen. 13. VI. gingen 
am Frauenteich wiederholt 5 hoch, von denen das eine Stück, 
das sich erst etwas später zu den übrigen fand, obschon im Ge- 
fieder und in der Körpergröße kein Unterschied zu bemerken war, 
mir den Eindruck eines Jungvogels in seinem etwas zögernden 
Fluge machte, wie auch das Zusammenhalten aller 5 durchaus 
familienartig war. Soweit sich aus den erregten gipgipgip-Reihen 
zur Brutzeit und dem frühzeitigen Verlassen des Nistgebietes ent- 
nehmen läßt, dürften die Eotschenkel gegen Störungen ihres Wohn- 
bezirks zu den allerempfindlichsten Arten zählen: in den Jahren 
1906—16 hatten sie fast stets ihn mit dem Grasschnitt verlassen 
und wat en auch, ungleich den Kiebitzen und Lachmöwen, im Hoch- 
und Spätsommer nur äußerst selten einmal zu sehen: einzig 
28. VIII. 14 und 4. VII. 16 begegneten mir an der Elbe 1 und 
das andere Mal 2 Vögel zusammen mit nordischen Durchzüglern 
(Limosen und Gattungsgenossen). Um so erfreulicher bleibt, daß 
der Bestand seit nun fast 30 Jahren (Meyer und Wiglesworth) 
sich erhalten hat. 

Oallinago y. gallinago (L.). — Bekassine. 

Bekassinen fanden sich in beiden Jahren nicht so regelmäßig auf 
ihren Balzplätzen ein wie in den früheren, vielleicht daß ich diese 
nicht zur geeigneten Witterungslage besuchte, in feuchter Nach- 
mittagsschwüle, um dem Meckern lauschen und zusehen zu können. 
Bei kühler, windiger Luft meckerte 16. IV. 16 nachmittags 1 cT vor 
R. Heyder und mir etwa 6— 8mal, nachdem es mit gemessenem pedjep 
pedjep ..." ticküp . . . aufgegangen war, am Südufer des Frauenteichs; 
6, die sich dort 19. IV. vor A.Kümmler und mir zeigten, begnügten sich 
wie 1 — 2 am selben Tag auf den Kutzschkewiesen und 1 am 11. V. 
am Mittelteich mit gemessenem einsilbigem Ticken. 21. V. gingen 
morgens 9 Uhr mit 1-silbigem Ticken 1 Paar am Frauenteich aus 
dem fast untergetauchten Gewirr von Potamogeto% Wasserrosmarin 



I May hoff: Brutvögel dos Moritzburger Toichgebiets. 39 

iiud Seggen dicht vor meinen Füßen ohne die gewohnten Zickzack- 
schwenkuiigen hoch, in i-uhigem geliemmtem, fast geradem und 
niederem Fluge; ein Nest konnte gleichwohl an jener Stelle noch 
kaum stehen. IB. VI. meckert das <S im trüben Nachmittags- 
sonnenschein noch etwa 6 mal. 3. VIII. fällt 1 an derselben Stelle 
hochgehende durch die sehr frisch leuchtenden Farben ihres Ge- 
fieders auf, die erste, die ich mit ziemlicher Sicherheit als im 
Gebiet erbrüteten Jungvogel anzusprechen wage. Ganz prächtig 
balzte in sehr langen und dauernden Kreisflügen mit lautem 
Meckern 1 cT 12. VI, 15 frühuachmittags am Dippelsdorfer Teich : 
mit dem eben genannten 13. VI. 16 und 31. VI. 16, wo A. Kümm- 
1er von einem am Freitelsdorfer Vierteich (rund 10 km nördlich 
unseres Gebiets) tickenden noch eine einzige Meckertour verhören 
konnte, die spätesten Balztage. Als im September 1916 Groß- 
und Köckritzteich sehr trocken lagen, gelang es wiederholt von 
der Innenseite des Rohrgürtels her die im Schlamm stochernden 
zu überraschen, 8. IX. 4, 15. IX. 5, 28. IX. 6 zusammen; die 
molligen Gestalten entfalten beim raschen Zurücktrippeln mit ihren 
feinen langen Schnäbeln pendelnd eine anmutige Zierlichkeit, die 
sich selbst neben den Totaniden behauptet und die man dem so 
raketenartig losbrechenden und vertrackt fliegenden Vogel gar 
nicht zutrauen möchte, sind auch trotz vorsichtigster Annäherung 
wesentlich scheuer als jene Nordländer, suchen sich beim ersten 
Anblick im Schilf zu bergen und platzen dann auch nach wenigen 
Augenblicken doch noch hoch: ihrer geringen Zahl nach offenbar 
alle Brutvögel des Gebiets. Überwinternde Stücke waren auch 
diesmal nicht zu verzeichnen: (14. XI. 15) 2 am Dippelsdorfer 
Teich bleiben die letzten hier beobachteten. 

Balkis a. aquoMcus L. — Wasserralle. 

21. V. 16 waren morgens 1 — 2 Vögel in dem eben geschilderten 
Vermoorungsfeld am Frauenteich zu hören: sowohl die hellen 
Quick- wie die tiefen Baßtöne, keine 30 m von der Stelle, wo 
R. Scheicher und ich die Art April 1912 feststellten; heranzukommen 
war diesmal nicht, eine Verwechslung — für die ja nur Pod. nigri- 
collis in Frage käme — aber durch die eigenartige Härte der 
•Töne ausgeschlossen. 

Oallinula c. chloroinis (L.). — Grünf. Teichhuhn. 

Das Auftreten war entschieden häufiger oder doch augen- 
fälliger als in früheren Jahren: entscheidend war dafür das merk- 
liche Übergewicht, das die Nymphaeen in der Oberflächendecke ge- 
wonnen hatten; wenigstens zeigten sich die Vögel mit großer Regel- 
mäßigkeit und zumal die Jungen meist fast ganz ohne Scheu auf den 



40 Mayhoff: Briitvögel des Moritzburger Teichgebiets. Verh. Orn. 

L Ges. Bay. 

von Nymphaea alba und Nupkm^ luteum besetzten Teichstellen, wenn- 
gleich die Art noch nicht in dem Maße geradezu zum vertrauten Haus- 
vogel geworden ist, wie ich dies vor Jahren auf kleinen Teichen Ost- 
thüringens kenneu lernte. Mindestens 7 Paare bewohnten je eine Ecke 
des Köckritz-, Frauen-, westlichen Groß-, westlichen und östlichen 
Schloß-, Dippelsdoi'fer und Schwanenteichs seit Ende März (1916: 
30. — bis Anfang April: 11. /15.). Die erste Spur des Brütens finde ich 
11. V. 16 in Gestalt einer von Krähen (?) ausgesoffenen Eischaleu- 
hälfte auf einem Hypotrichiw2-Bi\\ten verschleppt am Nordufer des 
Dippelsdorfer Teichs. 31. V. Die ersten 3 kleinen kohlschwarzen 
rotgeschnäbelten Dunenjungen auf dem. westlichen Großteich, vom 
5 mit mächtigem Gepolter inmitten eines sehr dichten, aus knapp 
30 cm Tiefe aufgesproßten Carex-Rasens fast mit Augeublicks- 
schnelle geborgen; 13. VI. 3 ebensolche auf dem Schloßteich, laufen 
geschickt auf den schwimmenden Wasserrosenblättern entlang, 
ziehen diese Art der Flucht dem Schwimmen vor. 4. VII. an 
derselben Stelle, auf dem Westbecken neben dem Damm, 1 von 
derselben Brut, jetzt im schwarzbraunen Halbdunenkleide mit be- 
reits grüngelbem Vorderschnabel, bewegt sich schwimmend sehr 
viel ungeschickter als die etwas älteren jungen Blässen neben ihm, 
dafür um so hurtiger, als es Wasserrosenblätter erreicht hat: 
springt auf ihnen eine 3 — 4 m lange Strecke in wenigen Sek. in 
schützendes Acorusdickicht. Die Alte begleitet aus etwa 10 m 
Entfernung diese Flucht schwanzschlagend mit lautem kekeck . . . 
10. VIII. werden 4 Halbwüchsige von der Alten geleitet. Von 
einer zweiten Brut auf dem Ostbecken piepen 23. VI. die Jungen 
im Dickicht gedeckt, während 1 alter Vogel mehrere Ty2)ha-B\ätter 
umfassend hochgeklettert ist und p^it heftigem ter ter ter warnt 
(ebenso wie ich es von einem am 25. V. nachmittags am Frauen- 
teich in geradezu explosiver Weise hörte). ■ 1 der Jungen kommt 
schließlich auch zu Gesicht, noch im ersten Stadium, mit roter 
Stirn und roten Schnabelwinkeln. 3. VIII. kann 1 Halbwüchsiges 
von dieser Brut neben einer jungen Blässe schwimmend wohl etwa 
3 m weit, aber nicht länger Schritt halten: 10. VIII. schwimmen 
5 zusammen, im braunen Übergangskleid, nach Art der x\lten 
fleißig schwanzschlagend. Eine dritte Brut auf dem Schwanenteich 
zählte nach Prof. Dr. Hoffmann 23. VI. 6 — 7 kleine Dunenjunge 
ersten (bis zweiten?) Stadiums; 4. VII. steigen 2 Halbwüchsige 
auf der Wasserrosendecke dicht am Ufer ohne Scheu umher; 
17. VIII. sind noch 2 Alte, 3 Junge beisammen. Mauserspuren 
in den Steuerfedern zeigte 1 Alter auf dem Dippelsdorfer Teich 
bereits 27. VII. — Die letzten verlassen Ende Oktober das Gebiet 
1 sah ich auf dem Schloßteich noch 25. X. 15. 



k.oueiic ,1 Maylioff: IJrutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 41 

Fulica a. atra L. — PläBhuhn. 

Del" Bestaud dieser im ^'<m7.%\\ Teicligebiet häufigsten Art erhält 
sich trotz der mäßigen Vermehrungszitt'er von 3, höchstens 4, oft nur 
2 Jungen für das Paar mit großer Konstanz jahraus jahrein auf 
70—80 Paaren, offenbar weil sie keiner mehr als gelegentlichen Ver- 
folgung ausgesetzt ist, und es ist den ganzen Sommer hindurch immer 
wieder reizvoll, der elterlichen Fürsorge der schwarzen Vögel zuzu- 
sehen, die sie selbst schon ziemlich herangewachsenen Jungen gegen- 
über betätigen. Wenn die Blässen für den vorübergehenden Beob- 
achter mit ihren einsilbigen Rufen wunderliche, aber ziemlich lang- 
weilige, phlegmatische Geschöpfe bleiben mögen, bei näherer Be- 
kanntschaft erscheinen sie als entschiedene Choleriker. Im April setzt 
es heftige, stundenlang sich hinziehende Paarungskämpfezwischen 
den cf cf oder auch der Gatten untereinander, und noch spät im Juni 
kann man sie aufeinander geraten sehen : sie hacken von oben herab, 
indem sie einander mit ihren Köpfen zu überhöhen versuchen; so 
sah ich 3., 9., 13. VI. auf dem Schloß-, Alten-, Niederauer Neuteich 
je 2, 3 zusammen hadern, obschon die Paarungszeit vorüber sein 
mochte: zweite Brüten scheinen sich nach meinem Datenmaterial 
nicht durchweg als Regel zu ergeben. Das Nebeneinander von 
älteren und jüngeren Jungen findet offenbar darin seine Erklärung, 
daß einzelne Gelege durch den Mangel an Lebensraum, durch 
Eierranb (wohl auch seitens benachbarter Brntpaare, wie dies von 
mancher Seite angegeben wird) zugrunde gehen. Bezeichnend ist, 
daß die spätesten Dunenjungen im Jahre gerade auf den beiden 
Teichen zu finden waren, die des öffentlichen Badens wegen von 
Fremden, besonders Städtern vielbesucht sind, dem Niedern Wald- 
und Dippelsdorfer Teich. Bevorzugt werden von den Blässen die 
bewachsenen Teichflächen, wennschon nicht ganz in so ausge- 
sprochener Weise wie seitens der Teichhühnclien; die Hauptent- 
wicklung der Brüten fiel mit der Blütezeit von Polygonum am- 
phibiwn zusammen, ohne daß jedoch nähere Beziehungen zu dieser 
Pflanzenart nachzuweisen waren ^). 10. V. findet Dr. Bässler am 
Niedern Waldteich 1 unbebrütetes Ei, 21. V. ich ebendort im 
Scirpus ein fertiges doch unbelegtes Nest, 25. V. am Mittelteich 
im Caricetum 1 leere, von Krähen (?) verschleppte Eischale. 21. V. 
bereits die 2 ersten winzigen Dunenjungen, noch ganz rotköpfig, 
auf dem Schwanenteich, 25. V. auf dem Ostbecken des Schloßteichs 
1 Paar mit 3 etwas größeren Jungen, im Übergang vom rot- zum 
braunköpfigen Stadium; der eine Alte taucht wiederholt und legt 
den Jungen vor; 31. V. tauchen auf dem Schwanen- und östlichen 
Schloßteich je 1 Paar vor 4 solchen; auf letzterem auch die ersten 



^) Auch den kleinsten, vom Wald umschlossenen Teichen mit dürftiger 
Binsenumsäumung fehlen sie fast niemals. 



42 Mayhoff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 1 ^ ' ^°" 

[_ Ges. Bay. 

(2) größeren Jungen, im Übergang zum weißhalsigen Stadium zu 
sehen. 3. VI. auf ersterem 2, auf letzterem 3 Paare mit Rot- bis 
Braunköpfeu, 9. VI. 5 Familien: 3-|-4 Braunköpfe im Übergang 
zum dritten Stadium (weiße Federspitzen im Vordergesiclit), 3-|-2 
kleinere, 3 größere Weißhälse auf dem östlichen Schloßteich, 
13. VI. dieselben : Alte tauchen sämtlich noch fleißig vor, beträcht- 
liche Ballen schwärzlicher Pflanzenstoffe heraufholend: meist 5, 
oft nur 2, S, nie länger als 7 Sek. (bedeutendere Tauch dauern bis 
11, 13 Sek., wie sie Jacobi v. Wangelin im neuen Naumann von 
Blässen verzeichnet, habe ich auch in späterer Jahreszeit nie von 
den Moritzburger Blässen feststellen können); 23. VI. 1 Paar mit 
2 sehr kleinen (knapp rallengroßen) Weißhälsen, 1 Paar mit 3 
und 1 einzelner Alter mit 5 größeren Weißhälsen, deren einer 
bereits an 5 Sek. taucht; außerdem 5 -|- 3 größere Weißhälse allein, 
alle Jungen häufig heiser quiekend; 4. VII. auf dem Dippelsdorfer 
Teich 1 Paar mit 2, 1 Paar mit 3 braun gesichtigen kaum eben 
weißspitzigen Jungen, 1 Altvogel mit 2 sehr ungleich großen, 
1 kaum eben umgefärbten und 1 fast selbständigen, Weißhälsen; 
auf dem Schloß- und Schwanenteich lauter Weißhälse, 2 kleinere 
noch geführt, 3 -]- 10 -[- 3 selbständig. Seitdem treiben sich auf 
allen Teichen selbständige Weißhälse umher, deren Zahl bis Ende 
August selten ein Drittel der Alten erreicht oder übersteigt: 
einige Verhältniszahlen vom Schloß- und Schwanenteich, wo sie 
sich am besten überblicken ließen: 

Schloßteich 20. VII. 27. VII. 3. VIIL 10. VIII. 

Ostbecljen 32ad.l7iuv. 38ad. 26iuv. > 95ad. <30iuv. > 30ad. ca.lOiuv. 

Westbeckeu — 6 „ 2 „ 12 „ liuv. 

Schwanen- Dippelsdorfer Teich 

teich 3 ad. 6iuv. 2 „ 5 „ — > 70ad. (1)< 20iuv. 

3. VIII. Mittelteich 7 ad. 3 luv. Frauenteich > 35 ad. < 20 
iuv. Großteich (Osthälfte) 6 add. 2 iuvv. — 3. VIII. sind die 
Stirnplatten der Jungvögel nach oben ausgewachsen und bereits 
recht augenfällig geworden, 24. VIII. sind sie nur noch an diesen 
kenntlich, haben das weißliche Vorderhalsgefieder vermausert. 
Einzig 10. VIII. sind auf dem Dippelsdorfer noch 1 und 7. IX. 
auf dem Niedern Waldteich 3 Weißhälse mittlerer Größe und 2 
noch ganz kleine zu sehen; die letzten noch von den Alten ge- 
führt. — Das heisere „kchrie kchrie..." der Jungblässen variiert 
in Stimnistärke und Tonhöhe recht beträchtlich je nach dem Alter, 
läßt danach, wenn das Ohr erst seiner gewohnt ist, recht sichere 
Schlüsse zu und sich leicht von den ähnlichen Quiektönen der 
Taucherjungen an der Härte des Klanges unterscheiden. Den alten 
Blässen scheint unter ihren verschiedenartigen Lauten die meiste 
Mühe das scharfe „pixs" zu kosten: wenigstens fiel mir das ge- 
radezu scherenartige Klaffen der Schnabelöffnung auf, an dem 



Sonderheft, 1 ^ayboff: Brutvögel des Moritzburgcr Teichgebiets. 43 

weniger ein Heben des Oberschnabels als krampfartiges Abspringen 
des Unterkiefers beteiligt schien. Leider stehen mir gegenwärtig 
keine frischen Exemplare zur Verfügung, nachzuprüfen, wieweit 
die Stirnplatte den Exkursionen des Überkiefers Widerstand ent- 
gegensetzt: es möchte jener Eindruck allenfalls eine Täuschung 
gewesen und der Oberkiefer in gleicher Weise wie bei andern 
Vogelarten beweglich sein. Über die Funktion dieser interessanten 
C orium sc hAviele kann übrigensinsofernwolilkein Zweifel bestehen, 
als sie in erster Linie auf die Art der Nahrungsaufnahme zurück- 
zuführeu ist: die Blässen tauchen offenbar in fast senkrechter 
Richtung vielleicht bis zur leichten Überschlagung nur eben auf 
den Grund hinab, um kopfstehend mit dem Oberschnabel die dort 
lagernden Senkstoffe loszureißen; bei der notwendigen Heftigkeit 
dieser Bewegung stößt die Stirn auf den Boden auf und schleift 
auf ihm entlang: hat daher die Schwiele ausgebildet, deren Auf- 
gabe sein dürfte das Schädeldach vor stärkeren Erschütterungen 
zu bewahren so wie sie dem Vogel das Putzen der Stirnbefiederung 
erspart. (Die in tieferem Wasser schräg tauchenden Podicipedes, 
Mergi, Nyrocinae bedürfen solcher Reinigung nicht oder entledigen 
sich des anhaftenden Wassers durch Kopfschütteln, soweit nicht 
schon die im Vergleich zu den Rallen ungleich ergiebigere Ein- 
fettung des Gefieders aus der Bürzeldrüse hierfür sorgt.) In 
zweiter Linie hat dann dies in klarster Weise phylogenetisch durch 
Abnutzung entstandene Organ eine bionomische Bedeutung als 
Farbensignal gewonnen. Im Herbst sah ich hin und wieder die 
Blässen Fischaas verzehren, so zweimal an jenem oben erwähnten 
25. X. 15 bei der Ausfischung des Dippelsdorfer Teichs zwischen 
den Zwergtauchern — 1915 war der Abzug klar zu verfolgen: 
27. X. noch 12 -j- 8 -f- 4 + 6 + 25 (= 70) Vögel auf den verschie- 
denen Teichen, 6. XI. 35 auf Frauen-, Mittel- und Niederem Wald- 
teich, 14. XL ca. 16, 23. XL bei — 6» C. die letzten 5 auf dem 
Niedern Waldteich. 11 Vögel, die dann noch einmal 25. XIT. auf 
der Elbe bei Kötitz sich nach plötzlichem Tauwetter (-{- 5**) ein- 
stellten, waren sicherlich Zuzügler. 

Ärdea c. cinerea L. — Fischreiher. 

Durchzügler waren in beiden Jahren und im letzten auch Jung- 
vögel zur Brutzeit, offenbar Lausitzer Herkunft, so zahlreich, daß 
eine Wiederbesiedlung des Gebiets bei fortgesetzter weiterer 
Schonung nicht aussichtslos erscheint. Zum erstenmal ließen sich 
auch einzelne Stücke 28. IV. 15, 15. IX. 16 auf der Eibstrecke 
blicken. 10. Vin. 15 am Köckritzteich die ersten 2 Jungvögel des 
Sommers. 14. IX. 2 am Großteich, noch 6. XI. 5 am Mittelteich. 
1916: I.V. 1 Reiher am Mittelteich, 21. V. fliegt 1 über Frauen- 
und Großteich, 25. V. am Mittelteich. 9. VI. 2 am Niedern Altenteich, 



44 Mayhoff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 1 r> ^" 

23. VI. 4 am Niederauer Altenteich, je 1 am Groß- und Mittelteicli. 
30. VI. sehe ich mit A. Kümmler zwischen Kadeburg und Nieder- 
rödern südwärts fliegen. 8. IX. 1 bis über die Fersengelenke im 
Großteich, watet mit raschen Schritten entlang, stößt während des 
Gehens plötzlich zu, hat einen mäßig großen (ca. 25 cnr langen) 
Karpfen gefaßt; 15. IX. am Frauenteich 3, bis an den Bauch im 
Wasser, am Mittelteich 1, 23. IX. am letztern 9, am 28. IX. 5, 
11. X. 4 beisammen. Auf den Kiefern nördlichen Tiergartens bäum- 
ten Vögel gern auf; auch auf einem Stangengeländer sah ich einen 
längere Zeit sitzen. * 

Ciconia c. ciconia (L.). — Weißer Storch. 

Das Bärwalder Paar hatte am 13. IV. 15 mindestens 1 ziemlich 
großes Junges im Nest, das ich neben dem stehenden einen Alten 
wiederholt sich aufrichten sah. 1916 scheint leider keine Brut groß 
geworden zu sein, 8. IV. und 25. V. sah ich am Frauenteich, wo 
er auf der Tiergartenmauer Posto gefaßt hatte, noch nach dem 
Dorfe abfliegen, fand jedoch dort im Juni beide Niststätten, sowohl 
die auf der Pappel am Dorfeingang errichtete wie die auf der alten 
Hotpappel, leer. 

Äccipiter n. nisus (L.). — Sperber. 

Mindestens 1 Paar hat wahrscheinlich gebrütet. 16. IV. 16 
sahen R. Heyder und ich bei den sog. „Dardanellen" am Großteich 

1 sehr kleines cf und gleich darauf 1 $ fliegen; das letztere stieß 
kaum 4 m vor unsern Augen nacli einer Blaumeise cT, der es aber 
trotz den geradezu beängstigend kühnen Schwenkungen ihres Ver- 
folgers gerade noch gelang in dichteres Dorngebüsch zu ent- 
wischen, wo sie dann nach einem kurzen Angstgezeter im Früh- 
lingstriller „erleichtert aufseufzte". 21. V. und 4. VII. wird 
zwischen den Linden der Hauptallee im Ort 1 Sperber von etwa 
20 Rauchschwalben ausdauernd gejagt; wiederholt berühren ein- 
zelne seinen Rücken, lassen jedoch augenblicklich nach, sobald er 
drohend herumfährt. 16. IX. stößt 1 g beim Niedern Waldteich 
vergeblich hinter einer Rauchschwalbe her. Mehrere Paare be- 
wohnten die Kiefernheiden im Norden und Süden des eigentlichen 
Teichgebiets, von wo sie sehr regelmäßig über die Äcker und 
Wiesen hinstreiften 3 Horste fand ich auf knapp schenkelstarken 
Kiefern in 6—10 m Höhe in der Krone eingebaut. In der Nähe des 
einen rief 10. VIII. 16 ein Paar noch lebhaft unreine kikiki- 
Reihen: d" bäumt wiederholt in der Nähe auf. 3. VIII. sitzen 

2 auf freiem Felde zwischen Groß- und Frauenteicli auf schmäch- 
tigem Lindenbäumchen; der eine ruft anhaltend die rauhen Nest- 
rufe wruie wrie wrie wrie, vielleicht 1 Junger; beim Abflug kann 
ich den einen Vogel als sicheres $ am stark gebänderten rötlich- 



Sonderheft 
1920 



' I Mayhoff : Brutvögel des' Moritzburger Teichgebiets. 45 



braunen Schwänze erkennen. 9. VI. und IB. VIT. fliegt 1 cf mit 
starker Armschwingenmuuser am Dippelsdorfer und am Niedern 
Altenteich. 

Buteo b. huteo (L.). — Mäusebus.«ard. 

Abgesehen von Durchzüglern, die nanientlicli Oktober-November 
19.15 sich blicken ließen, konnte ich das Brutpaar im westlichen 
Tiergarten bestätigen: 27. VII. 16 gingen im hochstämmigen, 
dichten Fichtenbestand des ehemaligen Mosenbruchs 2 Bussarde 
polternd vor mir vom moorigen Boden hoch, deren einer seinen 
unausgesetzten dem Nestjammern des Turmfalken ähnlichen Rufen 
und ungeschicktem Fluge nach ein Jungvogel war. 3. VIII. flog 
1 südlich vom Frauenteich über dem Tiergarten entlang. 4 Be- 
obachtungen im April, Mai lassen nicht mit Sicherheit darauf 
schließen, daß mehr als 1 Paar im Gebiet heimatete. 

Lyruras telrix juni'perorum (Brehm). — Birkhuhn. 

25. X. 15 sah ich bei dichtem Nebel 5 cTcT 3 gg zusammen 
aus großer Nähe mittags auf einem Saatacker Reichenberger Flur 
äsen. Nach 28. V. 16 kollerte 1 cT nach starkem Gewitter am 
Spätnachjnittage ziemlich lebhaft südwestlich des Dippeldorfer 
Teichs. 

Ferdix p. perdix (L.). — Rephuhn. 

Ein Eischalenrest 21. V. 16 beim Dippelsdorfer Teich; dem 
ersten Volk begegne ich 24. VI. 

öoturnix c. coturnix (L.). — Wachtel. 

13. VI. 15 auf Bärwalder Flur 2—3 cTcT nebeneinander, 
25. V. 16 auf Volkersdorfer Flur in Roggenfeldern 1 nicht be- 
sonders lebhaft aber unverk'ennbar rufendes cf, also wenigstens an 
den Grenzen des Gebiets noch vereinzelt vorkommend. 

Golumha p. palumhus L. — Ringeltaube. 

2. V. 15 sehen Scheicher und ich 1 vom Nest abstreichen, 
von einer Linde hinter der Oberförsterei. Die letz ten Ru'freihen 
höre ich 1916 am 27 VII. Die ersten Flüge von 15—20 Stück 
zusammengeschart am 3. VIII., aber noch 24. VIII. treiben sich 
am Dippelsdorfer Teich einzelne Paare umher. Der letzte größere 
Schwärm von mehr als 50 auf den Bärnsdorfer Wiesen am 11. X. 

Columba o. oenas L. — Hohltaube. 

Das langgezogene Heulrucksen war den ganzen Mai und Juni 
hindurch in den höhlenreichen Teilen des Tiergartens sehr rege 
zu hören ; wennschon nicht ganz zweifellos, doch wahrscheinlicher- 



46 Mayhoff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. TVerh. Orn. 

|_ Ges. Bay. 

weise vom Nistloch sali ich 27. VII. 1 Hohltaube aus einer der 
Kastanien am Schloßteich abfliegen. 

Streptopelia t. turtur (L.). — Turteltaube. 

In der Kiefernheide rings um den und im Tiergarten, hier 
namentlich in hochstämmigen Laubgehölzen wie an den Hirschgärten, 
hörte ich die Tauber fleißig gurren; zum erstenmal 1916 am 21. V. 
— doch waren sie sicher schon einige Tage früher angekommen — 
zum letztenmal am 20. VII. Mehr als 8 — 10 Brutpaare dürfte 
der Bestand des Tiergartens im Ganzen kaum überschritten haben. 
Zu sehen war diese zierlichste und scheueste unserer Wildtauben 
nur selten einmal, fast nur im Auffluge von der Tränke (6 Beob- 
achtungen). 

Garine n. noetua (Scop.). — Steinkauz. 

2, vielleicht 3 Pärchen in den Bärnsdorfer Obstgärten und an 
der Volkersdorf-Wilschdorfer Landstraße in den Feldgehölzen er- 
freuten das ganze Jahr hindurch durch ihre fleißigen Rufreihen 
mein Ohr, wenn ich in der Spätdämmerung aus dem Beobachtungs- 
gebiet heimkehrte. 

Upupa e. epops L. — Wiedehopf. 

Der in früheren Jahren vom Dresdener Ornitholog, Verein 
wiederholt zur Brutzeit in der Röderniederung nördlich des Ge- 
biets angetroffene Vogel wurde gegen Mitte April 1916 dort ein- 
mal noch von Prof. Dr. B. Hoffmann verhört. 15. IX. 16 sah ich 
1 Exemplar auf den sandigen, z. T. mit Seradella bestellten B'eldern 
westlich von Bärwalde, wo es mehrmals vor mir hochging und 
dann sich längere Zeit am Boden sonnte — höchstwahrscheinlich 
schon ein Durchzügler. 

Alcedo atthis ispida L. — Eisvogel. 

Von A. Kümmler ward mir als eine auch mir sehr glaub- 
hafte Vermutung das Brüten des Eisvogels an der Promnitz, dem 
nördlichen Abflüsse des Gebiets, ausgesprochen; jedenfalls gehört 
er nach eigener Wahrnehmung dem Röderlauf als Brutvogel au 
und war den Herbst und Winter 1915/16 in mehreren Stücken 
bezw. Paaren einer der regelmäßigsten Gäste an geschützten, offen- 
bleibenden Stellen der Teiche: gelegentlich 11 Beobachtungen 
konnte ich 6 Gewölle sammeln. Jene Vermutung erfährt dadurch 
eine wesentliche Unterstützung, daß ich 9. IV. und 13. VI. 15 am 
Berbisdorfer Teich, dem nördlichsten des Bezirks, je 1 Exemplar 
abstreichen sah: wenn auch nach meinen Erfahrungen im Elb- 
wie iDi Lahngebiet Eisvögel bereits von Anfang August an recht 
weite Strecken abstreifen und in weit geringerem Maße als Spechte 



I Mayhoff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 47 

and Meisen Standvögel sind, konnten sicli diese so früh doch 
kaum mehr als kilometerweit vom Brutplatze verflogen haben. 

Cuculus c. canorus L. — Kuckuck. 

20. IV. 16 ließ der erste sich im Tiergarten hören. 28. V. 
fand R. Zimmermann (laut brieflicher Mitteilung) am Großteich 
1 Ei in einem 3-er Gelage der Gartengrasmücke. 25. V. und 
30. V. hatte ich in der Nachbarschaft jener Stelle in den Jung- 
hägen des Tiergartens 2 Kuckucks-55 wiederholt ihre Kiclierruf- 
reiben mischen hören. 1 völlig flüggen Jungvogel traf ich 20. VIII. 
am Rande des mit Eichen, Buchen, .Erlen durchsetzten Kiefern- 
waldes bei Wilschdorf (etwa 3 km südlich von den Waldteichen): 
er trieb sich, unausgesetzt zrii zrii bettelnd, in 3 — 6 m Höhe 
umher und ließ sich von seinem Pflegeelternpaar, ebenfalls Garten- 
grasmücken, im Verlauf von etwa 20 Min. 5 mal füttern — 3 mal 
konnte ich die Artzugehürigkeit des atzenden Eltern vogels durchs 
6X-Zeißglas einwandfrei feststellen: die Bemerkung in unserer 
gemeinsamen Veröffentlichung — Orn Monatsschr. 1915, p. 364 — 
daß um Dresden fast ausschließlich Lanius coUurio als ßrutpfleger 
des Kuckucks in Betracht komme, beruhte auf E. Stresemann's und 
R. Schelcher's Erfahrungen; doch wurde auch heuer ein durch 
Photogramme belegter Fall dieser Art mir bekannt. Der Plug 
des Jungvogels erinnerte, obwohl er noch etwas unbeholfen, kurz 
und zögernd war, bereits ganz auffallend an den Sperber, so daß 
ich im ersten Augenblick einen solchen vor mir glaubte. Alte cTcf 
sah ich wiederholt aus der Nähe mit weit aufgerissenem Schnabel 
während des E'luges rufen. 

Dryocopus m. martius (L.). — Schwarzspecht. 

Die mindestens 3 Paare hielten sich in ihren Nistbezirken 
und konnten dort in beiden Jahren immer wieder bestätigt werden. 
Im benachbarten Friedewald und der Dresdener Heide hausen wohl 
auch je 3 und 4 Paare, trotzdem kann von einem kolouieartigen 
Vorkommen, wie es Inder „Gef.Welt" einmal von einem Einsender 
für das Forstrevier Kregern angegeben wurde, nicht eigentlich die 
Rede sein : der Beobachter möchte sich dort durch die weit- 
schallenden Rufe der gern und weit über größere Strecken streichen- 
den Vögel — keinem andern Specht begegnet man bei uns so 
häufig in der Luft wie dem Schwarzspecht — haben irreführen 
lassen. 11. IV. 15 hörten Prof. Dr. B. Hoffraann und ich aus größter 
Nähe im Kiefern bestand östlich des Mittelteichs ihre hüipp hüipp- 
Reihen gegen einander rufen und sahen 1 cf in Richtung auf den 
Standort des anderen zustreichen. 11. V. 16 konnte ich am Westufer 
des Mittelteichs einer fast viertelstündigen Neckerei 2 er cTcf zu- 
sehen: mit heller küicküicküick-Reihe setzt das eine ein, streicht in 



Ar Mayhoff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. | 

|_ Ges. Bay. 

sdiwirrendem Fluge vor mir über die Schneise und fußt an einer 
mittelstarken Kiefer, als mit den bekannten dohlenartigen kjäck- 
kjäck kjau-Rufen ein Paar neben ihm an zwei Nachbarbäumen 
aufhakt. Im Nu fliegen beide cfcT hinter dem g her, das aus- 
weicht, während beide cTcT einander am Stamm desselben Raumes 
gegenüber geraten, in kaum Meterhöhe über dem Boden einander 
gegenübersitzen, den Hals verdrehend, mit den Flügeln fächelnd, 
ein paar Sprünge auf- und seitwärts rutschend, ohne doch sich mit 
blitzschnell zuckenden Schnäbeln zu erreicheD. Das Spiel wieder- 
holt sich in überaus belustigender Weise, so oft ich die küicküick- 
Reihe pfeife: da beide Rivalen einander nicht sehen, indem sie 
herumrutschend immer wieder den Stamm zwischen sich bringen, 
schnappen sie bei jedem neuen Anruf ein. Gehts an einen Nach- 
barbaum hinüber, werden immer zunächst die Flügel zitternd ge- 
breitet, ehe das Zunicken beginnt. Die prachtvollen roten Scheitel- 
platten und weißgelben Augensterne, leuchten in der Morgensonne, 
indes ich mit dem Glase kaum 20 m davon sitze und die Szene 
skizzieren kann, treiben sie sich nur äußerst allmählich von Stamm 
zu Stamm. Das g bleibt ruhig abseits in 5 — 6 m Höhe sitzeD. 
15. IV. 16 machte mich R. Heyder mit seinem durch langjährige 
Übung geschärften Blick auf die sehr zahlreichen Höhlen im süd- 
lichen und östlichen Teil des Tiergartens aufmerksam; bei einer 
in etwa 4 ra Höhe in einer Kiefer am Steiogrundteich sehen wir 
das cT rufen: gerade durchlöchert fanden wir den prächtigen alten 
Buchenbestaud zwischen den Hirschgärten, wo ich 8. VI. 11 die 
beiden Jungvögel habe hochgehen sehen : 4 — 5 Löcher in einem 
Stamm waren nichts seltenes,- nur ihre Höhe — nicht unter 6 m ^ — 
in den glatten Stämmen hatten sie Scheicher und mich — es waren 
durchweg alte meist mindest mehrjährige Höhlen — übersehen 
lassen. Die letzten Balzreihen hörte ich von dem cf J^m Großteich 
25. V. und 31. V. 16; 15. IV. 16 trommelte es lebhaft an einer 
Eiche. 

Picus viridis brehmi Kleinschm. — Grünspecht'). 

Eine ganz frisch geschlagene Nisthöhle fand ich mit R. Heyder 
15. IV. 16 knapp 1,60 m lioch in einer Erle am Fischerteich. 
1 Paar brütete höchst wahrscheinlich in einer der hohlen Kastanien 
am Schloßteich: 21. V. und 23. VI. 16 arbeitete dort auf dem kurz- 
geschorenen Rasen; wiederholt sah ich an andern Tagen einen 
Grünspecht die Krüppelallee des südlichen Schloßdamms überfliegen. 
4. VII. 16 ließ sich am Rande einer Kiefernschonung 1 eben 
selbständiger Jungvogel, g mit rein schwarzem Bartstreif, grauen 

') Gecinus pinetoriini Brehm, Hanclb. Naturgeseh. Vög. Dentschl. 1831, 
p. 197, der heute in dev Gattimg J'icus steht, ist dmch Picus pinetorum Brehm, 
.ibid. 1831, p. 187, präokkupiert. - E. S. 



' I Mayhoff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 49 

Augensternen, längere Zeit aus 6 — B m Entfernung arglos zusehen, 
während es im Grase hackte: fußt dann nach kurzem einsilbigem 
Aufschrei kjack au einer Erle. Von einem andern Jungvogel hörte 
ich 13. Vn. 16 bis S-silbige Rufe. 

Dryohates major piiietorum (Brehm). — Rotspecht. 

13. IV. 16 drangen aus einem etwa 5 m hoch liegenden Nist- 
loch in einer dünnen Eiche des östlichen Tiergartens sehr leb- 
hafte Bettelrufe „kikikikiki", deren Klang wie auch der Loch- 
durchmesser sich auch auf Grünspechte hätte beziehen lassen. 
23. VI. 16 hing eine weißliche Flaumfeder am Lochrande, 1 beim 
Ausfliegen ausgebrochene, kielende, schwarzweiße Armschwinge 
ließ die Artzugehörigkeit mit Sicherheit bestimmen. 

Dryohates minor hortorum (Brehm). — Kleinspecht. 

Der reizende Kleinspecht konnte 1916 wieder als Brutvogel 
des Tiergartens endlich begrüßt werden. 1 cf rief seine hellen 
kikiki-Reihen und trommelte anhaltend an der Eichengruppe, wo 
ich 21. IV. die Schellente abstreichen sah, am 30. III. und 21. IV.; 
schon im Vorjahre war mir dort ein Nistloch aufgefallen, das in 
der gerade für unsere Art als kennzeichnend angegebenen Weise 
unter einem am Stamm ansitzenden Suberites eingeschlagen war, 
dessen Durchmesser, soweit ihn die Beobachtung durch beide Gläser 
auf 7 m Abstand abzuschätzen erlaubte, mir aber doch auf den Grün- 
specht hinzuweisen schien ; Einflug konnte ich Jeider nie beobachten, 
möchte aber doch diese knapp 5 cm weite Öffnung, da auch der 
Große Buntspecht sich in der Umgebung jener Laubholzgruppe nie 
hören oder sehen ließ, nun für eine recht alte Behausung des Klein- 
spechts halten, der im Dresdener Großen Garten meist in viel be- 
deutenderer Wipfelhöhe als der vorliegenden 5—6 m sich aufzu- 
halten pflegt^). Eine zweifellose Kleinspechthöhle in einer der 
Kastanien am Nordufer des Schloßteichs hatten Trauerschnäpper 
besetzt; sie wurde beim Flüggewerden der Brut, die indem schon 
gänzlich vermorschten Holz unmittelbar unter der Rinde saß, durch 
Menschenhand zerstört. 19. IV. 16 sahen A. Kümmler und ich das 
oben erwähnte cT an einer der Pyramideneichen des Schloßgartens 
trommeln ; während es durch das dichte noch nicht frisch belaubte 
Astwerk gedeckt vor uns herumarbeitete, rief es 5 — 6 kikiki-Reihen 
in den Spätnachmittag hinaus. 

Jynx t torquiUa L. — Wendehals. 
31. V. ruft 1 cT am Oberförstereigarten. 



^) Eine 1905 zum letztenmal besetzte Kleinspechthöhle im Goppelner 
Grunde lag in einer schenkelstarken Weide knapp 1 m hoch. 



50 Mayhoff: Brutvogel des Moritzburger teichgebiets. 1 Verh.Orn. 

|_ Ges. Bay. 

Micropus a. apus (L.). — Mauersegler. 

Die ersten Ankömmlinge im Gebiet sahen A. Kümmler und 
ich 1916 bereits am Nachmittage des 19. IV. über den Schloßteich 
fliegen, Brutstätten wurden uns nicht bekannt, dürften aber unter 
den hohen Dächern des Schlosses und Gestüts zu suchen gewesen 
sein. Bis Mitte Juli flogen die Segler zahlreich über den Teichen. 

Hirundo r. rustica L. — Rauchschwalbe. 

Die ersten 1916 über der Elbe und über den Teichen am 
30. III. Die ersten 5 flüggen Jungen des Jahres am 13. VI. auf 
Telephondraht im Ort Moritzburg; 20. VII. 3 Halbwüchsige eben- 
falls auf Telephondraht im Ort Wilschdorf, 6 solche bei der von 
Nadelwald umschlossenen Häusergruppe Neuer Anbau (im Friede- 
wald). Die letzten 3—4 11. X. 16 im Windschatten flogen nach- 
mittags an der Ostfront des Schlosses. 

Delichon u. urbica (L.). — Mehlschwalbe. 

Erst Anfang Mai begegneten mir 1916 die ersten. Brütend 
waren sie am zahlreichsten in dem älteren, an Strohdächern reich- 
sten Ortsteil von Eisenberg anzutreifen. Noch 28. IX. flogen bei be- 
trächtlicher Kühle in den Spätnachmittagsstunden etwa 15 — 20 Mehl- 
schwalben ums Schloß. 24. VIII. gingen abends am Dippelsdorfer 
Teich z wisch ernd an 150 — 200 Durchzügler im Dämmerlicht aus 
dem Röhricht hoch, nur wenige Mehlschwalben darunter. 

Muscicapa s. striata (Fall.) — Grauer Fliegenschnäpper. 

Ein brütender Vogel saß 31. V. 16 im Nest auf einem Ast- 
knorren (ca. 4 m Höhe) einer der Schloßkastanien. An derselben 
Südallee sah ich 4. VII. die ersten 2 hellgeschuppten Jungvögel. 
1 Alter mit einem fast selbständigen Jungen zusammen bei Heil- 
stätte Seefrieden noch am 20. VIIL 

Muscicapa h. hypoleuca (Fall.) — Trauerfliegenschnäpper. 

Zahlreiche und treffliche Sänger bewohnten in beiden Sommern 
besonders wieder die Kastanienallee um den Schloßteich. 2. V. 15 
schienen sie eben erst angekommen: 1 graues cT beobachteten R. 
Scheicher und ich auf in Kiefernbestand eingestreuten Erlen im süd- 
lichen Tiergarten, wo ich sie sonst vermißte. 12. VI. sangen rund 
um den Schloßteich mindestens 4 cfcT. 1916 verhörte ich die 
ersten Ankömmlinge, beides prächtig ausgefärbte schwarze cfcT, 21. IV. 
in Bärusdorf und am Ostufer des Scliloßteichs (19. IV. waren 
noch keine da, während ich im Vorjahre die ersten in der weitern 
Umgegend Dresdens 23. IV., bei Scharfenberg und Siebeneicheu 
beobachtet hatte). 11. V. konnte ich im Ort, wo 1 einen Star- 
kasten besiedelt hatte, und am Schloßteich nicht weniger als 



oon^ ' I Mayhoff: Brutvögel dea Moritzburger Teichgobiets. 51 

5 singende cTcf verhören. In der Kleinspechthöhle am Nordufer des 
Sehloßteichs 9. VI. 4 befiederte Junge, drücken sich ins Nestinnere. 
Fleckung läßt sie fast wie junge Grauschnäpper erscheinen; Ei- 
hücker noch eben nachweisbar; gelbe Jichnabelwinkelwülste; die 
beiden alten Trauerschnäpper warnen überaus heftig „witt zwitt", 
folgen mir mehr als 10 m weit in die Nachbarschaft des Nestes; 
2 mal läßt das (graue) cf einen kurzen Strophenansatz hören. 
13. VI. sind die Jungen ausgeflogen. An einer Berlepsch'schen 
Nisthöhle (Birkenstubben) in etwa 3 m Höhe in einer dichten 
Linde des Schloßgartens füttern 9. IV. beide Gatten abwechselnd 
die etwa 2 Tage kleineren Jungen als die jener ersten Brut, die 
zum Einflugloch hervordrängen. Das cT stößt einmal schnabel- 
klappend auf 1 wenige Meter vor dem Nest schnarrende Kohl- 
meise und treibt sie zur Seite! Von einer dritten Brut füttert 
das $ am gleichen Tage an einer der Rabatten des Schloßgartens 
1 bereits völlig flügges zt zt zt bettelndes Junges. 13. VI. läßt 
sich 1 flügges Junges — sei es von jener ersten, sei es einer 
vierten Familie — in einem Gärtchen auf der Südseite des Teiches 
vom 2 atzen; sein sehr eindringliches tzt tzt klingt aus den 
Johannisbeerbüschen neben dem zerr zr zrr eines jungen Garten- 
rötels; die Verwandtschaft beider Laute ist allerdings eine der- 
artige, daß sie zusammen mit der Eigenart der geschuppten Nest- 
kleider sehr wohl verstehen läßt, daß Hartert und Hellmayr neuer- 
dings für die systematische Vereinigung der Fliegenschnäpper und 
Erdsänger eintraten. Den letzten Trauerschnäpper des Jahres, 
1 schwarzes cT, sah ich 4. Juli auf einer der Kastanien am Nord- 
ufer des Schloßteichs, wo es sich lockend umhertrieb. Bei kaum 
einer andern Gattung unserer Sänger ist der Abbruch der Sanges- 
perioden so früh und jäh wie bei den Fliegenschnäppern ; es mag 
das vielleicht damit zusammenhängen, daß die meisten Glieder dieser 
Unterfamilie in wärmeren Klimaten der indb-afrikanischen Region 
beheimatet und die bei uns vorkommenden Genera vorgeschobene 
Posten dieser südlichen Formenwelt sind. 

La7iius c. collurio L. — Neuntöter. 

21. V, 16 bal zt 1 cT vor dem $ im Kreuzdorngebüsch am N.-Ufer 
des Großteichs ; singt lebhaft in viele minutenlang fortgesponnener, 
überaus wechselnder Weise: Sperlingsschilpen, 2 mal Buchfinken- 
schlag, Bläßhühnerrufe, gartenspötterartige Motive gehen bunt 
durcheinander; das zweite Mal in 12 jähriger Freibeobachtungstätig- 
keit, daß mirs glückt das Lied des so augenfälligen Vogels zu er- 
lauschen ! Schlägt dabei höchst eigenartig • die Flügel über dem 
Rücken zitternd übereinander, die Schwingen (ähnlich dem bal- 
zenden Gimpel cT) gegeneinanderstreichend; drängt ständig singend 
das $ unter lebhaften Verbeugungen durch die Zweige. 23. VI 

4* 



52 Mayhoff : Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 1 "®^"- ^'■°- 

|_ Ges. Bay. 

in derselben (mehr als 100 m langen, 3 — 4 m dichten) Hecke 2 d^cT, 
also wohl 2 Brutpaare; 4. VII. am Südufer de§ Dippelsdorfer 
Teichs 1 Paar mit 1 flüggen Jungen; cf warnt lebhafter als das $; 
27. VII. cT mit 1 Jungen; .10. VIII. 'S selbständige Junge ebendort. 

Corvus c. cornix L. — Nebelkrähe. 

31. ni. 16 stößt 1 im Ort Moritzburg auf 1 Sperber, der 
vor ihr höher schraubt. Einzelne Nebelkrähen und Flüge bis zu 
10 Köpfen durchstreifen so regelmäßig das Teichgebiet, daß ihr 
Brüten in den Waldstücken mit Entschiedenheit gefolgert werden 
darf, wenngleich mir keine Horste bekannt wurden. 7. IX. 16 
sehe ich 4 zusammen im Großteich ein Bad nehmen. 

Corvus c. corone L. — Rabenkrähe. 

Rabenkrähen begegneten mir vereinzelt etwas häufiger als in 
den Vorjahren, auch während des Frühjahrs; ihr Brüten neben den 
Nebelkrähen ist nicht ausgeschlossen. 

Coloeus monedula spermoloyus (VieilL). — Dohle. 

Das Brüten war in beiden Jahren in so zahlreichen Fällen festzu- 
stellen, daß eine entschiedene Vermehrung des Bestandes vorzuliegen 
scheint. 2. V. 15 sahen R. Scheicher und ich beim Niedern Altenteich 
1 Dohle aus einem Schwarzspechtloch in einer stärkern Kiefer (12 m 
hoch im glatten Stamm) abfliegen. 8. VI. 16 füttert 1 alter Vogel 
1 halbwüchsiges Junges, das aus einem horizontalen hohlen Aststumpf 
einer prachtvollen alten Eiche am Georgenteich hervorlugt; soviel 
auf die 8 m- Höhe erkennbar, ist es ein Regenwurm; 1 Amsel cT 
sitzt kaum 1 m daneben, sieht zu, fliegt dann ohne besondere 
Scheu ab. In den Kastanien rund um den Schloßteich betteln in 
3,5, 3,0 und 4,0 m Höhe in 3 Höhlen am 21. IV., 31. V., 9. VI. 
und 13. VI. 16 die Jungen sehr laut. Auf den Eichen bei der 
Oberförsterei hielt sich fast ständig 1 Trupp von mehr als 
40 Vögeln auf; 13. VI. lassen sich dort flügge Junge füttern, in 
einer Buche mit 3 Schwarzspechtlöchern betteln noch Nestjunge. 

Pica pica pica (L.). — Elster. 

Mehrere, im ganzen sicher nicht mehr als 4 — 5 Paare, trieben 
sich an den Rändern der Feldgehölze namentlich des südlichen 
Randes des Gebiets, seltener an den Kieferuwaldstücken inner- 
halb des Tiergartens umher. 

Oarrulus g. glandarius (L.). — Eichelhäher. 

Im Tiergarten geradezu gemein, wenngleich mir niemals ein 
Nest oder ein Jungvogel zu Gesicht kamen. Auf den Wiesen- 
flächen hüpften sie oft zu zweien und dreien in weiten Springen 



' I Mayhoff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 53 

XouyJ J 

umher, neben den Drosseln und Grünspechten dort namentlich im 
Herbst und Frühjahr die ref^elmäßigsten Gäste. 28. IX. warf 1 Häher 
am Niedern Altenteich über mir rähtschend Bucheckern aus der 
Krone herunter. 

Sturnus v. vulgaris L. — Star. 

19. IV. trägt 1 Alter am Großteich noch zu Nest, in einer hohlen 
Linde (ca. 3 m) 21. V. werden in zwei hohlen Kastanien am 
Schloßteich und einer neu gezimmerten Nistkiste in einem Obst- 
garten des Ortes Junge gefüttert; Alte warnen oft mit aufgeregtem 
räh. Am Großteich höre ich von einem cf einen Ruf, der 
täuschend dem chruihf des Schwarzhalstauchers nahekommt. 31., V. 
betteln noch Junge in einer der Kastanien am Schloßteich. Im 
Frühjahr (Ende März) trieben sich die Brutpaare noch in Flügen 
von 30 — 40 Köpfen auf den Kutzschkewiesen umher; im Herbst 
an den Teichufern größere Schwärme großenteils wohl fremder 
Durchzügler; die ersten im braunbunten Herbstkleid fielen mir 
23. IX. am Dippelsdorfer Teich auf. Ein wahrhaft imposanter 
Eindruck wars, als 28. IX. auf einer Schlammbank des Großteichs 
sich mindestens 1500 versammelt hatten: kaum ein Fußbreit des 
Bodens blieb frei von Vögeln, die plaudernd und umherstochernd 
in der Dämmerung durcheinander wimmelten. 

Coccothraiistes c. coccothraustes (L). — Kirschkernbeisser. 

Konnte als Brutvogel 1916 zum erstenmal festgestellt werden. 
19. IV. sah ich ein Paar bei der Oberförsterei, wo es 11. V. auf 
einer Esche einander fütterte. 21. V. hüpft 1 cf am Westufer des 
Schloßteichs im Elatinetum umher und knapst Früchte von Scirpus. 
15. IX. sitzen dort in den Zweigen eines Obstbaumes 2 mausernde 
Vögel. 

Fringüla c. coelebs L. — Buchfink. 

Noch 20. VII. füttert 1 cf mit leuchtendblauem Schnabel bei 
Heilstätte Seefrieden 2 fast selbständige Junge. 

Chloris chloris (L.) — Grünling. 
Die Klingeltouren der cfcT waren die ganze Brutzeit über 
in den Ortsgärten sehr häufig zu hören. 

Serinus canaria subsp. — Girlitz. 
9. VI. 16 jagen 2 c^cT am Schloßteich hitzig singend hinter- 
einander her. 20. VII. Paar mit 3 fast selbständigen Jungen in 
Wilschdorf. 

Carduelis c. carduelis (L.). — Stieglitz. 
. Prof. Dr. M. Braess beobachtete Mitte Juni oder Juli 1911 
oder 1912 in der Allee zwischen Schloß und Schwanenteich 1 füttern- 



54 Mayhoff : Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. fVerh. Orn. 

|_ Ges. Bay. 

des Paar mit 3 — 4 Jungen, hält die Art jedoch nicht für einen 
regelmäßig-en Brutvogel des Gebiets; mir selbst begegneten nur 
ein einziges Mal Anfang November 3 umherstreifende Stieglitze 
am Dippelsdorfer Teich. 

Emberiza s. schoeniclus L. — Rohrammer. - 

31. V. 16 warnt ( ein Paar im dichten Einsicht am Großteich 
überaus heftig ziep-ziep-ziep: beide Alten stellen hier und im 
Gezweig der angrenzenden Sträucher in der ausgesprochensten 
Weise lahm ; 1 flügges Junges nimmt im Gezweig minutenlang eine 
hochgereckte Schreckstellung ein, die an diejenige anderer Rohr- 
bewohner {Äcrocephalus, Ixohrychus) erinnert; die schwarze Längs- 
zeichnung sowohl der Rücken- wie der Bauchseite wirkt dabei in 
überraschendem Maße mimetisch (somatolytisch). 13. VII. höre 
ich am Köckritzteich zum letztenmal 3—4 Strophen von 1 cf- 

Emberiza c. calandra L. — Grauammer. 

cTcT sangen noch 13. VII. 16 ziemlich lebhaft auf Äckern 
bei Bärwalde. 

Motacilla c. cinerea Tunst. — Gebirgsbachstelze. 

1 Paar brütete 1916 am Abfluß des Schloßteichs: 16. IV. 
und 19. IV. enthielt das Nest, von dem beidemal das g abflog, 
unterm Rasen im Mauerwerk des Abzugstunnels, 6 Eier; 21. IV. 
fand ich es leider zerstört und leer. Obwohl das Paar sich noch 
bis 13. VI. an einer andern Stelle des Schloßteichs aufhielt, blieb 
es doch bei diesem ersten zweifellosen Brutnachweis für das Ge- 
biet; seinem Benehmen nach war nicht sicher auf eine Nachbrut 
zu schlieJJen. 

Motacilla a. alba L. — Weiße Bachstelze. 

Das erste selbständige Junge 1916 am Großteich 25. V. — 
Am Schloßteich trägt 1 Alter noch 4. VII. Futter. Selbständige 
Junge am Damm des Dippelsdorfer Teichs 27. VII. und später 
(seitdem nur Mauserkleider) sehe ich wiederholt Weißlinge {Pieris 
brassicae) fangen. 

Budytes f. flavus (L.) — Schafstelze. 

1 — 2 Paare bewohnten wieder das Südufer des Dippelsdorfer 
Teichs, wo sie auf den trockenen Rohrhaufen, auch auf den 
Fruchtständen eines Rübenackers sehr regelmäßig anzutreö'en waren. 
12. VI. 15 neckten sich 5 — 6 selbständige Junge mit 2 Paar Alten 
herum. Von letzteren hörte ich hier wie auf der Eibstrecke neben 
den zu kurzen Strophen gereihten Lockrufen psihp-psihpsip t^T' 
auch ein in sichernder Haltung ausgestoßenes leißes Zirpen sirrb, 



' I Mayhoff: ßrutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 55 

das wohl dem zilip von Anthus pratensis homolog gesetzt werden 
muß und eine tiefere stimmliche Verwandtschaft begründen läßt 
als ich früher annahm. 1 eben vermausertes Junges ohne Kehl- 
zeichnung, fast ohne gelblichen Schimmer der Unterseite, neben 
1 alten cT 27. VII. 16 auf den Kornpuppen eines Dippelsdorfer 
Stoppelfeldes. 

Anthus t. trivialis (L.). — Baumpieper. 

19. IV. 16 höre ich mit A. Kümmler das erste cT des Jahres 
im nördlichen Tiergarten, 13. VII. die letzten unregelmäßigen 
Strophen. 1 cf fiel mir 11. V. dadurch auf, daß es in oftmaliger , 
Wiederholung stets unmittelbar die zia zia-Reihe auf die Schmetter- 
tour des Anfanges (ohne die Roller) folgen ließ. 

Lullula a. arhorea (L,). — Heidelerche. 

Auch in beiden Jahren wurde die Art ausschließlich an der 
Westgrenze des Gebiets angetroffen, auf einigen Blößen des ITriede- 
walds außerhalb des eigentlichen Teichbezirks bei den Altenteichen. 
13. VII. hörte ich noch 1 cT trillern. 

Alauda a. arvensis L. — Feldlerche. 

12. VI. 15 trägt 1 alter Vogel auf der Südwiese am Dippels- 
dorfer Teich Futter. 

Aegithalos caudatus europaeus (Herrn.). — Schwanzmeise. 

In R. Heyder's „OrnisSaxonica" .ist die Benennung der mittel- 
deutschen Schwanzmeisenform, die wir (M. u. Seh.) 1915 anders ge- 
geben hatten, bereits von mir berichtigt. Ich verdanke dies ins- 
besondere E. Stresemann und 0. Kleinschmidt, welch letzterer an 
typischen ostpreußischen Stücken mir zeigte, daß diese wesentlich 
stärker und weicher zerschlissen gefiedert sind und reineres Weiß des 
Oberkopfes und Nackens haben. Sächsische Brutvögel, von denen ich 
ein allerdings nur kleines Material untersuchen konnte, haben stets 
ziemlich trübfarbiges Scheitelgefieder und eine Andeutung der 
Schläfenstreifen, die indes am lebenden Vogel so wenig ins Auge 
fällt, daß dieser als reiner Weißkopf erscheint. Gemischte Paare, wie 
sie mir in Thüringen (Saale) häufiger, in Hessen als Regel be- 
gegneten, habe ich, trotzdem ich jedes seit mehr als einem Jahr- 
zehnt durchs Glas musterte, östlich der Elbe niemals feststellen 
können. Nach meiner persönlichen Erfahrung als Freibeobachter 
haben wir in Deutschland einen kontinuierlichen Übergang von 
brauen streifigen zu weißköpfigen Schwanzmeisen. Die mitteldeut- 
schen Vögel haben nie so dunkle Brauenstreifen wie die west- 
deutschen. So dunkle Stücke wie in der Eifel sah ich bereits 



56 Mayhoff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 1 ^^^^' ^^°- 

|_ Ges. Bay. 

in Hessen nicht ^). Die Nestlinge der mitteldeutschen Form haben, 
wie mich 23. VI. 1916 der Anblick zweier aus ihrer Wiege her- 
vorlugender überzeugte, so tiefdunkle und scharfgezeichnete Brauen- 
streifen, daß sie westdeutschen Stücken in kaum etwas nachgeben 
dürften; beide Eltern dieses im Schloßgarten in etwa 1,1 m Höhe 
fütternden Paares waren für die Fernglasbeobachtung als weiß- 
köpfig zu bezeichnen ; sie fügten sich so der von sämtlichen sächsi- 
schen Beobachtern festgestellten Regel (s. Heyder, J. f. 0. 1916, 
p. 468). Wenn demgegenüber brauenstreifige Vögel im sächsisch- 
thüringischen Gebiet außerhalb der. Brutzeit häufig anzutreffen 
sind — meine Erfahrungen aus dem mittleren Saale- und Elbt§Ll 
decken sich hier mit denen Dr. Hesse's|; insbesondere im Moritz- 
burger Bezirk begegneten mir Trupps von solchen wiederholt im 
Spätherbst 1915 — so handelt es sich offensichtlich um Jungvögel 
nach der ersten Mauser^), die auf dem Strich begriffen sind und 
von Westen herüberkommen. Bei ihnen ist die scharfe Brauen- 
zeichnuug meist mehr oder minder verwischt. Unter den im Dresdner 
Zoologischen Museum untersuchten Stücken ist als herbstliches Strich- 
exemplar besonders auffällig ein von B. Hantzsch gesammeltes 
„cf Tharandt 2. IX. 04" mit sehr breiten, scharfen Brauenstreifen 
und breiter, dunkler Brustbinde, mit 65 mm Flügel- und 100 mm 
Schwanzlänge. 

Vom präalpinen Gebiet aus, in dem sich noch heute eine am 
stärksten dem Jugendkleid ähnelnde Zeichnung bei meist geringer, 
selten mittlerer Körpergröße erhalten hat, strahlte der Schwanz- 
meisen-Stamm nordost- und westwärts aus. Vom westlichen Zweig- 
stamm schwenkte die glaucogularis-alpimis-Reihe am N.-Ufer des 
Mittelmeers entlang. Dichte und Pigmentreichtum des Gefieders 
entwickelten sich dabei im umgekehrten Verhältnis zu den klima- 
tischen Verhältnissen der Brutheimat: in den dem Meere nahe- 
liegenden Gebieten bleiben die Seh wanzm eisen klein, während das 
Pigment sich anreichert und neben der dadurch besser gewähr- 
leisteten Erleichterung des respiratorischen Stoffwechsels zugleich 
einen mimetischen Schutz im dunkleren Blattgrün der ozeanischen 
Länder darbietet. Im kontinentalen Osten nimmt mit der Aus- 
blassung die Gefiederdichte und Körpergröße zu(Bergmann-Leuckart's 
Gesetz vom Wärmehaushalt der Warmblüter). Der ostelbische 
Aegithalos kann geradezu als Schneeform bezeichnet werden, 
während die westliche ewrcj^aews-Gruppe ausgesprochene Regen- 



*) Vgl. dagegen meine in den „Beiträgen zur Zoogeographie der paläark- 
tischen Region" niedergelegten Untersuchungsergebnisse. — E. S. 

'^) Dr. Heinroth konnte durch Aufzucht junger Ae. c. „europaeus" den 
Nachweis führen, daß die Individuen dieser Mischrasse schon bei der Jugend- 
mauser ihre definitive Färbung erhalten, was meine früher geäußerte Vermutung 
bestätigt. — E. S, 



' I Mayhoff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 57 

formen enthält. Bei wenigen Arten unserer Ornis dürften diese 
Beziebung-en so klar zu verfolgen sein, wie hier infolge der scharfen 
Zeicbnungskontraste: charakteristisch ist, daß nach den neueren 
Spezialuntersuchungen dies am ehesten Angehörige der Meisen 
und Spechte sind, beides Familien, die gegenüber allen anderen 
Vogelfamilien die engsten Wanderungsbereiche haben. Man wird 
deshalb gerade hier an bestimmende Einwirkungen der Eiszeit 
denken und sagen dürfen, daß wahrscheinlich das letzte allgemeine 
Vorrücken des Eises während des baltischen Vorstoßes es war, das 
in der Richtung der heutigen Elbe einen großen feuchtkalten 
Sumpfurwald zwischen dem alpinen und dem baltischen Eisrand 
sich entwickeln ließ und damit die östlichen Weißköpfe von den 
westlichen Streifenköpfeii trennte; das Gefüge der beiden Unter- 
arten konnte dann derart gefestigt sein, daß eine Vermischung 
nur am Südrande des Interglazialgebietes noch möglich war. Daß 
terrestrische resp. fluviatile Hindernisse wie ein solcher Urstrom- 
wald für manche Arten wirksame Verbreitungshindernisse bilden 
können, lehrt in unsern Breiten neben anderen (z. B. Rosengimpeln) 
die Gruppe der Kleiber. 

Parus 'palustris communis Bald. — Nonnenmeise. 

21. V. wird im südöstlichen Tiergarten gefüttert. 

Parus cristatus mitratus Brehm. — Haubenmeise. 

14. V. 15 längere Zwitscher- (Plauder-) Touren eingestreut, 
fast an Parus atricapillus salicarius erinnernd. 

Parus ater ater L. — Tannenmeise. 

21. V. 16 füttert ein alter Vogel in der üfermauerung des 
Schloßteiches. Ein zweites Nest befand sich etwa 4 — 5 m hoch 
in einer der hohlen Kastanien auf der Nordseite des Schloßteich- 
rundweges: hier konnte ich, nachdem am 13. VII. mir im Friede- 
wald nicht weniger als 3 flügge Brüten begegnet waren, noch am 
27. VII. das $ futtertragend ein- und ausfliegen sehen ; das d" übte 
in der Kiefernschonung wiederholt das Reihenpfeifen des Früh- 
lingsrufes. Die Stimmen der flüggen Jungen notierte ich mit 
dededüdi diedi dededi^di dididiedi; gegenüber den Bettel- 
rufen der übrigen Meisenjungen haben sie etwas Schleppendes. 

Parus caeruleus caeruleus L. — Blaumeise. 

25. V. 16 sitzt eine knapp M%gQ Blaumeise durchnäßt in einem 
dürren Seggenstrunk inmitten des handbreit tiöfen Seichtwassers; 
ihr zizidäh läßt sie mich noch zur Zeit ins Trockene retten: sträubt 
sich gegen das Greifen mutig. Dem Ruf antwortet öfters das alte cT, 
kommt 2 mal frei über die Wiese dicht über mich geflogen, nimmt 



53 Mayhoff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 1 n b 

sofort die Fütterung auf, als ich den Jungvogel ins Gezweig einer 
jungen Saalweide setze. 4. VII. werden mehrere flügge Junge in 
Obstgärten am Südufer des Schloßteichs gefüttert. 

Parus major major L. — Kohlmeise. 

3. VI. 16 eine Mgge Brut im Birkenwäldchen bei der Futter- 
hütte am Nordufer des Schloßteichs. 4. VII. betteln sicher nahezu 
flügge Junge ca. 4 m hoch in einer hohlen Kastanie am Westufer 
des Schloßteichs. 

Sitta europaea caesia Wolf. — Kleiber. 

1916 2 Brüten an den Alleebäumen rings um den Schloß- 
teich : in dem einen Falle (etwa 3 m hoch im Astloch einer Linde) 
ließ sich das Paar 21. V. ausgiebig bei der Nistpflege an dem von 
oben her zugekleisterten Astloche zusehen: beide Gatten tragen 
Kerfe ein und Kot aus: 4 mal fliegt allein das $, 2 mal das — in- 
zwischen lebhaft schmatzende — cT allein, 3 mal beide kurz hinter- 
einander ein; die Futterstoffe holen sie meist aus einem Umkreis 
von knapp 15 m. — Von der zweiten, seit 8. IV. gepaarten Brut 
wurde am 25. V. 1 Junges an einer Birke gefüttert. 

Die sächsischen Brutvögel sind durchweg lehmbäuchig und 
von den westdeutschen jedenfalls nur beim Vergleich größerer 
Balgserien izu unterscheiden^). 

Certhia familiaris macrodactyla Brehm. — Waldbaumläufer. 

Diese bisher vermißte Art gelang mir 1916 an mehreren 
Stellen des Gebietes festzustellen : in singenden cTcT nnd einer flüggen 
Brut. 28. III. 1 d" am Westrand des Schloßteiches, 2 cTcT bei den 
Hirschgärten auf dem Wege zur Fasanerie. 19. IV. 1 cT am Ostrand 
des Schloßteiches: 11. IV. 1 $ mit 4 flüggen Jungen an einer Kiefer 
am Westrand des Schloßteiches; füttert in etwa 5 m Höhe an dem 
rötlichen Stamm die zusammengeknäuelt sitzenden (Mimetik!); das 
unterste rutscht vor meinen Augen rasch, doch ungeschickt 4 m in 
die Höhe, schmiegt sich den Geschwistern an, die ich erst da- 
durch entdecke : locken bezw. betteln mit ähnlichem sri sri wie $, 
stimmlich kaum von diesem zu unterscheiden; gegenüber C.brachy- 
dactyla kennzeichnen sie sich durch die röstliche Rückenfarbe und 
die bis zur Schnabelwurzel vorreichende helldunkle Streifenzeich- 
nung hinreichend für das 6 X-Zeißglas: für das unbewaffnete Auge 
gleichen sie, solange sie nicht die rotgelben kurzen Schnäbel 
weit aufsperren, eibem knorrigen Schwammpilz; auch als das zu- 
letzt angekommene Leben in diesen Knorren bringt, benützt es 



') Sächsische Kleiber lassen sich nicht von bayerischen unterscheiden. Sie 
sind typische caesia. E. S. 



Sonderheft, j May hoff: Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 59 

noch gar nicht die Flügel. Das §, dessen relativ kurzen Schnabel 
ich mehrfach mit bloßem Auge aus nur 1 m Entfernung erkennen 
kann, wälirend es in meinem Umkreis an den Nachbarkiefern 
herumklettert, füttert in 10 Min. über 12 mal mit bis zu 2 cm 
langen, z. T. auch geflügelten Insekten: von der Fütterungsstelle 
fliegt es stets unmittelbar an den Fuß der Nachbarbäume (ohne 
Scheu dicht neben mich), 'wo es dann von 0,6m an kerbtier- 
sammelnd rasch aufwärts bis zu 5 — 6 m klettert. 1 mal schlägt 
es dabei einen halben Purzelbaum, sitzt einen Augenblick Kopf 
nach unten, springt aber gleich ganz herum, nachdem es die Beute 
gefaßt hatk^ — Bis 31. V. hörte ich dann noch den Gesang min- 
destens dreier verschiedener cTcT, davon 2 an je einer der schon 
genannten Stellen, das dritte von einer Eiche am Mittelteich, und 
20. VII. noch das eine an den Hirschgärten locken. 

Certhia b. hrachydactyla Brehm. — Gartenbaumläufer. 

Von dieser wie in ganz Sachsen so auch im Moritzburger Gebiet 
entschieden häufigeren Art waren 1916 nicht weniger als 4 flügge 
Brüten zu beobachten: 21. V. füttert $ 3 flügge Junge an einer Erle, 
cf singt; beide Alten kenntlich an dem hohen tiht zetiht; die im 
Knäuel gescharten Jungen atzt hur der eine Alte: langer Schnabel 
durchs Glas gut erkannt. Auch von diesem Vogel sah ich vorüber- 
gehend die kopfüber gekippte Haltung, wie sie eigentlich nur für den 
Kleiber fast als Regel charakteristisch ist, aber auch an unserer 
Art von 0. Kleinschmidt beobachtet und mit der relativ kürzeren 
Krallenlänge in Verbindung gebracht wurde. 31. V. srrill srill 
von einer der Kastanien am Schloßteich herab: 5 junge Garten- 
baumläufer, sitzen am Stamm etwa 4 m hoch; 3 davon zum Knäuel 
geballt; der fütternde Alte läuft einmal auch die Unterseite eines 
wagerechten Astes entlang; die Bettelrufe der Jungen klingen 
ganz wenig rauher als die der vorhergehenden Art; c^ singt, lockt 
wiederholt. 3. VI. balgen sich 2 M^g% Jungen an einer Fichte 
vor den sog. Dardanellen, dies schrillere Rufen abwechselnd mit 
sr sr; die Artzugehörigkeit erkennen Prof. Dr. Beruh. Hoffmann 
und ich an dem hellen tiht eines daneben kletternden <^. 4. VII. 
singt 1 cf an Linde; flügges Junges mit ganz kurzem Schwanz 
bettelt noch mit jenem heisern srill, sucht aber schon selbständig 
ITutter; an einer andern Linde (am Torwärterhaus westlich vom 
Schloßteich) betteln am selben Tage gleichfalls Junge, cT lockt nur. 
(Überhaupt blieb es beim letzten Sangesversuch an jenem Tage 
im engeren Beobachtungsgebiet: im weiteren der Dresdener Elb- 
talwanne hörte ich 17. IX. und 19. X. noch "einzelne extranuptiale 
Strophen.) Im ganzen also je 2 erste und zweite Brüten. — Für 
die Frage der artlichen Trennung der beiden Baumläuferspezies 
scheint mir von ausschlaggebender Bedeutung, daß E. Hartert's 



■ 

Versicherung zufolge (Vögel der paläarkt. Fauna I, p. 320) eng- 
I ' lische Ornithologen, die das Festland besuchten, sich wunderten, 
die ihnen unbekannte Strophe der nordfranzösischen brachydactyla- 
Form zu hören, da auf den britischen Inseln allein die familiaris- 
Gruppe ihren Vertreter besitzt. Es ist deshalb nicht notwendig, 
in jedem Einzelfall des Vorkommens Belegexemplare zu sammeln. 
Die Kenntnis der stimmlichen MerkmsQe genügt, beide Formen- 
gruppen mit Sicherheit zu scheiden: die Strophe von C. brachydac- 
tyla ist ein kurzer stereotyper Schlag, die von famüiaris eine 
längere Trillerreihe: beide verhalten sich zueinander wie etwa 
die Gesänge von Phoenicurus ochruros und phoenicuarus. Dank 
dem Zusammenwirken deutscher Feldornithologen ist jetzt die 
Fixierung des Lautbildes so herausgearbeitet worden, daß das 
Ansprechen draußen keinem einigermaßen darin Geübten wesent- 
liche Schwierigkeiten machen kann. Voraussetzung ist allerdings 
dabei, daß die Beobachtung durch das Fernglas kontrolliert wird: 
auf die bei der vorigen Art angegebene Entfernung ist es sehr 
wohl möglich, das Stirnstreifungsmerkmal noch zu erkennen. Es 
liegt nahe, die Spaltung auch dieser zwei Arten als eine Folge 
der Eiszeit anzusehen: die helle Kälteform famüiaris wäre durch 
einen Ostwestvorstoß des baltischen Gletschers nordwärts abge- 
drängt worden, während in den feuchten ürstromwäldern sich die, 
langgeschnäbelte dunkle brachydactyla entwickelte ; mit dem Rück- 
zug des Eises trafen beide in ihrer Verbreitung auf- und durch- 
dringen einander; schwerlich, daß jetzt noch eine Vermischung 
vorkommen mag. 

Regulus r. regulus (L.)^). — Wintergoldhähnchen. 

Mehrfach, so am 21. V. 16 zur Brutzeit im Gebiet festgestellt. 

Regulus i. ignicapillus (Temm.). — Sommergoldhähnchen. 

M. u. S. haben früher (1. c. p. 377) das Brüten dieser Art als 
sehr wahrscheinlich bezeichnet. Dies scheint sich nicht zu be- 
stätigen, denn sie wurde im Laufe der Jahre 1915 und 1916 
nur einmal, am 8. IV. 16 (also zur Zugzeit) an der Grenze des 
Gebietes betroffen. 

Phylloscopus c. coUybita (Vieill.). — Weidenlaubsänger. 

A. Kümmler hörte den ersten Gesang an den Moritzburger 
Teichen im Jahre 1916 am 22. III. 

Phylloscopus t. troehilus (L.). — Fitislaubsänger, 
Erster Gesang 1916 am 8. IV. 



^) Hier endet Mayhoff's Manuskript. E. S, 



Sonderheft, | May hoff: Bnitvögel des Moritzburger Teichgebiets. 61 

Phylloscopus s. sibilatrix (Bechst.). — Waldlaubsänger. 

1916 ließen sich bereits am 21. IV. Waldlaubsänger an ver- 
schiedenen Stellen des Gebietes vernehmen. 

Hypolais icterina (Vieill.). — Gartenspötter. 

Spärlicher ßrutvogel. 11. V. 16 singen 2 c/'cf im Ort Eisen- 
berg-Moritzburg, woselbst noch am 11. VI. eines zu hören ist. 
21. V. und 9. VI. je ein cT im Schloßgarten. 

Acrocephalus s. seirpaceus (Herrn.) ^). — Teichrohrsänger. 

4. Vn. 16 schlüpft ein Teichrohrsänger durchs Kolbenrohr 
am Ufer des Schwanenteichs; unmittelbar neben ihm andauernd 
heftige Bettelrufe anscheinend flügger Junger: wiss iss iss iss. 
24. VII. werden fast selbständige, äe äe äe bettelnde Junge im 
Rohrwald des Dippelsdorfer Teiches gefüttert. 

Acrocephalus palustris (Bechst.). — Sumpfrohrsänger. 

Am 31. V. 16 singt ein Ex. sehr lebhaft in den Erlen- 
büschen an der Tiergartenmauer, flicht Schwalbenzwitschern, 
Sperliugsschilpen, Rephuhnruf ein; rauher Warnlaut grä. Trotz 
des späten Datums handelt es sich wahrscheinlich um einen 
Durchzügler, da der Sumpfrohrsänger weder in früheren Jahren, 
noch auf den zahlreichen späteren Ausflügen angetroffen wurde. 

Acrocephalus a. arundinaceus (L.). — Drosselrohrsänger. 

Den ersten, offenbar einen Durchzügler, beobachtete A. Kümmler 
am 29. IV. 16 am Schloßteich, 1. V. 16 nirgends Rohrsänger. 
U.V. mindestens 10 singende cfcT am Dippelsdorfer Teich ; 21. V. 
am Frauenteichs — 9, Dippelsdorfer Teich 8, Schloßteich 4 — 5 Drossel- 
rohrsänger. 4. VII. werden am Dippelsdorfer Teich Junge ge- 
füttert, die rotschwanzartig betteln. Alter Vogel warnt grra gra. 
Noch 3. VIII. matter Gesang. 

Acrocephalus schoenobaenus (L.). — Schilfrohrsänger. 

17. VTTT. 16 turnt ein Schilfrohrsänger in den Zweigen einer 
Weide am Ufer des Köckritzteiches längere Zeit umher. Diese 
Beobachtung, in Verbindung mit den Erlegungsdaten der im 
Dresdener Museum befindlichen Moritzburger Stücke (3. — 21. V.) 
macht die Art als Brutvogel des Gebietes wahrscheinlich. 

Sylvia h. hippolais (L.). — Qartengrasmücke. 
11. V. 16 die Ersten vielerorts. 



^) Turdus seirpaceus Hermann 1804 ist älter als Sylvia strepera Vieillot 
1817. Siehe "British Birds" 11, 1917, p. 2. — Eed. 



6ä Mayhoff: BrutvÖgel des Moritzburger Teichgebiets. fVerli. Orn. 

|_ Ges. Bay. 

Sylvia a. atricapiUa (L.). — Mönchsgrasmücke. 
Brutvogel. 1915 die Erste am 2. V.; 23. VI. 16 im Schloßgarten. 

Sylvia c. communis Lath. — Dorngrasmücke. 

2. V. 15 die Ersten des Jahres bei Dippelsdorf und am 
Obern Waldteich. 25. V. 16 brütet eine auf 5 Eiern in Brom- 
beerbusch am Niedern Waldteich. 27. VII. 16 Nest mit 4 voll- 
ständig befiederten Jungen am Dippelsdorfer Teich. 

Sylvia c. curruca (L.). — Klappergrasmücke. 

Brutvogel. 3. VIII. 16 folgt ein halbwüchsiges Junges bettelnd 
einem Elter am Schloßteich. 

Turdus pilaris L. — Wacholderdrossel. 

Die Art scheint in beiden Jahren Brüten gemacht zu haben. 
1915: 11. IV. 2 Stück bei Dippelsdorf, mindestens 10 im hinteren 
Kiefernwäldchen am Frauenteich, wo Scheicher 1910 ein Junges 
ätzen sah. 2. V. wieder einige im Kiefernwäldchen. — 1916: 
30. III. fliegt ein Ex. über den Ort Moritzburg. 16. IV. etwa 
10 Stück bei Dippelsdorf, dazu ein Nest. 25. IV. schakern 5—6 
Stück in den Kiefern am Vierteich. 21. V. fliegen 2 am Schloßteich 
Überhin. 23. IX. 8—10 im Kiefernwäldchen am Frauenteich. 

Turdus v. viscivorus L. — Misteldrossel. 

Noch am 22. V. 16 singt ein cT in den Kiefern am Tier- 
garten. Das Brüten der Art scheint somit festzustehen. Im Herbst 
in kleinen Gesellschaften ab- oder durchziehend, so am 28. IX. 
16 15 Stück am Altenteich, am 11. X. 16 6 — 8 bei Dippelsdorf. 

Oenanthe oe. oena?iihe (L.). — Grauer Steinschmätzer. 

Der Steinschmätzer, von M. u. S. noch als Durchzügler ver- 
mutet, hat sich 1916 den ganzen Sommer über im Gebiet gezeigt, 
so am 11. IV. 1 cf im Ort Moritzburg, am 27. VII. ein Paar bei 
Dippelsdorf, dessen $ bereits ein prächtig braunes Herbstkleid trägt, 
28. VI. und 10. VIII. gleichfalls dieses g bei Dippelsdorf. - 1915: 
2. V. ein Paar an der Bahnlinie, 12. VI. 2 Junge bei Dippels- 
dorf, 13. VI. daselbst ein Paar. 

Phoenicurus ph. phoenicurus (Jj.). — Gartenrotschwanz. 

1. V. 16 ahmt 1 J" im Schloßgarten Pirolflöten und Hänflings- 
krähen unverkennbar nach. 2. VI. 16 werden 2 Junge im Schloß- 
garten gefüttert. 



^°"^q90^^*'l Mayhoff : Brutvögel des Moritzburger Teichgebiets. 63 

Phoeniciü'us ochruros gihraltariensis (Gm.). — Hausrotschwanz. 

30. III. 16 der Erste des Jahres bei Dippelsdorf, 11. V. 16 
ein graues cT im Ort Moritzburg. 

Erithacus r. ruhecula (L.). — Rotkelilchen. 

3. VIII. 16 ein mauserndes Rotkehlchen am Schloßteich, von 
dem sich 2 fast selbständige Junge ätzen lassen. 

Prunella m. modidaris (L.). — Heckenbraunelle. 

Das Brüten der Art im Gebiet darf als sicher gelten. Be- 
obachtungen u. a. am 2. V. 15, 8. V. 16, 21. V. 16, 13. VI. 16.] 



^ ■ 

Ges. Bay. 



Zugbeobachtungen an Wasservögeln Mittelsachsens. 

Aus Hugo Mayhoff's nachgelassenen Tagebuchaufzeichnungen 
zusammengestellt von 

Erwin Stresemann und Rieh. Heyder. 

Unter diesem Titel seien hier die zahlreichen Beobachtungen 
an durchziehenden Wasser-, Sumpf- und Straudvögeln zusammen- 
gestellt, die wir in Hugo Mayhoff's mit peinlicher Sorgfalt ge- 
führten ornithologischen Tagebüchern (1906 — 1916) verstreut fan- 
den, soweit sie sich auf die Umgegend von Mayhoff's Wohnort 
Dresden beziehen und nicht schon von ihm selbst veröffentlicht 
sind. Sie enthalten viele wichtige Beiträge zur Kenntnis der Ornis 
Sachsens aus Gebieten, aus denen v/ir in neuerer Zeit nur durch 
den rührigen F. Helm Ausführlicheres gehört haben: Eibtal und 
Moritzburger Teiche. Zwar besaß auch der unvergeßliche Beruh. 
Hantzsch eine vorzügliche Kenntnis der Vogelwelt in der Dresdener 
Umgegend, aber er hat über seine Beobachtungen niemals im Zu- 
sammenhang berichtet. 

Nachfolgend geben wir nun zunächst — nach Möglichkeit 
wörtlich — die von Mayhoff verzeichneten Eiuzelnotizen wieder 
und fügen eigene Zusätze nur dort an, wo dies zum Zwecke größerer 
Klarheit nötig erscheint, machen solche aber stets dadurch kennt- 
lich, daß wir sie in [ ] setzen. Wenn wir einige Arten, die sich 
am Durchzug beteiligen (Schellente, Stockente, Flußregenpfeifer, 
Rotschenkel, Bekassine u. s. w.), nicht, andere nur teilweise auf- 
führen, so geschieht das teils deshalb, weil Mayhoff das gewonnene 
Zugbild bei diesen Arten bereits in hinterlassenen Arbeiten^) be- 
handelt hat und Wiederholungen vermieden werden sollten, teils 
auch aus dem Grunde, weil bei den betreffenden Spezies zwischen 
Brut- und Zugvögeln nicht hinreichend scharf unterschieden werden 
konnte. Am Schlüsse sollen die Notizen noch einer kurzen zu- 
sammenfassenden Betrachtung unterzogen werden. 

^) „Beobachtungen im Gebiete der Moritzburger Teiche 1906 
bis 1914"; Ornitholog. Monatsschrift 1915, p. 268 und die in diesem Sonder- 
heft vorangestellte Abhandlung. 



Sonderheft, gtresemann & Heyder: Zugbeobachtungen an Wasservögeln. 65 

Colymhus stellatus Pontopp. — Nordseetaucher. 
25. IV. 15: Während ich am Wildberger Haken (Elbe) 
vergebens nach Fluliuferläufern Ausschau halte, kommt 1 See- 
taucher niedrig vorbeigeflogen: auf ca. 20 m kennzeichnen der 
lange, etwas abwärts gestreckte Hals, die nachschleppenden mäch- 
tigen Schwimmfüße, die ganz dunkle Oberseite den über enten- 
großen Vogel bereits hinreichend; völlig zweifellos wird die Be- 
stimmung, als er beim Einfallen kurz oberhalb des „Fährgutes" 
sofort unter Wasser verschwindet und nach raschem Auftauchen 
quer zum Strom seinen charakteristischen Schattenriß zeigt. Ein 
Dampfer hatte ihn stromab gescheucht; während des etwas schwer- 
fälligen Fluges war wiederholt zu sehen, wie er sichernd nach 
ihm den Kopf zur Seite wendete. Auf die ca. 400 m, die er ent- 
fernt schwimmt, ist über die Artzugehörigkeit nichts mehr aus- 
zumachen, und ich wende mich weiter stromaufwärts. Da, nach 
kaum einer Viertelstunde, habe ich wieder 1 Seetaucher unmittel- 
bar vor mir, diesmal schwimmend: entweder ein zweites Stück 
oder wahrscheinlicher wohl denselben, der wieder zurückgeflogen 
ist. Ich werfe mich sofort ins Gras, und während er taucht, renne 
ich gerade auf ihn zu; dies wiederholend kriege ich ihn auf 
30—25 m gut vors Glas. Er schwimmt langsam stromaufwärts 
vor mir weg, ohne indessen besondere Zeichen von Scheu zu geben, 
taucht keineswegs sehr lange — nach mehr als zwölfmaligem 
Tauchen notiere ich die Einzeldauern mit 12 — 5 — 5 Sekunden — 
bald scheint er mich kaum noch zu beachten, denn er bringt einen 
Fisch von Schnabellänge herauf und verzehrt ihn ruhig vor meinen 
Augen. Das Schlingen geht dem großen Gesellen merkwürdiger- 
weise eher weniger schnell und geschickt von statten als ich bei 
Haubentauchern mit relativ gleichgroßen Beutestücken beobachtete. 
Das Tauchen erfolgt hingegen mit überlegener Leichtigkeit: er 
steckt den Kopf ins Wasser und „sackt" lautlos schräg vorwärts 
weg — ohne jeden Tauchsprung. Im Schwimmen hält er sich in 
der Regel tief eingesenkt, taucht aber auch wiederholt mit dem 
ganzen Leibe über Wasser empor: eigentümlich ist, wie er den 
Kopf fast stets schräg aufwärts — Schnabel unter 45** — ge- 
wandt hält. Das leuchtende Weiß der Unterseite, besonders des 
Vorderhalses, sticht gegen das düstere Schwarzgrau der oberen 
Teile scharf ab. Wenn Brust und Bauch nicht unter Wasser sind, 
fällt am Hinterende der Kontrast der weißen Sleißfedern gegen 
die dunkle Außenwade auf. Der Ausdruck der braunen Augen ist 
nicht besonders lebhaft; im Gegensatz zu den Süßwassertauchern 
macht das Gesicht einen fast einfältigen Eindruck.' Unterschnabel 
sehr hell bleigrau, hebt sich gegen den Oberschnabel besonders 
in der Wurzelhälfte durch die Farbe ab. Das Zeißglas zeigt auf 
dem Rücken helle Flecken, die dies Winter- oder Jugendkleid 

5 



66 Stresemänn & Heyder : i^ugbeobachtungen an Wasservögeln. 1 ^^ '-. ™' 

L Ges. Bay. 

als Nordseetaacher bestimmen lassen; bei der Gesamterscheinung 
sind sie leicht zu übersehen. Scheitel und Nacken sind merklich 
heller als der Rücken, erscheinen durch die Richtung der Federn 
wie verschwommen längsgestreift. Ein abwärts kommender Dampfer 
bringt den Vogel schließlich wieder zum Abfliegen ; er kommt auf 
kaum 15 m an mir vorüber und zeigt sich dabei vorzüglich. Am 
meisten auffällig wieder das Abwärtsstrecken des Halses (wie ich 
es schon in Norwegen bemerkenswert fand [Ornith. Monatsschrift 
1912 S. 232] und das in gewisser Weise an das Flugbild des 
Kranichs erinnert). Der Flug geht anfangs 100 m weit so dicht 
über dem Wasser hin, daß es aussieht, als müßten die tief ab- 
wärts geschlagenen Schwingen und die schleppenden Paddelfüße 
eintauchen; dann gewinnt der Vogel in mehreren Ansätzen eine 
Höhe von etwa 15 — 20 m. In der Hinteransicht ist dabei eigen- 
tümlich zu beobachten, wie der in der Regel unter dem Körper 
sichtbare Kopf ein paarmal über die Rückenlinie gehoben wird. 
Vor der Gauernitzer Insel verliere ich den seltenen Gast aus dem 
Glase. 13. X. 15: Auf der Malterer Hauptsperre [Talsperre der 
Roten Weißeritz] in einer Bucht 1 Seetaucher. Schwimmt ohne 
Hast dem Ostufer zu, putzt dazwischen sein Gefieder und liegt 
ganz obenauf (wie eine Anas). An die 30 mal höre ich kräftige, 
weitschallende uhü uhy und sehe deutlich, wie er den Schnabel 
öffnet. Da kommt, als er etwa 20 m vom Ostufer entfernt ist, 
der Zug von Dresden herauf: er taucht weg, 35 Sek., dann nach 
je 2 — 3 Sek. Auftauchens noch 34 und 31 Sek. und treibt in der 
Mitte der Sperre angelangt ruhig wieder talwärts. Unter Wasser 
hatte er etwa ebensoviel Meter zurückgelegt, als er Sekunden unten 
gewesen war. Auf die 80 — 150 m oder mehr, die er allmählich 
fortschwimmt, ist auch mit dem 16X-Zeiß Vorhandensein oder 
JF'ehlen einer weißen Fleckung des Rückens nicht mehr auszu- 
machen, [weshalb eine zweifelsfreie Bestimmung — ob Nordsee- 
oder Polartaucher — nicht erfolgen kann]. 

Podiceps rußcoUis ruficoUis (Pall.). — Zwergtaucher. 

18. XL 06 auf dem Mockritzer Teich [südl. v. Dresden] 5; 
25. XI. ebendort 7 ; 6. XII. ebenso. 6. X. 07 ebendort 1, kichert mehr- 
mals. 17. X. 11 ebendort 5. 7. IX. 14 auf dem Altwasser unterhalb 
Kötitz 1+2. 10. X. 14 auf Mockritzer Teich 1. 31. X. 14 auf 
dem oberen Sperrteich bei Malter 1. 27. XII. 14 1 am Laubegaster 
Eibufer. 12. I. 15 1 auf Mockritzer Teich. 13. IL 15 1 auf der 
Elbe bei Laubegast. 13. X. 15 auf der Malterer Vorsperre 5 
[mutmaßlich hier beheimatet, weil am 3. IX. hier 7 --{- 6 = 2 Paare 
' mit noch piependen Jungen festzustellen waren. Auch 1916 am 
9. VII. hier 1 Alter mit 3 Jungen]. 21. XL 15 auf der Elbe bei 
Wachwitz— Pillnitzer Insel 1 -|-4-]- 1. 23. XL 15 an der Gauer- 



' I Stresemann & Heyder: Zugbeobachtungen an Wasservögeln. (37 

nitzer Eibinsel 5; 25. XII. ebendort 4. 30. XII. 15 1 aaf der 
Elbe bei Brock witz. 29. IL 16 1 am VVildberger Haken. 28. IX. 16 
2 -|- 2 -(- 2 aut der Lache an der Gauernitzer Insel, alle im Herbst- 
kleid. 20. X. 16 3 -j- 2 an der Gauernitzer Insel in der gleichen 
Tracht. 

Podiceps eristatus cristatus (L.). — Haubentaucher. 

3. IL 15: 2 vor Kötzschenbroda auf der Elbe, tauchen sehr 
oft in der Mitte des Stromes zwischen den treibenden Schollen; 
der eine fängt einen mindestens 15 cm langen Fisch und würgt 
daran 1—1,5 Minuten. Beide Vögel noch mit dem anliegenden 
kurzen Federkragen des Winterkleides. 15. IV. 16: 1 bei der 
Gauernitzer Insel auf der Elbe, recht vertraut, steil emporgestelzt, 
fliegt zweimal auf und vorüber; Eindruck dabei recht sägerartig. 

Sterna hirundo L. — Flußseeschwalbe. 

29. VIII. 16 am „Wildberger Haken" 1 Jungvogel mit weißer 
Stirn, schwarzem Hinterkopf und Nacken-Ohrfleck, recht düstergrauen 
Mantelfedern, nicht sichtlich gegabeltem Steuer, gaukelt ca. 10 Min. 
lang auf einer Strecke von höchstens 60 m meist über der Sand- 
bank hin und her. Kommt einmal über die halbe Breite des Stromes 
herüber, oft dem Wasser bis auf Fußbreite nahe, doch kein Tauchen 
zu sehen. Schnabel recht dunkel. 

Larus ridibundus L. — Lachmöve. 

19. IIl. 06 auf Eibheger ein Schwärm; 30. III. immer noch 
sehr viele ebendort. 11. IIL 07 ebendort 2; 21. III. ebendort 
ca. 25; auch an der Flutrinne ungemein starke Schwärme; 22., 
23., 26., 28. IIL einzelne an der Elbe. 21. IX. 07 einzelne bei 
Meißen, 23. IX. 3 an der Elbe bei Dresden. 22. IIL 08 einige 
ebendort (Waldschlößchen). 19. VIIL 14 etwa 12—16 bei Kötitz, 
fast die Hälfte sind Junge mit schwarzer Schwanzbinde; 24. VIIL 
ebendort 31, diesmal sind über die Hälfte junge Vögel; 2. IX. 
ebendort 9, bis auf eine im Jugendkleid tragen alle das erste 
Winterkleid; 5. IX. nur 2—3 im selben Kleid; 20. XL bei Wild- 
berg 4 (hm.). 22. III. 15 etwa 20 auf dem Zschornaer Großteich, 
ein Dutzend auf dem Dammmühlenteich; 31. IIL am Eibstrand 
beiMügeln 2 (aest.); 5. IV. mehrere bei Losch witz; 8. IV. zwischen 
Kaditz und Sörnewitz 60 — 70, darunter eine unausgefärbte (mit 
weißem Kopf); 25. IV. etwa 20 bei Kötzschenbroda, unter ihnen 
2 sehr interessante Jugendkleider: der eine Vogel hat noch den 
weißen Kopf, nur dunklen Backenfleck, beim anderen ist die Ver- 
färbung des Gesichtsgefieders gerade im Gange, die Kappe (Maske) 
in ihrer ganzen Ausdehnung bereits scharf abgesetzt, aber noch 
dunkelgrau (statt kaffeebraun). Durch die braungrauen Flügel- 



68 Stresemann &, Heyder: Zugbeobacttungen an Wasservögeln. 1 ^^ • f • 

L Ges. Bay. 

decken fallen beide Vögel auf den ersten Blick gegen die Alten 
auf: oberhalb Nieder wartha nochmals Trupp von mehr als 20; 
27. IV. bei Pratzschwitz einzelne; 10. VIII. an der Elbe u. a. 
34 St., davon 4 ad., 19 im zweiten, 11 im ersten Jugendkleid ; 
17. VIII. ebendort nur wenige, fast nur Junge; 24. IX. am Franen- 
teich 2 iuv., 10 am Schloßteich; 25. IX. 14 am Dippelsdorfer Teich 
bei Moritzburg im IL Kleid; 6. XL 3 ebendort im gleichen Stadium. 
29.11.16 am „Wildberger Haken" 1 (ad. hm.) flußaufwärts, 2. III. 
ebendort 1 mit beginnender ümfärbung des Kopfes; 30. III. eben- 
dort 40 + 40 (ad. aest); 8. IV. 15 — 20 Paare bei Niederwartha; 
15. IV. bei der Gauernitzer Insel nicht mehr als 10; 3. VIII. 1 bei 
Gohlis, noch ohne Mauserspuren, 1 alten Vogel am „Wildberger 
Haken" mit bereits fast vollständig vermausertem Gesicht, 6 bei 
der Gauernitzer Insel, 1 im IL, die übrigen im I. Jugendkleid; 
10. VIIL am „Wildberger Haken" 28 -f- 40, meist Junge im II., 
z. T. auch im I. Kleide; auf Saudbank wird 1 alter Vogel von 
2 solcher Jungen mit lautem kriiä kriä angebettelt, nimmt mich drei- 
mal mit erregtem gräe gräe an und würgt ihnen auf den Sand 
vor; 13. VIII. etwa im ganzen 20 an der Eibstrecke, überwiegend 
Junge im IL Kleid — 1 trägt noch größere Reste der Gesichts- 
maske — zum kleineren Teil im I. Kleid, kein alter Vogel darunter; 
29. VIII. 9 — 10 bei der Gauernitzer Insel, 4 im L, 5 — 6 im 
IL Jugendkleid, kein alter Vogel dabei; 15. IX. einzelne entlang 
der Gauernitzer Insel streifend: 3 — 4 im IL Jugendkleid, 1 Alte 
— alles Winter- Weißköpfe; 28. IX. ebendort 3— 4, alle im IL Winter- 
kleid; 20. X. noch immer welche ebendort. 

Larus fuscus fuscus L. — Heringsmöve. 

31. X. 14 streicht ziemlich niedrig über eine Kiefernschonung 
des Wilisch [südl. von Kreischa], vielleicht 30 m vor mir vorbei, 
1 alte Heringsmöwe hin ; verschwindet südostwärts. Lange habe ich 
die gi-oßen schwarzen Fittiche noch im Gesichtsfeld^). 

Larus canus canus L. — Sturmmöve 

26. XII. 14 über der Elbe vor Wachwitz 1 iuv. mit brauner 
Binde. 3. IL 15 streichen vor Kötzschenbroda 3 Möwen im braunen 
Jugendkleid mit schwarzer Sehwauzbinde hin und her: Sturm- 
möwen, wie ich mehrfach aus der Nähe mit Bestimmtheit fest- 
stellen kann; eine weitere unterhalb der Gauernitzer Insel. 
25. i^II. 15 3" (hm.) am „Wildberger Haken"; Gesichtsfleckung; 
stoßrüttelnd. 24. IL 16 1 iuv. bei Kötitz über der Elbe. 



^) Diese HeriEgsmöve mag Sachsen vom Ostseestrande her erreicht haben, 
wie jene, welche am 24. X. 1911 in Rossitten beringt und am 25. XI. 1911 bei 
Plauen i. V. erbeutet wurde (Thienemann, J. f. O. 1913, Sonderheft 2, p. 46) 
— E. S & R. H. 



' I Streseniaiin & Heyder: Zugbeobachtungen an Wasservögeln. (39 

Larus argentatus argentatus Pontopp. — Silbermöve. 

19. XL 15 2 (hm. ad.) bei Blasewitz (Größe, hellgelber Schnabel, 
Flügelbug [sichern die Bestimmung hinreichend]). 

Mergellus albellus (L.). — Zwergsäger. 

3. II. 15: An der Wildberger Landzunge cf zwischen über 
100 Stockenten auf dem Kies sitzend; 11. III.: An den Blasewitzer 
Hochuferwieseu zwischen 30 Stockenten 2 $$, prachtvoll beleuchtet; 
gegen den dunkel schiefergrauen Rücken hebt sich bereits im 
Schwimmen sehr scharf der große weiße Flügelspiegel ab, geradezu 
blendend ist das Weiß der Kehle und des Vorderhalses, nicht 
minder auffallend das fuchsige Kastanienbraun des Oberkopfes. 
Sie tauchen wiederholt; 19. XIL: 2 cfcT bei Kötitz auf Elbe; Flug 
reißend, geradeaus, kurzes Rauschen; weiße Bäuche, schwarze 
Schwingen; schwimmen recht hoch, korkartig; Holle, Nackenstreif, 
schwarzer Steiß; meist nur 10 m hoch abstreichend, spitzer Ein- 
fall, taucherähnlich, spritzend ; 25. XIL : Ebendort 14 ^c^, 24 gg, 
tauchen viel, beim Schwimmen Holle meist aufgerichtet; Flug be- 
merkenswertkurz und geradlinig; schwaches Fluggeräusch; 30. XIL: 
1 Ex. bei Brock witz vorüberfliegend. 24.11. 16: Bei Kötitz cT 
stromaufwärts vorbei; 29. IL: 4 cTcf, 1 $ bei Gauernitz, gehen 
senkrecht hoch und fliegen geradeaus stromaufwärts; Querspiegel 
nicht so scharf abgesetzt wie bei M. merganser-. Übergang in die 
distale Weißzeichnung. 

Mergus serrator L. — Mittelsäger. 

5. IV. 15 erhebt sich unmittelbar am Eibdamm bei Loschwitz 
ein Trupp von 5 Sägern, durch den Kontrast der viereckigen weißen 
Querspiegel und schwarzen Schwingen ohne weiteres sehr auf- 
fällig und kenntlich, fliegt kaum 2 m hoch streichend etwa 20—30 m 
stromaufwärts und fällt ruhig wieder dicht neben dem Ufer ein : 
ein Blick durchs Zeißglas stellt sie als Mittlere Säger fest, die 
rostfarbene, stark gefleckte Brust, der schwarze Spiegelstrich, die 
auffallend zerschlissenen, wehenden Schöpfe lassen keinen Zweifel. 
1 2 sticht durch den hellbraunen Kopf und Hals sofort heraus; 
1 5^ ist im vollen Prachtkleide, das Grünschwarz des Kopfes 
deutlich als solches glänzend; 1 zweites cf hat rein schwarzen 
Kopf, wie fleckig erscheinendes Gesichtsgefieder, etwas kürzere 
Nackenfedern und ist wohl jünger; betreffs der letzten beiden 
dunkel-braunköpfigen Vögel komme ich nicht ganz ins reine, da 
alle stroraautwärts fliegen. [Die vorstehende Beobachtung gab 
Mayhoff nachträglich noch die Gewißheit, auch am 13. LI. 15 auf 
der Elbe gegenüber Laubegast 2 dieser Säger vor sich gehabt zu 
haben, ohne damals Bestimmtes ausmachen zu können.] 



rVerh Orn' 
70 Stresemann & Heyder: ZugbeobachtuDgen an Wasservögeln. | • ^^ • 

|_ Ges. Bay. 

Mergus merganser merganser L. — Gänsesäger. 

20. XI. 14: Ära „Wildberger Haken" liegt, weithin an der 
lachsfarbenen Unterseile kenntlich, 1 prachtvolles cT, flüchtet strom- 
aufwärts, lange die großen weißen Flügelspiegel zeigend; bei 
Scharfenberg 5 $$, Flügelspiegel nicht leicht (auf den serrator- 
Strich hin) zu beobachten. 3. IL 15: Bei Kötzschenbroda fliegt 
einer elbaufwärts, das weiße Innenviereck kennzeichnet ihn; später 
ziehen bei der Gauernitzer Insel 3 cfc^ hoch überhin, und auf dem 
Eückweg überfliegen mich nochmals 2 cfcT; 13. IL: 1 cf 3 gg 
zwischen Blasewitz und Pillnitz ca. 10 — 15 m hoch stromauf 
ziehend. 25. XII. 15: 1 c^ 4 gg am „Wildberger Haken"; bei 
letzteren fallen der graue Rücken und die weißen Querbinden der 
Oberflügel (palumbus-ähnMch) zuerst auf, dann im Schwimmen die 
hell rostbraunen Köpfe; fliegen später ohne das cT stromaufwärts. 
24. II. 16: 1 cT 2 gg fliegen bei Kötitz dreimal vorbei; 29. IL: 
1 cT, 4 gg stehen lange hinter dem „Wildberger Haken", sich 
putzend; 2. IIL: 1 cT 2 gg an der Gauernitzer Insel; 20. X.: 
Gänsesäger fliegen bei der Gauernitzer Insel überhin, an den 
weißen Spiegeln sofort erkannt: 2 cTcf bereits mit prachtvoll lachs- 
roten Bäuchen, Köpfe noch braun; mit 2 gg zusammen nachher 
am Scharfenberger Ufer sitzend, sehr ruhig sich putzend. 

Nyroca marila marila (L.). — Bergente. 

20. XL 14: Ein d^ mit Tafelentenmännchen eng zusammen- 
haltend auf dem Neuteich bei Niederau. Ich dränge beide zum 
Damm und habe sie dann auf 15 — 20 m wohl 10 Min. vor dem 
Glase: blaugrauer Schnabel, dunkelgrüner Kopf, breite weiße Stirn 
und Schnabelwurzel, Iris hellgelb, Rücken dunkelgrau gewellt, 
Tragfedern heller. 

Nyroca fuligula (L.). — Reiherente. 

22. IIL 15 auf dem Zschornaer Großteich (bei Radeburg) 
3 cTcT; auf dem Dammmühlenteich 3 Paare. 29.11. 16 1 cT hinterm 
„Wildberger Haken" (Elbe). 

Nyroca nyroca (Güld.). — Moorente. 
31. X. 14 auf der Talsperre Malter 1 mit 3 Tafelenten zu- 
sammenhaltend. 27. X. 15 1 auf dem Moritzburger Großteich. 

Nyroca ferina ferina (L.). — Tafelente. 

17. X. 11 auf dem Mockritzteich 1 ausgemausertes cf. 9. IX. 
14 fliegt bei Gauernitz 1 cf (aest.) vor nahendem Dampfer vom 
Strom auf. 20. XL auf dem Niederauer Neuteich in Gesellschaft 
einer Bergente 1 cT in höchst auffälligem Übergangsgefieder zum 
Prachtkleid : Schnabel schwarz, Iris braun, Rücken und Tragfedern 



Sonderheft," 
1920 



Stresemann & Heyder: Zugboobachtungen an VVasservögeln. 71. 



gleichnicäßig heller grau, der Kopf bereits tief fiichsigbraun, die 
weiße Schnabelbasis bleibt mir ein Rätsel, das erst der „Naumann" 
löst. 13. und 15. X. 15 1 cT auf Talsperre Malter. 9. VIL 16 
Reinberger Teich [bei Dippoldiswalde] 4 cTcT. 

Mareca penelope (L.). — Pfeifente. 

6. IV. 10 auf dem Mockritzer Teich 1 cT, ebenso 7. und 8. IV. 
11. IV. 15 auf dem Dippelsdorfer Teich 7 Exemplare, Mehrzahl 
cT'cf ; einige Stunden später fliegen dieselben am Frauenteich vor- 
bei. 25. X. 15 3 d'cT 4 jg auf dem Niedern Waldteich (bei Moritz- 
burg); 27.x. auf dem Mitteileich; 6. XL ebendort 4 cTcT. 30. III. 
16 4 Paare auf dem Dippelsdorfer Teich (3 cfcf mit weißem 
Spiegelfeld), im Fluge: pi pi piju; 8. IV. auf dem Frauenteich 
8 cfJ' 2 52, gründein sehr viel und fast alle gleichzeitig; 16. IV. 
ebendort 12 cTcf 8 g$; 19. IV. auf demselben Teiche ca. 40, 
fleißig rufend; 21. IV. fallen 6 auf dem Großteich ein; 1. V. 1 cT 
bei Grauernitz auf der Elbe, hält mit 3 Stockerpeln zusammen; 
im Auffliegen kein weißes Flügelfeld: jüngerer Vogel; 11. X. cTg 
auf dem Schloßteich, cf im Übergangskleid, mit erst wenig Grau 
im Rücken, noch unvermausertem Kopfgefieder, immerhin am leb- 
hafteren Braun des Kopfes vom g zu unterscheiden; 20. X. bei 
der Gauernitzer Insel c? im Mittelkleide, noch keine helle Stirn. 

Daßla acuta (L.). — Spießente. 

22. III. 15 3 dd 6 gg auf dem Dammmühlenteich (bei Rade- 
burg). 30. III. 16 auf dem Dippelsdorfer Teich 1 Paar, gründelt 
viel; cT trägt den Kopf oft sichernd hoch erhoben (weiße Hals- 
streifen). Bereits 26. III. hier cf g von Prof. Hoffmann beobachtet. 

Chaulelasmüs streperus (L.). — Schnatterente. 

11. X. 16 cTgg auf dem Westbecken des Moritzburger Schloß- 
teichs. 

Nettion crecca crecca (L.). — Krickente. 

20. :^L 14 3 Exemplare bei Wildberg auf der Elbe. 22. III. 
15 auf dem Zschornaer Großteich einzelne Paare, fliegen unruhig 
hin und her, ebenso auf dem Dammmühlenteich 2 Paare; 27. X. 
wenige auf dem Schloßteich, 1 auf dem Sand des Großteichs bei 
Moritzburg; 6. XI. ca. 40, 14. XI. ca. 70 auf demselben Teiche. 
28. IX. 16 gründein auf dem Köckritzteiche mindestens 120 in 
solchem Eifer und solcher Anzahl, daß immer 30—40 der weißen 
Bäuche gleichzeitig zu sehen sind; kein einziger Ruf; auf Mittel- 
teich gehen mindestens 60 lautlos hoch; 11. X. ebendort ein 
Schwärm von höchstens 100 auf der Schlammkante und dem Wasser- 
spiegel. 



72 Stresemann & Heyder: Zugbeobachtungen an Wasservögeln. 1 *^''"' ^™- 

|_ Ges. Bay. 

Querquedula querquedula (L.). — Knäckente. 

31. III. 15 auf einem Lehmausstich am Birkwitzer See 
3 Paare. 

Spatula clypeata (L.). — Löffelente. 

3. IX. 15 fällt 1 (?) unterhalb des „Wildberger Hakens" ein; 
6 XI. cfg auf Mittelteich kreisschwimmend; 14. XI. g ebendort. 

Oedicnemus o. oedicnemus (L.). — Triel. 

21. IX. 15 gegenüber der Knorre [bei Merschwitz an der 
Elbe] 5 Triele; 1 läuft wenig zur Seite; gelbe Ständer, aufrechte 
Körperhaltung. 

Pluvialis apriearius (L.). — Goldregenpfeifer. 

27. X. 15 1 am Dippelsdorfer Teich: guih . . . 23. IX. 16 
fliegen vom Ostufer des Moritzburger Grroßteichs 2 Jungvögel mit 
Kiebitzen auf: gwüi, mehrere Rufe, immer einzeln. 

Charadrius h. hiaticula (L.). — Sandregenpteifer. 

19. III. 06 1 auf Eibheger bei Dresden, wenig scheu (M. u. 
Str.). 24. IX. 15 am Moritzburger Großteicb 12. 8. IX. 16 1 
einzelner, dem sich ein Zwergstrandläufer anschließt, am N.-Strande 
des Moritzburger Großteichs, hält mich bedächtig auf 6 m aus, 
bei mehrmaligem Auffluge stets güi güi, sehr schön vollklingend, 
klar j j . Sehr gelbe Ständer, scharf ausgeprägte Flügellängs- 
binden; Gesichts- und Halszeichnung entschieden lebhafter, Ober- 
seite dunkler [als dubius]-, 23. IX. rennen am Ostufer des Groß- 
teichs 11 inmitten einer Schar von 27 Zwergstrandläufern und 
13 Alpenstrandläufern hin und her, ein Bild wie auf der Helgo- 
länder Düne, im Auffliegen güi güi güi . ., alle haben ausgesprochen 
weiße Flügelbinden, die kräftig gelben * Ständer und scharfe 
schwarze Zeichnung geben schon im Laufen guten Anhalt; 28. IX. 
vei-ra'ten sich 2 am Köckritzteich durch ihr güi güi auf dem öst- 
lichen Schlammstrand zwischen einem Trupp von 18 Alpenstrand- 
läufern. 

Pisohia m. minuta (Leisl.). — Zwergstrandläufer. 

29. VIII 14 an der Elbe zwischen Kötitz und Brockwitz 4 
allerliebst zutraulich; ich halte sie im ersten Augenblick fViV Aditis^ 
doch fallen die schwache, fremdartige Lockstimme sowie die Ver- 
trautheit auf, mit der sie schon nach 3 m niederen Fluges sich 
wieder setzen. Laufen flink, aber gemächlich suchend umher, 
immer eng nebeneinander; beim mehrmaligen kurzen Auffliegen 
sind ein schmaler weißer Flügelstreif und namentlich der Kontrast 
der dunklen mittleren Steuerfedern gegen die weiß erscheinenden 



'I Streseniauii & Heyder': Zugbeobachtungen an Wasservögeln. 73 

seitlichen in die Augen fallend. Das gedämpfte dirr dirrit-dirrit, 
das sie beim Abflug rufen, ist viel weicher als das trji der Alpen- 
strandläufer. Beim Laufen sind auf ca. 8 m das Grau der Kropf- 
federn und die geschattete Zeichnung des Rückens in der Mittags- 
sonne leicht zu erkennen. Der Ton der Oberseite ausgesprochen 
braun wie beim Kampfläufer. Nach etwa 10 Min. streichen sie 
niedrig nach der [Gauernitzer] Insel hinüber; 2. IX. ebendort die- 
selben, entfalten im lebhaften, an Schwenkungen reichen Fluge 
eine Gewandtheit, die den anderen Tringen nichts nachgibt; 
3. IX. ebendort dieselben, mit 1 Alpenstrandläufer und 2 Bogen- 
schnäblern zusammenstehend; erstere kennzeichnen sich ohne 
weiteres durch ihr klangschwaches drr^ drr^* drr»*; es hat etwa 
die Tonhöhe des Zwitscherns der weißen Bachstelzen, die neben 
ihnen umhertrippeln. Im Laufen sind die Bogenschnäbler neben 
den Zwergstrandläufern schon kleine Riesen. Bald trennt sich 
der Trupp; während des E^'lugs bemühe ich mich wiederholt zu 
unterscheiden, ob die Steuerfedern bei diesen spitz zulaufen oder 
ausgeschnitten sind (im ersteren Falle handelte sich's um tem- 
mincU) — vergeblich: nur der sehr scharfe Kontrast der breiten 
weißen Schwanzränder gegen die schmale fast schwarze Schwanz- 
mitte ist sehr augenfällig, wenn das Steuer beim Umschwenken 
oder Niedergehen gebreitet wird; jedenfalls ist keine Keilform 
festzustellen. Die Oberseite ist entschieden brauner getönt als bei 
ferruginea, ihre Zeichnung nicht so unruhig wie bei alpina ; 4. und 
5. IX. dieselben ebendort. 24. IX. 15 3 -|- 4 am Moritzburger 
Großteich: drirrdritdrit. 29. VIIL 16 2 am Eibufer bei Gauer- 
nitz; im Vorbeistreichen fallen die sehr geringe Größe und neben 
dem Flügelband und der rein weißen, nur an der Vorderbrust ge- 
trübten Unterseite das helle Untergesicht auf; 8. IX. Moritzburger 
Großteich Ost 4 -j- 2, endlich in stundenlangem Zusehen ganz ein- 
wandfreie Bestimmung: Schäftung des hellbraunen Rückens, Ska- 
pularstreifen ; ein weiterer am Nordstrand, 4 — 5 mal mit erregtem 
dirr dirr dirrit hoch, beruhigt sich, als er an einen Sandregen- 
pfeifer sich angeschlossen hat; 15. IX. 1 an der unteren Spitze 
der Gauernitzer Insel, bei Dampfschiifwellen unbekümmert bis zum 
Bauch im Wasser; 16. IX. am Großteich von Moritzburg 7, tit- 
Rufe, die scharfen Kontraste der Zeichnung lassen mich anfangs 
beinahe an eine Begegnung mit Sanderlingen glauben, zumal sie 
oft mit erstaunlicher Schnelligkeit den nassen Strand am wind- 
gepeitschten Wellensaum einherrennen; im Regen lassen sie mich 
auf höchstens 3 m heran : es gelingt endlich wiederholt zweifellos 
die Hinterzehe trotz der eiligen Bewegung der Ständerchen zu er- 
kennen; 6 weitere von der westlichen Schlammkante des Niedern 
Waldteichs hoch; 23. IX. 24 -f- 3 Großteich Ost, trippeln eifrig 
nahrungssuchend in dichtem Schwärm; die hellen Schulterbänder 



74 Stresemaon & Heyder: Zugbeobachtungen an Wasservögeln. 1 ^' " 

wieder recht augenfällig; in zweimaligem Auffliegen tit tit . . und 
dirrit dirrit. 

Erolia ferruginea (Pont.). — Bogensclinabelstrandläufer. 

2. IX. 14 Elbe unterhalb Kötitz: 1 Alpen- und 1 bogen- 
schnäbliger Strandläufer sind überaus vertraut, gehen auf 5 m 
nur einige Schrittchen zur Seite, nehmen immer wieder die Schlaf- 
stellung ein: den langen Schnabel im Rückengefieder, oft einen 
Ständer angezogen; der Größenunterschied fällt mir erst garnicht 
auf, als der Bogeusclmäbler sich putzt, bemerke ich die etwas 
stärkere Krümmung des Schnabels und den weißen Bürzel. Die 
Brust ist rotgelblich überflogen, die ganze Oberseite gleichmäßig 
braungrau; 3. IX. ebendort sehr zutraulich 2 Bogenschnäbler, 
denen ich auf 4 m wohl 10 Min. lang zusehe: in ihrem behag- 
lichen Phlegma ein niedlicher Gegensatz zu einem lebhaften 
jungen Grünschenkel, der 10 m vor ihnen im seichten Wasser 
herumfischt und, wie der eine von ihnen, vor mir ein Bad nimmt. 
Während der Wasserläufer in allen Bewegungen seiner schlanken 
Gestalt eine gewisse Hast betätigt, rühren sie sich nur ganz sacht 
vom Platze, langsam die schwarzen Ständerchen vorwärts schiebend; 
spaßhaft sieht es aus, wenn sie dabei unter Wasser ausgleiten 
und dann breitbeinig verhoffen. An der Spitze des langen Schnabels 
glitzert bei allen 3 Vögeln [ — ein Alpenstrandläufer ist in ihrer 
Gesellschaft — ] ein hängender Tropfen in der Morgensonne. Beim 
Aufgehen wiederholte Rufe drrü"' drrü" dtrü^, etwas tiefer und 
nicht so rauh wie heialpma; im Flugbild kommt auch die stärkere 
Körpergröße mehr zur Geltung als im Stehen. Weißer Bürzel und 
ziemlich breite weiße Fiügelstreifen fallen ins Auge. Der Flug geht 
meist geradeaus über kurze Strecken; 4. und 5. IX. dieselben 
ebendort. 24. IX. 15 1 am Großteich bei Moritzburg: trüi. 
8. IX. 16 3-1-1 ebendort sehr zutraulich: auf 6 — 1 ra. Grauer 
Rücken, rötlich schimmernde Brust, trüi im Auffliegen, leise. 

Pelidna alpina alpina (L.). — Alpenstrandläufer. 

2. IX. 14 an der Elbe unterhalb Kötitz 1; 3. IX ebendort 
derselbe, am Nachmittag haben sich 5 weitere zu ihm gesellt; sie 
tragen sämtlich noch — allerdings sehr unansehnliche — Reste 
des schwarzen Brustschildes; 4. IX. ebendort 4; 5. IX. ebendort 
5. 24. IX. 15 am Moritzburger Großteich 5 -[-5, darunter ein 
schwarzbrüstiger; 8. IX. 16 ebendort 1, vom Schwarz der Brust- 
flecken beiderseits noch sehr wenig erhalten ; 23. IX. am Köckritz- 
teich 5, einer trägt noch Reste des sommerlichen Brustflecks; 
Großteich Ost 7 -[- 5, zwischen 27 Zwergstrandläufern und 11 Sand- 
regenpfeifern, sämtlich im reinen Herbstgefieder; 28. IX. am Elb- 
nfer gegenüber Scharfenberg 8, schlafen oder stochern eifrig auf 



'I Stresemann & Heyder: Zugbeobachtungen an Wasservögeln. 75 

dem groben Kiesstrande, alle im reinen Herbstkleid; KöckritzteichlS, 
sämtlich im reinen Herbstkleid: Großteicli Ost mehrere. 

Pavoncella inignax (L.). — Kampfläufer. 

26. VIII. 14 Elbe zwischen Kötitz und Brockwitz 1 zwischen 
2 Rotschenkeln und 1 Tot. eri/throjms; 2. IX. ebendort 2; B. IX. 
ebendort dieselben; zum ersten Male höre ich von dieser Art Rufe: 
schwache kick kickeck (2 — 3 mal); 4. IX. und 5. IX. ebendort die- 
selben. 24. IX. 15 stochern 5 -j- 1 am Großteich bei Moritzburg. 
25. V. 16 gehen 28 am Mittelteich hoch und fallen am Frauen- 
teich ein, bleiben immer stumm, gehen sehr scheu schon auf 50 m, 
durch Kiebitze gewarnt schon auf 100 m im ganzen Schwann hoch. 
Im nahen Vorbeifliegen kurze Schnäbel und gedrungene Gestalt, 
bei einigen schwarze Fleckenzeichnung an der Brust, also 3 — 4 cT 
wohl dabei. Beim Laufen auf den Wiesen und einem Saatfeld 
rennen sie mit rebhuhnartiger Eile einher; 8. IX. 1 im weichen 
Schlamm am Weststrand des Moritzburger Großteichs; 15. IX. 
1 auf grobkiesigem Eibstrand unterhalb Scharfenberg mit 6 Grün- 
schenkeln zusammenstehend; 23. IX. waten 2 gemächlich, stumm, 
am Köckritzteich zwischen 80 Kiebitzen einher. Herbstkleid. Kenn- 
zeichnend wieder der braune Gesamtton und hühnerartige Gestalt 
und Haltung. 

Äctitis hypoleucos (L.). — Flußuferläufer. 

31. VIII. 06 1 am Eibufer (Ostragehege); 21. IX. 1 eben- 
dort. 20. VIII. 07 1 bei Birkwitz (Elbe). 19. VIII. 14 fxiegen 
an der hochbegrasten Landzunge beim Kötitzer Altwasser nach 
und nach etwa 10 auf; 24. VIII. gegenüber Kötitz 10, wenig scheu; 
das gleichzeitige Rufen schließt sich zu einem wohlklingenden Ge- 
zwitscher zusammen; 26. VIII. zwischen Kötitz und Brock witz 
etwa 10, einzeln oder paarweise; 29. VIII. ebendort einige; 2. IX. 
ebendort 2, 3. IX. ebendort 6; 4. IX. ebendort 4, dazu ein halb- 
wüchsiger; 5. IX. ebendort 3—4; 7. IX. ebendort 2; 12. IX. 
ebendort einzelne. 30. IV. 15 bei Niederwartha 1, fußt lange auf 
einer knapp fußhohen Staude, fast wie ein AViesenschmätzer — 
ein etwas ungewohnter Anblick ! 10. VIII. 5 + 1 an der Elbe bei 
Kötitz; 17. VIII. ebendort 5-f-l; 3. IX. 1 am Reinb erger Teich, 
ca. 8 an der Talsperre Malter, ca. 20 an der Elbe bei Kötitz; 
21. IX. 4-]- 2 bei Scharfenberg; 15. IV. 16 1 über der Gauer- 
nitzer Insel; 11. V. an der Ufermauer des Schloßteich-Ostbeckens 
4; 18. V. bei Niederwartha Rufe gehört; 22. V. Malterer Tal- 
sperre 1, trippelt suchend am Ostufer entlang, fliegt bei mehr- 
fachem Anrudern kurze Strecken ab ohne zu rufen; 4. VII. gegen- 
über Scharfenberg 2 am kiesigen Ufer; 9. VII. am Berreuther 
Zipfel der Malterer Sperre 2; einer jagt nach Art der Bachstelzen 



76 Stresemann & Heyder: Zugbeobachtungen an Wasservögeln. | ^®^ • ^'"J^- 

L Ges. Bay. 

oder kleinen Reiher fliegende Mücken oder Fliegen, macht einen 
fast fußhohen Luftsprung, als er dabei über eine Wurzel gestolpert 
ist; 17. VII. Malterer Talsperre: 2 am Ostufer, 3 im Berreuther 
Zipfel, 2 weitere entgegenfliegende nach der helleren Oberseite 
und den nur zweisilbigen Rufen offenbar Jungvögel ; 27. VII. 1 am 
Dippelsdorfer Bahndamm; 3. VIII. zwischen Kemnitz und Nieder- 
wartha 6—8 auf beiden Ufern. Nur einmal halten 2 wie ein Paar 
zusammen, sonst einzeln; Grauernitzer Insel 2, gegenüber Scharf en- 
berg 1; 10. VIII. Eibstrecke: auf Kiesbank bei Kötzschenbroda 
10 beisammen, am Wildberger Haken mehrere, an der Gauernitzer 
Insel 5, unterhalb noch einmal 7—8, rufen regelmäßig in ziem- 
lich wechselnden Abwandlungen; der Einsatz klingt oft fast 
klirrend; 17, VIII. am Wildberger Haken vereinzelte; 1 am 
Köckritzteich; 1 am Dippelsdorfer Bahndamm; 24. VIII. Groß- 
teich Ost: 8, jagen sich während der Nahrungssuche neckend am 
Ufer entlang, immer wieder rufend hididi in verschiedenen Ab- 
wandlungen, sehr oft nur zweisilbig. Beim Einfallen Ruf und 
jedesmal ein Kippeln. Einer badet, setzt sich gleich bis zur Mitte 
des Rumpfes ins Wasser und taucht erst einmal den Kopf ganz 
unter; 24. VIII. von Kötitz bis Scharf enberg 8 — 10, immer wieder 
2 — 3 zusammen auf der ganzen Strecke; 4. IX. am Wildberger 
Haken einzelne; 8. IX. Großteich Ost : 5 — 8 überaus lebhaft, lauf en, 
stochern, fliegen ständig den Strand entlang, häufig einander an- 
rempelnd: kurze Neckereien, in denen der angegriffene Teil fast 
stets fliegend das Weite sucht. Neben normalen Trillerrufen ein 
langgezogenes diht; 15. IX. 2 am Wildberger Haken, 1 + ^ unter- 
halb der Gauernitzer Insel ; 28. IX, auf der Eibstrecke keine mehr! 

Tringa ocrophus oci'ophus L. — Waldwasserläufer. 

19. Vni, 14 2—3 beim Kötitzer Altwasser. Dieser Wasser- 
läufer erinnert durch sein vieles Weiß auf dem Unterrücken an 
Totanus nebularius, ist aber sonst sehr dunkel, ein wenig stärker 
als glareola und hypoleucos. Gar nicht zu verwechseln sind neben- 
einander die Rufe der 3- Arten: bei T. ocrophus ein einschmeicheln- 
des dluiht Witt Witt; 24. VIII, ebendort 1 (metallisches dluiht); 
26. VIII. ebendort 2, im Laufen kontrastiert die Oberseite in der 
Mittagssonne fast schwarz gegen das Weiß des Unterrückens; 
2. IX. ebendort 2; 3. IX. ebendort 1; 4. IX. ebendort 2; 7. IX. 
ebendort 1. 8. IV. 15 2 am Wildberger Haken, gehen stark 
wippenden Leibes im Grase entlang. 8. IV. 16 an der Gauer- 
nitzer Insel 1 stumm hoch und ab; 10. VIII. ebendort 2, rufen 
etwa achtmal mit wirklich prächtig metallischem Einsatz dluiht 
wit wit. Sehr auffällig das fast regenpfeüerhaft hastige Rennen, 
das zumal im Vergleich neben einem der knapp halb so großen 
Flußuferläufer hervortritt; 17. VIII. ebendort 2; 24. Vni. Moritz- 



I Stresemann & Heyder : Zugbeobachtuugon an Wasservogeln. 77 

burger Großteich (Ost) 1, scheu (wie gewöhnlich), ohne weiteres 
auffallend durch die große gedrungene Gestalt, das reine Weiß der 
Unterbrust (neben glareöla ein schärferer Unterschied als zwischen 
nehularliis und erythropusl), die einfarbig grauoliv wirkende 
dunkle Oberseite, die bleigrauen Ständer. Die Haltung hat oft 
etwas Zusammengeballtes; die Bewegungen erinnern durch ihre 
Hast an einen Regenpfeifer, ebenso wie ihr Wechsel mit „ge- 
duckten" Ruhestellungen. 

Totamis glareöla (L.). — Bruchwasserläufer. 

19. VIII. 14 gehen von der Landzunge am Kötitzer Altwasser 
3 — 4 unter Rufen hoch; 26. VIII. zwischen Kötitz und Brockwitz 1; 
25. V. 16 am Mittelteich 1; 10. VIII. bei der Gauernitzer Insel 1, 
typisches ki ki im Fluge; 24. VIII. 1 am Oststrand des Moritz- 
burger Großteichs, verrät sich rasch durch sein kiki, selten kikiki, 
durchmißt mit raschen, doch nicht hastigen Schritten viel größere 
Strecken als die kleinen Nachbarn [Actitis]-^ seine Gestalt er- 
scheint infolge der höheren Ständer noch schlanker; daß die 
Ständer gelbgrün sind, tritt in scharfer Beleuchtung sehr deutlich 
hervor, zumal neben ocrophus. Zum ersten Male beide neben- 
einander: glareöla ist merklich kleiner, die Oberseite viel bräun- 
licher. Sichert nickend nach dem Einfallen; 8. IX. Großteich 
Nordstrand 1 Überhin (kiki); 15. IX. am Schlammufer des Köck- 
ritzteichs 1 ; 23. IX. fahren am Köckritzteich 2 mit hellem kiki 
hinter einem Rohrhorst hervor; der scharfe Kontrast des weißen 
Schwanzes läßt die Oberseite im Fluge fast schwarz erscheinen'. 

Totanus erythropus (Fall.). — Dunkler Wasserläufer. 

26. VIII. 14 zwischen Kötitz und Brockwitz [Elbe] 1 mit 
2 Rotschenkeln und 1 Kampfläufer, nimmt ein Bad in der von 
W. Hagen [Orn. Monatsberichte 1913, S. 21] beschriebenen Weise, 
indem er — höchst spaßhaft zu sehen — in die Luft springt und 
mit entfalteten Schwingen sich aufs Wasser wirft. Nachher geht 
er übrigens bis zum Bauch hinein und bespritzt sich durch seit- 
liches Plantschen der zusammengelegten Flügel wie andere V^ögel 
es tun; 10. X. Mockritzer Teich 1 ohne Gesellschaft. 2. V. 15 
am Dippelsdorfer Teich 4. 11. V. 16 ebendort 1 in Gesellschaft 
eines hellen Wasserläufers. Zeichnet merkwürdigerweise nur auf 
nebularius-Rüte (einmal ausgenommen) und scheint ihnen eng zu 
folgen; 25. V. 3 am Mittelteich, tief grauschwarz, keine Flügel- 
abzeichen, rote Schenkel, Größe! 15. IX. am Schlammufer des 
Köckritzteiches 16 -|- 9 im Herbstkleid, bezw. Junge; ein reizen- 
des Bild! Auf einer festeren Schlammbank gedrängt, sehr phleg- 
matisch, die meisten schlafend, einige putzend; einzelne küit, 
dann geht die ganze Gesellschaft mit sehr vernehnllichem gegage- 



78 Stresemann & Heyder : Zugbeobaclitungen an Wasservögeln. 1 ^^ •'-'™, 

L Ges. ßay. 

gage hoch; 16. IX. Niederer Waldteich 1, fliegt mit lebhaftem 
djuit lang.e in etwa 25 m Höhe über dem Walde hin und her; 
23. IX, Köckritzteich 4, erscheinen gegenüber 2 Grünschenkeln 
merklich braun und während des Gehens auch recht deutlich 
kleiner, waten bis an den Bauch im tieferen Wasser umher; 
Einzelrufe oft sehr klangvoll küiwitt; 28. IX. ebenda 1, helles 
küiwitt in der Luft; am Mittelteich 12, machen sich durch ihr 
häufiges küit sofort bemerkbar, beim Auffliegen kurzes Gackern. 

Totanus n. nehularius (Gunner.). — Grünschenkel. 

26. VIII. 14 zwischen Kötitz und Brockwitz 1; 29. VIII. 
ebendort 1, den ich ziemlich nahe heranlocke; 2. IX. ebetadort 1, 
locke ihn ganz nahe heran; im Vorüberfliegen sehe ich vortreff- 
lich, wie er beim Antworten den Schnabel aufreißt; 3. IX. eben- 
dort 1 Junger, weiter elbabwärts noch %, die sich auch am Nach- 
mittag wieder anlocken lassen; 4. IX. ebendort 1; 5. IX. eben- 
dort 1, läßt mich viermal recht deutlich locken, kreist etwa 25 m 
über uns; 12. IX. ebendort 1. 3. IX. 15 2 bei Malter; 21. IX. 
2 bei Scharfenberg [Elbe]. 11. V. 16 Dippelsdorfer Teich 1, 
kommt mit hellem kjü kjü kjü (fast immer dreisilbig) angestrichen, 
ging in der S.W.-Ecke hoch und versucht dort wieder einzufallen. 
Auf Anlocken dreimal auf Schußweite vorbei, kommt auch die 
späteren Male auf 3—4 ni herab. 10. VIII. bei der Gauernitzer 
Insel 1, im Fluge etwa 6 ßufpaare kjü kjü; 29. VIIL bei Scharfen- 
berg 4, zwischen Kiebitzen mit den gewohnten hastigen Be- 
wegungen umherrennend; 4. IX. Gauernitzer Insel 1 — 2; 15. IX. 
bei Scharfenberg 2 -[-4; am Köckritzteich 4; 16. IX. Großteich^ 
(Ost) 4 stumm vorbei, Anruf erfolglos, am Niederen Waldteich 4 
rufend ab; 23. IX. Dippelsdorfer Teich 1, dreimal im Liegen auf 
höchstens 15 m über den Kopf gelockt, jedenfalls Jungvogel; drei- 
silbige Rufe; Köckritzteich 2; 28. IX. bei Scharfenberg 1, bleibt 
stumpi, zeichnet aber doch einigemal auf Anpfeifen durch Kopf- 
nicken und Wippen; steht wohl ^/^ Stunde lang, schläft immer 
wieder ein; hernach dreimal hochgetrieben; wird im Abflug fast 
30—40 m weit von .einer weißen Bachstelze stoßend verfolgt; 
Köckritzteich 2; Mittelteich 9 bis an den Bauch umherwatend, 
mit 12 T. erythropus zusammen; der Größenunterschied in solcher 
Nähe, 12 — 15 m, recht auffällig! 

Limosa l. lapponica (L.). — Rostrote Uferschnepfe. 

3. IX. 14 zwischen Kötitz und Brockwitz [Ellbe], gegenüber 
dem unteren Ende der Gauernitzer Insel, stehen 8, das Gefieder 
ordnend, ruhig am Strand, lassen mich auf fast 12 m heran, so 
daß ich die rötliche Schnabelwurzel und das braune Auge vor- 
züglich sehe; die kecke Aufwärtsbiegung der langen Schnäbel 



Sonderheft, I gt,.esemann & Heyder: ^lugbeobachtungen au Wasser vögeln. 79 

kennzeichnet die hellbraunen, weich unirissenen Gestalten augen- 
blicklich. Im Hochgelieu rufen sie recht lebhaft mit kiebitzähn- 
licher Stimme mehrere Rcnlien ke ke ke ke kje kje, und ebenso 
kiebitzähnli(;li ist ihr Flugbild; mit weit ausholenden Flügel- 
schlägen kommen sie auf mich zu und in Reihe an mir vorüber, 
fliegeru bald hoch nordwestwärts. Der weiße Bürzel sticht auf- 
fallend hervor, die Flügel dunkel ohne Zeichnung. 

Limosa l. limosa (L.). ' — Schwarzschwänzige Uferschnepfe. 

8. IV. 16 Frauenteich 5, goldbraune Hälse, rötlichgelbe 
Schnäbel; auf ca. 25 m zusammen mit 1 Rotschenkel und 6 Kampf- 
läufern hochgehend; die Limosen mit hartem ke'kep ke'kep: weiße 
Flügelbinden, weiße Bürzel, schwarze Steuerendbinde jetzt un- 
zweifelhaft kennzeichnend. Flug sieht sehr ruhig, fast langsam 
aus; 4. VII. 1 an der Gauernitzer Insel, mit 2 Rotschenkeln zu- 
sammenhaltend; rotbraunes Sommergefieder, Flügelbinden, schwarzes 
Steuer, rennt vor dem Auffliegen ein paar Schritte. 

Numenius a. arquata (L.). — Großer Brachvogel. 

2. V. 15 fliegt über den Wiesenstreifen am Nordufer des 
Dippelsdorfer Teichs, etwa 25 m hoch, ein Gr. Brachvogel. Ein 
kurzer Roller genügt, den iV?iw?e?^ms-Charakter im Ohre festzu- 
halten, und richtig, gleich darauf sehen wir ihn über uns und den 
Teich westwärts streichen, jetzt volle tlaü-Rufe in kurzen Pausen 
herabschickend, dazwischen auch einen etwas längeren Roller 
.-_._.—.—._. . Obgleich ich die vollen, schönen Flötentöne durch 
Nachpfeifen nicht erreichen kann, kehrt der Gast doch noch ein- 
mal zurück und kommt auf höchstens 50 m an uns vorüber, ehe 
er endgültig nach Nord weiterzieht. 4. IX. 16 Brachvogelrufe 
bei der Gauernitzer Insel, etwa 12 hintereinander, scheinen deut- 
lich aufs Nachpfeifen lebhafter zu werden; ziehen stromauf. 

Scolopax r. rustieola L. — Waldschnepfe. 

13. X. 15 1 bei Malter. 

Fulica atra atra L. — Bläßhuhn. 

18. XI. 06 auf Mockritzer Teich 1. 3. II. 15 7 auf der Elbe 
bei Kötzschenbroda : 25. XII. 15 11 auf demselben Flusse bei Kötitz. 



Die uns vorliegenden, mit erstaunlichem Eifer zusammen- 
getragenen Beobachtungen Mayhoff's setzen uns nun in den Stand, 
einige allgemeinere Betrachtungen über den Zugverlauf der in 
Frage stehenden Vogelarten und ihr wechselvolles Auftreten im 
Kreislauf des Jahres anzustellen. Den herbstlichen Durchzug, der in 



8Ö Stresemann <fe Heyder: ^ugbeobachtungen an Wasservögeln, 1 ^^ • Urn. 

L Ges. Bay. 

den ersten Tag'en des August sich bereits deutlich bemerkbar 
macht, eröffnen die Totaniden: Tr. ocrophus, Tot. glareola und 
nehularius] einzeln oder in ganz kleinen Trupps finden sie sich 
auf dem Schlamm der Teichufer oder den Kiesbänken des Eib- 
stroms ein und verweilen hier, wenn die Verhältnisse ihnen zu- 
sagen, wohl oft mehrere Tage. Die kleinen Kiebitzscharen, selten 
mehr als 30 Köpfe stark, deren Gesellschaft sie an der Elbe gern 
suchen, sind offensichtlich nicht mit ihnen aus dem fernen Norden 
gekommen, sondern in der nächsten Umgegend beheimatete Vögel, 
die sich hier sammeln, um sich gegen Ende des Monats auf die 
Wanderung zu begeben. Ihnen gleich dürften die um diese Jahres- 
zeit an der Elbe fischenden Lachmöwen ostsächsischer (z.T. Freitels- 
dorf er und Moritzburger) Herkunft sein; auch sie pflegen größten- 
teils um die Monatswende zu verschwinden. 

Die zweite Hälfte des August bringt weitere Gäste : den 
Wasserläuferarten gesellt sich als vierte, wenn auch noch sehr 
vereinzelt. Tot. erythropus zu; Numenius arquata überfliegt, viel- 
leicht nicht alljährlich, unter lauten Flötenrufen das Teich- und 
Flußgebiet, selten zu kurzer East sich herabsenkend, und zu- 
weilen erscheinen in den letzten Tagen bereits die ersten Kampf- 
läufer und Zwergstrand lauf er. 

Zu Beginn des September kommen aus Norden die ersten 
Kiebitz schwärme, „nördlicher und nordöstlicher, skandinavischer 
oder wahrscheinlicher baltischer Herkunft" (Mayhoff) und beleben 
die Ufer der Moritzburger Teiche, Schon die ersten zählen zu- 
weilen gegen 200 Köpfe; kleinere Abzweigungen besuchen gelegent- 
lich auch das Eibufer, im allgemeinen aber sagt ihnen der Schlamm- 
boden mehr zu. Sie bringen Gesellschaft mit, die möglicherweise 
schon am Ostseestrande sich ihnen angeschlossen hat, jedenfalls 
aber den gleichen Wanderweg einschlug: wenige Zwerg- und 
Bogenschnäblige Strandläufer, Kampfläufer, noch sehr vereinzelte 
Alpenstrandläufer und Ch. hiaticula. Die Kopfzahl der letzteren 
beiden Arten nimmt gewöhnlich erst in der zweiten Hälfte des 
September merklich zu, aber der Sandregenpfeifer bleibt, wenn er 
dann auch schon in Scharen bis zu 12 Stück beobachtet wurde, 
eine unregelmäßige Erscheinung, auf die man vielleicht nicht all- 
jährlich rechnen darf. Dagegen wird man um diese Zeit die 
beiden Jb^a72M5- Arten erythropus und nehulariiis selten vermissen, 
wenn man die Teichufer oder den Saum des Flusses nach ihnen 
absucht; einzeln, in kleinen Trupps, aber auch in Scharen bis 
zu 18 ziehen sie bis Mitte Oktober durch, während von ihren 
beiden hier selteneren Verwandten Tot. glareola und Tr. ocrophus 
der erstere bisher nach dem 23,, der letztere gar nach dem 7. Sept. 
nicht mehr bemerkt wurde, sehr im Gegensatz zu dem Verhalten 
der Art in der Leipziger Gegend nach Hesse (Journ, f. Ornith. LV. 



1 Stresemann & Heyder: Zugbeobachtungen an Wassorvögeln. ,Si 
1 y ^u j 

1907 p. 110, LVI. 1908 p. 35, 267; LVn. 1909 p. 8, LVm. 1910 
p. 497). 

Im Oktober verleihen die großen Scharen von Krickenten, 
die sich auf den Schlamnibänken drängen, dem Vogelleben an den 
Teichen ein neues und eigenartiges Gepräge. Sie sind Zuzügler 
aus nördlicheren Strichen und erscheinen bereits von Mitte Sep- 
tember ab, aber jetzt erst erreicht ihre Zahl den Höhepunkt. 
Spätestens in der ersten Novemberhälfte verschwinden sie wieder. 
Mit der ihren wächst auch die Zahl der nordischen Kiebitze, bis 
man um die Mitte des Oktober zuweilen an einem Teiche mehr 
als 400 versammelt findet. Auch von ihnen bemerkt man in ge- 
wöhnlichen Jahren nach dem 15. November nichts mehr. Lach- 
möwen begegnet man im Oktober an den Moritzburger Teichen 
nicht alljährlich; stellen sie sich aber ein, so tun sie dies zu- 
weilen in Schwärmen bis zu 100 Stück und sind noch in den 
ersten Tagen des nächsten Monats zu bemerken. Dann räumen 
sie ebenfalls das Gebiet endgültig. Es sind Durchzügler aus Nord- 
osten. Schließlich ist für den Nachschub im Oktober noch der 
Alpenstrandläufer (und in manchen Jahren auch der Bogenschnäbler) 
zu erwähnen, der wohl in keinem anderen Monat so häufig ist 
und einmal in einem Schwärm von 25 Stück angetroffen wurde, 
sowie die Pfeifente, die sich einzeln oder in ganz kleinen Ver- 
bänden auf den Teichen oder an der Elbe einstellt. 

Zu Beginn des November kommen die letzten Alpenstrand- 
läufer durch ; Krickenten, Kiebitze, Lachmöwen verlassen die Teiche, 
aber bevor sie abgezogen sind, haben sich bereits die Vorläufer 
einer anderen Vogelgemeinschaft eingefunden, die dann zusammen 
mit den Stand- und Strichvögeln die Spiegel der Seen und das 
Gestade der Elbe mit Leben erfüllt: die Wintergäste. Ihre 
Kopf- und Artenzahl ist zwar viel geringer als jene der Herbst- 
durchzügler; aber sie entschädigen durch die Anmut ihrer Farben, 
oft auch durch die Vertrautheit ihres Betragens. 

Da ist als regelmäßige Erscheinung der Gänsesäger zu er- 
wähnen, dessen nächste Brutgebiete in Niederschlesien (Kollibay, 
Die Vögel der Preuß. Provinz Schlesien, 1906, p. 53) liegen, und 
der mitunter bereits Ende Oktober auf der Elbe anzutreffen ist, 
wo einige überwintern, um erst Ende Februar oder Anfang März 
wieder abzuziehen; sie stellen sich währenddem auch dann und 
wann auf den Moritzburger Teichen ein. Sein kleiner nördlicher 
Vetter, der Zwergsäger, ist vielleicht kein alljährlicher Winter- 
gast; er ließ sich vom Februar bis 11. März 1915 und dann 
wieder vom 25. Dez. 15 bis 29. Febr. 16 auf der Elbe unterhalb 
Dresden sehen; einmal, in dem allerdings recht strengen Winter 
1915/16, schwammen sogar 28 Stück beisammen. Es ist nicht 
unwahrscheinlich, daß ihn M. in den früheren Wintern übersah, 

6 



82 Stresemann & Heyder: 2ugbeobachtuiigen an Wasservögeln. I ^^^ • *-"* • 

L Ges. Bay. 

zumal er und seine ornithologischen Freunde damals die Elbe nur 
zur Zugzeit zu begehen pflegten. Durch ihre Färbung trägt nicht 
weniger wie diese beiden Arten zur Zierde der winterlichen Teich- 
und Flußlandschaft die Schellente bei, die früher von Ende Sep- 
tember ab bis in den Dezember, einzeln oder zu wenigen vereint, 
gelegentlich als Durchzügler auf den Teichen zur Beobachtung 
kam und erst Ende März wieder auftauchte, im strengen Winter 
1915/16 jedoch sich in ständig wachsender Zahl erst auf den 
Teichen, dann nach deren Zufrieren auf der Elbe einstellte, bis 
sich dort Ende Februar ihrer 22 zusammengefunden hatten. Sie 
verschwanden in den nächsten Wochen nach und nach wieder; 
Ende April waren es nur noch 4 Paare, die dann auch den 
Sommer über auf den Teichen verblieben und z. T. zur Fort- 
pflanzung schritten. Als ausgesprochener, aber weit seltenerer 
Wintergast kann die Bergente angeführt werden, die in den 
letzten 14 Jahren nur einmal festgestellt wurde, aber doch häufiger 
vorgekommen sein dürfte. Wenn gelegentlich einmal eine Tafel- 
ente mitten im strengsten Winter gesehen wird, so berechtigt das 
nicht dazu, die Art unter die Wintergäste aufzunehmen; es sind 
das versprengte, vielleicht infolge Krankheit zurückgebliebene 
Stücke. Aber die Sturmmöwe gehört noch hierher; ihr Flug 
führt sie — vielleicht dem Eiblauf folgend — nicht allzu selten 
bis in die Dresdener Gegend, wo sie zuweilen schon Mitte Ok- 
tober, gewöhnlich aber erst in jenen Wintermonaten erscheint, in 
denen die Lachmöwe hier fehlt, so sich der Beobachtung gerade- 
zu aufdrängend. 

Etwa Mitte März melden die ersten Ankömmlinge den be- 
ginnenden Frühjahrs durchzug an. Die wenigen Kiebitze, die 
bereits Ende Februar oder in den ersten Märztagen erscheinen, 
sind wahrscheinlich keine Durchzügler, sondern Brutvögel in der 
nächsten Umgebung; und das gleiche darf mit ziemlicher Sicher- 
heit von den Frühjahrs-Lachmöwen gesagt werden, deren erste, 
meist noch vereinzelt, ungefähr gleichzeitig mit den Kiebitzen 
ankommen. Erst in der zweiten Märzhälfte kann man darauf 
rechnen, auf den Wasserflächen und an den Ufern Arten anzu- 
trefien, die nicht im Gebiet brüten, in denen man also unzweifel- 
hafte Durchzügler vor sich hat. Da erscheinen Reiherenten und 
Pfeifenten auf den Teichen (selten auf der Elbe), meist einige 
Vögel beider Geschlechter eng zusammenhaltend, und haben es 
gar nicht eilig, an ihre weit entfernten Brutstätten zu kommen; 
sie verweilen tage-, ja manchmal wohl auch wochenlang im Ge- 
biete, und der Neuling gibt sich wohl schon der freudigen Hoff- 
nung hin, sie im Sommer mit junger Brut wiederfinden zu können; 
aber Ende April sind sie und alle Artgenossen, die im Laufe 
dieses Monats ankamen, restlos verschwunden. Ganz wie diese 



oü ei e ,1 gtreseraann & Heydor: Zugbeobachtungen an Wasser vögeln. 83 

beiden Arten verhielten sicli in früheren Jahren die Schellenten; 
auch sie kamen in der zweiten Märzhälfte in einigen kleinen Ge- 
sellschaften an, erhielten noch im Laufe des April Nachschub und 
zogen sämtlich wieder fort, ehe es Mai geworden war. Im letzten 
Beobachtungsjahr, 1916, blieben 4 Paar zur Fortpflanzung zurück. 
Jüngsten Datums und sehr schwach ist auch die Wiederbesiede- 
lung des Gebiets durch die Moorente, von der ganz wenige Stücke 
(4 — 5) bereits im Sommer 1914 und 1915 bemerkt wurden, und die 
1916 eine Brut hochbrachte. Wenn von dieser Art im April zu- 
weilen mehr als 10 Exemplare sich auf den Teichen zeigen, so 
sind das also zweifellos — mindestens zum großen Teil — Durch- 
zügler. Bei der Tafelente ist diese Frage viel schwieriger zu 
entscheiden, denn die Zahl der Brutpaare, die sich auf die Teiche 
verteilen, mag bis zu 40 betragen, und diese Zahl wird auch 
Ende März und im April nur selten überschritten; immerhin 
mögen um diese Zeit beträchtliche Mengen durchziehen. Wie 
bei den anderen Tauchenten, so erscheinen auch bei der Tafel- 
ente die ersten frühestens um den 20. März. Dies ist auch der 
Zeitpunkt, an dem die ersten Spießenten bemerkt wurden; aber 
ungleich den durchziehenden Tauchenten halten sich diese schönen 
Vögel niemals längere Zeit auf den Moritzburger Teichen auf, 
sondern ziehen schon Anfang April wieder ab; ihr Vorkommen 
bleibt alljährlich auf wenige Stücke beschränkt. 

Die Stelzvögel, die, wie wir sahen, unter den Herbstdurch- 
züglern die führende Stelle einnehmen, kommen iih Frühjahr nur 
selten einmal zur Beobachtung. Das mag zum Teil damit erklärt 
werden können, daß der Drang, die Brutgebiete rasch zu er- 
reichen, sie großenteils zum Überfliegen der Gewässer veranlaßt, 
welche ihnen im Herbst eine willkommene Unterbrechung der 
Eeise gestatteten, zum Teil auch in dem hohen Wasserstande be- 
gründet sein, den die Teiche wie auch die Elbe um diese Zeit 
meist aufweisen und der das Erscheinen der von den Durch- 
züglern begehrten Schlamm- und Kiesbänke unterbindet. Den 
Sandregenpfeifer fand Mayhoff im Frühjahr nur ein einziges Mal, 
am 19. März, an der Elbe; auch der im Herbst so gewöhnliche 
Helle Wasserläufer kam nur einmal, am 11. Mai, zur Beobach- 
tung; es waren einzelne Vögel. Der Waldwasserläufer, im Herbst 
derjenige unter seiner Sippe, dessen Durchzug hier am frühesten 
beendet zu sein scheint, erschien recht zeitig wieder am 8. April 
1915 und am gleichen Tage 1916. Vom Bruchwasserläufer konnte 
einmal am 25. Mai ein Stück festgestellt werden. Der Dunkle 
Wasserläufer wurde viermal, am 20. April und im Mai (in der 
Regel gleichfalls einzeln) beobachtet. Am häufigsten stellte sich 
der Kampfläufer ein: 6 Beobachtungen, davon die früheste am 
b. April, die späteste am 25. Mai; fast jedesmal waren ihrer 



84 Stresemann & Heyder: Zugbeobachtungen an Wasservögeln. I ^ 

|_ Ges. Bay. 

mehrere, einmal sogar 28 beisammen, und die Zahl der Herbst- 
beobachtungen wird damit genau erreicht, die der dort beobach- 
teten Vögel noch um ein Bedeutendes übertroffen. Nur auf dem 
Frühjahrsdurchzug wurden Pisohia temminckii (1 Stückjam 20. April) 
und Limosa l. limosa (1 am 31. März, 5 am 8. und 4 am 17. April) 
wahrgenommen. 

Die beiden Zugperioden zeitigen also für unser Gebiet völlig 
voneinander verschiedene Bilder. Wo bleiben die großen Kiebitz- 
schwärme, die im September und Oktober zu Hunderten und aber 
Hunderten an den Teichen rasteten? Wo die unzähligen Krick- 
enten, die im Herbst das Auge fesselten, von deren Durchzug im 
Frühjahr nichts zu spüren ist ? Welchen Weg schlagen andererseits 
die Spieß- und Eeiherenten im Herbst ein, wo sie noch niemals 
im Gebiet gesehen wurden? Warum sind Moorente, Schellente, 
Pfeifente im Frühjahr so ungleich viel häufiger als im Herbst? 
Und warum bleiben gerade Alpen-, Zwerg- und Bogenschnäbeliger 
Strandläufer im Frühjahr vollkommen aus, während manche To- 
taniden zuweilen an den Teichen einfallen? Das sind Fragen, 
die auch über den Rahmen dieses kleinen Gebietes hinaus Gültig- 
keit haben dürften und Interesse erheischen. 

Mayhoff's Aufzeichnungen gestatten noch einige weitere Fest- 
stellungen, auf die wir zum Schluß kurz hinweisen wollen. Sie 
werden zum Teil dadurch ermöglicht oder gesichert, daß Mayhoff 
sich niemals damit zufrieden gab, die Kopfzahl in einem Vogel- 
schwarm zu schätzen, wenn die Möglichkeit genauer Zählung be- 
stand. Er hat hierauf oft eine sehr große Mühe und viel Zeit 
verwendet. Allgemeine Zahlenbegriffe wie „einige", „mehrere", 
„viele" wird man in seinen Tagebüchern der letzten 8 Jahre nur 
selten noch antreffen. Schlich er sich beispielsweise ans Ufer eines 
Teiches, so wurde die Wasserfläche mit dem Glase aufs sorg- 
fältigste abgesucht und nach Möglichkeit genau festgestellt, wie 
viele Bläßhühner, Stockenten, Tafelenten, Haubentaucher etc. — nach 
Geschlechtern getrennt, wo die Farben dies verrieten — sich darauf 
sehen ließen. Es mag dies zunächst als Pedanterie erscheinen; 
man wird sich jedoch bald vom wissenschaftlichen und praktischen 
Wert dieses Verfahrens überzeugen, das allen Feldornithologen 
nicht warm genug zur Nachahmung empfohlen werden kann. Ein- 
mal liefert es die Erfahrungsgrundlage für unvermeidliche Schät- 
zungen — und man wird sich dabei überzeugen, daß man Ansamm- 
lungen von 30 bis zu 50 Stück gern überschätzt, größere da- 
gegen oft beträchtlich unterschätzt. Ferner ist es nur auf diese 
Weise oft möglich gewesen, eine Veränderung des Bestandes, also 
Zugbewegungen, einwandfrei nachzuweisen; sie wären im anderen 
Falle übersehen worden. Besonderen Wert haben diese genauen 
Angaben schließlich dadurch erhalten, daß sie zuweilen die Fe st- 



on er e , i gti-egemanu ^ Heyder: Zugbcobachtuiigcii an Wasseivögeln. 85 

Stellung erlauben, wie lange einzelne Trupps auf ihrem 
Durchzug im Gebiet rasteten. Da zeigt es sich, daß die 
Stelzvögcl im Herbst manchmal tagelang verweilen, bevor sie 
sich zur Fortsetzung ihrer Reise entschließen. 

Ein Trupp von 4 Zwergstrandläufern, der am 26. VIII. 14 
an der Elbe noch fehlte, wurde dort am 29. VIII., 2., 3., 4. und 
5. IX. festgestellt; vom 7. IX. ab blieb er verschwunden; er hat 
also wenigstens 8 Tage (höchstens 11 Tage) lang seine Wanderung 
unterbrochen. 4 Tage lang blieb (vom 2.-5. IX. 14) eine kleine 
Gesellschaft von 2 Kampfläufern und 2 Bogenschnäblern, ebenso 
lange (vom 11. — 14. IX. 14) ein Trupp von 8 Dunklen Wasser- 
länfern. Bei häufigen Durchzüglern, deren Anzahl durch Zu- 
wachs und Abgang täglichen Schwankungen unterworfen ist, 
lassen sich solche sichere Angaben leider nicht machen, aber 
auch für sie darf vielfach im Herbst ein Aufenthalt von mehreren 
Tagen angenommen werden, und er bildet sogar vielleicht die Regel. 

Ebenso langsam, wie im Herbst ein Teil Stelzvögel, rücken 
im Frühjahr vielfach die Enten vor. Ein gesunder Pfeiferpel 
schwamm auf der kleinen Wasserfläche des Mockritzer Teiches 
vom 6. — 8. IV. 1910, vielleicht auch länger, ganz allein umher; 
ein Paar Spießenten, das zuerst am 26. III. 16 auf dem Dippels- 
dorfer Teich zu sehen war, ließ sich am 30. III. noch dort er- 
blicken; von zwei Paaren dieses seltenen Durchzüglers, die am 
1. IV. 13 auf dem Großteich schwammen, waren am 6. IV. immer 
noch 2 cfcf, 1 $ an derselben Stelle. Noch wesentlich länger 
rasten mit hoher Wahrscheinlichkeit, wie oben bemerkt, die durch- 
ziehenden Tauchenten auf den Moritzburger Teichen; bei ihrer 
größeren Häufigkeit schwankt ihre Zahl indessen fortgesetzt. 

Endlich sei die Frage gestreift, ob die Stelzvögel im 
Herbste Stents nach Arten getrennt oder oft auch in gemischten 
Gesellschaften über das Binnenland ziehen. Da ihre Wanderungen, 
der Aufbruch und die Ankunft in der Regel nachts oder in der 
Dämmerung erfolgen, wird sich das der unmittelbaren Beobach- 
tung meist entziehen. Schon ihr Gebahren an den Teichen, der 
enge Anschluß, den die Strandläufer- und Regenpfeiferarten (manch- 
mal auch die Wasserläufer) aneinander und an die Kiebitze, die 
ihnen oft die Rolle des Führers spielen, suchen, deutet jedoch 
mit Bestimmtheit darauf hin, daß das so oft beobachtete gleich- 
zeitige plötzliche Auftreten mehrerer verschiedener nordischer 
Stelzvögel etc. nicht dem Zufall oder besonders günstigen, bezw. 
ungünstigen, zur Unterbrechung des Wanderfluges nötigenden 
(atmosphärischen) Zugbedingungen zuzuschreiben ist. In der An- 
nahme, daß sie sich auch beim Überlandflug eng zusammen- 
schließen (wie ein gemischter Vogelschwarm), bestärken uns 
die folgenden Beobachtungen: Die Strandvogelgesellschaft an der 



[1/ PI*!) \lTn 
■ 
Ges. Bay. 

Elbe bei Gauernitz setzte sich nach Mayhoft's Notizen zusammen 
am 26. VIII. 14 aus 1 Tot. glareola, 2 Tr. ocrophus, 1 Tot. nebu- 

larius, 1 Pavonc. pugnax, ca. 20 Van. vanellus; 
am 29. VIII. ans 1 Tot. tot., 4 Pis. minuta, ca.- 40 Van. vanellus ; 
am 2. IX. aus 2 Tr. ocrophtis, 3 T. nebularius, 2 Pavonc. pugnax, 

4 Pis. minuta, 1 Er. ferruginea , 1 Pel. alpina, 12 Van. 

vanellus ; 
am 3. IX. aus 1 Tr. ocrophus, 3 T. nebularius, 2 Pavonc. pugnax, 

4 P?'s. minuta, 2 £V. ferruginea, 6 Pe/, alpina, 8 Lm. 

lapponica, ca. 10 Fa?^. vanellus; 
am 4. IX. aus 2 IV. ocrophus^ 1 T. nebularius, 2 Pavonc. pugnax, 

4 P^s. minuta, 2 -EV. ferruginea, 4 Pe^. alpina, 12 Faw. 

vanellus; 
am 5. IX. aus 1 T. nebularius, 2 Pavonc. pugnax, 4 P«s. minuta, 

2 jfcV. ferruginea, 5 PeZ. alpina, 12 Fa?z. vanellus; 
am 7. IX. aus 1 Tr. ocrophus, ca. 12 Fa/?. vanellus; 
am 9. IX. aus l5-f-80 Fa?2. vanellus; 
am 12. IX. aus 1 T. nebularius, einigen Fa?^. vanellus 

Es liegt nahe, hieraus abzuleiten, daß die Wasserläufer, die 
Uferschnepfen und ebenfalls die Kiebitze für sich zogen (erstere, 
wie dies auch aus vielen anderen Beobachtungen hervorgeht, recht 
häufig einzeln), während die Strandläuferarten zwischen dem 5. und 
7. IX. gemeinsam mit den Kampfläufern aufgebrochen sein dürften. 
Es mag nun noch die Frage erlaubt sein, inwieweit den vor- 
stehend abgehandelten phänologischen Erscheinungen nur örtliche 
Gültigkeit innewohnt und sie sich schon in den Nachbargebieten 
wandeln, oder ob sich der Durchzug in diesen (ähnliche Lebens- 
räume vorausgesetzt) in gleicher Weise äußert. Vergleicht man 
Mayhoff's Ergebnisse mit denen, die in der reichen Literatur 
über West- und Ostsachsen niedergelegt sind, so bestätigen die 
letzteren vielfach ein Vorhandensein gleichartiger Verhältnisse. 
Das vermehrte Auftreten der Strand- und Wasserläufer und ihr 
säumiger Durchzug im Herbst und das gleiche Verhalten der 
Tauch- und einiger Schwimmenten (Spießente, Pfeifente) im Früh- 
ling erscheinen auch hier als die Regel; für ihre Erklärung lassen 
sich theoretisch, wie schon oben versucht, sowohl der jahreszeit- 
liche Wechsel von Hoch- und Niedrigwasser, wie die Länge 
der den Wanderern bis zum Beginn des Brutgeschäfts verfüg- 
baren Zeitspanne schließlich auch eine geographische Ver- 
schiedenheit der hauptsächlichen Herbst- und Frühjahrswander- 
wege in gleicher Weise heranziehen. Abweichungen von den 
vergleichsweise herangezogenen Nachbarfaunen dürften vor allem 
das seltene Erscheinen der Trauerseeschwalbe, die Mayhoff selbst 
bei Moritzburg nie beobachten konnte^ und des Bruchwasser- 
läufers sein. 



Sonderheft.! 
1920 J 



Indes 



8t 



Index. 



acuta, Bafila 71. 
alba, Motacüla a. 54. 
albellus, Mergellus 20, 69. 
Alcedo 21. 

alpina, Pelidna a. 37, 74, 86. 
anatarius, Mergus 20. 
apricarius, Pluvialis 72. 
apus, Micropus a. 4, 50. 
aquaticus, Ballus a. 39. 
arborea, Lullula a. 55. 
argentatus, Larus a. 69- 
argwaia, Numenius a. 79, 80. 
arundinaceus, Äcrocephalus a. 61. 
arüensi«, Älaude a. 55. 
afer, Favus a. 57. 
«^/•a, Fulica a. 41, 79. 
atricapüla, Sylvia a. 62. 

hrachydactyla, Certhia b. 58, 59> 60. 
brehmi, Picus viridis 48. 
iM^eo, Bwieo &. 45. 

caeruleus, Parus c. 57. 
caesia, Sitta europaeä 58. 
calandra, Emberiza c. 54. 
canorus, Cuculus c. 47. 
canus, Larus c. 68. 
carduelis, Carduelis c. 53. 
chloris, Chloris c. 53. 
chloropus, Gallinula c. 39. 
ciconia, Ciconia c. 44. 
cinerea, jlrc?ea c. 43. 
cinerea, Motacilla c. 4, 54. 
clangula, Glaucionetta c. 4, 14, 20. 
clypeata, Spatula 34, 72. 
coccothraustes, Coccothraustes c. 4, 53. 
coelebs, Fringilla e. 53. 
eollurio, Lanius c. 47, 51- 
collybita, Phylloscopus c. 60. 
Colymbus 27. 



communis, Sylvia c. 62. 
communis, Parus palustris 57- 
cornix, Corvus c. 52. 
corone, Corvus c. 52. 
coturnix, Coturnix c. 4, 45. 
crecca, Nettion c. 29, 30, 71. 
cristatus, Podiceps c. 8, 67. 
curonicus, Charadrius dubius 37. 
cwrrMCO, Sylvia c. 62. 

epops, Upupa e. 46. 
Erismatura 18, 20, 22. 
erythropus, Totanus 75, 77, 78, 80. 
cMro^JflßM*, Aegithalos caudatus 55. 

familiaris, Certhia 60. 
ferina, Nyroca f. 16. 17, 24, 70. 
ferruginea, Erolia 37, 74, 86. 
flavus, Budytea f. 4, 54. 
fuligula, Nyroca 17, 28, 70. 
fuscus, Larus f. 68. 

gallinago, Gallinago g. 38. 
gibraltariensis, PJwenicurus ochr. 63. 
glandarius, Garrulus g. 52. 
glareola, Totanus 76, 77, 80, 86. 
grisegena, Podiceps g. 7. 

hiaticula, Charadrius h. 37, 72, 80. 
hippolais, Sylvia Ä. 61. 
hirundo, Sterna 67. 
histrionicus, Histrioi}icus 17. 
hortorum, Dryobates minor 4, 49. 
hypoleuca, Muscicapa h. 50. 
hypoleucos, Actitis 37, 75, 76. 

icterina, Hypolais 61. 
ignicapillus, Begulus i. 60. 



Index. 



tVerh. Orn. 
Ges. Bay.| 



ispida^ Alcedo atthis 4, 46. 
Ixdbrychus 54, 

juniperorum, Lyrurus tetrix 45. 

lapponica, Limosa L 78, 86. 
limosa, Limosa l. 79, 84. 

macrodactyla, Certhia famüiaris 4, 58. 
major, Parus m. 58. 
marila, Nyroca m. 17, 70. 
martius, Dryocopus m. 47. 
merganser, Mergus m. 69, 70. 
minuta, Pisohia m. 37, 72. 86. 
mitratus, Parus cristatus 57. 
modularis, Prunella m. 63. 

nebularius, Totanus n. 76,77,78,80,86. 
nigricolUs, Podiceps n. 5. 
nisus, Accipiter n. 4, 44. 
nyroca, Nyroca n. 4, 17, 70. 
noctua, Carine n. 46. 

ochruros, Phoenieurus 60. 
ocrophus, Tringa o. 76, 77, 80, 86. 
oedicnemus, Oedicnemus o. 72. 
oenanthe, Oenanthe o. 4, 62. 
oenas, Columba o. 45. 

palumbus, Columba p. 45. 

palustris, Acrocephalus 61. 

penelope, Mareca 71. 

perdix, Perdix p. 45. 

phoenieurus, Phoenieurus ph. 60, 62. 

_p^■ca, Pica ^. 52. 

pilaris, Turdus 62. 

pinetorum, Picus 48. 

pinetorum, Drydbates major 49- 

^Jmeforww, Gecinus 48. 

platyrhynehos, Anas p. 27, 30, 31. 



pratensis, Anthus 55. 
pugnax, Pavoncella 37, 75, 86. 

querquedula, Querquedula 16, 30. 72 

regulus, Megulus r. 60. 
ridibundus, Larus 11, 67. 
rubecula, Erithacus r. 63. 
ruficollis, Podiceps r. 4, 66. 
rustica, Hirundo r. 50. 
rusticola, Seolopax r. 79. 



schoeniclus, Emberiza s. 54. 
schoenobaenus, Acrocephalus 4. 
scirpaeeus, Acrocephalus s. 61. 
Serinus canaria subsp. 53. 
serrator, Mergus s. 69. 
sibilatrix, Phylloscopus s. 61. 
spermologus, Coloeus monedula 
sponsa, Lampronessa 18. 
stellatus, Colymbus 65. 
strepera, Sylvia 61. 
streperus, Chaulelasmus 31, 71- 
striata, Muscieapa s. 50. 

tadorna, Tadorna 16. 
temmincJcii, Pisobia 84. 
torquilla, Jynx t. 4, 49. 
totanus, Totanus t. 37, 86. 
trivialis, Anthus t. 55. 
trochilus, Phylloscopus t. 60. 
turtur, Streptopelia t. 46. 

urbica, Deliehon u. 50. 
CTna 27. 

vanellus, Vanellus v. 35, 86. 
viscivorus, Ttf,rdus v. 62. 
vulgaris, Sturnus v. 53. 



61. 



4, 52. 



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